Wie man Männern nicht mehr aus dem Weg geht und was man dabei über die Welt lernt
Ich war neulich in Venedig und habe dort Patriarchy Chicken gespielt. Besser gesagt, ich wurde dazu gezwungen, es zu spielen.
Von einem erdbeerblonden, sommersprossigen, ein bisschen dicklichen Ami, schätzungsweise Anfang dreißig. Metal Shirt, FlipFlops, der laut mit seinen Freunden am anderen Ende eines Platzes redete, während er unbeirrt auf mich zusteuerte wie ein großes, schweres Schiff. Unaufhaltsam, schnurgerade, tonnenschwer. Der Platz war nahezu menschenleer. Dass wir kollidieren würden, wenn nicht eine von uns einlenken würde, war schon zwanzig Meter vorher klar.
Die Sicherheit, dachte ich, diese reine, vollkommene Sicherheit, mit der er auf mich zusteuert, sie ist beeindruckend. Sein ganzer Körper sagt: Es ist ein Naturgesetz, dass du mir aus dem Weg gehen wirst. Aus dem Weg gehen musst. Wie der Lauf der Gestirne. Wie die Schwerkraft. Sie ist so faszinierend, diese Sicherheit. So beneidenswert.
Wenn man noch nie Patriarchy Chicken gespielt hat, dann schlängelt bzw pflügt man sich devot bzw dominant durch die Welt, ohne diese Gesetzmäßigkeiten auch nur wahrzunehmen. Aber wenn man das Spiel kennt, ach. Ich habe kaum eine Wahl.