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    <title>Milliarden-Briefing</title>
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    <description>Sonntägliches Briefing, 2x im Monat: über die Drahtzieher der fossilen Industrie, Lobbyismus und Klimaschutzbremser.</description>
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      <title>Milliarden-Briefing</title>
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      <title><![CDATA[Die fossile DNA der USA]]></title>
      <description><![CDATA[Wer Öl so innig liebt wie die USA, für den ist die Sonne offenbar nur zum Hautbräunen da. Seit Jahrzehnten haben sich die Amerikaner Öl und Gas verschrieben und sind…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer Öl so innig liebt wie die USA, für den ist die Sonne offenbar nur zum Hautbräunen da. Seit Jahrzehnten haben sich die Amerikaner Öl und Gas verschrieben und sind dank ihrer Rohstoffe zur Wirtschaftsmacht Nummer eins aufgestiegen.</p><p>In dieser Woche stehen die Midterms in den USA an und das Trumplager könnte an Unterstützung verlieren. Dennoch ist der Klimawandelleugner Donald Trump voraussichtlich noch zwei Jahre im Amt (nächste Präsidentschaftswahl ist im November 2028) und zerstört weiter fleißig Klimaschutz und Energiewende. <a href="https://x.com/atrupar/status/2115240166994350201">Vor wenigen Tagen verbreitete</a> der US-Präsident wieder absurde Theorien: „Solarpaneele töten Tiere.” Die Tiere würden auf die Solaranlagen springen und „dort gegrillt” werden. </p><p>Ständig verbreitet er Lügen und Unsinn, nicht nur über die Energiewende. Doch das hält Wirtschaftsvertreter nicht davon ab, ihn zu unterstützen. Sie müssen seine Ansichten nicht einmal teilen, versprechen sich aber Vorteile. Mittlerweile sind auch Deutsche darunter. Vor einer Woche betrat Audi-Chef Gernot Döllner die Bühne einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Georgia, Tausende Trump-Fans jubelten. Für sie ist der deutsche CEO ein weiterer Beweis für Trumps These, Europa gehe unter dem Joch links-grüner Politik langsam zugrunde. Döllner verkündete in Georgia den Bau eines Audi-Werks in Georgia. Er will von einer Politik profitieren, die Wohlstand durch weniger Auflagen und mehr fossile Energien verspricht. Geplant sind 200.000 SUV pro Jahr – Verbrenner natürlich. Vom Band rollen sollen die Premium-SUVs Q7, Q8 und Q9. </p><figure><a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/audi-aufsichtsrat-beruft-sondersitzung-ein-a-8adc16a9-5c4e-47d1-a6bd-bf3efdc45c7f"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/94e585be-c3d8-4663-a9e9-d81671d5b9a2/uploads/images/6stxgdeeue/Bildschirmfoto_2026-11-01_um_18.55.17.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Die Buddies Trump und Döllner: Viele Medien berichteten über den angeblichen Deal, hier der Spiegel"/></a><figcaption>Die Buddies Trump und Döllner: Viele Medien berichteten über den angeblichen Deal, hier der Spiegel</figcaption></figure><p>Döllner ist ein Beispiel für die derzeitige politische Anbiederung von Unternehmensführern an Rechtspopulisten und demokratiefeindliche Kräfte. Vor einem Jahr fand der Audi-Chef es noch „kontraproduktiv“ das europäische Verbrenner-Aus im Jahr 2035 aufzuweichen. Es gebe keine bessere Technik als das Elektroauto, um den Verkehr klimafreundlicher zu machen.</p><p>Jetzt unterstützt er vor den Midtermwahlen in aller Öffentlichkeit einen Mann, der gerade sämtliche Klima- und Umweltstandards abräumt, die Bundesumweltbehörde EPA entmachtet, erneuerbare Energien als Feindbild sieht und in seiner neuen Sicherheitsstrategie ankündigt, die US-amerikanische Energiedominanz weltweit durchzudrücken – basierend auf Öl, Gas und Kohle. </p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Entweder haben Leute wie Döllner kein Gewissen oder sind schlicht Opportunisten. Wir plädieren für Letzteres. Doch genau darin liegt das Problem. Opportunismus – egal, ob aus Profitgier, Angst oder mangelndem Charakter – ist das, was derzeit nicht nur die weltweite Energiewende gefährdet, sondern auch Demokratien. </p><p>In unserem 14. Milliarden-Briefing geht es darum, wie die fossile Lobby in Amerika ihre Macht ausbaut – und warum es gerade so aussieht, als könnte sie gewinnen. Dabei kann sie auch auf die europäische Rechte zählen.</p><h3>Die Allee der Megaboxen und ihr fossiler Stromhunger</h3><p>Die Verbrenner-Nachzügler wie Döllner, die im Trump-Land noch ein paar Jahre lang Technik von gestern vom Band rollen lassen wollen, sind dabei noch das kleinere Übel. Das größere heißt: KI-Datenzentren. Susanne war Anfang Oktober bei einem Vortrag der American Academy, einer überparteilichen Forschungs- und Kultureinrichtung in Berlin. Im Villenviertel unweit des Wannsees gab es erst ein Dinner, dann sprach die ehemalige Regierungsbeamtin Alice Hill. Sie erzählte von ihrer Heimat Washington und der <a href="https://www.thenation.com/article/activism/accidental-activists-data-center-alley/">„Data Center Alley”</a>: Hinter der Stadtgrenze reihen sich dort kilometerlang 233 graue Megaboxen samt Stromleitungen und Umspannwerken aneinander. <strong>Nirgendwo sonst stehen laut Hill so viele KI-Datenzentren auf so engem Raum.</strong> Immer mehr Amerikaner lehnten die Rechenzentren ab, erzählt sie. Der Grund: Der KI-Hunger verschlingt riesige Flächen Land. Das Dauer-Brummen stört die Anwohner. Die Verbrennung von Diesel oder Erdgas verschmutzt die Luft und zum Kühlen fließt enorm viel Wasser.</p><figure><a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181841572"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/94e585be-c3d8-4663-a9e9-d81671d5b9a2/uploads/images/xkkwprz733/Data_centers_in_Ashburn.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Rechenzentren in Loudoun County, in der Nähe von Ashburn  und Teil der Data-Center-Alley
Credit: Wikimedia Commons, Theodore Christopher"/></a><figcaption>Groß, größer, KI: Rechenzentren in Loudoun County, in der Nähe von Ashburn  und Teil der Data-Center-Alley
Credit: Wikimedia Commons, Theodore Christopher</figcaption></figure><p>Bis 2035 könnten Datenzentren in den USA ein Fünftel des Stroms verbrauchen, damit steigen auch die Emissionen des Landes. Die Dimensionen sind gigantisch: <a href="https://www.nytimes.com/2026/08/08/climate/amazon-data-center-texas-pollution.html">Laut der New York Times</a> könnte ein derzeit in Texas geplantes Mega-Rechenzentrum von Amazon das fossile Kraftwerk mit den landesweit höchsten Emissionen werden.</p><p>Trumps fossiler Rollback und der KI-Boom ergeben einen höchst gefährlichen Cocktail – für das Klima und die Demokratie. Davon profitieren gerade jene Lobbygruppen und Netzwerke, die seit Jahrzehnten als fossile DNA der USA gelten: Klimawandelleugner, die gegen die Energiewende hetzen, die Öl- und Gasindustrie selbst und rechtspopulistische Politiker in der Trump-Regierung. <strong>Im KI-Wettrennen haben sie eine völlig neue Allianz geschlossen, </strong>die noch vor kurzem undenkbar schien: mit den einst überwiegend linksliberalen Tech-Milliardären des Silicon Valley. </p><p>Diese erhoffen sich von Trumps zweiter Amtszeit einen Freifahrtschein für ihre technologische Entwicklung: maximale Innovation, minimale Regeln. Die Chefs von Alphabet, Meta, Amazon, OpenAI und Apple weichen Trump in seiner zweiten Amtszeit nicht von der Seite – und ließen sich die Unterstützung auch einiges kosten: Allein im ersten Halbjahr von Trumps aktueller Amtszeit flossen laut <a href="https://issueone.org/articles/as-washington-debates-major-tech-and-ai-policy-changes-big-techs-lobbying-is-relentless/">einem NGO-Bericht 36 Millionen</a> Dollar. Als Dank liberalisierte Trump den Tech-Sektor. </p><p>In den USA führt die Mischung von Trump und KI-Wettlauf das Land in eine neue fossile Ära: Laut einer Studie von <a href="https://globalenergymonitor.org/">Global Energy Monitor (Gem)</a> erlebt das Land gerade einen regelrechten Gasboom. Allein im ersten Halbjahr 2026 ist die geplante Kapazität an Gaskraftwerken um 50 Prozent gestiegen. Damit wachsen die USA schneller als China und jedes andere Land der Welt. Wo Rechenzentren Durst nach Strom haben, fließt eben das Gas.</p><h3>Auch die Rechte in Deutschland drängt auf KI-Boom – als Renaissance für fossile Energien</h3><p>Was in den USA geschieht, geht uns auch in Deutschland an. Denn Rechtspopulisten und Ultra-Neoliberale fühlen sich durch die Politik von Donald Trump auch hierzulande gestärkt. </p><p>So <a href="https://afdbundestag.de/energieversorgung-fuer-ki-standort-deutschland-sichern/?utm_source=chatgpt.com">forderte auch die AfD</a> im vergangenen Februar: Energieversorgung für KI-Standort Deutschland sichern! Darunter verstand die Partei, Kohle- und Atomkraftwerke wieder anzuschalten, um Deutschland als KI-Standort „vermarkten“ zu können. </p><p>Gesetzlich ist man in Deutschland derzeit auf einem gegenteiligen Weg: <strong>Seit 2024 müssen Rechenzentren in Deutschland mindestens 50 Prozent ihres Strombedarfs bilanziell aus erneuerbaren Energien decken</strong>, ab 2027 zu 100 Prozent. Noch sind also US-amerikanische Verhältnisse hierzulande schlicht nicht möglich.</p><p>Die rechtsextreme Partei will das am liebsten ändern. Kein Wunder, wird sie doch regelmäßig von Donald Trump hofiert und beworben. Der Klimawandel ist ihr ohnehin egal. Aber sie ist nicht die einzige deutsche Gruppe, die die Nähe zu Trump und seinen fossilen Träumen Projekten sucht: Marktradikale Institute verbinden sich seit Jahren mit deutschen Anhängern neoliberaler, rechtsgerichteter Politik.</p><p>Für CORRECTIV beobachtet Annika im Spätsommer <a href="https://correctiv.org/aktuelles/international/2026/09/03/wieso-ein-frueherer-cdu-minister-heute-auf-einer-konferenz-fuer-deutsche-konservative-und-trump-fans-auftritt/">stets die <em>Berlin Campaign-Conference</em></a>: Organisiert von dem Rechtsaußen-CSUler Petschner-Multari, bringt sie Trump-nahe Leute und deutsche Fossil-Aktivisten zusammen. Von internationaler Seite war in diesem Jahr etwa Kevin Gentry dabei, ein<a href="https://www.politico.com/search?s=&amp;userInitiated=true&amp;q=%22kevin+gentry%22"> ehemaliger Spitzenmanager der Koch Brothers</a>. Denjenigen also, die mit Öl, Treibstoffen und Pipelines zu Milliardären wurden. In deren Fahrwasser wurde Gentry 2012 einer der Verwaltungsräte von Cato, einem libertären Thinktank, der Klimapolitik bekämpft. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/94e585be-c3d8-4663-a9e9-d81671d5b9a2/uploads/images/ew5vorgo2d/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Webseite der &quot;Berlin Campain Conference&quot;</figcaption></figure><p>Auch die mächtige Heritage Foundation war dabei. Und auch sie schwimmt auf der fossilen KI-Welle: Die amerikanische KI-Technologie müsse „frei von ideologischer Voreingenommenheit entwickelt werden“, schrieb sie bereits im <a href="https://www.heritage.org/press/heritage-foundation-center-technology-applauds-white-house-ai-action-plan">Sommer 2025.</a> Soll heißen: keine Regeln, weder für die Umwelt, die Gesundheit der Anwohner oder für die CO2-Bilanz.</p><p>Die KI gibt also der fossilen Branche neuen Auftrieb, und das nicht nur in den USA. Weltweit kommt zwar laut Internationaler Energieagentur (IEA) rund die Hälfte des zusätzlichen KI-Stroms aus erneuerbaren Quellen, also aus Wind und Sonne. <strong>Doch auch die fossile Seite legt zu:</strong> „Erdgas und Kohle werden voraussichtlich bis 2030 zusammen über 40 Prozent des zusätzlichen Strombedarfs von Rechenzentren decken“, <a href="http://iea.org/reports/energy-and-ai/executive-summary#abstract">schreibt die IEA</a>. Auch umstrittene kleine modulare Reaktoren (SMRs) sollen bald Rechenzentren versorgen. </p><p>Die neue Allianz aus Tech-Milliardären und klassischen Klimawandelleugner Thinktanks, die jahrzehntelang von der Öl-, Gas- und Kohleindustrie gesponsort wurden, nimmt gerade an Fahrt auf: <a href="https://www.desmog.com/2026/05/20/heartland-institute-climate-denier-group-pushes-states-to-embrace-coal-power-for-data-centers/">Laut dem Recherche-Portal DeSmog fordert das Heartland</a> Institute Big-Tech-Konzerne auf, Kohle und andere fossile Brennstoffe für KI-Rechenzentren und Krypto-Mining zu verbrennen. Aus den Heartlandern spricht die altbekannte Nähe zu fossilen Konzernen. </p><p>Die Macht von Heartland beschrieben wir schon in unserem Buch zur „<a href="https://www.piper.de/buecher/die-klimaschmutzlobby-isbn-978-3-492-31502-9">Klimaschmutzlobby</a>“ – ebenso wie vom deutschen Lobbyverein Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Wir haben an dieser Stelle schon häufiger von der INSM geschrieben, schließlich ist sie mit ihrem Millionenbudget und Werbekampagnen sehr einflussreich. Und auch sie lässt sich die Gelegenheit nicht nehmen, für Kohlestrom zu werben – und dafür, <a href="https://www.insm.de/aktuelles/news/ifo-strengere-ki-regulierung-reduziert-wertschoepfung-um-155-milliarden?utm_source=chatgpt.com">KI und Datenzentren nicht zu regulieren</a>. </p><p>Viele unserer Bücher kommen bereits zu diesem Schluss: <strong>Das fossile Imperium ist noch lange nicht am Ende</strong>. Trotz Klimazielen und dem rasanten Ausbau erneuerbarer Energien hält es sich hartnäckig – und findet immer wieder einen neuen Weg, weiterzumachen.</p><p>Zum Nutzen, na klar, der Gas-, Öl- und Kohleindustrie. </p><p>Trump bleibt jedoch selbst für diese Branche – und das sicherlich auch nach den Midterms – ein irrationaler Partner: <strong>Audi-Chef Döllner hat mit seinem Schleimmoment dem Autokonzern möglicherweise nicht einmal einen Gefallen getan</strong>. Inzwischen ist klar: Es gibt offenbar <a href="https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/autoindustrie-vw-aufsichtsrat-fehlen-bindende-zusagen-fuer-audis-us-deal/100265664.html">bisher nicht einmal eine verbindliche Zusage</a>. Dem Aufsichtsrat liegen keine Papiere vor, auf deren Grundlage die Milliardeninvestition genehmigt werden kann.</p><p></p><p><strong>War sonst noch was?</strong></p><p><strong>Bremser der Woche:</strong> Lee Zeldin. Ja, genau, dieser Trump-Jünger der ersten Stunde, der von ihm an die Spitze der US-Umweltschutzbehörde EPA gesetzt wurde. Mittlerweile schützt sie nicht die Umwelt, sondern Firmen vor Umweltauflagen. Und in <a href="https://www.epa.gov/newsreleases/epa-proposes-major-new-revisions-burdensome-unworkable-biden-era-oil-and-natural-gas?">dieser Woche verkündete Zeldin</a>, zentrale Methan-Auflagen für die Öl- und Gasindustrie zurückzunehmen. Insbesondere sollen Methan-Lecks, die bei Gasanlagen entstehen und bei denen häufig sehr viel dieses Treibhausgases entweicht, nicht mehr aufgespürt und überwacht werden. Das finden wir besonders dramatisch – schon 2021 waren wir für <a href="https://www.zeit.de/2021/26/methan-deutschland-industrieanlagen-schaeden-klimawandel/komplettansicht">DIE ZEIT mit einem Leck-Spezialisten</a> unterwegs und sahen: Die Lecks sind ein großes Klimaproblem.  </p><p><strong>Kassandraruf der Woche:</strong> Die Schülerproteste in Deutschland, Frankreich und vielen europäischen Ländern werden auch von der Klimakrise befeuert. Schließlich waren viele Jugendliche traumatisiert von Prüfungen und Schultagen, die sie teilweise bei mehr als 30 Grad im Klassenraum absolvieren mussten. So haben die hohen Temperaturen eine ohnehin schon große Zukunftsangst befeuert. Wir prophezeien: Die Klimakrise, das fossile Rollback durch KI und auch die Perspektivlosigkeit durch die Technologie selbst wird noch so manche massive Protestbewegung hervorbringen.</p><p><strong>Empfehlung der Woche:</strong> Naomi Klein und Astra Taylor zeigen in <a href="https://www.fischerverlage.de/buch/naomi-klein-astra-taylor-endzeitfaschismus-9783103978216">„Endzeitfaschismus: Und der Kampf um unsere Welt“</a>, wie sich religiöse Fanatiker, Tech-Milliardäre und Ethnonationalisten auf das Ende der Welt vorbereiten und ihre Zerstörung sogar noch befördern. Ein dystopischer Ausflug in die Netzwerke dieser Gruppen, ihre wachsende Macht und ihre blinde Gefolgschaft. Erschreckend und gut belegt. Was Mut macht: Die Autorinnen zeigen, wo sich die Menschen zusammentun, um Widerstand zu leisten. Ob das reicht, um die Welt zu retten, bleibt jedoch fraglich. </p><figure><a href="https://www.fischerverlage.de/buch/naomi-klein-astra-taylor-endzeitfaschismus-9783103978216"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/94e585be-c3d8-4663-a9e9-d81671d5b9a2/uploads/images/uocywj4wpa/Bildschirmfoto_2026-11-01_um_12.37.00.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild vom Buch: Endzeitfaschismus von Naomi Klein und Astra Taylor"/></a><figcaption>»Die mächtigsten Menschen der Welt bereiten sich auf das Ende der Welt vor, ein Ende, das sie selbst mit allen Mitteln beschleunigen.«</figcaption></figure><p></p><p><strong>Bleibt heiter und stabil!</strong><br/><br/><strong>Hinweise für Recherchen gern an: </strong><a href="mailto:kontakt@susannegoetze.de"><strong>kontakt@susannegoetze.de</strong></a></p><p><strong>Eure Susanne und Annika</strong></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 01 Nov 2026 18:27:17 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Inside Bermudadreieck der Energiewende]]></title>
      <description><![CDATA[In diesem 13. Newsletter soll es um diese drei CDU-Männer gehen, die lange Zeit ein altbackenes Mindset in der Partei gestärkt haben - und was aus ihnen geworden ist.  ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kürzlich erschien die sehenswerte <a href="https://www.zdf.de/dokus/inside-cdu-102">ZDF-Dokumentation „Inside CDU“</a>. Der Zuschauer darf darin dem langsamen Sterben der Volkspartei beiwohnen: Der Film ist ein erschreckendes Porträt über den abgehobenen Führungszirkel um Bundeskanzler Friedrich Merz. Viral ging das #Strandkorb-„Gate” von Philipp Amthor: In Gutsherrenart führt der frisch gebackene Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit das Filmteam durchs Kanzleramt und lässt sich einen Strandkorb auf die Terrasse stellen. </p><p>Interessanter als Amthors Bürodeko ist allerdings, wie gut die Miniserie die Denkweise der gefilmten CDU-Politiker einfängt: Sie leben, so scheint es, in einer realitätsfernen Parallelwelt; sind verhaftet in völlig überkommenen Deutungsmustern. Mit jeder verlorenen Landtagswahl, die der Film zeigt, versteht die Merz-Entourage die Welt weniger. Ihre ratlosen Gesichter und verzweifelten Versuche, die Stimmung zu heben, entbehren nicht einer gewissen Komik. Jedoch vergeht einem das Lachen schnell. Denn die Rechten stehen längst vor der Tür und feixen. </p><p>In Frankreich haben die Konservativen diese Lektion schon gelernt: Ihren Platz auf der politischen Bühne haben die Rechten um die Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen übernommen. Die konservativen Les Républicains sind marginalisiert. Das passiert nun auch in Deutschland: Die Welt gerät aus den Fugen, und der CDU fällt nichts dazu ein. Stattdessen kramen sie in der Mottenkiste und kochen einen Reformbrei aus alten Rezepten. <br/><br/>Nicht alle Konservativen haben derart den Anschluss verloren – doch der Film zeigt genau jenen Flügel der Partei, den wir bereits in unserem ersten Buch „Die Klimaschmutzlobby“ von 2020 beschreiben. Sie haben dafür gesorgt, die CDU auf rechts zu drehen und bremsen seit Jahrzehnten die Energiewende aus. Ein Insider aus dem Bundeswirtschaftsministerium verriet uns damals den Spitznamen eines CDU-Männertrios: Joachim Pfeiffer, Carsten Linnemann und Thomas Bareiß seien das „Bermudadreieck der Energiewende” – jeder Fortschritt würde von ihnen verschluckt.</p><p>In diesem 13. Newsletter soll es um diese drei CDU-Männer gehen, die lange Zeit ein altbackenes Mindset in der Partei gestärkt haben. Sie sind alle auf ihre Art an diesen neuen Realitäten gescheitert (oder noch dabei).</p><h3><strong>Joachim Pfeiffer</strong></h3><p>Eine richtig gehende Bremsspur bei der Energiewende hinterlässt Joachim Pfeiffer. Als ehemaliger energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (bis 2021) forderte er etwa das Ende der Förderung erneuerbarer Energien, war dafür aber ein großer Befürworter der russischen Nord-Stream-Pipelines. Und er machte sich zudem für Waffenexporte stark, unter anderem nach Saudi-Arabien. Ansonsten gab sich der CDU-Mann gern als neoliberaler Hardliner <a href="https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_85769384/cdu-politiker-pfeiffer-poltert-wir-schuetten-die-leute-mit-geld-zu-.html">und erklärte, Deutschland</a> leiste sich „zu viel Sozialklimbim in einem Rundum-Vorsorgungsstaat”.<br/><strong><br/>In der Klimaschmutzlobby schrieben wir 2020:</strong> <em>Pfeiffer sitzt in Beiräten oder Aufsichtsräten von 26 Firmen und Vereinen, beispielsweise im Bundesverband der Unternehmervereinigungen und im Beirat des Vereins Die Familienunternehmer. Dieser Interessenverband spricht sich dafür aus, das Erneuerbare-Energien-Gesetz abzuschaffen, und ihr Vizepräsident Karl Tack behauptet, die Energiewende sei aufgrund ihrer „planwirtschaftlichen Ausgestaltung“ gescheitert. Der Energie-Sprecher der Union sitzt also in einem Verband, der das wichtigste Gesetz für klimafreundliche Energien abschaffen will. </em><br/><br/>Wie konnte Pfeiffer bei all den Nebentätigkeiten noch sein Abgeordnetenmandat ausüben? Geschäftsmann und Politiker zugleich sein – also großzügige Diäten einstreichen, parallel Unternehmen aufbauen und gleichzeitig über den Sozialstaat schimpfen?</p><p>Anfang 2021 gerät Pfeiffer selbst in den Verdacht, dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen. Unser Kollege Christian Fuchs hatte damals in der „<a href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-03/lobbyismus-cdu-bundestag-masken-affaere-consulting-korruption">Zeit” aufgedeckt</a>, wie Pfeiffer seine Funktion als Bundestagsabgeordneter mutmaßlich mit seinen Nebentätigkeiten vermischte. Laut dem Bericht war etwa die Telefonnummer von Pfeiffers Wahlkreisbüro identisch mit denen seiner zwei Unternehmen, bei denen er damals noch parallel zu seinem Mandat Geschäftsführer war. Offenbar nutzte Pfeiffer also öffentliche Mittel für seine Abgeordnetentätigkeit auch für seine Geschäfte, so der Vorwurf. Er ließ damals über seinen Anwalt Christian Schertz wissen, dass die Telefonnummern nicht gleich wären – und das, obwohl die Journalisten Screenshots von den Nummern gemacht hatten. Mit Schertz haben wir auch für unsere Recherche über einen anderen Energie-Experten bereits Bekanntschaft gemacht, siehe <a href="https://steady.page/en/milliarden-briefing/posts/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1">Newsletter Nr. 5.</a><strong> </strong></p><p>Nach den Bundestagswahlen im Herbst 2022 schied Pfeiffer aus dem Bundestag aus – auch wegen zahlreicher Nebentätigkeiten und Lobby-Vorwürfe. Er musste sich immerhin keinen neuen Job suchen, hatte bereits vorgesorgt. Seine Beratungsagentur „Maconso” weist <a href="https://www.northdata.de/MACONSO%20GmbH,%20Pl%C3%BCderhausen/Amtsgericht%20Stuttgart%20HRB%20741890">laut Handelsregister</a> im letzten ausgewiesenen Jahr 2024 eine Bilanzsumme von rund 2,8 Millionen Euro auf. Sie berät „nationale und internationale Unternehmen und Institutionen”, wie es wolkig heißt.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d61329dc-094e-4cf9-9600-6f8ff080610e/uploads/images/popfqusftc/pfeiffer_ghorfa.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Screenshot von der Ghorfa-Webseite</figcaption></figure><p>Als wir für unser viertes Buch „Die Milliardenlobby“ recherchierten, stießen wir 2024 abermals auf Pfeiffer: Er ist mittlerweile zweiter Vize-Präsident der Arab-German Chamber of Commerce and Industry e. V. (Ghorfa). Die arabische Handelskammer vertritt in Deutschland die Interessen autoritärer Staaten wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Libyen, Katar oder Kuwait. Vorstand und Präsidium sind ausschließlich männlich besetzt. </p><p>Ghorfa ist offenbar der Vorposten der Ölinteressen von Nahost: Trotz der zunehmenden Bedeutung von „alternativen Energien“ bleibe Öl der Eckpfeiler der globalen Wirtschaftsentwicklung, heißt es auf deren Webseite. Die Frage sei nicht, „ob wir Öl brauchen, sondern wie wir es künftig nutzen und transformieren”. </p><p>Betrachtet man Pfeiffers Laufbahn und sein Wirken als Abgeordneter, ist sein Engagement für die Ölscheichs nur folgerichtig. Auf unsere Anfragen, ob Pfeiffer das Amt bei Ghorfa ehrenamtlich ausübt, ob es in Konflikt zu seinen sonstigen Beratungstätigkeiten steht und ob er sein politisches Netzwerk dafür nutzt (oder genutzt hat), blieben unbeantwortet. Weder die Ghorfa noch ein anderes Beratungsunternehmen reagieren auf unsere Mails. <br/><br/>Wir wissen aus Recherchen für die Milliardenlobby, dass der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Ramsauer als Ghorfa-Präsident 45.000 Euro (brutto) jährlich kassierte. Ramsauer erklärte damals, es handele sich um keine „bezahlte Tätigkeit”, sondern um eine „pauschale Aufwandsentschädigung“. Für viele Arbeitnehmer in Deutschland ist das jedoch ein Jahresgehalt.</p><p>Auch bei CSU-Mann Ramsauer ergeben sich Überschneidungen, die zumindest ein Geschmäckle hinterlassen: Er hatte das Amt von 2014 bis Juni 2024 inne. Gleichzeitig war er von 2017 bis 2021 Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Bundestag.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d61329dc-094e-4cf9-9600-6f8ff080610e/uploads/images/lzitjh6aye/Screenshot_2026-10-16_131827.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Screenshot von der Ghorfa-Webseite</figcaption></figure><p>Ghorfa ist auf Kontakte in die Politik angewiesen, schließlich sind Arabische Staaten wichtige Öl- und Gaslieferanten für die EU. Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine kauft auch Deutschland mehr Flüssigerdgas von dort. Doch seit Februar dieses Jahres sind diese vermeintlich sicheren Lieferländer selbst in einen Konflikt verwickelt, derzeit steigen Gas- und Ölpreise. Eigentlich ein klares Argument für Europa, unabhängiger zu werden. Doch eine schnellere Energiewende ist nicht im Interesse der Golfstaaten. <br/><br/>Auf der Startseite der Ghorfa ist aktuell in einer Bildergalerie auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zu sehen. Sie nahm Anfang Oktober auf <a href="https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/10/20261011-energy-week-ausbau-energiesicherheit.html">Einladung von Saudi-Arabien</a> an der Energy Week in Riad teil. Funfact: Ihre Rückreise verzögert sich tagelang, weil der Flughafen durch die Huthi-Miliz beschossen wurde. So viel zu verlässlichen Energielieferanten in Nahost. </p><h3><strong>Thomas Bareiß</strong></h3><p>Auch der zweite Politiker des Bremser-Trios unternahm Reisen in einen Petrostaat: nach Aserbaidschan. Der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Thomas Bareiß (für die CDU von 2018-2021) ist bis heute Abgeordneter und auch Mitglied des mächtigen Haushaltsausschusses im Bundestag.  </p><p>Bareiß war bis 2024 im parteiinternen „Berliner Kreis“ Mitglied, einer Gruppe von CDUlern, die zu ihren Treffen Klimawandelleugner einluden und <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/unionsspitze-weist-attacke-gegen-merkels-klimapolitik-zuruck-5254714.html">2017 forderten, alle Klimaschutzmaßnahmen</a> einzustellen. In einem offenen Brief erklärte die Gruppe, Solar- und Windkraft nicht weiter zu fördern, auch weil das mit dem Klimawandel noch nicht geklärt sei: „Die genauen klimatischen Treiber sind noch nicht vollständig erforscht und verstanden, aber eine solitäre Rolle des Treibhauseffekts scheint unwahrscheinlich.” Zudem sei der Weltklimarat IPCC ein „Weltrettungszirkus“.</p><p>Funfact: Bis zu seinem Übertritt zur AfD war auch Alexander Gauland Mitglied der Gruppe. Den Kreis gibt es bis heute, wie aktiv er ist, lässt sich schwer einschätzen. Der Förderverein des „Berliner Kreises” wurde zumindest zeitweise von dem heutigen Vorsitzenden der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Mitsch">Werteunion, Alexander Mitsch</a>, geleitet.</p><p>Auf die Frage nach seiner Haltung zum Klimaschutz antwortete Bareiß uns 2019 in einer Mail: „Ob der Mensch den Klimawandel vollständig verursacht, vermag ich nicht zu beurteilen.” Fünf Jahre später, auf dieselbe Frage, schrieb er uns: „Unbestritten gibt es den Klimawandel und in den letzten Jahrzehnten hat sich das Klima rasant verändert.” Doch er fügt hinzu: „Die Ursachen für den Klimawandel sind vielfältig und natürlich spielen auch menschengemachte Faktoren eine Rolle.” </p><p>Wer so argumentiert, ist häufig auch für fossile Energien zu haben. <a href="https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_100639398/cdu-politiker-bareiss-erntet-kritik-mit-vorschlag-zu-nord-stream-2.html">Im vergangenen Jahr regte Bareiß</a> eine Wiederinbetriebnahme der Nordstream-Pipelines an – als Teil eines Trump-Deals zwischen den USA und Russland.</p><figure><a href="https://steady.page/de/backend/publications/44dd262b-58e2-460e-b3fa-5cf982c30c2b/posts/d61329dc-094e-4cf9-9600-6f8ff080610e/edit"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d61329dc-094e-4cf9-9600-6f8ff080610e/uploads/images/oexn2okxsu/Bildschirmfoto_2026-10-18_um_19.22.47.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Thomas Bareiß in diesem Juli - kurz vor seinem Autounfall
Quelle: Webseite von MdB Bareiß"/></a><figcaption>Thomas Bareiß in diesem Juli - kurz vor seinem Autounfall
Quelle: Instagram von MdL Bareiß</figcaption></figure><p>In der Aserbaidschan-Affäre konnte Bareiß nie ein strafrechtlich relevantes Vergehen nachgewiesen werden. Dennoch werfen seine Reisen und Kontakte in den Ölstaat bis heute zumindest Fragen auf. Dabei geht es um einen Korruptionsskandal im Europarat: Laut Ermittlern soll Aserbaidschan über Jahre Parlamentarier mit Reisen, Geschenken und Geld dazu gebracht haben, sich im Sinne des autoritär regierten Landes zu verhalten. Der Österreicher Gerald Knaus, der die Affäre mit aufgedeckt hat, erklärte: „Wir sehen in den vergangenen 25 Jahren, dass Aserbaidschan ganz gezielt, ganz plump Politiker und Beamte gekauft hat.”</p><p>In die Affäre verstrickt ist vorrangig das Deutsch-Aserbaidschanische Forum e. V. (DAF). So soll der frühere CDU-Politiker Otto Hauser, bis 2025 im Vorstand des Vereins, Bareiß und andere CDU-Politiker aktiv für das DAF angeworben haben. Bareiß soll laut LobbyControl Mitglied geworden sein, darauf deutet das Protokoll einer Mitgliederversammlung hin. Er selbst erklärte, nur „ehrenamtliches Mitglied“ gewesen zu sein. Insgesamt fünfmal besuchte er den Ölstaat. Laut ihm sei das der „ganz normale Alltag eines Abgeordneten” gewesen, es habe „keinerlei Beanstandungen” gegeben.</p><p>Kürzlich geriet das DAF wieder in die Schlagzeilen – wegen Ex-BND-Chef August Hanning. Der sitzt immer noch im Vorstand des Vereins. Hanning wurde Anfang Oktober verhaftet, weil er geheime Informationen an ausländische Geheimdienste weitergeleitet haben soll. Laut <a href="https://www.spiegel.de/panorama/justiz/august-hanning-ex-bnd-chef-soll-dossier-fuer-aserbaidschan-erstellt-haben-a-45a990e9-63ec-4bb2-9e32-e92c086156b1">Informationen des SPIEGEL</a> mutmaßlich auch für Aserbaidschan. Das deutet darauf hin, dass DAF offenbar noch viel tiefer in Machenschaften mit dem Ölstaat verwickelt ist.</p><p>Bei Bareiß ist vor allem problematisch, mit wem er nach Aserbaidschan gereist ist: 2012 war er in Begleitung von Eduard Lintner, der für die CDU 33 Jahre lang im Bundestag saß. Wenige Monate <em>vor</em> der Reise hatte die European Stability Initiative einen kritischen Report über die sogenannte „Caviar-Diplomatie” Aserbaidschans veröffentlicht, in dem Lintner bereits als Lobbyist vorkommt. Dieser<a href="https://www.tagesschau.de/investigativ/korruption-bundestagsabgeordnete-aserbaidschan-urteil-100.html"> wurde 2025</a> wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit und Bestechung zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Bereits 2007 fuhr Bareiß in einer Reisegruppe auch mit dem CDU-Mann Axel Fischer in das Land – er wurde mittlerweile zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung rechtskräftig verurteilt. </p><p>Auf die Frage, ob Bareiß daraufhin nicht skeptisch geworden sei, antwortet er, Lintner zu der Zeit nicht gekannt zu haben. Auffällig ist dennoch Bareiß&#39; Begeisterung für das autoritär regierte Land. Während dort Journalisten verfolgt und Wahlen sehr wahrscheinlich gefälscht wurden, soll er laut dem Magazin VICE auf einem Treffen gesagt haben: „Aserbaidschan ist nicht nur ein strategischer Partner für uns, sondern auch unser engster Freund.” Bareiß streitet das ab. Er habe nur darauf hingewiesen, „dass Aserbaidschan auch im Rahmen der europäischen Nachbarschaftspolitik ein wichtiger Partner für uns ist”. Aserbaidschan sei „ein wichtiger Energielieferant für Deutschland und Europa geworden”. </p><p>Mittlerweile hat der CDU-Abgeordnete aber <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/thomas-bareiss-cdu-trotz-ermittlungen-der-staatsanwaltschaft-zurueck-im-bundestag-a-30f3163a-b7cc-4a90-951d-1697e185b0fc">ganz andere Probleme</a>. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung und Straßenverkehrsgefährdung gegen ihn. Er soll bei einem Unfall am 12. Juli unter dem Einfluss von synthetischen Drogen gestanden haben, dabei überschlug sich das Auto, vier Menschen wurden verletzt. Das Betäubungsmittel sei laut einem Sprecher im Blutbild gefunden worden und stehe  „nicht im Zusammenhang mit einem Medikament”. </p><h3><strong>Carsten Linnemann</strong></h3><p>Politische Karriere gemacht hat von den dreien einzig Carsten Linnemann, Merz-Vertrauter und mittlerweile Bundesgesundheitsminister. In dem ZDF-Dreiteiler „Inside CDU” ist er hingegen einer der unrühmlichen Protagonisten. Er gibt dort – ebenso wie Philipp Amthor – eine recht traurige Figur ab: Ihm geht es, so kommt es in der Doku rüber, vor allem um Umfrageergebnisse. Er wirkt teils überfordert und wenig kompetent. Er traute sich noch nicht einmal den Ministerposten zu, den er auf Drängen von Merz trotzdem annehmen musste. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d61329dc-094e-4cf9-9600-6f8ff080610e/uploads/images/mv2kffz6s6/Screenshot_2026-10-04_140955.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Mini-Serie &quot;Inside CDU&quot; unter anderem mit Carsten Linnemann (rechts unter Merz)</figcaption></figure><p>Linnemann hat jahrelang gegen die Energiewende gehetzt: Als ehemaliger Vorsitzender der<a href="https://lobbypedia.de/wiki/Mittelstands-_und_Wirtschaftsunion"> Mittelstands- und Wirtschaftsunion</a> (MIT) setzte er sich für die Verlängerung der Atomkraftwerke und gegen Erneuerbare ein, etwa für einen Mindestabstand zwischen Windrädern und Siedlungen von mindestens Tausend Metern.</p><p>Die ZDF-Doku gibt dem Zuschauer das Gefühl, dass auch Linnemanns Ministerkarriere von kurzer Dauer sein könnte. Viele bezweifeln sogar, dass Merz es bis zur nächsten Wahl in zwei Jahren durchhält. Wird Merz gestürzt, dürfte auch Linnemann vorerst verbraucht sein – als einer seiner engsten Verbündeten. </p><p>Dass es aber auch fortschrittlichere Politiker in der Union gibt, zeigt etwa CDU-Ministerpräsident Daniel Günther. Der regiert seit vier Jahren in einer Koalition mit den Grünen in Schleswig-Holstein. Mit Erneuerbaren hat er gar kein Problem, im Gegenteil – er fordert ihren massiven Ausbau und kritisiert regelmäßig die Energiewende-feindliche Politik von CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Dieser Flügel in der Union hat derzeit nicht die Oberhand im Bund. Dabei sollte sich die Partei besser schnell inhaltlich erneuern – bevor die AfD ihr die Entscheidung abnimmt. <br/></p><p><strong>War sonst noch was?</strong></p><p><strong>Bremser der Woche:</strong> Mal wieder Katherina Reiche. Sie steht damit auf Platz 1 unseres Negativ-Rankings – und ist nur noch schwer einzuholen. Das von ihr geführte Bundeswirtschaftsministerium hat sein Referat IVD5 „Wind-, Solar- und Transformationsindustrien“ zum 2. Oktober aufgelöst. Die Aufgaben würden auf zwei andere Referate verteilt. Eigentlich nur folgerichtig. </p><p><strong>Empfehlung der Woche:</strong> Mal wieder, kurz vor der Weltklimakonferenz, über die größten Risiken reden: Das US-amerikanisch Magazin Gizmodo zeigt in diesen Häppchen-<a href="https://gizmodo.com/which-climate-threat-is-the-us-most-underestimating-2000826406"> Interviews</a>, worin Forscher die größten Gefahren sehen. Meist ist es der unvorhersehbare Cocktail aus Klimaereignissen, etwa Hurrikane, die bei wärmerem Wetter gravierender ausfallen. Manchmal auch die Sorge vor einem Stromausfall während einer Hitzewelle, in der wir dann alle „wie Hähnchen” rosten würden. Es ist kein sonderlich hoffnungsvoller Artikel, aber eine Erinnerung daran, warum wir alle uns für die Klimakrise und die passende Politik – die Energiewende – interessieren. Klare Leseempfehlung:</p><a href="https://gizmodo.com/which-climate-threat-is-the-us-most-underestimating-2000826406">https://gizmodo.com/which-climate-threat-is-the-us-most-underestimating-2000826406</a><p><strong>Bleibt heiter und stabil!</strong></p><p><strong>Eure Susanne und Annika</strong></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/d61329dc-094e-4cf9-9600-6f8ff080610e/uploads/images/popfqusftc/pfeiffer_ghorfa.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 18 Oct 2026 18:07:50 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Saudische Öllobbyisten im Weltklimarat]]></title>
      <description><![CDATA[Seit Jahren erreichen uns Hinweise zu diesem heiklen Thema: Beeinflussen Öl-Lobbyisten den angesehenen Weltklimarat IPCC? Werden sie über Umwege in das Uno-Gremium…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit Jahren erreichen uns Hinweise zu diesem heiklen Thema: Beeinflussen Öl-Lobbyisten den angesehenen Weltklimarat IPCC? Werden sie über Umwege in das Uno-Gremium berufen, das die großen Linien für die globale Klimapolitik vorgibt? Nun haben internationale Medien tatsächlich einige Autoren enttarnt, die zumindest in Interessenkonflikte verwickelt sind. Der britische <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/21/saudi-arabia-aramco-oil-scientists-ipcc-climate-reports">„Guardian</a>“ prüfte die 223 Leitautor:innen der Arbeitsgruppe III des nächsten Weltklimaberichtes, der in rund zwei Jahren erscheinen soll. Die Kollegen fanden bei 20 von ihnen deutliche Hinweise für solche Konflikte – knapp neun Prozent. Elf dieser Fälle führen nach Saudi-Arabien. Genannt werden unter anderem zwei Mitarbeiter vom staatlichen Ölkonzern Saudi Aramco und fünf Autor:innen des staatlich finanzierten Energieforschungsinstituts KAPSARC.  </p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Subscribe to newsletter</a></p><p>In unserem zwölften Newsletter zeigen wir, mit welchen fragwürdigen Methoden saudische Lobbyisten arbeiten. Außerdem haben wir mehrere Klimaforschende und ehemalige IPCC-Autoren zum mutmaßlichen Einfluss von Ölkonzernen auf die Weltklimaberichte befragt. Das Thema ist sensibel: Die Befragten wollten rechten Ideologen und Klimaleugnern mit ihrer Kritik am IPCC keine Steilvorlage liefern. Die meisten baten deshalb um Anonymität. Was hinter den Vorwürfen steckt, haben wir für euch aufgedröselt:</p><h2>PR-Erzählungen im wissenschaftlichen Gewand</h2><p>Tatsächlich ist der aktuelle Fall von mutmaßlich industrienahen Forschenden im IPCC ein Klassiker des Lobbyismus, den wir in unserem Buch <a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8">„Die Milliardenlobby”</a> so beschrieben: „Die Wissenschaft ist ein erprobtes Mittel für Thinktanks und Institute, um ihre Botschaft von den unverzichtbaren Fossilen in die Welt zu streuen.”</p><p>Besonders erfolgreich praktizierten das etwa die Nord-Stream-Lobbyisten, der einst wichtigsten Pipeline für russische Gasimporte. Sie produzierten Studien, die mit beeindruckend hohen Zahlen den Nutzen der Pipeline belegen sollten (wie dieses Kapitel ausging, wissen wir: mit einer Explosion). Ein anderes Beispiel ist Erdgas als angebliche „Brückentechnologie” auf den Weg in ein klimaneutrales Zeitalter. Belegt mit wissenschaftlichen Studien, die wesentliche Fakten – nämlich geopolitische Risiken und die Klimafolgen – ausblenden, <strong>versucht die Fossillobby ihre Daseinsberechtigung zu zementieren. </strong></p><p>Im Fall des Weltklimarates sind es nun die Petrostaaten selbst, die „befreundete Wissenschaftler unterbringen”, wie die französische Satirezeitung Le Canard Enchâiné süffisant bemerkte.</p><figure><a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/21/saudi-arabia-aramco-oil-scientists-ipcc-climate-reports"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bc6d9c5e-bbf3-4295-84fb-cf2e6beb4c28/uploads/images/zaithouqcf/guardian-artikel-enger-zettel.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Guardian-Artikel über den Einfluss von saudischen Wissenschaftlerin mit Verbindungen zur Ölindustrie vom 22. September</figcaption></figure><p>Denn für Saudi Aramco geht es um viel. <strong>Der Ölkonzern ist </strong><a href="https://carbonmajors.org/Entities"><strong>der aktuell größte Emittent </strong></a><strong>von Treibhausgasen weltweit</strong>. Und in der Arbeitsgruppe 3 des siebten Weltklimaberichtes geht es für sie um zentrale Fragen: Wie lassen sich Emissionen senken oder mit Technik aus der Atmosphäre entfernen? Das Stichwort lautet CCS – „Carbon Capture and Storage“. Dabei laufen Industrieanlagen und fossile Kraftwerke weiter, während das entstehende Kohlendioxid abgeschieden und in unterirdischen Speichern an Land oder im Meer eingelagert wird.  </p><h2><strong>„Der Weltklimarat hat CCS systematisch überschätzt“</strong></h2><p>Der Reiz dieser Technik für die Industrie liegt auf der Hand: Wenn man die Treibhausgase aus Öl, Gas und Kohle nach der Verbrennung unschädlich macht, können alle weiter Öl, Gas und Kohle nutzen. Deshalb setzen sich die Golfstaaten seit langem für CCS als Instrument des Klimaschutzes ein – obwohl die Technik extrem teuer ist und die meisten ihrer Versprechen bisher nicht gehalten hat.</p><p>„Der Weltklimarat hat in den vergangenen Jahren CCS systematisch überschätzt – und die Möglichkeiten von erneuerbaren Energien unterschätzt“, sagt uns ein renommierter Wissenschaftler, der anonym bleiben will. Dafür hätten die ölreichen Staaten gesorgt. </p><p>Dass so eine aufwendige, teure und bisher wenig erfolgreiche Technologie wie CCS überhaupt solch eine große Rolle in der Klimapolitik spielt, ist eben kein Zufall. <strong>Sondern eine Folge geschickter Lobbyarbeit</strong>. Auf der Weltklimakonferenz in Dubai vor drei Jahren etwa warb der Gastgeber, die Vereinigten Arabischen Emirate, zusammen mit Saudi-Arabien für die Technologie.</p><p>Sultan Al Jaber, Präsident der COP28 in Dubai und Chef des staatlichen Ölkonzerns Adnoc, erklärte dazu, nicht CO₂ an sich und auch nicht die Öl- und Gasförderung seien das Problem. Problematisch sei es ja nur, wenn es in die Atmosphäre komme – und da gebe es ja Technologien, die das verhindern. <strong>Öl und Gas sind also nicht das Problem in der Klimakrise, so die Botschaft</strong>. Als Susanne dieses Argument damals auf einer Pressekonferenz in Dubai so unverblümt von Al Jaber hörte, sprachen wir danach darüber: Für uns war das ein Signal, wohin die fossilen Lobbyisten wollen: CO₂ mithilfe von CCS entkriminalisieren. Ein PR-Coup, der Öl und Gas plötzlich als potenziell klimafreundliche Technologien darstellen lässt. Grünes Öl und grünes Gas – was für eine geniale Idee von hoch bezahlten Lobbyisten!</p><p>In der Abschlusserklärung des Gipfels tauchte damals – aufgrund massiven Drucks der EU sowie der Inselstaaten – erstmals ein Verweis auf einen Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle auf. Wohl gemerkt nach fast drei Jahrzehnten Klimaverhandlungen! <strong>Doch das Lobbying der Ölstaaten sorgte für eine vorsichtige Formulierung.</strong> Die Regierungen sollten sich für einen „Übergang weg von fossilen Energieträgern in den Energiesystemen, auf eine gerechte, geordnete und faire Weise“ einsetzen. Vor allem Länder wie Saudi-Arabien, die von Öleinnahmen leben, verhinderten das Wort „phase out“ (Ausstieg).  </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bc6d9c5e-bbf3-4295-84fb-cf2e6beb4c28/uploads/images/st7cx5cuau/Sultan_Al_Jaber_-_2023_%28cropped%29.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Al Jaber: COP28-Präsident und CEO des staatlichen Ölkonzerns Adnoc (VAE) / credit: By Arctic Circle - https://www.flickr.com/photos/arctic_circle/52634026182/, CC BY 2.0, wikimedia commons</figcaption></figure><p>Und sie bauten noch eine Hintertür ein: Für diesen „Übergang“ sollen emissionsfreie und emissionsarme Technologien „beschleunigt“ entwickelt werden, darunter erneuerbare Energien, Atomkraft aber auch Verfahren wie die Abscheidung und Speicherung von CO₂, das bereits erwähnte CCS.</p><p>Auf anderen Klimakonferenzen wie vor zwei Jahren in Aserbaidschan wurden Susanne interne Dokumente zugespielt, die zeigen, wie etwa Saudi-Arabien versucht, Klimaschutz weg zu lobbyieren. Etwa den Verweis auf das 1,5-Grad-Ziel oder fossile Brennstoffe (<a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/klimagipfel-cop29-wie-saudi-arabien-den-baku-deal-blockiert-a-a8004e72-ba63-400c-8091-e6384d28e858">lest hier mehr</a>). Recht dreist strichen dort etwa saudische Diplomaten im Abschlussdokument Formulierungen und ganze Passagen raus. </p><h2><strong>Die Mehrzahl der Forschenden arbeitet unabhängig</strong></h2><p>Hinzugefügt sei: Die große Mehrzahl der Forschenden, insbesondere der Klimawissenschaftler, arbeitet natürlich unabhängig – vor allem und insbesondere im Weltklimarat. Sie werden allzu oft angegriffen, eben weil ihre Erkenntnisse zur Klimakrise die Profite großer Konzerne schmälern könnten. <strong>Besonders rechte Medien nutzen jede Gelegenheit, den IPCC und seine Arbeit zu diskreditieren.</strong> Das sollte im Umkehrschluss aber nicht heißen, dass wir als Journalistinnen bei Interessenkonflikten nicht genau hinschauen.</p><p>Immerhin geht es in den Berichten des Weltklimarates langfristig auch um Milliarden Steuergelder. Zwar trifft der Rat selbst keine Entscheidungen. Seine Berichte sind aber eine Grundlage für politische Entscheidungen und Gerichtsurteile in Berlin, Budapest und Bangkok. Insofern ist entscheidend, was in den Papieren steht.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Dafür sind wiederum die Autoren verantwortlich. Diese<strong> werden nicht von einer einzelnen Regierung ernannt</strong>, sondern in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählt. Und dann wird es kompliziert: Die Regierungen können Autoren vorschlagen. Das jeweilige Büro der IPCC-Arbeitsgruppe oder der zuständigen Task Force wählen dann aus. Ein nicht immer ganz durchsichtiges Verfahren, sagt uns ein zweiter Wissenschaftler, wiederum anonym. Es geht auch viel um Proporz – <strong>alle Geschlechter und Regionen, Ältere und Jüngere müssen gleichermaßen berücksichtigt werden</strong>. „Autorenteams können auch Experten der Industrie aufnehmen”, <a href="https://www.ipcc.ch/about/structure/">schreibt der IPCC</a> wörtlich. </p><p>Der Weg zum nunmehr siebten IPCC-Bericht ist allerdings noch lang. Er besteht aus drei Teilen. Einer erklärt, was in Klimasystemen passiert, der zweite beleuchtet Folgen und Anpassung, der dritte zeigt Wege, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Hunderte Fachleute schreiben die Entwürfe; weitere Expert:innen und Regierungen prüfen sie. Die Teilberichte sollen ab Mitte 2028 erscheinen, der Synthesebericht bis Ende 2029. </p><p>Konfrontiert mit der Recherche erklärte der IPCC, sein Ausschuss habe keine Interessenkonflikte festgestellt; mögliche Angaben seien in den Arbeitsgruppen behandelt worden. </p><h2>Folgen des Lobbyings noch nicht messbar</h2><p>Innerhalb der Wissenschafts-Community wird harsch diskutiert, wie weit der Einfluss der Industrie reicht. Die meisten sagen, dass er vor allem in der dritten Arbeitsgruppe seine Spuren hinterlassen habe, mit dem viel zu großen Glauben an technische Lösungen. Andere meinen, auch da sei er gering.</p><p>Ein berufener IPCC-Autor der Arbeitsgruppe 3, den wir kontaktiert haben, relativiert den Einfluss jedoch: „Kritik allein aufgrund der Herkunft der Autorinnen und Autoren halte ich für verfrüht. Bisher ist noch keine Zeile des ersten AR7-Entwurfs veröffentlicht.” Auch dieser Forscher will in dieser Phase der Arbeit am Bericht noch nicht zitiert werden.</p><p>Sobald erste Entwürfe des Berichts vorlägen, könne man sich bei der Kritik direkt am Text orientieren, meint er. Jetzt gebe es ihn schlicht noch nicht. Insgesamt, so der Forscher, arbeiteten über 640 Wissenschaftler an dem Bericht. <strong>Ergo: Er hält das Gewicht der 20 mutmaßlichen Lobbyisten für gering. </strong></p><p>Fest steht: Die CCS-Technik hält weniger, als sie verspricht. Als Heidelberg Zement 2025 eine CO₂-Abscheideanlage in Norwegen einweihte, sprach der Konzern von einem „historischen Meilenstein“, dem Beginn einer „neuen Ära des nachhaltigen Bauens“. Das Ziel: Grüner Zement. <strong>Es war ein Versprechen an den Klimaschutz in einer Industrie mit sehr hohem Treibhausgasausstoß.</strong> Aber eine Recherche von Susanne <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/ccs-vorzeigeprojekt-von-heidelberg-materials-in-norwegen-spiegel-recherche-weckt-zweifel-a-d2253fea-68ca-4900-b116-09bd09a0d347">für den Spiegel</a> ergab: Mit der Anlage hat der Konzern seine Emissionen zwar um 15 Prozent reduziert. Versprochen hatte er aber, damit schon im ersten Jahr fast 50 Prozent einzusparen. In vielen CCS-Projekten läuft es derzeit ähnlich schleppend. <br/><br/>Klar ist auch: Wir werden es ohne diese sogenannten Negativemissionen kaum schaffen, die Klimaziele zu erreichen. Ein Teil der bereits produzierten Treibhausgase muss eingelagert werden. Aber es gibt andere, weitaus vielversprechendere Wege. Etwa die <a href="https://www.mdpi.com/2073-445X/9/3/83">Moor-Wiedervernässung</a> und Aufforstung. „<strong>Das sind sicherere, technisch etablierte Ansätze, die uns nicht an die fossilen Brennstoffe ketten</strong>”, <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-05/geoengineering-carbon-capture-storage-klimapolitik-technologie-bundesregierung/komplettansicht">schreibt dazu Felix Ekardt </a>von der Leipziger Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik. </p><p>Wir wären schon sehr viel weiter, hätte die Industrie ihre Versprechungen auf Einsparungen und Verklappung von Treibhausgasen gehalten. Oder hätte sie diese Ausreden – finanziert mit viel Steuergeld – gar nicht erst vorgebracht und stattdessen frühzeitig auf klimafreundliche Alternativen umgestellt. Insofern: Wir bleiben dran an falschen Versprechen – und ihren Verursachern. <br/></p><p><strong>War sonst noch was?</strong></p><p><strong>Bremser der Woche: </strong>Sind in dieser Woche CDU/CSU und ihre Tabak-Agenten. Am Montag, dem 5. Oktober, hört der Bundestag Sachverständige zur Tabaksteuer an – einem der wirksamsten Mittel gegen das Rauchen. Jede Partei darf Fachleute einladen. Und wem öffnen die Konservativen die Tür? Von vier Gästen<em> </em>vertreten drei die Tabakindustrie (und einer die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft). Auf der <a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/1217418/SV-Liste.pdf">Liste der Sachverständigen</a> stehen der Bundesverband der Tabakwirtschaft, der Bundesverband der Zigarrenindustrie und der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie. In einem unserer ersten Newsletter schrieben wir bereits über das <a href="https://steady.page/de/backend/publications/44dd262b-58e2-460e-b3fa-5cf982c30c2b/posts/87b8e0f6-5a58-4854-8cc6-05e4fdef107d/edit">„Lobbyisten-Duo Tabak und Klima“</a>. Lobbyisten der Tabakindustrie arbeiten oft auch für fossile Konzerne – und umgekehrt. Und nicht zufällig gehören Klimawandelleugner und Tabaklobbyisten häufig derselben Bubble an, schreiben wir da. Und offenbar bleibt die Union immer noch der beste Empfänger der Lobby-Botschaften. </p><p><strong>Kassandraruf der Woche: </strong>Immer noch heizen laut der Deutschen Energieagentur dena weit über 70 Prozent der deutschen Haushalte mit Erdgas (rund 56 Prozent) oder Heizöl (rund 17 Prozent), hinzu kommt noch die (teils auch noch fossil betriebene) Fernwärme. Vier Jahre nach der ersten Energiekrise im Jahr 2022 hat sich demnach ein wenig, aber nicht genug getan: Damals lag der Anteil der <a href="https://www.dena.de/fileadmin/dena/Publikationen/PDFs/2023/dena-Gebaedereport_2024.pdf">fossilen Heizungen bei 78 Prozent</a>. Acht Prozent Unterschied! Das steht in keinem Verhältnis zu der Debatte, die es um Wärmepumpen und Alternativen gab. Das Beharrungsvermögen – und die Hoffnung, es wird schon gut gehen – vieler Deutscher ist weiterhin groß. Das könnte in diesem Winter, in der mittlerweile zweiten Energiekrise innherhalb von vier Jahren, abermals richtig teuer werden. Energieexperten – und wir – warnen: Je nach Witterung müssen Gas- und Heizölkunden mehrere Hundert Euro mehr für die eine warme Winterwohnung bezahlen.<br/><br/><strong>Empfehlung der Woche: </strong></p><figure><a href="https://www.zdf.de/dokus/inside-cdu-102"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bc6d9c5e-bbf3-4295-84fb-cf2e6beb4c28/uploads/images/hcjcwmfo2i/Screenshot_2026-10-04_140955.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Unbedingt sehenswert – Porträt eines Niedergangs</figcaption></figure><p>Wer sie noch nicht gesehen hat: Die <a href="https://www.zdf.de/dokus/inside-cdu-102">ZDF-Doku </a>„<a href="https://www.zdf.de/dokus/inside-cdu-102">Inside CDU”</a>. Ein erschreckendes Porträt über den Zustand der konservativen – und nur noch in Teilen – Volkspartei. Oft wissen wir nicht, ob wir lachen oder weinen sollen. Im Fokus steht neben Philipp Amthor auch Carsten Linnemann. Schon in unserem Buch „Klimaschmutzlobby” von 2020 beschreiben wir den CDUler als einen der größten Bremser der Energiewende. Damals sagten uns Insider, er gehöre zusammen mit Thomas Bareiß und Joachim Pfeiffer zum „Bermudadreieck der Energiewende” - sie schluckten jeden Fortschritt. Die Doku offenbart, mit welcher Inkompetenz und Ignoranz Deutschland gerade regiert wird. Die Tragik ist, dass diese Politiker dadurch den Rechtsextremen das Feld bereiten.</p><p><strong>Bleibt (trotzdem) heiter und stabil!</strong></p><p><strong>Eure Susanne und Annika</strong></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 04 Oct 2026 17:06:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Verschwiegenheit der Katherina R.]]></title>
      <description><![CDATA[Manchmal ist Journalismus ein Katz-und-Maus-Spiel. Wir suchen Informationen, fragen sie an – und klagen sie auch notfalls ein. Wir wollen Interessenkonflikte aufdecken, ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal ist Journalismus ein Katz-und-Maus-Spiel. Wir suchen Informationen, fragen sie an – und klagen sie auch notfalls ein. Wir wollen Interessenkonflikte aufdecken, politische Vorgänge transparent machen. Und wir wollen zeigen, wenn Politiker die Argumente von Lobbys und Wirtschaftsverbänden übernehmen. </p><p>Doch Transparenzgesetze helfen nur, wenn Behörden Informationen auch speichern und dokumentieren. Das geschieht offenbar immer seltener. „Seit es das Informationsfreiheitsgesetz gibt, wird stetig weniger verschriftlicht und die Aufzeichnungen werden nichtssagender“, sagte uns vor einiger Zeit ein Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums.</p><p>Dieses Gesetz, das IFG, gibt uns Journalistinnen und Journalisten das Recht, amtliche Dokumente anzufordern. Doch dieses Recht hilft wenig, wenn Ministerinnen, Staatssekretäre und Abteilungsleiter wichtige Gespräche, Treffen und Beschlüsse gar nicht erst dokumentieren. Dann läuft selbst das beste Transparenzgesetz ins Leere. </p><p>In diesem <strong>elften Newsletter</strong> nehmen wir euch mit in den Maschinenraum des Journalismus. Ihr erfahrt, warum wir immer häufiger und härter um Informationen kämpfen müssen. Der erschwerte Zugang zu öffentlichen Informationen beunruhigt auch die Organisation <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/detail">„Reporter ohne Grenzen“</a>: Deutschland ist bei der Pressefreiheit weltweit auf Platz 14 abgerutscht – vor zwei Jahren lag es noch auf dem 10. Platz. Ein Grund ist die mangelnde Bereitschaft von Regierungen und Behörden, Informationen öffentlich zu machen. </p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Subscribe to newsletter</a></p><p>Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Bundeswirtschaftsministerin. In dieser Woche schrieb Annika bei <a href="https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2026/09/16/ministerin-reiche-laesst-lobbytreffen-im-dunkeln/">CORRECTIV</a> vorab über eine Kleine Anfrage der Grünenfraktion im Bundestag. Die Oppositionspartei wollte wissen, welche Lobbytreffen es rund um das im Juli beschlossene neue Gebäudemodernisierungsgesetz, auch „Heizungsgesetz“ genannt, gab. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/11e03757-61fc-45fb-b19e-b6cb85ed6b16/uploads/images/jead3wndia/Katherina_Reiche_2025-05-15_%28cropped%29.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Keine Spuren hinterlassen?
Photocredit: Wikipedia/© European Union, 1998 – 2026</figcaption></figure><p>In der Antwort heißt es, das <strong>Ministerium habe keine Protokolle</strong> zu solchen Treffen geführt. Auch Telefonate und E-Mails seien nicht dokumentiert. Zwar habe es zahlreiche dienstliche Kontakte gegeben, doch <strong>könne man sie nicht auflisten</strong> – unter anderem wegen „Personalwechsels“.</p><p>Das klingt abenteuerlich. Akten in Ministerien – und allen Verwaltungen – sollten so geführt sein, dass sie andere problemlos nutzen können. Und warum schaut niemand in Reiches Terminkalender? Dort müssten doch alle Treffen und Telefonate stehen. Es ist kaum vorstellbar, dass eine Ministerin planlos in den Tag startet, spontan den Anruf eines Gaskonzerns entgegennimmt und sich nachmittags <strong>unverhofft mit einem Mineralölverband zum Kaffee trifft</strong>. Ganz ohne Absprache, ohne Eintrag, ohne Notiz. So bleibt unklar, wen sie getroffen hat. Sprach sie mit Fabrikanten über Gasheizungen, mit Energiekonzernen über Energiepolitik – oder mit Vertretern der Wärmepumpenbranche?</p><p><strong>Das finden zahlreiche Experten abenteuerlich. </strong></p><figure><a href="https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2026/09/16/ministerin-reiche-laesst-lobbytreffen-im-dunkeln/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/11e03757-61fc-45fb-b19e-b6cb85ed6b16/uploads/images/75l6i2iomu/zetteloptik-ohne-grossen-rand.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Correctiv-Bericht über Kleine Anfrage der Grünen: Wo keine Dokumente, da auch nichts zum rausgeben.</figcaption></figure><p>Und sie sehen die Verschwiegenheit des Reiche-Ministeriums nicht als Ausnahme, sondern als Trend: „Das inzwischen größte Problem für die Informationsfreiheit in Deutschland ist die fehlende Veraktung von Informationen”, sagt uns Arne Semsrott von Frag den Staat. Die Organisation fordert für Journalisten oder Bürgerinnen regelmäßig Informationen von Behörden oder Ministerien an. „Wichtige politische Entscheidungen werden über<strong> private Mailadressen oder Messenger getroffen</strong>, gar nicht erst aufgeschrieben oder wieder gelöscht“. Semsrott sieht darin „ein riesiges Problem für die demokratische Kontrolle“. Er warnt, dass so auch die Geschichtsschreibung große Lücken bekommt. „Von Ministerin Reiche ist bekannt, dass sie einen besonders engen Austausch mit manchen Lobbyisten pflegt. Das hat schon dazu geführt, dass sie amtliche Informationen flugs als privat deklariert hat, um sie nicht herauszugeben. Das Korruptionsrisiko durch diese Praxis ist offensichtlich“, sagt Semsrott.</p><p>Doch es könnte noch schlimmer kommen. Denn das seit 2006 geltende Informationsfreiheitsgesetz ist bedroht. Die Bundesregierung will es reformieren und den Zugang zu staatlichen Informationen noch weiter erschweren. Künftig sollen offenbar nur noch natürliche Personen mit einem „berechtigten Interesse“ Auskünfte beantragen können. Zugleich könnten die Gebühren deutlich steigen. Noch sind diese Änderungen nicht beschlossen. Sollten sie umgesetzt werden, wären sie ein massiver Rückschritt.<strong> </strong><a href="https://weact.campact.de/petitions/spd-stoppt-den-frontalangriff-auf-die-informationsfreiheit">Hier</a> könnt Ihr eine Petition dagegen unterschreiben – bis heute haben dort rund 680.000 Menschen signiert. </p><figure><a href="https://weact.campact.de/petitions/spd-stoppt-den-frontalangriff-auf-die-informationsfreiheit"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/11e03757-61fc-45fb-b19e-b6cb85ed6b16/uploads/images/nra2toxfwj/zetteloptik-petition-staerker.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Derzeit noch laufende Petition gegen die Reform des IFG - noch könnt Ihr unterzeichnen!</figcaption></figure><p>Wirtschaftsministerin Reiche hat unsere Anfrage zu den fehlenden Informationen übrigens bis zum Abschluss dieses Newsletters nicht beantwortet. </p><p>Der Staat mauert häufiger – das fällt uns auf, die bereits seit Jahren immer wieder solche Anfragen stellen. Viele Ministerien waren vor wenigen Jahren noch weitaus transparenter. Für unser vorletztes Buch <a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8">„Die Milliardenlobby” </a>stellten wir im September 2024 beim damals von Robert Habeck geführten Bundeswirtschaftsministerium eine UIG-Anfrage (Umweltinformationsgesetz) zum damals heftig diskutierten Gebäudeenergiegesetz (GEG) – dem Vorgänger des jetzigen GMG. Das Umweltinformationsgesetz gewährt allen Zugang zu Informationen, die die Umwelt betreffen könnten – etwa zum Klima, zur Wasserqualität oder zur Luftreinheit.</p><p><strong>Habeck-Ministerium sandte sämtliche Listen und Ordner </strong></p><p>Wir wollten wissen, wann und wie oft sich Habeck, seine Staatssekretäre und Referatsleiter vom 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2024 mit Lobbyvertretern getroffen haben. Zusätzlich fragten wir auch nach Notizen zu den Treffen und Korrespondenzen. Die Anfrage war sehr umfangreich und umfasste den Schriftverkehr von zwölf Monaten. </p><p>Die Antwort des Ministeriums ließ erst mal auf sich warten. Zwischendurch erhielten wir Rückmeldungen mit Nachfragen und einige Klarstellungen. Trotz dieses Hin und Her hatten wir den Eindruck, das Ministerium nehme unsere Anfrage ernst und gehe der Sache nach. Am 28. November 2024 – drei Wochen nach dem Ampelbruch und rund acht Wochen nach unserer UIG-Anfrage – erreichte Susanne schließlich eine Nachricht mit einem passwortgeschützten Link. Darüber erhielten wir Zugriff auf sämtliche Dokumente: <strong>Listen mit Lobbytreffen samt Datum, Uhrzeit und Teilnehmenden, Gesprächsvorbereitungen, Ergebnisvermerke und zahlreiche E-Mails zum Gesetz.</strong> Es waren mehrere Ordner, allein unter dem Stichwort „Frühkoordinierung GEG“ fanden sich über 100 Mails. Besonders hilfreich waren die Lobbytreffen-Listen und dazugehörige Reaktionen des Ministers. Solche Listen zu Treffen sind übrigens üblich. Wir hatten sie schon mehrfach von anderen Ministerien erhalten, etwa vom Verkehrsministerium.</p><p>Auch damals war nicht alles transparent: Einige Namen in den Mails wurden unkenntlich gemacht; vor allem zum Schutz der Mitarbeitenden. Auch manche Inhalte wurden geschwärzt – ob berechtigt oder nicht, lässt sich schwer einschätzen. Doch die Mehrheit der Dokumente war einsehbar. </p><p>Ganz anders beim aktuellen Reiche-Ministerium. Ein aktuelles Beispiel dafür, dass sich der Wind dort gedreht hat, war unsere Recherche zum Wasserstoffrat vor wenigen Wochen. Dabei ging es um <strong>Felix Matthes</strong> <strong>vom Öko-Institut</strong>, den ehemaligen Vorsitzenden des Wasserstoffrates, eingesetzt vom Wirtschaftsministerium (Lest dazu unseren <a href="https://steady.page/de/backend/publications/44dd262b-58e2-460e-b3fa-5cf982c30c2b/posts/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1/edit">Newsletter <strong>Nummer 5</strong></a>). Wir hatten aufgedeckt, dass Mattes ein bislang unveröffentlichtes Gutachten für den Stahlkonzern ThyssenKrupp angefertigt hatte. Für Geld in noch immer unbekannter Höhe. Auf Nachfrage, ob das Ministerium von diesem Gutachten von Matthes wusste, antwortete das BMWE nur lapidar: Der Bundesregierung lägen „keine umfassenden Informationen zu sämtlichen geschäftlichen Beziehungen, Beratungsmandaten oder Gutachtenaufträgen einzelner Mitglieder vor.” Okay. Aber was ist – fragten wir weiter – wenn es sich hier um mögliche Interessenkonflikte handelt. Immerhin war Matthes Leiter des Beratungsgremiums zum Thema Wasserstoff? Da wurde es dann noch wilder: Die Mitglieder des Rates, also auch Herr Matthes, seien „aufgrund ihrer beruflichen Expertise im Wasserstoffbereich ausgewählt“ worden und hätten – nun kommt es: „naturgemäß auch in ihrer beruflichen Tätigkeit starke Bezüge zum Thema Wasserstoff.&quot; </p><p>Das hieße also: Wenn sich jemand mit dem Thema X auskennt, kann er die Bundesregierung beraten und zugleich für die Industrie arbeiten, um sein Geld zu verdienen. Doch sollte man vom Leiter eines solchen Beratungsgremiums nicht zumindest eine gewisse Neutralität erwarten? Schließlich soll der Rat dem Ministerium Argumente und Leitlinien liefern, um diese Technologie zu fördern und auch einzuschätzen, wie sinnvoll und effektiv eine solche Förderung sein wird. Bei Wasserstoff etwa geht es für die Industrie um Subventionen in Milliardenhöhe - auch für den Stahlkonzern Thyssenkrupp.<br/><br/>Allerdings überrascht diese Haltung kaum, wenn die Hausherrin, Katherina Reiche, sich selbst als Energieexpertin und frühere Wirtschaftsvertreterin sieht – und offenbar weiterhin kaum Berührungsängste mit fossilen Lobbys hat.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/11e03757-61fc-45fb-b19e-b6cb85ed6b16/uploads/images/dfbkzvrmtx/Frank-Schaffler_Dummer.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Zum Schluss noch ein Update zu Frank Schäffler – Ihr erinnert euch sicher: Der FDP-Politiker gehörte 2023 zu den eifrigsten Akteuren in der großen Anti-Wärmepumpen-Kampagne. Mit großem Einsatz bekämpfte er damals das von Robert Habeck eingebrachte Heizungsgesetz (gemeint ist das GEG). Wir berichteten <a href="https://steady.page/de/backend/publications/44dd262b-58e2-460e-b3fa-5cf982c30c2b/posts/0bffb484-9e17-491b-9b37-5c6ae18f271e/edit">in unserem Newsletter</a>, dass Schäffler in der Samtgemeinde Altes Land Lemförde<em> </em>als Bürgermeister kandidierte. Bei der niedersächsischen Kommunalwahl am vergangenen Wochenende <a href="https://www.nw.de/lokal/kreis_minden_luebbecke/stemwede/24417981_Frank-Schaeffler-aus-Buende-verliert-Buergermeisterwahl-in-Lemfoerde.html">verlor nun der glücklose FDPler.</a> Trösten kann ihn vielleicht seine Frau. Sie kennt sich nämlich, wie wir durch Hinweise auf unseren Newsletter herausfanden, auch beim Thema Heizen aus: Meike Schäffler ist Vorständin bei einem Gasunternehmen, der Westfalen-AG in Münster. Und sie dürfte mit dem neuen gasfreundlichen Gebäudemodernisierungsgesetz von Ministerin Reiche zufrieden sein. So dürfte die Stimmung im Hause Schäffler trotz der Wahlniederlage gut sein.</p><p><strong>War sonst noch was?<br/><br/>Bremser der Woche: </strong>Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sprach sich mal wieder gegen ein <a href="https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/RedenUndInterviews/2026/bilger-berliner-morgenpost-14-09-2026.html">Tempolimit auf deutschen Autobahnen</a> aus. Man fragt sich, was noch passieren muss, um das eigentümliche, lebensgefährliche und klimaschädliche deutsche Dogma des ungehemmten Rasens zu brechen. Fast wirkt es wie eine Trotzreaktion eines jeden Verkehrsministers: „Nein, das Tempolimit kriegt ihr nicht von mir. Ätsch.“ <br/><br/><strong>Kassandraruf der Woche: </strong>Ja, der Spritpreisdeckel. Nicht wundern, wenn gleich zwei unserer Kategorien auf Öl, Benzin und Diesel zielen: Seit Jahren warnen wir vor unserer fatalen Abhängigkeit von fossilen Energien – zu Recht, wie diese Krisenzeit erneut zeigt. Der Tankrabatt und nun der Spritpreisdeckel markieren einen weiteren Tiefpunkt der Berliner Politik. Der Bund plant, die Deckelung bis zum 1. Januar 2027 einzuführen. Dann setzt der Staat einen Höchstpreis für Benzin und Diesel fest, an den sich die Tankstellenbetreiber halten müssen.</p><p>Steigen die Mineralölkosten weiter – was angesichts der vielen Krisen entlang der Lieferkette wahrscheinlich ist – wird es teuer. Liegt der gedeckelte Endpreis unter den tatsächlichen Beschaffungs- und Vertriebskosten, klafft eine Lücke. Und wer soll sie schließen – die Mineralölkonzerne, die gerade Rekordgewinne einfahren, oder der Steuerzahler? Das sei noch „unklar“, sagt die Bundesregierung.</p><p>Unsere Prognose lautet: Am Ende zahlen alle die Deckelprobleme über Steuern – ob Geringverdiener, Radfahrer oder jene ohne Auto und Führerschein. </p><p><strong>Empfehlung der Woche: </strong>Es gibt endlich einen neuen Klimapodcast im Deutschlandfunk! Was verändert die Klimakrise in unserem Alltag, was können wir – und was muss die Politik tun? Die Deutschlandfunk-Klimafachfrau Ann-Kathrin Büüsker und ihre Kollegin Ann-Kathrin Horn erklären, ordnen ein und fragen nach. Der Podcast „Die Klimafrage“ zeigt jeden zweiten Freitag, wo es hakt, und schiebt gleich Lösungsansätze hinterher. Ab dem 25. September – am besten gleich abonnieren:<a href="https://www.deutschlandfunk.de/die-klimafrage-100.html"> <strong>https://www.deutschlandfunk.de/die-klimafrage-100.html</strong></a><strong> </strong></p><p><br/><strong><em>Nachtrag:</em></strong><em> Wir bitten um Nachsicht, dass wir im vergangenen Newsletter die Verabschiedung vergessen haben. Auch für Tippfehler, die uns manchmal unterlaufen, bitten wir um Verständnis. Wir arbeiten an diesem Newsletter an Wochenenden und freien Tagen, ohne Vergütung und ohne externe Hilfe. Seht uns deshalb bitte nach, wenn nicht alles vollkommen glatt ist.</em></p><p><strong>Bleibt heiter und stabil!</strong></p><p><strong>Eure Susanne und Annika</strong></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 20 Sep 2026 17:30:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Angsterfinder]]></title>
      <description><![CDATA[Französische Medien moderierten die Nachrichten aus Sachsen-Anhalt folgendermaßen an: „Zum ersten Mal seit 1945 wird in Deutschland eine rechtsextreme Partei regieren.“]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://archive.ph/iiqRR"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8572a880-e9f0-495f-9d5d-9e04149b5775/uploads/images/uz7v6qw563/Bildschirmfoto_2026-09-06_um_17.30.33.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Falsches Satire-Plakat der AfD: Mut zur Wahrheit – Die Anzahl der Windräder multipliziert mit der Erdrotation verkürzt den Tag. Schon jetzt fehlen uns 2 Stunden Schlaf pro Woche."/></a><figcaption>Dieses Plakat ist nicht echt, sondern eine Satire der österreichischen Komiker „Gebrüder Moped“. Aber ähnlich satirisch und falsch anmutende Poster verbreitet die AfD tatsächlich</figcaption></figure><p>Französische Medien moderierten die Nachrichten aus Sachsen-Anhalt folgendermaßen an:</p><p>„Zum ersten Mal seit 1945 wird in Deutschland eine rechtsextreme Partei regieren.“</p><p>Ein Satz, der den Epochenbruch der Landtagswahl nur allzu deutlich macht.</p><p>Sie hätten alles richtig gemacht, sagte die AfD nach ihrem hohen Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Aus Ihrer Sicht ist das richtig. Vermutlich wird die rechtsextreme Partei den nächsten Ministerpräsidenten stellen. Fragen sollten sich nun alle, warum die Rechten solch einen Erfolg einfahren konnten.</p><p>Dies ist unser zehnter Newsletter – und heute analysieren wir die Wahl in Sachsen-Anhalt. Und als Klimaexpertinnen interessiert uns die Frage, warum der „Hass auf alles Grüne“ so verfängt – und welche Folgen eine AfD-Regierung für die Energiewende hat. Schließlich setzt die Partei auf (russisches) Gas und Verbrenner-Autos. Und hasst Windräder. Häufig heißt es dann, die AfD drücke nur die Wut und Enttäuschung von Menschen aus.</p><p>Unsere Recherchen zeigen jedoch, dass die Partei nicht die „Enttäuschung der Leute“ bedient, <strong>sondern die negativen Gefühle gegenüber der Energiewende aktiv schürt</strong>. Die AfD kann darauf aufbauen, was viele rechtsgerichtete, marktradikale und konservative Thinktanks über viele Jahrzehnte vorbereitet haben: Die Skepsis gegenüber erneuerbaren Energien.</p><p>Der Sieg der Rechten fällt nicht vom Himmel und ist auch kein isolierter Erfolg eines Spitzenkandidaten. Die rechtspopulistischen Narrative – also Erzählmuster und Deutungen – sind keineswegs neu; auch die AfD hat sie nicht in die Welt gesetzt. Bereits in der <a href="https://www.piper.de/buecher/die-klimaschmutzlobby-isbn-978-3-492-31502-9">„Klimaschmutzlobby“</a> (2020) und in der <a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8">„Milliardenlobby“</a> (2025, beide Piper) beschreiben wir, dass industriefinanzierte US-Denkfabriken schon in den Neunzigerjahren angebliche „Argumente“ von Klimawandelleugnern und Desinformation über erneuerbare Energien in den USA verbreiteten – um Zweifel an der Klimawissenschaft zu säen.</p><p>Ihr Ziel: weniger Klima- und Umweltschutzregeln für Unternehmen. Diese Thinktanks waren meist marktradikal und ultrakonservativ – und damit anschlussfähig für rechte Kräfte. Das ist ein Grund dafür, dass etwa die Republikaner in den USA und später auch konservative und rechte Kräfte in Europa eine so klimaschutzfeindliche Haltung entwickelten.</p><p>Ab den Zehnerjahren übernahmen Rechtsextreme in ganz Europa die Argumente der Klimawandelleugner. Ein Grund, warum das so gut funktionierte: Die erzkonservativen US-Denkfabriken hatten die Energiewende und <strong>erneuerbare Energien als links, sozialistisch, maoistisch oder als sogenanntes „Elitenprojekt“ </strong>einer angeblich herrschenden 68er-Bewegung geframt.</p><p>Davon profitiert die AfD bis heute. Und stampft mühelos Bürgerinitiativen aus dem Boden. Annika recherchierte mit ihrem Klimateam <a href="https://correctiv.org/aktuelles/afd/2026/08/13/wahlkampf-im-osten-wie-die-afd-gegen-windmuehlen-kaempft/">bei CORRECTIV</a>, wie stark die AfD in Sachsen-Anhalt Bürgerinitiativen unterstützt. Die AfD gründete oder half mindestens bei der Hälfte von ihnen mit, erfolgreich zu sein und Leute anzuziehen.</p><p>Und immer wieder tauchen die <strong>Verschwörungsmythen von „Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung“</strong> durch Windkraft auf. </p><p>Einen dieser Mythen über angebliche Gesundheitsrisiken hatten wir schon vor einigen Jahren <a href="https://www.zeit.de/2021/17/windraeder-infraschall-studie-bgr-fehler-forschung-klimaschutz/komplettansicht">in der ZEIT widerlegt</a> – damals ging es um Infraschall. In einer wochenlangen Recherche nahmen wir auseinander, warum die viel zitierte Studie <em>Der unhörbare Schall von Windkraftanlagen</em> mit falschen Dezibel-Zahlen hantierte. Die Studie wurde 2009 von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) publiziert und diente deutschlandweit Windkraftgegnern dazu, diese erneuerbare Energie zu diskreditieren. Etwa mit der Behauptung, die angeblich erzeugten Infraschallwellen verursachten Tinnitus oder Schlafstörungen und begünstigten Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. </p><h4>Peter Altmaier entschuldigte sich für Fakenews</h4><p>Der damalige CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier entschuldigte sich anschließend sogar für die falsche Studie, die seinem Ressort unterstand. <strong>Aber solcherlei Fakten interessieren die AfD nicht.</strong> Noch immer spricht sie im Bundestag und vielerorts von dem angeblichen Infraschall.</p><p>So einsichtig wie Altmaier sind nicht alle in der CDU. Bis heute schürt sie an vielen Orten die Angst vor Windkraft. An anderen wiederum ist sie dafür. Vor wenigen Tagen besuchte Bundeskanzler Friedrich Merz Quedlinburg. Das beschauliche Städtchen liegt am Rand des Harzes, seine alten Fachwerkhäuser haben ihm den Status des Unesco-Weltkulturerbes eingebracht. Der Bundeskanzler schaltete sich damit in den finalen Wahlkampf ein. Dem CDU-Kandidaten Sven Schulze hat das wenig geholfen – oder ihm sogar geschadet.</p><p>In Quedlinburg ist außerhalb der Stadt ein Windpark geplant, gegen den eine Bürgerinitiative und die AfD im Stadtrat mobil macht. Die CDU hingegen, die den Stadtrat anführt, befürwortet den Bau des Windparks. Das zeigt: Auf lokaler Ebene grenzt sich die CDU in manchen Gegenden sehr wohl noch von den Energiewende-Gegnern und den rechten Kräften ab. Dennoch bleibt eine Tatsache tragisch: <strong>CDU-Mann Merz erschwert zusammen mit seiner Wirtschaftsministerin Katherina Reiche seit über anderthalb Jahren bundesweit diese lokale Energiewende</strong> – und spielt damit den Klimawandelleugnern der AfD in die Hände.</p><p>Nicht alles, was die AfD in Sachsen-Anhalt bewirbt, kann sie auch durchsetzen. So fordert sie etwa ein Windkraftmoratorium. Doch nicht die Landesregierung selbst, sondern die Landkreise und kreisfreien Städte genehmigen die meisten Windparks – wie jenen in Quedlinburg. Ein pauschaler Stopp durch die Landesregierung wäre kaum möglich, weil er Bundesrecht, Planungsrecht und gesetzlichen Genehmigungsansprüchen widerspricht. </p><figure><a href="https://correctiv.org/aktuelles/afd/2026/08/13/wahlkampf-im-osten-wie-die-afd-gegen-windmuehlen-kaempft/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8572a880-e9f0-495f-9d5d-9e04149b5775/uploads/images/tmkphuyaac/Bildschirmfoto_2026-09-06_um_17.22.09.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="AfD-Parteichefin Alice Weidel und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vor einem Windrad - sie bekämpfen die Erneuerbaren Energien"/></a><figcaption>Die AfD bekämpft die Energiewende – und macht Deutschland so abhängiger von Öl- und Gasimporten 
Credit Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Fotos: picture alliance</figcaption></figure><p>Bei der Energiewende, aber auch bei der Forschung, scheint die AfD ähnlich vorzugehen wie Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit – jedenfalls ist das die Befürchtung. Susanne besuchte für den SPIEGEL die Universität Magdeburg und sprach dort mit Studierenden und Dozentinnen. Die Wissenschaftsfeindlichkeit und ideologische Härte der AfD machen vielen dort Angst. Einige überlegen, wegzugehen, andere wollen sich wehren. Wieder andere denken darüber nach, ihre Kurse umzubenennen. </p><h5>Elektrische Energieversorgung - oder Erneuerbare Energien?</h5><p>Bei manchen hat der Opportunismus vielleicht schon begonnen. So sucht etwa die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik gerade einen Nachfolger für den Lehrstuhl für »elektrische Netze und erneuerbare Energie«. Der neue Lehrstuhl soll nun aber plötzlich nur noch »Elektrische Energieversorgung« heißen. Das habe aber angeblich nichts mit der AfD zu tun, wiegelt die Fakultät ab. Man habe eine »zeitlose und unpolitische« Bezeichnung gewählt, heißt es von der Universität. (Lest <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/afd-in-sachsen-anhalt-an-der-uni-magdeburg-bereiten-sie-den-widerstand-gegen-die-afd-vor-a-139a2ff1-5796-4d3b-bb96-bfc926047b7c">hier den ganzen Beitrag</a> im SPIEGEL.)</p><p>In Sachsen-Anhalt will die AfD laut ihrem Wahlprogramm jetzt ein eigenes Pseudo-Institut aufbauen, ein sogenanntes<a href="https://afd-lsa.de/wp-content/uploads/2026/07/AfD_Sachsen-Anhalt_Regierungsprogramm_2026_230726-web.pdf"> &quot;Institut für Klimapolitikfolgen&quot;</a>. Eine Anspielung auf das renommierte Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK), das von der Brandenburger AfD bereits öfter attackiert wurde. </p><p>Janine Patz forscht seit Jahren zu Klimaleugnern im Osten Deutschlands, unter anderem am Institut Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Jena. Dass die AfD mit ihrem Energiewende-feindlichen Kurs besonders im ländlichen Osten anknüpfen kann, liegt ihr zufolge nicht nur an der Transformationsmüdigkeit der Menschen. Sondern auch am Versagen der etablierten Parteien. „Vielerorts hat die demokratische Kultur bereits Schaden genommen”, sagte uns Patz. „Die vielbeschworene Brandmauer spielt auf kommunaler Ebene häufig keine Rolle – weder innerhalb noch außer Parlamente.“ </p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Sie sagt: In einigen Regionen Ostdeutschlands wurde etwa die Windkraft zum Feindbild gemacht, lange bevor die AfD sich dort etabliert hatte. „In Thüringen legten CDU und FDP entsprechende Gesetzesinitiativen vor und stimmten mehrfach beim Thema gemeinsam mit der AfD“, sagt Patz. Seit über zehn Jahren finde etwa der jährliche „Waldkampftag“ im Saale-Holzland-Kreis statt, eine Kundgebung gegen die Windkraft. Dort hätte seit Beginn ein breites politisches Spektrum teilgenommen: FDP-, CDU- und AfD-Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Klimaleugner-Vereine wie EIKE, Vertreter der Neonazi-Szene und Figuren wie der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes und Ex-Gründer der Werteunion, Hans-Georg Maaßen. </p><p>Die Anti-Energiewende-Haltung habe sich in vielen Kreisen bereits zum festen Bestandteil des Kulturkampfes und des angeblichen Widerstandes gegen das ferne Berlin entwickelt. „Wir konnten in Untersuchungen nachweisen, dass sich in den vergangenen fünf Jahren ein konstruiertes Feindbild ‘grüner Politik’ normalisiert hat“, sagt die Forscherin. </p><p>Ihre Erkenntnisse zeigen: Der Erfolg der Kampagnen der AfD kommt nicht überraschend. Sondern wurde auch möglich, weil etablierte Parteien mitstrickten an falschen Mythen und Ängsten.</p><p><strong>Warum die Rechten Anti-Patrioten sind</strong></p><p>Tabula Rasa bei der Energiewende, Vollgas für fossile Brennstoffe – das ist kein Alleinstellungsmerkmal der AfD. Und zeigt den Widersinn in den Programmen rechtspopulistischer Parteien in ganz Europa: Sie alle setzen auf eine Energiepolitik, die den Kontinent noch abhängiger von Öl- und Gaslieferanten machen würde. Auch Marine Le Pens Rassemblement National, Geert Wilders in den Niederlanden und österreichische Postfaschisten wie die FPÖ wollen fossile Energien länger nutzen oder mehr Energie importieren. Neue rechte Bündnisse im EU-Parlament wie „Patrioten für Europa“ und die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer treiben die Anti-Energiewende-Politik voran. </p><p>Der Irrsinn daran: Ausgerechnet die selbst ernannten Patrioten machen sich dabei von autoritären Staaten für die Energieversorgung abhängig.</p><p>Risiken von Öl- und Gaslieferketten werden nicht thematisiert oder kleingeredet. Im Falle von Russland wird sogar vorgeschlagen, mit dem Land trotz Angriffskrieg und brutaler Verbrechen zu kooperieren. AfD-Politiker sind nicht selten Gäste in Russland und fordern die Reparatur der Nordstream-Pipelines.</p><h5>Ausländer rein - ausländisches Öl rein</h5><p>Selbst die durch die Klimakrise und Energiekriege ausgelösten Migrationsbewegungen werden ignoriert – oder schlicht mit noch mehr Abschottung beantwortet. In unserem Buch <a href="https://www.oekom.de/buch/die-sicherheitsluege-9783987261978">„Die Sicherheitslüge“</a> beschreiben wir das Credo der europäischen Rechten zugespitzt so: „Ausländer raus, ausländisches Öl rein“. </p><p>Eine solche fossile Politik ist nicht nur kurzsichtig, sie ist auch zutiefst anti-patriotisch – auch wenn wir dieses Vokabular nicht mögen. Denn sie richtet sich langfristig auch gegen die eigenen Bürger. Mittlerweile sind die klimaschädlichen Importe auch ein gigantisches Problem für Autofahrer, Mieterinnen mit einer Gasheizung oder armen Menschen, die mit steigenden Lebensmittelpreisen zurechtkommen müssen. Auch die Folgen der Klimakrise sind hierzulande angekommen – Deutschland beklagt mindestens 12.000 Hitzetote im Sommer 2026.</p><p>Und es ist zudem auch ein Problem für die Demokratie selbst. </p><p>Dazu schreiben wir in der „Sicherheitslüge“: <em>„Warum Putin und die US-Regierung Europas Rechtspopulisten hofieren, ist durchschaubar: Das gesamte Programm von Parteien wie der AfD dient dazu, die EU zu spalten, zu schwächen und sie dazu zu bringen, noch mehr Öl und Gas zu importieren. Neben amerikanischen Importen drängen sie dabei auch zurück zu Putins Öl und Gas. Das würde Russlands Kriegsflotte stärken – den Grund für unsere Aufrüstung.”</em></p><p>Europa am fossilen Tropf verlängert unsere Abhängigkeit und Erpressbarkeit, erhöht die Energiepreise und verschärft die Klimakrise. Je mehr Rechte im Bundesrat sitzen und je größer ihre Macht auch auf Bundesebene wird, desto mehr gerät Deutschland in diese fossile Falle – und darunter leiden werden zuerst die Ärmeren und sozial Schwachen. Zu befürchten ist, dass die Union – nun wieder mal ein Wahlverlierer – sich noch mehr in die Ecke getrieben fühlt. Ihre Strategie, Skepsis an der Energiewende zu säen, hat den Rechten bisher geholfen. Die AfD zu kopieren, macht die AfD immer noch stärker. Zumindest das sollte Kanzler Merz nun gelernt haben.</p><p><strong>War sonst noch was?</strong></p><p><strong>Bremser der Woche: </strong>Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), eine Lobbyorganisation der Arbeitgeberverbände und bekannt für ihre Skepsis gegenüber Klima- und Umweltschutz. In einem <a href="https://x.com/BerlinReporter/status/2092555287269961873">Tweet auf “X”</a> suggerierte der ehemalige Journalist und CDU-Mann, dass die Klimaaktivisten selbst bei den verheerenden Waldbränden mitgezündelt hätten – oder sie zumindest “am meisten von den Bränden von den mutwilligen Brandstiftungen bei den Waldbränden” profitieren würden. Und er schob noch hinterher: “Und für welches politische Thema gibt es Aktivisten, die in den letzten Jahren Hundertfach gezeigt haben, dass sie für ihre Ziele bereit sind, Straftaten zu begehen? 🤔”. Hart kombiniert Kommissar Alsleben! Die neue Generation zündet Wälder an, um Aufmerksamkeit bekommen. Wie peinlich für die INSM. </p><p><strong>Kassandraruf der Woche: </strong>Kommt dieses Mal von einem Biologen: Martin Schädler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)  prophezeit, dass schon bald in einigen Regionen Deutschlands keine Kartoffeln mehr angebaut werden können – wegen zu heißen und trockenen Sommern. Mehr lest ihr in <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/boeden-im-trockenstress-was-extremwetter-fuer-kartoffeln-in-deutschland-bedeutet-a-6a332e43-9422-4902-941f-278b6f174efd">diesem SPIEGEL-Interview</a>. Susanne hat Schädler vor ein paar Jahren in Lauchstädt bei Halle getroffen (mehr <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/lebensmittelpreise-wie-ernteausfaelle-und-klimakrise-den-speiseplan-veraendern-werden-a-56343344-a1c9-4457-82a1-43035b3f8780">dazu hier zum Nachlesen</a>). Er forscht in einer Art Agar-Reallabor, wie sich die Landwirtschaft am besten an die Klimakrise anpasst. Eine Erkenntnis, die wir auch schon unserem Buch “Klima außer Kontrolle” (2022) erzählen: mehr Kulturen sowie Zwischenfrüchte und gesunde Böden mit möglichst vielen Mikroorganismen und Regenwürmern.</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/8572a880-e9f0-495f-9d5d-9e04149b5775/uploads/images/uz7v6qw563/Bildschirmfoto_2026-09-06_um_17.30.33.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 06 Sep 2026 17:55:29 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Haareschneiden mit Kryptowährung & Goldhändler in Könnern – Die neuen ]]></title>
      <description><![CDATA[Manche Personen begegnen uns Journalistinnen immer wieder, auch sehr unangenehme sind darunter. Seit Jahren beobachten wir, wie libertäre US-amerikanische Denkfabriken…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Haareschneiden mit Kryptowährung &amp; Goldhändler in Könnern – Die neuen Trump-Milei-Netzwerke in Deutschland</h1><p>Manche Personen begegnen uns Journalistinnen immer wieder, auch sehr unangenehme sind darunter. Seit Jahren beobachten wir, wie libertäre US-amerikanische Denkfabriken ihre Agenda nach Deutschland tragen: weniger Staat, weniger Steuern, weniger Regeln. Für uns besonders alarmierend: Sie wollen Umwelt- und Gesundheitsschutz abbauen und ambitioniertem Klimaschutz stoppen. Angefangen hat es mit unserer Recherche zur <a href="https://www.piper.de/buecher/die-klimaschmutzlobby-isbn-978-3-492-31502-9"><em>Klimaschmutzlobby</em></a> 2020 – bis hin zu unserem aktuellen Buch <a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8"><em>Die Milliardenlobby</em></a>. </p><figure><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gold_ingot_(FindID_58234).jpg"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/28f4f135-da47-4048-a3a2-dd0958b8a337/uploads/images/ivfn7im3p7/Gold_ingot_%28FindID_58234%29.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ein Goldstück"/></a><figcaption>Nein, dies ist kein Bild einer Sonnenfinsternis - sondern ein Goldstück. Warum Goldhändler Milei lieben erfahrt ihr unten im Newsletter.
Regeln „aufräumen“ und Platz machen für Investoren und das Kapital.
Credit: Wikimedia Commons</figcaption></figure><p>Seit Donald Trumps zweiter Amtszeit und der Wahl des anarcholibertären argentinischen Präsidenten Javier Milei verstärkt sich die weltweite Vernetzung dieser Kräfte: Beide Staatschefs ermutigen diese Akteure „voneinander zu lernen“ und ihre Ideen aggressiver zu verbreiten. </p><p>Herzlich willkommen zum 9. Newsletter! Wir geben euch in dieser Ausgabe zwei Beispiele, wie aktiv diese Netzwerke in Deutschland agieren. Und wir beleuchten, wie offen Teile der CDU/CSU mit ihnen kooperieren. Und auch der internationale Goldhandel spielt dabei eine Rolle. </p><p><strong>Die radikalen Kräfte und die CDU</strong></p><p>Kaum beachtet ist bislang ein Treffen, das Anfang September in Berlin stattfinden wird: Trump-Anhänger und radikale Gegner von Staat und Steuern aus den USA kommen dort mit Vertretern von CDU und CSU zusammen, zur sogenannten <strong>Berliner Campaign-Conference</strong>.</p><p>Bereits zum dritten Mal bietet diese Konferenz eine Bühne für ihre Vernetzung – und die diesjährigen Ausrichter treten radikaler auf als je zuvor. Das scheint aber auch hochrangige Personen von der Union nicht vor einer Teilnahme abzuschrecken. Bemerkenswert.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Die Denkfabrik <strong>The Republic</strong> und die <strong>Union Stiftung</strong> aus dem Saarland richten die Konferenz aus, beide stehen der Union nahe. Ebenfalls dabei: <strong>die Heritage Foundation, die einst Trumps inoffizielles Regierungsprogramm „Project 2025“ schrieb</strong> und mehrere Mitarbeiter seiner aktuellen Regierung stellt. Ihr Ziel: Mehr Macht den Märkten, staatliche Eingriffe zurückdrängen und in der Migrationspolitik empathielos durchgreifen. Das bedeutet auch: Umwelt- und Klimaschutz weitgehend abschaffen und die Öl- und Gasförderung in den USA ausbauen. Genau das geschieht seit etwa anderthalb Jahren. </p><figure><a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=petschner+multari&amp;title=Special%3AMediaSearch&amp;type=image"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fupload.wikimedia.org%2Fwikipedia%2Fcommons%2Fthumb%2F2%2F2f%2FArmin_Petschner-Multari.jpg%2F330px-Armin_Petschner-Multari.jpg%3Futm_source%3Dcommons.wikimedia.org%26utm_campaign%3Dimageinfo%26utm_content%3Dthumbnail?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=2169d30e6bc9820d79664bdbc67dec53" alt="Armin Petschner-Multari: Für Roland Tichy ein Unions-Rebell, für manche Christdemokraten jemand, der die CDU nach rechtsaußen zieht.

Quelle: Wikimedia Commons"/></a><figcaption>Armin Petschner-Multari: Für Roland Tichy ein Unions-Rebell, für manche Christdemokraten jemand, der die CDU nach rechtsaußen zieht
Quelle: Wikimedia Commons</figcaption></figure><p>„Diese Konferenzen sind so spannend, weil dort Kräfte miteinander reden können, die offiziell noch nicht viel miteinander zu tun haben“, sagte Sozialwissenschaftler Dieter Plehwe <a href="https://correctiv.org/aktuelles/international/2026/06/16/berliner-konferenz-mit-trump-fans-soll-wieder-stattfinden/">in einem CORRECTIV-Text</a>. Dieser erschien Monate, bevor das Konferenzprogramm stand. Plehwe hatte bereits damals vermutet, dass Vertreter der Union an dem Treffen teilnehmen. „Hier wird mitentschieden, wie stark konservative Parteien in Deutschland und international nach rechts rücken.“ Plehwe forscht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung unter anderem zu Klimapolitik und Netzwerken von Denkfabriken.</p><p>Hinter nahezu jedem der Konferenzpartner verbirgt sich eine libertäre Ideologie – gepaart mit ideologiegetriebenem Widerstand gegen Klimaschutz. Greifen wir beispielhaft das Unternehmen <strong>10X</strong> heraus, erstmals in diesem Jahr als Partner der Konferenz geführt. 10X ist eine US-Firma für Fundraising und Marketing. Gründer dieses Unternehmens <a href="https://www.tenxstrategies.com/about-us">ist Kevin Gentry</a> – ein <a href="https://www.politico.com/search?s=&amp;userInitiated=true&amp;q=%22kevin+gentry%22">ehemaliger Spitzenmanager der Koch Brothers</a>. Denjenigen also, die mit Plastik, Öl, Treibstoffen und Pipelines zu Milliardären wurden. In deren Fahrwasser wurde Gentry 2012 zum Vorsitzenden von <strong>Cato, </strong>einem libertären Thinktank, der Klimapolitik bekämpft. </p><p>Über Cato und Koch sind wir bei unserer Arbeit mehr als einmal gestolpert und haben sie deshalb in unseren Büchern ausführlich beschrieben. Sie führen den weltweiten Kampf gegen Klimapolitik mit an. Offenbar scheuen Teile der CDU/CSU nicht mehr davor zurück, mit diesen libertären Kräften zu kooperieren. Als Redner der <strong>Berliner Campaign-Conference</strong> treten Benedikt Kuhn, CDU-Staatssekretär und Chef der hessischen Staatskanzlei auf, sowie Fabian Beine, Digitalbeauftragter der CDU. </p><p>Auch die beiden Organisatoren der Konferenz stehen der Union nahe. Armin Petschner-Multari war mal verantwortlich für die Social Media Strategie der CSU-Landesgruppe und gründete die rechtskonservative Kampagnenagentur The Republic. Auf ihrer Webseite bezeichnete sie Klimaaktivisten schon mal als „skrupellos” und „übergeschnappt”. Manche Christdemokraten fürchten, dass Petschner Multari die CDU nach rechtsaußen zieht.</p><p><strong>Die Union Stiftung lädt AfD-nahen Klimawandelleugner ein</strong></p><p>Die Union Stiftung liebt ebenfalls deftige Worte. Sie ist so etwas wie die Konrad-Adenauer-Stiftung des Saarlandes. Und hat eine, sagen wir mal, überraschende Rednerliste für ihre Veranstaltungen. Michael Scholl, Geschäftsführer der Stiftung, <a href="https://x.com/MichaelP_Scholl/status/1879219626728739232">lud beispielsweise mehrfach Björn Peters</a> ein – ein Mann, der <a href="https://afdbundestag.de/naturzerstoerung-durch-windkraftanlagen-und-gruene-politik-mit-peter-geisinger-dr-bjoern-peters/">für die AfD Vorträge hält</a>. Mit ihm hatten wir einst einen erstaunlichen Mailwechsel für die <em>Klimaschutzlobby</em>. Schließlich <a href="https://deutscherarbeitgeberverband.de/Artikel.html?PR_ID=416)steht">schrieb er auf seiner Seite</a>, die er irreführenderweise „Deutscher Arbeitgeberverband” nannte: Bei Erreichen des Klimaziels, der Null-Emission des „Treibhausgases’ CO2, drohe ein totaler globaler Genozid&quot;. (...) Klimaschutz&quot; kann die gesamte Schöpfung vernichten.&quot; </p><p>In diesem Herbst wird Peters zusammen mit einem weiteren alten Bekannten aus unserer <em>Klimaschmutzlobby</em> ein Buch veröffentlichen: Fritz Varenholt. Der frühere SPD-Politiker ist dafür bekannt, den menschengemachten Klimawandel kleinzureden. Nun schließt er also ein Buch mit Peters.</p><p>Vielleicht schwirrt euch bei so vielen Namen der Kopf. Aber nur so lassen sich die Zirkel verstehen, mit denen sich die Kanzlerpartei umgibt. Und auch der Trend, wie ein Teil der Konservativen sich der Neuen Rechten und ultralibertären Kräften annähern, weil deren Politik durch Trump, Milei und die AfD langsam hoffähig wird.</p><p>Halten wir also fest: Die CDU-nahe Union Stiftung hofiert Klimawandelleugner. Der Stiftungsvorsitzende Hans-Georg Warken gilt als CDU-„Urgestein“, <a href="https://correctiv.org/aktuelles/trump-und-europa/2025/03/12/geld-macht-kampagnen-der-lange-arm-von-team-trump-2/">wie wir bei CORRECTIV recherchierten.</a> Er war rund zehn Jahre im Bundesvorstand der Jungen Union. Seine Schwiegertochter ist wiederum bundesweit bekannt: Gesundheitsministerin Nina Warken.</p><p><strong>Goldhändler, Klimawandelleugner und Milei-Fans in der Pampa von Sachsen-Anhalt</strong></p><p>Kommen wir nun zu einem zweiten Netzwerk – das am Ende wieder bei The Republic und der Berliner Konferenz landet. Ende Juli fand in Sachsen-Anhalt das sogenannte <strong>Afuera-Fest </strong>statt. Was zunächst wie eine spanische Tapasparty klingt, entpuppt sich als Treffen ultralibertärer Anhänger des argentinischen Präsidenten Javier Milei. Das Logo des Festes? Eine goldene Kettensäge – Mileis Symbol für seinen Kampf gegen angeblich überflüssige staatliche Strukturen. Auch der Name „Afuera“, Spanisch für „raus“, spielt auf Milei an, der in seiner Kampagne versprach, alles zu beseitigen, was das Land seiner Meinung nach ruiniert – vorwiegend staatliche Regeln. Deutsche Libertäre sehen in ihm ein Vorbild und preisen seit Monaten seine angeblichen Erfolge. In Videos vom Fest im Sommer 2025 äußern sich Teilnehmer begeistert über „so viel Zulauf wie lange nicht“. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/28f4f135-da47-4048-a3a2-dd0958b8a337/uploads/images/yxqbjljxlg/500px-Javier_Milei_%2854349592791%29_%28cropped%29.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Javier Milei mit seiner Kettensäge: Mit dem Staat und seinen lästigen Regeln „aufräumen“ und Platz machen für Investoren und das Kapital.
Credit: Wikimedia Commons</figcaption></figure><p>Was sind Mileis „Erfolge”? Er hat etwa die Zahl der Ministerien halbiert. So gibt es das Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung und das Ministerium für Frauen und Gleichberechtigung nicht mehr.</p><p>Auch Mittel für Universitäten und Forschungsinstitute strich er oder kürzte sie stark. Milei setzt nun vor allem auf die Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen des Landes sowie anderer Rohstoffe, etwa Erze und Lithium.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Seit Monaten versucht der argentinische Präsident zudem, ein Gesetz durchzubringen, das ausländischen <a href="https://elpais.com/argentina/2026-08-05/milei-cede-y-modifica-el-proyecto-de-ley-de-extranjerizacion-de-tierras.html">Unternehmen den Erwerb von Land erleichtert</a>. Bisher gibt es eine Obergrenze für Landkäufe sowie einen Schutz vor der Vertreibung indigener Gemeinschaften und auch der Verkauf von Land nach einem Waldbrand ist nicht erlaubt. Naturschutzflächen könnten durch das neue Gesetz durch Korruption und Brandrodung an Investoren verkauft werden, befürchten Kritiker.</p><p>Mileis Ziel ist klar: Alle Regeln, die Unternehmen stören, sollen verschwinden, damit sie ungestört Profite machen können – auf Kosten von Umwelt, Klima und Einheimischen.</p><figure><a href="https://www.afuerafest.de/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/28f4f135-da47-4048-a3a2-dd0958b8a337/uploads/images/tfzpmmzw7l/Bildschirmfoto_2026-08-16_um_07.30.30.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Die SPonsorliste des Afuera-Festes"/></a><figcaption>Gold und Krypto, Krypto und Gold: Die Sponsorliste des Afuera-Festes</figcaption></figure><p>Auch die Argentinier dürften von dem angestrebten Investorenboom wenig haben. Milei hat alle Subventionen für öffentliche Güter gestrichen sowie öffentliche Gehälter und Pensionen eingefroren oder gekürzt.</p><p>Tragisch ist, dass vor allem arme Argentinier so viele Hoffnungen mit Milei verbanden und nun am meisten unter ihm leiden. Bezeichnend ist auch, dass das deutsche <strong>Afuera-Fest</strong>, das Milei huldigt, ausgerechnet in einer strukturschwachen Gegend bei Könnern stattfand. Die Gegend ist seit dem Kohleausstieg deindustrialisiert und abgehängt. Versprechen sich die Veranstalter gerade dort besonders viele Zuhörer? </p><p>Die Teilnehmerliste – fast nur Männer – führt etwa den rechtskonservativen Journalisten Roland Tichy und den Unternehmensberater sowie Goldhändler Markus Krall. Mit letzterem produziert Tichy öfters Sendungen zum Thema Geldpolitik, erst im Mai wirbt <a href="https://www.tichyseinblick.de/video/kommentar/der-grosse-knall-kommt-sind-sie-vorbereitet/">Krall in einem Format </a>dafür, international zu investieren „raus aus dem kommunistischen Block unter Brüssel”, auch gern in Argentinien und empfiehlt Edelmetalle – mit dem Hinweis „alles, was Greta hasst”.</p><p>Ein Goldhändler wirbt für Gold und Milei: wenig überraschend. Übrigens haben beide auch eine CDU-Vergangenheit: Tichy arbeitet unter CDU-Kanzler Helmut Kohl für zwei Jahre im Planungsstab des Bundeskanzleramtes und Krall war bis 2012 CDU-Mitglied. Krall gab übrigens kürzlich der Berliner Zeitung ein <a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/markus-krall-10197451">Interview mit dem Titel</a> „Wissenschaftler, die Klimathesen vertreten, sind für mich akademische Huren“.</p><p>Diese Blase beleidigt offenbar gerne.</p><p><strong>Haareschneiden mit Bitcoin</strong></p><p>Angekündigt war auf dem <strong>Afuera-Fest</strong> auch der Rechtsanwalt Ferdinand Steinhöfel, der Roland Tichy vor <a href="https://correctiv.org/in-eigener-sache/2024/09/26/juristische-angriffe-gegen-correctiv/">Gericht gegen Correctiv vertrat</a>. Tichy hatte gegen einen Faktencheck seines offenen Briefes zum Klimawandel geklagt. </p><p>Auf der Veranstaltung selbst konnte man sich laut Programm die „Haare schneiden lassen (…), auch in Bitcoin“, es gab eine Hüpfburg und Karaoke. Angeboten wurden auch Workshops zu Eigeninitiative und Wehrhaftigkeit“ und “Wallet-Einrichtung und Zahlung mit Bitcoin Lightning”. </p><p>Noch absurder wirkt die angebliche Unterstützerliste des „Festes“: Darauf stehen das kanadische Kupferbergbauunternehmen „Argentina Metals Corp“, Berater für Bergbauunternehmen, Goldhändler wie „Goldgecko“ und „Goldrevolution“, Cryptohändler und das weltweit größte neoliberale Atlas-Netzwerk (mehr dazu in unserem Newsletter Nr. 6: „Kippen und Klima“). Auch die Plattform „Staatenlos“ mischte mit – sie berät zu Auswanderung und „Steueroptimierung“.</p><p>Die vielen Edelmetall-Unternehmen sollten bei der Agenda Mileis stutzig machen – vor allem, weil in dem Land seit rund einem Jahr über Bergbau- und Landrechte gestritten wird. Kaum ein Medium berichtet über dieses seltsame Treffen.</p><p>Doch der Berliner Campaigner Petschner-Multari dürfte Bescheid wissen. Tichy lud ihn schon mal <a href="https://www.tichyseinblick.de/video/kommentar/migrationswende-oder-weiter-so/">zu seinem Live-Talk </a>und nennt ihn auf seiner Seite liebevoll den „Unions-Rebell”.</p><p>Sich gegenseitig zu fördern – darin sind diese Netzwerke Meister. Und angesichts der aktuellen Weltlage glauben sie, dass die Geschichte nun endlich auf ihrer Seite steht.</p><p><strong>War sonst noch was?</strong></p><p><br/><strong>Bremser der Woche: </strong>CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann. Warum? Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will Klimaanpassung und Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern ins Grundgesetz schreiben. Sein Argument: Nur so ließen sich Zuständigkeiten klären und die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen erleichtern. In der Klimakrise müssten alle Ebenen koordiniert gemeinsam handeln (<a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/klimaanpassungen-ins-grundgesetz-neuer-spd-aktionsplan-fordert-die-union-heraus-a-19054a20-c13b-4dd9-82ce-67f64f6c7dd6">lest hier mehr dazu im SPIEGEL</a>). CDU-Generalsekretärin Hoppermann <a href="https://www.spiegel.de/politik/klimakrise-cdu-generalsekretaerin-hoppermann-lehnt-grundgesetzaenderung-wegen-hitzeschutz-ab-a-d41e233b-6822-4886-a5a3-90f645e005cd">lehnt den Plan als „wohlfeil&quot; ab</a>, er sei „der falsche Weg”. <br/><br/><strong>Der Kassandra-Ruf: </strong>Heute mal zur Abwechslung ein Kassandra-Ruf aus der Vergangenheit. 2023 schrieben wir in unserem Buch „<a href="https://www.dtv.de/buch/durstiges-land-44314">Durstiges Land </a>– wie wir leben, wenn das Wasser knapp wird” auch über drohende Niedrigwasser im Rhein. Damals verlegten wir unsere erfundene, aber auf wissenschaftlichen Fakten beruhende Geschichte in das Jahr 2029: „Von den sonst 2800 Kubikmetern Wasser pro Sekunde, die sonst runter rauschten, war nur noch wenig übrig geblieben. (...) Nach und nach fingen die Rinnsale an zu stinken, und all die Abfälle wurden freigelegt: Kinderpuppen, Colaflaschen, selbst Panzermunition aus dem zweiten Weltkrieg. Die Reedereien mussten Kleinwasserzuschläge zahlen, ihre Schiffe waren doppelt so lange unterwegs wie üblich. Vor allem aber konnten sie mit fallenden Pegeln weniger laden. Viele gingen pleite.” Es scheint, als sei die Dürre-Zeit schon früher gekommen. </p><p><strong>Empfehlung der Woche</strong>: Es gibt einen Zündstoff in der Klimabewegung: Soll sie Einzelne dazu bringen, ihren CO₂-Ausstoß zu senken, oder sich weiterhin auf politische Veränderungen konzentrieren? In dieser Debatte sind wir uns nicht immer einig – mehr dazu in einem der nächsten Newsletter.  Aber in jedem Fall interessant ist <a href="https://www.mic.com/impact/forget-your-carbon-footprint-lets-talk-about-your-climate-shadow">dieser Text</a>: Er ruft dazu auf, nicht nur auszurechnen, wieviel Fleisch ich esse oder wie häufig ich fliege – sondern eher umfassender seinen <em>Klima-Schatten </em>zu betrachten: Was sind also die Klima-Folgen meines gesamten Lebens: Arbeite ich etwa für die fossile Industrie, etwa in der Werbebranche? Oder überzeuge ich Kommunalpolitiker und gehe auch mal für Klimaschutz demonstrieren? Ein Konzept, über das es sich nachzudenken lohnt. <br/><br/><strong>Bleibt heiter und stabil!</strong></p><p><strong>Eure Annika und Susanne</strong></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/28f4f135-da47-4048-a3a2-dd0958b8a337/uploads/images/ivfn7im3p7/Gold_ingot_%28FindID_58234%29.jpg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 16 Aug 2026 14:39:27 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Von Lobbyisten, die Hamburger und E-Fuels verkaufen]]></title>
      <description><![CDATA[Kleiner Sommerwitz: Was haben eine Handvoll Fastfood-Läden mit einem Start-up für teure Alternativkraftstoffe gemeinsam? Antwort: Beide werden von denselben Männern…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kleiner Sommerwitz: Was haben eine Handvoll Fastfood-Läden mit einem Start-up für teure Alternativkraftstoffe gemeinsam? Antwort: Beide werden von denselben Männern gemanagt. Wie es zu dieser seltsamen Kombi von Burgern und E-Sprit kommt, wollen wir euch in unserem achten Newsletter erzählen. Kleiner Spoiler: Diese Recherche ist recht wild, Annika sprach dafür lange mit einem ehemaligen Spitzenpolitiker und wir nehmen euch auf einen Trip nach München, Salzburg und Paraguay mit.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Subscribe to newsletter</a></p><p>Alles begann vor zwei Wochen. Damals verkündeten zahlreiche Medien, Christian Dürr habe einen neuen Job gefunden. Der ehemalige FDP-Parteivorsitzende wird Geschäftsführer von GLE 360. Die Firma wirbt damit, synthetische Kraftstoffe auf der ganzen Welt zu beschaffen. Er persönlich fährt übrigens, das sei vorab verraten, einen Mini. Mit Benzin.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c7c98-af4d-41c9-920f-866481b76ba2/uploads/images/hplddavhbu/signal-2026-07-26-19-10-48-781_002.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Schon immer ein Freund von Verbrenner-Autos: Christian Dürr. Privat fährt er einen Mini.

Credit: FDP-Webseite, https://www.fdp-nds.de/christian-duerr-ein-kulturkampf-gegen-das-auto-bringt-nichts</figcaption></figure><p>Dieser neue Job hat uns aufhorchen lassen. Immerhin hat sich seine Partei in der Ampelregierung stetig für alternative Kraftstoffe, also E-Fuels, stark gemacht und dafür sogar das EU-Verbrenner-Aus abgeschwächt. Die Nähe der Partei zur Autoindustrie kennt man schon vom Ex-FDP-Parteichef Christian Lindner. Der wurde nach dem Ausscheiden der Partei aus dem Bundestag Vorstandsvorsitzender der Autoland AG. </p><p>Aber zurück zu Burgern und E-Sprit. Das in München ansässige GLE360 haben zwei Männer gegründet, die laut der Firmendatenbank North-Data sonst im Günstig-Gastro-Geschäft arbeiten: Michael Kühlwein und Justus Holzmann führen beide mehrere McDonald’s-Filialen in Österreich. Kühlwein besitzt fünf McDonald’s-Lokale in Salzburg, Holzmann betreibt ein Unternehmen, das ebenfalls Filialen der Fast-Food-Kette leitet.  </p><p>Welche Expertise bringen Unternehmer mit, die hauptberuflich möglichst viele Burger verkaufen und sich um das „Nice Price Menü mit Cheese– oder Chickenburger“ kümmern?</p><p>Lassen wir die Frage mal im Raum stehen.</p><p>Auch auf Nachfrage bei Kühlwein, einer der Startup-Gründer GLE360, bleibt unklar, warum die beiden Fast-Food-Manager zusammen mit dem ehemaligen FDP-Chef nun E-Fuels vertreiben wollen. Einen Interessenkonflikt weist Dürr jedenfalls von sich. Er habe erst weit nach seiner Regierungszeit Kontakt mit der Unternehmensgruppe gehabt – und dabei sei es nicht um E-Fuels, sondern um Arbeitsmigration gegangen. Vielleicht um billige Arbeitskräfte für McDonald’s-Filialen?</p><h3><strong>Das ewig gebrochene Versprechen der E-Fuels</strong></h3><p>Angeblich hat das 2025 gegründete Start-up bereits 46 Beschäftigte. Fast die Hälfte davon sind Ingenieure. Büros soll es auch in Salzburg geben, wo Kühlwein seine McDonald’s-Filialen managt, sowie in Casablanca, Bengaluru und Asunción. Allerdings gibt es vermutlich nur in München eine Postadresse. Für die übrigen „Standorte“ weist die Webseite des Unternehmens bisher nur E-Mail-Adressen aus. GLE 360 habe bereits mehr als Tausend Energie- und Produktionsanlagen weltweit geprüft, heißt es in einem fast <a href="https://deutsche-startup-zeitung.de/gle360-digitale-plattform-fuer-den-jungen-e-fuel-markt/">euphorischen Medienbericht</a>. Tausend Anlagen geprüft? Unweigerlich fragt man sich: Und was ist dabei rausgekommen?</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c7c98-af4d-41c9-920f-866481b76ba2/uploads/images/c4soodbqhw/Screenshot_2026-07-26_192630.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>GLE360 ist angeblich auf &quot;vier Kontinenten&quot; unterwegs: Allerdings gibt es auf der Webseite keine Adresse, sondern nur E-Mails. Credit: Webseite GLE360.</figcaption></figure><p>Festzuhalten ist: E-Fuels für Autos werden schon seit Jahrzehnten versprochen – sie sind aber nicht sinnvoll. Sie sind teurer und ineffizienter als Elektroautos. Die synthetischen Kraftstoffe, wie sie auch genannt werden, werden mithilfe von Strom aus Wasser und CO₂ hergestellt. Eine chemische Reaktion verbindet beide Grundstoffe zu flüssigen Kraftstoffen. Das Ergebnis ist synthetischer Sprit, der herkömmlichem Benzin oder Diesel ähnelt, aber klimaneutral sein kann – wenn dabei Ökostrom genutzt wird und das benötigte CO₂ aus der Atmosphäre stammt. Das klingt so umständlich, wie es ist: Statt den Strom direkt für Elektroautos zu nutzen, wird damit erst ein künstlicher Kraftstoff hergestellt, der dann verbrannt wird. Das erfordert vier- bis fünfmal so viel Energie. Nur für Bereiche, in denen es kaum Alternativen gibt, etwa in der Flugbranche, sind synthetische Kraftstoffe laut Experten sinnvoll. Bei dem E-Fuel-Startup von Dürr geht es jedoch offenbar vor allem um Autos.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c7c98-af4d-41c9-920f-866481b76ba2/uploads/images/7rjfg6ugjq/Screenshot_2026-07-26_192548.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>GLE360-Webseite: Viele Versprechen, was ist dahinter? Credit: Webseite GLE360.</figcaption></figure><p>Dürr verteidigt seinen neuen Businessplan im Gespräch: Ein E-Auto sei nur auf den ersten Blick effizienter, behauptet er. „Wir werden schlicht und einfach nicht genügend grünen und jederzeit verfügbaren, günstigen Strom in Deutschland haben.“ Als Liberaler sei es ihm natürlich wichtig, dass Autofahren nicht teurer werde. „Autofahren muss sich jede und jeder leisten können.“ Allerdings kostet der synthetische Kraftstoff zurzeit im Labor zwischen vier und fünf Euro pro Liter. Also mehr als doppelt so viel wie derzeit an der Tankstelle. So genau festlegen will sich Dürr daher auch nicht. „Wir halten uns zurück mit dem einzelnen Marktpreis“, sagt er.  </p><p>Auch zu den E-Fuel-Projekten, die das Start-up seinen Kunden vorstellen will, gibt es nur spärliche Informationen. Nur ein Projekt nennt das Unternehmen konkret. </p><p>Es liegt in Paraguay – daher sicherlich auch der GLE360-„Standort“ in der Hauptstadt Asunción. Dort soll eine riesige E-Fuel-Fabrik entstehen. Das Projekt läuft unter dem <a href="https://www.para-fuel.com/">Namen </a>„<a href="https://www.para-fuel.com/">Parafuel</a>” und wird ebenfalls von Mc-Donalds-Filianlenchef Kühlwein geleitet. Die Firma will Land in dem südamerikanischen Staat erwerben, heißt es, und prüft die Bedingungen vor Ort. Doch schon frühere vollmundige Ankündigungen erfüllten sich nicht. So schreibt die Tageszeitung „<a href="https://www.laprensaparaguay.com/tag/parafuel/">La Prensa Paraguay</a>“ 2024, dass Parafuel die Fabrik in „weniger als 12 Monaten“ bauen will und bereits 75 Millionen US-Dollar Startkapital dafür bereithalte. Insgesamt sollen es angeblich 500 Millionen US-Dollar werden. </p><h3><strong>Eigentlich sollte die Fabrik schon 2025 stehen</strong></h3><p>Zwei Jahre später ist davon kaum etwas zu sehen. Mittlerweile wurde alles auf 2029 verschoben. Auf Nachfrage will sich Michael Kühlwein nicht zum Stand des Projekts äußern. Ob es dafür Fördergelder gibt, verrät er ebenfalls nicht. Auf unsere Fragen zu seinen Vorhaben reagiert der McDonald’s-Manager nur ausweichend: „Parafuel und insbesondere die GLE360 konzentrieren sich auf Energie und Mobilität im Kontext des Klimawandels.“ Das war’s – zu einem Projekt im Wert von 500 Millionen US-Dollar? </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c7c98-af4d-41c9-920f-866481b76ba2/uploads/images/yxjkinkhor/Screenshot_2026-07-26_192457.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Webseite des Unternehmens Parafuel mit schönem Landschaftsbild: Grün, grüner, E-Fuels?</figcaption></figure><p>Doch Dürr gibt sich optimistisch. „Nach meiner Erfahrung bietet Parafuel sehr vielversprechende Rahmenbedingungen“, sagt er. Paraguay sei eine Demokratie, und Deutschland müsse seine Importe diversifizieren.</p><p>Ob Parafuel jemals deutsche Tankstellen mit E-Fuels beliefert, ist ungewiss. Zum Vergleich: Die chilenische Pilotanlage Haru Oni produziert bereits – wie Parafuel es plant – synthetisches Methanol und erregte mit Porsche als Projektpartner viel Aufmerksamkeit. Die Investitionen beliefen sich auf 78 Millionen Euro (!). Deutsche Medien berichteten ausführlich, auch Siemens mischte mit. Von Parafuel hörte vor dem Einstieg von Christian Dürr kaum jemand. Übrigens gibt es <a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-nachhaltigkeit/warum-der-gruene-sprit-von-porsche-nicht-fliesst-110533849.html">auch in Chile Probleme</a>. Dort steht bisher nicht mehr als eine Pilotanlage. Auch ist noch unklar, ob aus dem Projekt jemals ein kommerzieller Erfolg wird. Der Spiegel berichtete bereits vor <a href="https://www.spiegel.de/mobilitaet/e-fuels-aus-chile-porsches-potemkinsches-dorf-a-9eaf5e47-8a56-4310-b15b-b4d7cdf5fba7">zwei Jahren über Verzögerungen</a>. </p><p>Auch bei Haru Ori dort gibt es übrigens einen Seitenwechsler: Thomas Herdan leitete zwischen 2014 und 2022 die Abteilung Energiepolitik, Wärme und Effizienz im Bundeswirtschaftsministerium. Als solcher unterzeichnete er einen Zuwendungsbescheid für das Projekt – und verantwortet heute das Europageschäft von HIF Global, dem Betreiber von Haru Oni (die <a href="https://www.golem.de/news/haru-oni-was-aus-der-e-fuels-produktion-in-chile-wurde-2502-193279.html">ganze Story lesen Sie hier nach</a>). </p><h3><strong>Der größte Lobbyist der E-Fuels – die Mineralölindustrie</strong></h3><p>GLE 360 ist übrigens auch Mitglied bei der efuel-Alliance, dem prominentesten Lobbyverband für Ersatzkraftstoffe. Susanne traf Ende 2024 für den SPIEGEL einen der Gründer, den Mineralöllobbyisten Elmar Kühn in seinem Büro in Berlin-Mitte. Auch er gab sich damals als Öko aus: „Im Grunde bin ich als Mineralöllobbyist mittlerweile viel grüner als die Grünen“, sagte er im Gespräch.  </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c7c98-af4d-41c9-920f-866481b76ba2/uploads/images/b7kp5kkdxg/Screenshot_2026-07-26_185848.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Lobbyist Kühn nach dem Gespräch mit Susanne für den SPIEGEL in Berlin Mitte: &quot;Im Grunde bin ich als Mineralöllobbyist mittlerweile viel grüner als die Grünen“</figcaption></figure><p>In dem Lobbyverein schließen sich mehr als 180 Unternehmen, Verbände und Verbraucherorganisationen zusammen: Ölkonzerne wie ExxonMobil, Repsol oder Eni, Autozulieferer wie Bosch oder Mahle sowie Porsche und der ADAC. Sie alle verdienen an Kraftstoffen oder Verbrennungsmotoren – und stecken jedes Jahr mehr Geld in die Lobbyarbeit, im Jahr <a href="https://www.lobbyfacts.eu/datacard/efuel-alliance?rid=312446938719-11">2025 waren es 600 000 Euro</a>.</p><h3><strong>Bezahlte Demonstranten für E-Fuels?</strong></h3><p>Mit dem Geld organisierte die Allianz unter anderem eine mutmaßliche Fake-Demo vor dem Bundestag. Dort hielten Demonstranten – laut Lobbycontrol bezahlte Demonstranten – Pappschilder hoch mit der Aufschrift „E-Fuels for Future“ und „Klimaschutz kann man tanken“. </p><p>Dürr nimmt die Mineralölkonzerne in Schutz. Er habe in seiner Amtszeit versucht, mit ihnen über E-Fuels zu sprechen, um ihre Haltung zu erfahren. Wegen der unklaren Energiepolitik in Deutschland und Europa in den vergangenen zwanzig Jahren sei das Interesse aber gering geblieben. Doch der Liberale bleibt optimistisch, vor allem für sein Geschäftsmodell: „Das ändert sich zum Glück.“ Also zu seinem Glück interessieren sich die großen Konzerne nun angeblich doch für E-Fuels.</p><p>Fakt ist: Bis heute fährt kaum ein Auto mit E-Fuels. <a href="https://foes.de/publikationen/2025/2025-02_Factsheet-eFuels.pdf">Verschiedene Studien</a> prognostizieren daher auch, dass E-Fuels unbedeutend für Privatautos bleiben werden. Dabei versprechen Lobbyisten seit 20 Jahren eine baldige, breite Nutzung. Auf der Werbeseite von Dürrs neuer E-Fuels-Firma klingt das gewohnt vollmundig: “Eine Welt, die beim Kraftstoff nicht auf morgen wartet”, heißt es dort, und man wolle die Lücke zwischen heutiger Nachfrage und künftigem Bedarf schließen. Nur – wo existiert diese Nachfrage überhaupt?</p><p>Und falls es sie gibt, hat nicht Dürr sie mit seiner Partei erst geschaffen?</p><p>Dass E-Fuels in der EU überhaupt noch als Alternative zum Verbrenner gelten, liegt auch an der deutschen FDP. Also auch an Dürr. Als die Meldung über seinen Wechsel zum E-Fuel-Lobbyisten kam, dachten wir an ein Gespräch zurück, das wir für unser Buch <a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8">„Die Milliarden-Lobby“</a> mit dem niederländischen Liberalen Jan Huitema führten. Huitema war Berichterstatter für das europäische Gesetz zum Verbrenner-Aus. Er war damit der wichtigste Mann, um eine einheitliche Position des EU-Parlaments zu finden.</p><p>Huitema schilderte uns, noch immer sichtlich erbost, wie die FDP in letzter Sekunde das Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 abschwächte. Und zwar zugunsten von E-Fuels.<strong> </strong>Kurz vor der endgültigen Abstimmung im März 2023 vollzog der damalige Verkehrsminister Volker Wissing, ein Parteikollege von Dürr, überraschend die Kehrtwende. Er drohte mit einem deutschen Nein, entgegen dem Willen von Grünen und SPD. Zugleich forderte er, auch nach 2035 Verbrennerautos zuzulassen, die mit angeblich klimaneutralen E-Fuels betankt werden können.</p><p>Damit sägte die Partei an einem damals bereits erreichten Konsens – und machte auch den Weg für das komplette Aus aus dem Verbrenner-Aus frei. Im Dezember 2025 verwässerte die EU-Kommission den Beschluss noch weiter: bis 2035 müssen nur noch 90 Prozent der CO₂-Emissionen im Vergleich zu 2021 reduziert werden, statt wie ursprünglich 100 Prozent. Auch eine Kompensation durch Biokraftstoffe und E-Fuels ist nun möglich.<br/></p><h3><strong>Wie Dürrs FDP ganz Europa auf E-Fuels einschwor</strong></h3><p>Der Niederländer Huitema betonte, dass selbst die großen europäischen Autobauer dem ursprünglichen Deal zuvor zugestimmt hätten. Gegen Konzerne mit Zehntausenden Beschäftigten wie Peugeot, die Mercedes-Benz Group und Volkswagen ließen sich in Brüssel ohnehin keine Gesetze durchsetzen. Was trieb die FDP damals an? Ein ideologischer Kampf gegen alles, was nach Umwelt- und Klimaschutz klingt? Oder schon frühe Verbindungen zur E-Fuel-Industrie? Schwer zu sagen. <br/><br/>Klar ist nur: Die FDP hat in Brüssel und mit vielen Äußerungen gegen die Elektrifizierung des Verkehrs dazu beigetragen, die deutsche Automobilindustrie zu schwächen. Volkswagen etwa befindet sich nach eigener Aussage in einer „<a href="https://correctiv.org/aktuelles/wirtschaft/2026/07/09/vw-sieht-sich-in-existenzbedrohender-situation/">existenzbedrohenden Situation“.</a> </p><p>Ein Hauptgrund: Der Konzern setzte viel zu spät auf E-Autos und produzierte dann vor allem teure Modelle. Sicher ein Fehler des VW-Managements. Doch kein Zufall, dass es ausgerechnet den politisch stark beeinflussten Autokonzern aus Niedersachsen am härtesten trifft. Konservative, Teile der SPD und Liberale haben mit ihrer Fixierung auf Verbrenner und ihren Kampagnen gegen E-Autos der Branche geschadet. Und der frühere FDP-Spitzenpolitiker Dürr versucht nun, mit dem toten Pferd noch Geld zu verdienen. Wenigstens dürfte es für Dürr und seine Kollegen stets günstige Hamburger zum Arbeitslunch geben<strong>.</strong></p><h2><strong>War sonst noch was?</strong></h2><p><strong>Bremser der Woche: </strong>Die EU-Kommission will energieintensive Industrien in den kommenden Jahren deutlich entlasten. Das geht aus dem Reform-Vorschlag für die nächste Periode des <strong>Europäischen Emissionshandels</strong> hervor, über den <a href="https://correctiv.org/aktuelles/wirtschaft/2026/07/17/emissionshandel-eu-entlastet-energieintensive-industrie/">CORRECTIV berichtete</a>. Das Manöver ist ein Erfolg der<strong> Chemiebranche</strong>: Sie hatte vor der Reform monatelang massiv für eine Abmilderung des Emissionshandels und <a href="https://correctiv.org/aktuelles/lobbyismus/2026/07/06/emissonshandel-chemie-lobby-attackiert-klimaschutz/">milliardenschwere Entlastungen</a> geworben. Das bedeutet: Eine Industrie, die jahrzehntelang dafür warb, Klimaschutz über die Emissionsrechte zu regeln, moderiert diese wieder ab, wenn es ernst wird. Und schadet damit allen anderen Branchen, die sich vorbereitet und ihre Treibhausgase gesenkt haben. Und bremsen damit die Vorreiter aus. </p><p><strong>Der Kassandra-Ruf: </strong>Dieser Bericht eines <strong>französischen Feuerwehrmannes </strong>ist erschütternd: Der Pilot eines Löschflugzeuges erzählte, dass die erste Wasserladung in der Luft verpufft. 10.000 Liter Wasser verdunsten in der großen Hitze über den Flammen. Daher sei es wichtig, drei, vier, fünf Flugzeuge hintereinander zu schicken – erst die nachfolgenden Wasserfrachten hätten überhaupt die Chance, den Boden zu erreichen. Insofern ist Frankreich mit seinen wenigen und häufig kaputten Löschflugzeugen nicht vorbereitet gewesen auf das große Feuer an der Westküste. Große Waldbrände wie in Frankreich werden auch Deutschland erreichen. Und wir sind sicher: Auch hierzulande <strong>fehlen Löschflugzeuge</strong>. </p><p><strong>Empfehlung der Woche</strong>: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/die-peter-thiel-story-100.html"><strong>„Die OpenAI-Story“</strong> (Deutschlandfunk)</a> erzählt, wie aus einem idealistischen KI-Labor in wenigen Jahren ein globaler Machtfaktor wurde. Der Podcast führt dramaturgisch klug durch Milliarden-Deals, interne Grabenkämpfe und die Frage, wer eigentlich bestimmt, wie riskant diese Technologie werden darf. Gut erklärt, sauber recherchiert und mit vielen Grusel-Momenten. Gerade, weil KI auch für die Klima- und Energiepolitik der Gamechanger wird, sollte man die Hintergründe und die Akteure dieser Branche verstehen und kennen.</p><p><strong>In eigener Sache:</strong> Aufgrund der Sommerferien schicken wir den Newsletter derzeit nur alle drei Wochen. Ihr bekommt daher wieder am <strong>16. August</strong> Post und am <strong>6. September</strong>. Vielen Dank für Eure Treue – wir freuen uns, dass ihr uns so zahlreich abonniert. Das motiviert uns sehr. Daher: Empfehlt uns gern weiter.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Subscribe to newsletter</a></p><p><strong>Bleibt heiter und stabil!</strong></p><p><strong>Eure Annika und Susanne</strong></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 26 Jul 2026 17:52:43 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Von KTG, Thiel und Edelmän(n)ern, die für Ölkonzerne arbeiten]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn Journalistinnen innerhalb weniger Wochen zweimal Post von der Anwaltskanzlei Schertz Bergmann erhalten, dann ist eines klar: Die Recherche trifft offenbar einen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Journalistinnen innerhalb weniger Wochen zweimal Post von der <strong>Anwaltskanzlei Schertz Bergmann</strong> erhalten, dann ist eines klar: Die Recherche trifft offenbar einen wunden Punkt. Die Medienanwälte versuchen regelmäßig, für prominente und zahlungskräftige Mandanten Berichte abzuschwächen oder zu verhindern. Wir erhielten direkt ein Schreiben zu einem unserer ersten Newsletter. Darin ging es um ein geheim gehaltenes Gutachten, das der renommierte Energieexperte Felix Matthes für den Stahlriesen Thyssenkrupp verfasst hatte. Das Problem: Matthes leitet derzeit kommissarisch den Wasserstoffrat, während der Stahlkonzern milliardenschwere Subventionen für seine Wasserstoffprojekte kassiert. Ob Matthes für Thyssenkrupp lobbyiert hat, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass er bis heute nicht sagt, wie viel Geld er für das Gutachten bekam. Und ob er noch für andere Firmen arbeitete. Natürlich bleiben wir dran – trotz des Schertz-Briefes.</p><p>Einen zweiten Schertz-Brief erhielt Annika vor wenigen Tagen, dieses Mal ging es um Karl-Theodor zu Guttenberg – den CSU-Mann, der einst Verteidigungsminister war, über seine plagiierte Doktorarbeit stürzte und nun in Talkshows, Podcasts und BILD-Artikeln sein Comeback feiert. Mit vollem Namen heißt er übrigens Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester zu Guttenberg, wir nennen ihn hier einfachheitshalber KTG. </p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Subscribe to newsletter</a></p><p>In unserem siebten Newsletter widmen wir uns der Verquickung von<strong> fossilen und libertären Netzwerken und deren Kampagnenmacher</strong>. Wir nehmen euch mit auf einen – zugegeben sehr weiten – Rechercherundflug von <strong>Deutschland</strong> in die <strong>USA</strong> bis nach <strong>Patagonien</strong>, weiter in die <strong>Vereinigten Arabischen Emirate</strong>, um am Ende bei der <strong>FDP (!)</strong> zu landen. Wir sind überzeugt: Rechts-konservative, rechtspopulistische und libertäre Netzwerke aufzudecken, ist wichtiger als je zuvor. Viele dieser Akteure arbeiten mit aller Kraft daran, Klimaschutz abzuschaffen, demokratische Regeln zu schwächen und Gesellschaften zu spalten. Wie wir heute sehen werden, hängen diese drei Ziele eng miteinander zusammen. Und dazu gehört auch, Journalistinnen zu diskreditieren, ihnen Angst zu machen, ihre Rechte einzuschränken. </p><p>Auch wenn dieser Newsletter etwas lang anmutet – denkt daran: Die Anwälte von reichen und einflussreichen Politikern oder Unternehmern lesen die Texte sehr genau, und immer bis zum Schluss – um etwas zu finden, womit sie Journalisten einschüchtern können. <br/><br/>Die Beiträge schreiben wir aber für euch. </p><h2>KTG und Peter Thiel </h2><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b3ec51b1-8e5b-4ab3-b582-aeb2f4b04125/uploads/images/4heeabasec/Screenshot_2026-07-05_170940.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Screenshot aus der CORRECTIV-Recherche von Annika, erschienen am 26. Juni 2026</figcaption></figure><p>Beginnen wir in Deutschland. Hier sind die libertären Netzwerke weitaus schwächer als in den USA. Aber manche angesehene Personen haben dennoch Kontakte in diese Szene. CORRECTIV hat vor wenigen Tagen <strong>Annikas Recherche zu Guttenberg</strong>, also KTG, veröffentlicht. Natürlich hatten Annika und ihr Team ihm zuvor eine ganze Reihe von Fragen per Mail geschickt, um seine Sicht der Dinge zu erfahren. Ohne Antwort. Sie schickten diese noch einmal. Wieder keine Antwort. Sie boten ihm ein Gespräch an. Schweigen. Aber wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Artikels erhielt CORRECTIV eine Mail der Anwaltskanzlei Schertz Bergmann. Betreff: <em>Löschungsaufforderung</em>. Ein Versuch, die Geschichte verschwinden zu lassen. Allerdings erfolglos. Die Recherche ist natürlich weiterhin bei <a href="https://correctiv.org/aktuelles/lobbyismus/2026/06/26/guttenberg-der-mann-aller-maerkte/">CORRECTIV zu lesen.<br/><br/></a>Warum CORRECTIV zu KTG recherchiert? Aus der CDU/CSU hört man, er gelte als möglicher Nachfolger von Merz. Vor allem aber ist KTG ein Geschäftsmann, er sitzt aktuell in Dutzenden Firmen, Denkfabriken und Institutionen. „Immer wieder“, so schreibt Annika in ihrem Text, „kreuzen sich Guttenbergs Wege mit libertären US-Amerikanern.” Über Ultra-Libertäre, MAGA-Anhänger und deren Netzwerke wiederum schreiben wir bereits in mehreren Büchern, darunter in der „Klimaschmutzlobby“ oder der „Milliardenlobby“. Diese oft einflussreichen Netzwerke von <strong>Marktradikalen, Trump-Anhängern und Rechtspopulisten</strong> versuchen seit Jahrzehnten, Klima- und Umweltgesetze abzuschaffen. </p><p>Bei ihrer aktuellen Recherche fand Annika etwa Verbindungen von KTG zu <strong>Peter Thiel</strong>, dem Trump-Unterstützer und Gründer der umstrittenen Überwachungssoftware Palantir. Ein Milliardär, dem <a href="https://www.spiegel.de/politik/peter-thiel-das-steckt-hinter-den-ominoesen-dialog-treffen-die-der-techmilliardaer-ins-leben-rief-a-917c1028-7adf-41b7-8cdc-1888df79c48d">Der SPIEGEL</a> den Status eines „Superbösewichts” zuschreibt. In Annikas Recherche heißt es: </p><blockquote><p>Guttenberg und Thiel kennen sich seit Jahren: Bei einer Charity-Gala im Jahr 2018 erhielt Thiel eine Auszeichnung – und verzichtete auf seine Dankesrede. Stattdessen führte er vor den Gästen einen inszenierten Dialog mit seinem, so wörtlich, „persönlichen Freund“ Guttenberg. Der Abend wurde ausgerichtet von der deutsch-amerikanischen Heritage Foundation, bei Wein und Bier und in einem der „schönsten Gebäude Washingtons“, so die Veranstalter. </p></blockquote><h2>KI-Datenzentren in Patagonien</h2><p>Mittlerweile ist der Libertäre Peter Thiel übrigens nach Buenos Aires umgezogen. In Südamerika könnte der Mitgründer des Konzerns <strong>Palantir</strong> – eine Firma, die Software baut, mit der Regierungen, Geheimdienste und das Militär Daten sammeln und auswerten können – bald gigantische KI-Datenzentren bauen. Thiel gibt kaum Interviews, seine Strategie wird oft erst klar, wenn er investiert. Aufgrund einer längeren Geschäftsreise durch Paraguay, Chile und Brasilien im Mai und schließlich seiner Umsiedlung nach Argentinien vermuten viele, dass er nach Land und Ressourcen für sein KI-Unternehmen sucht. Eine Möglichkeit ist <strong>Patagonien</strong>, der dünn besiedelte Süden des Landes. Dort ist Thiel über die Firma Crusoe Energys Systems an der Öl- und Gasförderstätte Vaca Muerta beteiligt. Das trifft sich gut, denn die KI-Datenzentren benötigen viel und günstige Energie für den Betrieb der Server und die Kühlung. Auch die Wasserreserven der Region könnten für die KI-Firmen zum Kühlen nützlich sein. Der Vorteil für Thiel und Co: Es gibt in Argentinien derzeit nur eine schwache staatliche Regulierung für ausländische Firmen (<a href="https://pulitzercenter.org/stories/ai-mega-data-centers-patagonia-promises-millions-and-concerns-over-lack-regulation-spanish">mehr Infos hier</a>). Entsprechend schwach ist auch der Umweltschutz oder die Rechte der Anwohner. </p><figure><a href="https://www.spiegel.de/ausland/peter-thiel-in-argentinien-in-diese-villa-will-sich-der-techmilliardaer-zurueckziehen-a-63f3953f-8154-4cda-a943-b6899202aad5"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b3ec51b1-8e5b-4ab3-b582-aeb2f4b04125/uploads/images/z7lorw2xut/Screenshot_2026-07-05_171346.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Screenshot SPIEGEL-Beitrag zu Peter Thiel in Argentinien (einfach anklicken und dann geht es direkt zum Beitrag)</figcaption></figure><p>Mehrere Treffen zwischen Thiel und dem libertären argentinischen Präsidenten<strong> Javier Milei </strong>zeigen, dass er politisch freie Bahn hat: „Da hat sich ein Anarchokapitalist mit einem anderen Anarchokapitalisten getroffen, der die Dinge in die Tat umsetzt“, sagte Präsident Milei kürzlich in einem Interview. Der Argentinier steht Trump und der MAGA-Bewegung nahe. Experten vermuten, dass das südamerikanische Land zu einer Art globalem KI-Labor werden könnte. Dabei geht es nicht nur um mehr Erdgas-Fracking und unkontrollierten Wasserverbrauch, sondern auch um die Vision des Libertären Thiel, den Staat und die Demokratie durch KI zu ersetzen. </p><p>Selbst in der <a href="https://www.lanacion.com.ar/politica/la-ia-de-milei-entre-el-juego-de-poderes-y-el-futuro-democratico-nid06062026/">konservativen Zeitung „La Nacion”</a>, eine Art FAZ Argentiniens, bekommt man es nun mit der Angst zu tun: „KI könnte das demokratische System nicht ergänzen, sondern sich viel mehr als dessen potenzieller Ersatz positionieren”, schreibt der Journalist Jorge Lotti. „Dies würde den Übergang von einer repräsentativen Demokratie zu einer algorithmischen Demokratie bedeuten – ein Szenario, in dem alle Entscheidungen virtuell getroffen würden.” Susanne hat mit Jorge Lotti gemailt. Alles sei noch in einem sehr frühen Stadium, sagt er, könne aber jederzeit recht schnell umgesetzt werden. Erste Gesetze seien derzeit in Arbeit.<br/><br/>Das brächte Libertäre wie Thiel näher an ihr Ziel: eine neue Welt, die von Konzernen statt von Regierungen kontrolliert wird, ergo die Abschaffung des von ihnen verhassten Staates. Mit im Boot: Öl- und Gaskonzerne, die vom neuen KI-Energiehunger profitieren. </p><h2>KTG, PR-Agenturen und Ölmultis </h2><p>Zurück zu KTG und seinem Netzwerk. Besonders bemerkenswert für Energie- und Klimainteressierte: KTG saß bis April 2026 in verschiedenen Räten von <strong>Edelman</strong>, einer US-PR-Agentur, die von Mayonnaise bis Biermarken viele Kunden betreut. Laut <a href="https://cleancreatives.org/">Clean Creatives</a>, einer Non-Profit-Initiative, die sich an PR- und Werbefachleute richtet, berät Edelman aktuell unter anderem <a href="https://cleancreatives.org/f-list">zehn Öl- und Gasriesen</a>, darunter den Ölkonzern Adnoc der Emirate, Shell und Chevron. Auf unsere Anfrage, ob die Liste stimme und wie das mit den Firmeneigenen Klimazielen vereinbar sei, erklärt die PR-Agentur: „Wir kommentieren grundsätzlich keine aktuellen oder ehemaligen Kundenbeziehungen.” Dabei schreibt die Agentur auf ihrer Webseite: „We believe climate change is the biggest crisis we face as a society.“</p><p>Doch das ist offenbar eher Eigenwerbung der Werbeleute – oder schlicht Greenwashing. Eine besonders enge Beziehung hat die PR-Agentur offenbar zu den Emiraten. Sie war offizieller PR-Berater für den Uno-Klimagipfel COP28 in Dubai (wie auch für die COP30 in Brasilien) und fungiert laut der Liste von Clean Creatives immer noch als Berater für den staatlichen Ölkonzern Adnoc. Um dem autoritären Ölstaat zu einem grünen Image zu verhelfen, kümmerte sich Edelman auch um die sogenannte „Masdar-Initiative“. Dazu gehört etwa eine angeblich <strong>klimaneutrale Öko-Stadt</strong> mitten in der Wüste nahe Abu Dhabi. Susanne hat <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/masdar-city-bei-abu-dhabi-die-gruene-wunderstadt-in-der-wueste-doch-kaum-jemand-will-hier-wohnen-a-55d420a7-8ce0-4f9b-ae15-451b24e7de82">während des Klimagipfels 2023</a> einen Abstecher nach Masdar City gemacht. Eine Führung durch das 20 Milliarden-teure Geisterdorf zeigte vor allem eines: Greenwashing lasst sich der Ölstaat ordentlich etwas kosten. Dort gab es tatsächlich viel PR (auch dank Edelman), aber nicht viel dahinter, wie sie in ihrer Reportage schrieb:</p><blockquote><p>“Wie hoch ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix der Stadt? Wilgen zuckt mit den Schultern, sein Kollege Chris Wan, Nachhaltigkeitschef von Masdar City, überlegt kurz und sagt dann: »So um die 37 Prozent.« Der Rest komme aus dem Stromnetz von Abu Dhabi. Was er nicht sagt: Dort wird Strom zu über 90 Prozent aus Erdgas erzeugt.”</p></blockquote><p>Edelman arbeitete zudem auch für <strong>ExxonMobil</strong>. Bekanntestes Beispiel ist die Plattform „Exxchange“, bei der unter anderem Facebook-Anzeigen geschaltet wurden. Laut Clean Creatives zielte die Kampagne darauf, öffentlich Stimmung gegen Bidens Klimaagenda zu machen. </p><p>Stimmt die Liste der NGO Clean Creatives, denkt Edelman offenbar im Gegensatz zu anderen PR-Firmen, die bereits die Zusammenarbeit mit Öl- und Gaskonzernen beendet haben, nicht daran, sich zu ändern. Die Agentur werde noch lange mit der fossilen Brennstoffindustrie zusammenarbeiten”, zitiert die „New York Times” bereits vor fünf Jahren eine ehemalige Mitarbeiterin. Auch das offizielle Versprechen, keine Aufträge von Klimaleugnern anzunehmen, hält sie damals für „leeres Gerede“.</p><p>Und wie kommen wir nun zum Abschluss zur FDP? Ganz einfach: Edelmans Einfluss reicht sogar so weit, dass zwei Mitarbeiter des Unternehmens zwischen 2023 und 2025 als Mitarbeiter von Abgeordneten im Deutschen Bundestag arbeiteten, mindestens einer davon für die FPD. </p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Subscribe to newsletter</a></p><p>Wir freuen uns, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt – auch, wenn euch vielleicht der Kopf schwirrt. </p><h2><strong>War sonst noch was?</strong></h2><p><strong>Bremser der Woche: </strong>Marine Le Pen hat in der Hitzewelle „Klimaanlagen“ für alle gefordert. Schuld daran, dass es zu wenige gebe, seien Ökos und Linke. Das ist an Heuchelei kaum mehr zu überbieten. Schließlich haben die französischen Rechten immer wieder die Erkenntnisse des Weltklimarates infrage gestellt, wie <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-06/klimatisierungsplan-marine-le-pen-rassemblement-national-frankreich-hitzewelle">Annika in der ZEIT</a> schreibt. Auch Regeln für die Gebäudesanierung (was auch im Sommer kühlt) sowie grünere Städte und Entsiegelung hat Le Pens Truppe stets blockiert. Ähnlich argumentiert natürlich die AfD. Der „Klimawahn” führe durch „ideologische Baufehler“ zu mehr Hitzetoten. Die beste Entgegnung dazu hat unser Kollege Christian Stöcker <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimaanlage-im-kulturkampf-wer-erklaert-den-rechten-dass-klimaanlagen-waermepumpen-sind-a-e28bc6ee-16e8-4d86-8c7e-b20e575a96dd">im SPIEGEL geschrieben</a>. </p><p><strong>Empfehlung der Woche</strong>: Ein kleiner, kluger Band – passt in jede Strandtasche und ist passend zu unserem aktuellen Newsletter: </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b3ec51b1-8e5b-4ab3-b582-aeb2f4b04125/uploads/images/dcgfbgk4mh/IMG_7797.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>KI ist für den Philosophen Mühlhoff kein neutrales Werkzeug, sondern bedeutet vor allem: Macht. Wenige Tech-Konzerne sammeln Daten, steuern Verhalten und beeinflussen, was als „Wahrheit“ gilt. Ohne klare Regeln begünstigt das autoritäre Entwicklungen und kann zu einem neuen Faschismus führen. In Tech-Kreisen verbreitete Weltanschauungen knüpfen laut Mühlhoff an eugenisches, antiegalitäres Denken von faschistischen Ideologien des 20. Jahrhunderts an. Sehr lesenswert. </p><p><strong>Bleibt heiter und stabil!</strong></p><p><strong>Eure Annika und Susanne</strong></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/b3ec51b1-8e5b-4ab3-b582-aeb2f4b04125/uploads/images/4heeabasec/Screenshot_2026-07-05_170940.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 05 Jul 2026 16:29:24 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Kippen und Klima: Das Lobbyisten-Duo]]></title>
      <description><![CDATA[Bei diesem Satz läuft uns zuverlässig ein Schauer über den Rücken: „Doubt is our product“ – der Zweifel ist unser Produkt. Das verbindet Klimaschmutz- und Tabaklobby]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bei diesem Satz läuft uns zuverlässig ein Schauer über den Rücken: „Doubt is our product“ – der Zweifel ist unser Produkt. Dies hat der Marketingchef eines großen Tabakkonzerns in einem Gespräch erklärt, das in den<a href="https://publishing.cdlib.org/ucpressebooks/view?docId=ft8489p25j&amp;chunk.id=d0e6807&amp;toc.depth=1&amp;toc.id=d0e6708&amp;brand=ucpress"> „Cigarette-Papers“ dokumentiert ist</a>. Diese Szene stammt aus dem Jahre 1969 – aber diese Strategie nutzte auch die Klimaschmutzlobby: Zweifel schüren, wo eigentlich wissenschaftlicher Konsens herrscht. Lobbyisten der Tabakindustrie arbeiten oft auch für fossile Konzerne - und umgekehrt. Und nicht zufällig gehören Klimawandelleugner und Tabaklobbyisten häufig derselben Bubble an. <br/>Aus aktuellem Anlass geht es in unserem sechsten Newsletter deshalb um Kippen und Klima.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Ausgerechnet die SPD ging zuletzt gleich zwei, nennen wir es mal Kooperationen, mit der Tabakindustrie ein. Da ist ihr langjähriger schleswig-holsteinischer Ministerpräsident Torsten Albig, der heute für die europäische Zigarettenlobby arbeitet. Für sicherlich ein paar Mark mehr als den Mindestlohn, den die Partei mal durchsetzte. Und da ist der konservative Seeheimer Kreis, der seine Spargelfahrt in diesem Juni vom japanischen Japan Tobacco sponsern ließ, dem drittgrößten Tabakkonzern der Welt. Das Logo von JT lässt sich auf dem <a href="https://www.linkedin.com/posts/ayguel-oezkan_%F0%9D%97%9A%F0%9D%97%B2%F0%9D%98%80%F0%9D%97%BD%F0%9D%97%BF%C3%A4%F0%9D%97%B0%F0%9D%97%B5%F0%9D%97%B2-%F0%9D%97%B1%F0%9D%97%B6%F0%9D%97%B2-%F0%9D%98%87%C3%A4%F0%9D%97%B5%F0%9D%97%B9%F0%9D%97%B2%F0%9D%97%BB-ugcPost-7470220365848453121-ZO1Q/">Bild</a> einer Immobilienwirtschafts-Lobbyistin erkennen, die ebenfalls zu Gast war. Zu den Marken von JT gehört Camel – die gelten als besonders stark und bei Annika im Ruhrpott ist es eine klassische Mutprobe unter Jugendlichen, so eine Fluppe zu rauchen. </p><figure><a href="https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7470427726651297793/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/87b8e0f6-5a58-4854-8cc6-05e4fdef107d/uploads/images/xnr3tvxjlr/Bildschirmfoto_2026-06-21_um_09.01.48.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Leckere Spargelkippen für den Seeheimer Kreis
Foto aus einem Linkedin-Kommentar der Tabaklobby-Spezialistin Laura Graen"/></a><figcaption>Leckere Spargelfahrt für den Seeheimer Kreis der SPD.

Foto aus einem Linkedin-Kommentar der Tabaklobby-Spezialistin Laura Graen</figcaption></figure><p>JT sponserte übrigens auch Veranstaltungen des marktradikalen „Prometheus-Instituts“ – den Thinktank von FDPler Frank Schäffler, wie eine<a href="https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2024/12/19/prometheus-die-verheimlichten-spender-des-fdp-lobbyvereins/"> Recherche von Annika und ihrer Kollegin Elena Kolb bei Correctiv</a> ergab. Das geschah offenbar nicht ohne Gegenleistung, denn „Prometheus“ lobbyiert offen für die Zigarettenindustrie, etwa mit einer Analyse, die Tabaksteuern und Werbeverbote für das Suchtmittel als „Lifestyle-Regulierungen“ verharmlost werden. Und JT sponserte auch weitere Veranstaltungen – etwa die Berliner Campaign Conference mit Organisatoren aus CSU und CDU. Dort lagen dann etwa Feuerzeuge mit JT-Schriftzug als „Fackel der Freiheit“ aus. JT investiert gezielt in Kreise, die marktradikale Positionen vertreten, und unterstützt auch den rechten Briten und <a href="https://bylinetimes.com/2025/09/08/reform-conference-big-tobacco-climate-denial-lobbyist-crypto-firms-sponsoring/">Brexiter Nigel Farage.</a> Da vereinen sich wieder Klimawandelleugner mit der Tabakindustrie.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/87b8e0f6-5a58-4854-8cc6-05e4fdef107d/uploads/images/bh3w3gjx45/Screenshot_2026-06-21_180939.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Screenshot aus der Tageszeitung „NZZ&quot; vom 4.11.2025, Titel des Beitrags: „Nigel Farage – britischer Gentleman, Pub-Kumpel, Provokateur&quot;"/><figcaption>Screenshot aus der Tageszeitung „NZZ&quot; vom 4.11.2025, Titel des Beitrags: „Nigel Farage – britischer Gentleman, Pub-Kumpel, Provokateur&quot;</figcaption></figure><p>Schäffler traf sich auch mit dem Bundesverband der Zigarrenindustrie. Er taucht in diesem Zusammenhang in einem Bericht des Deutschen<a href="https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Krebspraevention/Download/pdf/Buecher_und_Berichte/2023_Index-Einflussnahme-Tabakindustrie-Deutschland.pdf"> Krebsforschungszentrums im Jahr 2023</a> auf. Wenn es bei diesem Namen bei Ihnen mehrfach klingelt, dann haben Sie aufmerksam unsere Newsletter gelesen: Das war jener Politiker, der gegen das Heizungsgesetz unter der Ampelregierung Stimmung machte und sich auch schonmal als „Klimaskeptiker“ in einem Interview zu erkennen gab. Und dessen Frau, auch das fanden wir mithilfe unseres Newsletters heraus, in<a href="https://bsky.app/profile/annikajoeres.bsky.social/post/3mlkgbvpx3226"> der Gasindustrie arbeitet.</a></p><p><strong>Lukrative Zweifel am wissenschaftlichen Konsens</strong></p><p>Es dauerte Jahrzehnte, bis Tabak als gesundheitsschädlich gelabelt wurde. Noch bis in die Neunzigerjahre schürte die Zigarettenindustrie erfolgreich Zweifel an medizinischen Fakten. Oder anders gesagt: Sie streute bewusst Zweifel, bezahlte Forscher für Falschaussagen, förderte gefügige Politiker, um die Risiken zu verharmlosen.</p><p>Das Deutsche Krebsforschungsinstitut gibt einen jährlichen <a href="https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Krebspraevention/Download/pdf/Buecher_und_Berichte/2023_Index-Einflussnahme-Tabakindustrie-Deutschland.pdf">Index zur Einflussnahme</a> der Tabakindustrie in Deutschland heraus. Die Liste an Treffen, Sponsoring, Kampagnen ist wahnsinnig lang. Und widerspricht damit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, <a href="https://www.emro.who.int/stop_tobacco_industry/stop_tobacco_industry.html">sich vor dem Einfluss zu schützen</a>. Schließlich ist Rauchen, und darum geht es letztlich, für <a href="https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/tobacco">sieben Millionen Tote</a> jährlich verantwortlich.</p><p>Ebenso dauerte es Jahrzehnte, bis der menschengemachte Klimawandel wissenschaftlicher Konsens wurde. Diese Kampagne läuft bekanntlich immer noch recht erfolgreich weiter. Klimaschutz ist im Gegensatz zum Gesundheitsschutz beim Rauchen jedoch in vielen Ländern noch keine Selbstverständlichkeit. Die Gesundheit des Planeten – und damit unsere – ist weiterhin gefährdet.</p><p><strong>Die Fluppenlobby und die falschen Studien</strong></p><p>Tabaklobbyisten und Klimawandelleugner haben erstaunlich viel gemeinsam. Beide stellen sich gegen den wissenschaftlichen Konsens, die Gründe dafür sind gleich: Tabakkonzerne und fossile Öl- und Gasriesen wollen weiter Geschäfte machen, die Politik soll sie dabei möglichst wenig mit Regeln und Gesetzen stören. In Lobbyverbänden und Thinktanks hingegen engagieren sich Klimaleugner und Fluppenförderer, weil sie von der Industrie Geld bekommen (vor allem in den USA) oder aus ideologischen Gründen (Marktliberale und Rechtspopulisten weltweit).</p><p>Die Methoden sind bis heute dieselben wie vor mehr als sechs Jahrzehnten – die Krakenarme der Tabakindustrie beschrieben wir schon in unserem Buch <a href="https://www.piper.de/buecher/die-klimaschmutzlobby-isbn-978-3-492-31502-9">Die Klimaschmutzlobby</a>: Der Studienverband für die Tabakindustrie, der Council for Tobacco Research (CTR), fand in seinen 6400 bestellten oder betreuten Studien nicht einen einzigen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Nikotin und Lungenkrebs. Tausende bezahlte Studien gibt es auch von Klimaleugnern, die darin die irrsten Theorien aufstellen. Etwa, warum sich die Welt nicht aufheizt oder auch, warum sie sich nicht durch CO₂, sondern etwa durch die Sonne aufheizt.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Und jetzt wird es spooky: Die Methode des Zweifel-Säens ist nicht zufällig bei Tabak und Klima deckungsgleich. Die Akteure sind oft dieselben.</p><p>Thinktanks wie das US-amerikanische Heartland-Institute etwa. In den Achtzigerjahren war es lange der Lobbyarm der Tabakindustrie, insbesondere für Philip Morris. Später starteten sie Kampagnen gegen die Politik zum Schutz vor Klimawandel oder gegen Obamacare. Und sind <a href="https://correctiv.org/aktuelles/2020/02/04/das-heartland-institute-wie-us-klimaleugner-politik-in-europa-machen/">nach unseren Recherchen</a> auch in Europa zunehmend aktiv.</p><p>Ihre Dollars bekam die „Denkfabrik“ etwa von der Mercer Family Foundation, die wiederum einer der größten Spender von Trumps Wahlkampf war. Mehrere Leaks beweisen, dass Heartland sowohl von ExxonMobil als auch von den Stiftungen der Charles Koch Brothers finanziert wurde, um Anti-Klimaschutz-Kampagnen zu fahren.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/87b8e0f6-5a58-4854-8cc6-05e4fdef107d/uploads/images/lhdfiixcut/Nature-not-human-activity-rules-the-climate-586019.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Typischer Take von Klimawandel-Leugner Fred Singer: Menschen beeinflussen angeblich das Klima nicht – Zigaretten schaden Deiner Gesundheit nicht. 



credit: Quoteslyfe.com"/><figcaption>Typischer Take von Klimawandel-Leugner Fred Singer - sowie die Tabaklobby sagte: Zigaretten beeinflussen nicht Deine Gesundheit

credit: Quoteslyfe.com</figcaption></figure><p>Auch Einzelpersonen können für Tabak- und Ölkonzerne nützlich sein: Der langjährige Autor und US-Klimaleugner-Star Fred Singer etwa schrieb jahrelang „Alternative Klimaberichte“. Er war ebenfalls laut Medienberichten mutmaßlich enger Berater von Konzernen wie Exxon gewesen und bezog monatlich Geld vom Heartland Institute. Sein eigenes Institut SEPP (Science &amp; Environmental Policy Project) gründete er 1990, um Tabakgenuss als unbedenklich darzustellen und seine gesundheitlichen Risiken zu verschleiern.</p><p>Unter Marktradikalen sind solche Pro-Tabak und Anti-Klimawandel-Kampagnen besonders verbreitet. So ist etwa das weltweit agierende Atlas-Netzwerk eng mit der Tabakindustrie verbandelt. Dahinter verbergen sich über 400 marktliberale Thinktanks, die in vielen Ländern Diskurse und die Gesetzgebung beeinflussen.<a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5716244/"> Laut einer Recherche</a> leiteten die Koordinatoren von Atlas Spendengelder der Tabakindustrie an ihre Mitglieder weiter, damit diese pro-Tabak-PR machten. Über ein Drittel der Atlas-Mitglieder erhielten demnach solche Fördergelder. Im Atlas-Netzwerk sind auch zahlreiche Akteure, die seit Jahren gegen Klimaschutz-Gesetze agitieren. Das „Prometheus-Institut” von Schäffler ist übrigens auch im Atlas-Netzwerk. </p><p><strong>Das große Schweigen zu Matthes geheimen Gutachten</strong></p><p>Zum Abschluss noch ein Update zu unserem letzten Newsletter zum Wasserstoffrat, nennen wir ihn „den Beratungsrat- des-Ministeriums-für-Milliardensubventionen”.  Wir hatten exklusiv über ihn berichtet – inzwischen ist er neu eingerichtet. Wer ihn leitet, steht bisher nicht fest. Dafür ist, so ist zu hören, auch unsere Recherche zum bis dato kommissarischen Leiter Felix Matthes verantwortlich: Wir hatten aufgedeckt, dass der Senior Researcher am Öko-Institut ein „internes” Gutachten für Thyssenkrupp geschrieben hatte, den bislang größten Subventionsempfänger der Bundesregierung. Für eine unbekannte Summe. Matthes will sich dazu offenbar nicht äußern – und schickte statt einer Antwort auf unsere Frage nur einen Brief der berühmten Kanzlei Schertz Bergmann. Das Bundeswirtschaftsministerium antwortete lediglich, dass es nichts wisse. Auch in dieser Woche lautete die Antwort: Man habe keine Kenntnis davon.</p><p>Das wollen wir so nicht stehen lassen – und stellen nun eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz, ein scharfes Schwert des Journalismus. </p><p><strong>War sonst noch was?</strong><br/><br/><strong>Bremser der Woche: </strong>Es ist vielleicht nicht allen bewusst, aber Frankreich könnte ab 2027 von Marine Le Pen oder ihrem Sprössling Jordan Bardella präsidiert werden. Also von der Partei, die Windräder wieder abbauen will und in Brüssel und Paris oft gegen  Klimaschutzgesetze stimme. Nun herrscht gerade eine außergewöhnlich lange und harte Hitzewelle im Nachbarland. Und was ist Le Pens Antwort? Klimaanlagen für alle! Das ist so wie zur Bekämpfung der nächsten Grippewelle Aspirin auszuschenken. Aber so ist sie, die Rechtspopulistin. Bremst Gesetze, die für Isolierung und damit kühlere Gebäude gesorgt hätten, fördert Klimaanlagen, die dann wiederum die Umgebung aufheizen. Autsch.</p><p><strong>Der Kassandra-Ruf: </strong>Heute mal eine positive Prophezeiung. US-Präsident Donald Trump droht nun damit, in der Straße von Hormus selbst eine Maut zu erheben. Das wollen auch die Iraner. Ob das eine oder das andere kommt, ist so unsicher wie der wackelige Friedensplan. Sicher ist nur: Die langen Transportwege für Gas und Erdöl werden künftig sicherlich teurer. Das wird den Aufschwung der erneuerbaren Energien weiter beschleunigen. Denn Windräder und Solarpaneele müssen nur ein einziges Mal  transportiert werden.</p><p><strong>Empfehlung der Woche: </strong>Dieses Mal ein Kartenspiel: vielleicht was für den Strand? Oder die Bergtour? Wer als Kind gern um PS-Zahlen oder Toren von Fußballstars wetteiferte, vergleicht beim Klima-Quartett den konsumbasierten Pro-Kopf-Ausstoß, den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix und glaubwürdige Umweltpolitik. 40 Karten mit vielen Fakten, genauso wie früher beim Auto-Quartett. Nur, dass diesmal nicht der schnellste Motor gewinnt, sondern wer am besten in der Klimapolitik ist. Hier geht’s zum Spiel: <a href="https://www.demokratiequartett.ch/klima/">https://www.demokratiequartett.ch/klima/</a> </p><p><strong>Bleibt heiter und stabil!</strong></p><p><strong>Eure Annika und Susanne</strong></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 21 Jun 2026 17:29:36 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der Rat, die Milliarden – und ein Gutachten, das nirgends auftaucht]]></title>
      <description><![CDATA[Dies ist eine Geschichte, die verhindert werden sollte. Kaum stellten wir für unseren fünften Newsletter einem bekannten Öko-Experten Fragen zu einem Gutachten,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist eine Geschichte, die verhindert werden sollte. Kaum stellten wir für unseren fünften Newsletter einem bekannten Öko-Experten Fragen zu einem Gutachten, erhielten wir <strong>Post von der Kanzlei Schertz Bergmann</strong>. In der Medienwelt sind die Anwälte gut bekannt – sie vertreten zahlungskräftige Mandanten wie den Rammstein-Sänger Till Lindemann und augenblicklich den Schauspieler Christian Ulmen. Sie greifen ein, wenn die Hütte brennt. Doch dazu später mehr.</p><h3>Wer berät hier wen? Hinter den Türen des Wasserstoffrats</h3><p>Denn eigentlich ging es bei unserer Recherche um den <strong>Wasserstoffrat</strong>. Ein Gremium, das die Bundesregierung „unabhängig und überparteilich“ zur klimafreundlichen Erdgas-Alternative beraten soll. Viele kennen den Rat vermutlich nicht. Dabei ist er wichtig: Hochrangig besetzt, diskutiert er über eine der größten Hoffnungen der Klimapolitik – fossiles Gas oder auch Kokskohle durch grünen Wasserstoff zu ersetzen. Dieses farb- und geruchlose Gas ermöglicht der Industrie, Chemikalien und Stahl zu produzieren, ohne die Klimakrise weiter anzuheizen. Es kann auch als Speicher dienen, etwa um Engpässe im Stromsystem abzufedern. Das Problem: In Deutschland gibt es bislang kaum klimafreundlichen Wasserstoff – weder grünen (aus Ökostrom) noch blauen (mit CO₂-Abscheidung). Stattdessen wird das Gas vor allem mit Erdgas produziert (grauer Wasserstoff).</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1/uploads/images/uolptpv5gv/nationaler_wasserstoffrat_werkstour_image_w450.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Arnd Köfler, technischer Vorstand bei Thyssenkrupp Steel führt den Wasserstoffrat durch das Duisburger Werk 

Credit: Thyssenkrupp"/><figcaption>Arnd Köfler, technischer Vorstand bei Thyssenkrupp Steel führt den Wasserstoffrat durch das Duisburger Werk: „Beispiel für grüne Transformation&quot;

Credit: Thyssenkrupp</figcaption></figure><p>Weltweit greifen Regierungen tief in die Tasche und subventionieren die Umstellung der <strong>Industrie mit Milliarden</strong>. In Deutschland soll der Wasserstoffrat dabei unterstützen. Er ist derzeit mit 22 „hochrangigen Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft” besetzt, heißt es in der Selbstbeschreibung. Doch ein genauer Blick zeigt: Konzerne dominieren. In der offiziellen Mitgliederliste finden sich Vertreter von Thyssenkrupp Steel, Daimler Truck AG und dem Gaskonzern Linde. Den Umweltschutz vertritt derzeit allein Verena Graichen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). </p><p>Nach unseren Informationen steht der <strong>Wasserstoffrat vor einem Umbruch</strong>: Schon nächsten Mittwoch will das Kabinett eine Reform des Rates beschließen. Das betreffe „Organisation, Arbeitsweise und Zusammensetzung des Nationalen Wasserstoffrats”, wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) uns bestätigt. Unter der neuen Ministerin Katherina Reiche solle nun „die Wirtschaftsexpertise gegenüber dem Status Quo im Rat gestärkt werden”. Das heißt: mehr Vertreter aus Unternehmen, anteilig weniger aus Zivilgesellschaft und Forschung. </p><figure><a href="https://www.wasserstoffrat.de/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1/uploads/images/swdhhd6pzz/753869a6-82f6-4135-86eb-1a07836c130a.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Abgebildet ist die Homepage des Wasserstoffrates"/></a><figcaption>Der Nationale Wasserstoffrat - vielen unbekannt, aber ein wichtiger Player im Milliardenspiel um Subventionen

Credit: Homepage Wasserstoffrat</figcaption></figure><p>Die Zusammensetzung des Rates wird auch die Diskussion über Wasserstoff beeinflussen. Bis zu ihrer Berufung als Ministerin war Katherina Reiche Vorsitzende, Felix Matthes vom Freiburger Öko-Institut ihr Stellvertreter – heute leitet er das Gremium kommissarisch. Teilnehmer sagen uns: Matthes und Reiche hätten den Kurs im Rat zunehmend gegen grünen Wasserstoff verschoben. „Das hat uns sehr gestört – und irritiert”, heißt es aus Kreisen des Rates. Viele Anträge zum klimafreundlichen Wasserstoff seien übergangen worden, sagen Kritiker. Auch ehemalige Ratsmitglieder, mit denen wir sprechen konnten, berichten von einer „unkonstruktiven” Atmosphäre, einige seien ausgetreten, weil sie die Sitzungen als „Zeitverschwendung” empfanden. Bereits 2021 gab es etwa ein „Sondervotum” zur Strategie des Rates, die auch fossilen Wasserstoff als förderwürdig einstufte.</p><figure><a href="https://www.wasserstoffrat.de/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1/uploads/images/t7svjum4xm/fe4f07a7-1d2e-4c15-8450-81d0e7cfd9c8.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Viele Mitglieder des Rates waren unzufrieden mit der gasfreundlichen Strategie - und forderten ein Sondervotum ein"/></a><figcaption>Viele Mitglieder des Rates waren unzufrieden mit der gasfreundlichen Strategie - und forderten ein Sondervotum ein

Credit: Homepage Wasserstoffrat</figcaption></figure><h3>Euphorie für Wasserstoff verpufft</h3><p>Tatsächlich ist die Euphorie für grünen Wasserstoff als Gas-Ersatz allgemein verpufft. Als Annika mit ihrer Kollegin Katarina Huth von Correctiv vor zwei Jahren den „<a href="https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2024/03/26/der-wasserstoff-bluff-angeblich-wasserstofffaehiges-erdgas-kraftwerk-leipzig/">Wasserstoff-Bluff”</a> der Leipziger Stadtwerke aufdeckte, erhielten sie noch wütende Mails: Sie würden eine Lösung „kaputtschreiben”, auf die man angewiesen sei, hieß es. Inzwischen haben die Leipziger das Projekt vorerst<a href="https://www.mega-monheim.de/unternehmen/aktuelles/leipziger-stadtwerke-stoppen-wasserstofftests"> abgesagt.</a> Auch bundesweit bleibt Deutschland weit vom Ziel entfernt, bis 2030 zehn Gigawatt an Elektrolyseleistung zu erreichen. <a href="https://openenergytracker.org/docs/germany/">Wenig mehr als ein Prozent</a> wurde bisher erreicht. </p><p>Dabei hat das Bundeswirtschaftsministerium H2-Projekte der energieintensiven Konzerne <strong>mit rund sechs Milliarden Euro </strong>gefördert, wie es in einer Antwort auf unsere Anfrage schreibt. Die tatsächliche Fördersumme ist aber noch viel höher – das Ministerium räumt ein, dass viele ressortübergreifende Projekte nicht aufgelistet werden könnten. </p><p>Es geht bei H2 also nicht um Peanuts, sondern um Fördersummen in Milliardenhöhe. Und der Rat darf dem Ministerium zur Wasserstoffpolitik Einschätzungen geben.</p><h3><strong>Ein Gutachten, das sich nirgends findet</strong></h3><p>Nun erhielten wir schon vor einiger Zeit Informationen zum kommissarischen Ratsleiter <strong>Matthes</strong>. In der Umweltszene gilt Matthes als Größe: Senior Researcher am Öko-Institut, Mitglied in allerlei hochrangigen Gremien verschiedener Bundesregierungen, etwa der Kohle-Kommission, und gefragter Experte in deutschen Medien. Vor einiger Zeit haben wir erfahren, dass Matthes für das Wasserstoffrats-Mitglied <strong>Thyssenkrupp Steel ein bezahltes Gutachten</strong> angefertigt hat. Und zwar kein öffentliches, sondern eines, das nirgends auftaucht. Der Stahlkonzern hat von allen im Rat vertretenen Unternehmen laut uns vorliegender Liste aus dem BMWE das meiste Fördergeld bekommen (rund 1,4 Milliarden Euro).</p><figure><a href="https://www.wasserstoffrat.de/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1/uploads/images/xj65qn3zwi/Untitled_design.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Immer wieder tagt der Wasserstoffrat in den Zentralen der Konzerne - Thyssenkrupp wurde für seine H2-Strategie ausdrücklich gelobt

Credit: Homepage Wasserstoffrat</figcaption></figure><p>Unsere acht Fragen zu diesem Fall ließ Matthes unbeantwortet – und schickte stattdessen das oben erwähnte Anwaltsschreiben von Schertz und Bergmann. Über dessen Inhalt, so stand da, dürfen wir nicht berichten. Unbeantwortet blieb auch die Frage, ob Matthes weitere nichtöffentliche Gutachten für Konzerne geschrieben hat.</p><p>Thyssenkrupp räumte uns gegenüber bereits schriftlich ein, dass der Forscher für die „gutachterliche Stellungnahme zum Thema Preisentwicklungen im EU-Emissionshandel” ein Honorar erhalten habe. Zur Höhe des Honorars wolle man keine Angaben machen – und das Gutachten sei zudem nur für „interne Zwecke” bestimmt. </p><p>In der Wissenschaft ist das ungewöhnlich. Dort geht es meist darum, Forschungsergebnisse zu teilen und möglichst viele Menschen zu erreichen – besonders in engagierten Einrichtungen wie dem Öko-Institut. Auf Anfrage sagte eine Sprecherin, die „konkrete Arbeit von Herrn Matthes ist dem Institut nicht bekannt gewesen.” Und weiter: „Wir haben keine Kenntnis von anderen privat erstellten Gutachten für Unternehmen unserer Mitarbeitenden”, schreibt die Pressestelle. Solche Gutachten für Konzerne außerhalb der Arbeitszeit zu machen und nicht zu melden, ist offenbar kein Standard beim Öko-Institut.</p><p>Für den <strong>Vorsitz des reformierten Wasserstoffrates</strong> ist Matthes nach unseren Informationen wieder im Gespräch. Die Entscheidung fällt wohl in den nächsten Wochen.</p><p>Viele loben Matthes als klugen, versierten Experten. In den vergangenen Jahren hat er zugleich einige Mitglieder des Rates, aber auch Forscher und Vertreter der Ökoszene gegen sich aufgebracht. „Matthes nutzt jedes erdenkliche Machtspiel, um seine Position als Berater zu sichern”, schreibt uns eine Person aus dem Kreise des Wasserstoffrates, die anonym bleiben will. Einige Kritiker sagen, er habe sich von früheren umweltpolitischen Überzeugungen entfernt – um Einfluss zu gewinnen.</p><p>Weder Matthes noch Thyssenkrupp haben sich dazu geäußert, wann das Gutachten erstellt wurde. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass das Papier vor seiner Zeit als Vorsitzender geschrieben wurde.</p><p>Was bleibt, ist der kommissarische Leiter eines Rates, der eine bezahlte „gutachterliche Stellungnahme” für ein Konzernmitglied desselben Gremiums verfasst hat. Das belegt weder einen Interessenkonflikt noch eine direkte Einflussnahme. Doch sein Schweigen und das Einschalten einer Anwaltskanzlei als Antwort auf eine Presseanfrage haben uns zumindest erstaunt. </p><h3><strong>War sonst noch was?</strong></h3><p><strong>Bremser der Woche: </strong>Wir alle wissen, wie viel Energie Künstliche Intelligenz verschlingt. Ein <a href="https://news.un.org/en/story/2026/06/1167658">aktueller Report der UN </a>lenkt jedoch den Blick auf den enormen Wasserverbrauch der Datencenter: Bis 2030 könnten sie so viel Wasser schlucken wie 1,3 Milliarden Menschen. Ungewöhnlich deutlich warnen die Forscher: Die Gewinne landen bei wenigen, doch der Wassermangel bedroht Millionen. Jede Suchanfrage könnte bald ein trockenes Kratzen im Hals hinterlassen. Denn die Klimakrise sorgt schon jetzt für Dürren – auch ohne die Datenriesen.</p><p><strong>Der Kassandra-Ruf: </strong>Die französische Satirezeitung <em>Le Canard Enchainé </em>ist sehr lustig – hat aber mit ihren Recherchen so manchen bitterernsten Skandal enthüllt. Kürzlich <a href="https://www.lecanardenchaine.fr/environnement/53946-le-detroit-d-ormuz-dans-notre-assiette">spottete sie darüber</a>, dass wir große Mengen Düngemittel aus dem Nahen Osten importieren, während wir menschliche Fäkalien aufwendig entsorgen, statt sie kompostiert auf die Felder zu bringen. „Die Souveränität unserer Ernährung ist eine Farce“, schrieb das Blatt und erinnerte genüsslich an die „Merdoduc“ – jene Kanäle und cleveren Transportsysteme, mit denen man einst in Lyon die Fäkalien der Bewohner auf die Äcker schaffte. Schon 2017 sprach das angesehene Nature-Journal von einer „<a href="https://www.nature.com/articles/549146a">Neuen Ökonomie der Exkremente</a>”, die sich bisher vor allem in Afrika entwickelt. Unsere Prognose: Auch wir werden bald wieder unsere Felder mit heimischem Dünger versorgen.<br/><br/><strong>Empfehlung der Woche:</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1/uploads/images/7umrki6mxv/MJ_DGDW_web_Zitat.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>„Das Gewicht der Welt“ läuft seit 7. Mai in den Kinos und hilft, den derzeitigen Rollback beim Klimaschutz zu verarbeiten: Der Dokumentarfilm porträtiert Chemieprofessor Sebastian Seiffert, Glaziologin Maria Hörhold und Molekularbiologin Nana‑Maria Grüning: Forschende, die die Klimakrise nicht nur messen, sondern auch die Erfahrung verarbeiten müssen, dass Politik und Gesellschaft weghören. Regisseur Florian Heinzen‑Ziob erzählt ruhig und ohne Pathos, wie aus wissenschaftlicher Distanz persönlicher Einsatz wird – und wie man trotz Ernüchterung handlungsfähig bleibt. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=lRuzwJSEIJ0">Hier geht’s zum Trailer.</a></p><p>Meldet Euch gerne bei uns mit Hinweisen und Informationen.</p><p><strong>Und: Bleibt heiter und stabil!</strong></p><p><strong>Eure Susanne und Annika</strong></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1/uploads/images/swdhhd6pzz/753869a6-82f6-4135-86eb-1a07836c130a.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
      <link>https://steady.page/44dd262b-58e2-460e-b3fa-5cf982c30c2b/posts/c61d9818-4fa2-4305-a460-9e23ab335eb1</link>
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      <pubDate>Sun, 07 Jun 2026 16:51:06 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Fischer Hamid und der Tankrabatt]]></title>
      <description><![CDATA[Der Zweitaktmotor heult auf und beschleunigt, als das Holzboot aus einem schmalen Kanal in den breiten Fluss schippert. Sein Bug teilt den Wasserspiegel des Schatt al…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Was der Tankrabatt mit dem irakischen Fischer Hamid zu tun hat</h1><p><br/>Öl und Gas wachsen bekanntlich nicht auf Bäumen, liebe Leserinnen und Leser. Liter für Liter, Kubikmeter für Kubikmeter schaffen wir sie ins Land. Woher die klimaschädlichen Brennstoffe stammen, fragen sich viele erst dann, wenn die Preise an den Zapfsäulen steigen.</p><p>Susanne ist für den SPIEGEL dorthin gereist, wo jenes Öl aus dem Boden geholt wird, das wir Tag für Tag gedankenlos verbrennen. Während die Bundesregierung hektisch über einen Tankrabatt verhandelt und Reporter zu deutschen Tankstellen ausschwärmen, um den Frust der Autofahrer „einzufangen“, denkt sie an ihre letzte Reise in den Irak zurück – an den Fischer Hamid und die Bootsfahrt über den Schatt al-Arab.</p><p>In unserem vierten Newsletter nehmen wir Euch mit in den Südirak und an den Persischen Golf. Von dort kommt ein Fünftel aller Öl- und Gaslieferungen weltweit.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Subscribe to newsletter</a></p><p>Aber zunächst möchten wir uns noch für die große Resonanz auf unseren vergangenen <a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/posts/0bffb484-9e17-491b-9b37-5c6ae18f271e">Newsletter</a> bedanken – Ihr erinnert Euch, es ging um FDPler Frank Schäffler, der einst das Heizungsgesetz mit einer beispiellosen Kampagne torpedierte. Wir hatten berichtet, dass er nun sein Glück als Bürgermeisterkandidat in einem kleinen Kaff namens Samtgemeinde Altes Land Lemförde versucht. Uns erreichte daraufhin noch eine weitere Neuigkeit: Schäffler hat eine fossile Einflüsterin direkt am Küchentisch sitzen: Seine Frau. Meike Schäffler <a href="https://chefetage-podcast.de/dr-meike-schaeffler-vorstand-westfalen-ag/">ist Vorständin</a> bei einem milliardenschweren Gasunternehmen. Andere Leser schreiben uns, sie würden Schäffler noch aus Zeiten kennen, als er in radikal-libertären Kreisen unterwegs war, damals schrieb er etwa für <a href="https://libertaer.wordpress.com/about/autoren/">Zeitschriften</a>, die Steuern als „räuberische Erpressung“ einordnen. </p><p>Nun aber zur Recherchereise in einer Grenzregion zwischen Iran und Irak: Wer die Geschichte liest, versteht, wie gewaltsam die Ölförderung – von der auch Europa lebt – eine Region zugrunde richten kann. </p><h4><strong>Der wahre Preis des Öls </strong></h4><p>In diesen Tagen denke ich oft an meinen Bootsausflug mit dem irakischen Fischer Sayad Hamid zurück. Als ich Hamid vor zwei Jahren in einem Vorort der Metropole Basra im Südirak besuchte, war der damals 40-Jährige schwer von Blutkrebs gezeichnet. Seinen Beruf hatte er aufgegeben: Im Fluss Schatt al-Arab, neben dem er und seine Familie wohnen, schwimmen kaum noch Fische, und die wenigen, die bleiben, sind zu klein – vergiftet von den Abwässern und Abgasen der umliegenden Ölförderstätten.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cec53701-1d08-4323-aa12-161928f8159e/uploads/images/pkyit6k3gw/IMG_8117.JPEG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Bootstour auf dem Schatt al-Arab nahe der iranischen Grenze</figcaption></figure><p>Sofern er noch am Leben ist, muss Hamid nun den nächsten Krieg durchstehen. Seit dem 28. Februar schlagen immer wieder iranische Drohnen in Basra ein. Vor der Mündung des Schatt al-Arabs geraten Öltanker unter Beschuss, mehrfach drohte eine Ölpest. Die Folgen für die Feuchtgebiete wären verheerend – auch für jenes, durch das ich damals mit dem Fischer fuhr.</p><p>In Hamids Holzboot glitten wir damals aus dem schmalen Kanal hinaus auf den breiten Strom. Sein Bug teilte den Wasserspiegel des Schatt al-Arab, der Fahrtwind wirbelt unsere Haare auf. Am rechten Ufer zog ein Schiffsfriedhof vorbei: Tanker, Passagierdampfer, Containerfrachter. Verrostet. Verwahrlost. Vergessen. Auf den Decks saßen hier und da ein paar Jugendliche mit Palitüchern und warfen ihre Angeln aus, am Ufer pafften andere Shisha. Ruinen ehemaliger Ausflugslokale erzählten von besseren Tagen; ihre einst schattigen Palmenterrassen versinken heute unter Schutt und Müll.</p><p>Die Kulisse des Schatt al-Arab spiegelt den Niedergang einer ganzen Region wider, die seit Monaten erneut zum Schauplatz von Krieg und Zerstörung geworden ist. Bei meinem Besuch vor zwei Jahren will der Fischer uns „seinen Fluss“ zeigen: Gespeist von Euphrat und Tigris, bildet der Schatt al-Arab die Grenze zwischen Irak und Iran, bevor er in den Persischen Golf mündet. „Da drüben beginnt schon Iran“, sagte Hamid und deutete auf das gegenüberliegende Ufer. „Dort liegen bis heute Minen aus den Achtzigerjahren, aus unserem Krieg.“</p><p>Seit über vierzig Jahren ist die einst florierende Mündungsregion nur noch ein Schatten ihrer selbst. Kriege mit Nachbarstaaten, den USA und Milizen, dazu jahrelange Sanktionen – all das hat das Land ruiniert. In den Siebzigerjahren galt Basra noch als aufstrebende Metropole, mit Cafés, Nachtleben, sogar Tourismus. Heute erstickt die Stadt in Abgasen, Müll und verseuchtem Grundwasser. Geblieben ist nur Elend.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cec53701-1d08-4323-aa12-161928f8159e/uploads/images/c635vvvhtc/IMG_8090.JPEG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Vermüllte Kanäle und Nebenflüsse des Schatt al-Arab</figcaption></figure><p>Basra zählt zu den ärmsten Städten der Welt. Vor wenigen Jahren brach sogar die Cholera aus. Die Sommer sind unerträglich heiß, der Klimawandel lässt das Land regelrecht veröden – anpassen können sich die wenigsten Iraker.</p><h4><strong>Ölreichtum: Fluch für die meisten, Segen für wenige </strong></h4><p>Dabei werden rund um Basra Milliarden-Profite erzielt: Zahlreiche Ölfelder liegen so dicht an der Stadt, dass das Leuchten der brennenden Gase auf den Ölfeldern in der Nacht wie viele Lagerfeuer erscheinen. Dort entweichen Ruß und Abgase und vergiften die Luft. Das Feld Rumaila, eines der größten der Welt, reicht bis auf wenige Kilometer an die Siedlungen heran – dort holen auch westliche Konzerne wie BP das schwarze Gold aus dem Boden, das schließlich an deutschen Tankstellen landet.</p><p>Hamids Schicksal und das seines Flusses stehen für die Tragödie einer ganzen Region, der ausgerechnet ihr größter Reichtum zum Verhängnis geworden ist: das Öl. Es ist eine Geschichte von Deindustrialisierung und Verelendung, von Krieg, Krankheit und Tod – ausgelöst durch fossile Rohstoffe und das trügerische Versprechen, das in ihnen steckt.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cec53701-1d08-4323-aa12-161928f8159e/uploads/images/pqr6prryfs/IMG_8128.JPEG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Schiffswracks im und am Schatt al Arab"/><figcaption>Schiffswracks im und am Schatt Al Arab</figcaption></figure><p>Viele stellen sich die Region am Persischen Golf als leblose Sand- und Steinwüste vor. Ein Irrtum. Nicht zufällig entstanden die ersten Hochkulturen in den fruchtbaren mesopotamischen Sümpfen, etwas nördlich des Schatt al-Arab gelegen (mehr zum Verschwinden dieses <a href="https://www.spiegel.de/ausland/iraks-bedrohtes-unesco-welterbe-duerre-im-paradies-a-c5c87aeb-290d-44ab-b08e-cf2c9b454e96">Unesco-Welterbes lest ihr hier</a>). Auch entlang der iranischen Küste reihen sich Naturschutzgebiete aneinander – bedroht nun von gleich mehreren Ölteppichen, vermutlich eine Folge des Beschusses von Tankern. Verlässliche Informationen über die Umweltschäden dringen wegen der iranischen Internetsperre nur verzögert nach außen. Satellitenbilder zeigten bereits im April riesige Ölschlieren in der Churan-Meerenge zwischen dem iranischen Festland und der Insel Qeschm.</p><p>Nur wenige Kilometer entfernt erstreckt sich auf rund 200 Quadratkilometern der größte Mangrovenwald des Persischen Golfs – ein Labyrinth aus Wasserläufen und salzresistenten Bäumen der Art Avicennia marina, die bei Flut fast bis zu den Kronen im Meer versinken. Flamingos und Pelikane überwintern hier, in den Gewässern ringsum ziehen vom Aussterben bedrohte Grüne Meeresschildkröten ihre Bahnen. Ob dieses Refugium bislang verschont geblieben ist, lässt sich derzeit kaum sagen.</p><p>Diese Woche berichtete die „New York Times“ von einem Ölteppich, der die Insel Shidvar vor der iranischen Küste erreicht hat. Sie beherberge große Korallenriffe und „ist Brutgebiet für mehr als 80.000 Vögel“. Die von der US-Zeitung verifizierten Videos zeigen das Öl, das sich entlang der unberührten weißen Sandstrände der Insel verteilt hat. Vögel, Schildkröten und Krebse sind in Teerhaufen gefangen. „Die Insel ist als die Malediven Irans bekannt – ein wunderschöner Ort“, sagte Uno-Vertreter Kaveh Madani der „NYT“.</p><h4><strong>Erdöl: Quelle der Zerstörung von Mensch, Natur – und Demokratie</strong></h4><p>Irak, Iran und die Golfstaaten decken mehr als 30 Prozent des weltweiten Ölbedarfs. Der aktuelle Krieg am Golf entlarvt die Abgründe des fossilen Geschäfts – wir sollten uns ebenso für sie interessieren wie für Benzinpreise: Keines der Länder ist eine Demokratie, die Öl- und Gasförderung ist überall in den Händen von wenigen Königsfamilien oder politischen Eliten. Profite fließen kaum ins Gemeinwohl, sondern in private Taschen. Im Irak hat das Öl das Land zu einem Failed State verkommen lassen, im Nachbarland Iran stützte es die frauenfeindliche Mullah-Diktatur und die Golfstaaten finanzieren mit fossilen Einnahmen Kriege wie im Sudan mit. </p><p>Wir schrieben 2025 in unserer Streitschrift „<a href="https://www.oekom.de/buch/die-sicherheitsluege-9783987261978">Die Sicherheitslüg</a>e“:</p><p><em>Doch es gibt drei Gründe, warum die Folgen unseres Öl- und Gaskonsums uns alle etwas angehen: 1. Weil die EU durch teure Energieimporte diese Regime mitfinanziert. 2. Weil diese Petrostaaten internationale Verhandlungen zu Umwelt und Klima blockieren. 3. Weil diese Länder die europäische Demokratie zerstören wollen. Autoritäre Herrscher, Öl- und Gaskonzerne, die Rechte unterstützen, sowie rechte Bewegungen unternehmen gerade einen weltweiten Feldzug gegen Demokratie, Meinungsfreiheit, Menschenrechte und nicht zuletzt die Energiewende.</em></p><p>Selbst Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat noch 2022 einen Gas-Deal mit Katar eingefädelt – in der Hoffnung, das Gas eines anderen autoritären und menschenverachtenden Regimes, Russland, zu ersetzen. Ein schlechter Deal. Nur vier Jahre später ist die größte Anlage für Flüssigerdgas in Katar von einer iranischen Drohne zerschossen worden.</p><p>Russlands Krieg gegen die Ukraine und der Irankrieg zeigen deutlicher denn je zuvor: Fossile Lieferketten sind riskant, fragil, laden zu politischen Erpressungen ein, forcieren bewaffnete Konflikte und destabilisieren am Ende Gesellschaften.</p><p>Während viele Länder den aktuellen Krieg als Warnzeichen verstanden haben, ist die deutsche Bundesregierung weitestgehend blind. Wir fragen uns, was noch passieren muss, damit Deutschland seine Abhängigkeit von solchen Öl- und Gasimporten beendet. Bereits im Oktober – vier Monate<em> vor </em>Beginn des Irankriegs schrieben wir in unserer Streitschrift:</p><p><em>Statt an der Wende arbeitet diese Regierung an einem verhängnisvollen Status quo. Sie dreht inmitten einer der größten politischen Krisen des Westens den Öl- und Gashahn noch einmal voll auf. Sie tut, was Historiker vielen untergegangenen Zivilisationen vorwerfen: Sie gefährdet unsere Gesellschaft, weil sie Ressourcen falsch nutzt und Alternativen ignoriert.</em></p><p>In diesem Sinne – wir freuen uns über jede Person, die Alternativen nutzt und vorantreibt. <strong> </strong>Und natürlich über (vertrauliche) Hinweise über fossile Bremser und Blockierer.  Auf den nächsten Newsletter könnt Ihr auch schon gespannt sein – da geht es um einen Energiewende-Experten, der nicht ganz so öko-integer ist wie gedacht. </p><p><strong>Bremser der Woche: </strong>Die Wirtschaftsministerin mag in dieser Rubrik wenig originell wirken, doch was uns Quellen aus ihrem Haus berichten, klingt alarmierend: Die Stimmung sei miserabel. Selbst CDU-nahe Kollegen, die anfangs große Erwartungen hatten, zeigen sich schockiert. Reiche versetze Mitarbeiter gegen ihren Willen – sogar jene, die sie selbst zuvor platziert habe. Ihre widersprüchliche und chaotische Führung verzögere Abläufe erheblich, so berichtet es uns ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will. Einige Leute im Haus würden bereits von „trumpesken Methoden“ sprechen. Vielleicht einer der Gründe, warum Reiche und ihr Ministerium offenbar ihre Energie-Reformpläne nicht ausreichend mit den Bundesländern abgesprochen haben – <a href="https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energieministerkonferenz-laender-stellen-sich-gegen-reiches-energie-reformplaene-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-260522-930-113816">diese sperren sich nun dagegen</a>. </p><p><strong>Der Kassandra-Ruf: </strong>Wer heute in einen durchschnittlichen Supermarkt geht, sieht sie in jedem Regal: Plastikverpackungen. Sie umhüllen Schinkenscheiben, Erdbeeren, Schokoriegel, Säfte. Und auch sie werden aus Erdöl gewonnen. Kaum jemand spricht bislang darüber, aber angesichts des Irankrieges könnten auch die Plastiktüten- und schälchen bald sehr viel teurer werden. Vielleicht ein Anstoß, nach Alternativen zu suchen?</p><p><strong>Empfehlung der Woche: </strong>Polarisierung, Rechtsextreme, Reformstau: Europa wirkt müde – und doch steckt in Brüssel mehr Zukunft, als viele wahrhaben wollen. Peter Jelinek und Katja Sinko sehen in der EU nicht das Bürokratiemonster, sondern eine Möglichkeitsmaschine. In „Das beste Europa aller Zeiten“ sammeln sie unerhörte, teils erprobte Vorschläge – EuropaCard für klimafreundliches Reisen, Bürger:innenpostfach, europäische Auszeit – und zeigen, wie aus guten Insel-Lösungen gemeinsame Politik wird. <a href="https://www.oekom.de/buch/das-beste-europa-aller-zeiten-9783987265235">Hier geht es zum Buch</a>.</p><p><strong>Bleibt heiter und stabil! </strong></p><p><strong>Eure Susanne und Annika</strong><br/></p><p><strong>Werde Mitglied im Milliarden-Club</strong></p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Subscribe to newsletter</a></p><p>Zweimal im Monat berichten wir Euch persönlich, was wir recherchiert haben: Wer bremst bei Klimaschutz und Energiewende – und warum? Abonniert uns &amp; empfehlt uns weiter.</p><p> </p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 24 May 2026 17:12:06 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Vom Heizungs-Hetzer zum Dümmer Land]]></title>
      <description><![CDATA[Kennt Ihr die Samtgemeinde Altes Land Lemförde? Rund 8900 Einwohner, ein paar Milchbauern und Wanderwege zum Dümmer See? Nein? Wir bislang auch nicht. In diesem…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kennt Ihr die Samtgemeinde Altes Land Lemförde? Rund 8900 Einwohner, ein paar Milchbauern und Wanderwege zum Dümmer See? Nein? Wir bislang auch nicht.</p><p>In diesem niedersächsischen Kleinod bewirbt sich gerade ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter auf das Bürgermeisteramt. Sein Name: Frank Schäffler. Auch an ihn erinnert Ihr Euch nicht mehr? Wir helfen nach: Der FDP-Politiker gehörte 2023 zu den eifrigsten Akteuren in der großen <strong>Anti-Wärmepumpen-Show</strong>. Mit großem Einsatz bekämpfte er damals das von Robert Habeck eingebrachte Heizungsgesetz (gemeint ist das Gebäudeenergiegesetz, GEG), bis am Ende vor allem eines übrig blieb: große Verunsicherung und die gefährliche Illusion, man könne gerade in Bestandsbauten erst mal beruhigt weiter mit Gas heizen.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0bffb484-9e17-491b-9b37-5c6ae18f271e/uploads/images/is4pb6c2bl/Frank-Scjhaffler-Extrawurst.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Frank Schäffler vor einem kommunalen Kino, im Hintergrund wird der Film &quot;Extrawurst&quot; beworben"/><figcaption>FDPl-er Frank Schäffler mit lustigem Extrawurst-Film im Hintergrund

Quelle: www.frank-schaeffler.de</figcaption></figure><p>Ihr lest unseren zweiten Newsletter – willkommen beim „Milliarden-Briefing“. Leider hat sich bewahrheitet, wovor wir vor zwei Wochen gewarnt haben: Wir hatten auf die Gefahr einer <strong>Ölpest in der Straße von Hormus</strong> hingewiesen – das ist nun eingetreten: <a href="https://www.spiegel.de/ausland/iran-krieg-oel-treibt-offenbar-vor-iranischer-insel-charg-im-meer-a-20f21ea2-85e4-4dc6-a638-fa582b44329d">Ein Ölteppich treibt vor der iranischen Küste</a>. Ein deutliches Symbol für die verheerenden Folgen unserer fossilen Energiepolitik. </p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Neben unseren “Kassandra-Rufen” haben wir uns darauf spezialisiert, Lobbyisten aufzuspüren und im Blick zu behalten – in unseren Büchern, Podcasts und in diesem Newsletter. Vor wenigen Tagen fragten wir daher den erklärten GEG-Gegner Frank Schäffler in einer ersten und schließlich zweiten Erinnerungs-Mail, wie zufrieden er mit dem neuen von Katherina Reiche eingebrachten Heizungsgesetz bzw. Gebäudemodernisierungsgesetz ist. Und ob er immer noch mit einer Wärmepumpe heizt, wie er einst in einem selten ehrlichen Moment bei Markus Lanz zugab?</p><p>Zwar wirbt Schäffler im aktuellen Bürgermeister-<a href="https://frank-schaeffler.de/">Wahlkampf </a>mit dem Spruch “Kommen wir ins Gespräch” – bei uns blieb er allerdings schweigsam. Vielleicht will er sich von seinem <strong>Bauernhof am Dümmer </strong>nicht an seine Zeit als Bundestagsabgeordneter erinnern. Vielleicht möchte er auch nicht noch einmal von seiner funktionierenden Wärmepumpe erzählen. </p><p>Seine eigene Wärmepumpe war der absurde Höhepunkt von Schäfflers Kampagne gegen das GEG, was diese Heiztechnik ja massiv fördern sollte. Damals zog Schäffler auf Twitter, in der Fraktion und in der “Bild”-Zeitung monatelang gegen den Habeckschen Gesetzentwurf alle Register. Kurz vor dem FDP-Parteitag im März 2023 hebt Springer Schäffler mit dem Satz auf den Titel: “Heiz-Hammer ist eine Atombombe für unser Land”. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0bffb484-9e17-491b-9b37-5c6ae18f271e/uploads/images/wsxhnb6tys/Frank-Schaffler_Dummer.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Frank Schäffler posiert vor einem Baum: Er fühlt sich ganz zuhause in der Dümmer-Region"/><figcaption>Frank Schäffler fühlt sich ganz zuhause in der Dümmer-Region
Quelle: www.frank-schaeffler.de</figcaption></figure><p>Später polterte Schäffler erneut in der “Bild”-Zeitung. Die Regierung müsse 101 Fragen beantworten, bevor die FDP-Fraktion dem Gesetz zustimme. Am Ende blieben 77 Fragen. Ihr Inhalt war belanglos. Doch der Forderungskatalog erreichte sein Ziel: Das Gesetz wurde abgeschwächt. </p><p><strong>Faktenfreie Debatte um die Wärmepumpe</strong></p><p>Fakten scheinen in der Debatte unerheblich. Schäffler twitterte etwa: “Der Schornsteinfeger war kürzlich bei mir, wenn Sie eine Wärmepumpe einbauen wollen, investieren Sie mit allem Drum und Dran rund 150.000 Euro”. <strong>Eine Fantasiezahl</strong>: Die Kosten für den Einbau variieren je nach Anbieter und Modell zwischen einigen tausend und rund 30.000 Euro. Langfristig ist eine Wärmepumpe ohnehin günstiger. Mit der Förderung des GEG ohnehin.</p><p>Es geht hier auch nicht um einen beliebigen FDP-Abgeordneten. Uns erklärten damals mehrere Quellen, dass Schäffler offenbar einen <strong>kurzen Draht zu seinem Parteichef Christian Lindner</strong> hatte, der ja als Finanzminister eine zentrale Position in der Ampelregierung hatte. Die beiden hatten demnach vermutlich eine interne Arbeitsteilung: Schäffler prescht vor und eröffnet mit seinen guten Kontakten zur “Bild”-Zeitung eine Debatte – sei es gegen das Heizungsgesetz oder gegen ein Verbrenner-Verkaufsverbot ab 2035. Diese medialen Vorstöße des Parteikollegen waren dann wiederum eine ideale Vorlage für Lindner, um in der Fraktion Gesetze zu ändern oder abzuschwächen. »Lindner weiß, dass Schäffler große Teile der FDP-Basis und der Fraktion hinter sich hat«, sagte uns damals eine Insiderin aus dem Wirtschaftsministerium.</p><p><strong>Schäffler – ein gut vernetzter Lobbyist</strong></p><p>Diese Abwehrhaltung gegenüber allem, was “grün” ist, hat auch einen ideologischen Hintergrund: Schäffler kämpft mit einem <strong>neoliberalen Mindset</strong> schon länger gegen Klimaschutz. Bereits 2014 outete er sich im Handelsblatt öffentlich als Klimaskeptiker. Er gründete das marktliberale Prometheus Institut und sitzt im Beirat des Interessenverbands Die Familienunternehmer e.V. (Ja, genau die, die es nicht so genau mit der <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/verband-der-familienunternehmer-gibt-brandmauer-zur-afd-auf-a-1d11fc62-7d79-40e2-b35b-69d853797163">AfD-Brandmauer nehmen</a> wollen und viele gasabhängige Unternehmen als Mitglieder haben). Zugleich steht er der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ( INSM ) nah, für die er früher Dutzende Beiträge schrieb und die heute sein aktuelles Buch als »starken Impuls, das übersprudelt vor Ideen« lobt. <em>Mehr über Schäfflers Aktivitäten als Klimaschutz-Bremser und neoliberale Netzwerke lest Ihr in unserem Buch “</em><a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8"><em>Die Milliardenlobby</em></a><em>” im Kapitel “Thinktanks – Ohne Öl und Gas geht es nicht, weil …” ab S.170.</em></p><p>Die inszenierte Hetzkampagne gegen Wärmepumpen liegt inzwischen mehr als drei Jahre zurück. Die Ampelregierung ist Geschichte und die FDP nicht mehr im Bundestag. Die aktuelle schwarz-rote Koalition hatte schon im Koalitionsvertrag vor einem Jahr angekündigt, das Habecksche Gebäudeenergiegesetz „abzuschaffen“.</p><p>In der kommenden Woche erreicht die Kampagne von <strong>Rechten, Konservativen, Neoliberalen wie Schäffler und der Gaslobby</strong> gegen die Elektrifizierung des Gebäudesektors nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Dann wird das neue GMG vom Kabinett beschlossen. Die neue Regierung rühmt sich, das angeblich „verhasste“ Gesetz nun durch eine angebliche Technologieoffenheit ersetzt zu haben.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Bei Experten löst das nur noch Kopfschütteln aus. Von einer Regel, &quot;die man auch hätte behalten können”, sprach etwa Sibylle Braungardt, Professorin für nachhaltige Energiesysteme. Und Forscher Markus Fritz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung sprach von “<strong>unnötigem Preisrisiko</strong>”, der durch das neue Gesetz entstehe. Das GMG lässt zwar vernünftige Lösungen wie die Wärmepumpe zu. Doch Hausbesitzer werden mit weiterhin erlaubten Öl- und Gasheizungen in eine Kostenfalle geführt. Und die Klimaziele? Bleiben außen vor. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0bffb484-9e17-491b-9b37-5c6ae18f271e/uploads/images/eepcmt2wp6/signal-2026-05-10-175843_002.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Post von Frank Schäffler auf &quot;X&quot; vom 30. April</figcaption></figure><p>Bislang schrieb das Gesetz vor, dass neue Anlagen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Diese Pflicht fällt jetzt weg. Stattdessen dürfen Gas- und Ölheizungen weiter eingebaut werden – müssen aber ab 2029 schrittweise mit Biogas/oder Bioöl &amp; synthetisches Heizöl gemischt werden. Auch grüner Wasserstoff kann beigemischt werden.</p><p><strong>Es gibt viele Haken</strong>: Biogas oder synthetische Heizöle stehen in diesen Mengen gar nicht zur Verfügung, Öko-Wasserstoff erst recht nicht – und er bleibt zu teuer. Vor allem aber: Erst 2029 beginnt überhaupt Klimaschutz – just im Jahr der nächsten Bundestagswahl. All das hält Gas- und Ölheizungen künstlich am Leben. Das Ministerium plant im GMG sogar nur bis 2040 (60 Prozent grün) und damit nicht einmal bis 2045 – jenem Jahr, in dem Deutschland keine Emissionen mehr ausstoßen darf.</p><p>Funfact: Dänemark hat schon 2013 (!) den Einbau von Öl- und Gasheizungen in Neubauten verboten. Bei Österreich gilt das seit 2020, bei Gas seit 2023. Auch Frankreich folgte kürzlich. In Deutschland machen wir mit dem GMG wieder einen Schritt zurück.</p><p>Aufhalten kann die Bundesregierung den Siegeszug der Wärmepumpen nicht – höchstens verzögern. Jedes Jahr steigen die Verkaufszahlen, und 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft. Im ersten Quartal wuchsen die Verkäufe in elf europäischen Ländern um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, berichtet der Bundesverband Wärmepumpe. In Frankreich, Polen und Deutschland lag das Plus sogar bei bis zu 25 Prozent.</p><p><strong>Schäffler bietet seine “Führung” an</strong></p><p>Leider konnten wir nicht erfahren, wie Schäffler nun in seinem norddeutschen “Dümmer Bauernhof” heizt. Dort jedenfalls verbringt er viel Zeit, wie die Kreiszeitung in einem Beitrag über den Kandidaten verrät. Schäffler segele dort gerne und ist “Hobby-Imker und Autor politisch-gesellschaftlicher Bücher”. Nun will der FDP-Politiker Bürgermeister werden, weil er findet, „es fehlt ein bisschen an Führung“. Seit dem Rausschmiss der FDP aus dem Bundestag ist es auch für Schäffler aber erstmal vorbei mit der großen Politik in Berlin.</p><h4><strong>Unsere Zugabe</strong></h4><p><strong>Bremser der Woche: </strong>Die hohen Ölpreise spülen derzeit immense Gewinne in die Kassen von Konzernen wie TotalEnergies und Shell. Shell verdoppelte seinen Quartalsgewinn, TotalEnergies steigerte den Profit um mehr als 50 Prozent. Dabei schreckte der französische Konzern nicht davor zurück, die Pariser Regierung unter Druck zu setzen: Sollte sie eine Steuer auf Krisengewinne einführen, werde man die Spritpreise erhöhen, drohte der Chef. Langfristig könnte das zwar die Energiewende beschleunigen, weil höhere Kosten den Verbrauch senken. Doch TotalEnergies Reaktion zeigt vor allem eines: die enorme Macht der Branche. Während Bürgerinnen und Bürger und Regierungen im Krisenmodus leben, geht es den Großkonzernen prächtig.</p><p><strong>Der Kassandra-Ruf:</strong> Eine weltweite Ernährungskrise droht: Laut einem Bericht des <a href="https://www.ifpri.org/blog/will-the-iran-crisis-lead-to-another-round-of-food-price-spikes/?utm_medium=email&amp;_hsenc=p2ANqtz-87_c4urjPncqZMel8jevXdVgnIKIiOY9oThkCclaLUQXkfsl02LrQ7lz3VxfHKS7xvf5mVfRsx4CefoaLgYGRkbQumJ1eDySudPGAPuihiUHQEyXM&amp;_hsmi=135004651&amp;utm_content=135004651&amp;utm_source=hs_email">Washingtoner Welternährungsinstituts IFPRI</a> stocken seit der Sperrung der Hormus-Enge Düngemittellieferungen, die Preise stiegen um 40 Prozent (<em>mehr dazu auf S.88 in der “</em><a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8"><em>Milliardenlobby</em></a><em>”, im Kapitel “Dünger, Dieseltraktoren und die Landwirtschaftslobby”</em>). Gleichzeitig meldet die Weltwetterorganisation WMO bereits erste Anzeichen für einen Super-El-Niño. Das Phänomen könnte extreme Trockenheit oder Überschwemmungen in der Pazifikregion auslösen, vor allem in Australien, Indonesien und Teilen Südamerikas. Dort drohen Missernten, die die Preise für Nahrungsmittel weiter nach oben treiben – auch hier in Deutschland. (<em>Mehr dazu hier im </em><a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klima-2026-koennte-ein-super-el-nino-entstehen-was-das-fuer-deutschland-bedeutet-a-f267ce0a-dd48-4194-98fd-61e348e27228"><em>SPIEGEL</em></a>)</p><p><strong>Empfehlung der Woche: </strong></p><p>Die Philosophin Eva von Redecker hat ein bemerkenswert interessantes Buch geschrieben: <a href="https://www.fischerverlage.de/buch/eva-von-redecker-dieser-drang-nach-haerte-9783103977240">“Dieser Drang nach Härte</a> - über den neuen Faschismus.” Sie erklärt eindrücklich, wie Tech-Milliardäre und Faschisten ticken. Ihrer Analyse zufolge setzt sich das fossile Zeitalter nicht nur fort, sondern dehnt sich aggressiv aus. Wir stecken, so von Redecker, in einem irrationalen Wettlauf der Zerstörungswut. Unbedingt lesenswert. </p><p><strong><em>Bleibt heiter und stabil!</em></strong></p><p>Herzlich,</p><p>Annika und Susanne</p><p></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/0bffb484-9e17-491b-9b37-5c6ae18f271e/uploads/images/is4pb6c2bl/Frank-Scjhaffler-Extrawurst.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
      <link>https://steady.page/44dd262b-58e2-460e-b3fa-5cf982c30c2b/posts/0bffb484-9e17-491b-9b37-5c6ae18f271e</link>
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      <pubDate>Sun, 10 May 2026 16:25:46 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Herzlich willkommen zum zweiten Milliarden-Briefing]]></title>
      <description><![CDATA[Wir sind überwältigt von der großen Zahl an Abonnentinnen und Abonnenten unseres neuen Newsletters. Herzlichen Dank für Euer Interesse!  Heute geht es um…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wir sind überwältigt von der großen Zahl an Abonnentinnen und Abonnenten unseres neuen Newsletters. <br/>Herzlichen Dank für Euer Interesse! </p><p>Heute geht es um Wirtschaftsministerin <strong>Reiche</strong>, ihren Lebenspartner und Multi-Investor <strong>Theodor zu Guttenberg</strong> und wie die <strong>Gaslobby</strong> die Krise nutzt, um Klimaschutz zu torpedieren.</p><p>Kürzlich fragte eine Freundin, ob wir als Energieexpertinnen wüssten, wie sie ein kleines Ölfass in der Garage lagern könnte. Falls bald das Benzin an der Tankstelle ausgehen sollte. Diese Prepper-Idee wirkte wie ein Miniaturbild dessen, was wir im Großen erleben: Die schwerste Energiekrise der Geschichte hält an. Es könnte Monate dauern, bis die <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/iran-krieg-iea-chef-warnt-vor-der-groessten-bedrohung-fuer-die-energiesicherheit-in-der-geschichte-a-1bf56e8d-c554-477d-9460-a04433685d7e">Minen aus der Straße von Hormus</a> geräumt oder die Friedensverhandlungen erfolgreich sind. Trotzdem klammert sich unsere Bundesregierung an Verbrenner-Autos und Gasheizungen, statt entschlossen auf erneuerbare Energien zu setzen, um weniger abhängig von Importen zu werden. Ein neu aufgelegtes 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr, ein Tempolimit oder eine höhere Förderung für Wärmepumpen könnten den Öl- und Gaskonsum zeitnah senken. </p><p>Diese Energiekrise legt die Risiken fossiler Lieferketten offen und bietet die Chance, die Energiewende zu beschleunigen. Viele Länder tun das auch bereits, etwa Frankreich und Großbritannien. Doch Krisen schüren auch Panik und verunsichern viele Menschen. Und es profitieren ausgerechnet die Verursacher des Problems: Öl- und Gasunternehmen. <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214629625003020">Laut einer Studie</a> hat sich der Börsenwert von über tausend fossilen Energiekonzernen in der Gaskrise von 2022 verdreifacht. Das wiederholt sich gerade.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04f51c0a-b693-4c56-9fea-ceae66ec8d72/uploads/images/a34v6xjgzb/Methanbild.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ausweichendes Methan aus einer Gasproduktionsstätte. &quot;1 : 1 die Forderungen der Gaslobby durchgesetzt&quot;
Credit: Deutsche Umwelthilfe"/><figcaption>Ausweichendes Methan aus einer Gasproduktionsstätte. &quot;1 : 1 die Forderungen der Gaslobby durchgesetzt&quot;
Credit: Deutsche Umwelthilfe</figcaption></figure><p>Gleichzeitig nutzen etwa Gaskonzerne und ihre Lobbyverbände die Krise, um Klimaschutz zu verwässern. Susanne hat so einen Fall für den SPIEGEL recherchiert (<a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/methan-dokumente-zeigen-wie-gaskonzerne-den-klimaschutz-in-der-eu-ausbremsen-wollen-a-f7ec2615-a3cc-47ac-8a3d-1bac546f10ee">lest hier die vollständige Geschichte</a>). Derzeit drängt die <strong>Gaslobby</strong> auf eine Aufweichung der Methanverordnung – angeblich wegen des Irankriegs. Dabei geht es um etwas Selbstverständliches: Unternehmen sollen laut neuen EU-Klimaregeln Lecks an Pipelines und Gasanlagen schließen, damit das starke Treibhausgas nicht entweicht. Lobbyverbände wie Eurogas versuchen seit Monaten, das zu kippen. Die Energiekrise liefert ihnen nun den willkommenen Vorwand. Ihre Lehre aus der Energiekrise: <strong>Mehr Erdgas, weniger Klimaschutz. </strong></p><p>Dass die Gaslobby versucht, Klimaschutz zu torpedieren, ist erwartbar. Doch erschreckend ist, dass die deutsche Wirtschaftsministerin diese Argumente übernimmt: »Das EU-Recht, wie zum Beispiel die Methanverordnung, dürfen verlässliche Energielieferungen nach Deutschland nicht behindern«, sagte Reiche Ende April. Dies könne Partnerländer daran hindern, Flüssigerdgas nach Europa zu liefern. </p><p><strong>Surprise: Das ist 1:1 die Forderung von Eurogas &amp; Co.</strong></p><p>Dabei entweicht auch in Deutschland täglich Methan in die Atmosphäre – und kaum einer bekommt es mit. Bereits vor fünf Jahren waren wir dem unsichtbaren Klimakiller auf der Spur. Damals begleiteten wir James Turitto bei seiner Suche nach Methanlecks in der Gasverdichterstation im brandenburgischen Mallnow (<a href="https://www.zeit.de/2021/26/methan-deutschland-industrieanlagen-schaeden-klimawandel/komplettansicht">Lest hier unsere Story</a>). Mit einer Spezialkamera filmte der Umweltschützer undichte Stellen im Erdgasnetz. </p><p>Reiches fossile Agenda wirkt nun angesichts der Energiekrise noch reaktionärer: Sie will ein neues Heizungsgesetz durchdrücken, das weiter Öl- und Gasheizungen erlaubt, befürwortet eine höhere Pendlerpauschale, die ausgerechnet Fahrer großer Verbrennerautos begünstigt. Zugleich bremst sie beim Ausbau von Erneuerbaren: Private Solaranlagen sollen nicht mehr gefördert und Betreiber von Windparks teilweise kein Geld mehr erhalten, wenn ihre Anlagen abgeregelt werden. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04f51c0a-b693-4c56-9fea-ceae66ec8d72/uploads/images/gbvmbokpur/KAS-Reiche__Katherina-Bild-19709-klein.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Katherina Reiches Wahlplakat von 1998 - damals versprach sie &quot;frischen Schwung&quot;

Credit: WikiCommons"/><figcaption>Katherina Reiches Wahlplakat von 1998 - damals versprach sie &quot;frischen Schwung&quot;

Credit: WikiCommons</figcaption></figure><p>Bei diesen vielen Fehlentscheidungen lohnt sich ein Blick auf <strong>Reiches Agenda und Netzwerk</strong>. Natürlich sind wir nicht die einzigen Journalistinnen, die Ministerin Reiche genauer prüfen. Doch diese Woche erreichte uns ein besonders brisanter Hinweis: ein möglicher Interessenkonflikt, der ihren Lebensgefährten Karl-Theodor zu Guttenberg betrifft, einstige CSU-Hoffnung, inzwischen <a href="https://www.guttenberg.media/"><strong>Selbstvermarkter</strong></a><strong> und Multi-Investor.</strong> In ihren Rollen als Wirtschaftsministerin und Investor dürfen die beiden einander nicht zu nahe kommen. Schließlich vergibt Reiche Fördermilliarden an Unternehmen, während Guttenberg Unternehmen besitzt oder in diese investiert. </p><p><strong>Und nun zum brisanten Fall:</strong> Guttenberg sitzt im <a href="https://www.handelsblatt.com/finanzen/learnd-se-millionen-aerger-um-aktiendeals-bei-josef-brunners-start-up-learnd/100147874.html)">Aufsichtsrat der Firma Learnd</a>, die in Gebäudetechnik investiert. Learnd gehört unter anderem dem <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/josef-brunner-vom-baeckersohn-zum-maerchenerzaehler-a-c4e96aac-414b-4ef7-acde-5d68a1fae382">Industriemanager Gisbert Rühl</a>. Diese Person wiederum kennen beide, Investor Guttenberg und Ministerin Reiche: Ihr Wirtschaftsministerium gab im vergangenen September <a href="https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/startup-factories-gewinner.html">zehn Millionen Euro</a> an die Bryck Startup Alliance aus dem Ruhrgebiet. Leiter des Beirats von <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/start-ups-ein-old-boys-netzwerk-will-dem-ruhrgebiet-50-000-neue-arbeitsplaetze-schaffen-a-aa7787b6-2c9b-4c62-a734-8eb24873748f">Bryck</a>? Gisbert Rühl, der Vertraute von Guttenberg. Er soll der “Rainmaker” des Ruhrgebiets werden (O-Ton <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/start-ups-ein-old-boys-netzwerk-will-dem-ruhrgebiet-50-000-neue-arbeitsplaetze-schaffen-a-aa7787b6-2c9b-4c62-a734-8eb24873748f">Spiegel</a>) und 1000 Start-ups in die Region holen – eines der größten Gründerprojekte Deutschlands. Beteiligt an der Allianz ist auch die RAG-Stiftung, Verwalterin des westdeutschen Steinkohleerbes.</p><p>Kurz gesagt: Das Projekt eines Geschäftspartners von Guttenberg bekommt Fördergelder aus dem Ministerium seiner Partnerin.</p><figure><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2017-09-06_CSU_KT_zu_Guttenberg_666.JPG"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04f51c0a-b693-4c56-9fea-ceae66ec8d72/uploads/images/sf4brl4cbz/2017-09-06_CSU_KT_zu_Guttenberg_666.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Karl-Theodor zu Guttenberg"/></a><figcaption>Multi-Investor Guttenberg, hier vor rund neun Jahren: &quot;Habe nie mit Katherina Reiche über die Fördermillionen gesprochen&quot;
Credit: Wikimedia-Commons</figcaption></figure><p>Das Ministerium teilt auf Anfrage mit, es gebe „grundsätzlich keinen direkten Kontakt der Unternehmen mit dem Ministerium“. Herr Rühl stehe einem Gremium vor, das “nach ihren Informationen” rein beratend tätig sei. Außerdem habe eine externe Jury das Projekt allein nach fachlichen Kriterien bewertet. Interessenkonflikte seien ausgeschlossen. <br/>Zu Guttenberg erklärt uns per Mail, er habe mit seiner Partnerin nie über Bryck Alliance gesprochen – bis zu unserer Anfrage habe er die „Alliance“ nicht einmal gekannt.</p><p><strong>Das überrascht</strong>: Als Investor und Geschäftspartner von Rühl könnte Guttenberg von diesem “europäischen deep tech powerhouse” <a href="https://bryckstartupalliance.com/about-us/">(O-Ton Bryck Alliance)</a> erfahren haben. Die Nähe von Guttenberg zu einer zentralen Figur des Bryck‑Netzwerks lässt potenzielle Interessenkonflikte erkennen – auch wenn sich ein direkter Einfluss auf die Bescheidung nicht nachweisen lässt. </p><p>Dass Journalistinnen bei Reiche besonders gründlich nach Interessenkonflikten suchen, hat einen Grund: Ihre Entscheidungen sind angesichts der hohen Abhängigkeit Deutschlands offenbar nur noch mit <strong>Sturheit, Ideologie</strong> – oder eben <strong>massivem Lobbyeinfluss </strong>oder <strong>Interessenkonflikten </strong>zu erklären. </p><p>Manche Menschen horten deshalb Ölfässer in der Garage. Doch seit Kriegsbeginn kaufen viele Deutsche auch massenhaft Solaranlagen – allein 50.000 neue Balkonkraftwerke seit März, einige Ökoanbieter berichten von einer verdoppelten Nachfrage nach Dach-PV und Stromspeichern, auch gab es 66 Prozent mehr E-Auto-Verkäufe. So geht schlaues Energiekrisen-Preppen.  <br/></p><p><strong>Bremser der Woche: </strong>Die Kreuzfahrtbranche. Sie stellte im vergangenen Jahr wieder einen Rekord auf – und begrüßte 37 Millionen Passagiere. Deutsche sind nach US-Amerikanern die <a href="https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/kreuzfahrt-deutschland-ist-zweitgr%C3%B6%C3%9Fter-markt-nach-den-usa/ar-AA21GBmz">größten Fans </a>der Urlaubsschiffe – Schiffe, die weitestgehend noch <a href="https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/schifffahrt/kreuzschifffahrt/kreuzfahrtranking.html">mit Schweröl </a>fahren. Doch auch die Branche ist von Irankrieg betroffen: Iranische Revolutionsgarden bedrohten das leere Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4&quot; in der Straße von Hormus mit den Worten: „Wir werden schießen und euch zerstören.&quot; </p><p><strong>Der Kassandra-Ruf: </strong>Setzt sich der Krieg am Golf mit unverminderter Härte fort, droht eine Ölpest – vor allem, wenn weiterhin beladene Tanker unter Beschuss geraten. Das passierte bereits mehrmals in den vergangenen Wochen. Aus dem All gibt es bereits erste Satellitenbilder, die Ölschlieren zeigen. (<a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/iran-krieg-oelteppich-bedroht-unesco-weltnaturerbe-an-golfkueste-a-769ed608-1fd0-4711-860c-6b543eb93785">Mehr dazu lest Ihr hier im Bericht von Susanne</a>)</p><p><strong>Hoffnung der Woche: </strong>Immer mehr Länder, darunter Frankreich, entwickeln konkrete Pläne, um die Elektrifizierung voranzutreiben. <a href="https://ieefa.org/resources/iran-conflict-cutting-long-term-role-lng-asia">In einigen Ländern wie Vietnam</a> wurden sogar schon Pläne für Gaskraftwerke gekippt. Das Ziel: die Abhängigkeit von Öl und Gas grundsätzlich zu verringern. Richtig so.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/04f51c0a-b693-4c56-9fea-ceae66ec8d72/uploads/images/a34v6xjgzb/Methanbild.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 26 Apr 2026 17:12:52 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Milliarden-Briefing - Fossile Macht. Unbequeme Wahrheit.]]></title>
      <description><![CDATA[Jeden zweiten Sonntag erfahrt Ihr direkt aus unseren Recherchen: Wer bremst die Energiewende – und was zählt jetzt? Abonniert uns und empfehlt uns gerne weiter.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Willkommen zum Milliarden-Briefing: Fossile Macht. Unbequeme Wahrheit.</h1><p>Unser Newsletter startet! In diesen dramatischen Zeiten nehmen wir, <strong>Annika Joeres</strong> und <strong>Susanne Götze</strong>, euch alle zwei Wochen mit: in die Hinterzimmer der Macht, zu Ölfeldern im Irak, zu bizarren Treffen Rechts-Autoritärer und zu schmutzigen Energie-Deals. Immer sonntags bekommt Ihr exklusive Einblicke ins „making of“, wie und wo wir unterwegs sind oder waren – und was wir alle daraus lernen können. Wir benennen, was Sache ist. Und zeigen, was Hoffnung macht.</p><p>Seit über 20 Jahren arbeiten wir als Journalistinnen – Annika heute für <strong>Correctiv </strong>und<strong> DIE ZEIT</strong>, Susanne für den <strong>SPIEGEL. </strong>Gemeinsam haben wir fünf Bücher und zahlreiche Beiträge veröffentlicht, uns durch schwierige Recherchen gekämpft und wurden mehrfach ausgezeichnet. Die aktuelle Energiekrise haben wir früh kommen sehen. Manche Kollegen und Leserinnen nennen uns deshalb scherzhaft „Kassandras“ – nach der griechischen Priesterin, deren oft eintretenden Prophezeiungen niemand glaubte. Schon 2025 haben wir in gleich zwei Büchern die Risiken der aktuellen Energiekrise durch den Irankrieg beschrieben. In <strong>“</strong><a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8"><strong>Die Milliarden-Lobby”</strong></a> (Piper) zeigen wir, wie fragil die weltweiten Lieferketten von Öl und Erdgas sind. Und in der Einleitung von <strong>“</strong><a href="https://www.oekom.de/buch/die-sicherheitsluege-9783987261978"><strong>Die Sicherheitslüge</strong></a><strong>”</strong> (Oekom) warnten wir bereits Monate vor dem Irankrieg, dass die Straße von Hormus ein sicherheitspolitisches Pulverfass werden könnte. Wir gehen seit Jahren der Frage nach, warum Länder wie Deutschland, die kaum eigene Öl- und Gasfelder besitzen, noch immer an Verbrenner-Autos, Gasheizungen und konventionellen Lebensmitteln hängen. Das verfolgen wir bereits seit unserem ersten Buch und Longseller <strong>“</strong><a href="https://www.piper.de/buecher/die-klimaschmutzlobby-isbn-978-3-492-31502-9"><strong>Die Klimaschmutzlobby</strong></a><strong>”</strong>.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Briefing abonnieren</a></p><p>Uns verbindet eine Leidenschaft: journalistische Detektivarbeit. Wir decken auf, wer in Deutschland, der EU und weltweit die Energiewende ausbremst, mit welchen Mitteln die fossile Lobby blockiert und warum Regierungen den Klimaschutz befördern oder abwürgen.</p><blockquote><p>Trump als Klimaschützer – wer hätte das gedacht?</p><p></p></blockquote><p>Warum dieser Newsletter? Weil wir genau jetzt einen außergewöhnlichen Moment erleben, den wir alle verstehen sollten: Rechts-autoritäre Regierungen in den USA, konservative wie in Frankreich oder Deutschland setzen weiterhin auf fossile Energien, vorrangig Erdgas und Öl. Gleichzeitig zeigt der Krieg in Iran, wie brüchig dieses System ist – mit seinen Tankern, die Meerengen durchqueren müssen, Pipelines und Ölfeldern im Nahen Osten. Und ausgerechnet der bekennende Klimawandelleugner Donald Trump, der einst mit dem Slogan „Drill, Baby, Drill“ warb, könnte die Energiewende ungewollt stärker befördern als viele Politiker vor ihm.</p><p>Für die Ärmsten dieser Welt ist die aktuelle Krise eine Tragödie. Doch sie birgt auch eine Chance – die <strong>weltweite Energiewende zu beschleunigen</strong>.</p><p>Frankreich legt bereits einen Elektrifizierungsplan vor, der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle forderte, die Anstrengungen für mehr Wind- und Solarkraftwerke zu verdoppeln, die Europäische Kommission betont so deutlich wie nie, dass Europa von fossilen Energien unabhängig werden muss. Und in Asien sagen erste Länder ihre Pläne für neue Gaskraftwerke ab und setzen auf Windparks und Batteriespeicher.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cec53701-1d08-4323-aa12-161928f8159e/uploads/images/7xnttwpcgw/Annika_Susanne_Duo.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Susanne Götze (links), Annika Joeres</figcaption></figure><p>Zu uns: Wir leben in Berlin, Südfrankreich und manchmal auch in Argentinien. Die eine baut einen Selbstversorgergarten an, ist ausgebildete Wanderführerin und kennt Europas Nachtzüge in- und auswendig. Die andere tourt mit ihrem Musiker durch Buenos Aires, liebt Recherchen in fernen Ländern und berichtete bereits von über zehn Weltklimakonferenzen. Annika liest Bücher rund um Landwirtschaft, Susanne taucht gern in die Menschheitsgeschichte ein. Beide verschlingen wir alles, was mit Energiepolitik und Lobbyismus zu tun hat. Wenn wir unsere Erfahrungen, Lektüren und Quellen zusammenführen, entsteht für Euch: das ganze Bild. Oder, wenn Ihr wollt: das Kassandra-Bild.</p><blockquote><p>Willkommen im Milliarden-Club! </p><p></p></blockquote><p>In den kommenden Newslettern führen wir euch an den Persischen Golf – zu den Quellen des Erdöls – und beleuchten die fragwürdigen Verflechtungen zwischen einem prominenten Wasserstoff-Experten und der Stahlindustrie. <br/>Also, bleibt dran, abonniert unseren Newsletter! Und empfehlt uns gerne weiter.</p><p><a href="https://steady.page/de/milliarden-briefing/newsletter/sign_up">Briefing abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 19 Apr 2026 10:59:40 +0000</pubDate>
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