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Das knappe Gut Arbeit · Links – Deutsch / Deutsch – Links · Hettche: Liebe · Masculinization · Schönthaler: Mysteria Hysteria · Vatikan zur KI · Miosga/Merz · Mary-Jane: Infermezzo · Anne-Sophie Mutter: East Meets West

Salon April 2026 — Die Neuen Zwanziger

Vor dem Salon ziehen Stefan und Wolfgang Bilanz nach einem Jahr Friedrich Merz und arbeiten sich an einem Deutschlandfunk-Gespräch mit Mariam Lau ab. Im Salon stehen mit Florian Butollos »Das knappe Gut Arbeit« und dem von Pauline Voss und Julian Reichelt herausgegebenen Wörterbuch »Links – Deutsch / Deutsch – Links« zwei Hauptbücher im Mittelpunkt; daneben kommen Kurzlektüren zu Hettche, einer PNAS-Studie zur Demografie, Schönthaler, zwei Vatikan-Texten zu KI, der Miosga-Sendung mit Friedrich Merz, einem Substack-Essay zu KI-Wartezeiten sowie Anne-Sophie Mutters neuem Album zur Sprache.

00:00:00 Vor dem Salon

Wolfgang eröffnet mit einer Frage zur Stabilität der Koalition und kündigt an, dass er für den Salon die Fragen aus dem Interview von Caren Miosga mit Friedrich Merz transkribiert hat, um sie als Text gemeinsam zu lesen. Stefan zieht eine Bilanz nach einem Jahr Merz und vertritt die Position, dass ein Siebzigjähriger für das Kanzleramt strukturell zu alt sei, woraufhin Wolfgang einwendet, ein vierzigjähriger Merz wäre nach Lektüre seines früheren Buchs zum Sozialstaat kaum besser gewesen. Anhand mehrerer Audioausschnitte aus einem Deutschlandfunk-Gespräch mit Mariam Lau (Die Zeit) kritisieren beide deren Aussage, Merz hätte seine Stimmungen besser nachrecherchieren sollen und es sei an seinen Ausfällen zu Zahnbehandlung, Migration und Stadtbild stets etwas Wahres dran. Stefan widerspricht mit Zahlen zu Migrationsanteil, Sozialkasseneinzahlungen und Altersstruktur der migrantischen Bevölkerung; Wolfgang bezeichnet Laus Diagnose einer ideologischen Nähe von Merz und Klingbeil unter dem Schlagwort Wachstum als Verblödung. Stefan greift eine Rede von Papst Leo XIV. zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel auf, in der dieser von „nicht gedachten Gedanken" spreche, und überträgt den Begriff auf den deutschen Politikjournalismus. Abschließend stellt Wolfgang die Salonlektüre vor und weist auf den Live-Podcast am 22. August in Frankfurt hin.

00:35:45 Salon für April 2026

Wolfgang und Stefan kündigen die Lektüren des April-Salons an: zwei Hauptbücher (Butollo und Voss/Reichelt) sowie sieben Kurzlektüren von Hettche und Schönthaler über die PNAS-Demografiestudie und zwei Vatikan-Texte bis zu Miosga, dem ACOPALYPSE-Essay und Anne-Sophie Mutters neuem Album.

00:36:42 Florian Butollo: Das knappe Gut Arbeit

Stefan und Wolfgang besprechen das in der Edition Suhrkamp erschienene Buch des Arbeitssoziologen Florian Butollo, der den Diagnosen einer drohenden KI-bedingten Massenarbeitslosigkeit – wie sie etwa von Richard David Precht oder im Silicon-Valley-Diskurs um das bedingungslose Grundeinkommen vertreten werden – widerspricht und stattdessen eine dauerhafte Arbeitskräfteknappheit als Strukturmerkmal kommender kapitalistischer Entwicklung beschreibt. Butollos Argumentation stützt sich auf Rebound-Effekte der Automatisierung (entlehnt aus der ökologischen Debatte um LED-Beleuchtung und Energieeffizienz), den demografischen Wandel mit prognostiziertem Rückgang der Erwerbsbevölkerung um über 20 Prozent in Deutschland bis 2060 sowie auf die kaum automatisierbare soziale Reproduktionsarbeit in Pflege, Erziehung und Gesundheitswesen, in denen die Beschäftigungszahlen seit 2000 um bis zu 85 Prozent gestiegen sind. Wolfgang ordnet Butollo in eine marxistische Tradition ein, vermisst aber die Werttheorie und betont das Mismatch zwischen einer Million Langzeitarbeitsloser und unbesetzten Stellen in Pflege, Kita und Verwaltung sowie das Beispiel des Fernfahrermangels trotz angekündigter Automatisierung. Stefan kritisiert die fehlende Empirie, die Redundanz der Thesen und die Verweise auf Marx, Weber, Durkheim, Luhmann, Schimank, Habermas und Beck bis hin zu einer Würdigung von Armin Nassehis Theorie der digitalen Gesellschaft, die er für überflüssige Theorie-Magie hält. Querverweise gehen unter anderem auf David Graebers Bullshit-Jobs (von Butollo neu gefasst als gemeinwohlfern, aber kapitalistisch funktional), Branko Milanović, Christian Uhle, Patrick McGees »Apple in China«, die Agenda 2010, Friedrich Merz als Kind der 90er-Jahre-Diagnostik, Karl Lagerfeld und Fast Fashion sowie Constanze Kurz und Frank Riegers »Arbeitsfrei«; Stefan zitiert zudem Papst Franziskus mit dem Satz, neu sei nicht das Götzenanbeten, sondern dass die Götzen nun reden. Beide stimmen Butollos Forderung nach planwirtschaftlicher Reallokation von Arbeit, Steuerung jenseits der Marktkräfte und einer Aufwertung sozialer Berufe zu, sehen aber ein Paradox: Trotz steigender Marktmacht der Beschäftigten bleiben Löhne stagnierend, Gewerkschaften schwach und der Arbeitskampf granular-individualisiert. Stefan setzt dem Buch entgegen, dass die KI keine Ko-Evolution aus sozialer Frage und technischer Antwort sei, sondern eine rücksichtslose Entdeckung mit universellem, kommunikativem Charakter, deren entscheidende Eigenschaft nicht Intelligenz, sondern Fleiß sei – ein Potenzial, das Butollo zu schnell wegwische, wodurch das Buch trotz inhaltlicher Zustimmung politische Traktion verliere.

02:14:16 1 Minute – Florian Butollo: Das knappe Gut Arbeit

Wolfgang fasst zusammen, dass Florian Butollo den Prognosen einer KI-bedingten Massenarbeitslosigkeit widerspricht und durch demografischen Wandel und Rebound-Effekte der Automatisierung eine sich weiter verschärfende Knappheit der Arbeit diagnostiziert, während Stefan ergänzt, dass das Buch das eigentliche Potenzial der KI – ihren rücksichtslos ausbeutbaren Fleiß – übersieht und dadurch politische Traktion verliert.

02:16:07 Voss/Reichelt (Hrsg.): Links – Deutsch / Deutsch – Links

Wolfgang führt den Sammelband ein, herausgegeben von Pauline Voss und Julian Reichelt aus dem Umfeld des Mediums Nius und erschienen im Westend-Verlag, mit Beiträgen unter anderem von Henryk M. Broder, Gloria von Thurn und Taxis, Wolfgang Kubicki, Waldemar Hartmann, Birgit Kelle, Norbert Bolz, Harald Martenstein, Marc Friedrich, Joachim Steinhöfel, Ralf Schuler und Claudio Casula. Wolfgang ordnet das nach Mario Barths »Frau-Deutsch / Deutsch-Frau« gestrickte Wörterbuchformat in eine Tradition von Sternberger/Storz/Süskinds »Aus dem Wörterbuch des Unmenschen« und Victor Klemperers LTI ein und liest es als Programmatik einer möglichen schwarz-blauen Koalition aus AfD (ohne Höcke) und Teilen der CDU. Stefan beschreibt das Buch als idiosynkratische Sprache einer abgeschlossenen Nius-Blase, der die Verankerung in der Realität und die für ein Wörterbuch übliche Quellenangabe und Historisierung fehle, und kontrastiert das mit Jan Fleischhauer, Ulf Poschardt und Springer/Döpfner als noch in den Mainstream eingebundenen Akteuren. Beide gehen exemplarisch Lemmata durch: »Transfrau« (Erklärung lediglich „Mann"), »Faktenchecker«, »Morddrohung«, »Das Auto«, »Nonbinär«, »Aktivist«, »Der/die Geflüchtete«, »Body Positivity«, »Südländer«, »Technofaschismus«, »Fachkraft« (Pauline Voss' fiktive Schilderung eines „Eritreischen Physikerkongresses in Gießen"), »Gemeinwohl« (Kubicki mit Anekdote zu Ralf Stegner und Vermögensteuer) sowie »Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte« (Ralf Schuler) und »Framing« (Marc Friedrich). Wolfgang arbeitet heraus, dass alles als links markiert werde, was jenseits einer bürgerlichen schwarz-blauen Koalition liege, dass die Ökonomie, Kapital-Arbeit-Verhältnis und Umverteilung systematisch ausgeblendet würden und dass die Beiträge eine transatlantische Ausrichtung im Sinne von Pete Hegseth, J. D. Vance, Curtis Yarvin, Peter Thiel und Marc Andreessen bedienten, inklusive Bestreitung eines Genozids im Gazastreifen (Casula) und der Forderung eines „neutralen" Verfassungsschutzes im Sinne Hans-Georg Maaßens. Stefan bringt als Gegenfolie Frankfurt-Offenbach mit ein, wo ein hoher Ausländeranteil und ein AfD-Kommunalwahlergebnis von rund 5 Prozent gegen die These eines linkshegemonialen Sprachregimes stünden, und verweist auf Stefan Niggemeiers Kommentar zur Sprachfrage „Flüchtende". Beide ziehen die Parallele zu Hoss & Hopf als wahllos aufschlagbarem Format und konstatieren ein Prinzip der Wiederholung über Gender, Queer, LGBTQ, Trans und Nonbinär hinweg; Stefan liest das Buch als rechte Utopie, in der ständig umverteilt und gegendert werde, Wolfgang als Gründungsdokument einer fiktionalen schwarz-blauen Politik, die die ökonomische Realität konsequent ausblende.

03:15:18 1 Minute – Voss/Reichelt: Links – Deutsch / Deutsch – Links

Wolfgang fasst zusammen, dass die Nius-Redaktion ein als Koalitionsprogramm einer möglichen blau-schwarzen Koalition aufschlussreiches Wörterbuch vorgelegt habe, dessen Pointen selten funktionierten und das eine fiktionale Politik dokumentiere, während Stefan ergänzt, er habe das Buch als rechte Utopie gelesen, die der Realität nicht standhalte, und zum Nichtkauf rate.

03:17:10 Thomas Hettche: Liebe

Wolfgang stellt den schmalen Roman von Thomas Hettche (Kiepenheuer & Witsch, 170 Seiten) vor und akzentuiert ihn als verdichteten, poetischen Text, der sich an das große Gefühl und an Goethe und Hegel heranwage. Erzählt werde die Geschichte von Max, einem Okularisten, der Glasaugen anfertigt, und Anna, beide Anfang sechzig, die einander begegnen und sich verlieben, obwohl Anna verheiratet ist. Wolfgang widerspricht der Lesart, es handele sich um einen Roman über die Liebe im Alter, und betont, Hettche gehe vom konkreten Paar aus, um Universelles über die Liebe zu sagen. Als Querverweis liest er eine längere Passage des Wiedersehens auf einem geschlossenen Weihnachtsmarkt in Stralsund und zitiert Hegels Frühschrift »Fragmente über Liebe und Religion« mit dem Motiv des Trennenden, das in der Liebe als Scham erscheine.

03:27:03 Schubert et al. (PNAS): Masculinization of Populations Reverses Sex Differences in Fertility

Stefan referiert den im April 2026 in PNAS erschienenen Aufsatz von Henrik-Alexander Schubert (Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock) und Mitautoren, der rechnerisch zeige, dass 2024 erstmals die globale weibliche Fertilitätsrate die männliche überschreite und eine Rückkehr zur Parität bis 2100 unwahrscheinlich sei. Er erläutert das mathematische Modell anhand eines Männerüberschusses (zehn Frauen, zwölf Männer mit zwanzig Kindern) und nennt Länder mit besonders ausgeprägter Schieflage, darunter China, Korea, Indien sowie Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, wo männlich dominierte Arbeitsmigration die Bevölkerungsstruktur verschiebe. Stefan akzentuiert das Kinderkriegen als Chiffre für Matching überhaupt und verweist auf die im Text genannten sozialen Folgen: höhere männliche Kinderlosigkeit, Kriminalität, instabilere Partnermärkte und politische Radikalisierung junger, unverpartnerter Männer. Wolfgang ergänzt den Bildungsabstand zwischen Frauen und Männern und prägt im Gespräch die Formel vom „knappen Gut Frau". Als Anschluss markiert Stefan den fehlenden Forschungsstand zum Kinderwunsch der Männer, den Abstand zwischen tatsächlicher (1,4) und gewünschter (2,4) Kinderzahl in Deutschland und die Querverbindung zur ostdeutschen Abwanderung junger Frauen.

03:38:11 Philipp Schönthaler: Mysteria Hysteria

Wolfgang empfiehlt die 43 Seiten kurze Novelle von Philipp Schönthaler (Matthes & Seitz) und beschreibt die unerhörte Begebenheit: Ein namenloser Lektor stößt in einer von KI durchdrungenen Verlagswelt auf ein Manuskript, das die Software in allen Kategorien negativ bewerte und das er bereits routinemäßig abgelehnt habe, von dem er aber nicht lassen könne, weil er darin die Handschrift seiner Jugendliebe Elektra zu erkennen meine. Wolfgang akzentuiert den klugen Bau des Textes: Schönthaler verschränke die Sehnsucht nach der vergangenen Liebe mit der Frage, ob Textproduktion noch ein Subjekt erkennen lasse oder bereits generisch geworden sei, und arbeite stilistisch häufig mit Schrägstrichen, die alternative Lesarten und Verzweigungen markierten. Der Lektor reise nach Rügen, um Elektra zu suchen, und reflektiere dort, ob er einst ihre Texte mit ihrer Person verwechselt habe. Als Querverweis stellt Wolfgang den Text als literarische Auseinandersetzung mit KI, Verlagsökonomie und der Frage doppelter Kontingenz neben die zuvor besprochenen Themen.

03:45:13 Vatikantexte (Papst Leo XIV.: Welttag der sozialen Kommunikationsmittel · »Antiqua et nova«)

Stefan referiert zwei Vatikan-Texte zur Frage von KI und Kommunikation. Zunächst die kurze Botschaft von Papst Leo XIV. zum 60. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, die Gesicht und Stimme als unverwechselbare Merkmale der menschlichen Person etymologisch herleitet (Prosopon, Persona) und KI als Eingriff in die tiefste Ebene menschlicher Beziehung beschreibt; die Aufgabe sei nicht, digitale Innovation zu stoppen, sondern sie zu lenken. Anschließend einzelne Passagen aus der ein Jahr zuvor unter Franziskus erschienenen Lehrnote »Antiqua et nova« der Glaubens- und Bildungs-Dikasterien: KI sei nicht als Form der Intelligenz, sondern als deren Produkt zu verstehen, menschliche Intelligenz sei an Leib, Beziehung und Dialog gebunden und – mit Verweis auf Paul Claudel – ohne Freude nichts. Stefan hebt die Figur des „nicht gedachten Gedankens" hervor, die Warnung vor funktionalistischer Bewertung des Menschen sowie die Götzenbild-Analogie, wonach KI verführerischer sei als die alten Götzen, weil sie tatsächlich antworten könne. Wolfgang ergänzt, dass Franziskus auffallend auf Schriftsteller statt Philosophen zurückgreife und Literatur als Ort des wirklich gedachten Gedankens hochhalte; beide ziehen Querverbindungen zu Butollo, Giulia Enders und Davos-Beobachtungen.

04:02:49 Caren Miosga im Gespräch mit Friedrich Merz

Wolfgang hat sich die einstündige ARD-Talkshow »Caren Miosga« mit Bundeskanzler Friedrich Merz transkribieren lassen und arbeitet die Fragen Miosgas chronologisch durch, ohne dass es nach seiner Einschätzung einen einzigen clipfähigen Moment gegeben habe. Sein Hauptvorwurf richtet sich nicht gegen mangelnde Härte, sondern gegen die durchgehende Inhaltsleere: Statt über Deindustrialisierung, monatlich verlorene Arbeitsplätze, Apple-Produktion in China oder die strukturelle Systemkrise zu sprechen, kreisten die Fragen um das Verhältnis zwischen Merz und Klingbeil, um Vertrauen, Zweifel, Hoffnung und das Klima in der Koalition – Wolfgang nennt das „betreutes Regieren". Auch bei den wenigen sachlichen Anknüpfungspunkten (Rentenreform, Bärbel Bas' Sozialstaats-Kritik, Mitversicherung nicht erwerbsfähiger Ehepartner, Tabak- und Zuckersteuer, Iran, Tomahawks, Truppenabzug) sei die Frage nie inhaltlich, sondern stets auf Stimmung, Verhältnis zu Trump oder Reaktionen anderer gerichtet gewesen, bis hin zur Schlussrunde über Söders Bratwurst-Bilder und die Fußball-WM. Stefan rechnet abschließend vor, dass Miosga für diese eine wöchentliche Stunde rund 40.000 Euro erhalte und damit mehr verdiene als der Bundeskanzler, dem sie gegenübersitze; beide ziehen die Konsequenz, dass die Kritik an Podcastern wegen fehlender kritischer Fragen sich angesichts dieses Formats erübrige.

04:20:02 Mary-Jane (ACOPALYPSE): The Infermezzo

Stefan referiert einen Substack-Text von Mary-Jane auf der Publikation ACOPALYPSE, in dem das Kofferwort »Infermezzo« (aus „Inference" und „Intermezzo") die Wartezeit beschreibt, in der eine KI an einer Aufgabe arbeitet — nicht ganz Pause, nicht ganz Beteiligung, vergleichbar einem Bühnenumbau zwischen den Akten. Die Autorin zitiert Pablo Stanley mit der Beobachtung, dass Agenten zwei bis drei Minuten brauchten — lang genug, um etwas anderes anzufangen, zu kurz, um es zu Ende zu bringen. Über Henry Mintzberg führt sie aus, dass Nutzerinnen damit in die Rolle des Managers rückten, der als „Sklave des Augenblicks" strukturell von der eigentlichen Arbeit am Stoff entkoppelt sei und kaum noch beurteilen könne, ob das Berichtete stimme; Wolfgang ergänzt, dass deshalb wieder Unternehmensberater zur Nachprüfung gebraucht würden. Mit Bezug auf Jerry Z. Muller skizziert Stefan, wie KPIs und Frameworks zum Substitut für inhaltliche Bewertung würden, und schließt mit der Frage, ob bei zunehmender Delegation an die KI die eigene Fachexpertise erodiere und ob nun alle, die zu Managern werden, ihrerseits „unterwacht" würden.

04:25:51 Anne-Sophie Mutter: East Meets West

Wolfgang stellt das Album »East Meets West« der Geigerin Anne-Sophie Mutter vor, die ihr 50. Bühnenjubiläum begeht und auf dieser ersten Folge einer Reihe zeitgenössische, für sie komponierte Werke einspielt — von Thomas Adès, Jörg Widmann, Aftab Darvishi und Unsuk Chin. Über Darvishis Solo-Stück »Likoo« sagt er, es rufe einerseits Johann Sebastian Bach auf, andererseits iranische Volkslieder, und enthalte sehnsüchtige Rufe der Einsamkeit; Unsuk Chins Komposition trete als Bolero-haftes Zwiegespräch zweier Violinen hervor, gespielt mit Nancy Zhou. Widmanns sechstes Streichquartett orientiere sich an Beethoven, durchsetze die Harmonie mit atonalen, schroffen Brechungen, ohne ins Unschöne zu kippen, und werde mit Stipendiatinnen und Stipendiaten Mutters eingespielt; das Violinkonzert von Adès sei eine Hommage an Sibelius, in der sich aus hohen, flirrenden Streicherklängen die Solostimme mit dem London Symphony Orchestra herauslöse. Wolfgang hebt Mutters technische Brillanz und ihren Bogenschlag hervor, bei dem der Ton entstehe, ehe sie die Geige berühre, und beschreibt die Stücke als Verbindung von zeitgenössischem Klang mit der Tradition Beethovens und Sibelius'. Stefan fragt nach der Entstehung; Wolfgang erklärt, es handele sich um Auftragskompositionen aus Festivals und Uraufführungen, die über Jahre zusammenkamen.

Literatur

Florian Butollo: Das knappe Gut Arbeit (Edition Suhrkamp) Führen KI und Robotik zur Massenarbeitslosigkeit? Nein, das Gegenteil ist der Fall, schreibt der Arbeitssoziologe Florian Butollo in seinem Buch »Das knappe Gut Arbeit«. https://www.suhrkamp.de/buch/florian-butollo-das-knappe-gut-arbeit-t-9783518128152 (Öffnet in neuem Fenster)

Pauline Voss / Julian Reichelt (Hrsg.): Links – Deutsch / Deutsch – Links (Westend) Unter der Herausgeberschaft von Pauline Voss und Julian Reichelt haben sich weitere Autoren aus dem Umfeld des rechten Medienhauses Nius zusammengetan, um das obskure Wörterbuch »Links – Deutsch / Deutsch – Links« herauszugeben. https://westendverlag.de/Links-Deutsch-Deutsch-Links/2438 (Öffnet in neuem Fenster)

Thomas Hettche: Liebe (Kiepenheuer & Witsch) Schlicht und ergreifend »Liebe« heißt der neue Roman von Thomas Hettche. Tatsächlich geht es nicht weniger, als aufzuschreiben, was die Liebe ist. Und es gelingt. https://www.kiwi-verlag.de/buch/thomas-hettche-liebe-9783462002041 (Öffnet in neuem Fenster)

Henrik-Alexander Schubert et al.: Masculinization of Populations Reverses Sex Differences in Fertility (PNAS) Erstmals zeigen demografische Daten in einer wachsenden Zahl von Ländern, dass Männer kinderloser sind als Frauen. Eine PNAS-Studie aus dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung beziffert das Ausmaß und benennt die Treiber: sex-selektive Abtreibung in China, Indien und Korea, Männerüberschüsse durch Migration in den Golfstaaten und Kriegskohorten in Subsahara-Afrika. https://doi.org/10.1073/pnas.2533317123 (Öffnet in neuem Fenster)

Philipp Schönthaler: Mysteria Hysteria (Matthes & Seitz) Kann man im Zeitalter der KI noch einen einst geliebten Menschen anhand eines Textes identifizieren, den er geschrieben hat? Diese Frage liegt der Novelle »Mysteria Hysteria« von Philipp Schönthaler zugrunde. https://www.matthes-seitz-berlin.de/produkt/mysteria-hysteria.html?lid=1 (Öffnet in neuem Fenster)

Papst Leo XIV.: Welttag der sozialen Kommunikationsmittel · »Antiqua et nova« (Vatikan) Papst Leo XIV. widmet seine Botschaft zum 60. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel der Frage, was Persona und Stimme im Zeitalter KI-generierter Gesichter bedeuten. Die ein Jahr zuvor erschienene Lehrnote »Antiqua et nova« der Glaubenslehre- und Bildungs-Dikasterien bringt die theologische Anthropologie systematisch in den KI-Diskurs ein. https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/messages/communications/documents/20260124-messaggio-comunicazioni-sociali.html (Öffnet in neuem Fenster) https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_ddf_doc_20250128_antiqua-et-nova_ge.html (Öffnet in neuem Fenster)

Caren Miosga im Gespräch mit Friedrich Merz (ARD) Wir sprechen über die Fragen von Caren Miosga, die sie Friedrich Merz stellte. https://www.youtube.com/watch?v=Z_rtV5woxyY (Öffnet in neuem Fenster)

Mary-Jane: The Infermezzo (ACOPALYPSE / Substack) Was passiert mit der Arbeit, wenn KI-Systeme die Aufgaben übernehmen, das Warten auf ihre Antwort und die Aufsicht über ihre Ausgaben aber beim Menschen bleiben? Mary-Jane nennt diesen Zwischenzustand zwischen Eingabe und Ergebnis das »Infermezzo« und beschreibt ihn als die eigentliche neue Arbeitsform. https://acopalypse.substack.com/p/the-infermezzo (Öffnet in neuem Fenster)

Anne-Sophie Mutter: East Meets West (Outhere Music) Anne-Sophie Mutter hat zeitgenössische Werke, die eigens für sie komponiert wurden, eingespielt. Ein Ereignis! https://outhere-music.com/de/alben/east-meets-west (Öffnet in neuem Fenster)

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