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    <title>NIX.Film - Independent Documentaries</title>
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    <description>Independent documentaries, free for everyone. Home of the award-winning THE LAST PLACES - Path to the Roots.</description>
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      <title>NIX.Film - Independent Documentaries</title>
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      <title><![CDATA[Der Film hat 63.000 Aufrufe geknackt]]></title>
      <description><![CDATA[The Last Places hat auf YouTube 63.000 Aufrufe geknackt. Mitte August waren es 1.463. Ehrlich gesagt, damit hab ich nicht gerechnet. Das Schönste sind die Kommentare.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>The Last Places hat auf YouTube 63.000 Aufrufe geknackt. Mitte August waren es 1.463. Ehrlich gesagt, damit hab ich nicht gerechnet.</p><p>Das Schönste sind die Kommentare. Menschen aus der ganzen Welt schreiben lange, nachdenkliche Sachen. Ich lese jeden einzelnen.</p><p>Keine Werbung, keine Paywall, und das bleibt so. Wenn du ihn noch nicht gesehen hast, oder eine Person kennst, die ihn sehen sollte: <a href="https://youtu.be/_bvWFUl2CXc">https://youtu.be/_bvWFUl2CXc</a> </p><p>Danke, dass ihr da seid.</p><p>Bis bald, Nick</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 19 Oct 2026 14:25:10 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Jahr auf einem verbogenen Gimbal]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe über ein Jahr auf einer Kamera gedreht, von der ich sicher war, dass sie kaputt ist. Wie sie kaputtging, und was DJI am Ende dafür verlangt hat.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Feldnotizen: Brasilien, und alles danach</em></p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2FIMG_4049_yfvymw.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=db53e1c9eeb71757e34576e2b7f50d4c" alt="Dieselbe Kamera, anderthalb Jahre später, in Grönland. Jeder Kratzer ist verdient."/><p><em>Dieselbe Kamera, anderthalb Jahre später, in Grönland. Jeder Kratzer ist verdient.</em></p><p>Ich habe über ein Jahr lang auf einer Kamera gedreht, von der ich sicher war, dass sie kaputt ist.</p><p>Das hier ist die Geschichte, wie sie kaputtging, warum ich sie nie eingeschickt habe, und was DJI verlangt hat, als ich es endlich getan habe. Wenn du eine Ronin 4D hast und sie behandelst wie rohes Ei, dann ist das hier für dich.</p><p>Erst mal, wie wir da hingekommen sind.</p><p>Wir waren für den Klimafilm in Brasilien, den, der immer noch unter meinem Schreibtisch liegt. Wir waren mit dem Boot den Xingu hinauf ins Gebiet der Mebengokre gefahren, um Chief Raoni zu filmen. Ich wusste nicht, wer er ist, als wir uns trafen. Jemand hat ihn mir als den Nelson Mandela Südamerikas beschrieben, und das trifft die Größenordnung ganz gut.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2FDJI_0077_hyvn1w.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=dc8cdd5457dbe110d3cb2f86ab986036" alt="Der Xingu im Morgengrauen. Rein kommt man nur auf dem Wasser, oder darüber."/><p><em>Der Xingu im Morgengrauen. Rein kommt man nur auf dem Wasser, oder darüber.</em></p><p>Wir blieben zwei Tage in seinem Dorf. Er saß auf dem Boden seines Hauses und baute Pfeile, während wir redeten, richtete die Schäfte, prüfte sie gegen das Licht. Wir bekamen unsere Interviews.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2F_DSC3936_iorupw.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=0a26307a9b872e09e51c4f64c89285db" alt="Raoni beim Pfeilebauen, an dem Nachmittag, bevor das alles passierte"/><p><em>Raoni beim Pfeilebauen, an dem Nachmittag, bevor das alles passierte</em></p><p>Dann erzählte er uns, dass er zu einem Namensfest fliegt. Das ist ein Übergangsritus, die Kinder, die den Namen des Jaguars tragen, bekommen ihn dort richtig verliehen, und getanzt wird die ganze Nacht. Er mochte uns. Wir durften mit.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2FDJI_0083_uId3qg.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=77c742f1c621dd0af5f100333ad2b85f" alt="Sein Dorf von oben, an dem Nachmittag, an dem wir es verlassen haben"/><p><em>Sein Dorf von oben, an dem Nachmittag, an dem wir es verlassen haben</em></p><p>Sein Flugzeug musste die Strecke drei Mal fliegen, um alles zu bewegen: seine Leute, seine Kleidung, das Essen, und obendrauf dann noch unsere Kameraausrüstung. Ich war auf dem dritten und letzten Flug. Nur ich, Raonis Neffe Matsi, der Musiker ist, und alles, wofür sonst kein Platz mehr war.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2FIMG_1305_oktczg.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=ffb7c61d346ecd2ac17e040da897e2c6" alt="Beladen. Jeder Flug kam zurück und holte mehr."/><p><em>Beladen. Jeder Flug kam zurück und holte mehr.</em></p><p>Matsi und ich sind beide große Kerle. Dazu die restlichen Vorräte und die Kameracases, und die kleine Maschine war schwer. Die Startbahn ging bergab und endete am Fluss, dazwischen eine einzige Reihe Bäume. Wir rollten über die Kuppe, das Flugzeug wurde schneller, und ich schaute dem Piloten ins Gesicht, während wir nicht stiegen.</p><p>Wir kamen über die Bäume. Knapp. Ich habe den ganzen Start gefilmt, und man sieht genau, wie knapp es war.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=S7SrQg7Y4pE">https://www.youtube.com/watch?v=S7SrQg7Y4pE</a><p>Danach zwei Stunden tief über dem Amazonas.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2FIMG_1316_nh82dp.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=c126876ff1afa76d093a6d35ca001715" alt="Zwei Stunden davon, in einer Flughöhe, zu der ich eine Meinung hatte"/><p><em>Zwei Stunden davon, in einer Flughöhe, zu der ich eine Meinung hatte</em></p><p>Ich sage ehrlich, was mir da oben durch den Kopf ging, auch wenn es mir nicht unbedingt schmeichelt. Ich habe Inventur gemacht. Kamera auf dem Schoß, um es zu dokumentieren. Der andere Koffer mit Campingzeug, Wasserfilter, Messer, Feuerstahl. Neben mir zwei Indigene, die diesen Wald wirklich kennen. Und ich dachte: wenn wir hier runtergehen, das kriege ich hin.</p><p>Und ein kleiner Teil von mir, ein Teil, auf den ich nicht stolz bin, dachte, das wäre die bessere Geschichte.</p><p>Wir landeten problemlos. Staubige Piste, alle luden aus, ich stand auf der Tragfläche und reichte Sachen nach unten.</p><p>Da rutschte ein Schultergurt meines Rucksacks aus seiner Schnalle. Die ganze Tasche ging mir von der Schulter und fiel seitlich am Flugzeug herunter, auf die Kante. Bum, bum, bum.</p><p>Ich trug ihn erst nach drinnen, bevor ich ihn öffnete, weil auf der Piste alles Staub war. Der linke Motorarm des Gimbals war nach innen verbogen. Sichtbar schief, vielleicht vier Millimeter. Unsere Hauptkamera, auf der zweiten großen Reise, auf der ich sie überhaupt benutzt hatte, und das ganze Team wurde still, als sie mein Gesicht sahen.</p><p>Also habe ich getestet. Eingeschaltet, hoch und runter gelaufen, damit gerannt, die Stabilisierung über den ganzen Bereich geprüft.</p><p>Sie lief. Einwandfrei.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2F_DSC4348_tgyizw.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=206998a1163829e746e1de01f2245c53" alt="Wofür wir gekommen waren. Das Fest, am Abend nachdem die Kamera vom Flugzeug gefallen war."/><p><em>Wofür wir gekommen waren. Das Fest, am Abend nachdem die Kamera vom Flugzeug gefallen war.</em></p><p>Ich habe mir gesagt, ich schicke sie ein, sobald ich zu Hause bin. Dann haben wir den Rest des Jahres und ins nächste hinein am Stück gedreht, und es gab nie eine Lücke im Plan, die lang genug war, um ohne die Kamera dazustehen. Also habe ich sie nicht eingeschickt. Ich habe darauf gedreht. Über ein Jahr lang, durch weitere Länder, mit einem sichtbar verbogenen Motorarm, und sie hat mir kein einziges Problem gemacht.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2F_DSC4698_c1k7ey.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=6d2671ab78cbf5a8212500c1c456b568" alt="Zwei Leute, die komplette Ausrüstung, jeden einzelnen Tag"/><p><em>Zwei Leute, die komplette Ausrüstung, jeden einzelnen Tag</em></p><p>Als ich sie dann endlich eingeschickt habe, habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet. Ich bin über die DJI Support Seite gegangen, habe ein Versandlabel bekommen, und sie ging an einen deutschen Servicepartner. Ich hatte sie innerhalb einer Woche zurück. Ich hatte mich auf einen Monat eingestellt.</p><p>Sie haben die komplette linke Yaw Motorarm Einheit getauscht, beide Motoren, und sie kam zurück wie neu. Das Original hatte überall Kratzer, und der Lack ging am Arm schon vom normalen Gebrauch ab.</p><p>Dreihundert Euro.</p><p>Was ich wirklich daraus mitnehme.</p><p>Ich hatte die Ronin 4D im Kopf als die Empfindliche abgelegt. Sie sieht aus wie Präzisionstechnik, sie steckt voller Motoren und Sensoren, vorne ist eine LiDAR Einheit angeschraubt, und ich habe sie behandelt wie etwas, das mich für einen schlechten Tag bestrafen würde. Vier Jahre später ist mein Urteil das Gegenteil. Sie ist von einer Tragfläche auf eine Dreckpiste gefallen, sie hat über ein Jahr verbogen gearbeitet, sie kam aus Afrika zurück voller Salzränder und Staub, und in der ganzen Zeit hat sie mir nicht ein einziges Mal eine Aufnahme abgebrochen. Der einzige Hitzeabbruch, den ich je hatte, war in meinem eigenen Büro in Deutschland, während der Hitzewelle diesen Sommer.</p><p>Und das andere, das zuzugeben hat länger gedauert: Ich habe sie nicht verbogen gelassen, weil es in Ordnung war. Ich habe sie verbogen gelassen, weil ich es mir nicht leisten konnte, ohne sie dazustehen. Ich habe unter Termindruck eine Entscheidung getroffen und Glück gehabt. Es war zufällig eine Kamera, die das aushält. Wäre es ein anderes Gehäuse gewesen, endet die Geschichte mit einer toten Hauptkamera mitten im Amazonas und ohne Backup, das mithalten könnte.</p><p>Also, wenn du das hier liest und irgendwas Verbogenes in deiner Tasche hast und dir sagst, das hält schon: teste es richtig, schreib auf, was du gesehen hast, und buch den Servicetermin trotzdem. Ich bin damit durchgekommen. Das ist nicht dasselbe wie richtig gehandelt zu haben.</p><p><strong>Welches Teil schiebst du gerade vor dir her?</strong></p><p>Die Fotos von Raoni, dem Fest und uns beiden bei der Arbeit sind von Markus Mauthe. Der Rest ist von mir.</p><p>Der Film ist kostenlos auf YouTube, ohne Werbung, ohne Paywall, ohne Ländersperren: <a href="https://youtu.be/_bvWFUl2CXc">hier ansehen</a></p><p>Wenn du die Behind the Scenes Texte zuerst lesen willst, und mitentscheiden, welche Geschichten erzählt werden, das passiert auf Patreon und Steady.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 22 Sep 2026 18:26:44 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Nacht, in der der Sturm mein Zelt…]]></title>
      <description><![CDATA[Unser Camp am Gletschersee, am Abend vor dem Sturm Die Saison am Eqi Gletscher endet Mitte September, wenn der Frost zurückkommt. Wir kamen kurz danach an. Die Lodge war…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Die Nacht, in der der Sturm mein Zelt zerrissTESTPARAGRAPHFeldnotizen: Grönland, September 2023</h1><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2Fgreenland-camp-tent-lantern-dusk_efqk9n.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=03e03caf857d2df82b600be2c18c053e" alt="Unser Camp am Gletschersee, am Abend vor dem Sturm"/><p><em>Unser Camp am Gletschersee, am Abend vor dem Sturm</em></p><p>Die Saison am Eqi Gletscher endet Mitte September, wenn der Frost zurückkommt. Wir kamen kurz danach an. Die Lodge war geschlossen, die Touristen waren weg, und das Boot, das uns absetzte, würde tagelang nicht zurückkommen können. Ein Sturm zog auf. Markus wollte seine Aufnahmen trotzdem. Die zwei anderen aus unserem Team hatten entschieden, dass ihnen das zu extrem ist, und ich kann es ihnen nicht verübeln. Also standen wir zu zweit mit unserer Ausrüstung am Ufer, sahen dem Boot nach, wie es zwischen den Eisbergen verschwand, und waren vollkommen allein.</p><p>Grönland war einer von sieben Klima-Kipppunkten, zu denen wir für unser Klimafilm-Projekt gereist sind. In Grönland hat diese Veränderung ein Gesicht: das schmelzende Inlandeis. Der Eqi Gletscher, etwa 70 Kilometer nördlich von Ilulissat, ist einer der aktivsten kalbenden Gletscher der Nordhalbkugel. Im Sommer kalbt er ungefähr alle zehn Minuten. Man hört es, bevor man es sieht, ein Knall wie Artillerie, der über das Wasser rollt.</p><p>Unsere Basis davor war Ilulissat, ein Fischerort an der Westküste. Keine Straße führt hinein oder hinaus, man kommt mit dem Flugzeug oder mit dem Boot. Wir wohnten bei Einheimischen und bezahlten einen Fischer, damit er uns nach Norden durchs Eis bringt. Auf dieser Fahrt stand ich als Einziger draußen am Bug, Eiswasser spritzte um mich herum, Kapuze festgezurrt, Brille auf. Ich hatte Jahre darauf gewartet, meine Ausrüstung endlich wirklich zu benutzen. Gegen Hitze kann man nichts machen. Gegen Kälte kann man kämpfen. Ich habe mich selten so wohl gefühlt wie dort, glücklich frierend am Bug dieses Bootes.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2Fgreenland-boat-spray-arcteryx-storm-jacket_wi5llv.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=4be84d29d38c06b38e528416297c1416" alt="Kampf gegen die Elemente auf dem Weg zum Eqi, und ich genieße jede Sekunde"/><p><em>Kampf gegen die Elemente auf dem Weg zum Eqi, und ich genieße jede Sekunde</em></p><p>Der erste Abend war ruhig und wunderschön. Die Tundra der Westküste ist nicht das, was man erwartet: kein Eis, sondern ein Teppich aus bodendeckenden Pflanzen, der sich im September in Indian-Summer-Farben verwandelt, Orange und dunkles Grün, weich wie eine Matratze. Was ein Problem ist, wenn Zeltheringe halten sollen. Meine hielten nicht. Also baute ich eine Festung aus Steinen um mein nagelneues Ultraleichtzelt, eine Konstruktion, die von zwei Wanderstöcken getragen wird, und ging stolz darauf schlafen. Wir hatten unsere Zelte auf einem wunderschönen, exponierten Platz mit Blick über den Gletschersee und das Tal aufgestellt.</p><p>Dieser Ausblick war der Fehler. Unser Platz lag in einem kleinen Tal, das wie ein Trichter für den Wind funktionierte.</p><p>In dieser Nacht träumte ich, ich müsste vor irgendetwas weglaufen, Indiana Jones Style, während etwas von hinten auf mich einschlug. Ich wachte auf, und es schlug immer noch auf mich ein. Es war mein eigener Wanderstock. Die ganze untere Hälfte meines Zeltes hing in der Luft und flatterte um mich herum, der Stock trommelte auf meinen Schlafsack. Die Abspannleinen waren nicht herausgerissen: Der Wind hatte sie so lange über die rauen Felsen gescheuert, bis sie durchgeschliffen waren.</p><p>Um zwei Uhr nachts kroch ich hinaus, barfuß und in Unterwäsche, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass man in der Kälte nicht in seinen Klamotten schlafen soll. Man schwitzt, die Kleidung wird nass, und nasse Kleidung in der Arktis ist dein Ende. Es hatte minus elf Grad. Eisregen flog horizontal an meinem Gesicht vorbei, Sichtweite vielleicht ein halber Meter. Ich stapelte Felsbrocken auf das, was von meinem Zelt übrig war, wodurch der Stoff noch weiter riss, klemmte meinen Peli-Koffer auf meinen Schlafsack und kroch zurück in das Wrack. Der Wind drückte das Zelt flach auf mich. Mein Rucksack hielt eine Lufttasche von der Größe meines Gesichts frei. Das war mein Schlafzimmer für den Rest der Nacht. Das Absurde: Im Daunenschlafsack war mir nach ein paar Minuten wieder warm. Nur die Zehen blieben kalt.</p><p>Markus, ein paar Meter weiter in einem 28 Jahre alten No-Name-Kuppelzelt, schlief durch den kompletten Sturm. Er hat sein Zelt nicht ein einziges Mal verlassen. Mein 700 Dollar Ultraleichtzelt war in Fetzen, sein Museumsstück hatte nichts. Irgendwo da drin steckt eine Lektion, und ich weigere mich bis heute, sie zu lernen.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2Fgreenland-storm-damaged-tent-duct-tape_sqtg2n.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=bbdd05737d7ca1d2624000992768f66e" alt="Mein Zelt nach dem Sturm: Panzertape, Steine und ein neuer Platz hinter einem Felsen"/><p><em>Mein Zelt nach dem Sturm: Panzertape, Steine und ein neuer Platz hinter einem Felsen</em></p><p>Am Morgen hatten die Füchse unser Essen gefunden. Ich trat hinaus in den Wind und sah einen Polarfuchs mit einer Scheibe Toast im Maul davontraben. Sie hatten alle unsere Vorratstüten aufgerissen. Was sie uns für die restlichen Tage übrig ließen: Nudeln und Tomatensoße. Sogar den Philadelphia haben sie gefressen.</p><p>Ich verlegte mein Camp hinter einen großen Felsen mit Überhang, aus dem Wind, klebte das Zelt mit Panzertape zusammen und richtete ein, was ich mein Büro nannte. Mein Peli-Koffer war so gebaut, dass er sich zu einer kleinen Workstation aufklappen lässt: Powerbank, Festplatten, Laptop. Es gibt ein Foto, auf dem ich dort sitze und arbeite, im absoluten Nirgendwo. Es ist bis heute eines meiner Lieblingsbilder von mir.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2Fgreenland-peli-case-office-tundra_lmctbh.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=598f34cad1f1adddf433431abb7f2b04" alt="Das Büro: Strom, Festplatten, ein Laptop, und 70 Kilometer weit kein Mensch"/><p><em>Das Büro: Strom, Festplatten, ein Laptop, und 70 Kilometer weit kein Mensch</em></p><p>Die eigentliche Arbeit war die Wanderung. Um den Gletscher von oben zu filmen, stiegen wir die Bergflanke daneben hinauf, über Fels, den das Eis über Jahrtausende rund und glatt poliert hat. Auf dem Weg nach oben fing es an zu regnen. Glatter Fels plus Wasser ist eine Eisbahn. Markus war weit voraus, als ich ausrutschte.</p><p>Ich landete auf dem Bauch und rutschte. Nicht zwei Meter, nicht fünf. Ungefähr fünfzig Meter, direkt auf die Abbruchkante über dem Gletscher zu, dort, wo das Eis in Spalten aufreißt, aus denen man nicht mehr herauskommt. Ich weiß noch, wie ich mich selbst über diese Kante fallen sah. Dann tauchte neben mir ein Riss im Fels auf. Ich schlug meine Hand flach hinein und ballte eine Faust, ein improvisierter Klemmkeil aus meiner eigenen Hand. Er hielt.</p><p>Ich lag einen Moment einfach da. Dann kletterte ich ganz langsam zurück nach oben und war für den Rest der Reise ein deutlich vorsichtigerer Mensch.</p><p>Und hier der Teil, den ich bis heute nicht ganz glauben kann: Ich bin diese fünfzig Meter auf dem Bauch gerutscht, auf meiner Arc&#39;teryx Alpha SV Jacke, den Ärmel über die Hand gezogen, darunter der Handschuh. Die Jacke hat keinen einzigen Kratzer. Ich trage sie bis heute. Meine Hand hatte nicht einmal einen blauen Fleck. Irgendwann schulde ich dieser Jacke ihr eigenes Video.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2Fgreenland-walking-on-eqi-glacier-ice_ialf4v.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=8fed1c5f1aad61daf43c72abf6bb5203" alt="Auf dem Eis am Eqi Gletscher"/><p><em>Auf dem Eis am Eqi Gletscher</em></p><p>Auf dem Rückweg fing es an zu schneien, dicke Flocken auf glattem Fels, jeder Schritt dauerte dreimal so lang. Am Ende waren es an diesem Tag rund 40 Kilometer mit 25 Kilo Kameraausrüstung auf dem Rücken, die letzten Stunden in Dunkelheit und Wind. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas kann. Ich habe es gemacht, weil es keine andere Option gab, und genau so macht man solche Dinge. Mind over matter. Ich habe mich noch nie so über ein zusammengeklebtes Zelt gefreut.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2Fgreenland-frost-rock-glacier-view_vycypl.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=abbd72fcfd69ca80f56c14ee5dfcbb80" alt="Über dem Eis, wo der Fels zum Gletscher wird"/><p><em>Über dem Eis, wo der Fels zum Gletscher wird</em></p><p>Nach vier, fünf Tagen kam das Boot zurück, lud unsere Ausrüstung und mein zerfetztes Zelt ein und brachte uns südwärts durch die Eisberge nach Ilulissat. Grönland ist, zusammen mit dem Südsudan, mein Lieblingsort, an dem ich je gearbeitet habe. Nicht trotz dieser Tage. Wegen dieser Tage. Es war still, es war kalt, es war ehrliche Arbeit mit Körper und Händen, und bei Sonnenuntergang leuchten die Eisberge in Farben, die man nicht glaubt, während man direkt hinsieht.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2Fgreenland-fjord-last-light-dusk_sv4rth.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=cc4aa0e63441c0d900aaf46e3cbc27a4" alt="Letztes Licht über dem Fjord"/><p><em>Letztes Licht über dem Fjord</em></p><p>Dass der Gletscher, neben dem wir geschlafen haben, gerade verschwindet, während ich das hier schreibe, ist der Teil der Geschichte, der mich nicht loslässt. Genau deshalb sind wir hingefahren. Die Aufnahmen von diesen Tagen existieren, und Grönland hat mich gelehrt, was eine einzige Einstellung von einem sterbenden Gletscher kostet: ein Zelt, fast unser ganzes Essen, und um ein Haar sehr viel mehr.</p><p>Die ganze Sturmgeschichte, inklusive der Aufnahme, auf der ich um zwei Uhr nachts mein zusammengebrochenes Zelt betraure, gibt es in Folge 1.5 unseres Podcasts Crayz Rest.</p><p>Danke, dass ihr diese Arbeit möglich macht. Ihr lest das hier zuerst.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 22 Sep 2026 13:13:35 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ich dachte, ich hätte es geschafft. Zwei Jahre später fange ich neu…]]></title>
      <description><![CDATA[https://youtu.be/kl3UMvpFTUA Ich bekomme Panikattacken. Es gibt Momente, in denen ich hyperventiliere, weil ich keinen Weg aus dieser Situation sehe. Das schreibe ich…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Ich dachte, ich hätte es geschafft. Zwei Jahre später fange ich neu an</h1><a href="https://youtu.be/kl3UMvpFTUA">https://youtu.be/kl3UMvpFTUA</a><p>Ich bekomme Panikattacken. Es gibt Momente, in denen ich hyperventiliere, weil ich keinen Weg aus dieser Situation sehe. Das schreibe ich zuerst, weil alles andere nur Sinn ergibt, wenn du diesen Teil kennst.</p><p>Trotzdem ist das keine Geschichte über Niederlage. Es ist eine Geschichte über Wiederaufbau, und es ist die Geschichte, die ich auf diesem Kanal erzählen will.</p><p>Vor zwei Jahren dachte ich, ich hätte es im Filmemachen geschafft. Ich hatte gerade meine ersten beiden abendfüllenden Dokumentarfilme fertig gedreht, zwei Jahre Arbeit rund um die Welt, und dahinter standen internationale Projekte in der Warteschlange. Es fühlte sich an wie der Anfang von etwas, das nur nach oben geht.</p><p>Zwei Jahre später komme ich aus einem Jahr mit genau einem bezahlten Job, der kaum die Investition gedeckt hat, die ich hineingesteckt hatte. Fast kein Gewinn. Sonst nichts. Ich habe dieses Jahr damit verbracht, mich zu vermarkten: Kaltakquise, Produktionsfirmen anschreiben, versuchen, als DP gebucht zu werden, Meeting nach Meeting, die Website neu bauen und optimieren. Nicht eine Anfrage kam über diese Website. Nicht ein Anruf von jemandem, der mich buchen wollte. Beruflich war es das härteste Jahr, das ich hatte.</p><p>Das ist also der Punkt, an dem ich neu anfangen muss. Nicht weil die Arbeit falsch war, sondern weil ich etwas verstanden habe, das ich früher hätte verstehen sollen: Die Jobs, die ich wirklich machen will, kommen nicht zu mir. Sie klopfen nicht an meine Tür und bezahlen mich fürstlich. Ich muss sie selbst bauen.</p><p>Es gibt eine Masterclass von Werner Herzog, in der er eine Filmkarriere in Achtjahresblöcken beschreibt. Die ersten acht Jahre sind reiner Schmerz, du rackerst und niemand will deine Filme sehen. Nach acht Jahren siehst du die Früchte: Du wirst gebucht, du wirst bezahlt, du bekommst etwas Anerkennung. Nach sechzehn Jahren erreichst du eine Art Freiheit, in der du dir die Projekte aussuchst und trotzdem bezahlt wirst.</p><p>Ich bin etwa zwölf Jahre dabei. Und der erste Block war genau so, wie er es beschreibt. Videos für Fitnessstudios. Ferienwohnungen. Kleine Jobs, die ich nicht mochte. Irgendwann habe ich Leuten Websites gebaut, damit sie mich danach für das Video bezahlen, das auf diese Website kommt.</p><p>Dann kam der Jackpot: zwei echte abendfüllende Dokumentarfilme, gleichzeitig, und Reisen an Orte, die nur eine Handvoll Menschen je zu sehen bekommt. Ich kam als ein anderer Mensch zurück, und zwar nicht wegen des Reisens.</p><p>Vor diesen Reisen war ich einer von diesen Cinematic-Typen. Mich interessierten Kameras, Technik, schöne Bilder. Alles sollte größer aussehen als das Leben. Geschichte hat mich nicht wirklich interessiert, mich interessierten Bilder.</p><p>Es hat ungefähr anderthalb Jahre unterwegs gebraucht, um das aufzubrechen. Auf der letzten Reise für The Last Places traf ich eine Frau, die aus einem einzigen Grund den halben Kontinent durchquert hatte: um die Chance zu bekommen, ihre Geschichte in unserem Film zu erzählen. Sie setzte sich zu zwei Männern, die sie nie zuvor gesehen hatte, und teilte das Tiefste und Schmerzhafteste, was sie mit sich trägt, weil sie wollte, dass andere Frauen ihre eigenen Geschichten besitzen und aussprechen können, und weil sie wollte, dass sich etwas in ihrer Gesellschaft ändert. Sie erzählte mir von einer Welt, die ich in meiner Bequemlichkeit nicht einmal für möglich gehalten hatte.</p><p>Diese Frau ist Diaka, und sie hat verändert, wie ich arbeite. Ab diesem Punkt war mein Handwerk nicht mehr dafür da, schön auszusehen. Es war dafür da, eine Geschichte zu tragen, die etwas bewirkt. Ich hatte mich Künstler genannt, oder zumindest nach diesem Wort gegriffen, und was tatsächlich fehlte, war Wirkung. Niemandes Leben wird besser durch eine schöne Werbung für ein Fitnessstudio. Da ist keine tiefere Bedeutung. Das ist Verkauf.</p><p>Ich kam also nach Hause und war überzeugt: Jetzt ist es soweit, jetzt arbeite ich mit NGOs, jetzt kommen die sinnvollen Aufträge. Sie kamen nicht.</p><p>Und genau das setzt mir zu, weil mein Privatleben in diesen zwei Jahren alles war, was ich mir je gewünscht habe. Ich bin Vater geworden. Ich bin zu Hause glücklicher als je zuvor. Es ist die berufliche Seite, die mich runterzieht, und die muss ich ändern. Ich muss zurück in den Zustand, den ich kann: funktionieren, arbeiten, Probleme lösen, die vor mir liegen, statt in meinem Kopf.</p><p>Denn das war mein eigentlicher Fehler. Ich saß zu Hause und habe gedacht und gedacht und gedacht, was ich tun könnte. Ich habe winzige Schritte gemacht und mir eingeredet, dass sie jemanden anziehen, der mich in seine Produktion holt. Im Grunde stand ich am Straßenrand und habe getrampt und dabei ein immer größeres Schild gemalt, auf dem steht: Nimm mich mit. So bekommt man die Arbeit nicht, die man wirklich machen will.</p><p>Ich erzähle dir das aus einem bestimmten Grund. Unser Feed ist voll von erfolgreichen Menschen, die ihr bestes Leben leben und erklären, wie man dorthin kommt. Da ist ein Coach, und dann der nächste Coach, und alle verkaufen ein Programm. Es gibt sehr wenige, die aus der Mitte des Kampfes berichten, während sie noch mittendrin sind, ohne zu wissen, ob es klappt. Ich weiß nicht, ob es klappt. Aufgegeben habe ich nicht.</p><p>Der Plan sieht so aus.</p><p>Auf diesem Kanal nehme ich dich mit, ehrlich, inklusive der dummen Dinge, die ich tue, und der Teile, die nicht funktionieren. Auf dem anderen Kanal leben die Dokumentarfilme.</p><p>Ich entwickle gerade eine Doku-Serie mit dem Arbeitstitel Dreaming Against the Odds. Sie begleitet Menschen, denen ich mich verbunden fühle, die Träume haben, die von außen unmöglich aussehen, und die sich nicht dafür interessieren, ob es möglich ist, sondern nur dafür, es zu tun. Wir drehen bald. Ich habe lange daran gefeilt, und jetzt muss ich vor allem anfangen.</p><p>Und der Weg mit Diaka endete nicht in Kamerun. Wir bauen gerade eine gemeinnützige Organisation auf, in Deutschland und in Sierra Leone, gegen weibliche Genitalverstümmelung und für neue Möglichkeiten für Frauen und Mädchen. Mein Teil ist das Erzählen. Menschen für etwas Gutes zu gewinnen ist genau das, was ich gerade in meinem Leben brauche: bedeutsame Geschichten zu erzählen, die nicht von mir handeln, sondern von Menschen, die die Aufmerksamkeit weit mehr verdienen als ich.</p><p>Wenn du gerade in einer ähnlichen Situation bist, schreib mir einen Kommentar, eine Nachricht auf Instagram, oder nutz den WhatsApp-Link auf meiner Website. Nicht für Coaching, ich habe dir nichts zu verkaufen. Nur falls du jemanden zum Reden brauchst, der gerade im selben Loch sitzt. Ich bin da.</p><p>The Last Places ist kostenlos auf YouTube: <a href="https://youtu.be/_bvWFUl2CXc">https://youtu.be/_bvWFUl2CXc</a></p><p>Wenn du Teil von dem sein willst, was als Nächstes kommt: Patreon: <a href="https://www.patreon.com/c/NIX_Film">https://www.patreon.com/c/NIX_Film</a> · Steady: <a href="https://steady.page/en/nix-film/about">https://steady.page/en/nix-film/about</a> · Ko-fi: <a href="https://ko-fi.com/nix_film">https://ko-fi.com/nix_film</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 22 Sep 2026 13:13:13 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Minus 10 Grad, zwei Uhr nachts, in Unterwäsche]]></title>
      <description><![CDATA[Die Saison war vorbei, das Boot konnte tagelang nicht zurück. Dann kam der Sturm und zerlegte mein Zelt, während ich darin schlief. Feldnotizen aus Grönland.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Feldnotizen: Grönland, September 2023</em></p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fres.cloudinary.com%2Fdt7nyeqel%2Fimage%2Fupload%2Ff_auto%2Cq_auto%2Cw_1600%2Fgreenland-filmmaker-glacier-hike_vv8b3s.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=71503b5deedc1e93e5aba92245caf25c" alt="Über dem Eqi Gletscher, auf dem Rückweg im Frost"/><p><em>Über dem Eqi Gletscher, auf dem Rückweg im Frost</em></p><p>Die Saison am Eqi Gletscher endet Mitte September, wenn der Frost zurückkommt. Wir kamen kurz danach an. Die Lodge war geschlossen, die Touristen waren weg, und das Boot, das uns absetzte, würde tagelang nicht zurückkommen können. Ein Sturm zog auf. Markus wollte den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang, und das hieß, dort draußen zu übernachten. Das war keine kleine Entscheidung: Die Fahrt dauert sechs, sieben Stunden, und niemand fährt dort im Dunkeln mit dem Boot, weil man einen Eisberg trifft. Wenn das Boot einmal weg war, war es weg. Wir waren zu viert im Team. Die anderen zwei sagten nein, zu extrem, und ich kann es ihnen nicht verübeln. Wir zwei standen mit unserer Ausrüstung am Ufer und sahen dem Boot nach, wie es zwischen den Eisbergen verschwand.</p><p><a href="https://steady.page/f86aacb7-db34-44d8-aa2d-72a0182f1f4e/posts/32b3471c-267e-4088-a882-59c8c11d5692">Continue reading on Steady</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 18 Aug 2026 14:52:33 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zwei Lektionen aus dem größten Scheitern meiner Karriere]]></title>
      <description><![CDATA[https://youtu.be/Rhc4m8JJVAE Ich habe zwei Wochen in einem Bürgerkriegsland verbracht und Interviews gefilmt, die komplett erfunden waren. Menschen zeigten auf denselben…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<a href="https://youtu.be/Rhc4m8JJVAE">https://youtu.be/Rhc4m8JJVAE</a><p>Ich habe zwei Wochen in einem Bürgerkriegsland verbracht und Interviews gefilmt, die komplett erfunden waren. Menschen zeigten auf denselben Mann auf demselben Foto und sagten: Das bin ich. Das bin ich. Ich habe die Zeichen gesehen. Ich habe nichts gesagt. Das ist die Geschichte des größten Scheiterns meiner Karriere als Kameramann, und der zwei Dinge, die es mir beigebracht hat.</p><p>Um zu verstehen, wie ich dort gelandet bin, müssen wir fast hundert Jahre zurück.</p><p>Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine deutsche Filmemacherin namens Leni Riefenstahl. Sie hat Kamerafahrten, ungewöhnliche Perspektiven und die Kamera als Werkzeug für Emotion statt reiner Dokumentation vorangetrieben, und ihre Technik prägt bis heute, wie wir über Kameraarbeit denken. Sie ist gleichzeitig eine der umstrittensten Figuren der Filmgeschichte, weil sie dieses ganze Talent in den Dienst der Nazis gestellt hat. Nach dem Krieg bekam sie Berufsverbot.</p><p>Ein paar Jahre später las sie Hemingways Die grünen Hügel Afrikas und sah Fotografien des britischen Fotografen George Rodger von den Nuba in den Nuba-Bergen. Sie wurde besessen davon. Die grausame Ironie: Rodger war nach Afrika gegangen, um etwas Reines zu suchen und zu heilen von dem, was er kurz zuvor fotografiert hatte, nämlich die Befreiung der Konzentrationslager. Als diese deutsche Filmemacherin ihn fragte, wo diese Menschen leben, wollte er es ihr nicht sagen. Sie fand sie trotzdem. Von Ende der Sechziger bis in die Siebziger war sie immer wieder monatelang bei den Nuba und machte zwei Bildbände, die weltweit Bestseller wurden.</p><p>1956, bei ihrem ersten Dreh in Kenia, wurde sie von einem Lastwagen erfasst und lag im Koma in einem Krankenhaus in Nairobi. Im selben Krankenhaus brachte eine Frau aus Neuseeland ihren Sohn zur Welt. Die beiden Frauen trafen sich und sprachen kurz miteinander.</p><p>Und da komme ich ins Spiel, ungefähr sechzig Jahre später.</p><p>Diese Frau hat die Begegnung nie vergessen. Sie kaufte die Bücher. Sie verliebte sich in Afrika, lebte dort, wurde Art Director und Produzentin von Markenfilmen im asiatischen Markt, und landete schließlich in Australien, wo ich sie traf, während ich The Journey to the Climate drehte. Sie mochte meine Arbeit und erzählte mir von einem Traum: die Reise zu machen, zu der Riefenstahl nie mehr kam. In die Nuba-Berge fahren, ihren Spuren folgen, die Orte finden, an denen sie war, vielleicht sogar Menschen, die sich noch an sie erinnern. Sie war 86 Jahre alt und wollte mich als Kameramann engagieren.</p><p>Ich habe sofort ja gesagt. Ich kam gerade aus zwei abendfüllenden Dokumentarfilmen, ich war hungrig auf das nächste Abenteuer, und dieses hier hatte alles.</p><p>Man muss wissen, was die Nuba-Berge sind. Um die Region wird seit zwanzig Jahren gekämpft. Die Nuba sehen sich nicht als Teil des Nordens, das Gebiet liegt in der Nähe des Öls, und zwei Jahrzehnte lang wurden sie von Antonow-Bombern aus Khartum beschossen. Heute nennen sie sich Nuba-Republik und wollen von den Vereinten Nationen anerkannt werden, wofür natürlich niemand Lobbyarbeit macht. 2023 löste ein Putsch die Regierung auf, und zwei Militärs, die sich eigentlich gegenseitig kontrollieren sollten, begannen einen brutalen Krieg gegeneinander. Dieser Krieg nahm den Druck von den Nuba, und genau dieses Fenster machte unsere Reise möglich.</p><p>Wir sind ohne Visum aus Khartum eingereist. Wir hatten stattdessen ein Visum der Nuba-Republik, was mich bis heute fasziniert: Ich hielt ein Visum für ein Land in der Hand, von dem fast niemand weiß, dass es existiert. Der Plan war ein Buschflugzeug nach Norden zu einem Flüchtlingslager, dann mehrere Tage mit dem Auto über die Grenze in die Berge. Unser Kontakt sagte, es gebe dort nichts zu kaufen, also brachten wir einen Pickup voller Konserven mit. Ich habe mir mein eigenes Kabelsystem gelötet, um Kameras, Laptop, Licht und Drohne in der Wüste zu laden, und aus V-Mount-Akkus eine Powerstation gebaut, rund 1,5 Kilowattstunden, damit wir nachts arbeiten konnten.</p><p>Für all das bekam ich eine Pauschale von 6.000 Euro. Für zwei Wochen oder für fünf Wochen, je nachdem, wie es kommt. Gleiches Geld in beiden Fällen. Das hätte mein erstes Warnsignal sein müssen, und es war keins.</p><p>Wir kamen an und suchten Leni. Wir fragten jeden alten Menschen in der Gegend, ob er sich an eine deutsche Frau mit einer Kamera erinnert. Nichts. Keine einzige Erinnerung. Dann kam eines Morgens einer unserer Fahrer vom Markt zurück und sagte, er habe mit jemandem gesprochen, der jemanden kennt. Es gebe einen anderen Ort. Dort sei sie gewesen.</p><p>Und plötzlich war es der Jackpot. Ein sehr großer alter Nuba-Ringer, der sagte, er sei der Mann auf ihrem Foto. Ein Mann, der sagte, er habe in ihrer Nähe gewohnt und könne uns zu ihrem Haus bringen, und der uns dann zu den Ruinen führte. Ihre alte Nachbarin, die sich an sie erinnerte. Wir drehten Interview um Interview, ich filmte den ganzen Tag B-Roll.</p><p>Die ganze Zeit stellte ich mir dieselbe Frage: Was ist die Geschichte? Wo ist der rote Faden?</p><p>Für mich war die Antwort offensichtlich. Die Geschichte war sie. Eine 86-jährige Australierin, die ohne Regierungsvisum in ein Kriegsland einreist, um den Spuren einer Frau zu folgen, die sie an dem Tag getroffen hat, an dem sie ihren Sohn zur Welt brachte. Die eine kam aus dem Koma, die andere wurde gerade Mutter. Was für eine bessere Geschichte gibt es.</p><p>Drei Tage lang habe ich es so gedreht, und jedes Mal, wenn ich die Kamera auf sie richtete, wurde sie wütend. Sie wollte nicht im Film sein. Das ist nicht meine Geschichte, sagte sie. Also fragte ich sie, was die Geschichte sei, was Anfang, Mitte und Ende sein sollen, was ich filmen soll, um ihre Geschichte zu bedienen. Und sie sagte: Ich weiß nicht, was wir finden werden.</p><p>Gut. Wir fanden etwas. Also fragte ich noch einmal, wie sie all diese Orte und Interviews verbinden will. Das müssen wir sehen.</p><p>Beim dritten Mal fuhr sie mich an: Ich mache das seit fünfzig Jahren, wie lange machst du das, warum stellst du mich infrage.</p><p>Das war der Moment, in dem ich aufgehört habe zu fragen. Es ist ihr Film, sagte ich mir. Meine Aufgabe ist es, es so gut wie möglich aussehen zu lassen, nicht ihr zu sagen, was es ist.</p><p>Dann war da noch die Einstellung. Sie wollte eine Vorwärtsfahrt durch die Wüste, mit dem Dorf und dem Berg in der Ferne. Zu viele Büsche, um zu laufen, und zu Fuß war ich sowieso zu langsam und zu tief. Ich bot die Drohne an. Keine Drohne, sagte sie, wir brauchen beste Qualität, das ist die Schlüsseleinstellung. Was sie stattdessen wollte: Ich sollte aufrecht auf dem Dach eines Land Cruisers stehen, die Kamera über dem Kopf, während das Auto mit 30 Sachen quer durch die Wüste fährt. Niemand kann auf dem Dach eines Autos stehen, das durch das Gelände fährt, mit oder ohne Kamera. Diese Forderung kam über die nächsten Tage immer wieder.</p><p>Und dann häuften sich die Zeichen. Dieselbe Person, auf verschiedenen Fotos immer wieder gezeigt. Jemand, der plötzlich einen alten Aktenkoffer hervorholt. Eine Kette, die angeblich ihr gehörte. Es war zu gut, um wahr zu sein, und sie schien es nicht zu merken, oder nicht merken zu wollen.</p><p>Die Stimmung im Team kippte. Alle hatten eine Pauschale, alle hatten verstanden, dass es fünf Wochen werden könnten, und nach zwei Wochen wollten alle nach Hause. Ein einheimisches Teammitglied fing an, ihr ungefiltertes Wasser zu geben, in der Hoffnung, dass sie krank genug wird, um früher abzureisen. Ich habe es gesehen. Ich habe nichts gesagt. Ich habe stattdessen dafür gesorgt, dass sie immer gefiltertes Wasser von mir hatte, und so mein Gewissen halbwegs sauber gehalten. Es ist bis heute der Teil dieser Geschichte, auf den ich am wenigsten stolz bin.</p><p>An Tag zehn kam sie zu mir und fragte, ob wir genug für eine Geschichte hätten.</p><p>Ich weiß noch, wie ich dastand und mich entschieden habe. Ich hätte sagen können: Ich weiß nicht, was deine Geschichte ist, du hast es mir nie gesagt. Ich weiß nicht, was ich hier filme. Ich weiß nicht, wie du diese Interviews verbinden willst. Und ich habe ernsthafte Zweifel, dass irgendjemand von diesen Leuten uns die Wahrheit erzählt.</p><p>Stattdessen sagte ich: Ja, wir haben viel gedreht, ich glaube, da ist etwas drin.</p><p>Ich habe gelogen, weil ich nach Hause wollte. Länger bleiben brachte mir kein Geld, ich hatte jeden Tag Durchfall, und es gab keine Version davon, in der ich die Produktion durch Ehrlichkeit rette. Das war meine Logik damals, und sie war falsch.</p><p>Zwei Tage später flogen wir raus. In Juba gingen wir gemeinsam durch das Material, und sie war größtenteils zufrieden. Ich fuhr nach Hause und schickte meine Rechnung.</p><p>Stille. Eine Woche, zwei, drei. Ich schickte drei Zahlungserinnerungen. Nach etwa sechs Wochen kam statt einer Zahlung eine E-Mail. Sie sei mit ihrem Editor durch das Material gegangen, da sei keine Geschichte drin, das meiste meines Materials sei unbrauchbar, und ich solle noch einmal darüber nachdenken, was meine Arbeit eigentlich wert war, und ihr eine neue Rechnung schicken.</p><p>Das hat mich an einer Stelle getroffen, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich bin in eine richtige Abwärtsspirale geraten und habe infrage gestellt, ob ich überhaupt Geschichten erzählen kann, und ehrlich gesagt nagt das an schlechten Tagen bis heute. Ich habe eine Woche an einer Antwort geschrieben. Ich habe erklärt, dass ich gefragt habe, immer wieder, und dass mir gesagt wurde, ich solle jemanden mit fünfzig Jahren Erfahrung nicht infrage stellen. Ich rechnete nicht mit einer Antwort und hatte das Geld abgeschrieben. Sie lebt in Australien, ich in Deutschland, was hätte ich tun sollen.</p><p>Sie antwortete mit einer Entschuldigung.</p><p>Es sei ihr Fehler gewesen, schrieb sie. Sie habe nicht gewusst, was sie tut. Es tue ihr leid, dass sie diese Mail überhaupt geschickt hat, und natürlich bekomme ich meine 6.000 Euro. Und dann erzählte sie mir, warum sie so wütend gewesen war: Sie war im Berliner Archiv gewesen, hatte Riefenstahls Tagebücher gelesen und herausgefunden, dass Riefenstahl nie in diesem Ort gewesen ist. Kein einziges Mal. Jedes Interview, jede Erinnerung, das Haus, die Nachbarin, alles war für uns inszeniert worden, damit wir und unser Geld in diesem Ort bleiben und nicht in einem anderen.</p><p>Also war alles umsonst. Es wird keinen Film über diesen Ort geben.</p><p>Ich habe zwei Dinge gelernt, und ich sage beide sehr direkt.</p><p>Erstens: nie wieder eine Pauschale mit offenem Zeitrahmen. Sechstausend Euro haben meiner Anstrengung eine harte Decke eingezogen. Hätte ich gewusst, dass jeder Tag nach zwei Wochen noch einmal 500 bringt, oder auch nur 200, hätte ich darauf gedrängt zu bleiben und mehr zu drehen. Stattdessen habe ich die zweite Hälfte der Reise damit verbracht auszurechnen, was ich gerade verliere. Das nützt niemandem, weder mir noch dem Kunden. Wer mehr von meiner Zeit will, bezahlt die Zeit.</p><p>Zweitens, und das ist das eigentliche Scheitern: den Mund aufmachen, egal wie viel Erfahrung die andere Person hat. Ich habe gesehen, dass es keine Geschichte gibt. Ich habe die gefälschten Interviews gesehen. Ich habe gesehen, dass wir nie das Material sichten. Ich habe das Wasser gesehen. Und ich habe jedes Mal entschieden, dass es nicht mein Platz ist, weil ich oft genug klein gemacht wurde, um es zu glauben. Erfahrung ist nicht dasselbe wie Kompetenz. Das sieht man gerade überall auf der Welt, in deutlich größeren Räumen als einem Filmset.</p><p>Was mich am meisten stört, ist nicht das Geld. Es ist, dass die Nuba-Berge außergewöhnlich waren. Niemand hat sich an meiner Kamera gestört. Niemand hat mich schief angesehen. Menschen haben uns Mangos geschenkt. Der Gouverneur der Region hat mir seine Computerräume gezeigt und von den Projekten erzählt, die sie aufbauen. Es war der herzlichste Dreh meines Lebens, an einem Ort, den die Welt komplett vergessen hat, und nichts davon wird jemals zu sehen sein.</p><p>Erzähl mir von deinem größten beruflichen Scheitern und was du daraus gelernt hast. Ich lese jeden Kommentar, meistens zweimal, und ich würde auch gerne etwas lernen.</p><p>The Last Places ist kostenlos auf YouTube: <a href="https://youtu.be/_bvWFUl2CXc">https://youtu.be/_bvWFUl2CXc</a></p><p>Wenn du Teil von dem sein willst, was als Nächstes kommt: Patreon: <a href="https://www.patreon.com/c/NIX_Film">https://www.patreon.com/c/NIX_Film</a> · Steady: <a href="https://steady.page/en/nix-film/about">https://steady.page/en/nix-film/about</a> · Ko-fi: <a href="https://ko-fi.com/nix_film">https://ko-fi.com/nix_film</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 14 Aug 2026 09:32:13 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Knopf, den ich nie gedrückt habe]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt eine Version dieser Geschichte, in der The Last Places auf Amazon 3,99 kostet. Es wäre fast so gekommen. Ich hatte Tage in den Upload-Formularen von FilmHub…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt eine Version dieser Geschichte, in der The Last Places auf Amazon 3,99 kostet. Es wäre fast so gekommen. Ich hatte Tage in den Upload-Formularen von Filmhub verbracht, einem Distributor, der unabhängige Filme auf die großen Plattformen bringt: Metadaten, Artwork, Untertiteldateien, jedes Feld ausgefüllt, jeder Haken gesetzt. Ein einziger Knopf lag zwischen meinem Film und den Schaufenstern von Apple TV und Amazon. Das hier ist die Geschichte, warum ich ihn nie gedrückt habe, und warum du den Film heute Abend stattdessen kostenlos sehen kannst.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5ced9f6-ada4-496d-b87e-64da0560a61d/uploads/images/4qikjbr5ul/photo-1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Film und sein erstes Publikum, in einem Bild. Südsudan, 2022.</p><p>Zuerst: was der Klick gekauft hätte. Der Release hätte den US-Markt abgedeckt, Europa als Vielleicht, den Rest der Welt als Nein. Und die Plattform hatte gerade ihre Preise geändert: rund tausend Dollar allein für den Quality Check. Ich habe die Serviettenrechnung gemacht. Ungefähr fünfhundert Menschen hätten den Film kaufen müssen, bevor er seinen ersten Cent verdient, auf Plattformen, auf denen niemand ihn bewirbt, auf der falschen Seite des Atlantiks. Die Rechnung war schlecht. Die Rechnung war trotzdem nicht der Grund.</p><p>Der Grund war ein Satz vom Macher von LISTERS, dem Film, dessen Release-Modell ich mir am Ende geliehen habe. Er hat seinen Film verschenkt, weil er wollte, dass Menschen wie die in seinem Film ihn sehen können. Menschen ohne Geld. Dieser Satz hat mich nicht mehr losgelassen. Denn schick den anderen Release durch diesen Filter: Damit jemand in den Dörfern, die wir gefilmt haben, einen Film über sein eigenes Leben sehen kann, hätte er ein VPN gebraucht, Geld für das VPN, eine Zahlungsmethode, einen Account und eine erfolgreiche Suche nach einem unbeworbenen Film auf der richtigen Plattform im falschen Land. Das sind Menschen, die für uns Umwege gegangen sind. Sie haben Interviews organisiert, uns hineinbegleitet, für uns gekocht, Platz gemacht. Das Ergebnis hinter diesen Hindernisparcours zu sperren, war keine Geschäftsentscheidung mehr. Es war schlicht unfair. Nicht provokant, nicht kompliziert: unfair.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5ced9f6-ada4-496d-b87e-64da0560a61d/uploads/images/o42oormmim/the-last-places-south-sudan-nuba-pickup-selfie.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Menschen, die uns die Türen geöffnet haben. Nuba-Berge, Südsudan, 2022.</p><p>Und erreichbar ist da draußen keine Fantasie. In einem der Dörfer habe ich Abende mit dem jungen Chief verbracht, einem Mann in meinem Alter, der die Rolle gerade von der älteren Generation geerbt hatte, so wie es immer gemacht wurde. Er hat sich sehr für mein Smartphone interessiert. In seinem Haus standen ein kleiner Fernseher, ein Solarpanel, eine dünne Leitung Internet. Es ist wenig, und es wächst. Unsere Fixer, die Männer, die uns vom Flughafen abgeholt, mit den Ältesten verhandelt und den ganzen Film physisch möglich gemacht haben, sind ehemalige Mitglieder dieser Gemeinschaften, dort respektiert, heute im Tourismus, mit Handys in der Tasche. Ich habe den Film an jeden Einzelnen von ihnen geschickt. Ihre Reaktionen sind die besten Kritiken, die ich je bekommen werde, und ihre Handys werden ihn weiter tragen als jeder Distributor. Und über die Dörfer hinaus: die Menschen, die in die Städte gegangen sind und von Tag zu Tag für ihr Abendessen arbeiten, und die im Film vielleicht eine Erinnerung daran finden, wie sich Gemeinschaft angefühlt hat. Die Nachfahren in Luanda oder Lagos, die wissen, dass ihre Großeltern Cuepe oder Mandinka waren, und diese Welt nie gesehen haben. Die meisten Menschen auf dem Kontinent können nicht zu ihr reisen. Kein Geld, keine Visa. Wir haben nicht einmal für Diaka, eine der Protagonistinnen des Films, ein Visum für Angola bekommen, und Kamerun hat zwei Wochen Hotel-Limbo neben einem Flughafen gekostet. Ein Film über die letzten Orte, gesperrt hinter Grenzen und Paywalls, wäre ein schlechter Witz gewesen. Also ging er an den einen Ort, der beides nicht hat.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5ced9f6-ada4-496d-b87e-64da0560a61d/uploads/images/hlt7hr6awy/photo-3.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Alles, was wir hatten, auf dem Weg zum Zug. Kamerun, 2022.</p><p>Ich habe es vorher durch die Vordertüren versucht, fürs Protokoll. Wir saßen in Meetings mit ARTE, SWR und MDR. Die freundliche Zusammenfassung: nicht so richtig unser Themenfeld. Ein Redakteur war weniger freundlich. Er sagte uns, es sei problematisch, dass ein weißes Team afrikanische Gemeinschaften filmt, in seinen Worten: im Grunde ausbeutet. Diesen Satz trage ich bis heute mit mir herum. Wir haben hart versucht, das Team anders aufzustellen, und die Realität hat sich geweigert: Diaka bekam die Visa nicht, was genau die Ungerechtigkeit ist, von der der Film selbst erzählt. Auch das wurde uns vorgehalten. Besser wäre gewesen, dazu zu schweigen, sagte er. Es war eine Geschäftsantwort, die Ethik als Mantel trug. Die Streamer waren leiser: Netflix, Disney, Apple, Kontakte und Gespräche, dann Stille, nachdem sie den Film gesehen hatten. Später hat mir jemand aus der Branche die Stille erklärt. Niemand will die Person sein, die aktenkundig Nein gesagt hat zu dem Film, der später durch die Decke geht. Also sagt niemand irgendetwas, jemals, zu irgendwem. Irgendwo da draußen stehen ganze Karrieren auf unbeantworteten E-Mails.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5ced9f6-ada4-496d-b87e-64da0560a61d/uploads/images/aw3rgbeloo/photo-4.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Das Team, das die Realität erlaubt hat: Diaka, Markus und ich.</p><p>Kostenlos ist nicht schmerzlos, das will ich ehrlich sagen. In diesem Film stecken Jahre und echtes Geld. Wenn ich gute Nachrichten bringe, ein neuer Kommentar, sechshundert Views, ist das für Markus kompliziert. Dieselbe Zahl, die meinen Tag rettet, misst für ihn den Abstand zwischen dem, was wir am Anfang geträumt haben, und dem, wo wir stehen. Ich verstehe ihn. Aber ich kenne auch den anderen Preis, denn wir haben ihn zwei Jahre lang bezahlt, während der Film im Dunkeln lag: immer wieder gefragt zu werden, wann man ihn endlich sehen kann, und keine Antwort zu haben. Diese Frage hat mir früher die ganze Woche ruiniert. Heute ist die Antwort einen Link lang. Es ist der günstigste Preis, den ich je bezahlt habe.</p><p>Elf Tage später, hier sind die ehrlichen Zahlen: 655 Views, zehn Kommentare, ungefähr hundert Views am Tag, langsam steigend. Nach Internet-Maßstäben sind das Rundungsfehler. Nach meinen sind es Menschen. Kommentare aus Australien und aus China. Ein Reddit-Thread, der den Spamfilter überlebt hat und sich in kostenlose YouTube-Beratung von Fremden verwandelt hat. Jemand nannte den Film eine wunderschöne Verbindung aus Geschichte und Kunst, und von diesem Satz lebe ich seit Tagen. Die Fixer haben mit Sprachnachrichten geantwortet. Ein Kommentar am Tag reicht, um mich durch ihn zu tragen, und das ist keine Redewendung.</p><p>Also, das hier kannst du tun, wenn du den Film um eins nachts zu Ende schaust. Erstens: Respekt. Dann, in dieser Reihenfolge. Schreib einen Kommentar, denn ich werde den ganzen Tag darüber nachdenken, siehe oben. Zwing einen Freund, ihn zu schauen, ein ehrliches, liebevolles Du musst das sehen, denn in einer Welt aus KI-Brei und Acht-Sekunden-Schnitten ist es ein Geschenk in Gestalt von Zwang, neunzig Minuten stillsitzen zu müssen. Wenn du mehr willst: Mein Kanal und meine Website stehen offen. Und wenn du willst, dass es diese Art Film weiter gibt: Drei oder neun Euro im Monat kaufen die Stunden, in denen ich keine Werbung drehen muss, die Arbeit, an der ich gerade ausbrenne, und sie kaufen dir einen Platz am Tisch. Mitglieder schlagen Themen vor, Figuren, Geschichten, manchmal ihre eigenen. Du entscheidest mit, wohin die Kamera als Nächstes zeigt.</p><p>Irgendwo auf den Servern von Filmhubliegt mein Film noch immer in einem fertig ausgefüllten Formular, einen Klick von Amazon entfernt. Er kann da bleiben. Der Film lebt dort, wo die Menschen in ihm ihn erreichen können. Der junge Chief hat den Link. Das war der Punkt.</p><p>The Last Places ist kostenlos auf YouTube: <a href="https://youtu.be/_bvWFUl2CXc">https://youtu.be/_bvWFUl2CXc</a></p><p>Danke, dass ihr den kostenlosen Release moeglich macht. Ihr seid der Grund, warum die Rechnung aufgeht.</p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5ced9f6-ada4-496d-b87e-64da0560a61d/uploads/images/4qikjbr5ul/photo-1.jpg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Tue, 21 Jul 2026 17:14:28 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Berg unter meinem Schreibtisch]]></title>
      <description><![CDATA[Unter meinem Schreibtisch steht eine Maschine, und in der Maschine schläft ein Film. Die Maschine ist ein NAS, eine schwarze Kiste voller Festplatten, und sie tickt. Ich…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Unter meinem Schreibtisch steht eine Maschine, und in der Maschine schläft ein Film. Die Maschine ist ein NAS, eine schwarze Kiste voller Festplatten, und sie tickt. Ich höre sie jeden Tag, den ganzen Tag, während ich einen halben Meter darüber arbeite. An den meisten Tagen schaffe ich es, nicht daran zu denken, was darin liegt. An den anderen Tagen schreibe ich Artikel wie diesen.</p><p>Darin liegen rund vierzig Terabyte. Siebzig Stunden Material aus zwei Jahren Reisen an die Orte, an denen sich unser Planet am schnellsten verändert. Überschwemmungen in Bangladesch. Brennender Wald in Brasilien. Permafrost und Feuerwehrleute in Kanada. Das schmelzende Eis Grönlands. Das Great Barrier Reef in Australien. Ein Film, den Markus und ich gedreht und nie fertiggestellt haben, mit dem Titel The Journey to the Climate. Es gibt ihn noch nicht. Das ist der präziseste Satz, den ich über ihn sagen kann: Es gibt ihn noch nicht, und er tickt unter meinem Schreibtisch, während ich E-Mails beantworte.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d0f6b66-c704-4e2b-b7c9-5a89717e156f/uploads/images/fxypufd33c/012dc30479a1788884125bda1d6dc90cd9460ae4e2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Brasilien, 2022. Eine der siebzig Stunden."/><figcaption>Brasilien, 2022. Eine der siebzig Stunden.</figcaption></figure><p>Vor ein paar Wochen habe ich eine Abkürzung versucht. DaVinci Resolve hat ein Update veröffentlicht, bei dem eine KI das Material anschaut, versteht, was sie sieht, Clips benennt und in Ordner sortiert. Vielleicht, dachte ich, kann die Maschine den Berg für mich besteigen. Vielleicht öffne ich eines Morgens das Projekt und finde Struktur, wo ich Chaos zurückgelassen habe. Ich habe ihr alles gegeben. Meine Workstation lief drei Tage unter Volllast, die Lüfter heulten, der Stromzähler drehte sich, und es führte nirgendwohin, denn siebzig Stunden sind siebzig Stunden. Am vierten Tag stürzte die Software ab und nahm den kompletten Durchlauf mit. Vier Tage Rechnen für nichts. Ich habe das Projekt geschlossen und wieder an der Farbkorrektur von The Last Places gearbeitet. Das Ticken unter dem Schreibtisch änderte sich nicht. Berge sind geduldig.</p><p>Der Plan war damals einfach: The Last Places fertigstellen, verkaufen, den Klimafilm schneiden, auch verkaufen, Filmemacher werden. Ich war Mitte zwanzig, und es klang vollkommen solide. Also flogen wir. Zuerst Bangladesch, wo mich nach drei Wochen COVID erwischte und nach Hause schickte. Dann sechs Wochen Brasilien. Senegal. Grönland. Kanada. Australien im November 2023, der letzte Dreh, das Riff. Dazwischen filmte Markus auf Galapagos Hammerhaie, unberührte Natur als Gegengewicht. Wir hatten ein Thema pro Land und kein Drehbuch. Wir improvisierten, fanden Menschen unterwegs und drehten Bilder, die ich bis heute nicht ganz glauben kann. Was wir nirgendwo drehten, war eine gemeinsame Geschichte. Wir sammelten die teuersten Puzzleteile der Welt, ohne das Bild auf der Schachtel.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d0f6b66-c704-4e2b-b7c9-5a89717e156f/uploads/images/4d5yafg57e/01e21c776a508efd31e7cbbab60abf7b61d40abb43.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bangladesch, Juni 2022. Die erste Reise."/><figcaption>Bangladesch, Juni 2022. Die erste Reise.</figcaption></figure><p>Ich werde gefragt, wann das Projekt gestorben ist. Es ist nie gestorben. Es ist eingefroren, langsam, wie ein See einfriert: von den Rändern her, leise, während alle noch vom Schwimmen reden. Ich war auf Markus&#39; Boot gesprungen, genau so habe ich es damals gesehen. Er war der Regisseur, der Kopf für die Geschichte, derjenige, der wusste, wohin man die Kameras richtet. Ich habe ihn dafür bewundert, weil ich es selbst nicht konnte. Dann, im Schnitt von The Last Places, sah ich zu, wie die Geschichte sich ihm widersetzte. Da waren Löcher, kein roter Faden. Das Testpublikum sagte es. Ich hatte es nach dem ersten Rohschnitt selbst gesagt. Markus sagte einen Satz, über den ich bis heute nachdenke: Es gibt keine andere Art, das zu schneiden. Ich glaube, es gibt unendlich viele Arten, alles zu schneiden. Aber ich traute mir selbst keine einzige davon zu. Zwischen seiner einen Art und meinen null Arten stand der Film still.</p><p>Die größere Rahmengeschichte, die wir geplant hatten, brauchte Geld, das wir nicht hatten. Der Schnitt wurde schwerer, und ich sah zu, wie er für Markus schwerer wurde, als ein Mensch allein tragen sollte. Er begann, Scheitern zu sehen, wo zwei Jahre Arbeit lagen. Irgendwann hörte er auf. Anfang 2025 schloss er seine Produktionsfirma und verließ Deutschland endgültig. Ich habe es verstanden. Ich habe auch verstanden, was es bedeutete: Das Boot war weg, und ich schwamm. Vierzig Terabyte waren jetzt meine, um sie ans Ufer zu bringen.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d0f6b66-c704-4e2b-b7c9-5a89717e156f/uploads/images/zo3m6ab5xb/01675615b302a213b0cd7b3bec17159316f9d6f57a.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Kanada, 2023. Feuerwehrleute im verbrannten borealen Wald."/><figcaption>Kanada, 2023. Feuerwehrleute im verbrannten borealen Wald.</figcaption></figure><p>Gestern habe ich meinem Opa gezeigt, dass The Last Places draußen ist. Danach hat er sich durch meinen Kanal geklickt und mein Showreel gefunden, und ich habe zugesehen, wie er überrascht war, mit der ehrlichen Überraschung von jemandem, der still angenommen hatte, sein Enkel macht kleine alberne Videos, und stattdessen einen brennenden Wald in 8K sah. Dann stellte er die Frage, die wirklich jeder stellt: Warum machst du nichts damit? Warum kauft das niemand? Und ich gab die Antwort, die ich immer gebe: Weil es noch kein Produkt gibt. Ich habe das Rohmaterial. Ich muss erst etwas daraus formen. Er sagte, was alle sagen: Dann mach doch. Mach was draus. Für ihn ist es so einfach. Für meinen Vater ist es so einfach. Und sie haben recht, und es ist nicht einfach, und beides stimmt gleichzeitig.</p><p>Das passiert wirklich, wenn ich dieses Projekt öffne: Ich sehe siebzig Stunden, ich suche den Erzähler, der daraus neunzig Minuten machen soll, und ich finde ihn in mir nicht. Ich fühle mich als guter Kameramann und als schlechter Editor, und der Berg aus Schnittarbeit ist so groß, dass ich nicht einmal seinen Fuß finde, um loszuklettern. Angststarre ist der Fachbegriff. Was danach kommt, wenn ich nicht aufpasse, ist die alte Schleife: Du kannst das nicht, du konntest es nie, alles ist da hineingeflossen, und du wirst es verschwenden. Ich sage offen, dass diese Schleife einer der Gründe ist, warum ich in Therapie bin, weil ich beschlossen habe, dass das Stigma um dieses Wort nicht meines ist. Hinzugehen war keine Schwäche. Es ist die strukturierteste Arbeit, die ich je gemacht habe, an der einen Maschine, die keine Updates annimmt: meinem eigenen Kopf.</p><p>Warum also nicht loslassen? Nichts löschen, nichts versprechen, die Platten ticken lassen, bis sie sterben. Weil zu viele Menschen uns geholfen haben, als dass daraus nichts werden darf. Weil meine Mutter daran geglaubt hat, als das Ganze zwei Rucksäcke und ein Flugticket war. Weil ich irgendwo in diesen zwei Jahren aufgehört habe, ein Typ mit Kamera zu sein, und angefangen habe zu glauben, dass wir um diesen Planeten kämpfen müssen, und ich mich in die Idee verliebt habe, dass unsere Bilder Teil dieses Kampfes sein könnten. Und wegen meines Sohnes. Ich habe ihn in eine Welt gebracht, die ich selbst ständig kaputt nenne, und ein ungenutztes Vierzig-Terabyte-Archiv über genau das, unter dem Schreibtisch seines Vaters, ist nicht die Antwort, die ich ihm eines Tages geben will.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d0f6b66-c704-4e2b-b7c9-5a89717e156f/uploads/images/hiawj7ijms/01d5568bb5ba77468442b7f3e618df949f745d330d.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ölsand-Land, Kanada 2023."/><figcaption>Ölsand-Land, Kanada 2023.</figcaption></figure><p>Hier ist also die ehrliche Rechnung, und die ehrliche Rechnung ist, dass ich sie nicht habe. Ich kann nicht sagen, was es kostet, diesen Film fertigzustellen, denn die erste fehlende Zahl sind keine Euro, sondern ein Mensch: ein Editor. Die Rechtelage ist real, aber lebbar. Ich darf jedes Bild für einen Film verwenden, und dieser Film muss The Journey to the Climate heißen. Die Vertriebsrechte liegen bei Greenpeace, verkauft wird also nichts an Sender ohne ein Gespräch mit ihnen. Was ich immer darf: die Geschichten selbst erzählen, mit meiner eigenen Stimme, auf meinen eigenen Kanälen. Und genau dort landen Zeit und Geld, die zwei Dinge, die eine Mitgliedschaft wirklich kauft: Stunden, in denen ich keine Werbefilme drehen muss, und eine Landebahn, um den Editor in mir an kleineren Projekten zu trainieren, bis einer von uns bereit ist, der Film oder ich.</p><p>Aber vielleicht liegt der schnellere Weg gar nicht in mir. Vielleicht bist du es, oder jemand, den du kennst. Irgendwo da draußen gibt es einen Editor, der es satt hat, Content zu schneiden, der ein Projekt mit Bedeutung in seiner Filmografie will, der siebzig Stunden von sieben Klima-Kipppunkten liest, gedreht am Rand des Möglichen, und spürt, wie die Finger jucken. Diesem Menschen kann ich kein Gehalt bieten. Und den Deal, bei dem man umsonst arbeitet und hofft, biete ich aus Prinzip nicht an. Ich biete eine Partnerschaft: einen echten, vertraglich festgehaltenen Anteil an allem, was dieser Film je verdient, dasselbe Risiko, das ich trage, und einen Credit als Mitgestalter, keine Dienstleisterrechnung. Wenn es ein Erfolg wird, komme ich nicht zurück, um dich herunterzuverhandeln. Wenn das du bist: Meine E-Mail steht unten.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d0f6b66-c704-4e2b-b7c9-5a89717e156f/uploads/images/ke4xdgy3tp/01f0f71ca0f05f656b22a4e4481b9de26ed4fc9475.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Australien, November 2023. Der letzte Dreh."/><figcaption>Australien, November 2023. Der letzte Dreh.</figcaption></figure><p>Man kann nicht sagen, dass meine Versuche gescheitert sind. Die meisten haben noch nicht stattgefunden. Das ist entweder der traurigste Satz in diesem Artikel oder der hoffnungsvollste, und ich habe entschieden, dass es der zweite ist. Der Berg unter meinem Schreibtisch tickt weiter. Siebzig Stunden eines Planeten im Wandel, wartend im Dunkeln, doppelt gesichert. Gestern hat mein Opa gefragt, warum diesen Film noch niemand gekauft hat. Die ehrliche Antwort ist, dass ich nie jemanden gefragt habe. Betrachtet diesen Text als meine Frage.</p><p>Wenn du dieser Editor bist, oder ihn kennst: <a href="mailto:nickplatzer@nix-film.com">nickplatzer@nix-film.com</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 21 Jul 2026 11:41:26 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Nacht, in der Gotham nach Angola kam]]></title>
      <description><![CDATA[Dem Busch im Süden Angolas ist es egal, welches Jahr wir schreiben. Dornbäume, roter Staub, Ziegen mit dem Gesichtsausdruck von Steuerprüfern. Das Land hier draußen ist…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><br/>Dem Busch im Süden Angolas ist es egal, welches Jahr wir schreiben. Dornbäume, roter Staub, Ziegen mit dem Gesichtsausdruck von Steuerprüfern. Das Land hier draußen ist alt, geduldig und an Kino vollkommen desinteressiert. In diese Landschaft hinein klappte ich jeden Abend bei Sonnenuntergang einen Tisch auf.</p><p>Darauf: ein Laptop, zwei Kartenleser, eine Reihe kleiner schwarzer Festplatten. Es war, soweit ich weiß, der einzige Schnittplatz im Umkreis von hundert Kilometern. Kein Dach, keine Tür, keine Adresse. Ich nannte ihn den Schnittplatz im Busch. Das Dorf nannte ihn vermutlich das leuchtende Ding, das die Gäste nach Einbruch der Dunkelheit anbeten. Eines Nachts würde dieser Tisch eine Stadt zeigen, die keiner von uns je gesehen hatte, und der Abend würde früher enden, als irgendjemand wollte.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fd49bdee-c0e3-4f77-bbdb-781651f7dcac/uploads/images/35535xhahk/017c0ccdf4e4c727c15d18c4391e1fe0284c065cff.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wir waren für The Last Places in Angola, den Dokumentarfilm, den Markus und ich in fünf Ländern gedreht haben: Südsudan, Angola, Kamerun, Nigeria und Tschad. Da draußen gibt es keine Cloud, keinen Server, niemanden, den man anrufen kann. Monate an Material existierten nur auf den Platten in meiner Tasche. Ich werde manchmal gefragt, wovor ich auf diesem Dreh am meisten Angst hatte. Schlangen? Checkpoints? Malaria? Nein. Vor dem leisen Klicken einer Festplatte, die nicht mehr aufwacht. Material, das einmal existiert, existiert nicht. Also: jede Datei, jeden Abend, doppelt.</p><p>Die Karten kamen noch warm aus den Kameras: die SSDs aus meiner Ronin 4D, die Drohnenkarten, Markus&#39; Fotokarten. Alles lief gleichzeitig auf zwei SanDisk-Platten, mit einer kleinen Software namens Hedge, die auf zwei Ziele in voller Geschwindigkeit kopiert. (Hedge und ich haben uns inzwischen getrennt. Updates sperrten die Version, die ich bezahlt hatte. Ein Wutanfall für ein anderes Lagerfeuer.) Danach gab es nichts mehr zu tun, außer zwei grünen Balken beim Kriechen Richtung hundert Prozent zuzusehen, während der Busch dunkel wurde.<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fd49bdee-c0e3-4f77-bbdb-781651f7dcac/uploads/images/6juyp74rkj/013438abf91a23da28ab7ca23695fb289006143a5d.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Allein war ich dabei nie. Zuerst kamen die Kinder, aus der Dämmerung heraus, wie Kinder überall auf der Welt sich um leuchtende Bildschirme sammeln. Dann die älteren Geschwister. Dann die Ältesten, die persönlich nach dem Rechten sahen. Sie schauten zu, wie Dateien kopiert wurden. Sie schauten Fortschrittsbalken an und langweilten sich nicht. Ich mich auch nicht. Ich war gekommen, um ihre Welt aufzuzeichnen. Jeden Abend standen sie um meinen Tisch und studierten meine.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fd49bdee-c0e3-4f77-bbdb-781651f7dcac/uploads/images/nu2tjovgat/0161e9042614b095904740b628bf286f57e23f10d0.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Auf den Platten war mehr als Filmmaterial. Eines Abends, als die Kopien fertig waren und das Feuer heruntergebrannt war, machten wir aus dem Schnittplatz ein Kino.</p><p>Auf dem Programm: The Batman. Drei Stunden Regen und Neon auf einem Fünfzehn-Zoll-Bildschirm, Sounddesign von den Grillen. Das ganze Dorf kam. Kinder in der ersten Reihe, dahinter die Ältesten. Und je länger der Film lief, desto näher rückten alle heran. Szene für Szene zog sich der Kreis um den Laptop enger, bis die letzte Reihe gegen die erste drückte und ich den Film aus dem Inneren einer warmen Menschenwand sah.</p><p>An den Geruch erinnere ich mich klarer als an die halbe Handlung. Der ehrliche Geruch von Menschen, die dort leben, wo Wasser zum Trinken da ist und nicht zum Duschen, mit einer unverkennbaren Note von einem Kind in meiner Nähe, bei dem die Badezimmerroutine noch ein paar offene technische Fragen hatte. Es störte niemanden, also beschloss ich, dass es mich auch nicht stört. Kino in Gotham hat Popcorn. Kino im Busch hat Realität.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fd49bdee-c0e3-4f77-bbdb-781651f7dcac/uploads/images/tvq7jjaldb/01a517b41f31d4301a68722ffaabea40adc6fd3314.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Sie waren ein großartiges Publikum. Sie keuchten, lachten, warnten den Helden laut. Und immer, wenn Gotham in Sirenen und Chaos versank, zeigten die Ältesten auf den Bildschirm und riefen den Kindern zu: Das ist Luanda! Das ist Luanda! Nicht London, nicht New York. Luanda, ihre eigene Hauptstadt. Praktischer kann eine Warnung nicht sein: Schaut hin, das macht die Stadt mit den Menschen. Gotham bestätigte alles, was sie je über sie gesagt hatten. Batman, Beschützer von Gotham, unbezahlter Jugendberater Südangolas.</p><p>Dann kam das Ende. Catwoman stellt sich gegen Falcone, den unantastbaren Mann von Gotham, ihren eigenen Vater. Sie kämpft gegen ihn. Sie gewinnt. Die Stimmung kippte, schnell und ohne Diskussion. Die Ältesten standen auf, es fielen Worte, die ich nicht verstehen musste. Die Vorstellung war beendet. Frauen und Kinder wurden ins Bett geschickt, die Männer verschwanden hinterher, und innerhalb von zwei Minuten saß ich allein vor einer brennenden Stadt. Ich klappte den Laptop zu. Der Film blieb unvollendet, zwanzig Minuten vor dem Ende.</p><p>Ich erzähle das nicht, um über irgendwen zu urteilen. Wir waren Gäste. Es war eine Nacht, ein Film, in einem Dorf, das uns herzlicher aufgenommen hat als die meisten Filmsets, die ich kenne. Aber es ging so schnell. Eine Ordnung, die so alt aussieht wie die Berge, wurde nervös vor zwei Minuten Fiktion. Ein System, das seine Leute ins Bett schicken muss, damit sie keine Frau gewinnen sehen, ist nicht stark. Es hat Angst. Für uns war es ein Filmabend. Für die Ältesten war es Zugluft durch eine Tür, die sie ihr Leben lang geschlossen gehalten hatten.</p><p>Alles, was wir in diesem Jahr gefilmt haben, existiert doppelt, auf zwei Platten, damit kein einzelner Ausfall es löschen kann. Das Ende dieses Films existiert in diesem Dorf null Mal. Nicht weil eine Platte geklickt hat. Sondern weil es eine Frau zeigte, die gewinnt. Von allen Dateien, die über meinen Tisch gelaufen sind, denke ich am häufigsten an die, die nie zu Ende gespielt wurde.</p><p>Der Tisch lässt sich immer noch klappen. Aus dem Material wurde der Film, den man heute sehen kann. Und irgendwo im Süden Angolas erinnert sich eine Generation von Kindern halb an eine regennasse Stadt voller Sirenen und weiß es besser, als jemals nach Luanda zu ziehen. Es ist bis heute der beste Schnittplatz, an dem ich je gearbeitet habe: roter Staub, geduldige Gesellschaft, zwei Kopien von allem, was wichtig war, und ein Ende, das entkommen ist.</p><p><br/><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 10 Jul 2026 08:10:45 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[It starts this Friday]]></title>
      <description><![CDATA[Hi, I'm Nick. Documentary filmmaker, cinematographer and colorist from Lake Constance. For the past three years I was behind the camera of THE LAST PLACES - Path to the…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hi, I&#39;m Nick. Documentary filmmaker, cinematographer and colorist from Lake Constance. For the past three years I was behind the camera of THE LAST PLACES - Path to the Roots, filmed together with Markus Mauthe, Diáka Koroma and Joan Riera across South Sudan, Angola, Cameroon and Nigeria.</p><p>This Friday, July 10, we&#39;re doing something unusual with it. We&#39;re releasing the complete, award-winning film on YouTube, for free, in an Extended Cut with a Nigeria chapter nobody has seen before. Free, because the people who opened their villages and lives to us should be able to watch their own story. No paywall, no borders.</p><p>This page is what makes free possible. Members get behind-the-scenes stories from the road and the edit room, early access to what comes next, and a direct line to me.</p><p>See you Friday. - Nick</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 10 Jul 2026 07:58:41 +0000</pubDate>
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