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Bist du Spielball oder Mensch?

Interview mit einem devoten Mann, der dem Strudel der Manipulation entkam

Hallo meine Lieben,

da bin ich wieder und es ist wieder mal Zeit. Und zwar für ein Interview. Aber erstmal vorab, frohes neues Jahr euch allen. Ich hoffe, ihr seid wohl behalten ins neue Jahr gerutscht.

Es ist schön, dass heute der 1.1.2026 ist und wir das Jahr direkt gemeinsam beginnen können. Und auch schön, dass ich heute nach Ewigkeiten mal wieder einen Interviewgast habe. Das passt sehr gut, da es auch so wunderbar an die letzten beiden Folgen anknüpft. Zu Weihnachten hat bereits ein wahrhaftiger Fußfetisch von seiner Geschichte und seinem Werdegang erzählt. Hört euch die Folge gern an, sofern noch nicht geschehen.

Dort hört ihr, wie unbezahlbar es ist, wenn man zu sich findet und sich annimmt; wenn man sich nicht nur akzeptiert, sondern einfach sagt: “Das bin ich. Mit all meinen Facetten.“

Daraufhin habe ich dann eine Folge zum Thema Leidenschaft gemacht. Also wenn BDSM aus Leidenschaft erlebt wird, aber auch, wenn BDSM Leiden schafft. Also hört euch die beiden Folge gerne nochmal an, denn wir knüpfen heute genau daran an.

Denn ich habe heute einen wunderbaren Menschen zu Gast, der sozusagen beides mitbringt. Er ist einem Phänomen begegnet, das leider relativ häufig vorkommt und dadurch, dass heute ein neues Jahr startet, können wir diesen Punkt dazu nutzen, Dinge zu ändern, die nicht mehr dienlich sind. Dieses Interview ist für alle, die sich auch in einer - ich spoilere jetzt - ungesunden Beziehungsdynamik mit einer Domina befinden. Denn ich spoilere nochmal - er ist von Geburt an devot, war immer im Frieden damit und dass genau dieser innere Frieden einmal ins Wanken gerät, hätte er nie gedacht. Aufgrund der Lebensumstände wurde er nämlich irgendwann eingeladen, sich mit so einer Art Beziehungsdynamik auseinanderzusetzen. Und welchen Verlauf diese Einladung nahm und wie sie geendet ist – darüber reden wir heute. Er ist an eine Domina geraten, die offensichtlich ihre Berufung auf nicht gesunde Weise auslebt. Aber da gehen wir im Detail gleich drauf ein. Vor allem aber auch, wie er da rausgekommen ist.

Und das ist sooooo spannend. Freut euch also drauf.

Ich freue mich riesig, dass er da ist. Hallo Stefan.

 

Stefan

Hallo Nika.

Danke für die Einladung.

 

Nika

Sehr, sehr gerne. Ich freue mich riesig, dass du dich bei mir gemeldet hast und dir jetzt Zeit nimmst, deine Geschichte mit uns zu teilen. Starten wir erstmal, indem du mir einfach gerne kurz erzählst, warum du dich bei mir gemeldet hast und wie du auf mich gestoßen bist.

 

Stefan

Ja, sehr gerne. Und zwar war ich Anfang letzten Jahres für ein paar Monate in einer klassischen DS-Beziehung, die aber im Juli ihr Ende fand. Ich habe dann über Wochen und Monate ein bisschen recherchiert und dachte mir, vielleicht gibt es ja auch ähnliche Schicksale, hab immer mal wieder gegoogelt und bin dann tatsächlich auf deinen Podcast gestoßen. Ich traf auf einen Artikel von dir, der „unseriöse Domina, so befreist du dich von ihr“ hieß (Folge 155). Und habe mir dann deinen Instagram-Kanal und generell all deine Inhalte angeschaut, die mich sehr angesprochen haben. So bin ich auf dich gestoßen, hab dir geschrieben und jetzt sitzen wir hier und haben ein Interview.

 

Nika

Danke dir.

Vielleicht noch kurz zur Erklärung: Wir machen dieses Interview ja, weil du ein Paradebeispiel dafür bist, dass es immer eine Möglichkeit gibt, sich im wahrsten Sinne zu befreien. Auch wenn es sich nicht so anfühlt und man in einer absoluten Negativspirale gefangen ist. In der warst du ja. Und in der sind viele. Aber eben auch viele, die sowas schon hinter sich lassen konnten. Und anhand deiner Geschichte wollen wir Menschen die Hoffnung geben, dass es möglich ist. Für jeden. Egal, in welcher Situation man sich gerade befindet. Es werden Worte wie Manipulation, Bedrohung, Erpressung fallen. Und dennoch hast du es dort heraus geschafft.

Liebe Männer, es gibt also immer eine Lösung. Und Stefan ist ein gutes Beispiel dafür. Nicht zuletzt, weil er sehr reflektiert ist. Er weiß inzwischen darüber Bescheid, was da passiert ist. Vor allem hat er eins genau richtig gemacht: Er ist damals nicht versunken und versinkt jetzt nicht in diesen Dingen, die geschehen sind. Er sieht es als das, wie es ist: Eine Lehre, die ihn weiter zu sich selbst geführt hat.

Damit die Leute dich besser greifen können, erzähl uns doch gerne erst einmal mehr von deiner Devotion. Du hast mir im Vorgespräch bereits gesagt, dass du von Anfang an wusstest, dass du devot bist und dass es gut so ist. Ich glaube, viele Männer haben da schon ein Thema mit, deswegen erzähl uns doch gerne erstmal mehr darüber. Wer bist du und was ist die Devotion für dich? Wann hast du sie entdeckt und wie hat sie sich im Laufe deines Lebens entwickelt?

 

Stefan

Ja, sehr gerne. Also, ich bin jetzt Ende 30 und habe schon sehr früh - als junger Mann oder als Teenager - durchaus gemerkt, dass ich eher sanft, weich und eher nicht der klassisch dominant männliche Typ bin, so wie man ihn stereotyp eben kennt. Sondern dass es mich durchaus reizt, den devoteren Part einzunehmen. Ich hatte dann über die Jahre sowohl klassische als auch DS-Beziehungen. Anfang 30 habe ich geheiratet. Diese Ehe war, würde man heutzutage sagen, eher eine Vanillabeziehung, aber es war trotzdem eine gewisse Asymmetrie und meine Ex-Frau hatte durchaus einen dominanteren Part inne. Diese Beziehung ging dann aber nach sechs Jahren zu Ende und dieses Ende hat mich dann in ein Loch geworfen, sodass ich mir professionelle Hilfe geholt habe. Nach der Phase der Reflektion habe ich mich auch im psychologischen Sinne diversen Fragen gestellt: was möchte ich? Welche Fehler habe vielleicht auch ich gemacht in vergangenen Beziehungen? Ich habe also mich selbst reflektiert und habe auch meine blinden Flecken durchleuchtet. Und habe mich dann nach diesen zwei Jahren wieder praktisch geöffnet und dachte: ach, ich öffne mich wieder für eine potenziell neue Beziehung, sei es eine DS-Beziehung oder eine klassische Beziehung. Ich merkte dann aber irgendwie auch, dass das nicht gut funktionierte und hatte dann das Bedürfnis, einfach etwas zu erleben. Im klassischen Sinne - was normalerweise ein bisschen gegen mein Psychogram spricht, weil ich das nicht häufig in meinem Leben gemacht habe. Aber offensichtlich war es dran. Ich habe demnach eine Sessionanfrage an eine Domina gestellt. Zudem habe das Ganze auch ein bisschen symbolisch aufgeladen, weil es letztendlich nur eine Begegnung sein sollte, vielleicht im Maximalfall zwei. Und daraus entwickelte sich dann aber etwas, was mein Leben für eine Zeit sehr durcheinander gebracht hat und warum wir heute hier sitzen. Das aber erstmal zur Einleitung.

 

Nika

Spannend, du hast es schon angedeutet. Welche symbolhafte Handlung hast du getan, um zu dieser Frau gehen zu können? Was hast du mit deinem eigentlichen Symbol der Ehe getan?

 

Stefan

Mit meinem eigentlichen Symbol der Ehe. Richtig. Es ging mir, man könnte sagen um eine Art Befreiungsschlag, also um so praktisch aus der vorherigen Beziehung rauskommen. Ich habe dazu etwas veräußert, was Teil dieser Ehe war, und habe dieses Geld in diesen Befreiungsschlag investiert. Um das bildlich zu formulieren.

 

Nika

Danke dir fürs Teilen. Ich möchte noch ein bisschen mehr auf die Devotion eingehen, weil ich glaube, es wird total unterschätzt, wie schön sie sein kann und wie toll es für Frauen sein kann, wenn man einem devoten Mann begegnet. Viele devote Männer, die sich bei mir melden, sagen Dinge wie: „Frauen wollen ja gar keine devoten Männer. Sie wollen eher den starken Macker, sie wollen den, der führt. Sie wollen den, der die Zügel in der Hand hält.“

Wie war das denn für dich? Was hat deine spätere Ehefrau zu deiner Devotion gesagt? Warum fand sie das gerade so ansprechend, dass du sie innehattest?

 

Stefan

Es gibt ja viele Facetten der Devotion. Ein großer Teil meiner Devotion besteht darin, dass ich sehr serviceorientiert bin. Darum bemüht bin, praktisch meinem Partner das Leben schön zu machen. Das sind kleine Gesten. Ob es der klassische Service ist oder ob es was kochen ist. Also ganz triviale, alltägliche Dinge, die ich aber durchaus zu einem Ritual auflade. Und das war Teil dieser Beziehung. Ich konnte sozusagen sein, wer ich in meiner Devotion bin. Eben jemand, der sehr fürsorglich ist, der sich gerne kümmert, der sehr gerne bedient und sozusagen dient. Und das wurde sehr gerne angenommen.

 

Nika

Hast du Beispiele? Was war für dich oder für euch damals so eine typisch devote Aktion? Hintergrund der Frage ist folgender. Das, was du gerade berichtet hast, wirkt ja eigentlich eher so, dass das generell in einer Beziehung so sein soll. Also auf beiden Seiten. Dass jeder auf sich achtet, dass jeder auf den anderen achtet, dass man sich mal kleine Gefälligkeiten oder Geschenke macht. Also das sollte an sich jetzt gar nichts „Besonderes“ sein. Was hat die Beziehung ausgemacht, dass es eine DS-Beziehung war?

 

Stefan

Jetzt muss ich ja sagen, dass meine Ehe keine DS-Beziehung war. Das muss ich zum klaren Verständnis sagen, sondern dass ich lediglich praktisch als devoter Mann im Kleinen in dieser Ehe davon zehren konnte. Meine Ex-Frau hat mich so angenommen, aber wir hatten nicht in dem Sinne eine DS-Ehe, müsste man ja dann sagen. Das kam dann erst hinterher zu Beginn des Jahres.

 

Nika

Vielleicht für diejenigen, die noch komplett neu in dieser schwarzbunten Welt sind. DS-Beziehungen bedeuten im Groben: Dominanz-Submissionsbeziehungen. Sprich, dass das Machtgefälle auch im Alltag ausgelebt wird und sozusagen jeder seinen Platz einnimmt. Entweder dauerhaft oder als Basis und situativ begrenzt. Du konntest dich also ausleben und dich dadurch in deiner Devotion erleben und es war in Ordnung. Ist das richtig?

 

Stefan

Das ist richtig. Und wir waren sogar am Ende unserer Ehe so weit, dass wir uns progressiv auch ein bisschen geöffnet haben und dachten, man kann seinen Durst auch an anderen Quellen stillen. Also wenn meine Ex-Frau das Bedürfnis gehabt hätte, einen dominanten Part einmal kennenzulernen und sich auszuleben, dann wäre das kein Problem gewesen und meinerseits war das ganz genauso.

 

Nika

Oh je, da könnten wir jetzt ja eine eigene Folge drüber machen.

 

Stefan

Richtig, ich würde das auch nie wieder so machen tatsächlich. Im Nachgang bin ich auch hier schlauer.

 

Nika

Ah, okay, das ist aber auch spannend, dass du das jetzt sagst. Warum würdest du das nicht wieder so tun? Nur, dass wir das einmal kurz anreißen, bevor wir wieder zurück zum Thema kommen.

 

Stefan

Weil ich euch sagen würde, dass das letztendlich zum Ende der Ehe geführt hat.

 

Nika

Okay, spannend. Das lassen wir mal so stehen, weil das ja noch wieder eine andere Beziehungsdynamik eröffnet. Und vor allem würden wir damit ein Fass öffnen, das hier den Rahmen sprengt.

 

Stefan

Definitiv.

 

Nika

Okay, kommen wir zurück zum Thema. Was ist passiert, nachdem die Ehe ein Ende hatte? Also, bevor du zu dieser Dame gegangen bist. Was ist mit deiner Devotion passiert? Bist du in ein Loch gefallen? Und haben dich dann Gedanken wie „ich finde nie wieder eine Frau, die das so akzeptieren würde“ gequält?

 

Stefan

Erfreulicherweise nicht, sondern ich habe eher reflektiert, inwiefern meine Devotion in einer Beziehung Platz haben kann. Und inwiefern muss ich jetzt in verschiedenen Schubladen denken. Also kann ich jetzt nur auf eine Plattform gehen, wo nur Menschen sind, die DS-Beziehungen - so wie du sie gerade definiert hast - suchen? Oder kann ich auch praktisch auf dem „normalen“ Markt unterwegs sein - als devoter Mann. Das war die Fragestellung, mit der ich mich befasst habe.

 

Nika

Ihr Lieben, an dieser Stelle nur kurz: hört euch bitte die Folge vom 25.12. an. Wir haben nämlich hier schon einen zweiten Menschen gefunden, der seine Devotion angenommen hat. Der ganz klar sagt: „das gehört zu mir, das bin ich und das ist gut so“.

Ich wiederhole mich gern, weil es viele, viele Männer gibt, die diesen Anteil nicht annehmen können. Und jetzt haben wir mit Micha (er berichtet uns in der Folge vom 25.12. von seinem Fußfetisch und wie wir es gemeinsam geschafft haben, Micha in die Annahme zu bringen) und mit Stefan schon zwei Männer, für die alles in Ordnung ist und Devotion als was Wunderbares ansehen.

Das dazu. :)

Also eine innere Sicherheit war von Anfang an da. Richtig?

 

Stefan

Sehr schön. Richtig.

 

Nika

Du hast dir also daraufhin gedacht, dass es nun so weit ist, den „Markt“ zu entdecken und deine Devotion dahin mitzunehmen. Kurz bevor du darauf eingehst: wir wollen jetzt gar nicht so den Fokus darauflegen, was genau passiert ist. Geschichten sind immer sehr individuell und am Ende interessiert uns die Lösung. Wir reißen das Geschehene gleich ein bisschen an, um anderen Männern (oder auch Frauen) zu zeigen, dass der Ablauf so sein könnte. Nehmt daher mit, was für euch passt und fühlt euch gesehen. Ihr seid mit eurer Geschichte nicht allein.

Erzähl uns gerne, was dann passiert ist und wie es sozusagen - ich glaube, das kann man so sagen - für eine Zeit lang bergab ging.

 

Stefan

Richtig, es ging quasi schrittweise und sukzessive bergab. Mir war über Monate gar nicht bewusst, was da passiert. Sondern erst im Rückblick hat sich mir vieles erschlossen und die Erkenntnis und das Bewusstsein kam entsprechend erst, als es schon vorbei war.

 

Nika

Aber es kam und das ist das Wichtige.

 

Stefan

Ja, genau. Aber es kam und das ist das Wichtige. Wie gesagt, ich bin dieser Dame begegnet und wir haben uns sehr gut verstanden. Wir sind uns deswegen ein zweites Mal begegnet und dann entwickelte sich aus dieser professionellen Ebene, die eigentlich rein professionell war, etwas, was irgendwie sympathiebasiert war. So empfand ich es zumindest. So entwickelte sich eben aus dem Professionellen etwas, was man eben eine DS-Beziehung nennen könnte, die sich abspaltete von dem Professionellen. Gleichzeitig blieben wir aber immer irgendwie in einem Graubereich. Der letztendlich nie so richtig und klar definiert wurde. Aber was ganz klar war, war eben die persönliche Bindung und auch die Beziehung. Und so nahm das dann schrittweise seinen Lauf.

 

Topic Neue Folgen

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