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    <title>Der siebte Tag</title>
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    <description>Nils Minkmars wöchentlicher Newsletter</description>
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      <title>Der siebte Tag</title>
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      <title><![CDATA[Gruß aus der Küche]]></title>
      <description><![CDATA[Was die Rechtsradikalen vorhaben/Auf das Leben/Jan und Jan/Uslar im Wald/Rezepte Wenn man viel unterwegs ist, registriert man Veränderungen besser als zu Hause. Es gibt…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was die Rechtsradikalen vorhaben/Auf das Leben/Jan und Jan/Uslar im Wald/Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5d5f6fe0-d2a1-4d3e-8d67-9ab5eb069ea7/uploads/images/xjj2rd4nu2/IMG_1782.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wenn man viel unterwegs ist, registriert man Veränderungen besser als zu Hause. Es gibt Hotels wie den Reichshof in Hamburg, in denen ich sehr gerne bin und seit vielen Jahren immer wieder absteige. Unterdessen hat das Haus mehrfach den Besitzer gewechselt. Auch das Personal wird dann ausgetauscht. Kaum einmal sehe ich ein bekanntes Gesicht. Ich würde solchen alten Hotels oder Restaurants immer raten, auf persönliche Verbundenheit und gut bezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu setzen, langfristig ist das der Weg, um Kunden zu gewinnen und zu halten. Längst gibt es billigere Übernachtungsangebote, große Ketten, die weitgehend digital funktionieren, mit Check-in-Automaten und allenfalls einem Werkstudenten vor Ort arbeiten.</p><p>Die Menschen, die im Hotel arbeiten, in der Gastronomie oder einer anderen Branche des Dienstleistungsgewerbes, können sich an den Orten, an denen sie arbeiten, keine Wohnung leisten. Stattdessen wechseln sich die jungen Leute ab, ziehen weiter, und das ganze Arbeitsleben funktioniert wie die Mini-Auktionen auf Uber oder Ebay. Garantiert gewerkschaftsfrei.</p><p>Es gäbe also Themen genug für eine linke Partei, meinetwegen auch für eine konservative, ständische Protestpartei.</p><p>Aber in diesen Tagen konnte man glasklar erkennen, dass sowohl AfD und BSW als auch das Rassemblement Nationaldas nicht sind. Sie wähnen sich nahe der Macht und formulierten, in je verschiedener Form, schon mal ihre wichtigste Botschaft. Am Mittwoch verabschiedeten AfD und BSW im Landtag von Sachsen-Anhalt einen gemeinsamen Antrag mit dem Titel „Friedensgespräche statt Ausweitung des Krieges in der Ukraine“. Gefordert werden darin die Einstellung der Waffenlieferungen und aller finanziellen Hilfen, die über humanitäre Unterstützung hinausgehen, sowie die sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Ulrich Siegmund, der Ministerpräsident werden möchte, sprach von einem „historischen Tag“. Und in Frankreich stellte Marine Le Pen in einem Interview mit der Financial Times die weitere finanzielle Unterstützung der Ukraine infrage und verwies auf die hohen Kosten für Frankreich.</p><p>Es ging also nicht um die berühmten Bushaltestellen auf dem Lande, um Respekt vor dem Andenken ostdeutscher Lebensläufe, nicht um billigere Wohnungen oder bessere Arbeitsverträge. In alter rechter Logik hätten sie ja eine Bevorzugung europäischer Firmen für europäische Aufträge fordern können, oder was weiß ich. Stattdessen hatten sie in diesen Tagen vor allem ein Thema und ein Ziel: die Unterstützung der Ukraine zu beenden oder entscheidend zu schwächen.</p><p>Menschen, die seit Jahren ihre Tage und Nächte in Todesangst verbringen, sollen auch noch die Mittel zu ihrer Verteidigung verlieren, darunter die dringend benötigten Waffen für ihre Luftabwehr.</p><p>Ich möchte gar nicht darüber spekulieren, warum diese Parteien objektiv im Sinne Putins agieren. Über mögliche Motive und Verbindungen lässt sich streiten, über die politischen Folgen dieser Forderungen kaum. Russland nutzt dieses politische Lager geschickt, könnte aber nicht im Alleingang für diese Wahlerfolge sorgen. Ich weiß schlicht nicht, wie sich jemand als zentrales politisches Ziel einen solchen Horror wie die Niederlage der Ukraine wünschen kann. Ich weiß hingegen sicher, dass diese Botschaft in diesem Stadium absolut ernst zu nehmen ist: Sollten Rassemblement National und AfD die Regierungspolitik ihrer Länder bestimmen, droht Europa eine Ordnung, in der wieder das Recht des Stärkeren gilt. </p><p>Und die Grausamkeit. Das ist der tiefere Sinn solch eines Vorhabens: Wer sich, wie die Menschen der Ukraine, einer größeren Macht widersetzt, muss hart, öffentlich und möglichst grausam leiden. So ist die Welt, und alle haben sich zu fügen – Jahrhunderte der Aufklärung und der Freiheitskämpfe würden zurückgedreht. Reiche Männer beherrschen die Welt, alle anderen kuschen. Warum die das möchten, was da der seelische Beweggrund oder politische Gedanke ist? Keine Ahnung. </p><p>Ich weiß nur, dass wir es verhindern müssen.</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.ardmediathek.de/video/ard-history/le-chaim-auf-das-leben-unserer-eltern/hr/Yjc0ODljNmMtN2UxOC00M2YwLTk2NWUtZDUwNmRiYjUzM2Jl">https://www.ardmediathek.de/video/ard-history/le-chaim-auf-das-leben-unserer-eltern/hr/Yjc0ODljNmMtN2UxOC00M2YwLTk2NWUtZDUwNmRiYjUzM2Jl</a><p>Durch Zufall habe ich diese berührende Dokumentation über die jüdische Tradition des alten Frankfurter Bahnhofsviertels entdeckt. Der Autor Adrian Oeser versammelt Angehörige verschiedener Generationen in einem Lokal, dann erzählen sie aus ihrem Leben. Für viele Familien aus dem DP-Lager Föhrenwald, in dem auch Rachel Salamander groß wurde, ging es statt nach Palästina oder Amerika eben nach Hessen. Das Frankfurter Bahnhofsviertel und einige Wohnsiedlungen wurden zur neuen Heimat. Oskar Schindler, der während der NS-Zeit zahlreiche Jüdinnen und Juden gerettet hatte, wohnte auch dort. Heute ist das Frankfurter Bahnhofsviertel immer noch einen Besuch wert, hat aber einen ganz anderen Charakter angenommen. Die Frankfurter jüdische Gemeinde ist bis heute eine Quelle der moralischen und intellektuellen Inspiration für die ganze Republik. Der beste Satz im Film ist die Antwort eines Zeitzeugen auf die Frage, welchen Plan die Eltern verfolgt haben, als sie die Shoah überlebt hatten und nun in Frankfurt gelandet waren: „Der Plan war: Man lebt!“</p><p>Die Doku ist schon aus dem Jahr 2024, wurde aber erst vor wenigen Tagen erneut ausgestrahlt. Ich habe sie jetzt erst entdeckt. Schon seltsam: Jeder Dokumentarfilm wird auf Netflix und Co. groß und effektiv beworben, in den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen muss man selbst auf Schatzsuche gehen. Lohnt sich aber.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Zu den großen Momenten der Satire in diesen komplizierten Zeiten zählen die Lanz-und-Precht-Persiflagen von Jan Böhmermann in den Sketchen von <em>Jan und Jan</em>. Immer wenn das Adjektiv <em>jüdisch</em> fällt, unbedingt „Vorsicht!“ flüstern! Merksatz: „Nur weil man handelt, denkt und aussieht wie ein Nazi, ist man doch noch nicht gleich ein Nazi!“</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=utYEqbWiByI">https://www.youtube.com/watch?v=utYEqbWiByI</a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5d5f6fe0-d2a1-4d3e-8d67-9ab5eb069ea7/uploads/images/j322b7p3h3/IMG_1809.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Vor zwei Jahren verabschiedete sich der Kollege Moritz von Uslar aus dem Journalismus und übernahm den Forstbetrieb seiner Familie in Oberfranken. Von dort schrieb er einen politisch und literarisch ambitionierten Blog, den es nun unter dem Titel <em>Meldungen aus dem Wald</em> als Buch gibt. Ich habe noch nicht alles gelesen, aber diese Art von Büchern mag ich besonders, wenn Alltagsnotizen, Naturbeschreibungen und politische Zwischenrufe sich abwechseln! Romantische Passagen über neblige Waldtäler sucht man vergebens, findet aber dafür sehr viel bundesdeutsche Provinz. Es geht um Wurst, den SPD-Ortsverein, die Liebe, das Älterwerden und erwartbar auch immer wieder um Holz. Dabei bemüht sich Uslar immer um eine neuartige, radikal moderne Sprache, die vom Deutsch der Chats, von der Alltagssprache und den besten Feuilleton-Texten inspiriert ist – in wenigen Jahren sicherlich Abiturstoff.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Langsam nähert sich die Saison, in der man sich mit Kohl beschäftigen sollte. Ich finde, am besten genießt man das vielseitige Gemüse mit einem feinen Stück Huhn</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=3oRDxz-RwDk">https://www.youtube.com/watch?v=3oRDxz-RwDk</a><p>Und Kürbis – ähnliche Problematik, hier ganz ohne Fleisch</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ll1P0qc3V7c">https://www.youtube.com/watch?v=Ll1P0qc3V7c</a><p><strong>Kopf hoch</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS:Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 18 Oct 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Herbst der Reformen]]></title>
      <description><![CDATA[Bücher, Jugend, Politik/Serie Nine to Five/ Buch Zwanzig Trends/BHL bei Beigbeder/Rezepte Wenn ich am ersten Tag der Buchmesse die Gänge entlanggehe, freue ich mich…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bücher, Jugend, Politik/Serie Nine to Five/ Buch Zwanzig Trends/BHL bei Beigbeder/Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/59533924-9e16-4c9b-84bc-acdc428325f6/uploads/images/kje3arai4j/IMG_1708.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wenn ich am ersten Tag der Buchmesse die Gänge entlanggehe, freue ich mich immer, es ist sogar Herzklopfen und Übermut zu verzeichnen. Es ist für mich wie der erste Schultag nach den großen Ferien: Endlich sieht man mal wieder alle, ohne sich umständlich verabreden zu müssen.</p><p>In diesem Jahr war es ein wenig anders, denn die Anordnung der Stände in den Hallen hat sich geändert: Im ersten Geschoss der großen, hellen Halle 3 waren plötzlich Länderstände, während die großen deutschen Verlage und Mediennun im Erdgeschoss der Halle 5 wohnen. Die gleicht leider einer Tiefgarage, sodass ich mir die halbe Zeit vorkam wie ein Statist in einer Watergate-Verfilmung, wenn Woodward und Bernstein ihren Informanten auf einem Parkdeck treffen.</p><p>Ich spaziere dann gerne ziellos durch die Gänge, auch bei den asiatischen oder amerikanischen Verlagen, und versuche, die Themen der Zeit zu verstehen. Sie sind auf der ganzen Welt gleich: Geschichten über Herkunft und Familie, Tipps für das Berufsleben, sehr viele Bücher über Kindererziehung und gute Bildung, Bücher über Gesundheit, gutes Essen und schöne Einrichtung. Das ist der universelle Aspekt der Messe und gerade in diesen polarisierten Zeiten so wichtig. Aber mich fasziniert auch die Fähigkeit des Menschen zur subjektiven Deutung der Welt. Das sieht man an den ganz kleinen Ständen, in denen meist männliche, ältere Eigenbrötler ihre Weltdeutungstheorien präsentieren, samt Buchreihe, Schaubild und am besten noch mit einem alten Monitor in der Ecke, auf dem sie selbst einen Vortrag halten. Die Sekten sind da, die Anarchisten, auch einige Rechtsradikale, es ist ein Gang durch den wilden Garten der menschlichen Seele.</p><p>Aber die Probleme zeichnen sich auch ab. Ich kann und soll sogar in meiner Arbeitszeit lesen. Aber für die meisten Menschen gilt das nicht. Und selbst wer sehr gerne liest, schafft nicht viele Bücher im Jahr. Hinzu kommt, dass viel auf Bildschirmen oder elektronischen Readern gelesen wird, gerade unterwegs. Dem trägt kaum ein Verlag Rechnung. Manche Herbstprogramme umfassen Zehntausende von Seiten und im Frühjahr noch einmal so viel. Ich bin ein großer Fan von gebundenen Büchern, aber ganz ehrlich: Viele Studien, Sammelbände oder Gesamtausgaben sind auch als PDFgut veröffentlicht.</p><p>Ich traf nach langer Zeit auch meinen Freund Ulrich, der die fragwürdige Erfahrung gemacht hat, gleich dreimal die Häuser oder Wohnungen von verstorbenen Angehörigen leeren zu müssen. Nun trennt er sich auch von vielen Sachen und Büchern, um eines fernen Tages – denn er ist superfit – seinen Kindern nicht auch noch diese Last aufbürden zu müssen.</p><p>Besonders leicht hat man es im Gespräch mit den Youngsters ja nicht: Krieg in Europa, Klimakrise, die Typen in Moskau und Washington – so darf es nicht mehr lange bleiben.</p><p>Gestern, bei unserem rituellen Burgeressen am Samstagmittag, seufzte unser Sohn vor politischem Frust: Seit Jahren, findet er, nur schwache Kanzler und Minister. Niemand zum Aufschauen und offensichtliche Lügen. In seiner Clique gibt es ein ganz einfaches Kriterium zur Beurteilung von Politikerinnen: Halten sie Wort? Oder findet sich, nur einen Wisch weiter, schon ein Beleg dafür, wie sie sich im Selbstwiderspruch verfangen?</p><p>Ich habe neulich eine gute Erklärung für die Rebellion der Gymnasiasten in Frankreich gelesen. Die Zustände an den Schulen dort sind ja sehr unterschiedlich und schwanken, je nach Schule und Region, aber nichts ist wirklich neu. (Hinzu kam, dass sich bald die üblichen Schläger und Plünderer der Sache angeschlossen haben. Die sind allzeit bereit, wenn es darum geht, irgendwo Läden zu plündern oder Rabatz zu machen, Hooligans eben. Die waren nichts Neues.)</p><p>Neu ist, dass seit September 2026 die Mobiltelefone an den Schulen in Frankreich verboten sind.</p><p>Die jungen Leute mussten sich mangels digitaler Angebote die analoge Welt besehen, in der sie nun Abitur machen würden. Und so begann der Aufstand der Gymnasiasten.</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.zdf.de/play/serien/nine-to-five-das-amt-100/nine-to-five---das-amt-tag-1-100">https://www.zdf.de/play/serien/nine-to-five-das-amt-100/nine-to-five---das-amt-tag-1-100</a><p>Die Zeiten sind komplex, die Tage kürzer, man benötigt etwas Comic Relief. Nun würde einem als Kulisse einer Comedyserie nicht unbedingt ein Berliner Amt einfallen, aber in dieser charmanten Serie gelingt das sehr gut. Die Charaktere sind vertraut genug, man steigt direkt ein, andererseits sind sie aber so schräg, dass sich eine ganz eigentümliche Komik entwickelt. Tülin Sezgin, bekannt als Conny from the Block, spielt die Kantinenchefin Hanni. So eröffnet sich ein Blick auf das eigene Land, wie er zuletzt selten geworden ist: nicht zornig oder verzweifelt, sondern voller Humor.</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.youtube.com/watch?v=4-2MEO0rp4w">https://www.youtube.com/watch?v=4-2MEO0rp4w</a><p>Es dauert wohl noch eine ganze Weile, bis die Memoiren von Bernard-Henri Lévy auf Deutsch erscheinen. Aber in diesem launigen Gespräch bekommt man schon einen guten Eindruck von der einzigartigen Geschichte und Tonalität des Buchs. BHL kommt mit lauter völlig unvermuteten Geschichten und Anekdoten. Besonders rührend finde ich eine, in deres um seine jüngere Schwester geht, Véronique. Sie ist zum Katholizismus konvertiert, zu einer besonders strengen oder altgläubigen Gemeinde. Deren Pastor geriet in Schwierigkeiten und Huddel mit dem Vatikan. Also bat Véronique ihren berühmten, jüdischen Bruder, an den Papst zu schreiben. Und weil die Familie oder überhaupt eine gute Tat, ein Dienst für liebe Menschen, bei ihm einfach alles toppt, setzt sich der Atheist BHL hin und schreibt an den Vatikan. Und das Beste: Es klappt.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/59533924-9e16-4c9b-84bc-acdc428325f6/uploads/images/xbyfsm57wr/IMG_1748.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>In einer trauten und vielleicht angeheiterten Runde saßen die Kollegen und Freunde Thomas Knüwer, Richard Gutjahr und Frank Horn zusammen und sprachen über ein von der Politik vergessenes Thema, die Zukunft. Die drei anerkannten Digital- und Tech-Journalisten nahmen konkret das Jahr 2035 in den Blick. Sie wagen keinen Blick in die Kristallkugel, sondern entwickeln einfach gewisse Trends weiter, die heute schon zu beobachten sind. Es geht dabei nicht um die Unwägbarkeiten der Wahltage, sondern eher um die Themen Robotik, Wirtschaft, Künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Netzwerke, also gewissermaßen um den technologischen, sozialen und wissenschaftlichen Rahmen, in dem sich das Leben dann abspielt. Tja, und siehe da: Der Abgesang auf die Zukunft muss nicht sein, ganz im Gegenteil.</p><p>Und weil es ein privates Projekt ist, haben die drei es auch im Eigenverlag veröffentlicht. Bestellen kann man es unter <a href="http://www.zwanzigtrends.com/">www.zwanzigtrends.com</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In dieser Woche ist mir nach einem Klassiker der französischen Küche, mit dem auch kommende kühlere und dunklere Tage gut zu überstehen sind. Das berühmte Coq-au-vin-Rezept von Paul Bocuse kommt da genau richtig, allerdings von einem seiner Schüler neu interpretiert:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Z0MOS37mhbw">https://www.youtube.com/watch?v=Z0MOS37mhbw</a><p>Und als vegetarische, saisonale und auch bezahlbare, dabei besonders köstliche Variante:</p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/geschmorter-spitzkohl-mit-einer-cremigen-paprikamark-buttersauce-mit-fein-geriebenem-mittelaltem-gouda-etwas-chili-knoblauch-und-frischem-thymian/">https://www.herrgruenkocht.de/geschmorter-spitzkohl-mit-einer-cremigen-paprikamark-buttersauce-mit-fein-geriebenem-mittelaltem-gouda-etwas-chili-knoblauch-und-frischem-thymian/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: In der letzten Ausgabe habe ich eine Anekdote aus den Essais von Montaigne zitiert und es an einer angemessenen Einordnung mangeln lassen. Was Montaigne da beschreibt<strong>,</strong> ist nach heutigem Recht eine Vergewaltigung. Damals war es auch schon Unrecht, wäre aber mangels Zeugen nicht verfolgt worden. Zwei Leserinnen haben mich darauf hingewiesen, das war von mir etwas zu verkürzt aufgeschrieben. Der Fall Pélicot beispielsweise zeigt, dass solche Verbrechen nicht der fernen Vergangenheit angehören.</p><p>PPS:Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 11 Oct 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der leere Turm]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn nur Geld wohnt/Serie Catastrophe/Karlsruhe/Les Grands Buffest/Rede Burnham/Rezepte Jeden Tag gehe ich an einem spektakulären Neubau vorbei, einem hohen Wohnturm,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn nur Geld wohnt/Serie Catastrophe/Karlsruhe/Les Grands Buffest/Rede Burnham/Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cc08c71a-86e3-4a5a-a045-974b7a285f9f/uploads/images/3h22gtfh7c/IMG_9406.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Jeden Tag gehe ich an einem spektakulären Neubau vorbei, einem hohen Wohnturm, den man von überall her sieht. Die ganze Anmutung des Baus ist luxuriös, hier sollen mal reiche Menschen einziehen und sich das gesamte Rhein-Main-Gebiet besehen. Einen klassischen Balkon gibt es nicht, auch keinen Garten, und die Preise dürften wirklich hoch sein, dafür wurde eine besondere Ausstattung versprochen: Concierge, Fitness, alles Mögliche.</p><p>In einer Doku des Hessischen Rundfunks kann man noch sehen, wie das alles mal gedacht war:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=MbXa8sdzgtg">https://www.youtube.com/watch?v=MbXa8sdzgtg</a><p>Aber na ja, das Ding steht immer noch leer. Die Fertigstellung zieht sich seit Jahren hin. Informationen zum Stand der Dinge sind spärlich. Zwischendurch war von einem Wasserschaden die Rede, und seit einiger Zeit sind auch kaum noch Bauarbeiten zu beobachten. So bald werden keine Kinder aus den Wohnungen im Turm in die Kita gefahren werden, und Menschen, die nach Feierabend ihre Rewe-Tüten hineinschleppen, um sich was zu kochen, sind auch nicht zu sehen.</p><p>Nachts klettern Jugendliche das Gerüst hoch, es ist ein Ziel für Mutproben. Ich stelle mir vor, dass eines Tages dort Fledermäuse einziehen, Waschbären und Nilgänse, und dann darf man es nicht mal mehr abreißen.</p><p>Es ist eine Story, wie es sie in jeder Stadt gibt: Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten hat sich hier ein Schwarm Geld niedergelassen, erst mal so lockvogelartig, und nun geht es nicht mehr weiter.</p><p>Ein anderes trauriges Beispiel ist das berühmte Wohnquartier Riehmers Hofgarten in Berlin-Kreuzberg. Eine Freundin, die dort wohnt, klagt über die lieblosen und anonymen Besitzer, die die schöne Anlage mehr oder weniger verfallen lassen. Viele der tollen Wohnungen stehen einfach leer. </p><p>Wohnen und Geldanlagen sind ungut verquickt, und ich vermute dort einen Grund für die derzeitige Nervosität in der Gesellschaft. Proteste wie in Madrid könnte es auch hierzulande geben. Das Mietrecht ist überdies ein seltsam zusammengezimmertes Rechtsgebiet, sagen mir Juristenfreunde. Viele, die ich kenne, berichten von Eigenbedarfsklagen, die sie aus geliebten Mietwohnungen drängen. Es liegt nahe, durch den Kauf einer eigenen Immobilie vorsorgen zu wollen, aber das wirft natürlich ganz neue Probleme auf. So jedenfalls verfestigt sich der Eindruck, in instabilen Verhältnissen zu leben und machtlos zu sein gegenüber Anlegern, denen es wurscht ist, in welchem Zustand eine Wohnung ist.</p><p>Die Bereitschaft, hier radikal vorzugehen, macht einen großen Teil der Anziehungskraft von Politikern wie Zohran Mamdani, dem Bürgermeister von New York, aus. Man sollte das Problem nicht der Linken überlassen. In unserem nicht eben linksradikalen Grundgesetz steht schon der Satz, dass Eigentum verpflichtet.</p><p>Politische Phantasie und private Initiativen können da eine Menge bewegen. Es hilft auch die Rückbesinnung auf erfolgreiche, bewährte Modelle: Ich hatte als Student mal eine Genossenschaftswohnung, und die bot bei geringer Miete eine große Sicherheit. Es wurde renoviert, repariert, und ich hätte ewig dort wohnen können.</p><p>Kein Mensch wurde danach gefragt, ob sie oder er zur Welt kommen möchte. Ist eins aber schon mal hier, braucht es bestimmte Sachen, anders geht’s nicht, und die sollen verfügbar und billig, am besten gratis sein. Wasser, Wohnen, Bildung, Gesundheit sowie Essen und Trinken sind keine guten Anlageobjekte, wenn die Gesellschaft zusammenbleiben soll.</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.arte.tv/de/videos/127439-001-A/catastrophe-staffel-1-1-6/">https://www.arte.tv/de/videos/127439-001-A/catastrophe-staffel-1-1-6/</a><p>In einer berühmten Anekdote geht Michel de Montaigne auf die Zufälligkeiten der Paarbildung ein. In der Gegend von Castres bemerkt eine Witwe eines Tages, dass sie schwanger ist, kann sich aber nicht erklären, von wem. Schließlich lässt sie in der Kirche verkünden, der Verantwortliche möge sich zu erkennen geben, sie werde ihm vergeben und ihn, wenn er wolle, heiraten. Tatsächlich meldet sich ein junger Mann und gesteht, sie nach einem Fest so betrunken und schlafend vorgefunden zu haben, dass er ihre Lage ausgenutzt habe. Sie verzeiht ihm, sie heiraten und bleiben, so erzählt es Montaigne, zusammen.</p><p>So ungefähr geht auch diese britische Comedy-Serie: Familiengründung im Modus der Überraschung, aber dann beginnt das Abenteuer ja erst.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In dieser Woche wurde der Geburtstag des Bundesverfassungsgerichts begangen, einer Institution, deren Standort geradezu zum Synonym geworden ist: einfach Karlsruhe. Es ist heute eine bemerkenswert anerkannte und respektierte Einrichtung, und man kann sich die Bundesrepublik gar nicht mehr ohne sie vorstellen. Würde man sie heute so noch einmal gründen können?</p><p>Zu Beginn jedenfalls musste alles neu erfunden werden, die Richterinnen und Richter arrangierten sich unter provisorischen Bedingungen. Karlsruhe stand auch keineswegs von Anfang an fest. Man stelle sich nur mal vor, die Sache wäre in Berlin gegründet worden, was für Missverständnisse hätte das ausgelöst! „Damit ziehen wir bis nach Berlin!“ – kein Mensch hätte verstanden, was gemeint ist: Klage oder Staatsstreich?</p><p>Der Jurist Jan-Henrik Herchenröder hat nun in einer Dissertation den Prozess der Selbsterfindung des Gerichts beschrieben. Die ersten Richterinnen und Richter sind fast alle vergessen, aber sie haben mit beträchtlichem Geschick und guter Improvisationsgabe etwas erfunden, das diese Republik stabilisiert und verbessert hat. Herchenröder beschreibt die einzelnen Schritte und Gegebenheiten auch für Nichtjuristen sehr anschaulich und bringt sogar ein wenig Humor in die komplexe Materie.</p><p>Es ist eine Geschichte der Bundesrepublik im Kleinen: Welche Macht hat eine Institution, wie begrenzt sie sich selbst und bleibt doch effektiv?</p><p>Ich wäre auf das anregende und lehrreiche, bisweilen sogar spannende Buch sicher nicht aufmerksam geworden, hätte mich unsere Tochter nicht eines Tages dem Autor vorgestellt.</p><p>Gestern feierten die beiden ihr Fünfjähriges!</p><p>Das Buch gibt es wegen des Jubiläums – jenem des Gerichts, nicht des privaten – hier kostenlos zu lesen:</p><a href="https://www.mohrsiebeck.com/buch/die-selbsterfindung-des-bundesverfassungsgerichts-19511958-9783162007230/">https://www.mohrsiebeck.com/buch/die-selbsterfindung-des-bundesverfassungsgerichts-19511958-9783162007230/</a><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.youtube.com/watch?v=F2qt1trnVag">https://www.youtube.com/watch?v=F2qt1trnVag</a><p>Ich habe schon an unzähligen Runden über die Krise der Sozialdemokratie teilgenommen und über das Thema auch unendlich oft nachgedacht und diskutiert. Ich kenne also die Argumente von der Bewegung, die sich zu Tode gesiegt hat, von der reformerischen Erschöpfung und anderen strukturellen Ursachen für die abnehmende Relevanz der einst so mächtigen Strömung. Personen spielen aber eben doch eine Rolle. Und weil ich auf keine Rede so oft hingewiesen worden bin wie auf jene des britischen Premierministers Andy Burnham, empfehle ich sie hier noch einmal. Person und Programm kommen zusammen, eine echte Zeitenwende.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Statt einer weiteren Ausführung zur französischen Politik hier eine interessante Doku über Les Grands Buffets. Das Haus in Narbonne ist so ungefähr das, was sich Französinnen und Franzosen vorstellen, wenn sie die Augen schließen und sich das gute Leben vorstellen. Hätte ich das Zeug zum Investor, würde ich so eine Kette auch hierzulande etablieren.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/127401-005-A/re-haute-cuisine-fuer-alle/">https://www.arte.tv/de/videos/127401-005-A/re-haute-cuisine-fuer-alle/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Der Gastronom David Lanher hat mehrere Restaurants in Paris und sogar eines in New York. Er ist kein Sternesammler, liefert aber solide Küche ab. Für die Kollegen von <em>Le Monde</em> hat er sein Lieblingsgericht vorgestellt, erfreulicherweise hat es mit Geflügel zu tun:</p><a href="https://www.lemonde.fr/les-recettes-du-monde/article/2026/10/01/le-poulet-roti-au-citron-la-recette-de-david-lanher_6786490_5324493.html">https://www.lemonde.fr/les-recettes-du-monde/article/2026/10/01/le-poulet-roti-au-citron-la-recette-de-david-lanher_6786490_5324493.html</a><p></p><p>Und hier eine Hommage an den Fenchel:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=m3qlYzwUZTY&amp;t=34s">https://www.youtube.com/watch?v=m3qlYzwUZTY&amp;t=34s</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 04 Oct 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[La Rentrée]]></title>
      <description><![CDATA[Paris/Marie Antoinette/Smoltczyk Lissabon/Inside CDU/Rezepte Die fünfte Jahreszeit Frankreichs ist die rentrée. Eigentlich versteht man darunter den Schulbeginn nach den…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Paris/Marie Antoinette/Smoltczyk Lissabon/Inside CDU/Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/669c3816-5091-42ce-afa7-91e9212ee61e/uploads/images/q5vlwwu5sf/IMG_1570.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die fünfte Jahreszeit Frankreichs ist die <em>rentrée</em>. Eigentlich versteht man darunter den Schulbeginn nach den Sommerferien, aber mittlerweile gibt es jede Menge solcher <em>rentrées</em> in Frankreich: jene der Literatur, der Medien – wenn die berühmten Moderatorinnen und Moderatoren ihre Sendungen von den sommerlichen Pausenclowns übernehmen – und logischerweise auch der Politik. Ich assoziiere damit seit meiner Kindheit nur angenehme Dinge: den Glanz der ersten Kastanien, einen neuen marineblauen Pulli und eine neue Cordhose. Und eben Schreibwaren: neues Mäppchen, neue Hefte, neue Stifte. Perfekt!</p><p>Jetzt hatte ich wieder in Paris zu tun und geriet mitten hinein in den Trubel der <em>Rentrée</em>, denn unser Freund Bernard-Henri Lévy stellte im Cinéma Le Saint-Germain seine Memoiren vor: <em>Mémoires provisoires</em>. Achthundert Seiten umfasst das Buch, eine sehr vergnügliche Lektüre voller Selbstironie und Humor. Ein deutscher Verlag wird noch gesucht. Die Vorstellung war lange im Voraus choreografiert worden. Nur geladene Gäste, professionelle Gästebetreuerinnen, Sicherheit und Videoteam. Drinnen war es dann ganz locker. Viele saßen auf dem Boden, kamen und gingen.</p><p>Es ging viel um Politik, die in Frankreich im Moment vor allem an einer Frage hängt: Wer regiert im kommenden Jahr das Land? Emmanuel Macron kann nicht noch einmal antreten. Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon haben ihre Kandidaturen längst erklärt, aber in der politischen Mitte und bei den Sozialdemokraten ist die Personalfrage noch längst nicht geklärt.</p><p>Im Sommer hatte ich mir überlegt, welche Art von Kandidat wohl bei meinen südwestfranzösischen Normalnachbarn auf Interesse stoßen könnte. Es müsste jemand sein, der in deutlicher Opposition zu Macron steht. Den Leuten ist einfach nach Wechsel. Jemand, der eine soziale Politik macht, die Ökologie nicht vergisst und, ganz wichtig, Frankreich würdig vertritt. Jemand, der die Akten studiert und zudem jede Debatte im Fernsehen besteht, denn die mündliche Prüfung ist in Frankreich eine Königsdisziplin. Das war auch eine Lektion aus den Kommunalwahlen: Peinlichkeit oder <em>cringe</em>, wie mein Sohn sagen würde, möchte kein französischer Wähler – man müsste sich ja schämen. Mir kam dabei ein Name in den Sinn, aber er schien mir zunächst so unwahrscheinlich, dass ich ihn für mich behielt, um nicht ausgelacht zu werden</p><p>Jedenfalls: Am Mittwochabend kamen die besonderen Gäste spät zur Buchvorstellung. Und einer kam sogar ganz zum Schluss. Ich war schon auf dem Weg hinaus, da stand ich plötzlich vor dem ehemaligen Präsidenten François Hollande. Frisch und gut gelaunt sah er aus.</p><p>Er war der einzige Politiker, den Bernard-Henri Lévy zu diesem besonderen Abend eingeladen hatte. Noch ist Hollande nicht Kandidat, aber er bringt sich erkennbar ins Spiel und will sich im Dezember erklären. Dann sind viele andere Anwärterinnen und Anwärter schon durch zahllose Fernsehformate gegangen, während er erst auf die Bühne treten würde. Hollande ist der Mann des Pariser Klimaabkommens, unter ihm wurde der frühere Renteneintritt für Menschen mit besonders langen Erwerbsbiografien wieder ermöglicht, und außenpolitisch stand er sowohl Russland als auch islamistischen Terrororganisationen entschieden gegenüber. Auch das Haushaltsdefizit sank während seiner Amtszeit deutlich.Und wenn man Emmanuel Macron eins auswischen möchte und dennoch im demokratischen Spektrum blieben möchte, dann geht das am besten mit einer Stimme für seinen Vorgänger.</p><p> François Hollande war der Name, auf den ich im Sommer gekommen war.</p><p>Noch ist es lange hin bis zur Wahl im kommenden Jahr, und viel kann passieren. Aber  wenn er gewinnt, denken Sie vielleicht schmunzelnd an den heutigen <em>siebten Tag</em> zurück. </p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/669c3816-5091-42ce-afa7-91e9212ee61e/uploads/images/eaq6x5fpny/IMG_6987.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Conciergerie ist für mich eines der düstersten Gebäude entlang der Seine. Immer, wenn ich dort vorbeikomme, denke ich an die letzten Tage Marie-Antoinettes, der jungen Königin, die dort in Haft war, bevor sie am 16. Oktober 1793 auf der heutigen Place de la Concorde unter die Guillotine kam. Bis heute ist sie eine komplexe, aber durchaus populäre historische Figur, allerdings erinnern in Paris weder ein eigenes Museum noch eine große Statue an die gebürtige Österreicherin.</p><p>In unserem Podcast <em>Was bisher geschah</em> gehen wir ihrem Leben, ihrer Familie und den politischen Turbulenzen ihrer Zeit auf die Spur. Hier entlang:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ACQkNnMc-rU">https://www.youtube.com/watch?v=ACQkNnMc-rU</a><hr aria-hidden="true"/><p>In Exilsituationen ist alles anders. Berühmte Menschen müssen schauen, wo sie bleiben, während Unbekannte zu Heldinnen und Helden werden. In unserer Gegenwart finden Menschen aus Syrien, dem Iran, der Ukraine und Russland eine Exilheimat in der Bundesrepublik, aber vor nicht allzu langer Zeit war es umgekehrt: Die besten deutschen Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mussten Zuflucht in anderen Ländern suchen.</p><a href="https://www.dtv.de/buch/lissabon-1941-28551?utm_source=google&amp;utm_medium=cpc&amp;utm_campaign=Titel_Kampagne_PMax_Smoltczyk_Lissabon_1941%20-%2028579&amp;utm_id=24209888073&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=24215702804&amp;gbraid=0AAAAADzFc3a_5OoBxJwUa58tBsxHQY_Fr&amp;gclid=Cj0KCQjwt9jVBhDXARIsAFSP-6elCoixpbAGIHsQTiWurqjvtrXbrfAucgRe99E-m0SQGUHf1HQo7KEaAvzuEALw_wcB">https://www.dtv.de/buch/lissabon-1941-28551?utm_source=google&amp;utm_medium=cpc&amp;utm_campaign=Titel_Kampagne_PMax_Smoltczyk_Lissabon_1941%20-%2028579&amp;utm_id=24209888073&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=24215702804&amp;gbraid=0AAAAADzFc3a_5OoBxJwUa58tBsxHQY_Fr&amp;gclid=Cj0KCQjwt9jVBhDXARIsAFSP-6elCoixpbAGIHsQTiWurqjvtrXbrfAucgRe99E-m0SQGUHf1HQo7KEaAvzuEALw_wcB</a><p>Mein einstiger <em>Spiegel</em>-Kollege Alexander Smoltczyk hat dieser besonderen Existenzform nun eine ebenso poetische wie historisch präzise Studie gewidmet. Er verfolgt das Schicksal deutscher Exilanten wie Heinrich Mann und Hannah Arendt in Lissabon; auch Josephine Baker kommt vor und Salvador Dalí. Und es geht um einen viel zu wenig bekannten Helden dieser Zeit, Aristides de Sousa Mendes. Er amtierte im Juni 1940 als portugiesischer Generalkonsul in Bordeaux und stellte im Rekordtempo Transitvisa für Flüchtlinge aus, ganz entgegen den offiziellen Bestimmungen. Zehntausenden Menschen ermöglichte er so die Flucht. Portugal und seine Hauptstadt waren damals für viele das Tor zu einem neuen Leben.</p><p>Das Buch ist leider von bedrückender Aktualität. Die Erfahrung, plötzlich darüber nachdenken zu müssen, wohin man im Ernstfall gehen könnte, ist keineswegs nur Geschichte. Aber schon als historisches Buch ist <em>Lissabon 1941</em> eine spannende, erhellende und oft auch heitere Lektüre. Für den Preis eines Buches bekommt man drei: einen Stadtführer, ein spannendes historisches Sachbuch und einen mitreißenden Roman, alles in einem Band.</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.zdf.de/play/dokus/inside-cdu-102/inside-cdu-staffel-2-folge-1-rehbraun-100">https://www.zdf.de/play/dokus/inside-cdu-102/inside-cdu-staffel-2-folge-1-rehbraun-100</a><p>Ich bin ja ein großer Fan gut gemachter Politserien wie <em>Borgen</em>, <em>House of Cards</em> oder <em>The Thick of It</em>. In diesem Fall geht es aber um eine reale Partei, die deutsche CDU. Es ist bemerkenswert, wie nah die Protagonisten das Team an sich heranlassen. Man kann studieren, dass solche Parteien wie Familien funktionieren, mit Rivalitäten, blinden Flecken, ihren Tabus und Geheimnissen. Es tobt das Gewühle der Gefühle mit Wunschdenken, Frust und Nostalgie, eben das richtige Leben.</p><p>Die meisten Bürgerinnen und Bürger überschätzen den politischen Betrieb insofern, als sie eine Schar von Spezialisten und Beratern hinter jeder Kulisse vermuten, wo oft nur ganz normal improvisiert wird. Viele Akteure einer Partei kennen sich seit Jahrzehnten, neue Leute sind eher selten, und Menschen, die von außen kommen und schon anderswo erfolgreich waren, sind die krasse Ausnahme.</p><p>In dieser Serie von Steffen Haug und Denise Jacobs wird große Politik zum Menschenwerk. Damit ist implizit auch die Botschaft an die eine oder den anderen verbunden, es vielleicht einmal selbst zu versuchen, zu kandidieren oder mitzumachen: Wenn die das schon können oder manchmal eben auch nicht können – warum nicht ich? Warum nicht du?</p><p>Auch so stärkt man Demokratie.</p><hr aria-hidden="true"/><p>So ganz möchte man den Sommer noch nicht ziehen lassen, auch beim Sonntagsessen nicht. Hier daher noch einmal ein Klassiker von Nigel Slater mit Zitrone, Rucola und einem Sonntagshuhn:</p><a href="https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2013/apr/28/nigel-slater-roast-chicken-recipes">https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2013/apr/28/nigel-slater-roast-chicken-recipes</a><p>Und für die vielen Vegetarierinnen und Vegetarier am siebten Tag hier ein Vorschlag aus meiner saarländischen Heimat. Saarbrücker Pilze sind bekanntlich die besten, aber man darf sie sicher auch durch Pilze aus anderen Ecken der Welt substituieren.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/bunte-knoedel-mit-saarbruecker-pilzen/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzE0MTMxNg">https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/bunte-knoedel-mit-saarbruecker-pilzen/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzE0MTMxNg</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 27 Sep 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der diskrete Herr al-Huthi]]></title>
      <description><![CDATA[Die zwei Achsen/Serie Die Revoluzzer/Emcke Was zählt ein Mensch?/Podcast The Journey/Rezepte Heute ist wieder ein Wahlsonntag, aber der mächtigste Mann des Augenblicks…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die zwei Achsen/Serie Die Revoluzzer/Emcke Was zählt ein Mensch?/Podcast The Journey/Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9602e967-43eb-495c-a82d-f3ef96b22184/uploads/images/knsthzzwi2/IMG_1470.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Heute ist wieder ein Wahlsonntag, aber der mächtigste Mann des Augenblicks steht nirgends auf dem Wahlzettel. Abdul-Malik al-Huthi ist der Chef der gleichnamigen Miliz und verfügt über eine unwahrscheinliche Macht: Er kann einen wichtigen Teil des weltweiten Ölhandels empfindlich stören und damit jede Prognose über Wachstum, öffentliche Finanzen und Aktienmärkte schon morgen killen. Seit die Straße von Hormuz unsicher geworden ist, kommt es auf die Meerenge Bab al-Mandab an – und auf ihrer jemenitischen Seite warten die Huthis. Im Moment fahren dort weiterhin Tanker und Frachter durch, aber Abdul-Malik kann diese Route jederzeit stoppen.</p><p>Bei Marseille sind auf einem Kreisverkehr bereits wieder einige Gilets Jaunes aufgetaucht, Fischer haben bei Fos-sur-Mer ein Öldepot blockiert, in Portugal gibt es Proteste gegen die hohen Spritpreise, und in Bolivien drohen nach dem Ende der Dieselsubventionen neue Unruhen. Abdul-Malik wird das kaum beeindrucken. Interviews gibt er so gut wie keine, persönlich zeigt er sich nur selten; die meisten kennen ihn aus seinen Videoansprachen. Selbst sein Tod dürfte das Problem nicht lösen: Die Huthi-Bewegung hat schon den Tod seines älteren Bruders Hussein überstanden, dessen Nachfolge Abdul-Malik 2004 antrat. Wahr ist: Nationale Regierungen können auf Dauer nur eines machen – sich so rasch wie möglich vom Öl verabschieden.</p><p>Das ist riskant. Regierungen simulieren lieber Macht als zuzugeben, dass man wieder mal in fossile Abhängigkeit geraten ist. Deprimierenderweise kommt in Deutschland nun tatsächlich noch einmal ein Tankrabatt, damit meine Wiesbadener Nachbarn mit dem Porsche Cayenne billiger im Stau stehen können. In Frankreich ist das Geld für solchen Unsinn nicht mehr da. Dort gibt es für bedürftige Autofahrer einen sehr viel zielgerichteteren Zuschuss: 100 Euro für Menschen mit geringem Einkommen, die für ihre Arbeit auf das Auto angewiesen sind und lange Strecken fahren müssen.</p><p>Beide Lösungen sind weder volkswirtschaftlich noch intellektuell auf der Höhe, weil in beiden Ländern die Regierungen aus der Puste sind. Dabei kam aus Europa in dieser Woche ein herrlicher Rückenwind: Die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney vor dem Europäischen Parlament macht richtig gute Laune. In Frankreich hat Präsidentschaftskandidat Gabriel Attal seinen Plan für die Vereinigten Staaten von Europa vorgetragen: endlich einmal eine Initiative von einer Dimension, die der Tiefe unseres Schlamassels entspricht.</p><p>Es ist kein Hexenwerk: Mehr europäische Integration und raus aus der fossilen Energie, das sind die beiden Achsen einer erfolgreichen Politik für die kommenden Jahre. Das vereinte Europa bietet jene starke und schützende Exekutive, nach der sich viele Menschen in der heutigen Zeit sehnen, und die Orientierung der Wirtschaft auf E-Mobilität und Nachhaltigkeit sorgt für Jobs und Wachstum. Weder von der einen noch von der anderen Achse wird heute Abend viel die Rede sein. Es gibt auch keine Partei, die hier vorangehen möchte – jedenfalls noch nicht.</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.arte.tv/de/videos/RC-028039/die-revoluzzer/">https://www.arte.tv/de/videos/RC-028039/die-revoluzzer/</a><p>Meine Eltern haben noch studiert, als ich geboren wurde, und so habe ich meine Kindheit im linken und immer engagierten Milieu der späten Achtundsechziger verbracht. Für uns Kinder war das toll, denn Kinder waren dort Queens &amp; Kings, wir durften eigentlich alles.</p><p>Heute ist diese Episode ein wenig vergessen, und die Themen, die damals so heftig diskutiert wurden, spielen keine große Rolle mehr. Auf manchen Gebieten ist das nicht weiter zu bedauern, denn die Verehrung für Mao beispielsweise war ein fataler Irrtum. Aber die Reform des Bildungswesens ist schon etwas, das man wieder angehen sollte. Die 68er wurden immer wieder verteufelt, aber ich finde vielmehr, dass uns ein neues Achtundsechzig, ein neuer Aufstand der Jugend und anderer progressiver Kräfte ganz gut täte.</p><p>Diese Serie macht jedenfalls einen gut gelaunten Ausflug in diese Zeit und an die Reform-Uni Vincennes, ohne das alles allzu ernst zu nehmen.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9602e967-43eb-495c-a82d-f3ef96b22184/uploads/images/tgvarah7qo/IMG_1478.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Freitag vor einer Woche hatte ich dieses Buch in der Post – ein Vorabexemplar, es erscheint in drei Tagen – und dann konnte ich nicht mehr aufhören, es zu lesen. Es ist eine überaus sorgfältig komponierte Mixtur aus philosophischer Reflexion, Reiseberichten und Zeitzeugenschaft, wie man sie hierzulande nur sehr selten zu lesen bekommt.</p><p>Carolin Emcke nimmt sich etwas vor: Warum, fragt sie, fällt es seit dem 7. Oktober so schwer, die Opfer beider Seiten zu betrauern? Warum sehen die einen nur die Menschen, die am 7. Oktober gequält und ermordet wurden, die anderen aber nur die zivilen Opfer in Gaza? Unserem humanistischen Anspruch folgend, wie er in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und auch im ersten Artikel unseres Grundgesetzes formuliert ist, besitzt jeder Mensch Rechte und eine Würde, die es zu achten gilt. Jeder ist jemand, sagt Michel Friedman – ganz egal, auf welcher Seite der Grenze er oder sie zur Welt kommt.</p><p>Aber emotional ist so ein Prinzip nicht immer leicht durchzuhalten. Jede und jeder blickt mit gemischten moralischen Gefühlen, mit einer persönlichen Geschichte, mit Urteilen und Vorurteilen nach Nahost.</p><p>Carolin Emcke arbeitete lange als Reporterin, auch in Kriegs- und Krisengebieten. In einer ihrer Reportagen aus Gaza – das ist mir noch in Erinnerung, obwohl es lange her ist, dass ich den Text gelesen habe – beschrieb sie den mörderischen Wahn der Hamas und den Totenkult, der dort betrieben wird, um Werbung für die eigene Schreckensherrschaft zu machen. Rivalisierende Kommandos zankten sich um die Leichen gefallener Männer, um damit eine ihrer nekrophilen Paraden abhalten zu können, und zwar bevor die andere Gruppe es tat – oder so ähnlich ging die Szene. Es war absurd und schrecklich.</p><p>Sie hat aber auch Freundinnen und Freunde dort gefunden. Und in Israel ebenfalls.</p><p>Emcke geht behutsam vor. Es ist eine Übung in Denkbefreiung: Lässt man Mitleid mit Menschen zu, ohne im selben Moment eine Stellungnahme zu den Leuten abzugeben, die sie regieren?</p><p>Für Deutsche ist es eine besonders heikle Frage, denn in den Nachkriegsjahrzehnten forderten die Ewiggestrigen Mitleid für die Vertriebenen und die Bombenopfer ein, um nicht von den Verbrechen des Nationalsozialismus reden zu müssen. Martin Heidegger ging in einem Brief an Herbert Marcuse vom 20. Januar 1948 sogar so weit, den Mord an Millionen Juden mit dem Schicksal der „Ostdeutschen“ nach 1945 aufzurechnen.</p><p>Dieses Manöver muss man zurückweisen, und dennoch gibt es Trauer – nicht um die Parteigenossen oder Soldaten, sondern um die Söhne, Väter oder Freunde. Um Vornamen, nicht um die Rangabzeichen.</p><p>Es ist ja gerade das Besondere einer humanistischen Position, auch die Feinde noch als Menschen wahrzunehmen und ihre Rechte und ihre Würde zu respektieren. Totalitäre Ideologien – ob islamistisch, faschistisch oder linksradikal – pfeifen drauf.</p><p>Darum dürfen Staaten, die sich der Tradition des Westens zurechnen, niemals foltern. Und trotzdem gibt es jede Menge alter und aktiver Folterknechte. Dass solche Verstöße gegen die eigenen Prinzipien öffentlich angeprangert, recherchiert und in Büchern, Filmen und Serien kritisiert werden können, gehört allerdings zu den Stärken offener Gesellschaften.</p><p>Man kann sich vorstellen, wie außerordentlich kompliziert die Arbeit an einem Werk ist, das augenblicklich den Zorn der vielen Eiferer auf sich zieht. Hass ist garantiert – weswegen eine der Protagonistinnen die Autorin auch warnt: „Don’t write this book!“ Genügend Leserinnen und Leser werden es empört in die Ecke feuern – und dann doch, garantiert, wieder zur Hand nehmen. Das bekommt ein Sachbuch nur hin, wenn es ein Meisterwerk ist, und das ist hier der Fall.</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.newyorker.com/podcast/in-the-dark/the-journey">https://www.newyorker.com/podcast/in-the-dark/the-journey</a><p>In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten; in den Vereinigten Staaten gibt es dagegen kein einheitliches Bundesrecht, und in vielen Bundesstaaten ist sie erlaubt und kommerziell organisiert. Auch die Idee einer geradezu dynastischen Nachkommenschaft ist unter sehr reichen Männern nicht mehr ganz exotisch: Elon Musk hat mindestens 14 bekannte Kinder, Telegram-Gründer Pavel Durov behauptet sogar, durch Samenspenden mehr als hundert biologische Kinder gezeugt zu haben.</p><p>Ein besonders seltsamer Fall war der Ausgangspunkt einer Recherche, mit der sich das Team des „In the Dark“-Podcasts des „New Yorker“ beschäftigt hat. Eine Frau, die das Kind eines aus China stammenden kalifornischen Paares austragen möchte, stellt nach und nach fest, dass ihre Auftraggeber keineswegs an Kinderlosigkeit leiden. Vielmehr haben sie schon zahlreiche andere Frauen als Surrogatmütter beschäftigt. Im Haus des Ehepaares stößt die Polizei schließlich auf 21 Kinder, fast alle noch sehr klein.</p><p>Hochspannende Serie, in der man auch viel lernt, etwa darüber, wie sehr bei den Surrogatmüttern finanzielle und altruistische Motive ineinandergreifen – der Wunsch, Geld für die eigene Familie zu verdienen, und zugleich anderen Menschen zu einem Kind zu verhelfen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Es wird kühler und die Tage werden kürzer, man sollte sich also gut verpflegen. Hier ein Hähnchenrezept, das den Klassiker Poulet chasseur variiert: Nun wird mit Portwein gearbeitet. Endlich mal eine Verwendung für den süßen Wein, mit dem ich sonst so gar nichts anfangen kann.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=i9Hqeec5B8A">https://www.youtube.com/watch?v=i9Hqeec5B8A</a><p></p><p>In dem vegetarischen Rezept von Herrn Grün geht es saisonal und saarländisch zu:</p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/krosser-kartoffelpuffer-mit-geschmortem-mangold-und-einer-leicht-scharfen-pflaumensauce-mit-rosmarin/">https://www.herrgruenkocht.de/krosser-kartoffelpuffer-mit-geschmortem-mangold-und-einer-leicht-scharfen-pflaumensauce-mit-rosmarin/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/9602e967-43eb-495c-a82d-f3ef96b22184/uploads/images/knsthzzwi2/IMG_1470.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 20 Sep 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Kaffee an der Spree]]></title>
      <description><![CDATA[Was tun?/Podcast Weidelland/Fauda Staffel5/Buch Im Jahr Null/Rezepte Am Montag war ich beim Bundespräsidenten zum Kaffee. Okay, nicht ich allein: Auf dem Foto erkennen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was tun?/Podcast Weidelland/Fauda Staffel5/Buch Im Jahr Null/Rezepte </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2345c15d-cd3e-414f-a3c6-600d9bb35c74/uploads/images/nb7xqqycmn/IMG_1369.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am Montag war ich beim Bundespräsidenten zum Kaffee. Okay, nicht ich allein: Auf dem Foto erkennen Sie links den markanten Hinterkopf von Wolf Lepenies, rechts von mir steht Esra Küçük, hinter ihr Stephan Schwarz, hinter ihm der Fotograf des Hauses. In der Mitte des Saals stehen, um Steinmeier zu empfangen, der französische Botschafter François Delattre, Gesine Schwan und Ulrich Wickert. Es waren noch einige mehr da, die nicht im Bild sind, unter anderem Patricia Oster-Stierle, Volker Schlöndorff, Wolfgang Ischinger, Christoph Gottschalk und Detlev Ganten.</p><p>Die Académie de Berlin darf in diesem Jahr ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiern, und aus diesem schönen Anlass lud der Bundespräsident uns ein. Es war ein reiner Genuss, so einem politischen Vollprofi und Staatsmann zuzuhören – seine frühere, freundliche Russlandpolitik sehe ich kritisch, aber sie entsprach eindeutig dem Wunsch der Mehrheit im Lande. Und im Unterschied zu so vielen anderen ist er seit Jahren auf einem stabilen Kurs gegen den Kreml. Der kluge Kopf an Steinmeiers Seite, Wolfgang Silbermann, nahm auch teil. Und zu meiner Linken saß Tobias Bütow, der Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Das war natürlich Pech, denn Bütow flüsterte mir sachfremde, stets alberne Beobachtungen zu und brachte mich immerfort zum Lachen. Außerdem bat er immer wieder um Kaffee, Milch, Plätzchen oder sonst etwas.</p><p>Der Tag war belastet durch das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Am schlimmsten sind an solchen Abenden die Stimmen meiner Journalistenkollegen, die zuverlässig finden, dass die Sieger irgendwie auch recht haben. Oder den Anliegen der Wählerinnen und Wähler der blauen Partei doch noch recht geben. Aber nicht alle empfundenen Probleme sind auch wirklich welche: In Umfragen der dreißiger Jahre hätten ja sehr viele und hoch angesehene, gebildete Personen aus den Eliten der Republik die Anwesenheit von Juden als Übel angegeben. Das angebliche Problem Nummer eins bestand nur aus Hass, es existierte ansonsten nicht.</p><p>Der Antisemitismus fußt auf keiner Wahrheit, und der Katalog des Wahnsinns, den Weidel und Co. regelmäßig als Programm ausgeben, eben auch nicht. Es gibt Mehrheiten und es gibt Wahrheiten, das ist nicht immer dasselbe.</p><p>Die Auseinandersetzung mit der extremen Rechten wird am Ende erfolgreich sein, denn die Geschichte wiederholt sich nicht und nur eine Minderheit folgt ihnen. Aber das passiert nicht von allein, man muss sich gut zusammennehmen. Es ist ganz wesentlich, moralische Kategorien im Blick zu behalten und von ihnen zu reden: Es gibt Wahrheit und Lüge – man darf sie nicht postmodern relativieren. Es ist kein Mangel an Respekt, wenn man eine bewusst falsche Aussage eine Lüge nennt. Und es gibt eine andere, okay, recht altmodische Kategorie, nämlich Gut und Böse. Davon spricht niemand mehr so gern, aber sie bildet das Koordinatensystem unserer Zivilisation. Wie will man sonst Kinder erziehen? Rüstungsgüter einer von Ulrich Siegmund angekündigten „Remigrations- und Abschiebeoffensive“ dienstbar machen zu wollen, ist ein böser Plan und passt zur Partei, in der Lüge und Niedertracht zu Hause sind.</p><p>Für den Kampf gegen die extreme Rechte wird <em>Reden allein</em> nicht helfen. Man stelle es sich vice versa vor: Würde ich zum AfD-Anhänger, beispielsweise vom Übel der Corona-Schutzmaßnahmen und der Großartigkeit Putins durchdrungen, nur weil Kubitschek in einer Talkshow auf mich einredet? Vergebliche Liebesmüh’.</p><p>Es handelt sich um ein ideologisch gefestigtes, international organisiertes und sehr gut funktionierendes politisches Lager. Man braucht dagegen einen Werkzeugkasten so groß wie der Hangar beim Technischen Hilfswerk. In dieser Lage darf man auch die Prüfung verfassungsrechtlicher Instrumente wie eines Parteienverbots oder – bei Einzelpersonen – einer Grundrechtsverwirkung nicht tabuisieren; alles muss geprüft werden, was das Grundgesetz erlaubt.</p><p>Aber es geht, man bekommt sie auch wieder klein. Stark sind sie nur, wenn die anderen Parteien nicht nur schwach sind, sondern quasi aufgegeben haben: wenn sie mit müden, blassen KandidatInnen antreten, mit einer Kommunikation von vorgestern und inhaltlich mit einem bloß milderen Aufguss rechter Sprüche. Gefährlich sind die Übergänge der Macht: Nach der Ära Obama, der Ära Merkel oder jetzt der Ära Macron entsteht eine Lücke und eine Chance für autoritäre Angebote. Die Rechtsradikalen sind Meister des Theaters der Dominanz – darum ist die konsequente Vorbereitung der Übergänge mit starken, schon lange im Voraus aufgebauten NachfolgerInnen so wichtig. Rainer Haseloff hat den Generationswechsel zwar eingeleitet, aber offenbar zu spät, um seinen Nachfolger ausreichend zu etablieren.</p><p>Einen weiteren wichtigen Gedanken steuerte am Montag dann Gesine Schwan bei, eine der klügsten Frauen, die ich kenne. Sie verwies auf eine alte Erkenntnis aus ihrem Studium: Ein System gerät immer dann ins Wanken, wenn Eliten sich nicht mehr an die eigenen Prinzipien halten. In unserem Beispiel kann man es auf den Umgang mit Migration anwenden. Statt zu der humanitären und vernünftigen Aufnahme der Menschen aus Putins Kriegsgebieten zu stehen, möchte von „Refugees Welcome“ niemand mehr etwas wissen. Die Probleme, die es gibt, sind lösbar, und es gibt keinen Grund, jeden Menschen, der aus der Ferne nach Deutschland kommt, pauschal zu verdächtigen. Menschen wachsen, anders als Spargel, nicht aus dem Boden, und auch die heutige hiesige Bevölkerung hat Vorfahren aus anderen Ecken der Erde. Die Menschheit entstand nun mal nicht an Rhein und Ruhr. Migration ist nicht links und nicht rechts, weder gut noch schlecht, sondern Alltag der Menschheit.</p><p>Man kann es auf die Energiewende beziehen: Um auf den menschengemachten Klimawandel zu reagieren, sollten wir erneuerbare Energien und die entsprechenden Technologien fördern und vorantreiben. Überzeugend und überzeugt bei diesem Ziel bleiben, statt zurückzuweichen, um Heizungskeller-Kampagnen nachzugeben.</p><p>Hier ist der Bundeskanzler aber nicht konsequent.</p><p>In den Augen extremer rechtsradikaler PolitikerInnen ist das Nachgeben kein Zeichen für die Fähigkeit zum Kompromiss, sondern ein Signal von Schwäche.</p><p>Und dann ist da das Handwerk der Politik: Ein Wahlkampf gegen die Rechtsradikalen verhält sich zu den bisherigen bundesdeutschen Wahlkämpfen wie Adventsbasteln im Montessori-Kindergarten zu Cagefighting. Schon immer waren sie Meister der Propaganda, der Inszenierung, der emotionalen Manipulation, mit den jeweils besten verfügbaren Mitteln. Sie möchten ja nicht die Macht auf Zeit und belastbare, messbare Ergebnisse, die das Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger verbessern, sondern sie führen einen kosmischen Kampf. Dabei haben sie entscheidende Vorteile: Sachfragen sind ihnen egal. Widersprüche in der Argumentation schnuppe. Gegenfinanziert werden ihre Abenteuer durch die Plünderung der Sozialsysteme, wenn nicht durch Kriege. Und ihre Anhänger erfreut das Leid der anderen mehr, als eigene Probleme sie stören.</p><p>In solch einer Konstellation brauchen die Parteien der offenen Gesellschaft mehr als Poster, Bratwurst und Dixieland-Jazz.</p><p>In Frankreich kursiert – wechselnden Staatsmännern zugeschrieben – ein wahrer Satz: Eine Revolution ist dann erfolgreich, wenn sie in den Köpfen ihrer Gegner die Überzeugung ihrer Unabwendbarkeit einpflanzen konnte!</p><p>Daher den Kopf immer klar und kühl halten – und eben hoch. </p><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Um das Thema zu vertiefen und die seltsame Chefin der Truppe besser kennenzulernen, empfehle ich die spannende, ausführliche neue Podcastserie der Süddeutschen Zeitung, <em>Weidelland</em>. Gehostet von meinem Kollegen Roman Deininger.</p><a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/weidelland-afd-alice-weidel-podcast-e385693/?em=pc&amp;atr_src=google&amp;atr_mdm=cpc&amp;atr_cp=DE_Podcast_Plus_Weidel_Generic&amp;atr_ct=DE_Podcast_Plus_Weidel_Generic&amp;atr_kw=podcast+politik&amp;atr_cid=24211315094&amp;atr_aid=203683189110&amp;atr_acid=3180365388&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=24211315094&amp;gbraid=0AAAAADNbFZPn8GogP-_uL9pC_7IyU6xwY&amp;gclid=Cj0KCQjw8JPVBhD-ARIsAO691sHNJHfkIJJ6vIUEw5vkAdgae5R5NX1ru-O74HadBDNmBb--WWGfZlwaAg3wEALw_wcB&amp;reduced=true">https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/weidelland-afd-alice-weidel-podcast-e385693/?em=pc&amp;atr_src=google&amp;atr_mdm=cpc&amp;atr_cp=DE_Podcast_Plus_Weidel_Generic&amp;atr_ct=DE_Podcast_Plus_Weidel_Generic&amp;atr_kw=podcast+politik&amp;atr_cid=24211315094&amp;atr_aid=203683189110&amp;atr_acid=3180365388&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=24211315094&amp;gbraid=0AAAAADNbFZPn8GogP-_uL9pC_7IyU6xwY&amp;gclid=Cj0KCQjw8JPVBhD-ARIsAO691sHNJHfkIJJ6vIUEw5vkAdgae5R5NX1ru-O74HadBDNmBb--WWGfZlwaAg3wEALw_wcB&amp;reduced=true</a><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.netflix.com/watch/81705381?trackId=14277283&amp;tctx=-97%2C-97%2C%2C%2C%2C%2C%2C%2C80113612%2CVideo%3A81705381%2CdetailsPageEpisodePlayButton">https://www.netflix.com/watch/81705381?trackId=14277283&amp;tctx=-97%2C-97%2C%2C%2C%2C%2C%2C%2C80113612%2CVideo%3A81705381%2CdetailsPageEpisodePlayButton</a><p>Jede neue Staffel der israelischen Serie <em>Fauda</em> ist ein Ereignis. Zu Beginn konnte man über die Verwicklungen, die moralischen Fragwürdigkeiten und Abenteuer dieser israelischen Spezialeinheit noch staunen, aber nun ist es anders: Die Nachrichten wirken, als hätten die Autoren von <em>Fauda</em> die Dramaturgie der Wirklichkeit übernommen. Bei Staffel vier dachte ich, die Geschichte sei auserzählt – denn das Team, dem so viel gelang, war am Ende ziemlich fertig. Und die Grausamkeit war so intensiv, dass eine Steigerung kaum noch zumutbar schien.</p><p>Dann kam der 7. Oktober. Der Horror dieses Tages sprengt eigentlich das, was in einer Serie erzählt werden kann, aber <em>Fauda</em> nimmt die Herausforderung an. Der Überfall der Hamas wird in den Episoden sieben und acht erzählt, die kann ich mir aber leider nicht ansehen: zu krass. Die Serie zeigt schonungslos das Leid der Menschen in Israel, der ermordeten und gequälten Familien. Aber wer nach Darstellungen israelischer Hybris und Korruption sucht, wird auch dort fündig.</p><p>Jede Figur hat doppelte Böden, manchmal noch viel mehr. Der Hamas-Buchhalter arbeitet auch noch für den israelischen Geheimdienst, und der Held der Serie wird zum Mörder, als er während eines Anfalls von Rachedurst einem wehrlosen Mann in den Kopf schießt. Später freundet er sich mit der Witwe seines Opfers an, die ihn aber für einen palästinensischen Kämpfer hält. Palästinenser und Israelis können sich in der Serie mühelos als Angehörige der jeweils anderen Seite ausgeben, so nahe sind sie sich – während sie sich gnadenlos bekämpfen.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2345c15d-cd3e-414f-a3c6-600d9bb35c74/uploads/images/ptfgpt7adx/IMG_1412.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Von der Weihnachtsgeschichte mit Krippe und Bethlehem ist in diesem spannenden Buch nicht die Rede. Auch der Titel – es wird aber gleich zu Beginn aufgelöst – ist ein Trick: Für die Zeitgenossen dieser Epoche gibt es kein Jahr null – aber eine Art Zeitenwende, die gibt es schon. Aisslinger ist kein Fachhistoriker, sondern Journalist und webt aus den vorhandenen Quellen eine stimmungsvolle Erzählung, die sich liest wie ein Roman. Aisslinger erzählt die Jahrzehnte um die antike Zeitenwende als eine einzige, erstaunlich dicht besiedelte Gegenwart – mit Augustus und Ovid, Kleopatras Tochter, den Machtkämpfen in Rom, politischen Experimenten in China und natürlich jenem Prediger aus Galiläa, dessen Wirkung damals noch niemand absehen konnte. Besonders gut funktioniert dabei, dass diese Geschichten nicht nacheinander abgeheftet werden, sondern gleichzeitig stattfinden; man sieht förmlich, wie an weit voneinander entfernten Orten eine neue Welt entsteht.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Die Zeiten sind bewegt, aber so ein Hühnerfrikassee von Jean-François Piège hält doch Leib und Seele zusammen.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=RlGVhAMe4VU&amp;list=PL3SMcSURPEP2DkUD9dKfjr12JWsf-IWNF&amp;index=6">https://www.youtube.com/watch?v=RlGVhAMe4VU&amp;list=PL3SMcSURPEP2DkUD9dKfjr12JWsf-IWNF&amp;index=6</a><p></p><p>Und für ein vegetarisches, saisonales Rezept mit meinem Lieblingsobst, der Feige, hier entlang: Mira Maurer macht gebackenen Feta mit Feigen-Rucolasalat.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/kaffee-oder-tee/rezept-gebackener-feta-mit-feigen-rucolasalat/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzNDk1MjY?utm_source=chatgpt.com">https://www.ardmediathek.de/video/kaffee-oder-tee/rezept-gebackener-feta-mit-feigen-rucolasalat/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzNDk1MjY?utm_source=chatgpt.com</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 13 Sep 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Die Männer vom Nebentisch]]></title>
      <description><![CDATA[Wahltag/Biller “Schwarze Samstage”/ Wahlkampf und Sprache in Frankreich/Serie “Occupied”/ Rezepte Neulich saß ich solo in einem Restaurant, Dinner mit mir selbst. Neben…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wahltag/Biller “Schwarze Samstage”/ Wahlkampf und Sprache in Frankreich/Serie “Occupied”/ Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/711fe076-3af8-44f6-8335-84cf0795b8b2/uploads/images/ppcs3off7d/IMG_1268.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Neulich saß ich solo in einem Restaurant, Dinner mit mir selbst.</p><p>Neben mir saßen fünf Männer meines Alters, also um die sechzig. Sie trugen alle das dünne Stoffbändchen einer Burschenschaft über der Brust und plauderten friedlich. Besonders gut kannten sie sich nicht. Sie freuten sich an alten Gags aus der Jugendzeit, an legendären Covern der Titanic, an Monty Python und Filmklassikern wie <em>Apocalypse Now</em>. Auf mich wirkten sie wie Ingenieure oder Manager, Stützen der bundesdeutschen technisch-naturwissenschaftlichen Intelligenz, wie Peter Glotz gesagt hätte. Solche Jungs hatte ich früher in meiner Klasse. Einige erzählten unter kollektiver Zustimmung von der Photovoltaikanlage auf ihrem Dach und davon, welches Elektroauto sie fahren oder bald kaufen. Über rasende Autoangeber, die auf der Straße vor uns Parade fuhren, konnten sie nur spotten. Das war eine Überraschung, ich hätte sie für die klassischen Automänner gehalten.</p><p>Ich glaube nicht, dass einer von ihnen grün wählt, es sei denn, Özdemir kandidiert. Hätte ich nach Politik und Kanzlern gefragt, hätten alle für Helmut Schmidt, eventuell auch für Angela Merkel geschwärmt. Heute ist so eine Gruppe, die ihren Aufstieg durch Bildung realisiert hat, bis heute wissenschaftlich und technologisch ambitioniert bleibt, aber vom Naturell her skeptisch, pragmatisch und unideologisch denkt, parteipolitisch heimatlos.</p><p>Ihr Leben wurde, wie meines, von Politik geprägt: Der Fall der Mauer, die Wiedervereinigung, die Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union, das Schengen-Abkommen und die Einführung des Euro bildeten die Rahmenbedingungen für die längste und wohlhabendste Epoche der europäischen Geschichte. Zur politischen Geschichte gehören aber auch die dramatischen, dabei friedlichen Machtwechsel: von Schmidt zu Kohl, von Kohl zu Schröder und Lafontaine, dann zu Angela Merkel. Sonntage, an denen deine Stimme Geschichte schreibt.</p><p>Heute sind solche deutlichen Wechsel seltener. Koalitionen sind die Regel. Man muss die radikale Rechte von der Exekutive fernhalten, da rücken alle anderen zusammen. Und auch der Raum für nationale Politik ist enger geworden: Der Überfall auf die Ukraine und die Abkehr der USA erfordern eine enge europäische Koordination. Die Bühne Europas ist gut gefüllt; für Lichtfiguren bleibt nur wenig Platz. Es hilft aber auch nicht, wenn der Bundeskanzler redet wie der Pressesprecher „der Wirtschaft“. Der Bundeskanzler soll die Richtlinien der Politik bestimmen; das ist ein anderer Job.</p><p>Die Parteien der extremen Rechten nutzen diese Leerstellen für ihre Versprechen – die sie natürlich nicht halten werden. Mit einer Stimme für sie, vielleicht heute in Sachsen-Anhalt, bewirkt man einen politischen Wumms, eine echte, wahre Wende – zum Schlimmeren, aber eine Wende. Ihre Spitzenkandidaten – je öfter die ins Fernsehen kommen, desto besser, denn das schafft Bekanntheit, ganz unabhängig vom Kontext. Als ich zuhause auszog und zum ersten Mal Waschmittel kaufen wollte, im Woolworth in Dudweiler, griff ich mit sicherer Hand zu Persil – ganz einfach, weil ich das allabendlich in der Werbung gesehen hatte.</p><p>Wer also auf die Power der Politik hofft oder auf sie angewiesen ist und nach echten, markigen und fernsehbekannten Anführern sucht, kann leicht auf die Tricks der Rechten hereinfallen. Noch dazu, wenn sie, wie Alice Weidel, dauernd die Akademikerin vom Dienst gibt, während die anderen Parteien das Bildungsbürgertum weitgehend ignorieren.</p><p>Die Antwort auf die Krise des Parteiensystems und der offenen Gesellschaft muss verschiedene Komponenten umfassen: rechtsradikale und russisch finanzierte Propaganda zurückdrängen, vor allem im digitalen Raum. Parteiverbotsverfahren einleiten und den Entzug des passiven Wahlrechts für radikale PolitikerInnen prüfen. Man kann nun mal nicht an einem Spiel teilnehmen, dessen Regeln man abschafft, sobald man einmal gewonnen hat.</p><p>Und dann eine neue politische Ambition entwickeln: Parteien und Bündnisse anbieten, die effektiv europäisch agieren. Es gibt tausend Quellen neuer Ängste: der Klimawandel, die künstliche Intelligenz, die Zukunft der Arbeit, viele andere mehr – auf keinem Gebiet können nationale Parteien groß was bewegen, aber im europäischen Zusammenschluss geht es. Zugleich wäre es wichtig, die Parteien und Bewegungen wieder mehr zu öffnen oder neue zu gründen. Christdemokratie und Sozialdemokratie funktionieren wie große, komplizierte und traditionsreiche Familien, da kommt man nicht so leicht neu hinein.</p><p>Meine Tischnachbarn erzählten von ausgezogenen Kindern und vollendeten Karrieren – aber ich könnte mir vorstellen, dass sie etwas für das Gemeinwesen tun möchten, falls jemand ruft. Und diese fünf Männer sind bloß ein zufälliges Beispiel für den wachen Geist, der trotz allem in diesem Land weht – auch unter den Freunden meines Sohnes, im Verein oder unter Studierenden entdecke ich viele, viele Menschen, die sich für das Gemeinwohl engagieren möchten und denen die Rechten ein Graus sind.</p><p>Derzeit allerdings ruft nur eine Partei.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/711fe076-3af8-44f6-8335-84cf0795b8b2/uploads/images/uh5liksfyh/IMG_1332.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Seit dem 7. Oktober fühlen sich die Jüdinnen und Juden in Deutschland, in Frankreich und eigentlich weltweit in die Enge gedrängt. Die Drohungen und Attentate erreichen eine ungeheure Intensität, die Mails und Briefe klingen wie aus einem Albtraum, und es kümmert kaum jemanden. In jedem jüdischen Kulturzentrum, in jeder Gemeinde spürt man dasselbe Gefühl der Belagerung. Ich kann danach einfach nach Hause gehen, aber viele bedrohte Menschen, Jüdinnen und Juden, können das eben nicht, sondern müssen bangen, was die AfD oder islamistische Terroristen tun. Die Polizei schützt sie – aber wie viele der Beamtinnen und Beamten dort hegen heimlich Sympathien für die Rechtsradikalen?</p><p>Eine literarische Geschichte zu dieser Vereinsamung und Beklemmung fehlte aber, nun hat Maxim Biller sie geschrieben.</p><p>Erzähler ist Ari, ein Schriftsteller, der in Berlin lebt und dem nichts entgeht. Er stellt das Massaker in eine lange Reihe von Abwertungen, Diskriminierungen und Pogromen, die die Jüdinnen und Juden seit so Langem schon plagen. Er nimmt sich auch noch mal sein eigenes Leben vor und prüft ganz genau, wann und wo sich der latente Antisemitismus dann mal virulent manifestiert hat. Nach und nach verfertigt er eine Theorie über den Ursprung dieses Hasses, formuliert auch seine historisch-philosophische Deutung der Ereignisse – alles aber in großer Einsamkeit. Gegen manche Zeitgenossen hat er große Vorbehalte, entlarvt und kritisiert sie.</p><p>Manchmal überzeugt er, manchmal nicht. Carolin Emcke etwa wird hier unfair abgehandelt: Wenn die Jüdische Gemeinde Frankfurt – eine der intellektuell und moralisch anspruchsvollsten Einrichtungen dieses Landes – ihr Jubiläum feiert, hält Carolin den Festvortrag. Und gestern stand sie in Magdeburg als Rednerin für Demokratie auf dem Marktplatz.</p><p>Aber so ist das Buch eben: Keine tröstende oder versöhnende Lektüre, kein inneres Kind findet hier eine Heimat. Man soll widersprechen, sich die Haare raufen und Puls kriegen. Wenn man es ausgelesen hat, geht es einem nicht besser, aber man weiß, was los ist.</p><p></p><p>Langsam rollt in Frankreich der Präsidentschaftswahlkampf an, das werden noch lange acht Monate. Ich habe schon einen Tipp, wie die Sache ausgehen könnte, aber so weit sind wir noch nicht.</p><p>In diesen Tagen beginnt sich der Boden unter dem Rassemblement National aufzutun. Der tiefe, böse Riss zwischen Marine Le Pen und dem Parteivorsitzenden Jordan Bardella wird ersichtlich. Marine möchte ihrer Nichte Marion Maréchal eine größere Rolle gewähren – aber die ist für Bardella ein Schreckgespenst. „Sie oder ich“, soll er gesagt haben. Das sind bloß die Anzeichen. In Wahrheit möchte Bardella selbst kandidieren, Marine Le Pen hingegen möchte gern kandidieren, aber nicht regieren. Diese Spaltung der Partei, die sie mit Bardella betreibt, wird sie die Mehrheit kosten. Wird noch eine echte Soap.</p><p>Besonders unterhaltsam ist jetzt schon die Sprache im Wahlkampf. Beinahe-Kandidat Dominique de Villepin kam jetzt in einem Interview mit einem uralten, mir beispielsweise völlig unbekannten Spruch, der die ganze Kraft der französischen Agrarmetaphorik in Erinnerung ruft:</p><a href="https://youtube.com/shorts/MnCXfCHoLOA?si=3hm8qFqVDC72251d">https://youtube.com/shorts/MnCXfCHoLOA?si=3hm8qFqVDC72251d</a><p>Kontext: DdV sollte auf eine <em>Lieber X oder lieber Y?</em>-Frage antworten, so typisch Insta/TikTok, und war genervt. Wörtlich übersetzt lautet seine Reaktion: „Ich habe heute nicht mein Höschen aus Kohlblättern angezogen, um mir von kleinen Hasen den Hintern abgrasen zu lassen!“ Deutsche Entsprechung wäre der aus Walter Kempowskis Romanen bekannte Spruch: „Was schert’s die stolze Eiche, wenn sich ein Borstenvieh dran reibt!?“</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.arte.tv/de/videos/049448-001-A/occupied-die-besatzung-staffel-1-1-10/">https://www.arte.tv/de/videos/049448-001-A/occupied-die-besatzung-staffel-1-1-10/</a><p>Über zehn Jahre ist diese Serie jetzt alt, aber man meint, die heutigen Nachrichten zu hören. Während die Bundesrepublik noch an Nord Stream und an das Minsker Abkommen glaubte, wird der resolute Machtanspruch Russlands hier glasklar in Szene gesetzt. Heute dominieren prorussische Parteien die europäischen Wahlkämpfe und im Weißen Haus sitzt ein Mann, der so handelt, als wäre er Wladimir Putins bester Angestellter. Warum dauerte es all die Jahre, bis endlich das Russische Haus zu Berlin und das Bonner Generalkonsulat dichtgemacht wurden?</p><p>Ich kannte Menschen, die von Che Guevara verblendet waren, von Osho, dem Guru, sogar von Andreas Baader. Alles schlimm genug. Aber warum agieren Personen, die ihr Leben lang drei Mahlzeiten am Tag hatten, in Frieden und Sicherheit leben dürfen und durch die freien Medien und politischen Systeme des Westens sogar reich und berühmt wurden – ich denke an Oskar Lafontaine, Sahra Wagenknecht, Gerhard Schröder, Alice Schwarzer, Ulrike Guérot, Marine Le Pen und viele, viele andere –, nun objektiv in Putins Interesse? Putin, der sein Volk bestiehlt, täglich morden lässt – so gierig und so brutal. So grausam. Muss man sich mal vorstellen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Bei den Vorbereitungen für die Folgen unseres Podcasts <a href="https://www.wasbishergeschah.com/">„Was bisher geschah“</a> versuche ich, mir die Alltagswirklichkeit der frühen Neuzeit und anderer vormoderner Epochen so konkret wie möglich vorzustellen. Hausarbeit und Küche hatten wenig mit dem zu tun, was wir darunter verstehen. In den klassischen Rezeptfilmen von Maïté zur Küche der Musketiere kann man es aber noch ein wenig nachempfinden. Es muss ja nicht immer Sonntagshuhn sein, warum nicht mal ein Wildschwein?</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=hJ-D44A319o">https://www.youtube.com/watch?v=hJ-D44A319o</a><p>Oder eben ganz etwas anderes vom Herrn Grün:</p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/maultaschen-italienisch-mit-einer-fuellung-aus-geschmorten-auberginen-zucchini-und-kraeutern-auf-einem-bett-aus-leicht-spicy-italienischem-gemuese/">https://www.herrgruenkocht.de/maultaschen-italienisch-mit-einer-fuellung-aus-geschmorten-auberginen-zucchini-und-kraeutern-auf-einem-bett-aus-leicht-spicy-italienischem-gemuese/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 06 Sep 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Heute ist der siebte Tag!]]></title>
      <description><![CDATA[Einen Monat nach den gewaltigen Feuern hat in Frankreich die Aufarbeitung begonnen. Der Premierminister und die Präfektin sind an zwei separaten Terminen nach Le Porge…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Der Le Porge-Test</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/122ec590-bb06-4683-ab24-799855a1c2e2/uploads/images/kup7sdrfwg/IMG_0993.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Einen Monat nach den gewaltigen Feuern hat in Frankreich die Aufarbeitung begonnen. Der Premierminister und die Präfektin sind an zwei separaten Terminen nach Le Porge gefahren, wo 183 Häuser zerstört wurden. Unter den Einwohnern hat sich die Überzeugung verbreitet, dass man die Normalo-Kommune geopfert habe, um stattdessen mit größeren Mitteln das weiter südlich gelegene Cap Ferret zu schützen, wo die Reichen wohnen. Sophie Brocas, die Präfektin von Nouvelle-Aquitaine und der Gironde, war am Mittwoch im Festsaal der Gemeinde. Sie ließ sich auspfeifen, fungierte als Blitzableiterin für den Zorn der Anwohner. Dann erläuterte sie die Fakten, zeigte die aufgewendeten Mittel und die Chronologie der Maßnahmen und trug alles vor, was derzeit an Erkenntnissen über diese dramatischen Tage vorliegt. Der Fachbegriff der französischen Verwaltung für diese Art von Bilanz ist Retex – retour d’expérience.</p><p>Diese erste technische Bilanz belegt nicht, dass jemand den Ort Le Porge willentlich geopfert hat. Aber auch nicht, dass alles glatt lief. Sophie Brocas räumte ein, dass sie beim Verzicht auf die Smartphone-Warnung FR-Alert möglicherweise eine Dummheit begangen habe – „peut-être que c’est une bêtise“. In Wahrheit hat das Megafeuer alle überfordert. Die Behörden argumentieren, der Schutz von Menschenleben habe in dieser Phase Vorrang gehabt. Im Porge lief die Evakuierung bereits; auf der schmalen Halbinsel Cap Ferret mussten zugleich Zehntausende Menschen über im Wesentlichen eine einzige Straße oder per Boot in Sicherheit gebracht werden.</p><p>Beim Lesen der Artikel über die Besuche von Sébastien Lecornu und Sophie Brocas in Le Porge dachte ich, dass weder Sahra Wagenknecht noch Alice Weidel, weder Marine Le Pen noch Donald Trump solche Rechtfertigungen und Abwägungen vornehmen müssen. Sie leben im Raum der zweidimensionalen Politik, die auf einen Bildschirm passt. Für Probleme werden Schuldige gesucht – Afghanen, Kanadier, Ukrainer –, unangenehme Fakten werden als Lügen abgetan und ansonsten wird selbst gelogen, dass sich die Balken biegen. Auge in Auge mit Leuten, denen das Haus abgebrannt ist, fällt das schon schwerer.</p><p>Das ist kein Argument dafür, die mal regieren zu lassen. Nach dem Motto: „Vergesst die Brandmauer, ein Praktikum an der Regierung wird sie schon zur Vernunft bringen!“ Man hört das Argument oft, aber mich überzeugt es nicht. Es gibt einfach viel zu viele historische Belege dafür, wie rechtsextreme Regierungen agieren. Es geht nie gut.</p><p>Der politische Pate dieser Bewegungen, Wladimir Putin, prägt die russische Politik seit 26 Jahren und zeigt jeden Tag, wie er die gewaltigen, von ihm verschärften Probleme seines Landes löst: Durch Lügen, Verbrechen und eskalierende Kriege. Das ist nicht seine persönliche Laune, sondern die Logik der extremen Rechten: Lügen, Gewalt und Krieg. Oder wie es mein Freund und Kollege, der Historiker Lorenz Hemicker, formuliert: „Wen töten die Nazis am Ende ihrer Herrschaft? Andere Nazis.“ Sie bekommen nie genug von Hass und Gewalt. Alles, um sich der Wahrheit nicht stellen zu müssen.</p><p>Wie wäre das als Frage für Kandidatinnen und Kandidaten: „Ein Megafeuer bedroht ein Dorf. Sie tragen die Verantwortung und entscheiden sich für die Rettung von Menschenleben und gegen das Löschen der Häuser. Fahren Sie einen Monat später in die Stadthalle des abgebrannten Dorfs und lassen sich ausbuhen?“</p><p>Darum ist es so wichtig, auf kleine Lügen zu achten. Alice Weidel bestritt in der Sendung <em>Caren Miosga</em>, die Augen verdreht zu haben, als die Moderatorin auf die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag zu sprechen kam. Es sollte ihr nicht entgangen sein: Ihr Augenrollen war von den Kameras aufgezeichnet worden.Die Lüge ist ihr Medium.</p><p>In einem politischen Amt gibt es Situationen, die nicht für alle zufriedenstellend zu lösen sind. Es gibt Fehler und Überforderung. Die Wirklichkeit ist dreidimensional. Politik für die Bildschirme muss daher auf Lügen zurückgreifen, um das Image passend zu halten. Das ist ein untrügliches Anzeichen für das weitere Vorgehen.</p><p>Nennt es den Le Porge-Test.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/122ec590-bb06-4683-ab24-799855a1c2e2/uploads/images/2wsbv56mzl/IMG_1305.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Als im Sommer das Megafeuer bedrohlich nah an uns heranrückte, waren es nicht die Sirenen, die Alarmsignale per Smartphone oder die Satellitenbilder, die den zuverlässigsten Indikator für drohende Gefahr bildeten, es war ganz einfach die Luft. Ganz animalisch wittert man, wenn es brennt und kleine schwarze Partikel herumschweben, wo doch keine sein sollten. Eine Katastrophe liegt in der Luft – es ist keine Metapher, sondern eine Tatsache der Sinne. Bevor ich dieses Buch gelesen habe, war die Luft Luft für mich, ich habe wenige Gedanken daran verschwendet. Aber Jens Soentgen gelingt es mit großer Eleganz und ansteckendem Vergnügen, aus seinen Leserinnen und Lesern Luftikusse zu machen. Er zeichnet eine Wissenschaftsgeschichte der Erforschung der Luft nach, weist dabei immer wieder nach, wie porös und luftdurchlässig unser Körper, unser Leben und unsere Kultur sind und auch sein müssen. Ökologische Fragen spielen eine zentrale Rolle, aber bei aller Dringlichkeit der Lage bewahrt der Autor eine seltene intellektuelle Freundlichkeit. Ein Buch zwischen Natur- und Geisteswissenschaften mit einer guten Dosis poetischer Luftkutscherei – wie es Hans Magnus Enzensberger gefeiert hätte.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Langsam beginnt wieder die Jahreszeit für ernsthafte skandinavische Ermittlerserien,  und hier bietet Netflix die fünfteilige Miniserie „Blutopfer“. Wie in der Serie über den U-Boot-Mord wird an grausamen Szenen gespart, dafür steht die Dynamik der Ermittler im Fokus. In dieser Geschichte um einen Serienmörder, der es auf Polizisten abgesehen hat, ist es Kommissar Thomas Berg, der seinen entfremdeten Vater Alfred, einen ehemaligen Polizisten, um Hilfe bitten muss. Ich bin noch nicht ganz durch, aber bisher finde ich dort alles, was man sich von einer Serie dieses Genres erhofft.</p><a href="https://www.netflix.com/watch/81913705?trackId=264293154&amp;tctx=2%2C0%2C3eae2942-56e1-45b4-a7f8-62bf50547762-25892257%2CeyJwYWdlSWQiOiJQU180NThiZGU3OC1mYTcwLTRiYTMtOWU0ZS02NTAwYjA1Yzk2ZGRfTDFfTjEwIiwic2VjdGlvbklkIjoiZWJiYzBjYmItZDQ3Ni00Y2IzLWI3NTktNTA1ODYwNWU1MmI5IiwiaWR4IjotOTk5fQ%3D%3D%2CPS_458bde78-fa70-4ba3-9e4e-6500b05c96dd_L1_N10%2C%2C%2C%2C%2CVideo%3A81768820%2CdetailsPagePlayButton">https://www.netflix.com/watch/81913705?trackId=264293154&amp;tctx=2%2C0%2C3eae2942-56e1-45b4-a7f8-62bf50547762-25892257%2CeyJwYWdlSWQiOiJQU180NThiZGU3OC1mYTcwLTRiYTMtOWU0ZS02NTAwYjA1Yzk2ZGRfTDFfTjEwIiwic2VjdGlvbklkIjoiZWJiYzBjYmItZDQ3Ni00Y2IzLWI3NTktNTA1ODYwNWU1MmI5IiwiaWR4IjotOTk5fQ%3D%3D%2CPS_458bde78-fa70-4ba3-9e4e-6500b05c96dd_L1_N10%2C%2C%2C%2C%2CVideo%3A81768820%2CdetailsPagePlayButton</a><hr aria-hidden="true"/><p>Ich gehe sehr gern ins Kino. Da ich aber in einer cineastischen Diaspora lebe, gehe ich nach Termin ins Kino: Wenn zu meiner Lieblingszeit im einzig akzeptablen Kino der Stadt etwas gegeben wird, das auch nur entfernt nach Film aussieht, gehe ich hin. So entdecke ich immer wieder etwas, neulich <strong>„A Sad and Beautiful World“</strong>, eine internationale Koproduktion, die in Beirut spielt. Der <strong>libanesische Bürgerkrieg und die späteren Krisen des Landes bilden</strong> die Kulisse einer ungewöhnlichen, <strong>über Jahrzehnte erzählten</strong> Liebesgeschichte. Der Film hat lustige Momente, romantische, auch dramatische und sehr viele schöne Einfälle. Meine Begeisterung wuchs von Szene zu Szene. Man verzweifelt schier am nur sachte angedeuteten Unglück des Landes, <strong>an den politischen Krisen und dem zerstörerischen Einfluss der vom Iran gestützten Hisbollah</strong>; es ist sehr aufklärerisch, dabei immer unterhaltsam. Aber dann – ganz komisch: Etwa nach <strong>85 Prozent</strong> der Spieldauer gehen dem Film die Ideen aus. Motive werden variiert, Dialoge paraphrasiert, Probleme wiederholt <strong>statt</strong> gelöst, nichts geht voran. Aber vielleicht fühlt es sich so an, im Libanon zu leben.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=pGHWEz1-W-E">https://www.youtube.com/watch?v=pGHWEz1-W-E</a><hr aria-hidden="true"/><p>Im Studium wohnte ich neben Luciana und Theo, einem netten Paar aus Brasilien. Beide studierten Jura. Eines Abends luden sie mich zum Essen ein. Obwohl Luciana in ihrem jungen Leben nur super selten gekocht hatte, wollte sie Zitronenhuhn servieren. Sie kam aus einer vermögenden Familie und war der Meinung, das normale saarländische Duschwasser würde ihrem Haar schaden. Also ließ sie Kisten mit Evian-Flaschen, turmhoch gestapelt, in ihre Studentenbude liefern, um sich damit die Haare zu waschen. Ihr Freund rechnete zaghaft vor, bis <strong>zum</strong> Ende des Studiums würde sie locker den Gegenwert eines Autos verwaschen, aber <strong>– I don’t care! –</strong> das war es ihr wert.</p><p>Es war ein lustiger Abend, aber das Huhn schmeckte, als sei es in Spüli mariniert gewesen**,** und vermutlich war es das auch. Ich befürchtete, beim Sprechen bunt schimmernde Luftblasen zu produzieren. Zitronenhuhn habe ich daraufhin viele Jahrzehnte gemieden, aber jetzt wage ich mich vorsichtig <strong>wieder an das Thema heran</strong>. Umso mehr, als Yotam Ottolenghi, <strong>der Gott aller Amateurköche,</strong> sich uns nun wieder auf diesem Feld offenbart. Es ist ein Zeichen:</p><a href="https://cooking.nytimes.com/recipes/1022656-double-lemon-chicken">https://cooking.nytimes.com/recipes/1022656-double-lemon-chicken</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>P.S.: Am 10. September gastieren wir mit <em>Was bisher geschah</em> in Freiburg im Breisgau. Wer also das Programm unserer “Deutschlandreise” verpasst hat oder es noch einmal sehen möchte: E-Werk Freiburg, um 20 Uhr, es gibt noch Restkarten.</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 30 Aug 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die große Hoffnung]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt sie noch, die guten Nachrichten/Le Chat de Montaigne/Serie Mum/Alexander Gorkow/Rezepte Jede Epoche hat ihre ikonischen, symbolisch bedeutsamen Krankheiten, und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt sie noch, die guten Nachrichten/Le Chat de Montaigne/Serie Mum/Alexander Gorkow/Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/702cd19c-745d-4ffc-9222-e3361573940e/uploads/images/ibsngyknpu/IMG_1089.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Jede Epoche hat ihre ikonischen, symbolisch bedeutsamen Krankheiten, und für uns ist es der Krebs. Eine Großtante ist an Brustkrebs gestorben; es war das Drama der Familie, als ich klein war. Man durfte den Namen der Krankheit nicht sagen, sprach nur von <em>la maladie</em>. Der Kummer war so überwältigend, dass auch der Patientin selbst die Diagnose verschwiegen wurde. Niemand fand den Mut, es auszusprechen, das Wort zu sagen.</p><p>Ihr Sohn ist mein Cousin, und wenn ich ihn zum Spielen besuchte, wurde ich instruiert, nie nach seiner verstorbenen Mutter zu fragen. Das fiel allerdings schwer, denn das Haus war ein wahrer Schrein zu ihren Ehren. Überall hing ihr Bild.</p><p>Im Laufe der Jahrzehnte habe ich wie wohl jeder Erwachsene viel zu viele Menschen an Krebs sterben sehen. Oft unter Schmerzen, viel zu früh, viel zu schnell. Bei einigen ärgere ich mich täglich über ihren Tod.</p><p>Nichts nervt mich mehr als vom „Kampf gegen den Krebs“ zu lesen oder gar davon, eine Patientin oder ein Patient habe den „Kampf gegen den Krebs verloren“. Das ist eine unsachgemäße Personalisierung der Krankheit, einfach ein Drama zu viel. Man schreibt ja auch nicht: „Halb Europa verlor ab 1347 den Kampf gegen Yersinia pestis.“ Tote sind keine Loser, sondern Pioniere. Passiert jedem.</p><p>Jetzt beginnt ein neues Kapitel in der Krebsbekämpfung. Bei dem ganzen politischen Huddel gehen gute Nachrichten aus der Wissenschaft unter, daher sollte man sich die Zeit nehmen, darüber nachzudenken und sich zu freuen.</p><p>Am Mittwoch haben Moderna und Merck mitgeteilt, dass eine große Phase-3-Studie mit 1.137 Patientinnen und Patienten mit einem vollständig operierten Hochrisiko-Melanom ihre wichtigsten Ziele erreicht hat: Eine individuell zugeschnittene mRNA-Therapie namens Intismeran verhinderte zusammen mit dem Immunmedikament Pembrolizumab Rückfälle und Fernmetastasen signifikant besser als Pembrolizumab allein. Die vollständigen Daten sind noch nicht veröffentlicht, aber es ist die erste erfolgreiche Phase-3-Studie einer personalisierten mRNA-Krebstherapie. Das Verfahren wird inzwischen auch bei anderen Tumorarten erprobt. Mit meinem Laienverständnis habe ich es mir so gemerkt: Man nimmt Tumorgewebe und eine normale Probe, entschlüsselt die Mutationen des Tumors und baut daraus für jeden Patienten eine eigene mRNA-Impfung. Sie zeigt dem Immunsystem gewissermaßen die Fahndungsfotos des Tumors. Pembrolizumab, eine Immuntherapie, hilft ihm dann, die Krebszellen anzugreifen.</p><p>Dabei kommt dieselbe Grundtechnologie zum Einsatz, die sich schon bei den Covid-Impfstoffen bewährt hat.</p><p>Und man merkt wieder einmal, was für ein Verlust es ist, dass sich Teile der Politik und viele rechte Medien so sehr von der Wissenschaft abgewendet haben. Aber egal: Viele tolle Forscherinnen und Forscher machen unser Leben besser – und länger.</p><p>Was für eine Zeitenwende wäre es, wenn Krebs eines Tages – noch ist dieser Tag fern, aber er nähert sich – seinen Schrecken verliert.</p><p>Grüße an dieser Stelle an Marc, einen Leser des Siebten Tages, der mir über den weißen Elefanten im Karussell an der Hafeneinfahrt von Arcachon schrieb und mit einer solchen Diagnose lebt.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Den ganzen Winter über habe ich an der Übersetzung gewerkelt, jetzt ist sie endlich erschienen: die französische Fassung von <em>Montaignes Katze</em>.</p><p>Frankreich hält sich ja für das Zentrum der Bücherwelt und das schlagende Herz der universellen Literatur schlechthin – nach dieser Erfahrung kann ich das Urteil nur bestätigen. Das gesamte Verfahren von den ersten Gesprächen bis zum Erscheinen war von Freundlichkeit, Tempo und Konzentration geprägt; so etwas habe ich bis dato noch nicht erlebt. Die Verlegerin war mit vollem Engagement hinter dem Projekt – bis kurz vor der Niederkunft mit Kind Nummer drei. Die Pressekollegin entfachte einen Wirbel sondergleichen; ich hatte noch vor Erscheinen Buch-Influencerinnen und Videos mit Katzen im Feed. Sensationell. Die Lektorin Capucine Ruat ging mit der Akribie einer Detektivin an das Manuskript und fand noch viele Ungereimtheiten – und bemängelte die viel zu wenigen Katzenszenen. Ich gab ihr recht, wusste aber nicht genau, was man dagegen tun sollte, und schrieb ihr schafsartig, so sei ja nun mal das Original. Sie daraufhin: „Schreiben Sie doch noch einige Katzenszenen hinein.“ Da hatte sie auch wieder einen Punkt; schließlich ist es ja mein Buch. Nun also mit extended Katzencontent.</p><p>Ich bin gespannt auf die Reaktionen in Frankreich. Eine habe ich schon: In der Nachbarschaft unseres Ferienhauses wohnt Jacques, ein Bekannter meiner Großeltern. Er war ebenfalls Lehrer in Bordeaux und ist ein großer Montaigne-Leser. In diesem Jahr ist er 92 geworden und war sehr gespannt auf das Buch. Ich brachte ihm das allererste Exemplar. Er las direkt los und kam vorbei, um mir seine ersten Eindrücke mitzuteilen, wie immer in fließenden schwarzen japanischen Klamotten und auf seinem Elektro-Roller. Er wünschte, er hätte all das über Montaigne schon früher gewusst. Allerdings sei er derzeit arg beschäftigt, wie immer im Sommer. Die Enkelkinder kommen, Leute rufen an – er kommt zu nix. Neunzig ist die wahre Rushhour des Lebens! Er legte das Buch also nach Seite 50 erst einmal beiseite, um es später wirklich in Ruhe genießen zu können. Nach Weihnachten geht es weiter; da verzieht er sich in seine Wohnung in den Pyrenäen und hat etwas Ruhe. Kein Urteil erwarte ich mit größerer Spannung!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/702cd19c-745d-4ffc-9222-e3361573940e/uploads/images/r34xdkoour/IMG_0392.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Die Zeiten sind komplex, der ganze Huddel mit Frühaufstehen, Termine machen und Listen schreiben geht wieder los; da waren Ferien im Megafeuer direkt erholsam im Vergleich. Dann noch die Nachrichten. Man muss sich selbst bei Laune halten, und das gelingt sehr gut mit der britischen Comedyserie <em>Mum</em>. Sie beginnt mit einem Todesfall und steigert sich langsam. Ein Klassiker des sarkastischen britischen Humors, derzeit mit allen drei Staffeln bei Arte zu sehen. Nicht verpassen!</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/095851-001-A/mum-staffel-1-1-6/">https://www.arte.tv/de/videos/095851-001-A/mum-staffel-1-1-6/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Nichts würde er mehr hassen, als einen Text über sich selbst lesen zu müssen. In der Zeitung kann ich so etwas logischerweise nicht veröffentlichen, aber hier mache ich ja, was ich will.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/702cd19c-745d-4ffc-9222-e3361573940e/uploads/images/47oqrpej6l/IMG_8946.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Alexander Gorkow pflegt die Angewohnheit, mich sehr früh am Morgen anzurufen. Dann sagt er aber nichts, sondern seufzt kläglich. Danach erläutert er es mir: „An meinem Seufzen erkennst Du, wie es steht!“ Jenes Thema treibt ihn um, aber der Text dazu fehlt. Nichts klappt wie vorgesehen. Dann diese Branche. Okay, er sagt nicht Branche, sondern <em>ver… S…branche</em>. Seine Sätze müssten in jeder amerikanischen Serie mit Piepslauten interpunktiert werden, weil sich seine Sorge und sein Wahnsinn nur noch in Injurien und Flüchen ausdrücken lassen.</p><p>Er ist in jeder Hinsicht modern, aber eine seiner Eigenschaften ist im besten Sinne altmodisch: Er ist höllisch fleißig, arbeitet Tag und Nacht für das Feuilleton der Süddeutschen und hat es mit Sara Peschke und den vielen anderen tollen Kolleginnen und Kollegen zum besten Feuilleton der Republik gemacht. Der Fairness halber sei angefügt, dass das auch daran liegt, dass viele Mitbewerber jede Ambition aufgegeben haben. Das liegt nicht an den jeweiligen Redaktionen, sondern jedes Mal an einer verpeilten Chefetage!</p><p>In seiner langen Zeit in München hat er die renommiertesten und lukrativsten Jobs in der deutschen Presselandschaft, einschließlich eines Angebots, Spiegel-Chefredakteur zu werden, umstandslos abgesagt. Er hat Glück statt Geld gewählt – weise Entscheidung.</p><p>Über Nacht, so stelle ich es mir vor, kocht jeder in unserer Republik des Geistes sein Süppchen. Gerüchte entstehen, Pläne werden geschmiedet, irre Äußerungen gehen um, es gibt die Szenen in Talkshows und nach Lesungen. Autoren drehen durch, andere Feuilletons versagen – und noch bevor die Sonne aufgeht, wird all das von Norden, Westen und Osten ganz nach Süden gespült, strandet gnadenlos auf dem Schreibtisch von Alexander Gorkow. Sein Netzwerk reicht kreuz und quer durch die Republik, und es gibt eigentlich nichts, was nicht bei ihm landet, was ihn nicht angeht oder interessiert. Das ist eine ganze Menge, daher die Seufzer, die Flüche.</p><p>Es gibt ihn auch privat. Er besuchte mehrfach in der Woche und am liebsten täglich seine Mutter im Seniorenheim, über viele Jahre und bis zu ihrem Tod. Seine Familie – Julie, Charlotte und seine beiden großen Söhne Victor und Konrad – bilden sein persönliches Sonnensystem. Alles Top-Leute, auch. </p><p>Und als Freund: Als ich vor sechs Jahren woanders arbeitete, kreuzunglücklich war und wirklich nicht weiterwusste, schrieb ich ihm eine SMS. Wir hatten uns länger nicht gesehen, aber er rief innerhalb von Minuten zurück und nahm mich an Bord. Obwohl das Geld dafür nicht da war und der Posten nicht existierte – er sorgte dann dafür.</p><p>Gestern wurde er sechzig. Auf die nächsten 60.</p><p>PS: Seine Bücher sind auch sehr lesenswert, ergeben tolle Geschenke.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Manche Gerichte kommen aus der Mode, man weiß gar nicht so genau, warum. Beim Hühnerfrikassee liegt es, glaube ich, an den vielen Billigversionen, die so zirkulieren. Dose, Plastikverpackung, Tiefkühlgericht – ähbäh. Hier mal eine moderne und konzentrierte Version, erläutert in jenem French-American English, das Emmanuel Macron in Davos weltberühmt gemacht hat, fo sure.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=bibGnLNYtDQ">https://www.youtube.com/watch?v=bibGnLNYtDQ</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>Ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>Korrektur: Es handelte sich - wozu habe ich Saarländer unter den Lesern? - bei der Kasse am Blumenfeld auf dem Foto der vergangenen Woche nicht um Edelstahl, sondern um verzinkten Stahl. Bitte um Entschuldigung.</p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 23 Aug 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der falsche Fokus]]></title>
      <description><![CDATA[AfD rund um die Uhr/Film Die leisen und die großen Töne/Radden Keefe: Sohn des Oligarchen/Zu Tisch im Médoc Nun bin ich schon einige Tage lang wieder zurück in…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>AfD rund um die Uhr/Film Die leisen und die großen Töne/Radden Keefe: Sohn des Oligarchen/Zu Tisch im Médoc</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4f64c858-a614-477a-8af5-615fcb5ef5ef/uploads/images/6rdcqaorb5/IMG_1166.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Nun bin ich schon einige Tage lang wieder zurück in Deutschland, aber mit der Seele noch nicht ganz angekommen. Darum fallen mir noch solche Schilder auf, die ganz für sich allein das deutsche Wesen symbolisieren. Allein der Satz “Preisfindung für Blumensträuße erfolgt mittels Schablone” ist ein Fundstück und hätte Roger Willemsen wochenlang erfreut. Daneben liegt auch wirklich alles für die Verfertigung eines Blumenstraußes bereit: Scheren, Messer, Küchenrolle, was auch immer man braucht, es wurde an alles gedacht. Der Zweck der Sache ist auch sehr gut, man spendet einem ökologisch gesinnten Inklusionsbetrieb.</p><p>Aber direkt unterhalb des hehren, idealistisch gesonnenen Schildes wohnt der stählerne Ernst des Lebens. Nun wird der lesende Spaziergänger, der sich harmlos an den schönen Blumen erfreut und vielleicht gerne einige mitnehmen möchte, zum vermuteten Gauner. “Kasse wird täglich geleert” - das zieht dem inneren Panzerknacker direkt den Stecker seiner kriminellen Ambition. Eben noch Freund der Blumen, nun schon potentieller Kassendieb. Am besten aber gefällt mir die Kasse selbst. Aus rostfreiem, robustem Stahl. Keine Ahnung, ob es sich um ein Serienmodell oder eine Sonderanfertigung handelt, aber es bräuchte schon gewaltiges Werkzeug, um an den Inhalt der kleinen Blumenkasse zu kommen. Ich habe dort noch nie mehr als eine andere Person gesehen, selbst an Spitzentagen dürfte der Kassenbetrag 12 Euro nicht übersteigen. Aber man weiß ja nie.</p><p>Ich kann mit einigermaßen vorstellen, wie so etwas in anderen Gegenden der Welt aussieht. In Frankreich würde da allenfalls ein Schuhkarton stehen und alle machen ohnehin, was sie wollen. Diese Form der regulierten Freiwilligkeit zum guten Zweck, von Vereinen organisiert, ist irgendwie typisch für die deutsche Zivilgesellschaft. Und es ist toll, dass das immer noch funktioniert. Das war ja auch in der Zeit der Megafeuer im Médoc meine Erkenntnis: Es ist viel mehr da, als man nach manchem langen Tag der medialen Selbstverzwergung noch annehmen möchte.</p><p>Darum ist es so fatal, dass sich der gesamte politische Diskurs der Bundesrepublik nur um den angeblich unaufhaltsamen Anstieg einer rechtsextremen Partei in einem kleinen Bundesland dreht.</p><p>Seit über zehn Jahren hat die offene Gesellschaft mit dem digital befeuerten Anstieg der Rechtsradikalen zu tun, und die Fehler sind immer dieselben: Man widmet ihnen eine permanente Aufmerksamkeit. Macht sie berühmt, rund um die Uhr. Die Kanäle ihrer Finanzierung und die Mittel zur Ermöglichung ihrer digitalen Propaganda werden nicht reguliert, untersucht oder stillgelegt. In den Jahren vor der Wahlentscheidung passiert zu wenig zur Stärkung der Zivilgesellschaft. Dabei müssen die politische Kommunikation und die Maßnahmen der Parteien der offenen Gesellschaft sachorientiert und selbstbewusst bleiben. Ein Nachplappern rechtsradikaler Diskurse in der Hoffnung, Wähler zurückzuholen, macht die radikale Rechte nur stärker.</p><p>Leider kollabieren weite Teile dessen, was einmal konservative Parteien waren, vor dem rechtsradikalen Druck. Die Republikaner, die Gaullisten sind in dieser Frage tief gespalten und bieten keine verlässliche Orientierung. Die Union rettet sich über die Runden. Hier, wie auch bei den Sozialdemokraten, ist eine europäische Koordination, ein europäischer politischer Zusammenschluss, der einzige Weg. Viele Wählerinnen und Wähler suchen bei den Rechtsradikalen den Schutz eines starken Staates, werden ihn dort natürlich nicht finden. Europäisch agierende politische Parteien könnten ihn durchaus bieten.</p><p>Aber an solche heroischen Gründungen, ja an irgendeine nennenswerte politische Initiative in der Dimension Euro-Einführung zB ist im Moment gar nicht zu denken. Alles, das ganze Momentum, hat man ganz und ohne Not der AfD überlassen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Bei den Césars, den französischen Filmpreisen, ging er zwar leer aus, aber beim Publikum war diese Geschichte ungleicher Brüder ein voller Erfolg. In Teilen spukt auch der Geist Pierre Bourdieus und seiner Erkenntnisse über die Abhängigkeit von Geschmack und Bildung von der Klassenlage durch den Film. Daher ist er auch ein politischer Kommentar zur französischen Geasamtlage, vor allem aber ein unterhaltsamer und inspirierender Film. Bleibt einem noch eine ganze Weile in Erinnerung. Wer wie ich in einer cineastischen Diaspora wohnt, kann ihn nun in der ARD Mediathek ansehen. Lohnt sich, und wenn man noch kein Benjamin Lavernhe Fan ist, wird man es. Allerdings besteht erhöhte Aznavour-Ohrwurmgefahr.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/die-leisen-und-die-grossen-toene/die-leisen-und-die-grossen-toene-oder-beruehrendes-drama/ard/Y3JpZDovL2FyZC5kZS9wbGFuQVJEX2IxZmQwODY1LTMyMWYtNDMxMS1iZWQ3LWE5ZGFmZWJkYmUwN19nYW56ZVNlbmR1bmc">https://www.ardmediathek.de/video/die-leisen-und-die-grossen-toene/die-leisen-und-die-grossen-toene-oder-beruehrendes-drama/ard/Y3JpZDovL2FyZC5kZS9wbGFuQVJEX2IxZmQwODY1LTMyMWYtNDMxMS1iZWQ3LWE5ZGFmZWJkYmUwN19nYW56ZVNlbmR1bmc</a><hr aria-hidden="true"/><p>In diesem Sommer hatte ich viel für den Podcast und andere Projekte zu lesen, auch für die vielen Rezensionen, die bei Erscheinen der Titel im September kommen, so dass mir gar nicht so viele Bücher übrig blieben, um sie hier zu empfehlen.</p><p>Ein Titel, der mir gut gefällt, ist die lange Untersuchung eines Todesfalls in London im jahr 2019 im Milieu der Finanzhochstapler. Dabei macht der Autor ein größeres Panorama auf und erzählt, wie die einstige Schifffahrts- und Industriestadt zu einer Hauptstadt der Finanzdienstleistungen , Oligarchen und Gauner wurde. Und zu einer Drehscheibe für Geldwäsche. In vielen der teuren neuen Hochhäuser wohnt kaum jemand, sie sind reine Anlageobjekte. Sehr spannend geschrieben. Ich mochte schon Keefes Untersuchung zu den Sacklers und der Opioidsucht in den USA.</p><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/patrick-radden-keefe-der-sohn-des-oligarchen-9783446283008-t-5814">https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/patrick-radden-keefe-der-sohn-des-oligarchen-9783446283008-t-5814</a><hr aria-hidden="true"/><p>Zuletzt war das Médoc ja als die Region mit den Megafeuern in den Nachrichten, aber nun, da die Gefahr dort einigermaßen gebannt ist, gibt es natürlich noch viel mehr zu entdecken. Hier ein kleiner Kulinarischer und kultureller Vorgeschmack:</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/126457-019-A/kuechen-der-welt/">https://www.arte.tv/de/videos/126457-019-A/kuechen-der-welt/</a><p><strong>Kopf hoch, ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 16 Aug 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nichts in Ordnung]]></title>
      <description><![CDATA[Der belgische Maler René Magritte hat einmal ein surrealistisches Experiment vorgenommen. Seine Frau Georgette war mit einer Freundin in die Stadt gegangen und er blieb…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/51d75f06-550a-4d02-9f77-a839db42d6be/uploads/images/uqtzoeucc3/IMG_1095.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der belgische Maler René Magritte hat einmal ein surrealistisches Experiment vorgenommen. Seine Frau Georgette war mit einer Freundin in die Stadt gegangen und er blieb zu Hause. Nach einigen Stunden kam der Mann der Freundin, um sie abzuholen. Da die beiden Damen noch nicht zurück waren, bat Magritte den ihm bis dato unbekannten Herrn ins Wohnzimmer, um dort gemeinsam auf die beiden zu warten. Ein schmaler Flur führte von der Diele ins Wohnzimmer und Magritte ließ seinem Gast den Vortritt. Und dort, im Flur, trat er ihm in den Hintern. Magrittes Freund Louis Scutenaire schreibt von einem „formidable coup de pied au derrière“.</p><p>Die Reaktion des Gastes  fiel so aus, wie Magritte es erwartet hatte: Er tat, als sei nichts geschehen. Die Freundinnen kamen dann irgendwann. Man plauderte, trank was, nach einer Weile  verabschiedete sich das andere Paar. Alles bestens. Der getretene Gast hatte in seinem bourgeoisen Verhaltenskanon eben keine passende Reaktion gelernt. </p><p>Mit dem Sommer der Hitze ist das ganz genauso: Rekordtemperaturen, Wassermangel, Megafeuer und vieles mehr, aber eine adäquate Antwort bleibt aus. Jedes Land in Europa wurschtelt weiter vor sich hin, jedes Symptom wird für sich adressiert und eigentlich hofft man, dass der Herbst neue Probleme bringt. Welche, die zu den Instrumenten passen, die man kennt. </p><p>In den letzten Tagen meiner Ferien war ich mit meinem Freund Olivier jeden Tag in den Wellen des Atlantiks, wie seit vielen, vielen Sommern. Wir sind begeisterte Wellen-Emporschwimmer,  Untendurchtauscher und Vorneweggleiter, am besten in den Wasserwänden des Augusts, wenn man horizontal nach oben schwimmen muss. Wir unterscheiden Fahrstuhl- und Taxiwellen, es ist die reine Freude. Man darf es wirklich nur in bewachten Badegebieten machen, denn schnell ist man zu weit draußen. </p><p>In diesem Jahr hatte das Wasser des Atlantiks eine Badewannentemperatur von 26 Grad und an vielen Tagen kaum nennenswerte Brandung, sondern spielte Südsee. Wir mussten gar nicht viel darüber diskutieren: So warm war das Wasser einfach noch nie, da stimmt etwas nicht. </p><p>Es war, als spielten die alten Götter der Natur Versteckte Kamera: “Wir lassen die Welt brennen, Tauben tot vom Himmel fallen, Asche regnen, garen die Leute in ihren Wohnungen, schmelzen den Teer auf den Parkplätzen der Bretagne und machen aus dem Atlantischen Ozean ein lauwarmes Süppchen. Mal schauen, wer was merkt und wann.” </p><p>Was hier passiert, weiß jedes Kind. Es ist  die langweiligste, am besten vorhergesagte und untersuchte Katastrophe der Menschheit. Aber ihre Dimensionen erscheinen noch zu groß für politische Maßnahmen, also wird allenthalben reagiert wie einst bei Magritte zu Hause. Tun, als wäre nichts. </p><p>Am 17. August möchte der französische Premierminister die vom Megafeuer verwüstete Region besuchen. Das ist nur deswegen bemerkenswert, weil er sich damit ungewöhnlich viel Zeit lässt. Die Regierung und der Premierminister sind die schnelle Truppe der Exekutive, bei jedem umgekippten Laster eilt der Minister herbei, größere Schäden und Schrecken rufen den Regierungschef auf den Plan, am besten noch am selben Tag. Wer sich Zeit lassen darf, ist der Präsident – aber Emmanuel Macron war schon zum Blitzbesuch in Bordeaux. Alles anders und doch weiter wie bisher. Vermutlich wissen sie nicht, was sie sagen sollen. </p><p>Auch der deutsche Sommer ist von Hitzetoten, Wassermangel und Waldbränden geprägt. Aber der Dimension des Wandels entsprechende Reaktionen blieben aus. </p><p>Eher werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskreditiert. Deren Erkenntnisse gelten  auf gewissen sozialen Medien längst als elitäre Elaborate aus dem Elfenbeinturm. Der Umgang mit der Covid-Pandemie war die Blaupause für den rechtsextremen Angriff auf die Wissenschaft: Heute muss sich Anthony Fauci vor dem Kongress rechtfertigen, Karl Lauterbach braucht besonderen Schutz, ebenso wie vor ihm  Christian Drosten. Persönlichkeiten, deren besonnenes Handeln unzähligen Menschen das Leben gerettet hat. Wer hat angesichts ihrer Beispiele noch Lust, sich zu engagieren und Vorschläge zur Bewältigung der Klimakrise zu machen? Kein Mensch braucht solchen Huddel!</p><p>Dabei haben etwa die herkömmlichen Volksparteien durchaus ökologisches und nachhaltiges Gedankengut im Archiv. Die Union könnte sich auf Franz Alt, Klaus Töpfer, Kurt Biedenkopf und Meinhard Miegel besinnen, um einen modernen, ökologischen Konservatismus zu formulieren. Es ist ja nicht so, als ächze die CDU derzeit unter einer Überlast politischer Ideen.</p><p>Irgendwo in meinem Regal schläft noch ein Buch mit dem verheißungsvollen Titel “Gesellschaft der Zukunft, Reformpolitik in einer veränderten Welt”. Darin geht es vor allem um den ökologischen Umbau der Industriegesellschaft, Autor ist Oskar Lafontaine. Was hätte sein können, wenn er bei diesen Themen geblieben wäre? Immerhin ist heute die saarländische SPD unter Anke Rehlinger und Ulrich Commerçon intensiv beim Thema grüner Stahl engagiert.</p><p>So ist die politische Ökologie bei den Grünen geblieben. Sie haben allerdings noch viel mehr im Angebot und manchmal fällt es schwer, das Wesen ihrer Partei zu erkennen. Im <em>Canard Enchainé</em>, der französischen Satirezeitung, wird ein anonymer französischer Politiker der Mitte zitiert: “Wir können jetzt nicht einfach zugeben, dass die Écologistes (die Grünen ) die ganze Zeit recht hatten. “</p><p>Aber letztlich haben es  in einer parlamentarischen Demokratie die Wählerinnen und Wähler zu entscheiden und es ist billig, immer auf die Politikprofis zu zeigen. Wirtschaft und Gesellschaft, selbst die Medien, sind süchtig nach Gegenwart , nach Glück und Weiter so.  Ich bin selbst eher faul und mag es, wenn alles wie immer ist. Ich brauche manchmal mehrere Erinnerungen und Hinweise, bevor ich etwas ändere, allerdings gab es die in diesem Sommer  jeden Tag und jede Nacht. </p><p>Nun habe ich die sonore Stimme von Tilo Schmitz im Ohr, der in der deutschen Fassung von Pulp Fiction den Marsellus Wallace/Ving Rhames spricht: <em>Hier ist nichts, aber auch gar nichts n Ordnung.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p>Jeder neue Terroranschlag überstrahlt mit seinem Grauen die Erinnerung an die vorigen, darum fällt es, mir zumindest, so schwer, Terrorismus als historische Kategorie zu verstehen. Jedes Mal beschäftigt man sich intensiv mit den Netzwerken, den Tätern und den Opfern, jedes Mal erneut - und irgendwann ist man auch erleichtert, das schwierige Thema hinter sich zu lassen und vergessen zu können.</p><p>Darum ist die nun auf Netflix eingestellte Serie der BBC über das Lockerbie-Attentat vom 21.Dezember 1988 so wichtig. Es ist eine Art Archäologie der Angriffe auf Zivilflugzeuge und erinnert auch nochmal an die verstörende Grauzone zwischen Geheimdiensten und militanten Bombenlegern diverser Provenienz. Es lohnt sich also, noch einmal hinzusehen, denn das terroristische Theater des Schreckens setzt auf die Amnesie des Publikums. In Wahrheit laufen die Aktionen nach mittlerweile gut untersuchten Mustern ab. Einen aktuellen Bezug hat die Sache durch die libysche Connection – in Frankreich wurde der einstige Präsident Nicolas Sarkozy ja im Zusammenhang mit seinen Kontakten zum einstigen Machthaber Khadafi verurteilt. Super gespielt und spannend erzählt ist es übrigens auch.</p><a href="https://www.netflix.com/title/81685713">https://www.netflix.com/title/81685713</a><hr aria-hidden="true"/><p>Auch nach all den Stunden Odyssee möchte man Matt Damon und Tom Holland gerne noch eine Weile zusehen. Ohnehin ist es immer wieder begeisternd, wie sich amerikanische Stars im Pizza Studio der New York Times amüsieren können, so völlig ohne jede tiefere Botschaft oder pizzamäßigen Ehrgeiz. Meine einst flammende Liebe zur Pizza ist irgendwie erkaltet, ich esse das nur noch sehr selten, aber Odysseus und Telemachos beim fröhlichen Versagen zuzusehen geht immer.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ICYTZWCy4I8">https://www.youtube.com/watch?v=ICYTZWCy4I8</a><p></p><p><strong>Kopf hoch</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 09 Aug 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Meine Ferien im Megafeuer]]></title>
      <description><![CDATA[– Heute nur ein Thema!– In den Ferien stoppen wir mindestens einmal bei Hervé, einem Biobauern in den Sümpfen zwischen Bordeaux und Lacanau. Das einzige Problem dieser…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>– Heute nur ein Thema!–</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/35a02639-cdec-41de-8ead-2cecd76d4abb/uploads/images/phbhszgjue/IMG_0913.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>In den Ferien stoppen wir mindestens einmal bei Hervé, einem Biobauern in den Sümpfen zwischen Bordeaux und Lacanau. Das einzige Problem dieser Besuche ist die Fülle und die absolut einzigartige Qualität seines Obst-und Gemüseangebots. Danach ist man für die Angebote aller anderen Erzeuger verdorben. Von ihm bekommt man die besten Brombeeren, Tomaten oder Eier, die man je gegessen hat.</p><p>In diesem Jahr war auch das anders und ich sehe heute darin eine Art Vorzeichen. Hervé hatte kaum etwas zu verkaufen. Die extreme Hitze hat die Ernte seines “Domaine du Plec” verbrannt. Traurig stellte er uns einige Zwiebeln zusammen, wenige Tomaten und reife Feigen. Die kündigen immer den Spätsommer an, aber hier war es Mitte Juli. Hervé sah es glasklar: “Ihr seid heute Zeugen vom Ende einer Welt.” Heute gehört Hervé zu den rund <a href="http://200.ooo/">200.ooo</a> Personen, die evakuiert wurden, um ihr Leben vor einem Feuer zu retten, wie es Frankreich noch nie gekannt hat. Und wir waren nicht weit.</p><p>Feuer ist in den Wäldern der Gironde und der Landes ein altbekanntes Risiko. Die Monokulturen an Seekiefern wurden schon im Ancien Régime hochgezogen, später noch intensiviert, um rasch Holz zu gewinnen, die Landschaft der Dünen und Sümpfe zu entwässern und aus dem entzündlichen Harz Terpentin zu gewinnen. Es sind rasch wachsende und hochentzündliche Bäume. Überall sind daher Wachtürme errichtet worden; es gibt breite Feuerschneisen, Notfallpläne und Feuerwehrmänner, die sich damit auskennen. Dass ein sommerlicher Waldbrand ausbrach, hat zunächst niemanden überrascht.</p><p>Ich hörte von dem Brand in Saumos und bald darauf sahen wir die ersten gewaltigen Rauchsäulen – zu sehen auf dem Foto oben. Saumos liegt mitten im Waldgebiet. Bald würden Löschflugzeuge die Sache beenden dachte ich mir, ohnehin zum Optimismus neigend. Aber aus der sommerlichen Episode wurde sehr schnell etwas völlig anderes: Der Wind und die Hitze transformierten den Waldbrand in eine unberechenbare Katastrophe, in der Energie in nie gekanntem Ausmaß freigesetzt wurde. Auf dem Höhepunkt dürfte der Waldbrand eine Wärmeleistung von mehreren hundert Gigawatt entwickelt haben – vergleichbar mit der thermischen Leistung von Dutzenden großer Kernreaktoren, allerdings vollständig als zerstörerische Hitze. Selbst die Kombination aus Luft- und Bodeneinsatz konnte das Feuer in dieser Phase nicht mehr aufhalten. Ein Pilot der Löschflugzeuge Canadair schilderte erschüttert, dass seine gesamte Ladung, über 6000 Liter Wasser, schon der Luft verdunsten und den Boden gar nicht mehr erreichen.</p><p>Der Wind trieb das Feuer zum Ort Le Porge. Der ist von Saumos nicht viel weiter entfernt als unser Ferienhaus in Lacanau-Océan und heute vollständig zerstört. Ob ein Ort das Megafeuer übersteht oder darin untergeht, war allein eine Laune des Windes.</p><p>Es regierten der Wind und das Chaos, denn der Brand erzeugte ab einem gewissen Stadium seine eigenen Winde. Wir planten unverdrossen einen Besuch bei meinem Cousin. Ich freute mich auf Kuchen und gute Gespräche in seinem Garten, aber dann mussten seine Frau und er evakuiert werden. Das Feuer hatte eine unvermutete Richtung eingeschlagen. So ging es weiter.</p><p>Am Freitag näherte sich die Action: Kaum noch Sonne zu sehen, nur noch diese unendlichen Säulen aus Qualm.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/35a02639-cdec-41de-8ead-2cecd76d4abb/uploads/images/fk3bny2qs3/IMG_0923.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Himmel färbte sich orange, im Garten fiel eine Taube tot vom Baum und auf die Tischen draußen rieselten Asche und Ruß. Wir packten die Notfallrucksäcke. Viele machten sich schon auf den Weg. Ich besuchte die 92jährige Mutter eines Freundes, die um die Ecke wohnt und schlug vor, sie mitzunehmen. Sie saß kerzengerade und perfekt zurechtgemacht in ihrem Sessel, eine elegante, breite Handtasche mit ihren Papieren und Medikamenten zu ihren Füßen. Sie war gut im Bilde und lächelte: “Eben gab es so einen Moment der Panik. Die Nachbarin wollte mich schon mitnehmen. Aber jetzt – “Sie warf einen Blick zum Himmel ”ist dieser Moment auch schon wieder vorbei.” Schlimmer war es jedenfalls nicht geworden, im Gegenteil. Es klarte auf. Der Wind hatte sich neue Opfer gesucht. Sie blieb, wir blieben.</p><p>Ein Nachbar erklärte die Krisenlogik: Erst dann evakuieren, wenn die Präfektin Sophie Brocas dazu auffordert, das tut sie per Direktsignal FR-Alert an alle Mobiltelefone. Man braucht keine App. Die Präfektin findet dich. Solange sie dich aber nicht evakuiert, bleibst Du, wo Du bist und verstopfst nicht die Landstraße.</p><p>Das Vertrauen in die Institutionen war intakt und die Kommandokette so unverbrüchlich wie zu Zeiten des Kaisers Augustus im römischen Imperium.</p><p>In der Nacht begann eine nun legendäre Aktion. Der Bürgermeister von Lacanau Laurent Peyrondet schloss sich mit Bauunternehmern, Waldbesitzern und Ingenieuren zusammen und unternahm den Bau einer gewaltigen Feuerschneise, die sich schützend zwischen Brand und Stadt legte. Heute ist noch unklar, welche Genehmigungen ihm dazu vorlagen. Sie fällten Bäume in einem Tempo, das unter normalen Umständen undenkbar gewesen wäre<strong>.</strong> Bald war die kleine Stadt an entscheidenden Stellen abgesichert. Danach entstand im sonst verschlafenen Rathaus eine Art Krisenzentrum, in dem auch externe Berater gratis mitwirkten. Die Hilfs- und Spendenwelle rollte an. Es formierten sich private Gruppen wie die Chicanos, die der Feuerwehr assistieren und dazu ihre privaten Fahrzeuge und Wassertanks nutzen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/35a02639-cdec-41de-8ead-2cecd76d4abb/uploads/images/7b4gzgxejg/IMG_1024.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Peyrondet und sein Team waren nicht Tennis spielen und erfanden auch keine Telefonate mit Macron. Mehrmals am Tag gab es auf der Seite des Rathauses eine durchdachte, gut verständliche und ausführliche Lagebeschreibung. Überhaupt war die Kommunikation aller politisch Verantwortlichen die wahre Freude in der entsetzlichen Lage: Immer aufrichtig, nie selbstbezogen, sondern lösungsorientiert und wertschätzend.</p><p>Oft genug verzweifle ich am politischen und sozialen Dauerstreit, an der Hoffnungslosigkeit der Parteien und dem Wahnsinn der Talkshows in Frankreichs verzweifelt. Hier sah ich ein anderes Land, das offenbar die ganze Zeit unter einer Plane in einer Scheune vor sich hin geschlafen hat. Zusammenhalt war da. Vertrauen, Respekt, Pragmatismus.</p><p>Feuerwehren aus dem ganzen Land rückten an. Die Touristen blieben fern, die sonst so belebten Plätze wurden zu Pausenräumen für die Einsatzmannschaften. Ihre Arbeit ist eine Lektion in Mut und Demut: Jeder Instinkt rät Mensch und Tier, sich vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen, diese jungen Leute rennen tapfer hin. Sie könnten an der Mehrung eigenen Reichtums arbeiten, stattdessen riskieren sie alles, um anderen zu helfen.</p><p>In der digitalen Welt ergab sich eine ganz andere Lage. Die sozialen Netzwerke – keine heiße News, ich weiß - erwiesen sich als völlig unbrauchbar: Reine Gerüchteschleudern, in der Katastrophe wirklich der letzte Unsinn. Bei Strom- oder Netzausfall ist es mit dem digitalen Zauber bald vorbei. Dann helfen nur noch die guten alten analogen Institutionen wie das Radio, die Lautsprecher oder das Gespräch am Gartenzaun. Auf Google Maps erschienen plötzlich an vielen Stellen Feuer, wo tatsächlich nur Rauchwolken zu sehen waren. Aus nah und fern erreichten mich besorgte Nachfragen. Teilweise meldeten sich Freundinnen und Freunde , sogar entfernte Bekannte, zu denen der Kontakt lange abgerissen war. Die ferne Sorge ist ein effektiver Katalysator sozialer Bindungen.</p><p>Im wirklichen, analogen Leben kehrten die Nachbarn zurück und allabendlich um 17h hörte man wieder das Klackern der Pétanque- Kugeln. Es regnete und am Morgen waren alle Feuer gelöscht. Zu verfolgen war das Geschehen am besten auf dieser App:</p><a href="https://gisfire.saro.app/">https://gisfire.saro.app/</a><p>Schließlich, in Gedanken war ich schon wieder ganz woanders, meldete sich Sophie doch noch. Die Präfektin ließ die Zeltplätze von Lacanau räumen und dazu erklang der Alarm meines Smartphones sowie der aller anderen der Nachbarschaft. Gelegenheiten zur Debatte oder für eigene Kommentare sind dann nicht vorgesehen. Auf die SMS von Sophie Brocas folgt alsbald Besuch der Gendarmerie. Diese präventive, entschlossene und durchaus autoritäre Vorgehensweise hat für ein Wunder gesorgt: Das Megafeuer, das gewütet hat wie Godzilla, vor dem alle menschlichen Instrumente versagten wie Spielzeuge, forderte kein einziges Menschenleben.</p><p>Vor wenigen Wochen, die mir schon wie Monate vorkommen, besuchte ich im Kino von Lacanau-Océan eine Vorstellung von Christopher Nolans Odyssee. <a href="https://podcasts.apple.com/de/podcast/was-bisher-geschah-geschichtspodcast/id1733559978?i=1000777629460">Im Podcast “Was bisher geschah” haben wir auch eine Folge zum Thema gemacht.</a></p><p>Seitdem verfolgt mich, der ohne Religion auskommt, die Figur der Göttin Athene, gespielt von Zendaya, die Odysseus fragt, was genau an den göttlichen Botschaften er nicht verstanden habe? Vielleicht würde sie heute sagen: Heizt die Erde weiter auf, indem ihr alle fossilen Brennstoffe verbratet und Godzilla wird wach. Was ist daran so schwer zu verstehen?</p><p>In einigen Jahren, hoffentlich bald, wird die Brandbekämpfung ganz anders aussehen. Denn auch das gehört zu Wahrheit: hier wird nicht mit modernsten Mitteln gekämpft. Drohnen mit Infrarotsensoren und Löschmitteln müssen zum Einsatz kommen, in Schwärmen, denn die ersten Minuten entscheiden und heutige Methoden sind zu langsam.</p><p>Aber das grundsätzliche Phänomen, der menschengemachte Klimawandel, ist die Wurzel allen Übels. Es kann es so nicht weitergehen. Das, was hilft, ist allerdings auch da: Intelligenz, Wissenschaft, Kooperation, Menschlichkeit und Güte, der immense Mut der Feuerwehrleute und die europäische Zusammenarbeit, denn auch die Bundeswehr half hier.</p><p>Ich schreibe diesen Newsletter immer noch aus Lacanau-Océan. Das Leben kehrt zurück. Vorgestern gab es ein kleines Gedränge an der Supermarktkasse, bald war Ladenschluss. Wer ist zuerst dran? Irgendjemand fing plötzlich an zu lachen: “Das ist doch alles ganz egal!” Jede und jeder verstand ihn.</p><p>Alle haben so viel gelernt wie sonst in Jahren nicht.</p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: An dieser Stelle werbe ich sonst um eine Mitgliedschaft beim <em>Siebten Tag</em>. Heute bitte ich Sie stattdessen herzlich, den Menschen zu helfen, die durch das Megafeuer alles verloren haben und in der Rettung engagiert sind.</p><p>Das geht beispielsweise über die Fondation de France:</p><a href="https://www.fondationdefrance.org/fr/cat-urgences/solidarite-canicule-incendies-fondation-de-france-engage-lance-appel-generosite">https://www.fondationdefrance.org/fr/cat-urgences/solidarite-canicule-incendies-fondation-de-france-engage-lance-appel-generosite</a><p></p><p></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 02 Aug 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Kleine Erinnerung:]]></title>
      <description><![CDATA[Der “Siebte Tag” macht Sommerferien, landet im August wieder im sonntäglichen Postfach! Bis dahin: Kopf hoch! ihr Nils Minkmar]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der “Siebte Tag” macht Sommerferien, landet im August wieder im sonntäglichen Postfach! Bis dahin: Kopf hoch!</p><p>ihr</p><p>Nils Minkmar</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4dd0af02-9204-40a5-bbc6-bd88ba619d39/uploads/images/rdtahx4wuq/IMG_0646.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 05 Jul 2026 06:19:08 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sommer der Wahrheit]]></title>
      <description><![CDATA[Das Puzzle/ Film A Girl Unkown/Freud erzählt einen Witz/ Eri Krippner/ Obama&Bourdain Es gibt für die Europa heimsuchende Klimakatastrophe noch nicht mal eine Rubrik. Wo…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Puzzle/ Film A Girl Unkown/Freud erzählt einen Witz/ Eri Krippner/ Obama&amp;Bourdain</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f4d58f5-4103-4719-8532-b5998cb08ad8/uploads/images/dvcjd2jtso/IMG_0562.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es gibt für die Europa heimsuchende Klimakatastrophe noch nicht mal eine Rubrik. Wo soll man die Berichte über diese schreckliche Lage einsortieren? Umwelt? Wetter? Klima? Gesundheit? Lokales? Haushaltstipps? Sehr, sehr viele Menschen werden an den Folgen der europaweiten Hitzewelle sterben, aber eben nacheinander, isoliert und ohne passende Bilder und Berichte. Keine Aufnahmen von einer Sturmflut, von Blitzen und Donner – auf den Bildschirmen sieht alles aus wie schönes Wetter. Daher gibt es auch keine warnenden Schlagzeilen, die zu einem Politikwechsel mahnen. Keine PolitikerInnen, die in den Nachrichten erklären, dass wir nicht mehr so weitermachen können mit fossilen Energien. Die kleinen Lösungen werden hingegen rauf und runter berichtet: Wie halte ich mich kühl und sicher? Die berühmten Tricks und Tipps. Aber das Problem ist groß und verlangt nach großen, strategischen Entscheidungen. Große Themen haben es schwer, sie erfordern Mut. Also bleibt die Medienkost kleinteilig: Man muss sich die Wahrheit mühsam zusammensuchen wie Puzzleteile.</p><p>Manchmal stelle ich mir vor, wie die unübersehbare Ankunft von Außerirdischen, ein Luftschiff, das vor dem Kanzleramt parkt, medial berichtet würde. Die größtmögliche Story würde gewiß auf Puzzleteilgröße herunterformatiert: Was heißt das für unsere Leserin in Dudweiler?</p><p>Niemand möchte als Ufo-Spinner da stehen, also gäbe es vielleicht ein diskretes Pro und Contra? Regierung und Parlament würden mit den Schultern zucken bis nach der nächsten Landtagswahl, Expertisen würden eingeholt, alles zöge sich ewig in die Länge, bis die Besucher mangels Interesse wieder abzischen. Es wäre wie bei Timmy dem Wal: Mal pathetisch, oft peinlich und rasch wieder vergessen.</p><p>Mir scheint aber, als würde dieser Sommer die Wahrheitsfindung voran bringen: Russland ist nicht unbesiegbar. Die Ukraine macht gewaltige Fortschritte und bald ist Putins Krieg verloren. Dann wird er nicht mehr lange regieren. Meine Vermutung ist, dass dann auch große Teile seines politischen Netzwerks in den USA und Europa verschwinden oder zumindest ihren Einfluß verlieren. Ich erinnere mich noch an die westdeutschen Kommunisten. Jahrelang erzählten sie, etwa die Kommilitonen vom MSB Spartakus dass sie mit Ost Berlin nichts zu tun haben. Doch bald  nach dem Fall der Mauer mussten sie aufhören, wie zig andere Vorfeldorganisationen auch.</p><p>Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn die Netzwerke Putins weiter reichen als bisher, und ich vermute, wir werden es bald entdecken.</p><p>Warum allerdings so viele kluge Menschen, die ich oft treffen durfte, deren Urteil und Leistung ich einmal sehr geschätzt habe, die selbst der offenen Gesellschaft und der Bundesrepublik alles verdanken – Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht, Gerd Schröder und Alice Schwarzer – auf ihn reingefallen sind, ist ein Thema, das künftige Historikerinnen und Historiker beschäftigen wird.</p><p>Der Sommer der Wahrheit hat uns immerhin schon den Entwurf einer große Rentenreform beschert. Es ist ja der deutsche Dauerbrenner schlechthin. In meiner Kindheit ging es um die Rente und auf dem Sterbebett werde ich in den Nachrichten sicher auch noch die nächste Rentenrefom verfolgen dürfen. Wichtiges Thema, das hierzulande aber auch von eminent symbolischer Bedeutung ist. Die Einigung führt vielleicht heraus aus der destruktiven Spirale, in der die Koalition feststeckt. Und zeigt, dass auch etwas anders möglich ist als das deutsche “Weiter so”! Diese hartnäckige Sucht nach den Merkeljahren, als russisches Gas billig war und die deutschen Verbrenner in China gut weggingen, weicht vielleicht langsam der Einsicht, dass auch Deutschland seine Route neu berechnen muss – und kann.</p><p>Europa hat sich nicht auseinanderteiben lassen, auf den Brexit folgte kein weiterer Austritt, ganz im Gegenteil. Zig Länder warten sehnsüchtig auf den Beitritt zur Union. Der Wahnsinn in Washington – die größte Nation des Westens taucht ab in den  <em>reflecting pool</em> und sucht nach Vandalen, die ihr Präsident erfunden hat – und die Verbrechen Putins sind die Geburtshelfer eines vereinten Europas, das nun seine Zukunft deutlich vor sich hat. Die Politikerinnen und Politiker, die heute im Freibad abhängen und einmal Europa regieren werden, arbeiten dann in der europäischen Hauptstadt Brüssel. Die Nationalstaaten spielen später die Rolle der Bundesländer der alten Bundesrepublik: Damals waren Ministerpräsidenten irre bedeutsam, schillernd und komplex, man musste sie alle namentlich kennen. Heute hat sich die Bedeutung der Länder verändert. Wir leben in einer mehrschichtigen Staatlichkeit und ganz gut damit: Regionen, Nationalstaat und vor allem die EU. Wieder so ein Puzzleteil für die Wahrheit dieses Sommers: Europa.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Manchmal ist es ja ein biografischer Zufall, auf welche Autoren und Denker man stößt und welche man links liegen lässt. Sigmund Freud jedenfalls habe ich nie gelesen, vielleicht mal einige Kopien im Studium, aber mehr auch nicht. Ich habe mich oft und gern über Vladimir Nabokov Polemiken gegen Freud amüsiert, aber darin erschöpft sich dann auch schon mein Freudismus. Ein wenig hat sich das erst durch die Bücher von Jörg-Dieter Kogel geändert. Sein erzählendes Sachbuch “Im Land der Träume. Mit Sigmund Freud in Italien” gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Nun hat er mit Christfried Tögel eine Reise in die Welt des freudschen Humors unternommen: “Freud erzählt einen Witz” nennt sich der Band, in der Anderen Bibliothek ist er erschienen. Es ist eine profund recherchierte, dann charmant komponierte intellektuelle Biografie, in deren Fokus aber nicht die üblichen, super ernsten Themen Freuds stehen, sondern sein Weltzugang über den Humor. Ein neuer Ansatz für so ein Buch, dem man auch bei anderen Persönlichkeiten verfolgen könnte. Die meisten biografischen Sachbücher gleichen sich, aber dieses ist ganz anders: Lehrreich, unterhaltsam und eben, naja, witzig. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f4d58f5-4103-4719-8532-b5998cb08ad8/uploads/images/k75pvpl5uy/IMG_0564.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Dass China heute Marktbereiche dominiert, in denen Deutschland einst führend war, ist nun hinlänglich bekannt. Autos, Photovoltaik, vieles andere mehr wird nun dort hergestellt, besser und günstiger. Unlängst habe ich mir  ideale, günstige chinesische Notizbücher bestellt –  Format, Konfiguration, das Papier – alles gefiel mir besser als beid er europäischen Konkurrenz. Es waren keine Imitationen, sondern einfach bessere Notizbücher!</p><p>Völlig erstaunt war ich aber, als ich in Cannes den Film “A Girl Unknown” von Zou Jing gesehen habe. Es war die Premiere - beim Münchner Filmfest wird er auch zu sehen sein, Kinostart hierzulande ist vermutlich im Herbst.</p><p>Es ist der beste Kinofilm, den ich seit Jahren gesehen habe: Elegant, stilsicher und unvermutet kritisch gegenüber der  chinesischen Gesellschaft. Ein<em> film d’autrice</em> voller Poesie und kritischer Präzision, an den man noch lange denken muss. Ich bin nach wie vor entsetzt über die  chinesische Politik, das grausame und mörderische System – aber in der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft, den Firmen und der Kultur geschehen interessante Dinge. Irgendetwas hat sich getan in China, aber was? Stand wieder nicht in den Schlagzeilen. Wenn wir es betrachten und deuten, können wir viel lernen – das nächste Puzzleteil</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=oLwRwbTKeOQ">https://www.youtube.com/watch?v=oLwRwbTKeOQ</a><hr aria-hidden="true"/><p>Es ist immer wieder verblüffend, wer mir zu diesem Newsletter schreibt, mailt oder auf anderem Wege Kontakt aufnimmt. Und mit welchen komplexen, unvorhersehbaren Geschichten,, Kommentaren oder Bitten. Manchmal komme ich gar nicht schnell genug hinterher mit dem Antworten.</p><p>Unlängst bekam ich einen schönen, von Hand geschriebenen Brief einer treuen Leserin. Dem lag eine Anthologie zum Thema Mutter und Mutterliebe bei, sehr schön gemacht. Die Autorin liest den <em>Siebten Tag </em>jeden Sonntag und kann jetzt schon auf einen beeindruckenden Lebensweg zurückblicken, sie ist respekteinflößende 94 Jahre alt ist sie. Das ist das empfehlenswerte Buch, Weihnachten und Muttertag kommen gewiss und damit ist man sehr gut vorbereitet! Eignet sich übrigens auch als Geschenk für Frauen, die gerade Mutter geworden sind.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f4d58f5-4103-4719-8532-b5998cb08ad8/uploads/images/mgt2ubjngy/IMG_0561.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Nachdem gestern unser Sohn sogar auf den samstäglichen Burger verzichtet hat, hitzehalber, möchte ich heute niemanden an den Grill oder Herd scheuchen. Man soll am besten zu Hause blieben und tagträumen, diese Hitze ist wirklich super gefährlich.</p><p>Das Kochvideo heute ein Klassiker mit zwei coolen Typen</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Z7TJYTyNkQQ">https://www.youtube.com/watch?v=Z7TJYTyNkQQ</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Dieser Newsletter macht eine Sommerpause, und ich auch. Anfang August geht es weiter. Take care.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f4d58f5-4103-4719-8532-b5998cb08ad8/uploads/images/dvcjd2jtso/IMG_0562.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 28 Jun 2026 06:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Freitag in Frankfurt]]></title>
      <description><![CDATA[Gedenkstunde für Habermas/Rede Glucksmann/Serie The Hack/Marshmallow-Experiment revisited/Hilfe für Riffreporter/Nigel Slater Dieses amtliche Kennzeichen lernt man schon…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gedenkstunde für Habermas/Rede Glucksmann/Serie The Hack/Marshmallow-Experiment revisited/Hilfe für Riffreporter/Nigel Slater</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/75d288f8-4cc8-4b26-bbdb-83ce4315acf6/uploads/images/uaf43ss6qo/IMG_0505.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Dieses amtliche Kennzeichen lernt man schon in der Grundschule und eine kleine Gruppe bleibt Freitagmittag vor der Frankfurter Paulskirche stehen, um es zu bestaunen: “Der Bundespräsident fährt BMW?”</p><p>Gleich beginnt die Gedenkstunde für Jürgen Habermas und es passt zur Übergröße des Verstorbenen, dass sie fast zwei Stunden dauert. Die Paulskirche stammt aus cooleren Zeiten, heute fungieren die riesigen Scheiben wie die wärmenden Glaswände einer Orangerie. Ein Wunder, das niemand umgekippt ist, aber auch das habe ich dort schon mal erlebt. Man wird in so einem Fall in Windeseile herausgetragen, dort ist an alles gedacht. Es ist ein Ort für würdevolles und höchst professionelles Gedenken! Der Oberbürgermeister begrüßt die vielen anwesenden Honoratioren, bittet zuvor um pauschalen Beifall für alle, nicht nach jeder Erwähnung, so sparen wir Zeit. Die Gedenkstunde selbst folgte jenen zivilgesellschaftlichen und intellektuellen Traditionen, die Habermas selbst mitgeprägt hat: Kein Militär, keine Geistlichen. Dafür Reden, drei Stück und dazwischen Musik von Alban Berg.</p><p>Ich hatte das Glück, die ganze Familie Habermas über seine 2023 verstorbene Tochter Rebekka schon im Studium kennenzulernen. Damals wohnte sie noch in Frankfurt, in der Friedrichstraße. In der Nähe lag die Westend-Wohnung von Ute und Jürgen Habermas. Dort im Gästezimmer übernachtete ich, als Rebekka und ich am Sammelband “Das Schwein des Häuptlings” arbeiteten. Insofern hatte ich Stoff für mentale Spaziergänge durch die Zeiten, während das Programm seinen Lauf nahm. Danach ging es für die meisten Anwesenden noch mit einem langen Uni-Symposium weiter. Jürgen Habermas gibt kein hitzefrei.</p><p>Ich fuhr retour nach Wiesbaden, um <a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/habermas-trauerfeier-frankfurter-paulskirche-steinmeier-li.3496289?reduced=true">aktuell zu schreiben</a>. Der Fahrer des Uber (hätte ich S-Bahn oder Regionalbahn gewählt, wäre ich nie und nimmer pünktlich am Schreibtisch gewesen!) war etwas, nicht viel jünger als ich und drehte sich gleich zu Beginn um, um mich anzustrahlen und beide Daumen emporzurecken: Alles gut! Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Er war ehrlich begeistert von allem. Der Mann war gelernter LKW-Fahrer und hatte in Afghanistan die Laster der Nato gefahren. Kurz vor dem Fall von Kabul wanderte er in die Bundesrepublik aus. Nun ist sie sein “absolutes Lieblingsland”. In Offenburg - nicht Offenbach, ich habe nachgefragt – hat er zuerst gewohnt und schwärmte von dem beschaulichen Städtchen am Tor zum Schwarzwald. Denn Frankreich sei nicht weit. Heute lebt und arbeitet er in Frankfurt, wo es ihm auch super gefällt. Ich fragte, ob er noch Familie in Afghanistan habe und er sagte trocken, die seien alle umgekommen. Alle durch eine einzige Bombe, fünfzig Tote. Afghanistan nannte er ein blutiges Land und wirkte heilfroh, entkommen zu sein. Er lobte den zivilen Verkehr hier, die Sauberkeit und Ordnung. Beim Aussteigen – auch Wiesbaden gefiel ihm sehr, sehr gut– reckte er wieder beide Daumen hoch.</p><p>Mir tat seine Begeisterung für die deutsche Gegenwart gut. Die AfD würde es hassen, alles daran. Sein Handzeichen war auch ein ferner Gruß an Jürgen Habermas. Es war die Botschaft seiner vielen Bücher:  In Deutschland sollen den Leuten keine Bomben mehr auf den Kopf  fallen. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Die Nachrichten aus Frankreich waren letztes Mal an dieser Stelle nicht so gut, aus guten Gründen. Am Samstag Abend sah ich dann aber noch, mehr zufällig, die Übertragung der Rede zum Auftakt des Präsidentschaftswahlkampfs von Raphael Glucksmann. Ich hatte zuletzt gar nicht mehr richtig an seine Chancen geglaubt, aber so eine Rede kann eben den ganzen Unterschied machen. Verbindung von Ökologie, Außenpolitik und sozialer Politik bei gleichzeitiger Förderung der europäischen Souveränität, alles gehört zusammen! Konsequente Distanz zu den Extremen, Wende in eine ökologischere Nach-Macron-Ära ohne die europäische Integration aufzugeben, im Gegenteil. Fantastisch. Zehn von zehn Punkten.</p><p>Ich wünschte, jemand hierzulande könnte die einzelnen kritischen Punkte unserer politischen Gegenwart so cool zu einem Gesamtbild verbinden und dabei verständlich bleiben. Würde überhaupt mal so scharf und umfassend nachdenken.</p><p>Danach, auch sehr gut, traten der Ökorealo Yannick Jadot und die Sozialistin Carole Delga mit ihm auf die Bühne, ein wichtiges Symbol. Beide verfügen noch über alle Tassen im Schrank, möchten –oh Wunder!- selbst nicht kandidieren und gewinnen Wahlen! Derzeit liegt Glucksmann nur wenige Prozentpunkte hinter dem Favoriten Édouard Philippe. Da könnte sich was tun. Erstmal ist <a href="https://youtu.be/IAYYk3X4CR0?si=-frpZuFOhJKwQGre">die Rede von Raphael Glucksmann in Aubervilliers selbst</a> schon ein Ereignis!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Es gibt so viel an den sozialen Netzwerken und Ki zu kritisieren, dass man glatt vergessen könnte, dass die Medienmisere gar nicht mit ihnen gar begonnen hat. Schon in frühdigitaler Zeit gab es Fake News und krumme Dinger, Journalisten, die es nicht so genau nehmen mit ihren Methoden. Sie trugen damals schon dazu bei, dass das Vertrauen in der Gesellschaft erodierte – und das Vermögen der Familie Murdoch wuchs. Eine neue, spannende und humorvolle Serie erinnert noch mal an den großen britischen Telefon-und Mail Skandal aus den späten nuller Jahren. Am Anfang der ersten Folge war ich vom Design der Haarteile und der direkten Ansprache an die Zuschauerinnen und Zuschauer irritiert, aber dran blieben lohnt sich! Was als Mediensatire beginnt, entwickelt sich rasch zum tiefgründigen Gesellschaftsdrama.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/125066-001-A/the-hack-1-7/">https://www.arte.tv/de/videos/125066-001-A/the-hack-1-7/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Das Marshmallow – Experiment von Walter Mischel hat es längst in die Alltagskultur geschafft: Ob Kinder gleich zugreifen oder es schaffen, abzuwarten und sich so eine größere Belohnung zu verdienen wird als Indiz für ihr späteres Glück im Leben gedeutet. Wenn man länger darüber nachdenkt, kommen Fragen auf: Was ist mit solchen Kindern, die gelernt haben, Erwachsenen zu misstrauen? Die verhalten sich clever, wenn sie den Marshmallow aufessen. In diesem Artikel im Atlantic – der für mein Empfinden den New Yorker als das wichtigste amerikanische Magazin abgelöst hat – kommt noch mal, neben einer Darlegung neuerer Erkenntnisse zum Thema, ein anderer, sehr sympathischer Aspekt hinzu: Ein Loblied auf Wesen, Gestalt und Existenz des Marshmallows! Der <a href="https://archive.ph/ezPVB">Text von Ian Bogost ist eine Ehrenrettung für den sofortigen und sorgenfreien Genuss</a>, auch gerade in Stresssituationen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Die Medienlandschaft sortiert sich neu, viele spannende Sachen passieren. Ich bin ja hier bei Steady mit gleich zwei Projekten vertreten, diesem sonntäglichen Newsletter und unserem Geschichtspodcast<a href="https://www.wasbishergeschah.com/#live-termine"> Was bisher geschah!</a> Die Bereitschaft, für Inhalte zu zahlen und, ebenso wichtig , sie interessiert, sogar mit Begeisterung zur Kenntnis zu nehmen, ist weit und breit vorhanden. Etablierte Medienmarken hingegen schwanken stark in ihrer Form – mich nerven ja schon allein die Outbrain-Anzeigen für Hörgeräte, Sandalen und Anlagetipps. Nun sind die Freunde des Projekts <a href="https://www.riffreporter.de/de">Riffreporter </a>an einer Wegscheide und brauchen ein wenig mehr Geld, um sich weiter zu entwickeln. Man findet dort erstklassigen Journalismus zu den Themen Wissenschaft, Umwelt und Gesundheit, immer mit einem besonderen Zugang. Peter Spork macht dort mit, Christian Schwägerl und viele andere. Es ist eine gute Sache, d<a href="https://www.startnext.com/riffreporter">ie ich unterstütze</a> – und tun Sie es mir gerne gleich!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Bei diesem stressigen Wetter muss man sich gut ernähren. Ich wende mich da ganz vertrauensvoll an unseren Freund Nigel Slater (kostenlos nach Registrierung!)</p><a href="https://observer.co.uk/food/recipes/article/nigel-slaters-recipe-for-chicken-broad-beans-and-olives">https://observer.co.uk/food/recipes/article/nigel-slaters-recipe-for-chicken-broad-beans-and-olives</a><p>Und wie macht es unsere vegetarisch inspirierte Freundin von Fitgreenmind? Hängt im coolen Oslo ab.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=T2vpBr4hJ4o">https://www.youtube.com/watch?v=T2vpBr4hJ4o</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Über zehntausend Menschen erhalten heute diesen Newsletter. Möglich ist das durch die Mitgliedschaften, die mich finanziell bei dieser Arbeit unterstützen. Wenn Du das auch möchtest, hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 21 Jun 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Vereinigte Ratlosigkeit]]></title>
      <description><![CDATA[Frankreich in der Seelenkrise/Serie Happy Valley/Judith Hermann/Pizza zuhause In den vergangenen zwei Wochen ist Frankreich in eine tiefe Seelenkrise gerutscht. Auslöser…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Frankreich in der Seelenkrise/Serie Happy Valley/Judith Hermann/Pizza zuhause</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/053007f0-aa13-47d2-8a6b-9d688d7f7c10/uploads/images/hae7obzpns/IMG_0268.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>In den vergangenen zwei Wochen ist Frankreich in eine tiefe Seelenkrise gerutscht. Auslöser war der Mord an Lyhanna, einem elfjährigen Mädchen im beschaulichen Gers. Der mutmaßliche Täter hat nicht zum ersten Mal zugeschlagen, die Anzeigen und Berichte über ihn stapeln sich in den grauen Blechschränken der französischen Justizbehörden. Verstauben dort. Viel zu vielen Frauen und Mädchen wurde nicht geglaubt oder man wollte keine unnötigen Wellen machen oder zuwarten, bis jeder Fall wasserdicht und gerichtsfest war. Eigentlich weiß niemand so genau, warum der Mann nicht längst aus dem Verkehr gezogen wurde. Aber für Lyhanna war es zu spät.</p><p>Sexualierte Gewalt, genauer: Jahrelang verübte sexualisierte Gewalt, die längst bekannt, bezeugt und angezeigt ist, aber vollkommen folgenlos bleibt, prägt die französischen Nachrichten seit langer Zeit. Der Fall Pélicot ist noch in bedrückender Erinnerung, aber die Liste ist länger und viel zu lang.</p><p>Eine ferne Nebenwirkung des Falls im Gers ist das plötzlich konsequente Vorgehen gegen Patrick Bruel. Der Sänger und Schauspieler ist einer der berühmtesten Franzosen – ebenso bekannt ist sein Hang, Frauen in seiner Umgebung gegen deren Willen zu bedrängen, anzufassen oder zu vergewaltigen. Die ersten Berichte darüber sind uralt, aber kaum jemand hatte ein Interesse, die Cashcow der populären Unterhaltung zu verfolgen. Die Frauen hatten keine Zeugen und vor Gericht keine realistischen Chancen. Vermutlich wurde, wie im Fall des Noir- Désir-Frontmanns Bertrand Cantat, geschäftsschonend weggesehen. Cantat und Bruel galten als ausgesprochene Gutmänner, als engagierte, beliebte und aufgeklärte Künstler, die Gewalt gar nicht nötig haben und ihr Tun reflektieren. Die konsequent leugnen. Man wollte es eben nicht sehen. Wie im Fall Strauss-Kahn. Schon lange vor seiner Vergewaltigung einer Hotelangestellten in New York hatte ich in Paris schweigende und kopfschüttelnde politische Sympathisanten von ihm erlebt, die mir knapp erklärten, dass DSK nie und nimmer Präsident werden könne. Warum haben sie nicht gesagt. Als ich fragte, ob es wegen seiner Affären sei, verneinten sie. Viel schlimmer sei es. Auch ihn haben Frauen der Vergewaltigung beschuldigt.</p><p>Diese Zustände haben tiefreichende kulturgeschichtliche Wurzeln. Die anarchische, diabolische Kraft von Sexualität und Erotik ist in Frankreich ein hohes Gut, geschützt von einer nahezu pathologischen Diskretion. Bevor jemand gefragt wird, was er sich eigentlich so denkt bei seinem erotischen Tun und Treiben, muss schon die Welt vor dem Untergang stehen. Traditionellerweise organisierten Frauen ihre Gegenwehr selbst : Als eine Cousine in der Bibliothek angegrapscht wurde, reagierte sie mit einer doppelten Ohrfeige und das galt in der Familie als vorbildliche Reaktion. Einen Gang zur Polizei, daran dachte niemand. Sie wäre gnadenlos ausgelacht worden. Der Übergriff galt als schlechtes Benehmen, dabei durchaus als Ausweis gesunder Männlichkeit, die eben erzieherisch einzuhegen ist. Nicht als Straftat.</p><p>In der Zeit der Aufklärung und vor der Französischen Revolution etablierten sich Pornographie und Libertinage als Manifestationen der Freiheit, irdische Freuden gegen die klerikale und absolutistische Oppression. Seitdem gilt jede leise Kritik oder auch der Mangel Begeisterung unter Männern für Zoten, Nacktbilder und Ausschweifungen als Unterstützung der Reaktion. Es ist ein völlig falsches Verständnis dessen, was das gute Leben ausmacht, aber niemand möchte als Spielverderber gelten.</p><p>Die nun in Rede stehenden Verbrechen haben mit dieser Thematik, mit Liebe und Sex nichts zu tun, sondern sind das genaue Gegenteil davon, Manifestationen von Gewalt und Grausamkeit. Aber Tätern wird es durch dieses kulturelle Missverständnis und die Verkleidung von krimineller Energie in Lust oder Trieb leicht gemacht: Gnadenlose Gewalt von romantischem Gefühlsgewühle zu unterscheiden, das haben viele französische Polizisten und normale Zeugen nie gelernt. Täter nutzen das.</p><p>Dahinter verbirgt sich eine Frage der Macht. Hier ist Frankreich schlecht aufgestellt, denn eine Teilung der Macht zwischen Männern und Frauen gibt es nur auf dem Papier. Präsident, Premierminister, Innenminister, Justizminister und die gesamte Befehlskette hinunter bis zum Gendarmen, alles Männer. Und zwar schon immer, mehr oder weniger seit Julius Caesar. Ebenso die Parteichefs, die Fraktionsvorsitzenden, Unternehmer und nahezu alle Anwärter auf die Nachfolge Emmanuel Macrons. Marine Le Pen bezöge einen großen Vorteil aus ihrer Position als einziger Frau auf dem Wahlzettel, sollte die Justiz ihre Wählbarkeit in zweiter Instanz wieder herstellen. In Bezug auf dieses immense Problem haben sie und ihre Partei aber nichts anzubieten, denn die Täter sind keine Migranten und dann endet das Latein des Front National.</p><p>Das Problem und die Gefahren sind so gewaltig, dass die bewährte französische Lösungsmethode – alle feuern, alle Regeln außer Kraft setzen und ein neues System errichten, also Geschichte schreiben – hier nicht wirken wird. Que faire? Immerhin ist die Republik zum ersten Mal seit langem wieder geeint – in Ratlosigkeit.</p><p>In Deutschland liegen die Dinge noch mal anders und solche Fälle beherrschen zumindest nicht die politischen Nachrichten. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das Problem geringer ist und wenn man die Bücher von Christina Clemm liest, kann man da so seine Zweifel hegen.</p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://www.arte.tv/de/videos/126957-001-A/happy-valley-in-einer-kleinen-stadt-staffel-1-1-6/">https://www.arte.tv/de/videos/126957-001-A/happy-valley-in-einer-kleinen-stadt-staffel-1-1-6/</a><p>Diese grimmige Aktualität hat mich dann auch bewogen, die erste Staffel der Serie Happy Valley, die in Halifax spielt, bis zum Ende zu schauen. Ich habe mir zwar angewöhnt, immer aufzuhören, wenn Frauen in erschütternder Weise als Opfer, als Geisel oder Leiche inszeniert werden. Aber es gibt diese Fälle ja tatsächlich und so eine Serie kann eine aufklärende Wirkung entfalten.</p><p>Vorsicht ist geboten: Es geht hier um Gewalt und Grausamkeit in einem Ausmaß und einer Drastik, auf die man als Zuschauer nicht vorbereitet ist. Darin wirkt sie als Warnung, denn eine postmoderne Gesellschaft ist ja auch nicht vorbereitet auf entschlossene und konsequente Brutalität. Die hat in der Serie mittelbar auch mit dem internationalen Drogenhandel zu tun, der gerade die Märkte der Welt mit altbewährten Raubrittermethoden aufteilt. Man lernt also viel in dieser vorzüglich gemachten, vorzüglich gespielten Serie – auch wenn man sich das lieber erspart hätte.</p><p>Uff.</p><p>Vor dem Schlafengehen lieber nochmal in <a href="https://plus.rtl.de/rooster-p_70082/video/trailer-rooster-c_1719412">The Rooster </a>reinschauen.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/053007f0-aa13-47d2-8a6b-9d688d7f7c10/uploads/images/ieogna6xe2/IMG_0447.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es ist das erste Buch von Judith Hermann, dessen Titel mit Ich beginnt. Damit wird sein Thema gesetzt: Es geht um die Aneignung der Familiengeschichte nach Jahren des Beschweigens, um eine aktive Aufklärung der Rolle des Nazi-Großvaters in der Identität einer Familie und der Erzählerin.</p><p>Ihre Methode ist konsequent hermannesk: Reisen, lesen und genau beobachten. Sie macht alles anders als Menschen mit vergleichbaren Vorhaben. Keine Archivbesuche, keine Zeitzeugenbefragung, keine Zitate üblicher Historiker, sondern lange Winterwochen und Spaziergänge in der polnischen Stadt, in der der Opa gewirkt und gewütet hat. Ein Hallenbadbesuch und Versuche, mit Mutter und Schwester über das deutsche Erbe zu reden. Mehr oder weniger vergebliche Versuche. Die Reise geht von Polen bis Neapel und Pompei, die Anwesenheit der Toten ist dabei ein wichtiges Motiv. In der Fähigkeit des Erzählens liegt eine sensationelle Kraft, sie verscheucht die verdrucksten Nazi-Gespenster. Dazu muss man sie aber auch sagen können, die Sätze die mit ich beginnen. Ihr bestes Buch. So far.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Selbst mir ist nicht entgangen, dass die Fussball-WM begonnen hat. Neu war mir eine Statistik, die ich im Radio aufgeschnappt habe: dass nämlich in Frankreich während der Spiele zu 80% Pizza gegessen wird, meist bestellte. Zu meinem Bedauern hat meine einst große Leidenschaft für Pizza nachgelassen. Früher habe ich gerne welche gebacken, einmal zu einem Kindergeburtstag unserer Tochter. Doch die Teller kamen nahezu unangetastet zurück! Ich wollte natürlich die <em>heutige Jugend </em>dafür kritisieren, bemerkte dann aber, dass ich statt der passenden Gewürze zu Chili-Flocken gegriffen hatte.</p><p>Zu einem Fußball-Abend würde ich auf das Bestellen verzichten und - no risk no fun - selbst eine backen. Das geht durchaus auch mit einem E-Herd und man kann sich das Leben auch mit Poolish, also Vorteig erleichtern. Einfach alles so machen, wie Vincenzo das sagt.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=xUEYRiZlyUM">https://www.youtube.com/watch?v=xUEYRiZlyUM</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Der <em>siebte Tag</em> wird ohne Einsatz von KI geschrieben. Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 14 Jun 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der Irrweg]]></title>
      <description><![CDATA[Wozu die Brandmauer?/Stephan Anpalagan/Big Lebowski/ Rezept Es ist bedrückend zu verfolgen, mit welcher Hingabe an der Zerstörung der politischen Brandmauer zwischen der…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wozu die Brandmauer?/Stephan Anpalagan/Big Lebowski/ Rezept</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ce4c46b5-7959-450a-a759-22ab76b3cc33/uploads/images/57nypfdsyh/IMG_0198.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es ist bedrückend zu verfolgen, mit welcher Hingabe an der Zerstörung der politischen Brandmauer zwischen der extremen Rechten und dem Rest der politischen Parteien gearbeitet wird. Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem nicht irgendjemand suggeriert, eine Kooperation mit der Höcke-und-Weidel-Truppe sei halb so wild, vielleicht doch eine gute Idee beziehungsweise es gäbe auch gar keine Alternative mehr dazu. Gern vorgetragen in dem leicht gruselnd-drohenden Ton Eduard Zimmermanns seliger Erinnerung – eines behaupteten sozioökonomischen Realismus. In Deutschland gilt ein Rechtsdrall als vernünftig und erwachsen, linke Alternativen sind dagegen immer utopische Spinnereien. Wenn von harten Reformen die Rede ist, verbergen sich dahinter Kürzungen von Sozialleistungen, aber sicher nicht das von Thomas Piketty empfohlene Erbe für alle, das Ende des Dienstwagenprivilegs oder gar ein konsequenter Entzug aus unserer fossilen Abhängigkeit.</p><p>In zu vielen Kommentaren geht man den Selbstbehauptungen der AfD auf den Leim und hält diese Extremisten für die Stimme der schweigenden Mehrheit. Längst handelt es sich nicht mehr nur um Randfiguren des Diskurses – um die urigen Nachbarn von Juli Zeh in der Uckermark oder völkische Veteranen, die das Geschäft der Blauen betreiben –, sondern um einst angesehene Publizisten, Polit-Rentner und politisch heimatlose, aber wohl situierte Bildungsbürgerinnen und -bürger. Alle starren nun auf die AfD, die allen alles verspricht: Geld ohne Ende, ein sorgenfreies Leben und das Ende der Allergien. Ihre wahren Pläne sind bekanntlich andere. Es geht ihnen nicht um bessere Busverbindungen auf dem Land oder die Sicherheit von Frauen vor Gewalt. Meinungsfreiheit interessiert sie nur, solange sie in der Opposition sind – die Praxis in Russland und den USA zeigt, was Rechtsradikale wirklich von der Freiheit der Andersdenkenden halten. JD Vance, der in München die Europäer hierzu kritisierte, steht für eine Regierung, die rigoros gegen Andersdenkende vorgeht. Die Anführer der extremen Rechten denken stets und überall zuerst an sich. Ungarn ist ein armes Land geblieben, während die Familie Orbán Milliarden angehäuft hat. Im Zweifel lügen sie wie gedruckt.</p><p>Deutschland hat da wieder mal seine ganz eigene Zeitzone: In den USA und in Russland kann man live verfolgen, wie starke, rechtsradikale Männer ihre Länder regieren. Macht nicht gerade Lust auf mehr davon. Während zig Länder den Beitritt in die EU ersehnten, wenden sich die Partner der USA von Trump und seiner Truppe ab. Putin trifft sich schon wieder mit Gerhard Schröder – vielleicht sein letzter Freund auf Erden, also muss es ernst sein. Die Regierungen dort sind auf dem absteigenden Ast; warum sollten ihre deutschen Fans ausgerechnet hier vor der Machtübernahme stehen? Über 70 Prozent der Wahlberechtigten lehnen die AfD ab. Alle Parteien schließen die parlamentarische Zusammenarbeit aus. Eine Stimme für die AfD ist eine verlorene Stimme.</p><p>Die Verantwortung dafür obliegt zuletzt den Wählerinnen und Wählern – einzelnen Menschen. Ich halte nichts von einer vorauseilenden Entschuldigung für das Kreuz bei dieser Partei, schon gar nicht mit Verweis auf regionale Schwierigkeiten. Überall gibt es Probleme, im armen Saarland mehr als genug, dennoch hat die AfD dort keine Chance, die Regierung zu stellen.</p><p>In einer parlamentarischen Demokratie ist der Wahlakt eine vornehme Handlung, die deine Identität als Bürgerin oder Bürger definiert. Es ist ein mächtiges Recht, mit dem auch eine Verantwortung einhergeht. Wer sich in der Kabine dafür entscheidet, dem Hass, einem putinfreundlichen Kurs und europafeindlicher Politik Macht auf Zeit zu verleihen, sollte auch Kritik daran ertragen können. Man kann nicht per Stimmabgabe der gemeinsamen Wertegemeinschaft den Teppich unter den Füßen wegziehen und sich dann beschweren, wenn man dafür angefeindet wird.</p><p>Ich verstehe, dass manche mit ihrer Stimmabgabe auch mal einen veritablen Machtwechsel verursachen möchten und stattdessen immer nur große Koalitionen bekommen. Lagerwechsel in der Exekutive, etwa von Schwarz-Gelb zu Rot-Grün, sind historische Tage und selten. Die Demokraten müssen schon auch Alternativen anbieten – aber für ein Kreuz bei der AfD gibt es keinen guten Grund. Dort ist die Lüge zuhause, und mit ihr verrät man – schon Montaigne wusste es – die öffentliche Vernunft.</p><p>In Deutschland ist das Thema anders gelagert als in Frankreich, wo die rechten Bewegungen auch schon schlimm genug sind. Deutschland hat den radikalen Rechten schon einmal eine Chance gegeben – und versprach der Welt dann: Nie wieder. Wer das heute revidiert, indem er oder sie die AfD wählt, verrät das historische Versprechen von 1945. All das sehenden Auges, bei vollem Magen und angesichts historisch einmaliger Informationsangebote. Die AfD ist ein peinlicher Irrweg der deutschen Politik und bleibt es auch bei hohen Umfragewerten. Es gibt dafür keine Entschuldigung. Ohne Brandmauer steht bald das Land in Flammen.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ce4c46b5-7959-450a-a759-22ab76b3cc33/uploads/images/wfuhijgl5a/IMG_0402.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Aus guten Gründen ist die Gesellschaft der Bundesrepublik für alles Militärische schwer zu begeistern. In den Familienfotoalben finden sich noch die Aufnahmen junger Männer, die im Zweiten Weltkrieg den sogenannten Heldentod fanden. Derzeit versuchen die Nachgeborenen, noch mehr über die Taten ihrer Vorfahren herauszufinden – die Portale zur NSDAP-Parteimitgliedschaft werden stark genutzt.</p><p>Zugleich ist die Präsenz von Menschen in Uniform in der Öffentlichkeit viel alltäglicher geworden. Neulich belauschte ich drei Offiziersanwärterinnen im Zug, die sich ganz entspannt über ihre Familienplanung und Verhütungsmethoden unterhielten. Und während ich in meiner eigenen Jugend Gruppen von Soldaten in der Bahn mied, bin ich ihnen heute vor allem dankbar. Es tut sich also etwas in Bezug auf den Stellenwert der Armee in unserer Gesellschaft – Trump und Putin sorgen für einen verteidigungspolitischen Turbo. Nur der Diskurs darüber hängt hinterher.</p><p>Stephan Anpalagan nimmt sich des Themas nun auf einer persönlichen Ebene an: Einst hat er den Wehrdienst an der Waffe verweigert, heute würde er das nicht mehr tun. Seine Begründung und die Reflexion über die wichtigsten Wegmarken dieser Geschichte ergeben ein spannendes, gut lesbares Sachbuch. Dabei wird wieder klar, dass nur Bücher diese Form der materialreichen Erörterung bieten, das eigene Denken anregen und durchaus auch herausfordern können. Anpalagan kommt dabei ohne vorhersehbare Stellungnahmen aus – man bleibt bis zum Schluss überrascht und inspiriert</p><hr aria-hidden="true"/><p>Vor einigen Tagen war ich mit meinem Freund Tanjev Schultz essen, und wir gerieten über einen alten Film ins Schwärmen: „The Big Lebowski&quot; von den Coen-Brüdern. Tanjev ist unter anderem ein großer Kenner der USA und verfolgt als Professor für Journalismus die gesellschaftlichen Entwicklungen ganz genau. Er wies mich darauf hin, wie sehr „Lebowski&quot; – ein Film aus dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert – schon viele Entwicklungen unserer Gegenwart ankündigt: die Geburt der Maga-Bewegung aus dem Geist der Bowling-Center, die krummen Geschäfte der Superreichen und schließlich die Rückkehr des Nihilismus in Gestalt einer Peter-Thiel-Parodie <em>avant la lettre</em>. Sehr, sehr lustig ist der Film allerdings auch noch – hier gibt es ihn derzeit zu sehen:</p><a href="https://www.zdf.de/play/filme/the-big-lebowski-movie-100/page-video-artede-the-big-lebowski-100">https://www.zdf.de/play/filme/the-big-lebowski-movie-100/page-video-artede-the-big-lebowski-100</a><hr aria-hidden="true"/><p>Zum Grillen ist es zu nass, aber lange in der Küche stehen möchte man in dieser Jahreszeit auch nicht. Zugleich sind überall tolle Beeren und anderes Obst erhältlich – eine perfekte Konstellation für eine saarländische Innovation: den Beeren-Schmarrn.</p><p>Der besondere Charme des Trios von HaH ergibt sich für mich durch die Figur des Michel. Er macht seine Kommentare, war immer schon da und hält jede Szene zusammen, ohne bloßer Statist oder gar deren Protagonist zu sein. In der Sendung schneidet er Äpfel und macht Witze. Im Saarland gibt es eigentlich keine Feier, keine Besprechung, überhaupt keine soziale Zusammenkunft außerhalb der eigenen vier Wände ohne so jemanden – oft genug übrigens auch innerhalb: Solche regelmäßigen, ja ewigen Besucher, die in gutwilliger Zwecklosigkeit vorbei kamen und blieben,  bevölkerten das Wohnzimmer meiner Kindheit. Michel ist gar kein Koch, sondern heißt nur so: Michael Koch war in den siebziger Jahren Fußballspieler beim 1. FC Homburg. </p><p>So jemand täte auch den politischen Talksendungen gut: sitzt in der Runde, macht ab und zu einen Spruch und kühlt insgesamt die Gemüter durch nahezu asiatische Gelassenheit und alteuropäische Beständigkeit. Ohne Huddel, definitiv.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/beeren-schmarrn-mit-beschwipstem-apfelkompott/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzE0MjAyMw">https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/beeren-schmarrn-mit-beschwipstem-apfelkompott/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzE0MjAyMw</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 07 Jun 2026 06:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Villa Hildebrand]]></title>
      <description><![CDATA[Die Monacensia im Hildebrandhaus in München-Bogenhausen ist das literarische Archiv der Stadt München – also der inoffizielle posthume Wohnsitz der Familie Mann, die…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3ee74654-5268-4bdf-b3e7-dfeaad45a793/uploads/images/zdnz42me2n/IMG_0228.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Monacensia im Hildebrandhaus in München-Bogenhausen ist das literarische Archiv der Stadt München – also der inoffizielle posthume Wohnsitz der Familie Mann, die sich ja nach wie vor über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen kann. Manchmal kommt es mir vor, als gäbe es in der ganzen deutschen Geschichte nur diese eine Familie. Naja.</p><p>Nun ist aber noch jemand anderes dort eingezogen, nämlich Rachel Salamander. Die Buchhändlerin und engagierte jüdische Intellektuelle hat der Stadt ihr umfangreiches Archiv zur Verfügung gestellt, nun kann man dort eine feine Ausstellung besuchen. Sie wird von den oben abgebildeten Eulen bewacht, sehr zu empfehlen.</p><p>Ich traf Rachel Salamander für die Süddeutsche im Café des Jüdischen Museums München. Hinter uns saß ein Mann im Anzug, der auf alles aufpasste, natürlich nicht er allein. Das ganze Quartier benötigt und erhält aufmerksamen und intensiven Schutz. Die Türen des Museums sind schwer und aus massivem Metall, alles andere als Luxus. Dialektisch kann man den Zustand des wütenden und gewaltbereiten Antisemitismus daran erkennen.</p><p>Ich habe Rachel Salamander vor vielen Jahren durch Marcel Reich-Ranicki kennengelernt, der bei den Buchmesseempfängen der FAZ an ihrem Tisch saß. Heute ist sie eine der wenigen, die noch an MRR erinnern. In der Ausstellung und auch online kann man die Aufzeichnung eines Abends mit ihm anhören. Er stellt dort seine Autobiografie vor und enthüllt einem deutschen Publikum, das ihn als Kritiker und Fernsehstar kennt und liebt, die Wahrheit seiner Jugend mit den Nazis, dem Warschauer Ghetto und danach.</p><p>Rachel Salamander macht die Ausstellung wie so vieles zu einer Familien- und Freundschaftsangelegenheit. Sie nahm mich in ihrem Polo mit. Einige Tage vorher war sie damit von München nach Portofino und retour gefahren, um den Geburtstag eines Freundes zu feiern. Scheinbar mühelose Verbindungen sind ihr Markenzeichen. Das Hildebrandhaus ist beispielsweise – ich habe den Zusammenhang nicht ganz kapiert – mit der Familiengeschichte ihres Mannes Stephan Sattler verbunden.</p><p>Die vielen Fotos der Ausstellung muten an wie ein privates Fotoalbum und sie hat auch manche heikle Geschichte anzufügen. Etwa über einen heute verstorbenen, superberühmten Gast ihrer Lesungsreihe, der ihren persönlichen Rekord für Hotelrechnungen in puncto Bargetränke geknackt hat. Auf der langen Liste der Extras stand auch ein zweites Frühstück, verräterisch. Salamander: „Ich hab mir gleich die Dolmetscherin geschnappt. Wie können Sie mit so einem ins Bett gehen?“ Leugnen war natürlich zwecklos. Andere Zeiten.</p><p>In einer Vitrine liegt auch das Gutachten der Münchner Polizei, das bei der Eröffnung von Rachel Salamanders jüdisch fokussierter Literaturhandlung 1982 erstellt wurde. Viele Seiten, graues Umweltpapier voller Bedenken und Auflagen. „Wenn es nach denen gegangen wäre, hätte ich nie etwas eröffnet!“ Sie machte trotzdem weiter. Über <strong>1000</strong>Veranstaltungen, eine bundesweit berühmte Buchhandlung, Kolloquien und Symposien, schließlich die Restaurierung der Synagoge Reichenbachstraße – alles ohne Institution und ohne Behörde im Rücken, seule en scène.</p><p>Und ohne utopisches Versöhnungs- oder Bewältigungsversprechen. Am Ende ihrer viel beachteten Rede zur Annahme des Heine-Preises im August 2021 in Düsseldorf fragte sie sich und das Publikum nach kommenden, noch ungeahnten Katastrophen: „Heute sind wir Juden befangen. Wir sind in der Defensive. Nie hätte ich gedacht, dass mir solches passiert. Sozusagen viel belesen in der Geschichte der Zerstörung und Verfolgung bin ich offensichtlich zu gutgläubig gewesen – und zu lange geblieben.“ Sie endete mit einer beklemmenden Frage: „Was sehe ich nicht, was der klarsichtige Heine ahnte und was Spätere sehen werden?“</p><p>Heute wissen wir leider auch das: Damals arbeitete die Hamas längst an den Plänen für das Massaker, das sie am 7. Oktober 2023 begehen würde. Seitdem hat sich der Antisemitismus noch einmal in einer völlig neuen Dimension entwickelt. Nichts ist erledigt. Dennoch muss es weitergehen: „Reden, reden, reden“, sagt Rachel Salamander im Jüdischen Museum München. „Etwas anderes haben wir nicht.“</p><p>Wer es nicht nach München schafft, kann sich mit dem gut gemachten Taschenbuch zur Ausstellung, erschienen im Verbrecher Verlag, einen bleibenden Eindruck von der Arbeit Rachel Salamanders verschaffen.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3ee74654-5268-4bdf-b3e7-dfeaad45a793/uploads/images/h7yrkcrcn7/IMG_0354.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Online-Auftritt bietet ebenfalls sehr viel:</p><a href="https://www.monacensia-digital.de/archivsalamander/topic/titles/429479">https://www.monacensia-digital.de/archivsalamander/topic/titles/429479</a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3ee74654-5268-4bdf-b3e7-dfeaad45a793/uploads/images/mgmwnmonmj/IMG_9525.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Beginn des Jahres stand für mich ganz im Zeichen der ersten Tournee von Was bisher geschah. Die Auftritte mit unserem Programm waren ganz anders als die Lesungen und Podiumsdiskussionen, die ich vorher so kannte. Konzentration war nötig, Timing und dabei auch immer gute Laune. Wir hatten viel Stoff mitgebracht. Wenn ich zwischendrin einmal ins Tagträumen geriet, einige Sekunden lang, war Joachim schon zwei Revolutionen weiter. Ganz besonders waren die Begegnungen mit den Hörerinnen und Hörern hinterher. So viele gemeinsame Stunden des Redens und Nachdenkens über Geschichte, das stiftet Verbundenheit. „Was sind Ihre Top Drei der schlimmsten Hohenzollern?“, wollte ein freundlicher Besucher zu später Stunde noch wissen.</p><p>Wir signierten ein Smartphone, diverse T-Shirts und Pullis und natürlich unser Merch. Mittlerweile gibt es das auch über unseren Online-Shop. Weihnachten steht ja vor der Tür. Die Tour 2027 ist längst in Vorbereitung, aber auch in diesem Jahr treten wir noch einmal auf, nämlich in Freiburg und Düsseldorf. Zu den Tickets dafür geht es hier entlang:</p><a href="https://www.wasbishergeschah.com/#live-termine">https://www.wasbishergeschah.com/#live-termine</a><hr aria-hidden="true"/><p>Am Samstag waren in den Frühsendungen des französischen Rundfunks echte Schluchzer der Trauer zu hören. Edgar Morin ist verstorben und bei ihm sind selbst 104 Jahre noch zu jung. Das ist allerdings eine neue Entwicklung, die meiste Zeit seines Lebens galt er als Nervensäge. Er hat sich auch wirklich mit allen angelegt. Hier eine sehenswerte Dokumentation über Mann und Werk.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/098789-000-A/ein-philosoph-mit-einfluss-edgar-morin/">https://www.arte.tv/de/videos/098789-000-A/ein-philosoph-mit-einfluss-edgar-morin/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Monsieur Paul hat es immer noch in sich. Als der YouTuber Tom einmal Bocuses poulet à la crème nachkochen wollte, geriet es zum Flop. Nun wagt er daher einen zweiten Anlauf mit einem der gastronomischen Erben und Nachlassverwalter des großen Kochs.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=MkUHbV0rhxQ">https://www.youtube.com/watch?v=MkUHbV0rhxQ</a><p><br/><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 31 May 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Paradies mit Postleitzahl]]></title>
      <description><![CDATA[Deutsche Wirklichkeit/ Roman von Mishani/Serie Etty/ Lob der Faulheit/Zeit für Zitrone Vor einigen Jahren besuchte ich die Straße, in der ich als Kind gewohnt habe. In…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Deutsche Wirklichkeit/ Roman von Mishani/Serie Etty/ Lob der Faulheit/Zeit für Zitrone </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bfb9f1e9-5e0c-44fe-9e6a-654cd996994b/uploads/images/p4fteop3w2/IMG_0313.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Vor einigen Jahren besuchte ich die Straße, in der ich als Kind gewohnt habe. In meiner Erinnerung war es eine schöne, ruhige und kleinbürgerlich geprägte saarländische Wohnstrasse, in der bei Sonne die Wäsche im Garten trocknet und in der es mittags nach Essen duftet.</p><p>Es war tatsächlich halb zwölf, als ich da war. Das Wetter war warm und angenehm. Ich hörte Küchengeräusche. Das Gemurmel gebratener Zwiebeln, auch die Wäschespinnen waren in Betrieb. Kinder spielten zwischen Garagen und auf der Straße. Schon zu meiner Zeit endete die Grundschule oft am Vormittag. Die Häuser sahen bis auf wenige Ausnahmen so aus, wie ich sie in Erinnerung hatte, an den Klingelschildern standen noch die vertrauten Namen - heute vermutlich die Erben der einstigen Nachbarn. Ich bin unterdessen zigmal umgezogen, hab oft den Job gewechselt, eine Familie gegründet und die Weltgeschichte – Fall der Mauer/World Wide Web/Millennium Bug/ 11.September 2001/Agenda-Reformen/Irakkrieg/Börsencrash/Corona/Putins Angriff auf die Menschen in Syrien und die Ukraine/Trumps Verrat an Europa - ist mehrfach durchgedreht. Jedesmal hieß es, es sei vorbei mit der Welt, wie wir sie kennen.</p><p>Dudweiler/Saar flüstert: “<em>Mo langsam</em>!”</p><p>Wenn ich heute so eine Reise in die siebziger Jahre unternehmen möchte, spaziere ich zu einem kleinen Park in der Nähe. Dort ist nie viel los. Die Anlagen - unter anderem ein Kneipp-Becken und ein Springbrunnen aus Stahl - wirken wie neu und atmen doch den Geist der alten Bundesrepublik.</p><p>Dieser kleine Park wird es nie zu medialer Betrachtung schaffen. Dabei ist seine spektakuläre Friedfertigkeit durchaus bemerkenswert und das Ergebnis verborgener historischer und politischer Prozesse: Ein Park ohne Polizei. Keine arglistigen Drohnen am blauen Himmel. Kein Zaun, kein Gitter, kein Eintrittsgeld. Man denkt dann nicht an all das, was so ein banales Erlebnis ermöglicht: Den Sozialstaat. Den Rechtsstaat. Die aufmerksame Zivilgesellschaft. Den Frieden. </p><p>Jede Polizistin nimmt meine Anzeige entgegen und jede Klinik kümmert sich um mein Problem, ohne zuerst die Kreditkarte zu verlangen.</p><p>Das wahre Leben sieht hierzulande ziemlich nice aus. In Umfragen geben die meisten Menschen an, dass es ihnen privat gut geht. </p><p>Trotz konkreter Sorgen gibt es nicht den geringsten Anlass, eine Machtübernahme der Rechtsradikalen anzukündigen: Drei Viertel der Menschen sehen in ihnen eine Gefahr für die Demokratie. Weder Trump noch Putin hätten hierzulande in freien Wahlen je eine Mehrheit. Aber gute Nachrichten dringen nicht durch. So funktionieren Medien – allerdings waren ihre Reichweite, Sendedauer und Zielgruppen einst noch beschränkt. Heute wird immer gesendet und überall. Jedes Paket muss dem Empfänger fünf bis sechs SMS senden. Es gibt Tage und Nächte, an denen man merkt, dass es eigentlich nichts zu berichten gibt. Aber die universelle Medienmaschine muss dann trotzdem laufen. </p><p>Man kann natürlich nicht nur jubeln. Ich selbst habe an dieser und an anderen Stellen meinen Frust über Kanzler und Koalition aufgeschrieben. Die konfuse Kommunikation und die viel zu lahme Förderung des europäischen Zusammenwachsens kritisiert. Aber alles muss im Rahmen betrachtet werden: Die schwarz-roten Amtsträger sind nicht korrupt, sondern an der Wahrheit interessiert und stets fähig zur Korrektur. </p><p>Insofern hat es schon seine Bewandtnis mit der Sorge, die Medienrealität sei eine ganz andere als die Stimmung draußen im Land, als das wahre Leben. Nur wird das meistens in einem tendenziösen Sinn verwendet, als sei eine rechtsradikale Politik die einzige Lösung aus der unerträglichen Polykrise der liberalen Demokratie.</p><p>Als lebten <em>die Menschen</em> in einer deutschen Hölle, an der die Ausländer schuld sind, während <em>die da oben </em>in Berlin es für das Paradies halten. An Tagen wie heute, wenn aus Hinterhöfen übermütiges Gejohle zu hören ist und viel gegrillt wird, fühlt sich Deutschland anders an. Das beste Deutschland der Geschichte – trotz der antisemistischen und sonstigen wild gewordenen Minderheiten. Trotz der unvollkommenen Einkommessteuerreform. Nämlich wie ein Paradies mit Postleitzahl und eines der lebenswerten Länder dieser Welt. Und das gilt für viele Ecken Europas. Die Mehrheit wird sich in den Krisenszenarien und Untergangsängsten von Rechts nicht wiederfinden. </p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bfb9f1e9-5e0c-44fe-9e6a-654cd996994b/uploads/images/okjfa36ahn/IMG_0311.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich werde immer etwas nachdenklich, wenn die Herbstprogramme der Verlage eintrudeln. Jedes Haus möchte  Zehntausende von Druckseiten an die Frau und den Mann bringen, obwohl die menschliche Lesezeit knapp bemessen ist. Es entspringt einer guten Absicht, vielleicht aber auch einer Unfähigkeit, sich zu entscheiden. Man schießt mit Schrot in der Hoffnung, irgendeinen Treffer zu landen.</p><p>Da lobe ich mir die sparsame Prosa von Dror Mishani. (Ich neige ja nicht zur Eifersucht, wurde neulich aber widerspenstig, als meine Frau die <em>schier unglaubliche Produktivität </em>von Mishani lobte! Enfin. Ganz ehrlich: Dieser Newsletter hat bald so viele Zeichen wie der neue Roman und ich schreibe ja noch viele andere Sachen in der Woche!!! Aber gut gut, darum geht’s ja nicht…)</p><p>Er macht jedenfalls nicht viele Seiten und schafft dennoch oder gerade deswegen ein besonderes literarisches Erlebnis. In diesem neuen Buch gerät die Story zwischendrin so beklemmend, dass ich es kaum ausgehalten habe. Und dann kommt alles ganz anders. Starke Simenon-Anklänge, auch etwas von der israelischen Serie Hatufim - eine wirklich gelungene Mischung! Die bisweilen gruselige Stimmung passt gut zu einem schönen Sommertag –dialektisch eben!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Der israelische Autor und Produzent Hagai Levi wurde durch die von ihm konzipierte Serie Be Tipul bekannt, die in Frankreich als En Thérapie und in den USA als In treatment durch HBO adaptiert wurde. In Deutschland gibt es interessanterweise noch keine eigene Fassung - nötig wäre es allerdings.</p><p>Nun hat er sich der Tagebücher von Etty Hillesum vorgenommen, die sie im besetzten Amsterdam der vierziger Jahre schrieb. Hillesum starb 1943 in Auschwitz. Levi versetzt die Handlung in die Gegenwart: das Aufkommen des Rechtsradikalismus und der virulente Antsemitismus wirken leider ganz und gar nicht anachronistisch. Das Zusammenfallen eines welthistorischen Verbrechens mit einer Phase privaten Gefühlsgewühls macht die Texte von Etty besonders berührend. In den ersten Minuten war ich davon irritiert, dass die Hauptdarstellerin gefühlt 99% der Zeit im Bild ist, aber im Laufe der Erzählung bekommen auch andere Figuren ihren Raum.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/RC-027654/etty/">https://www.arte.tv/de/videos/RC-027654/etty/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Die Familie, die Arbeit, der Verkehr, die Steuer, die Ärzte und das Wetter - immer ist was. Dann noch Trump und der Wal! Derweil muss man sich das Gemecker des Bundeskanzlers anhören, alle seien zu faul.</p><p>Auf Insta steht dann noch, wie man spielend mit all dem jongliert, wenn man nur korrekt atmet und ein Glas Wasser am Morgen zu sich nimmt. Ha: In den Jahren, in denen noch echtes Wachstum erzeugt wurde, war man wesentlich fauler, hat das sogar noch frech gefeiert. Nirgends schöner als in dem legendären Spielfilm Alexandre le Bienheureux, den ich hier online und gratis aufgetrieben habe!</p><a href="https://www.tv5mondeplus.com/de/films/comedie/alexandre-le-bienheureux/play?subtitle=de">https://www.tv5mondeplus.com/de/films/comedie/alexandre-le-bienheureux/play?subtitle=de</a><hr aria-hidden="true"/><p>Korsika nimmt in der französischen Geschichte und Kultur einen ganz eigenen Stellenwert ein - in dem Klassiker “Asterix in Korsika” wird alles nötige dazu erklärt. Mein französischer Großvater war von den korsischen Indépendantistes so genervt, dass er die Insel am liebsten auf Ebay eingestellt hätte, wenn das schon erfunden gewesen wäre. Aber es bleibt ja noch die Küche….Kann man mal ausprobieren:</p><a href="https://youtu.be/6SFOu0Dd6CM">https://youtu.be/6SFOu0Dd6CM</a><p></p><p>In der dieswöchigen vegetarischen Variante wird auch Zitrone verwendet, nämlich bei Herrn Grün:</p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/risotto-mit-geschmortem-radicchio-karamellisierten-schwarzen-kalamata-oliven-und-zitronenabrieb/">https://www.herrgruenkocht.de/risotto-mit-geschmortem-radicchio-karamellisierten-schwarzen-kalamata-oliven-und-zitronenabrieb/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar </strong></p><p>PS: Dieser Newsletter ist völlig unabhängig, werbefrei und kostenlos lesbar. Das wird durch die finanzielle Unterstützung der Mitglieder ermöglicht. Danke. Wenn das für Sie auch in Frage kommt, bitte hier entlang: </p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 24 May 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Liberté Égalité Sécurité]]></title>
      <description><![CDATA[Cannes/Maylis de Kérangal/Doku Boney M/ Rezepte Das Filmfestival von Cannes ist einer der am besten bewachten Flecken der Erde und in diesem Jahr ist das noch einmal…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Cannes/Maylis de Kérangal/Doku Boney M/ Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/37b71930-6d9f-4499-810e-6ea6c9a015cc/uploads/images/ie2g75sjxr/IMG_0252.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Das Filmfestival von Cannes ist einer der am besten bewachten Flecken der Erde und in diesem Jahr ist das noch einmal stärker zu spüren. Polizeiaufmarsch im ganz großen Stil. </p><p> Frankreich hat nämlich mit einem kriminellen Wahnsinn zu kämpfen, der in der Bundesrepublik noch gar nicht in diesem Ausmaß angekommen ist, nämlich den mörderischen Aktionen rivalisierender Drogenkonzerne. In den vergangenen Tagen kamen in Nizza und in Nantes Menschen, darunter Jugendliche,  bei Schießereien ums Leben, die Killer kamen gemütlich  auf dem E-Scooter angesurrt.. Die blutigen Kämpfe um Verkaufsstellen und Lieferketten gehen von den großen Häfen aus, reichen tief ins Landesinnere, mittlerweile wird selbst in Provinzstädten oder sogar auf dem flachen Land scharf geschossen. Die Polizei tut was sie kann, die Politik findet markige Worte aber für viele arglose Bürgerinnen und Bürger der südfranzösischen Vorstädte und Dörfer ist der Kampf der Drogenkonzerne eine konkrete und alltägliche Bedrohung: Ihnen pfeifen beim Eis kaufen die Kugeln um die Ohren.</p><p>In den Benelux-Staaten hat die organisierte Kriminalität ebenfalls bedrohliche Ausmaße angenommen – je kleiner die Länder, je entlegener die Provinz, desto besser für le Narcotrafic. Eine europäische Strategie ist einzig erfolgversprechend: Lieferwege kontrollieren, die Banden entwaffnen, konsequente Gesetzgebung nach italienischem Anti-Mafia -Vorbild und eine regulierende, europaweit harmonisierte Drogenpolitik wären Antworten auf der Höhe des Problems.</p><p>Ansonsten wird die Zunahme unerträglicher Kriminalität weiter mit der Migrationsthematik verrührt und von rechts ausgeschlachtet – es handelt sich aber um verschiedene Probleme, auch wenn es Schnittmengen gibt. Da aber das Geld, das die Drogenkonzerne derart mächtig werden lässt, von europäischen Kundinnen und Kunden stammt, liegt auch hier der Schlüssel für die Lösung des Problems.</p><p>Es ist eine bewährte Regel: Große Probleme werden in Europa mit Europa gelöst. Als der Euro im Zuge der Bankenkrise schwächelte, war es Mario Draghis EZB, sein “<em>whatever it takes”</em>, die die Währung retten konnten. Im Kampf gegen Covid war es die gemeinsame Verschuldung, die den Weg aus der Krise ermöglicht hat. Sogar die wahnsinnigen Ambitionen des amerikanischen Präsidenten in Bezug auf Grönland wurden durch europäische Einigkeit beendet.</p><p>Leicht ist es allerdings nicht und ich bewundere all jene, die sich auf der europäischen Ebene abmühen, Geschichte zu schreiben – Buchstabe für Buchstabe. Dort werden jedenfalls die politischen Karrieren kommender Tage gemacht. Die Staatsfrauen und -männer, die die Nachrichten der dreissiger Jahre dominieren werden, gehen heute noch zur Schule und wir kennen sie nicht. Ihr Arbeitsplatz wird allerdings in Brüssel sein und manchmal in Straßburg.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Ich hatte vor einiger Zeit das Vergnügen, eine Lesung mit Maylis de Kerangal zu moderieren und war nachhaltig beeindruckt von ihrer Art, präzise, fast politjournalistisch zu recherchieren und dann eine literarische Form dafür zu finden. Ihr aktuelles, nun auf Deutsch erschienenes Buch “Brandung” folgt wieder diesem bewährten Muster. Es geht um die Tücken der persönlichen Erinnerung, um eine Spurensuche wie von Patrick Modiano, nur eben in Le Havre, ihrer Heimatstadt. Die Hafenstadt wird übrigens gerade wieder sehr aktuell, weil einer der aussichtsreichen Bewerber um die Macron-Nachfolge, der ehemalige Premierminister Édouard Philippe, dort Bürgermeister ist. Der Roman changiert zwischen Autobiografie, Kriminalroman und Reisebericht und ist für mich ihr bis dato bestes Buch.</p><a href="https://www.suhrkamp.de/buch/maylis-de-kerangal-brandung-maylis-de-kerangal-t-9783518432785">https://www.suhrkamp.de/buch/maylis-de-kerangal-brandung-maylis-de-kerangal-t-9783518432785</a><hr aria-hidden="true"/><p>Es ist durchaus erschreckend, an wieviele Songs man sich erinnert, die man passiv auswendig kann, obwohl man sie gar nicht besonders mag. So geht es mir immer, wenn irgendwo ein Titel von Boney M läuft. Ich kenne alle – da gab es in meiner saarländischen Jugend kein Entkommen – und verbinde mit dieser Musik ein Gefühl von Beklommenheit. Nichts war daran echt oder sinnvoll, auch wenn die Stücke selbst eingängig und nicht zu vergessen sind.</p><p>Mit der Schülerzeitungsredaktion haben wir mal die vier Mitglieder der Gruppe in der Saarlandhalle interviewt. Der Vater eines Freundes war dort Toningenieur und ließ uns einfach rein. Die vier Boney M. waren nice, wirkten allerdings während des langen saarländischen Nachmittags genau so ratlos wie wir. Nun beleuchtet eine sehenswerte, lange Dokumentation von oliver Schwehm die Geschichte von Boney M. und ihres Produzenten Frank Farian. Die immensen Erfolge und das beeindruckende Talent werden ausführlich gewürdigt, aber es geht auch um die traurigen und skandalösen Aspekte der Geschichte. Am meisten erfährt man über das Deutschland von damals.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/boney-m-disco-macht-legende/boney-m-disco-macht-legende/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM2MzI0Ml9nYW56ZVNlbmR1bmc">https://www.ardmediathek.de/video/boney-m-disco-macht-legende/boney-m-disco-macht-legende/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM2MzI0Ml9nYW56ZVNlbmR1bmc</a><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Vor zwei Wochen handelte ich mir durch meinen jugendlichen Leichtsinn und meine typische <em>désinvolture</em> einen bösen Leserbrief ein: Ich hatte die green sauce von Nigel Slater mit der hessischen, schon von Goethe gerühmten <em>grie’ soß</em> verglichen oder gar direkt verwechselt. Der freundliche Leser ermahnte mich zu größerer Sorgfalt und hat natürlich recht.</p><p>Heute mal was mit Jakobsmuscheln:</p><a href="https://observer.co.uk/food/recipes/article/nigel-slaters-kitchen-diary-grilled-scallops-coriander-and-lemon-sauce">https://observer.co.uk/food/recipes/article/nigel-slaters-kitchen-diary-grilled-scallops-coriander-and-lemon-sauce</a><p>Und eine vegetarische Variante aus Saarbrücken:</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/bunte-knoedel-mit-saarbruecker-pilzen/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzE0MTMxNg">https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/bunte-knoedel-mit-saarbruecker-pilzen/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzE0MTMxNg</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Dieser Newsletter ist völlig unabhängig, werbefrei und kostenlos lesbar. Das wird durch die finanzielle Unterstützung der Mitglieder ermöglicht. Danke. Wenn das für Sie auch in Frage kommt, bitte hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/37b71930-6d9f-4499-810e-6ea6c9a015cc/uploads/images/ie2g75sjxr/IMG_0252.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 17 May 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der Umzug]]></title>
      <description><![CDATA[Das kommende Europa/Nürnberg/Roman von Peter Schneider/Criminal Record S2/ Haeberlin und HerrGrün Am letzten Wochenende habe ich ja eine Pause eingelegt und war…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das kommende Europa/Nürnberg/Roman von Peter Schneider/Criminal Record S2/ Haeberlin und HerrGrün </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8900ef78-15a0-40b1-8904-36cafc86385c/uploads/images/ebirpftxqq/IMG_0137.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am letzten Wochenende habe ich ja eine Pause eingelegt und war stattdessen mit meiner Frau in den südlichen Vogesen unterwegs. Von dort sieht man über die Rheinebene und bis nach Baden-Württemberg. Die Schweiz ist nicht weit – es ist die seit dem Mittelalter aktive europäische Kernregion, die von Südengland über die Niederlande, NRW, Elsass und Burgund zu den oberitalienischen Regionen reicht und als “<em>blaue Banane”</em> bekannt ist.</p><p>Nationale Grenzen stören hier eher. Auf der Rückfahrt bildete sich der übliche Dobrindt-Stau, weil eine Handvoll Bundespolizisten wieder zwischen Elsass und Pfalz herumstanden. Ich hatte bei der Kontrolle Flashbacks zum Geschmack von Dolomiti-Eis, die Boney- M.- Hits meiner Kindheit im Ohr und erinnerte mich an das Gefühl, in kurzen Hosen auf dem Kunstleder von Autositzen festzukleben. Manchmal ist Politik eben Zeitreise, dazu angetan, die Wählerinnen und Wähler der Union in ein angeblich besseres früher zu versetzen.</p><p>Obwohl manche nationale Regierungen derzeit ein wenig schwächeln kann einen die politische Dynamik im geografischen Europa nur zuversichtlich stimmen. Finnland, Ungarn, Polen, die baltischen und skandinavischen Staaten sowie, jeweils auf eiegene art Italien und Spanien, entwickeln eine politische Dynamik und ein europäisches Selbstbewusstsein, das auch hier im Westen ansteckend wirken könnte. Selbst Ungarn steht nun nicht länger abseits. </p><p>Zehn Länder möchten der EU beitreten, die Regeln der Entscheidungsfindung sollen verbessert werden und politische Kräfte, die ein EU-Exit anbieten, haben nirgends mehr eine Chance. Nach Adenauer und de Gaulle, Jean Monnet und Robert Schumann, werden auch Trump und Putin als Geburtshelfer eines fantastisch geeinten, selbstbewussten politischen Europas in die Geschichte eingehen – völlig unfreiwillig!</p><p>Der einstige französische Finanzminister Bruno le Maire ist ein guter Politiker aber ein noch besserer Schriftsteller. In seinem neuen Buch “Le temps d’une décision” sucht er nach den Gründen für den Erfolg der extremen Parteien. Seine These: die Bürgerinnen und Bürger möchten politische Instutionen, die zu Entscheidungen fähig sind. Daher suchen sie nach einer starken Instituition, einem funktionierenden und mächtigen Staat, der ihre Interessen in einer zum Cagefight der Mächte verkommenen Welt vertritt. Statt einer Politik, die sich in Kommunikation erschöpft - bestenfalls. In Deutschland klappt ja derzeit nichtmal das. Die simplen und leeren Versprechen des Rassemblement National zielen darauf ab, bei uns verspricht es die AfD: eine Exekutive, die wirklich was entscheiden kann. Ist bloß ein Kaffeefahrt-Trick, die radikale Rechte hat noch nie und nirgends etwas zum Wohle der Menschen hinbekommen, sondern für Tränen, Trümmerhaufen und Leichenberge gesorgt und bis dahin lügen sie wie gedruckt.</p><p>Aber das Angebot der politischen Mitte muss sich auch verändern: der Staat muss umziehen. Nachsendeantrag, Strom und Wasser ummelden – dann raus aus den engen, nationalstaatlichen 3ZimmerWohnungen in die funkelnd neuen, luftigen Anlagen einer europäischen Föderation, den Vereinigten Staaten von Europa, nach denen die SPD schon in ihrem Heidelberger Programm 1925 verlangte. Legislative Gewalt für das Europäische Parlament, eine zweite Kammer dazu für die Nationalvertretungen, KanzlerIn mit Kabinett und schließlich noch ein repräsentatives Präsidentenamt. Der politische Block, der sich nun ergibt, hat wirklich etwas zu melden und die Parteien, die daran mitwirken, können das Leben ändern. Danach möchte niemand mehr zurück in die Zeit der 27 Hauptstädte, deren Regierungen ihre Leute mangels Masse, mangels Macht nur enttäuschen können. </p><p>Ich würde, Gruß an regierende Talkshowgäste, den kommenden Umzug übrigens immer zu Beginn einer politischen Erklärung der Lage stellen und nicht erst nach zig Spiegelstrichen zur Einkommenssteuernovelle und der Reform des Gesundheitswesens. </p><p>Immer erst das Wichtige: Alle Generationen mussten mit großen Veränderungen staatlicher Einheiten fertig werden und jetzt steht eben wieder ein Umzug an. Nationalstaaten werden zu Bundesländern Europas, denn in diesem Rahmen bekommt Politik endlich wieder die Möglichkeit, das Leben der Bürgerinnen und Bürger spürbar zu verbessern. Obwohl es, unter uns gesagt, rund um die blaue Banane schon ziemlich gut ist.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Es regnete in Strömen, ich hatte eigentlich keine Zeit und fürchtete, mich im Kino zu langweilen, aber schon bald war ich heilfroh, dass ich mir <em>Nürnberg</em> angesehen habe. Keiner der Obernazis ist so leicht zu karikieren wie Hermann Göring und die meisten Filme nutzen ihn, um etwas willkommene Komik in den harten Stoff zu schmuggeln.</p><p>Dieser Film geht einen völlig anderen Weg. Hermann Göring war durchgehend einer der beliebtesten Nazi-Politiker, sehr viele Deutsche empfanden Sympathien für den Weltkriegs-Veteranen, identifizierten sich mit seiner jovialen Art und bewunderten seine souveräne, machtbewusste Intelligenz. Wenn man etwas lernen möchte über die Anziehungskraft und Manipulationstechniken von Nazis, ist man beim Fall Göring an der richtigen Adresse.</p><p>Der Film lässt sein Publikum nicht in der behaglichen Gnade der späten Geburt ruhen. Der Brisanz seiner Thematik kann man sich nicht entziehen: Wenn man die offene Gesellschaft bewahren möchte vor Tätern wie Göring, muss man sich ranhalten, noch ausgefuchster sein und immer, immer mit dem Schlimmsten rechnen. Man hat nicht schon gewonnen, weil man das Gute will.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=-HKBAP6H6VQ">https://www.youtube.com/watch?v=-HKBAP6H6VQ</a><hr aria-hidden="true"/><p>Der französische Journalist Jean-Pierre Elkabbach führte eine fantastische Ehe mit der Schriftstellerin Nicole Avril. Kennengelernt hat er sie allerdings auf eine abenteuerliche Weise. Er kam, am 6. Oktober 1972 war es, einigermaßen genervt aus der Pressekonferenz nach einer Kabinettssitzung und rauchte vor dem Élysée eine Zigarette. Er war damals als Fernsehjournalist schon recht bekannt, aber noch kein Promi nach heutigen Maßstäben. Jedenfalls sah er in einem vorbeifahrenden Bus eine Frau, von der er augenblicklich wusste, dass es die seines Lebens ist. Er traute sich, ging auf den Bus zu, der zum Glück im Stau stand, und lud die ihm völlig fremde Passagierin per Handzeichen ein, auszusteigen. Der Busfahrer und die anderen Fahrgäste nahmen Anteil, ermutigten sie herzlich und schließlich stieg Nicole Avril tatsächlich aus. Einige Monate danach heirateten sie. Später fiel Elkabbach wieder ein, dass er das Gesicht von Nicole schon mal gesehen hatte: Ihr Buch lag in der Buchhandlung seines Vertrauens aus und er hatte es in der Hand gehabt, wenige Tage vor der Begegnung im Bus. Bücher waren ihm zeitlebens sehr wichtig.  Bis zu seinem Tod 2023 blieben sie glücklich verheiratet. “Ich glaube nun mal an panache” kommentierte er seine Aktion später – Panache ist der Federschmuck am Helm edler Ritter und meint eleganten Wagemut oder romantisches Risiko.</p><p>Eine ganz ähnliche Geschichte erzählt Peter Schneider in seinem neuen Roman. Die Wege und Wunder der Liebe vor dem Internet - so könnte man das Thema beschreiben. Wie immer bei Schneider mit vielen klugen Gedanken zum Gewühle der Gefühle und von keiner übertriebenen Korrektheit angekränkelt. Ein leichter und beflügelnder Roman des im März verstorbenen großen deutschen Intellektuellen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8900ef78-15a0-40b1-8904-36cafc86385c/uploads/images/fjlrtbuv3e/IMG_0186.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Als unerschütterlicher Fan von Peter Capaldi und Cush Jumbo habe ich natürlich auch in die zweite Staffel von Criminal Record rein geschaut. Die erste Staffel hatte ich eher zufällig entdeckt und war direkt begeistert: hochkomplexe Schonungslosigkeit, wie man es von realstischem britischem Crime gewohnt ist. Nun aber scheinen die guten Absichten und eine Überdosis an Ambition die Sache verhuddelt zu haben. Vielleicht war ich aber auch einfach zu müde, so ein Teenager, der zu seiner Ausbildung um 6 raus muss ändert eben den Tagesrhythmus. (A propos Mangel an Azubis: Ich hätte da einen heißen Tipp für suchende Meister – fangt um 9.30 an. Times have changed, change your time) Jedenfalls gibt es genügend tolle Szenen, die einen zweite Chance für die zweite Staffel rechtfertigen:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=buvyfKvVWbM">https://www.youtube.com/watch?v=buvyfKvVWbM</a><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Im Elsass ist eine Menge möglich, eines ist allerdings ausgeschlossen: Man kann nirgends schlecht essen. Auch das Einkaufen ist die pure Wonne, nach so einer Reise ist ein Besuch in meinem Nachbarschafts-Rewe aka le rêve immer ein echter downer. Oh well.</p><p>Die guten Geister der elsässischen Küche kommen aus der Familie Haeberlin, hier ein Rezept für einen Frühlingseintopf…</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=siwCU4BU3zk">https://www.youtube.com/watch?v=siwCU4BU3zk</a><p>Und eine vegetarische Variante von Monsieur Vert aka Herr Grün, zwar nicht aus dem Elsass, aber auch sehr interessant: </p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/lumaconi-mit-gruenem-spargel-geroesteten-getrockneten-tomaten-pilzen-und-selbstgemachtem-basilikumoel/">https://www.herrgruenkocht.de/lumaconi-mit-gruenem-spargel-geroesteten-getrockneten-tomaten-pilzen-und-selbstgemachtem-basilikumoel/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Dieser Newsletter ist völlig unabhängig, werbefrei und kostenlos lesbar. Das wird durch die finanzielle Unterstützung der Mitglieder ermöglicht. Danke. Wenn das für Sie auch in Frage kommt, bitte hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 10 May 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Trau, schau wem]]></title>
      <description><![CDATA[Auf Tour/Meister Timmy/Schümer Hörbuch/Macron und Merz Doku/ Rezepte Am Morgen nach dem vorletzten Auftritt unserer „Was bisher geschah“-Tour ist die Rezeption des…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Auf Tour/Meister Timmy/Schümer Hörbuch/Macron und Merz Doku/ Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5669e7dd-7140-469e-ab62-6351d42c72be/uploads/images/jzb7uyfo6z/IMG_0041.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am Morgen nach dem vorletzten Auftritt unserer „Was bisher geschah“-Tour ist die Rezeption des seltsamen, familiengeführten Hotels mit einer älteren Servicekraft besetzt, die, wie sie sagt, schnell für den Chef einspringt. Alles sei vorbereitet, wiederholt sie, dabei macht sie ein gutes Tempo: Sie legt das Kartenlesegerät hin, ruft die Summe auf und wünscht uns beinahe schon eine gute Heimreise. Simone, unserer Producerin, kommt der Betrag ungewöhnlich hoch vor. Sie lässt sich einen Ausdruck der Rechnung geben, und die geht nicht auf: Vier Reservierungen haben wir vorgenommen, vier Übernachtungen absolviert und zu viert gefrühstückt. Aber auf der Rechnung steht das alles für fünf Personen. Der Chef wird angerufen, die Rechnung blitzschnell korrigiert. Der Wirt erscheint mir wie einer, der penibel um jeden Euro streiten würde, wenn er sich im Recht wähnt. Nun löscht er ohne jede Debatte etwas über hundert Euro von unserer Rechnung. Eine gute Erklärung gibt es nicht, daher bleibt ein ungutes Gefühl: Da will man schon einem unabhängigen Hotel helfen, bucht nicht bei einer Kette, und nun das.</p><p>So ging es mir vor Jahren mit einem kleinen, netten Uhrmacher in der Nachbarschaft. Der Mann rief immer neue, irgendwie recht hohe Summen auf, aber die Uhr lief nicht. Sein Kollege in einem anderen Laden richtete es dann für einen Bruchteil des Geldes.</p><p>Als Kunde gibt man sich der Illusion hin, nur die digitale Welt sei gefährlich. Analoge Anbieter wüssten hingegen zu schätzen, dass man unabhängigen Unternehmern eine Chance gibt.</p><p>Im Netz sichere ich mich selbstverständlich ab. Ich bin nicht sooo leicht zu täuschen, aber doch einmal beim Füllerkauf auf chinesische Gauner hereingefallen, die sich als schwäbische Papeterie mit Rabatt wegen Umbaus ausgaben. Das war gut gemacht, aber PayPal hat mir den Betrag umstandslos zurückerstattet. Aber Auge in Auge mogeln? Unlängst ging es meiner Frau so, in einem französischen Gemüseladen, in dem wir seit Jahrzehnten einkaufen. Plötzlich standen zwei Kilo Spargel auf ihrer Rechnung, die sie gar nicht gekauft hatte. Einspruch, komische Storys zur Entlastung, schließlich der Schwur auf das Leben meiner Söhne! Na ja.</p><p>Umgekehrt klagen viele Einzelhändler über die geradezu leistungssportlich betriebene Klaupraxis in ihren Läden. Eine Dame aus einem Klamottenladen in unserer Straße berichtete fassungslos, wie einmal ein älterer, korrekt wirkender Mann zahlreiche Sonnenbrillen anprobierte, bevor er sich mit einer davon aus dem Staub machte. Und im Rewe meines Vertrauens, aka le rêve, müssen zeitweise die Rindersteaks besonders gesichert werden, weil Gauner mit Sporttaschen größere Mengen davon mitgehen lassen. Mit blanker Not lassen sich solche Stunts nicht erklären. Vielleicht aus Langeweile?</p><p>Eigenartigerweise hat mich die Erfahrung in dem kleinen Hotel auch versöhnt, nämlich mit meinem Instinkt, modern gesagt: Bauchgefühl. Es gibt beklemmende Orte und schief lächelnde Typen, denen ich von klein auf misstraue. In besagtem Hotel beschlich mich dieses Gefühl schon beim Einchecken: Die vielen Hinweisschilder und Ermahnungen, die Einrichtung, alles war wie aus der engen, alten Bundesrepublik meiner Kindheit. Damals waren wir viele Kinder, und in vielen Kiosken und Läden wurde beim Wechselgeld gemogelt. Es war immer noch wie bei Erich Kästners „Emil und die Detektive“: Kinder und ihr Geld waren leichte Beute. Meine Vernunft legte aber sogleich Einspruch ein: Die Zeiten haben sich doch geändert. Welcher Wirt sollte betrügen, wenn jeder ihn im Netz bewerten kann?</p><p>Aber manche Leute denken eben nicht über ihren nächsten Spielzug hinaus. Der amerikanische Präsident nicht und dieser Wirt eben auch nicht.</p><p>Roger Willemsen hätte sich gefreut: Ist es nicht toll, dass es sie noch gibt – verschlagene, böse Männer aus der deutschen Provinz im Trainingsanzug und in Adiletten mit Socken? Wahre Gemeinheit ist doch selten geworden.</p><p>Mein Kindheits-Ich hatte jedenfalls wieder Oberwasser: Ha! beziehungsweise: Siehste!</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5669e7dd-7140-469e-ab62-6351d42c72be/uploads/images/nijktrco6a/IMG_0051.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Auch in dieser Woche ist uns der erschöpfte Meeressäuger Timmy ein weiser Lehrmeister und Symbol des ganzen Landes. Ratloser als Schwarz-Rot in Zeiten von Trumps Iran-Krieg habe ich selten eine Bundesregierung erlebt.</p><p>Große Krisen verlangen nach großen politischen Konzepten, und in unserem Fall heißt die Lösung Europa. Stattdessen verliert sich Schwarz-Rot in Reformen des Steuerrechts und der Krankenkassen und erfindet den Tankrabatt.</p><p>Jeden Morgen kurz vor acht stauen sich in der Straße vor unserem Haus die dunkellackierten, neuwertigen Porsche Cayennes sowie andere dicke Verbrenner von BMW, Mercedes und Audi – ich schätze mal: im Gesamtwert des saarländischen Landeshaushalts. Am Steuer: viele Dienstwagenfahrer, Bankster auf dem Weg nach Frankfurt und rüstige Sportfreunde auf dem Weg zum Golfplatz. Ihnen greift die Gemeinschaft der deutschen Steuerzahler nun zwei Monate lang mit einer Blitzhilfe unter die Arme. In Frankreich gibt es auch Hilfen für bedürftige Vielfahrer, aber die sind an Einkommens- und Tätigkeitsnachweise geknüpft. Hier genießen auch jene verbilligten Sprit, die zu Hause einen Geldspeicher haben und so kleine Summen auf ihren Kontoauszügen gar nicht entdecken.</p><p>Immer noch keine Aussage des Kanzlers darüber, was die Krise bedeutet, was wir aus ihr lernen können. Emmanuel Macron bringt es auf den Punkt: Gegenwärtig stehen der amerikanische, der russische und der chinesische Präsident gleichzeitig gegen europäische Interessen. Welche Folgen zieht die europäische Politik daraus? Eurobonds? Ein intensiviertes Kerneuropa?</p><p>Die Antwort der Bundesregierung ist derzeit ein nach Maßgabe der Boulevardzeitung inszenierter Versuch, mit Schulden und Steuern eine Rückkehr in die siebziger und achtziger Jahre zu bewerkstelligen. So wie der leidende Wal mit Seilen und Pontons zum Atlantik geschleppt werden soll, wo er dann, so der Wal-Wunderglaube, fit wie Flipper in die Kameras winkt, so wollen Teile der Union die ganze Republik zu irgendwelchen guten Zeiten zurückbugsieren, als Autos und Atomkraft die Zukunft waren. Nichts davon wird klappen.</p><p>In den Parteien der Koalition gibt es genügend Menschen, die es besser wissen, aber alle warten ab. Niemand wagt sich aus der Deckung. Also liegt die größte Volkswirtschaft Europas abwartend auf der Sandbank. Wir sind Timmy.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Ein völlig unerwartet erhellender Moment der Tournee-Reise war ein Besuch im Paderborner Dom. Er ist gut in Form, ansprechend renoviert und nach wie vor ein wirklich beeindruckendes Bauwerk, in dem man mühelos Stunden verbringen kann. Ich spazierte so vor mich hin und entdeckte in der Brigidenkapelle eine Installation mit Farbfotografien aus der alten Bundesrepublik. Ich näherte mich in der Erwartung, über seltsame Frisuren und bunte Nickipullover lächeln zu können. Aber es war etwas anderes: Zu den Fotos hatten Betroffene sexueller Gewalt und geistlichen Missbrauchs durch Kirchenmänner ihre Geschichten und Gedanken aufgeschrieben. Der Künstler Christoph Brech realisierte dazu den Gedenkort „memory – AUFDECKEN + ERINNERN“. Das Erzbistum Paderborn stellt sich einer immensen Schuld durch eine Installation mitten im Dom.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5669e7dd-7140-469e-ab62-6351d42c72be/uploads/images/o5cewbx7vs/IMG_0003.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Zu den ganz großen Vergnügen der letzten Jahre zählen für mich die historischen Romane von Dirk Schümer: „Die schwarze Rose“ und „Die schwarze Lilie“. Zeitmaschinen gibt es ja leider noch nicht, aber mit dieser Prosa rauscht man mitten hinein in ein turbulentes Mittelalter, in dem uns manches fremd, manches aber allzu vertraut vorkommt. Eine sehr gute Lehrstunde in mittelalterlicher Philosophie und Politik ist es übrigens auch noch – und sehr lustig.</p><p>Wer sich der Sache akustisch nähern möchte, kann jetzt auf die Hörbücher zurückgreifen, ganz einfach in ARD Sounds beziehungsweise in der ARD Audiothek.</p><a href="https://www.swr.de/kultur/literatur/dirk-schuemer-die-schwarze-lilie-104.html">https://www.swr.de/kultur/literatur/dirk-schuemer-die-schwarze-lilie-104.html</a><hr aria-hidden="true"/><p>In der Frage der deutsch-französischen Kooperation bin ich zugegebenermaßen und ganz entgegen meinem sonstigen Naturell ein Ultra, denn es ist mir nie genug. Ich verstehe beispielsweise nicht, warum es in den großen öffentlich-rechtlichen Sendern nicht einmal pro Monat eine gemeinsame politische Talkrunde gibt, in der bekannte Moderatorinnen und Moderatoren Menschen aus beiden Ländern befragen, abwechselnd und live aus Berlin und Paris. „Wetten, dass..?“ aus Mallorca ging doch auch, irgendwie.</p><p>Na ja. In der großen Politik bin ich ähnlich ungeduldig. Unseren Nachfahren werden beide Länder vorkommen wie uns heute Bayern und NRW – verschieden und doch verbunden. Der Nationalstaat hingegen, der niemanden mehr schützt, obwohl er es behauptet, wirkt heute schon wie politische Folklore.</p><p>Jedenfalls hat mich die zweiteilige Doku von Manuel Saint-Paul beruhigt: Es geht doch einiges voran zwischen Kanzler und Président. Ich habe mich auch gefreut, Heiko Maas in der Rolle des Kommentators zu sehen.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/131632-001-A/macron-merz-hinter-den-kulissen-der-macht-1-2/">https://www.arte.tv/de/videos/131632-001-A/macron-merz-hinter-den-kulissen-der-macht-1-2/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Unser Freund Nigel Slater hat eine besonders schöne Einkaufstour vollendet und entdeckt in dieser Woche die grüne Soße – Gruß aus Hessen: Grie Soß hätte Goethe gesagt.</p><a href="https://observer.co.uk/style/food/article/nigel-slaters-kitchen-diary-courgettes-pancetta-haricot-and-green-sauce">https://observer.co.uk/style/food/article/nigel-slaters-kitchen-diary-courgettes-pancetta-haricot-and-green-sauce</a><p>Alternativ ein Klassiker von Jean-François Piège:</p><a href="https://youtu.be/M3Q1yURiJ64?si=ZSvCQeoWY-ihmqNu">https://youtu.be/M3Q1yURiJ64?si=ZSvCQeoWY-ihmqNu</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: In der kommenden Woche mache ich eine Pause, die nächste Ausgabe des siebten Tags kommt am 9.Mai</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/5669e7dd-7140-469e-ab62-6351d42c72be/uploads/images/jzb7uyfo6z/IMG_0041.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 26 Apr 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Timmy Days]]></title>
      <description><![CDATA[Wal und Wandel/Kopetzky Harzreise/Perowanowitsch Cycling Cities/Paris Murder Mystery/Rezepte Der amerikanische Historiker Robert Darnton wurde mit seinem Buch Das große…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wal und Wandel/Kopetzky Harzreise/Perowanowitsch Cycling Cities/Paris Murder Mystery/Rezepte</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b75531ec-4db4-468a-9bb8-f413f15c34ef/uploads/images/hxkaq4ghsw/IMG_9950.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der amerikanische Historiker Robert Darnton wurde mit seinem Buch Das große Katzenmassakker  bekannt. Darin geht es um einen Fall von Tierquälerei im vorrevolutionären Paris und um die Funktion von Katzen als kulturellem Code. Menschen, schreibt Darnton dort,  würden nicht immer in Begriffen  denken, sondern ebenso in Bildern, Geschichten  und Symbolen, die auch Tiere sein können. Katzen als ein eigenes Medium, eine eigene Sprache: „Cats are good to think“ </p><p>Seit dem 3. März  denkt das ganze Land in Buckelwalen. Es ist kein neues Phänomen: Schon in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts waren gestrandete Wale beliebte Sehenswürdigkeiten, die ihren Zeitgenossen zugleich mit  letzten Fragen konfrontierten: Bringen die Tiere eine himmlische Botschaft? Und wenn ja, welche? Einstweilen wurde das Fleisch verzehrt, wurden Fett und Knochen verarbeitet, auch dabei kann man ja nachdenken und wäre doch schade drum.  Im Goldenen Zeitalter der Holländer wurden die Antworten im Bereich der Religion und der Lebensführung gesucht, heutzutage eher im Baumarkt: Planen, Pontons, Seile und Luftkissen sollen den Lauf der Natur korrigieren. Eine Tierärztin aus Hawaii wird eingeflogen, auch der Bundespräsident interessiert sich für den Walfall. Mit der Vernunft haben solche Ausdeutungsversuche von Naturphänomenen  kaum zu tun. Schätzungen zufolge sterben weltweit jedes Jahr mindestens 300.000 Wale, Delfine und Schweinswale als Beifang oder durch Verheddern in Fischereigerät. Das juckt keinen, außer die Vicher selbst, versteht sich. Es wäre sinnvoller, hieran etwas zu ändern, durch eine strengere Regulierung der Fischerei, als einem einzelnen Tier zu helfen. Aber so funktioniert das menschliche Gehirn nun mal nicht. Der Psychologe Daniel Kahneman hat in seinem Bestseller “Schnelles Denken, langsames Denken” beschrieben, wie wir routinemäßig und ohne es zu merken, schwere Fragen durch leichte ersetzen. Die Kosten und den Nutzen eines neuen Autos zu berechnen fällt schwer, also beantworten wir statt der Frage, ob es finanziell sinnvoll ist, lieber die jene, welcher Wagen uns am besten gefällt. Sagen lieber, welchen Politiker wir wie finden, statt zu überlegen, was jetzt nötig wäre. Drücken uns um die Beantwortung der Frage, wie wir von den Freuden des Mauerfalls zur heutigen politischen Gesamtgrütze kommen konnten und fragen uns lieber, was der Timmy grad so macht.</p><p>Ganz am Rande darf man vielleicht auch an die viel zu vielen Toten im Mittelmeer erinnern, zu deren Rettung sich kein Milliardär aufschwingt. Sie sind das Opfer einer verfehlten Politik in ihrer Heimat und einer unmenschlichen europäischen Migrationspolitik - beides schwere Themen, also lieber zurück zu Timmy.  Aber das eine sollte das andere gar nicht ausschließen, denn es ist nicht zu belächeln, sondern ein Ausweis von Mitgefühl und Herzensbildung, wenn man einem Wal nicht tatenlos beim Sterben zuschauen möchte. </p><p>Es lenkt auch ab. Wenn man viel im Land unterwegs ist, fällt man von bestreikten, verwaisten Nahverkehrshaltestellen in Bahnhöfe, die eigentlich Baustellen sind und überfüllt mit besorgten Menschen, die ratlos auf Anzeigetafeln blicken. Später, wenn auf der Schiene nichts mehr geht, kann man vom Uber-E-Auto aus die diversen Formen und Farben der Massenstaus bestaunen. Es ist nur folgerichtig, dass bald auch die Flugzeuge am Boden bleiben. </p><p>Die ganze Republik kann sich mit dem Schicksal des Buckelwals  identifizieren: In dem gestrandeten Tier muss man das ganze Land erkennen, das mit seiner mut-, ja reglosen Außenpolitik, seinem auf den Verbrenner ausgerichteten Wirtschaftsmodell und einer rundum zaudernden Politik gerade nicht den dynamischsten Eindruck macht und nicht dem beschwingten Bundesadler, sondern einem Buckelwal auf einer Sandbank in der Ostsee gleicht. Es geht nicht vor und nicht zurück, aber das Luftkissen lässt auf sich warten. </p><p>Das festzustellen ist aber auch schon der Beginn, es anders zu machen. Unabhängig davon, ob der Buckelwal bald wieder in den offenen Ozean abtaucht oder präpariert im Ozeaneum Stralsund hängt, wir erleben ein Frühjahr mit Anzeichen eines Wandels zum Positiven: In Ungarn ist die  Orbàn-Herrschaft tatsächlich zu Ende gegangen. Trump kann die Tage seiner Macht bis zu den Wahlen im November abzählen und der russische Präsident fürchtet mehr denn je einen Umsturz. </p><p>Ideen zur Europäisierung der europäischen Politik bei gleichzeitigem Ausstieg aus fossiler Energie klingen von Tag zu Tag plausibler. Wenn man einmal ins Nachdenken kommt – und warum nicht anhand der rührenden Bilder eines hilflosen Meeressäugers – passiert allerhand. Insofern hilft Timmy der Wal uns vielleicht gerade mehr als vice versa. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Vor zweihundert Jahren erschien Heinrich Heines Die Harzreise. Nun hat sich der Schriftsteller Steffen Kopetzky erneut auf den Weg gemacht. Ein berühmtes Zitat Heines steht dem Buch als Motto voran: “Das ist schön bei uns Deutschen; keiner ist so verückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.” (Dazu gibt es übrigens auch eine <a href="https://podcasts.apple.com/de/podcast/was-bisher-geschah-geschichtspodcast/id1733559978?i=1000740130081">Folge im “Was bisher geschah”- Adventskalender. </a>Und Heine spielt in unserem Tourprogramm eine wichtige Rolle. Heute Abend Bochum, morgen Paderborn!)</p><p>Kopetzky geht den Weg, den sich Heine damals vorgenommen hatte und findet ein eigentlich ganz glückliches und vor allem bildschönes Land. Stellenweise muss er anhalten, weil ihm manches Tal einfach überwältigend schön erscheint. Kopetzky beschreibt seine Reise mit viel Humor, Sinn für Details und spart auch die Politik nicht aus. Die meisten Menschen sind freundliche, sogar sympathische Zeitgenossen, aber einige rechtsradikale Dumpfbacken sind eben auch dabei. In Wernigerode trifft er einen AfD-Kandidaten, der gar nicht sagen kann, wogegen er eigentlich ist. “Ginge es um Protest gegen offenkundige Missstände, so dürfte es im wohlhabenden und florierenden Wernigerode keine AfD geben.”  Es kommen auch Fragen anderer Art auf: An vielen Stellen fallen Äpfel und anderes Obst ungeerntet zu Boden, während im Supermarkt die Preise steigen. Geht das nicht anders?</p><p>Ein perfektes Ferien- und Verschenkbuch, aber auch in Talkrunden oder bei ApoFiKa würde man Steffen Kopetzky gerne hören. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b75531ec-4db4-468a-9bb8-f413f15c34ef/uploads/images/27ujjebgav/IMG_9954.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Unsere Tournee führte auch nach Hamburg, ein toller Abend in der Markthalle. Ich hatte noch etwas Zeit, um durch die Stadt zu spazieren. Leider ist auch diese sehr schöne Stadt immer noch eine völlige Autostadt: Überall Staus, breite Straßen mitten durch Wohnviertel und vor jedem Bürgersteig eine Parkzone. Das ist keine hanseatische Besonderheit – eigentlich sind alle deutschen Städte noch rund um das Auto, um den täglichen  Massentransport   durch gering besetzte Individualverbrenner  gebaut. In einigen Jahren wird man mit dem Kopf schütteln, wie Mobilität noch 2026 realisiert wurde:  Man wird darauf zurückblicken, wie wir heute alte Farbfotos betrachten, auf denen Erwachsene Schnaps trinken, rauchen und dabei kleine Kinder auf dem Schoß schaukeln. Würden die deutschen Städte umgestaltet wie etwa Paris,mit Grünanlagen, Fußgängerzonen und einer Mobilität, die zugleich der Gesundheit förderlich ist,  möchte kein Mensch mehr zurück. </p><p>In einem frei verfügbaren Film zeigt der Journalist und Filmemacher Ingwar Perowanowitsch, wie es andere Städte bereits jetzt ganz anders machen. Nicht am anderen Ende der Welt, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bundesrepublik. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=R5jQc1jXLAU">https://www.youtube.com/watch?v=R5jQc1jXLAU</a><p><br/></p><hr aria-hidden="true"/><p>Jodie Foster als überforderte Psychoanalytikerin in Paris, das konnte ich mir nicht entgehen lassen und habe den Film schon in der französischen Fassung in Straßburg gesehen. Nun startet er also in Deutschland und auch das Publikum dieses Newsletters kann ihn sich ansehen. Ich habe mich sehr gut unterhalten - gerade, weil man nicht genau weiß, ob die Story so ganz ernst gemeint ist. Es ist einer der seltenen Filme mit ihr, in denen sie eine heterosexuelle Kussszene spielt und die von ihr gespielte Figur nicht völlig pleite ist. </p><p>Richtig fertig ist der Film allerdings nicht: Eher so, als ob jemand sehr viele Karteikarten beschrieben und dann nacheinander weg inszeniert hätte, ohne auf Logik und Erzählkunst zu achten.  Meiner Frau, die so etwas beruflich macht, fiel auf, dass ein kleines Kind einmal vorkommt und dann nie wieder. Außerdem wird der zentrale Traum und Trauma-Moment, eine heimsuchende Erinnerung aus dunkler Vergangenheit, nicht aufgelöst, sondern schlicht vergessen.Naja. Jodie-Fans wie ich schauen ihn sich eh an, die anderen dürften es nicht bereuen.  Ein Muss ist es allerdings auch nicht.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=pFye7m7MkC0">https://www.youtube.com/watch?v=pFye7m7MkC0</a><p>Wer sich ergänzend oder stattdessen ein wirkliches Jodie-Foster- Meisterwerk gönnen möchte, etwa  jene jungen Menschen, die damals noch nicht geboren waren, dem sei <em>Little Man Tate</em> empfohlen, ihr Regiedebüt. Sensationell!</p><a href="https://www.amazon.de/gp/video/detail/amzn1.dv.gti.c3017e95-03df-43e5-b1db-e7c381bf35d8?tag=wwwwerstreamt-21&amp;ascsubtag=Web">https://www.amazon.de/gp/video/detail/amzn1.dv.gti.c3017e95-03df-43e5-b1db-e7c381bf35d8?tag=wwwwerstreamt-21&amp;ascsubtag=Web</a><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Nigel Slater bewirtschaftet wieder seine Kolumne  im Observer und beginnt gleich mal mit Spargel, eine gute Unterstützung zum richtigen Zeitpunkt, denn das kann ja immer so und so ausgehen mit dem deutschen Lieblingsgemüse</p><a href="https://observer.co.uk/style/nigel-slater/article/nigel-slater-midweek-treat-pasta-asparagus-and-peas">https://observer.co.uk/style/nigel-slater/article/nigel-slater-midweek-treat-pasta-asparagus-and-peas</a><p>Bald startet die Grillsaison und weil ich schon viel zu lange nicht mehr im Saarland war – hier eine kleine Hommage an die schönen Abende auf saarländischen Terrassen und Gärten (aber nicht nur dort).</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/entrecote-vom-grill-mit-nudelsalat/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzEzOTgxMg">https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/entrecote-vom-grill-mit-nudelsalat/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzEzOTgxMg</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Ich arbeite freiberuflich. Um die Zeit für diesen Newsletter von anderen Aufträgen frei halten zu können, bin ich auf die Unterstützung durch Steady-Mitgliedschaften angewiesen. Derzeit bezahlen etwa 5% der Leserinnen und Leser. Falls das für Sie auch in Frage kommt, hier entlang:</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 19 Apr 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Freitag in Europa]]></title>
      <description><![CDATA[Lecornu handelt, Merz schweigt/Serie Privilèges/Film Silent Friend/Houellebecq 2026/Herzog kocht Am Freitagnachmittag trat ein wie immer Sempé-haft verhuschter…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Lecornu handelt, Merz schweigt/Serie Privilèges/Film Silent Friend/Houellebecq 2026/Herzog kocht</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b460d0a2-24af-4c64-a283-2e89fd6c39bf/uploads/images/5ibrdoduss/IMG_9844.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am Freitagnachmittag trat ein wie immer Sempé-haft verhuschter französischer Premierminister vor seinen Amtssitz, das Hôtel  de Matignon im 7. Arrondissement  und verkündete die Reaktion seiner Regierung auf die Energiekrise. Üblicherweise besteht so eine Regierungsreaktion in Frankreich aus einem schönen Blankoscheck an alle. Die genaue Ausgestaltung kann diverse Formen annehmen, aber das Prinzip bleibt gleich: Der Staat fängt die hohen Kosten auf. Manchmal ist das noch verbunden mit einer Einbestellung der Chefs entsprechender Branchen. Wenn Brot und Butter zu teuer werden, müssen die Bosse der Supermarktketten in den Élysée-Palast und bekommen geschimpft. Dann wird ein bisschen was billiger, es ist ein altbekanntes politisches Ritual.</p><p>Aber zurück zum Freitag. Sébastien Lecornu tat nichts von alledem, obwohl der politische Druck auf ihn sehr groß ist. Nicht nur von den extremen Parteien links und rechts. Man konnte schon vor Tagen verfolgen, wie der populäre und manchmal populistische Moderator Cyril Hanouna sich in seiner täglichen Talkshow <em>Tout beau tout n9uf</em> aka TBT9 über den Premierminister beschwerte. Der regiere am Volk vorbei, an der Tankstelle sei es immer noch viel zu teuer. Das ist für die Astrologen der französischen Politik insofern ganz interessant, als Hanouna privat in die Nähe der Macron-Familie gerückt ist. Er ist der Freund von Tiphaine Auzière, der Tochter Brigitte Macrons. Möglicher Hintergrund: Derzeit ist der Premierminister 10 Punkte beliebter als der Präsident - sowas kann Macron leicht mal nerven. Hat Hanouna vielleicht mal was aufgeschnappt, beim Sonntagsessen? Aber ich spekuliere. </p><p>Lecornu möchte die Krise für eine strategische Umstellung des französischen Energieverbrauchs nutzen. Einzelne Schritte verkündete er am Freitag: Gasheizungen werden in Neubauten verboten, Elektrifizierung und Wärmepumpen werden gefördert. E-Mobilität für bestimmte Branchen und soziale Gruppen wird mit einem günstigen, geförderten Leasingprogramm für E-Fahrzeuge unterstützt. Kurz: Es gab am Freitag keinen Scheck und vor allem kein weiter so. Denn neue geopolitische Konstellationen erfordern neue politische Ausrichtungen. Elementare politische Logik. Wir erleben, dass die Vereinigten Staaten von einem Mann regiert werden, der anderen Staaten  mit völliger Vernichtung ihrer Zivilisation droht. Da kann man nicht schweigen oder so tun, als sei nichts. Sondern schaut, möglichst rasch auf eigenen Beinen zu stehen. </p><p>Die Bundesregierung lebt in einer anderen, ihrer privaten Zeitzone. Die Union hat einige Mühen darauf verwendet, Gasheizungen in Neubauten wieder möglich zu machen. Die Wirtschaftsministerin hat ein Herz für fossile Energie und hört nicht, was die Stunde geschlagen hat. Man fragt sich, ob sie mal Zeitung liest und Nachrichten schaut.</p><p>Der Bundeskanzler war angetreten mit dem Versprechen einer besseren deutsch-französischen Kommunikation, aber der Freitag hat gezeigt, wie es da gerade steht. Wie glänzend wäre eine gemeinsamer Auftritt, eine gemeinsame  strategische Entscheidung gewesen!</p><p>Friedrich Merz hat überhaupt eine stringentere Kommunikation und Führung angekündigt, wollte sich darin von Scholz absetzen. Doch seine Koalition dreht sich im Kreis und während die Welt sich täglich verändert, schweigt der Kanzler.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In unserer Stadt ist es mit der Kinolandschaft kompliziert. Immerhin hat eines wieder aufgemacht nach langer Renovierung, das legendäre Caligari. Ich begann die neue Saison mit <em>Silent Friend</em>, einem langen wunderschönen Film rund um einen uralten  Gingko-Baum im Alten Botanischen Garten zu Marburg. Er spielt übrigens  sich selbst. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=DPmWEFPx5eU">https://www.youtube.com/watch?v=DPmWEFPx5eU</a><p>Dann gibt es drei Geschichten, die auch dort spielen und die diachron erzählt werden. Man kann die Handlung aber nicht wiedergeben, ohne in ungläubige, ja spöttische Gesichter zu blicken, aber das ist in Zeiten allseitiger Vorhersehbarkeit und künstlerischer Risikovermeidung eher ein Vorteil. Man beginnt, nachzudenken.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Paris wirbt gern mit seiner touristischen Benutzeroberfläche, vor allem mit den  Luxushotels der obersten Kategorie, den Palaces. Eine neue, schonungslose Serie, Privilèges, erzählt eine Geschichte in diesem Milieu: Eine junge Strafgegangene darf in solch einem Haus ein Praktikum als Freigängerin absolvieren. Drehort war das La Réserve, aber eigentlich ist in der Geschichte wohl das Ritz gemeint, denn es gibt eine Anspielung auf die Zeit der Besatzung durch die Nazis.</p><p>Doch schon bald zeigt sich, wo die wahren Kriminellen wohnen. Die Serie ist super besetzt und überrascht immer wieder. Kein Sozialkitsch nirgends, es geht überall rund. Eine dramatische Geschichte in der Manier der großen Romane des 19.Jahrhunderts, ein Theater der menschlichen Abgründe und Illusionen, großartig!</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ITtpzp_njNM">https://www.youtube.com/watch?v=ITtpzp_njNM</a><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>In diesem Frühjahr sind mal wieder Michel Houellebecq Festspiele. Er hat sich verändert. Er kommt auch nicht mit einem neuen Roman, sondern mit dem Gedichtband „Combat toujours perdant“ und dem Album „Souvenez-vous de l’homme“. Seine Rolle ist eine andere geworden. Womit soll man die Öffentlichkeit heute noch schocken, die Apokalypse kommt schon in den Abendnachrichten. Er redet lieber über Kultur und erinnert uns so daran, was die Beschäftigung mit den Werken der Kunst gerade in schwierigen Zeiten an Ressourcen freizusetzen vermag. Hier ein tolles Gespräch, KI Untertitel verfügbar.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=N-IoTuMJXhM">https://www.youtube.com/watch?v=N-IoTuMJXhM</a><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Selbstverständlich bin ich wie eigentlich die ganze Welt ein großer Werner-Herzog-Fan. Er ist der coolste lebende Deutsche. Obwohl ich seine Filme eigentlich so gut wie nie schaue. “Gehen im Eis” ist hingegen eines meiner  Lieblingsbücher. In der NYT war ein <a href="https://www.nytimes.com/2026/04/03/style/werner-herzog-workshop-filmmakers.html?searchResultPosition=1">Bericht über eines seiner Filmseminare</a> auf den Azoren. Die Teilnehmer sollten eine Kuh dazu bringen, eine Kirche zu betreten. Er ist längst sein eigenes Medium: Diese Kombi aus dem Herzog- Englisch, dem hochkomischen Ernst  und seiner trockenen, leicht irren Art ist  nicht zu toppen. Hier kocht er ein banales Gericht, aber bei ihm wird direkt ein Film draus.</p><a href="https://www.instagram.com/p/DWuAQj-jHHp/">https://www.instagram.com/p/DWuAQj-jHHp/</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir freinehmen, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich das nicht jede Woche machen. Derzeit leisten 5% der Abonnentinnen und Abonnenten einen Beitrag. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 12 Apr 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Restaurant am Ende der Welt]]></title>
      <description><![CDATA[Frankreich 2027/Hilary Mantel Brüder/ Serie Save Me/Osterküche Seit seiner Eröffnung 1968 ist das Kayoc in seiner Existenz bedroht. Es steht auf einer erodierenden…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Frankreich 2027/Hilary Mantel Brüder/ Serie Save Me/Osterküche</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b137dcbc-b354-4213-9611-2633f09430df/uploads/images/uzpxiwq7kh/IMG_9785.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Seit seiner Eröffnung 1968 ist das <em>Kayoc</em>  in seiner Existenz bedroht. Es steht auf einer erodierenden Düne, keine Versicherung der Welt macht da mit. Hinzu kommt eine weitere, schier unglaubliche Eigenschaft: der Laden schließt nie. Küche ist durchgehend, 365 Tage im Jahr  von 9 Uhr morgens bis spät in die Nacht. Es handelt sich wohlgemerkt nicht um gastronomische Ausnahmeleistungen, eher um solide Bistroküche für alle Geldbeutel.</p><p>Aber wenn man im ersten Stock sitzt und den Strand entlang bis fast nach Spanien zur einen, bis hoch in die Bretagne zur anderen Seite  betrachtet oder den Horizont des Atlantiks studiert, ist das Essen auch fast schon wieder egal. Hinzu kommt ein legendärer Ethos, nämlich auch hier mit den Füßen im Atlantik die gleiche Professionalität und désinvolture an den Tag zu legen  wie man sie in den Brasserien auf den Grands Boulevards in Paris erleben kann. Nichts Menschliches fremd. </p><p>Manchmal kommen Dutzende Biker in Lederkluft hereingewatschelt, dann wieder eine Busladung schwerkranker und mobilitätseingeschränkter Pilger auf dem Weg nach Lourdes, dann wird eben rasch Platz für 25 Rollis geschaffen. Keine Wimper zuckt. </p><p>Vor zwei Tagen habe ich dort etwas Seltsames beobachtet, eine Art Machtkampf zwischen Küche und Service. Unsere Vorspeise war aufgegessen, fertig zum Abräumen, aber niemand kam. Viel los war nicht. Nun  brachte eine junge Kollegin schon die Teller mit den Hauptspeisen und dem Salat. Die für uns zuständige, ältere Kellnerin erhob rasch, aber energisch Einspruch und alles ging retour in die Küche. Um dann, eine Viertelstunde später erneut serviert zu werden. </p><p>Eine Erklärung habe ich dafür nicht bekommen. Mir fiel aber auf, dass die Speisen generell sehr rasch ankamen, kaum dass bestellt worden war. Vielleicht handelte es sich um einen geheimen Wettbewerb zwischen Küche und Service, um ein Trolling aus der Küche – wie bei der Geschichte vom Hasen und dem Igel? </p><p>Wenn man branchenfremd ist, nur als Gast zuschaut, sieht man Pannen deutlicher und man erkennt Muster: Dinge auf, die auch in anderen Systemen schieflaufen. Hier war offenbar die Durchsetzung korrekter  interner Abläufe wichtiger als der real existierende Gast.  Rivalitäten  unterminieren das Ziel der Sache. In Redaktionen ist das nicht unbekannt. Chefs lassen Artikel nicht ins Blatt, weil ihnen die Autorin oder der Autor nicht passt – ganz egal, wie die Leserschaft dazu steht. Und in der Politik? </p><p>In der nächsten französischen Präsidentschaftswahl kann es im entscheidenden, zweiten Wahlgang nur einen Gegenkandidaten zu dem Menschen geben, den die starke extreme Rechte ins Rennen schickt. Das ist entweder Jordan Bardella oder Marine Le Pen. Die gemäßigte konservative Mitte wird den ehemaligen Premierminister Édouard Philippe aufstellen, das zeichnet sich ab. Und die andere politische Seite? Was macht die französische Linke?</p><p>Die Chefin der Grünen, Marine Tondelier, ist selbst Kandidatin und lässt sich keine Gelegenheit entgehen, in ihren nahezu  täglichen Interviews in die internen Streitigkeiten der Sozialisten einzumischen. Dieser alten Regierungspartei ist es irgendwie gelungen, gleich drei Flügel auszubilden – einer mehr als der durchschnittliche Erzengel. Mit je einem potenziellen Präsidentschaftsanwärter versteht sich.  Mit der Grünen sind es schon mal vier, außerdem die freien Sozialdemokraten von Rapha<code>ë</code>l Glucksmann. Die Kommunisten gibt es auch noch und natürlich die radikale Linke von Mélenchon. Und noch einige andere freie Radikale. Insgesamt laufen sich um die 25 Leutchen war, um im Mai 2027 in den Élyséepalast einzuziehen, reicht für eine Einzelgewerkschaft. </p><p>Sie bilden keine Banden, keine Teams, sondern machen den dummen Eindruck, am Streit untereinander mehr zu hängen als an der Zukunft Frankreichs und Europas. Noch ist Zeit: Ein Jahr vor der Wahl gab es die letzten Male ganz andere Stimmungsbilder als am Wahlabend: Strauss-Kahn lag vorn,  nicht Hollande. Fillon lag vorne, nicht Macron.  Und gerade verändert sich was im Land: Die Kassen sind so leer dass ein Tankrabatt oder sonstige Hilfen für Vielfahrer kaum zu finanzieren sind.  Der Frust über die hohen Benzinpreise macht das Thema erneuerbare Energien und Elektromobilität wieder interessant. Die fördert übrigens der derzeit geschickt und skandalfrei regierende Premierminister Sébastien Lecornu. Lecornu gibt nie Interviews, geht nie in Talkshows. 2027 hat er auch noch nichts vor. Er ist Koch und Kellner in Personalunion und könnte im Mai 2o27 der lachende 28. sein.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b137dcbc-b354-4213-9611-2633f09430df/uploads/images/nqze7b6kbc/IMG_9791.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Zuhause stapeln sich die Neuerscheinungen, hier in Frankreich greife ich gern zu älteren Titeln. Vor der Trilogie über Thomas Cromwell widmete sich die große Hilary Mantel der französischen Revolution. Sie schrieb lange daran, aber ein großer Erfolg wurde es nicht. Dabei sind hier schon alle Elemente vereinigt, die später ihren Weltruhm begründen sollten. Wir folgen Camille Desmouslins, Georges Danton und Robespierre von Anbeginn an, seit ihrer Kindheit als Halbwaisen in bedrückenden Zeiten und geplagten, dysfunktionalen Provinzfamilien. Dann gibt es urplötzlich die Ahnung eines kommenden Wandels und aus den drei versehrten Gestalten werden Namen der Geschichte. Man kann nicht umhin, Parallelen – Medienrevolution in einer nervösen Öffentlichkeit, größenwahnsinnige Tyrannen, Ungleichheit in der Reichtumsverteilung, plötzliche Knappheit wichtiger Ressourcen und eine Krise der Ideologien –  zu unserer Gegenwart zu erkennen. </p><p>Heute erst sind die <em>Brüder</em> in ihrer perfekten Lesezeit angekommen. </p><hr aria-hidden="true"/><p>In den besten Serien geht es um Ambivalenz: Ist dieser nette Mann vielleicht ein Täter oder geht die Fantasie der Zuschauerinnen und Zuschauer mit ihnen durch? Das hat ein fernes Echo in aktuellen Kriminalfällen, in denen ganz normale Männer ein finsteres Doppelleben führen. Und es wurzelt in der Tradition des englischen Kriminal- und Schauerromans seit Jekyll und Hyde und den Fällen von Jack the Ripper. Ein Gentleman kann bestialische Taten vollbringen – aber so ein grundsympathischer Tagedieb? </p><p>In dieser spannenden und sozialkritischen britischen Serie geht es um einen sympathischen, aber auch undurchsichtigen und manipulativen Vater, der der Kindesentführung verdächtig ist. Seine Tochter, ein dreizehnjähriges Mädchen, zu dem er seit zehn Jahren keinen Kontakt hat, ist von zuhause ausgerissen, aber nirgends angekommen. Die großartige Suranne Jones in der Rolle der Mutter - eine atemberaubende, gut gemachte Sache, die geschickt mit den Erwartungen eines serienaffinen Publikums spielt. </p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/125634-002-A/save-me-staffel-1-2-6/">https://www.arte.tv/de/videos/125634-002-A/save-me-staffel-1-2-6/</a><hr aria-hidden="true"/><p>An Ostern gibt es traditionell Lamm, hier beispielsweise ein neues Rezept von Yotam Ottolenghi</p><a href="https://ottolenghi.co.uk/pages/recipes/roasted-lamb-tamarind-coriander-radish-salsa">https://ottolenghi.co.uk/pages/recipes/roasted-lamb-tamarind-coriander-radish-salsa</a><p>In diesem Jahr gibt es leider kein vegetarisches Ostermenü vom Herrn Grün, aber man kann ja einen Vorschlag aus dem Archiv  realisieren, da kommt nicht die Küchenpolizei: </p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/das-herr-gruen-ostermenue-2024/">https://www.herrgruenkocht.de/das-herr-gruen-ostermenue-2024/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Diesen Newsletter gibt es nur dank der Mitgliedschaften und der damit verbundenen finanziellen Unterstützung. Derzeit bezahlen etwa 5% der AbonnentInnen. Wenn das für Sie auch in Frage kommt, hier entlang: </p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 05 Apr 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die richtige Reform]]></title>
      <description><![CDATA[No risk no fun/ Memoiren mal anders/100 Chansons/Die Diplomaten/ Rezepte Es geht nicht vor und nicht zurück. Menschen wünschen sich eine andere Politik, sogar ein…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>No risk no fun/ Memoiren mal anders/100 Chansons/Die Diplomaten/ Rezepte </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/085e2556-26db-4ad2-919c-0afe07247366/uploads/images/4pq2kxbmb4/IMG_9655.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es geht nicht vor und nicht zurück. Menschen wünschen sich eine andere Politik, sogar ein anderes Leben, aber die guten Parteien haben dazu nur wenig im Angebot. Immer, wenn der Begriff der Reform fällt, folgt ein komischer Vorschlag: kleinteilig, kompliziert und am Thema vorbei.</p><p>Der französische König Henri III., der letzte der Valois, wollte sein armes und von den Bürgerkriegen geplagtes Land auch reformieren. Er erließ eine damals revolutionäre Veränderung des königlichen Protokolls: Nun durften adlige Besucher nicht mehr auf der Lehne seines Sessels Platz nehmen, ihn auch nicht mehr während der Audienz anfassen. Alles sollte der Reihe nach vor sich gehen, Absperrungen waren zu beachten. Das war sinnvoll, aber die ersehnte und fällige große Reform war es nicht. Die kam einen König später mit dem Ende des Bürgerkriegs und dem Toleranzedikt von Nantes.</p><p>Große Reformen sollten groß sein. In unserem Fall heißt das Thema Europa: Die derzeitige Kleinstaaterei macht alles komplizierter und teurer. Wählerinnen und Wähler spüren, dass der Nationalstaat in den wichtigen Fragen nicht mehr viel vermag. Nationale Politikerinnen und Politiker werden darum schnell als Enttäuschung empfunden, als Leute, die viel versprechen und wenig liefern. Dabei agieren sie nur in der falschen machtpolitischen Dimension. In der jetzigen Lage möchten die Menschen in Europa eine veritable Macht, die ihre Interessen schützt und die Freiheit sichert – angeboten werden aber nur Sprüche, Posen und Simulationen mit arg begrenzter Reichweite, der Balztanz schrumpfender Parteien zur Bildung einer etwas größeren Koalition.</p><p>So bleibt der radikalen Rechten, die im Gegensatz zu ihren zaudernden, demokratischen Mitbewerbern längst international vernetzt auftritt, das Monopol auf dieses derzeit stark nachgefragte Produkt: Sie symbolisieren die pure Macht. Das ist bekanntlich nur ein Bluff, denn sie würden die Macht stets nur im Interesse der Oligarchen nutzen, aber alle anderen überlassen ihnen das Thema, statt Kräfte zu bündeln.</p><p>Nötig ist eine reduzierte und vertiefte europäische Gemeinschaft –eine Union der großen Sechs – eine Union aus Frankreich, Deutschland, Polen, den Benelux-Staaten und Italien – mit einer gemeinsamen Verfassung, Regierung und gemeinsamen Anleihen, Eurobonds 2.0. Dazu wird es ohnehin kommen und eher früher als später.</p><p>Warum schnappt sich kein Politmensch dieses Vorhaben? Warum diskutieren wir über Details einer nationalen Einkommenssteuerreform und tun so, als ginge es um alles?</p><p>Es gibt aber auch große deutsche Reformen, die man schon mal angehen könnte: Eine Abschaffung des §218, ein Tempolimit, das Ende des Dienstwagenprivilegs, eine verschärfte Politik für erneuerbare Energien, eine weitsichtige und attraktive Migrationspolitik, denn sonst kommt niemand mehr nach Deutschland und das wäre das Ende: eine Republik mit nur noch von einer Person bewohnten Einfamilienhäuser, in deren Garage ein seit Jahren ungenutzter, einst teurer Verbrenner schläft.</p><p>Es empfiehlt sich, penetrant auf eine Förderung von Innovationen, von Start-ups, der Kreativwirtschaft und der deutschen Hochschullandschaft ebenso zu setzen, wie auf die Förderung von Kunst und Kultur. Aber schon die personelle Besetzung der Ministerien, wie die Beispiele Rachida Dati und Wolfram Weimer zeigen, macht deutlich, dass diesem Thema in Europa nicht eben die größte Relevanz zugeschrieben wird – ein dramatischer Fehler!</p><p>Trump und Putin stecken in selbstgemachten Problemen fest. Ihre politischen Projekte sind offenkundiger Betrug. Dennoch gewinnen die Parteien, die ihnen anhängen, weiterhin Prozente: Das muss nicht so bleiben, wenn die anderen sich endlich sammeln und ihr politisches Angebot den neuen Gegebenheiten anpassen. Die Antwort auf eine globale Polykrise findet sich nicht im deutschen Steuerrecht.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Das Genre der Memoiren ist hierzulande völlig verhunzt. Die von Politikern sind am schlimmsten, aber auch sonst bekommt man meist das enttäuschende Elaborat unterbezahlter Ghostwriter zu lesen, deren Arbeitsauftrag lautet, alles irgendwie ins rechte Licht zu setzen. Dieses Buch ist völlig anders. Der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht bekleidete diverse Professuren, zuletzt in Kalifornien an der Stanford University. Ich kenne ihn noch aus meiner Zeit bei der FAZ, allerdings nur aus E-Mails und da ging es um Geld.</p><p>In diesem Buch macht er etwas völlig Neues: Er feiert sich nicht, sondern beschreibt schonungslos ein Panorama seiner geringen Talente und beträchtlichen Fehler. Seine nach normalen deutschen Uni-Standards phänomenale Karriere macht ihn nicht glücklich. Gumbrecht schreibt tolle Vignetten über Michel Foucault und Jean-François Lyotard, aber die Begegnungen mit den Großen seines Fachs machen ihm vor allem deutlich, dass er nicht in ihrer Liga spielt. Gegen seinen Bochumer Kollegen Karlheinz Stierle bricht er einmal einen erbitterten Streit vom Zaun, beschimpft ihn da sogar und wenn man das Glück hat, den strahlenden, geduldigen, klugen Kay Stierle zu kennen, kann man nur sagen: Reife Leistung.</p><p>Gumbrecht hätte gern mehr Geld verdient. Andere Autos gefahren. Fußball gespielt. Oder wäre ein Professor wie der Historiker Hayden White geworden: Elegant, attraktiv und weltberühmt. Aber tja.</p><p>Als Ehemann und Vater kriegt er noch in allerletzter Minute so halbwegs die Kurve, aber toll – so ist es dem Buch zu entnehmen – ist seine Bilanz nicht.</p><p>So ein Bekenntnis zum lebenslangen Naja habe ich noch nie gelesen. Entweder beklagen Memoiren überwundene Prüfungen oder feiern errungene Erfolge. Niemals beleuchten sie die Mühen der Ebene, insofern ist dieses Buch wirklich eine Pionierleistung und auch für jene lesenswert, die dieses Milieu nicht mehr kennen und ganz anders leben.</p><p>Ärgerlich sind die sachlichen Fehler in einem immerhin dreißig Euro teuren Buch: Frank Schirrmacher starb mit 54 Jahren und nicht mit 45. Das Grab von Heinrich Heine liegt nicht auf dem Friedhof Père-Lachaise.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/085e2556-26db-4ad2-919c-0afe07247366/uploads/images/bexvbwwot7/IMG_9681.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Die Indienstnahme der Populärkultur durch Goebbels führte zu einem Bruch in der deutschen Kulturgeschichte. Seitdem hat jede Generation, jede Clique und Bubble ihre eigene Playlist.</p><p>In Frankreich lief das anders. Es gibt Chansons, die alt und jung, oben und unten und Stadt und Land gemeinsam trällern. Es ist ein faszinierendes und schillerndes Genre, das in Frankreich zu essenziellen Bildungskanon gehört. Manche davon verfolgen mich bis in den Traum: Einmal träumte ich von einer Begegnung mit einem Mann im schmalen blauen Anzug, der sich als leitender Beamter im Meeresamt vorstellte. Seine Chefin sei das Meer, sagte er lachend und gab mir eine ambitionierte Visitenkarte auf der unter seinem Namen nur “La Mer” und <em>b.d’a.i </em>stand<em>– </em>Frankreich liebt ja Abkürzungen. Diese stand natürlich für<em> bergère d‘azur infini</em>, der Vers aus Charles Trenets “La Mer”.</p><p>Christoph Sator hat sich mit der Geschichte von hundert berühmten Chansons beschäftigt und schreibt in diesem sympathischen Buch unterhaltend und kenntnisreich darüber.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/085e2556-26db-4ad2-919c-0afe07247366/uploads/images/42v2pvl6vx/IMG_9685.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Keine Branche wurde in den Monaten seit dem Amtsantritt druch Trump so auf den Kopf gestellt wie die deutsche Diplomatie. Die große Konstante, die Verbindung zu den Vereinigten Staaten, ist seitdem mehr oder weniger außer Kraft gesetzt und alle fallen in der Luft herum wie Tim und Stuppi in der Rakete, die sie zum Mond bringt.</p><p>Das ZDF hat die Männer und Frauen im deutschen diplomatischen Dienst für eine sehenswerte Doku-Serie begleitet. Für sie verbindet sich die große Politik mit dem Wahnsinn des Alltags. Man lernt auch einiges, beispielsweise dass für die Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes ein staunenswerter Grundsatz gilt: “Das Protokoll macht keine Fehler!”</p><a href="https://www.zdf.de/dokus/die-diplomaten-100">https://www.zdf.de/dokus/die-diplomaten-100</a><p>Zum selben Thema auch die fantastische Rede des weltweit gefeierten Claude Malhuret:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=AR5V39Rw6H4">https://www.youtube.com/watch?v=AR5V39Rw6H4</a><hr aria-hidden="true"/><p>Noch ist es zu früh für Osterlamm-Rezepte, aber peruanisches Geflügel sollte schon erlaubt sein:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=rU675lZ1ynA">https://www.youtube.com/watch?v=rU675lZ1ynA</a><p></p><p>In der Veggieabteilung geht es heute um mein absolutes Lieblingsgemüse, die Artischocke:</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/126457-006-A/kuechen-der-welt/">https://www.arte.tv/de/videos/126457-006-A/kuechen-der-welt/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Freitag und Samstag schreibe ich diesen Newsletter. Um mir die Zeit von anderen Aufträgen freizuhalten, freue ich mich über die finanzielle Unterstützung durch Mitgliedschaften. Derzeit bezahlen etwa 5% der Leserinnen und Leser. Mitglied werden kannst Du hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 29 Mar 2026 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der Weg ins Licht]]></title>
      <description><![CDATA[Der Fall Ulmen/Deutsch-französische Erinnerungsorte/Doku Westerwelle/ Doku Veggie-Tapas/ Poulet du Sud Ouest Nach der Lektüre der Geschichte über den Fall Christian…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h3>Der Fall Ulmen/Deutsch-französische Erinnerungsorte/Doku Westerwelle/ Doku Veggie-Tapas/ Poulet du Sud Ouest</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/83562f1d-4182-4b51-9635-a4bc6b24adcc/uploads/images/vnbsymo3ar/IMG_9572.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Nach der Lektüre der Geschichte über den Fall Christian Ulmen im Spiegel möchte man aus Protest aus dem eigenen Geschlecht austreten. Mal wieder.</p><p>Beschrieben werden Taten, für die die üblichen Gründe zur Ableitung kriminellen Verhaltens nicht gelten: Keine materielle Not, keine räumliche Enge, kein Mangel an Bildung und Erziehung und keine der bekannten sexuellen Perversionen. Mit Erotik oder einem Fetisch hat das in dem Artikel beschriebene nichts zu tun, es ist das Gegenteil davon: ein Kick, der aus spurloser, digitaler Machtausübung und dem Täterwissen um die öffentliche Demütigung der eigenen Frau resultiert.</p><p>Gisèle Pélicot richtete im Verfahren wahre Worte an ihren Ex-Mann: „Ich habe immer versucht, dich nach oben zu ziehen, ins Licht. Du aber hast die Abgründe der menschlichen Seele gewählt. Das war Deine Entscheidung.”</p><p>So verstörend singulär solche Taten wirken, die ja auf einem heimwerkerisch geschaffenen System und einem mit sadistischem Eifer perfektionierten Verfahren basieren, so sehr sind sie auch Produkte und Zeugnisse unserer Kultur.</p><p>Vor vielen Jahren beschrieb Frank Schirrmacher in seinem Buch Ego die Grundlagen der digitalen Welt und die spieltheoretischen Ursprünge der Systeme, auf denen alle Plattformen letztlich beruhen. Er operierte darin mit der Figur des digitalen Zwillings, der entsteht, wenn du im Netz unterwegs bist: Die Algorithmen sind so eingestellt, dass die rücksichtlose, rasche und mühelose Bedürfnisbefriedigung unterstellt wird, und zwar ohne jede Rücksicht auf andere Faktoren. Hier ist dir jederzeit alles möglich – das ist das Versprechen der digitalen Welt. Die politischen Auswirkungen sind oft beschrieben worden: Desinformationskampganene, Korruption, Unterminierung des öffentlichen Diskurses und des wissenschaftlichen Konsenses.</p><p>Der digitale Zwilling hat aber auch ein unterstelltes Geschlecht und daher ist alles so arrangiert, dass der Mann dauernd online ist, als Karikatur alles Männnlichen: Endlich King of Kotelett und hinaus mit jeder nur denkbaren Sau.</p><p>Verkörpert wird diese Kultur durch den Club der obszön reichen Tycoons des digitalen Zeitalters: Männer mit zweifelhaften politischen, sozialen und ökologischen Ansichten, die vor dem amerikanischen Präsidenten kuschen wie die Königspudel eines Familienzirkus in der französischen Provinz.</p><p>Ein Phänomen wie das Epstein-Netzwerk – das auf einem vergleichbaren Versprechen entgrenzter Machtausübung gegen Frauen basierte – passt in diese Landschaft ganz wunderbar, als analoge Version digitaler Männerfantasien. Denn das Problem besteht ja nicht allein im digitalen Raum. Auch bei der Bekämpfung analoger Gewalt gegen Frauen geht es viel zu langsam.</p><p>Trump ist das Symbol dieses Horrors. Er selbst ist wegen Übergriffen gegen Frauen verurteilt worden, seine Taten und Sprüche sind bekannt. Sein enger politischer Weggefährte Wladimir Putin setzt auf sexualisierte Gewalt als Mittel des Krieges und wurde vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen massenhaften Kindsraub angeklagt. Putins Alliierte im Iran haben den brutalen Krieg gegen die Frauen und Mädchen in ihrem eigenen Land zu einer Stütze ihres Regimes gemacht.</p><p>Die Weltbühne bietet das trostlose Schauspiel rücksichtsloser alter Männer, die Machtpolitik spielen wie im 19. Jahrhundert, nur mit weniger Verstand. Die mutlipolare Welt ist hinsichtlich des Geschlechts, das jeweils an der Spitze steht, bemerkenswert unipolar.</p><p>Nichts von diesen Megatrends entlastet den einzelnen Täter, Mann hat, Pélicot hat daran erinnert, immer die Wahl. Aber die größere Perspektive gibt schon Hinweise darauf, warum ihr Treiben über so viele Jahre straffrei bleiben kann.</p><p>Die Erschütterungen, die die mutigen Aussagen von Collien Fernandes auslösen , sollten der Beginn einer Veränderung sein.</p><p>Sie beginnt zuhause, in der Erziehung von Söhnen. Leitbilder bietet beispielsweise die Literatur aus analogen Zeiten. In ihrem tollen, schon älteren Buch über Heinrich Heine “Und grüß mich nicht unter den Linden” schreibt meine Kollegin Elke Schmitter: “Weil er sein eigenes Begehren nicht geringschätzt, musste er die Objekte der Begierde nicht verachten.”</p><p>Aber auch Erwachsene sollten neu nachdenken. Reich und berühmt beherbergt manchmal eine arme und elende Seele. </p><p>Das gute Leben liegt nicht dort, wo alles geht. </p><hr aria-hidden="true"/><p>In der deutsch-französischen Geschichte ist es manchmal nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten. Jede Epoche hat ihre eigene Version des Nachbarschaftsverhältnisses und mittlerweile überlagern viele Legenden das Thema. Ich habe erst vor wenigen Jahren kapiert, dass die Truppe um Pétain, nicht nur seine Vichy-Regierung, sondern die ganze übrige Clique der Kollaboration am Ende in Sigmaringen gelandet sind. Dort, im riesigen Schloss der Hohenzollern, spielten sie einige Monate lang Staat. Darum ist es auch nicht ganz korrekt, wenn dauernd geschrieben wird, die große Aussöhnung zwischen beiden Völkern habe erst nach 1945 begonnen. Es gab ja durchaus Franzosen, die Deutschland-Fans waren und zwa nicht trotz, sondern wegen der Nazis.</p><p>Nun gibt es endlich einen Sammelband, der die komplizierte Geschichte nach Orten aufschlüsselt: In 63 kurzen Kapiteln geht es von Stadt zu Dorf, von Lager zu Ruine und auch mal an Orte außerhalb Europas. Der Band beleuchtet noch viele weitere Orte und die damit verbundenen Geschichten. Es gab nach 1945 Verbrechen französischer Soldaten an deutschen Zivilisten und in ihren kolonialen Abenteuern machten sich beide Nationen schuldig.</p><p>Eignet sich auch gut als Reiseführer – gerade in der jetzigen europäischen Lage, wo die deutsch-französische Kombination noch viel mehr leisten könnte, während die kulturelle Verständigung und schlicht das Wissen voneinander oftmals noch so lückenhaft sind,ist es ein essentielles Buch, das vor jede Schulklasse und in jedes Reisegepäck gehört!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/83562f1d-4182-4b51-9635-a4bc6b24adcc/uploads/images/rbof4huzfy/IMG_9588.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Dokumentarfilme zur deutschen Politik sind keine einfache Sache: Es mangelt an sichtbaren, dramatischen Szenen, schönen Kulissen und eigentlich auch an spannenden Figuren. Das meiste geschieht in langen Sitzungen hinter verschlossenen Türen und in Form von Aktengängen. Wie soll so etwas außerdem gelingen, wenn der Protagonist schon zehn Jahre verstorben ist? Dass es doch geht, zeigt der Film von Jobst Knigge über Guido Westerwelle. Das liegt vor allem an den bewegenden Erinnerungen und Einschätzungen seines Witwers Michael Mronz, aber auch an vielen anderen, spannenden ZeugInnen. Was Westerwelle politisch wollte, habe ich zwar bis heute nicht verstanden, aber darin war er eben auch ein Mann seiner Zeit, der Postmoderne.</p><p>Er bewirkte dann Großes, als er sich mit seinem Partner und späteren Mann öffentlich zeigte. In den Zeiten davor, jüngere Menschen glauben es kaum, mussten homosexuelle Beziehungen geheim gehalten werden.</p><p>Man folgt dem Film gern über die ganze lange Strecke und kommt dabei ins Nachdenken über das seltsame Geschäft der Politik, den Zirkus mit den Medien und die ganze conditio humana, auch die Sache mit dem Sterben. Nicht schlecht für einen einzelnen Film.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/westerwelle/westerwelle/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNTc4MjJmZTctYzlkYi00YTI4LTgwNDYtOTgzNTgwZWFhYTUz">https://www.ardmediathek.de/video/westerwelle/westerwelle/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNTc4MjJmZTctYzlkYi00YTI4LTgwNDYtOTgzNTgwZWFhYTUz</a><hr aria-hidden="true"/><p>Immer wieder habe ich diesem Newsletter-Rezepte von Maya Leinenbach von fitgreenmind vorgestellt, nun ist endlich auch eine längere Doku mit ihr zu besichtigen: Auf Mallorca trifft sie einen von ihr bewunderten Sportler und stellt sich der Aufgabe, ihn von pflanzenbasierten Alternativen zu seinen geliebten Tapas zu überzeugen. Ist gerade für mich eine spannende Sache, weil ich in jeder Krise, Krankheit oder auch zwischendrin den selben Reflex habe, nämlich ein schönes Steak zuzubereiten.</p><p>Es geht aber nicht nur um dieses Thema, sondern auch um die übergriffigen Kommentare, mit denen sie als junge Frau mit digitaler Präsenz zu kämpfen hatte. Der Sportsfreund, der einen sympathischen Eindruck macht, ist von den Veggie-Tapas jedenfalls überzeugt.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3NyLmRlL0JUQkJNTF8xNjUzNjU">https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3NyLmRlL0JUQkJNTF8xNjUzNjU</a><p>Ganz so weit bin ich allerdings noch nicht. Und da heute Sonntag ist und zugleich der zweite Wahlgang in den französischen Kommunalwahlen ansteht (Mein Gefühl: Paris: Grégoire, Bordeaux : Cazenave, Marseille: Payan, Strasbourg:Trautmann) gibt es eine Hommage an die traditionelle Küche des Sud-Ouest.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=k7QBwOWwmDE&amp;t=11s">https://www.youtube.com/watch?v=k7QBwOWwmDE&amp;t=11s</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Freitag und Samstag schreibe ich diesen Newsletter. Um mir die Zeit von anderen Aufträgen freizuhalten, freue ich mich über die finanzielle Unterstützung durch Mitgliedschaften. Derzeit bezahlen etwa 5% der Leserinnen und Leser. Mitglied werden kannst Du hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 22 Mar 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Deutschland in der Nacht]]></title>
      <description><![CDATA[On the road/Al Bagdadi, Haus mit Rutsche/Jürgen Habermas/ Daniel Mendelsohn/Serie Sonntagnachmittagsblues/Warmes Essen für kalte Tage Viele Wochen haben Joachim…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>On the road/Al Bagdadi, Haus mit Rutsche/Jürgen Habermas/ Daniel Mendelsohn/Serie Sonntagnachmittagsblues/Warmes Essen für kalte Tage</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8cfc8edd-51ae-4d79-b566-c2c833d0d421/uploads/images/fod77jdw5e/IMG_9525.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p>Viele Wochen haben Joachim Telgenbüscher, Simone Terbrack und ich am Programm für die erste Tour unseres Geschichtspodcasts “Was bisher geschah” gefeilt. Lasse Siebert kümmerte sich um den optischen Teil der Show mit Lichtern und Animationen. Wir haben gelesen, geschrieben, besprochen, zusammengefügt, schließlich geprobt, geprobt und noch mal geprobt – bis Simone endlich zufrieden war. Das alles fand im vertrauten Rahmen unserer Arbeitszimmer sowie im sensationellen Forstnerwirt zu Rottenburg an der Laaber statt. Aber nun, am Montag und Dienstag, war es an der Zeit, das Programm Hunderten von zahlenden Zuschauern zu präsentieren.</p><p>Als Journalist muss man ja immer mal etwas moderieren, ich habe schon viele Lesungen und Vorträge absolviert, aber das war doch etwas anderes. Ich fühlte mich an eine Szene im Jardin du Luxembourg in Paris erinnert, ungefähr zu dieser Jahreszeit, Ende des Winters. Ein Mann hatte ein großes, detailgenaues Modellboot, der Sirius aus dem Tintin Comic L’Étoile mystérieuse nachempfunden, mitgebracht. Er wollte es im runden, flachen Becken zu Wasser lassen. Dabei zitterten seine Hände, totaler  Stress oder Lampenfieber. Den ganzen Winter hatte er in seinem Keller an dem schönen Boot gebastelt, nun sollte es an die Sonne und ins Wasser. Bald scharten sich freche Kinder um sein Werk, und drohten ihre Segelboote dagegen zu steuern.</p><p>So ungefähr fühlte ich mich kurz bevor es jeweils auf die Bühne ging. Wir waren gespannt: Den Podcast hören die Menschen beim Autofahren, beim Sport, beim Spazierengehen - aber selten ganz ohne etwas anderes zu tun. Nicht mal am Smartphone kann man herumfummeln in so einem Theater.</p><p>Kurz vor den Auftritten wuchs mein Respekt für Schauspielerinnen und Schauspieler unermesslich. Man braucht schon eine beachtliche Disziplin, um so ein Programm zu absolvieren. Beim Schreiben ist man ja gemütlich zu Hause und kann sich mit Videos vom Gemeinderat von Bordeaux ablenken. Andererseits, völlig neu für Joachim und mich, kommt vor einem Auftritt dauernd jemand vorbei und fragt, ob man etwas braucht, ob alles okay ist oder ob es noch ein Getränk sein darf.</p><p>Also Showtime. Wir entfalten  unser Panorama von Deutschland im Vormärz, die Biografie von Heinrich Heine und all die anderen Themen, die vom Damals ins Heute, vom Vormärz zum In-Merz führen. Chancen und Risiken in der deutschen Geschichte, der Witz von Heinrich Heine. Niemand geht in der Pause. Es ist ein Montag, ein Dienstag im März 2026, und alle bleiben konzentriert sitzen, denken und lachen mit. In der digitalen Welt kann man oft den Glauben an die Menschheit verlieren, aber wenn man mal rauskommt, findet man viele Gründe zur Zuversicht.</p><p>Danach unterschreiben wir Plakate, Taschen – super Merch übrigens ! – und machen Selfies – ein fantastischer Moment. In <a href="https://www.190a.de/was-bisher-geschah/">Berlin und Leipzig geht es weiter, im April auch in anderen Städten</a>. Tour 2027 ist in Planung.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Es fällt schwer, von ihm in der Vergangenheitsform zu schreiben, denn er war immer so ganz der Fortschritt und das machte seine Gegenwart zu etwas Besonderem. Als Doktorand lernte ich Rebekka Habermas kennen, die am gleichen Lehrstuhl promovierte und später eine bedeutende Historikerin wurde. Eine Begegnung, die mein Leben zum Guten verändert hat. Seitdem durfte ich die Familie Habermas und eben auch den Vater ab und zu treffen – Stoff für unzählige Geschichten. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8cfc8edd-51ae-4d79-b566-c2c833d0d421/uploads/images/zk6ym5jaj7/IMG_8305.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Eine Szene mit Jürgen Habermas: Rebekka hatte in Frankfurt Ende der neunziger Jahre einen tollen Kongress zur Migrationsgeschichte organisiert. Am Ende der zweitägigen Konferenz  sollte es eine Podiumsdiskussion geben, die der Hessische Rundfunk übertragen wollte. Aber es gab ein Problem: der Sender wollte eher  bekannte Namen in der Sendung und die anderen, Jüngeren, beschwerten sich. Kurzer Tumult, Rebekka war schwer genervt bis verzweifelt. Ihr Vater war auch da, diskret, in der letzten Reihe. </p><p>Ich lief als Zaungast durch die Kulissen und stand in der Nische  eines  Flurs, durch den gerade der Vertreter des Hessischen Rundfunks Wilhelm von Sternburg spazierte. Übrigens ein tadelloser Mann, aber an dem Tag irgendwie auf verlorenem Posten. Er war verantwortlich  für den Streit, der die besonders gelungene Tagung an ihrem Ende zu überschatten drohte. Nun Auftritt Jürgen Habermas: Er schnappte sich Sternburg ohne zu zögern und ohne Zeugen – ich war von meiner Position aus nicht zu sehen. Es waren nur wenige Sätze  in denen der Philosoph  in no uncertain terms deutlich machte, was er von dem ganzen Huddel hielt und nun, <em>um die monatelange Arbeit meiner Tochter nicht zunichtezumachen</em>  von Sternburg erwartet.  Ein konzentriertes Donnerwetter, vorgebracht von  beachtlicher Körpergröße herab! Der arme HR-Mann musste noch an mir vorbei, ein Bild des Jammers: Sein Mund zog eine Wellenlinie, wie bei den Peanuts im Frustfall. </p><p>Bei allem Wert auf diskursive Verständigung und herrschaftsfreien Diskurs  – Jürgen Habermas konnte deutlich werden. Rebekka hat, glaube ich, gar nichts davon mitbekommen. Ihr wäre es  zum Augenrollen peinlich gewesen. Aber so war Jürgen Habermas. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn wir die Nachrichten von den Luftangriffen auf den Iran verfolgen, bedenken wir selten die komplizierten Gefühle, die solche Gewalt bei der iranischen Exil-Community auslöst. Man wünscht das Regime zum Teufel, bangt aber auch um die Menschen, die man kennt. Fair geht es im Krieg ja nur selten zu und man trauert um einzelne Personen auch dann, wenn man die Ideologie des Staates verachtet.</p><p>Eine ähnliche Lage entwickelt sich in der Familie, die in diesem Roman im Fokus steht: Der Vater ist aus dem Irak zum Studium nach Saarbrücken gekommen, führt dort das Leben eines stadtbekannten Bonvivants und Raconteurs, der auf größtmögliche Distanz zum Saddam-Regime ist. Aber die Golfkriege verändern alles  – er kann seine Geschäfte mit Im- und Export nicht mehr fortsetzen –  und er wird zu einem anderen. Zu einem frommen Islamisten, der nicht mehr zu seiner fröhlichen, emanzipierten Familie passt.</p><p>Dieser sorgsam komponierte Gesellschaftsroman ist nicht nur ein politisches Buch, es handelt sich auch um das Porträt einer Ehe, einer Familie und der deutschen Provinz. Die Protagonistin sucht ihren Weg in der Literatur  und verlässt irgendwann Saarbrücken , um nach Paris zu gehen. Aber die Geschichte ihrer Familie begleitet sie. Trotz der schweren, mit bedacht verhandelten Themen hinterlässt das Buch ein beschwingtes Gefühl. Die Handlung basiert auf einer wahren Geschichte, der Biografie der Autorin  und Safia Al Bagdadi gelingt, was in der deutschen Gegenwartsliteratur so selten ist: einen Moment der Wahrheit zu beschreiben. Und das auch noch mit einem souveränen Humor!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8cfc8edd-51ae-4d79-b566-c2c833d0d421/uploads/images/5k4gyxbgqq/IMG_9540.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Frankreich steckt politisch, wirtschaftlich und finanziell in selbstverschuldeter Patsche, aber das intellektuelle Leben ist dafür top. Tausend Geschichten. Nun ist einer der faszinierendsten amerikanischen Intellektuellen in Paris angekommen und bekleidet einen Lehrstuhl am Collège de France, der besten Volkshochschule der Welt: Die Vorlesungen dort stehen jeder und jedem offen, gratis, und in der modernen Zeit eben auf  Youtube. Daniel Mendelsohn gibt hier eine Einführung in die literarische Dimension der Erinnerungsarbeit bezüglich der Shoah. Ein Niveau, das man nur noch selten findet - gibt auch deutsche Untertitel.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=h85MUeRF0sU">https://www.youtube.com/watch?v=h85MUeRF0sU</a><hr aria-hidden="true"/><p>So ein Sonntag kann sich ziehen, zumal in Limoges – einem schönen, aber doch etwas abgelegenen französischen Städtchen. Immerhin gibt es das Kino und die Welt des Films. In dieser sehr lustigen Serie geht es um die Abenteuer einer jungen Frau, die aus Limoges nach Paris zieht, um beim Kino zu arbeiten.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/119365-003-A/sonntagnachmittagsblues-3-8/">https://www.arte.tv/de/videos/119365-003-A/sonntagnachmittagsblues-3-8/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Jetzt ist es doch noch mal so kalt geworden, aber die französische Küche ist auch in solchen Fällen eine unerschöpfliche Ressource an tröstlichen Gerichten. Ganz oben rangiert für mich dieses hier:</p><a href="https://www.lemonde.fr/les-recettes-du-monde/article/2026/03/06/le-b-uf-bourguignon-du-week-end_6669816_5324493.html">https://www.lemonde.fr/les-recettes-du-monde/article/2026/03/06/le-b-uf-bourguignon-du-week-end_6669816_5324493.html</a><p>Und hier auch in einer vegetarischen Variante vom Herrn Grün</p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/gemuese-pilz-bourguignon-auf-kartoffelpueree-mit-cotes-du-rhone-wein/">https://www.herrgruenkocht.de/gemuese-pilz-bourguignon-auf-kartoffelpueree-mit-cotes-du-rhone-wein/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Jeden Sonntag kommt dieser Newsletter – am Freitagnachmittag und Samstagvormittag schreibe ich ihn. Um mir diese Zeit von anderen Aufträgen freihalten zu können, brauche ich finanzielle Unterstützung durch Mitgliedschaften. Die kann man hier abschließen:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 15 Mar 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Improvisation der Gegenwart]]></title>
      <description><![CDATA[K.P./Jekal Hollywood/ Film “Der inszenierte Mord” /Sartre und de Beauvoir 1967/Ottolenghi&Fitgreenmind Zu Beginn meines Geschichtsstudiums konnte ich noch kein Latein,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>K.P./Jekal Hollywood/ Film “Der inszenierte Mord” /Sartre und de Beauvoir 1967/Ottolenghi&amp;Fitgreenmind</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4b851169-d76e-48b0-b416-4d539a15170a/uploads/images/ldambgpugm/IMG_9498.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Zu Beginn meines Geschichtsstudiums konnte ich noch kein Latein, das gab es auf unserer Schule nicht im Angebot. Ich hab es später, zur Zwischenprüfung, nachgeholt. Dennoch wollte ich am Proseminar zur mittelalterlichen Geschichte teilnehmen und setzte mich also schon mal rein. Was sollte passieren. Gleich in der ersten Sitzung war aber ein Lateintest vorgesehen: Eine Quelle wurde verteilt und die sollte übersetzt und vorgelesen werden, jeder ein Satz, immer schön der Reihe nach. Die Komilitonen bekamen es gut hin, aber ich sah mit einiger Unruhe, wie die Aufrufe näher kamen. Noch zwei Sätze, dann käme ich an die Reihe. Für diese absolut vorhersehbare Situation hatte ich keinen Plan.</p><p>An diese akademische Meisterleistung muss ich denken, wenn ich Nachrichten schaue. Der amerikanische Präsident hat einen Krieg begonnen, ohne sich darauf vorzubereiten, dass der Iran sich wehrt. Selbst wer nur ab und zu Zeitung liest, kennt den Iran als Produzenten schrecklicher, billiger Kampfdrohnen, die in der Ukraine schon viel zu viele Todesopfer gefordert haben. Auf deren Einsatz waren die amerikanischen Streitkräfte aber nicht vorbereitet. Es gab auch außer der Allianz mit Israel keine Partnerschaft, keine Koalition mit anderen Ländern der Region, um diese gewaltige Aufgabe gemeisam anzugehen – nicht nur militärisch, sondern humanitär und diplomatisch, um die Zeit danach vorbereiten. Im Zweiten Weltkrieg begannen die Aliierten schon 1943 mit den Planungen für das Deutschland danach. Heute gibt es Planungen höchstens übers Wochenende.</p><p>Die Wende zu einem demokratischen Iran würde die Welt verändern wie der Fall der Mauer 1989 – aber große Projekte brauchen einen Plan und Partner. Hat Trump beides nicht.</p><p>Ebenso wenig wie die Bundesregierung. Im Februar 2022 wurde die Bundesregierung von Putin überrascht, drei Jahre später von Donald Trump. Dabei lagen beide Entwicklungen völlig im Rahmen der Möglichkeiten: Putin drohte seit Jahren, hatte die Krim besetzt und Truppen zusammen gezogen.</p><p>Der Clash mit dem Iran gehörte auf jeden Fall zu den Szenarien, die man mal durchspielen durfte. Kreise der Republikaner und Politiker in Israel wollen den Iran seit Jahren schon angreifen. In den letzten Wochen, seit der Ermutigung der Proteste durch Trump, stieg die Wahrscheinlichkeit dafür nochmal deutlich.</p><p>Niemand hat eine Kristallkugel, aber ich wünsche mir eine Regierung, die Pläne macht. Einen Bundeskanzler, der seine Kommunikation nicht improvisiert, sondern eine langfristige, werteorientierte Strategie verfolgt und seine Einschätzungen differenziert. Einen Außenminister, der weiß, ob sein Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat oder nicht. Und eine Wirtschaftsministerin, die uns aus der fatalen Abhängigkeit von fossiler Energie herausfürht, nicht tiefer hinein. Seit ich ein Schüler bin, höre ich in den Nachrichten von der schmalen Straße von Hormuz. Warum sind wir immer noch davon abhängig? Jeder Konzern, jedes Minsterium, jede Partei - einfach jede größere Institution hat eine Grundsatz- und Planungsabteilung. Dort werden keine Daumen gedreht, aber die Ergebnisse ihrerArbeit finden keine Beachtung, vermute ich. Allein der Begriff der Planung erinnert wohl an Kommunismus. Politik stolpert derzeit von Tag zu Tag, von Tweet zu Tweet.</p><p>Im Seminarraum nahm es ein gutes Ende: Die anderen Studierenden machten ihre Sache so gut, dass der Dozent den Test plötzlich beendete, ich war gar nicht aufgerufen worden. Sitzungen, Klausur und Hausarbeit waren danach kein Problem. Allemal besser ist es, sich schon vorher etwas zu überlegen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Die Dialektik einer Freundschaft mit den USA ist kein neues Thema. Schon der große Ephraim Kishon wusste, dass der liebe Gott all jene, die er besonders plagen möchte, zu Verbündeten der Vereinigten Staaten macht. Eine ähnliche Erfahrung machten auch die deutschen Exilanten im Hollywood der dreißiger und vierziger Jahre. Vicky Baum, Billy Wilder, Marlene Dietrich und Hanns Eisler, die Marcuses und die Manns. Erst wähnen sie sich im Paradies auf Erden, schöner noch als die Riviera, doch schon bald müssen sie sich vor dem FBI und der grassierenden Kommunistenfurcht in acht nehmen. es geht um Informanten, Überwachungsmaßnahmen, Einschüchterungen und druchwühlte Mülltonnen. Ein Buch mit vielen Anklängen an unsere Gegenwart, dabei so spannend geschrieben wie ein Roman.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4b851169-d76e-48b0-b416-4d539a15170a/uploads/images/r26l77t63l/IMG_9506.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Paranoia ist auch ein Motiv in diesem vergessenen, nun wieder abrufbaren französischen Film zum Thema Linksterrorismus. Jean Rochefort und Philippe Noiret sollen im Auftrag des Geheimdienstes eine deutsche Terroristin ausschalten - irgendwie eine Synthese aus Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. Damals sah die französische Linke in allem und jedem das Werk der CIA und ihrer Kollegen. Als Mitterrand 1981 Präsident wurde, waren seine Genossinnen und Genossen davon überzeugt, dass er in Gefahr war, zu enden wie Salvador Allende.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/127952-000-A/der-inszenierte-mord/">https://www.arte.tv/de/videos/127952-000-A/der-inszenierte-mord/</a><p>Auch der Tod der RAF-Insassen zu Stammheim galt manchen linken Kreisen in Frankreich noch ganz lange ein Beleg für Machenschaften der Geheimdienste.</p><p>Es ist kompliziert, denn natürlich gab es solche Machenschaften im Zusammenhang mit dem Terrorismus damals. Der Film lohnt sich aber auch wegen Ausstattung , Kostümen und der generellen Stimmung. (Dank an Dirk Liedke für den Hinweis)</p><hr aria-hidden="true"/><p>Zum Tag der Frauen war ich auf der Suche nach einer neuen Dokumentation über Leben und Werk von Simone de Beauvoir, fand aber stattedessen eine alte kanadische Reportage aus dem Jahr 1967 über den Alltag des Philosophenpaares. Es ist immer wieder überraschend festzustellen, in welchem begrenzten Gebiet Sartre und de Beauvoir ihr Leben verbracht haben, von Reisen abgesehen. Zwischen den Wohnungen ihrer Kindheit, ihren späteren Wohn- und Arbeiststätten und dem Friedhof, auf dem sie heute ruhen, liegen nur wenige hundert Meter.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=tSRuzzdcJgQ">https://www.youtube.com/watch?v=tSRuzzdcJgQ</a><p>Der Kult um die beiden konnte schon bizarre Züge annehmen. Aber heute ist solche Intellektualität völlig unauffindbar,</p><hr aria-hidden="true"/><p>Gerade in unübersichtlichen Zeiten muss man Tag für Tag angehen und darf den Genuss nicht vernachlässigen. In diesen sonnigen Tagen kann man also rihig schon mal in Richtung Mittelmeer kochen, unter der friedlichen und genialischen Schirmherrschaft des großen Ottolenghi.</p><a href="https://ottolenghi.co.uk/pages/recipes/roman-fried-chicken-tomatoes-crisp-oregano">https://ottolenghi.co.uk/pages/recipes/roman-fried-chicken-tomatoes-crisp-oregano</a><p>Ebenso sonnig, aber vegan ist der Ausflug, den unsere saarländische Köchin Maya Leinenbach aka fitgreenmind nach Lissabon unternommen hat:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=YPGO1A30mN4">https://www.youtube.com/watch?v=YPGO1A30mN4</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Über zehntausend Menschen erhalten heute diesen Newsletter. Möglich ist das durch die Mitgliedschaften, die mich finanziell bei dieser Arbeit unterstützen. Wenn Du das auch möchtest, hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 08 Mar 2026 07:45:18 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Politische Privatsachen]]></title>
      <description><![CDATA[Spahn im Keller/Clarkson’s Farm/Einaudi Solo Piano/Was bisher geschah–Leni Riefenstahl/Chicken parm/Veggie dirty Rice Die Bundesregierung gleicht jetzt schon, kaum ein…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Spahn im Keller/Clarkson’s Farm/Einaudi Solo Piano/Was bisher geschah–Leni Riefenstahl/Chicken parm/Veggie dirty Rice</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6d8922ea-b06d-41e8-b6d8-7695f63c4b36/uploads/images/zrro2isnfe/IMG_4076.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Bundesregierung gleicht  jetzt schon, kaum ein Jahr im Amt, einem leicht vernachlässigten deutschen Fürstentum des späten 18. Jahrhunderts, irgendwo in den Tiefen der über 300 Kleinstaaten des alten Reichs. Der Fürst ist meistens unterwegs, hält seine Reden vor spärlichem Publikum  oder tagträumt zu Pferde. In den Sälen und Flügeln wird gespielt, gedöst oder gegessen, draußen werden Hasen gejagt. Jeder macht sein Ding, die Weltgeschichte ist ganz weit weg. Ab und zu kommt Post  –Revolution in Paris, aha, aha – und man rettet sich so über die Runden. </p><p>Das ist ein wenig inspirierendes Schauspiel und irgendwann kommt der Moment, wo man das ambitionslose Stück leid ist. So ein Moment war die Erklärung des CDU/CSU -Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn zur Novelle des Gebäudeenergiegesetzes: “Der Heizungskeller wird wieder zur Privatsache!” Ein Satz aus der Gedankenwelt des Donald Trump – gemacht, um bei der rechten Minderheit im Lande zu punkten. </p><p>Eine Heizung ist Privatsache, solange sie ausgeschaltet bleibt. Aber wenn Emissionen verursacht werden, betrifft das die Allgemeinheit, denn kein Mensch hat sein privates Klima. Jedes Kind lernt, dass der Beginn aller Gemeinschaft die Rücksichtsnahme aufeinander ist. Klimaschutz ist keine Laune von Robert Habeck, sondern eine vom Bundesverfassungsgericht festgestellte Pflicht gegenüber zukünftigen Generationen.  Erneuerbare schützen übrigens auch die Verbraucher, denn Gas-und Ölheizungen werden schon bald zur Kostenfalle. Alles in die Dialektik von Staat und Privat zu zwängen ist das MAGA-Narrativ der Trumpisten. So kann man keinen Zigarettengenuss in der Bahn verbieten, keine Gurtpflicht durchsetzen und schon gar keine Steuern erheben. Was ist privater als mein Schlafzimmer und warum darf ich trotzdem keine Autoreifen verbrennen, wenn ich’s doch möchte? Sehr geehrtes Finanzamt, ihre Zahlungsaufforderung segelt direkto ins Altpapier, denn mein Geld ist meine Privatsache. </p><p>Ich kenne die CDU anders. Auch in kontroversen Fragen war es den Schwarzen wichtig, ihre Argumente nachvollziehbar zu begründen, am liebsten mit Rekurs auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Es war Helmut Kohl wichtig, einen Doktortitel erworben zu haben. Einige historische Christdemokraten waren anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Rita Süssmuth natürlich, aber auch Roman Herzog oder Kurt Biedenkopf. </p><p>Eine Partei, deren Fraktionschef so kommuniziert, dass Grundschulkinder ihn widerlegen können und der die Folgen des Klimawandels als eine Laune Habecks abtut,  hat die Zukunft aufgegeben und ist erkennbar ohne intellektuelle Reserve unterwegs. Seit wann sind Sonnenenergie, Wind und Wasser links? Diese  Kommunikation ist  eine intellektuelle Beleidigung der deutschen Öffentlichkeit. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Ewig davon gehört, nie reingeschaut, aber seit einigen Tagen bin ich Fan der Doku-Soap Clarksons Farm. Schließlich war es eine Empfehlung meiner Schwester Laura, die da ein gutes Gespür hat. Der britische Automann Jeremy Clarkson, der als Host der Brumm-Brumm-Sendung Top Gear bekannt wurde, beschloss 2019, sein beträchtliches Anwesen in den englischen Cotswolds selbst zu bewirtschaften und dokumentiert das Projekt in einer ausführlichen Serie.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2F99hO2nyoA2k%2Fmaxresdefault.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=abe0b0a98281fb176ffb55c41d0061f3" alt=""/><a href="https://www.youtube.com/watch?v=99hO2nyoA2k">https://www.youtube.com/watch?v=99hO2nyoA2k</a><p></p><p>Es geht schief, was nur schief gehen kann. Literaturfreunde werden sich direkt an Gustave Flauberts Meisterwerk Bouvard et Pécuchet erinnert fühlen: Zwei Freunde beschließen, Paris den Rücken zu kehren, sich auf dem Lande niederzulassen, ein Haus mit Garten zu kaufen und sich dem Gartenbau sowie privaten Studien hinzugeben und am Ende ist das Haus zugemüllt und der ganze schöne Garten ein stinkender, schwarzer Matsch. </p><p>Clarkson kauft den falschen Traktor, wird von Schafen ausgetrickst und liegt auch sonst zuverlässig daneben. Herrliche Gelegenheit zur Schadenfreude und Bewunderung für diese kluge, gnadenlose Selbstironie.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6d8922ea-b06d-41e8-b6d8-7695f63c4b36/uploads/images/j5yxaak4ue/IMG_9857.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Nach einem Besuch in der Mailänder Wohnung von Ludovico Einaudi – oben im Bild die Katze des Maestros – fasste ich den Entschluss, mich selbstständig zu machen – dieser Newsletter ist eine Folge davon. Seitdem achte ich immer darauf, was der Maestro so treibt und seine Musik ist der Soundtrack meines Alltags. Jedenfalls in ruhigen Zeiten und wenn ich nicht den ganzen Tag France Info höre, weil die Welt alle paar Minuten in Schübe von Wahnsinn ausbricht.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fludovicoeinaudi.com%2Fwp-content%2Fuploads%2F2026%2F02%2FSolo2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=0428aac6550b997cad5938491e575deb" alt=""/><a href="https://ludovicoeinaudi.com/solo-piano/">https://ludovicoeinaudi.com/solo-piano/</a><p>Nun gibt es ein neues Album mit Solo-Stücken, kann er eh am besten. Als es ihm beim Fotografieren für meinen Artikel langweilig wurde, setzte er sich an den Babyflügel in seinem Musikzimmer, spielte <em>Le Onde</em> und im Haus gegenüber, in allen Nachbarhäusern öffneten die Leute ihre Fenster. Die ganze Straße, die ganze Stadt begannen zu schweben.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Das Besondere bei der Arbeit an einem Geschichtspodcast ist die Möglichkeit, sich den Themen und Figuren auf immer wieder neue Art und Weise zu nähern und dazu zu lernen. In dieser Woche gibt es unsere Folgen zu Leni Riefenstahl, deren Leben und Werk ich in etwa kannte, aber bei genauerer Beschäftigung sieht das alles eben noch mal ganz anders aus. Viele Fragen tun sich auf, aber sie bringen einen immer auch weiter in der moralischen Reflexion und Selbstreflexion. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=1hVygWHNSBM">https://www.youtube.com/watch?v=1hVygWHNSBM</a><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2F1hVygWHNSBM%2Fmaxresdefault.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=fe18f0d4a63f74b25eca9f71f081d4b5" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Viele Medienhäuser überlegen sich neue Angebote, um die Leserschaft zu binden und zu faszinieren. Davon haben nicht wenige mit Ernährung, Essen und Kochen zu tun, denn das geht schließlich alle etwas an. In unruhigen Zeiten trägt die Beschäftigung damit auch ungemein zur Ablenkung in quasi meditativer Versenkung bei. Nach meinem Empfinden macht es derzeit die New York Times  am besten: Persönliche Ansprache, keine Übertreibungen und ein solides Amateurniveau, das viele hinbekommen. Man kann aber auch nur gemütlich zuschauen. </p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FWsGTCGZY_FI%2Fmaxresdefault.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=564a97ea96203fc50766eaa9fd6caa6c" alt=""/><a href="https://www.youtube.com/watch?v=WsGTCGZY_FI">https://www.youtube.com/watch?v=WsGTCGZY_FI</a><p></p><p>Eine vegane Alternative  von Jenné Claiborne gibt es hier:</p><p></p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FlqBLpprDxfA%2Fhqdefault.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=8da046abcae7db21cbc703b6f3728423" alt=""/><a href="https://www.youtube.com/watch?v=lqBLpprDxfA">https://www.youtube.com/watch?v=lqBLpprDxfA</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Diese Ausgabe des <em>siebten Tags</em> ist die erste, die an über 10.000 Leserinnen und Leser ausgeht. Danke. </p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/6d8922ea-b06d-41e8-b6d8-7695f63c4b36/uploads/images/zrro2isnfe/IMG_4076.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 01 Mar 2026 07:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Schuld ohne Strafe]]></title>
      <description><![CDATA[Epstein und seine Freunde/Serie Die Ermittlung/Buch Nach der Nacht/ Maya Leinenbach Dieses Jahrhundert ist gekennzeichnet durch die Entkopplung von Schuld und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Epstein und seine Freunde/Serie Die Ermittlung/Buch Nach der Nacht/ Maya Leinenbach</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/273d6a08-b358-4d68-8c24-2adc44ec4e20/uploads/images/b5flhzdorp/IMG_8810.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Dieses Jahrhundert ist gekennzeichnet durch die Entkopplung von Schuld und Verantwortung.</p><p>Im ersten großen Krieg der Nullerjahre, dem Feldzug der USA im Irak und seinem Vorläufer, dem Einmarsch in Afghanistan, sind schwere Kriegsverbrechen geschehen, sogar der Kriegsgrund der amerikanischen Regierung für das Vorgehen gegen Saddam war gelogen. Es wurde gebombt und gefoltert, ohne die mindeste Rücksichtsnahme und weit über jede militärische Notwendigkeit hinaus. Das wurde zum Glück von Medien aufgedeckt – doch nie juristisch aufgearbeitet – ein schweres Versäumnis des Westens.</p><p>In der einige Jahre darauf folgenden Bankenkrise ging es weiter: Die Steuerzahlerinnen verhinderten den Kollaps der Finanzwelt, aber die Verursacher des Schlamassels blieben juristisch unbehelligt.</p><p>Jede und jeder kann die Reihe fortsetzen: Auf unseren immer zahlreicheren Bildschirmen turnen Personen herum, denen schwere Verbrechen zur Last gelegt werden. Konsequenzen aber gibt es keine. Michael Jackson, Jimmy Savile und Dieter Wedel standen lange im Verdacht schwerer Straftaten gegen Frauen und Kinder, kamen aber nie ins Gefängnis.</p><p>Wladimir Putin verantwortet seit Jahren eine Straftat nach der anderen, hat bis dato nichts zu befürchten, sondern freut sich über politische Unterstützung auch in europäischen Parlamenten. Der amerikanische Präsident versuchte am 6. Januar 2021 einen Staatsstreich, wurde 2023 zwar  angeklagt, doch die Verfahren wurden fallen gelassen. Jeder konnte den Versuch am Schirm mitverfolgen und sieht ebenso deutlich  Trump über die Bildschirme der Welt spuken. Manche kommen mit allem durch, das ist die Botschaft des Jahrhunderts. Und: Du zählst nicht dazu!</p><p>Darum hat das Foto des festgenommenen Ex-Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor auf seiner Heimfahrt so viele Emotionen ausgelöst. Die Aussagen von Virginia Giuffre sind jetzt schon viele Jahre alt, aber dass der Mann wirklich etwas zu befürchten hätte, konnte niemand glauben.</p><p>Die wahre Aufarbeitung beginnt erst jetzt – mit der Auswertung der Epstein-Dokumente. Erneut hat Donald Trump enormes Glück – der große <a href="https://www.instagram.com/p/DU_BOODACRn/">Michael Wolff </a>weist darauf hin. Denn was veröffentlicht wurde, sind die Epstein-E-Mails. Trump aber, ein Freund und Weggefährte Epsteins über zwei Jahrzehnte, hat noch nie in seinem Leben eine Mail geschrieben.</p><p>Epstein und seine Komplizin Ghislaine Maxwell betrieben eine Art Kaufhaus der Kriminalität: Insiderhandel, Anlagebetrug, Geheimnisverrat, Prostitution und Erpressung waren dort im Angebot, womöglich noch höllischere Taten.</p><p>Jeffrey Epsteins besonderes Lockvogelangebot scheint die Illusion von Freundschaft gewesen zu sein. Wie so viele begnadete Betrüger spiegelte er seinem Gegenüber vor, genau der Mensch zu sein, auf den Du schon ein Leben lang wartest. Für den französischen Kulturpolitiker Jack Lang war er ein Mäzen der modernen Kunst und Filmfan, für die norwegische Prinzessin ein guter Freund, für Noam Chomsky und Alan Dershowitz ein kluger, akademisch versierter Intellektueller. Der obendrein über die Fähigkeit verfügt, seine Freunde mit Cash, Ferienhäusern, Transportmöglichkeiten und seiner Bereitschaft zur ruchlosen Ausbeutung von Frauen und Mädchen zu erfreuen.</p><p>Wie in jedem komplexen Kriminalfall lässt sich auch aus der Geschichte von Jeffrey Epstein eine Menge über das kulturelle und soziale Umfeld der Zeit lernen. Ein Aspekt, der mir hier auffällt und der uns schon im Fall Rammstein begegnete, ist die falsche Vorstellung vom guten Leben. Solche Ausbeutungsinszenierungen in irgendwelchen Blowjob-Räumen, Massagezimmern und entlegenen Anwesen unter südlicher Sonne sind Kulissen der Verzweiflung und Inszenierungen armseliger Männerfantasien. Gleich auch mal Söhne und andere Youngsters vorwarnen… völlig falsche Richtung! Das galt schon für die triste Playboy Mansion von Hugh Hefner. Ein Mann, der den ganzen Tag im Pyjama mit Morgenmantel verbringt, zwischen fremden Frauen und leeren Babyölflaschen ist nichts anderes als ein Symbol der Depression und hat ganz generell den Faden verloren. Eros wohnt an solchen Orten nicht.</p><p>Warum war es für viele ansonsten vernunftbegabte Männer und einige Frauen überhaupt erstrebenswert, Zeit mit Maxwell und Epstein zu verbringen? Viele dieser Leute hatten ja mehr Geld und mehr Beziehungen als das Horror-couple.</p><p>Das Römische Imperium wusste einiges über die Fähigkeit des Menschen zur Perversion und zur Freude an der Barbarei. Genau deswegen- um auch als Staat lange bestehen zu können, gab es philosophische Programme, mit denen die  Elite aber auch normale Bürger  entsprechende Vorsorge trugen, durch Bildung und philosophische Praxis. Michel Foucault hat es im dritten Band seiner “Geschichte der Sexualität” beschreiben:</p><p>Danach besteht das von der römischen Elite entwickelte Programm der <em>Sorge um sich</em> in einer regelrechten <em>Lebenskunst</em>, die Philosophie nicht als Theorie, sondern als tägliche Praxis organisiert: Der freie Mensch soll an sich arbeiten, um sich als moralisches Subjekt zu formen—durch Übungen der Aufmerksamkeit und Selbstprüfung, Lektüre und Schreiben (Notizbücher, Briefe), Gespräche mit einem Lehrer oder Freund, sowie asketische Übungen. wie Gedankendisziplin, Vorbereitung auf Unheil, Maßhalten in Lust, Essen, Schlaf, und Körperpflege.</p><p>Ziel war nicht eine verbietende Moral, sondern eine kontrollierte, rationale Führung der eigenen Begierden und Affekte, damit Freiheit als Selbstbeherrschung möglich wird: Wer sich regieren kann, kann auch Haushalt und Polis regieren; die Ethik der Selbstführung wurde so zur Grundlage politischer Handlungsfähigkeit.</p><p>Eine solche philosophische Vorbereitung auf mögliche Funktionen in der Gemeinschaft oder die Rolle als Bürgerin und Bürger einer Republik – das ist in unserer Gegenwart schlicht nicht vorgesehen. Darum gibt es ganz oben immer wieder Männer und Frauen, die alles haben und dennoch so völlig verwahrlosen. Kompetenzen in BWL und Informatik sind eben nicht alles. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Ich habe gar nicht warten können, bis diese Serie endlich bei Arte in die Mediathek eingestellt wird. Es gibt sie nämlich auch bei einer anderen Plattform zu leihen, so habe ich investiert und schon vorher <em>die Ermittlung</em> verfolgt. Es handelt sich um ein ganz besonderes Werk mit dem Fokus auf echter Polizeiarbeit. Der Fall ist recht bekannt, die Ermordung der Journalistin Kim Wall in einem U-Boot, aber die Art, wie er hier erzählt wird, ist sensationell – schon allein durch das,   was alles nicht gezeigt wird: kein voyeuristisch ausgestelltes Opfer, kein dämonischer Täter, kein Einsatz eines Polizei-Sonderkommandos in den letzten Minuten, kein Hubschrauber, kein Brötchen essender Pathologe vor nackter Frauenleiche. Die Serie geht zu den Wurzeln des skandinavischen Krimis zurück, wie ihn die  Bücher von Maj Sjöwall und Per Wahlöö begründeten, in denen die Polizisten vor allem als Angestellte und Familienmenschen vorkommen, die tagsüber Ermittlungen nach den Gesetzen der Logik anstellen.</p><p>Den Täter bekommt man überhaupt nicht zu Gesicht. Die Arbeit der Polizei endet beim Staatsanwalt. Wenn die Ermittlung stockt, muss die Wissenschaft helfen. Die zeitkritische Deutung des Motivs – eine digital verstärkte, auf Frauenhass basierende Rape Culture – überlassen die Macherinnen und Macher ganz dem Publikum. Die Tat ist grauenvoll (eher nichts für ein Binge-Watching in romantischer Absicht), aber diese nüchterne Serie ist eine würdige Art, des Opfers zu gedenken. Sie erinnert daran, dass die Antwort der Zivilisation auf barbarische Taten nicht die Rache ist, sondern der Rechtsstaat und seine Beamtinnen und Beamten.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/RC-027614/the-investigation-der-mord-an-kim-wall/">https://www.arte.tv/de/videos/RC-027614/the-investigation-der-mord-an-kim-wall/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Zeitzeugen sind auch Zeitgenossen, was liegt also näher, als die Überlebenden der Shoah nach dem Umgang mit rechtsextremen Parteien zu befragen? Nach den Wegen, ihren Erfolg rechtzeitig zu stoppen und in Bildung und Erziehung rassistischen und menschenfeindlichen Tendenzen vorzubeugen? Aber naheliegende und einleuchtende Ideen sind die, auf die man zuletzt kommt. Jetzt liegt immerhin ein solches Gesprächsbuch vor. Es stammt vom Historiker Thomas Weber und dem Regisseur Joachim A. Lang. Beide haben für die Arbeit an ihrem Film „Führer und Verführer“ mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gearbeitet und sie dann für das Buch genau nach ihrem Blick auf die heutigen rechtsradikalen Parteien befragt. Kaum jemanden kennt man so gut wie den selbsterklärten Todfeind, also haben sie auch wirklich verblüffende und erhellende Dinge mitzuteilen. Und bleiben dabei voller Energie und Tatkraft – trotz seines harten Sujets ein Buch, das Mut macht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/273d6a08-b358-4d68-8c24-2adc44ec4e20/uploads/images/gf4iwvva4x/IMG_9467.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Die Saarländerin Maya Leinenbach kocht vegan und teilt ihre Rezepte im Netz. Nun sind es schon sieben Millionen Follower, was unter anderem auch an ihrer ansteckend fröhlichen Art liegt, typisch saarländisch eben. <a href="https://www.literaturland-saar.de/personen/ludwig-harig/">Ludwig Harig</a> wäre stolz: Die saarländische Freude 3.0!</p><p>Ich bin kein Veganer, aber einige Rezepte werde ich trotzdem versuchen! Am 11. März kommt sogar eine Doku von und mit Maya Leinenbach in der ARD Mediathek zu sehen:”Better than Beef”! Hier schon mal ein Einblick in ihre Arbeit, mehr findet man auf ihrer Seite.</p><a href="https://fit-green-mind.com/meet-maya">https://fit-green-mind.com/meet-maya</a><a href="https://www.youtube.com/shorts/uOMr-HmeT_U">https://www.youtube.com/shorts/uOMr-HmeT_U</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Freitag und Samstag schreibe ich diesen Newsletter. Um mir die Zeit von anderen Aufträgen freizuhalten, freue ich mich über die finanzielle Unterstützung durch Mitgliedschaften. Derzeit bezahlen etwa 5% der Leserinnen und Leser. Mitglied werden kannst Du hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/273d6a08-b358-4d68-8c24-2adc44ec4e20/uploads/images/b5flhzdorp/IMG_8810.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 22 Feb 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Erster Krokus]]></title>
      <description><![CDATA[Europa!/Gilda Sahebi/Château d’Orion/Serie The Pitt/Hervés Huhn Ich habe schon manchen Samstagvormittag angestrengt grübelnd damit verbracht, nach hellgrünen Hälmchen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Europa!/Gilda Sahebi/Château d’Orion/Serie The Pitt/Hervés Huhn</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/687143c5-8c65-4f41-a39e-cd85d7a785cc/uploads/images/pttcn7o7zs/IMG_9430.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich habe schon manchen Samstagvormittag angestrengt grübelnd damit verbracht,  nach hellgrünen Hälmchen der keimenden Hoffnung zu fahnden, um die Leserschaft dieses Newsletters nicht  auch noch am Sonntag zu betrüben. Allerdings möchte ich auch wahrhaftig bleiben, das war in den letzten Monaten eine echte Gratwanderung. Jetzt endlich öffnet  sich ein etwas breiterer Pfad zur Zuversicht. </p><p>In den USA gerät der amtierende Präsident unter Druck. Nicht mal Harry Houdini könnte sich noch aus dem Schlamassel der Epstein-Akten befreien. Seine eigenen Leute beginnen Fragen zu stellen und allmählich wird der Geist der Republik wieder wahrnehmbar. Was ich lange für eine zu simple Erklärung gehalten habe, klingt plausibel: Trump ist wegen seiner Taten zu Zeiten seiner Freundschaft mit Jeffrey Epstein möglicherweise erpressbar. Darum hat er noch so ziemlich jeden Menschen in seinem Leben verraten, einschließlich seines einstigen Vizepräsidenten, außer eben Wladimir Putin.  </p><p>Angesichts dieser Entwicklung und der umfassenden Destruktivität seiner Politik verliert die extreme Rechte auch in Europa an Schwung. In Frankreich müssen sich die Leute vom Rassemblement National arg anstrengen, um nicht als seine Freunde zu gelten. Die sie aber bis eben noch waren. </p><p>Trump schreckt auch die Rechten ab: Wer ohne woke Rücksichten über Minderheiten lästern möchte, im Namen der Meinungsfreiheit, scheut vor den Trumpschen Kontrollen privater Smartphones und seiner Gängelung der Medien. Wer strenge Grenzkontrollen möchte, duldet darum noch lange keine ICE-Truppe, die harmlosen Menschen nach Lust und Laune  in den Kopf schießt. </p><p>Die Kälte in der Ukraine lässt nach, das Wetter wird besser und die barbarischen russischen Angriffe führen zu keinem Durchbruch für Putin. Die Schwäche Europas bei der effektiven Verteidigung unserer ukrainischen Partner ist eine wahre Schande, aber heute findet sich kaum noch jemand, der sich damit abfinden möchte. Es wird Zeit, das Europa danach zu denken – an der Seite einer starken, souveränen Ukraine. Welche Möglichkeiten unserer Subkontinent noch bereit hält!</p><p>Die Münchner Sicherheitskonferenz bescherte uns eine Grundsatzrede des Bundeskanzlers und dieses Mal war diese Bezeichnung auch verdient. Die strategische Souveränität Europas ist ein Programm, das die Bürgerinnen und Bürger überzeugt und schlafende Ressourcen wecken könnte. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde die Öffentlichkeit in jeder Krise vor allem als Konsumentenverein angesprochen: Geht weiter einkaufen, damit die Wirtschaft nicht schwächelt. In der Covid-Pandemie hat man aber gesehen, wie viel Bereitschaft und Geschick vorhanden ist, wenn man alle dazu aufruft, sich anzustrengen, umzustellen und etwas einfallen zu lassen. Dennoch setzten die allermeisten Politiker auf beschwichtigende, die Leute infantilisierende Formeln, um “die Menschen” nicht weiter zu enervieren. Sie schließen sowohl Kürzungen als auch Steuererhöhungen aus, suchen nach den abenteuerlichsten Lösungen, damit alles beim Alten bleiben könnte. Eine konsequente Umstellung auf erneuerbare Energie, die Schaffung eines europäischen Kapitalmarkts und die Einführung von Eurobonds sind die nächsten Schritte. Auch Medien und politische Parteien müssen sich an eine neue Ära der europäischen Integration anpassen. Ich träume ja schon lange von europäisch besetzten Talkrunden und von Abendnachrichten, in denen das Wetter nicht an der Landesgrenze endet. Und wie überzeugend wirken politische Parteien, die nicht europäisch organisiert sind? </p><p>Alles braucht seine Zeit, aber nach zehn Jahren rechtsradikaler Umtriebe, die auf der Illusion ihres unaufhaltsamen Aufstiegs basierten, wendet sich das Blatt. Es ist wie mit dem Wetter gerade. An einen Nachmittag in der Sonne oder ein Bad unter freiem Himmel ist nicht zu denken. Aber ich sehe schon erste Krokusse. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Viele Talkshowrunden unterscheiden sich kaum von Kappensitzungen: Man kann jedes Lied mitschunkeln, auch wenn man es zum ersten Mal hört, denn die Melodien, Rhythmen und Rituale bleiben immer gleich. Dort gibt es Tusch und Helau, Alaaf oder im Saarland Alleh hopp, die politischen Abendrunden haben ähnliche Standards. Die Gesellschaft ist gespalten, die Woken haben es übertrieben, die AfD ist auf dem Vormarsch, weil die Busse nicht fahren und die Woken es übertrieben haben. Migration ist die Mutter aller Probleme und die Armen beuten die Reichen aus. Kaum jemand macht sich noch die Mühe zu fragen, ob das alles so vorhersehbar sein muss. Oder ob es überhaupt stimmt. </p><p>Gilda Sahebi widmet sich in ihrem neuen Buch den gängigsten Aufregerthemen und automatischen Debatten der Gegenwart und nimmt sich dann Zeit, sie einmal gründlich zu betrachten. Sie geht vor wie eine kluge und geduldige Nachbarin, der man in heller Aufregung etwas erzählt und die dann ruhig alles mal auseinander nimmt. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/687143c5-8c65-4f41-a39e-cd85d7a785cc/uploads/images/zxlhggaq3r/IMG_9432.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ihre Anschauung gewinnt sie aus dem Alltag, im Bus und in der Nachbarschaft und erläutert überzeugend, warum die Menschen ganz anders erleben und empfinden, als es ihnen attestiert wird. Dabei gelingen ihr immer wieder nahezu poetische Sätze: “Menschen spielen zwar die Hauptrolle im jeweils eigenen Leben, aber eine Nebenrolle im Leben anderer Menschen.” Sie schaut sich Polarisierungsunternehmer an und ordnet viele angeblich politische und soziale Debatten wieder in ihre eigentliche Kategorie an: destruktive Unterhaltung in kommerzieller Absicht. Sehr zu empfehlen (Leider habe ich vergeblich nach einem <em>hat tip</em> , einem diskreten Gruß für den allzu vergessenen Johannes Rau gesucht, dessen lebenslanges Motto “Versöhnen statt spalten” dem Titel des Buches sehr ähnelt! Denkt man sich eben hinzu.) </p><hr aria-hidden="true"/><p>Zu den zauberhaftesten Möglichkeiten, sich in einem deutsch-französischen Kontext universelle Gedanken zu machen und zugleich dem guten Leben zu huldigen, zählt ein Besuch im Château d’Orion. Hier wird man nicht von Luxus und Superreichtum erschlagen, sondern in Gastfreundschaft aufgehoben und inspiriert. Ich habe es selbst leider noch nicht hingeschafft, es steht aber ganz oben auf meiner Liste. Mein Freund und Kollege Georg Diez zählt zu den diesjährigen Dozenten und seine Denkwoche verspricht höchsten Ansprüchen gerecht zu werden – ohne Freundlichkeit, Witz und Eleganz zu vernachlässigen. Besser kann man Geld und Zeit kaum investieren. Es sind sogar noch Plätze frei!</p><a href="https://www.chateau-orion.fr/">https://www.chateau-orion.fr</a><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>In den letzten Jahren gab es jeweils zu Jahresbeginn ambitionierte Produktionen, die die schwarzen Seelen der amerikanischen Superreichen erforschen, etwa Succession oder The White Lotus. Nun schaue ich eine Serie, die die amerikanische Gesellschaft eher sozialstaatlich und gesundheitspolitisch beschreibt, also von unten. In The Pitt verfolgen wir eine Schicht in der Notaufnahme eines Großstadtkrankenhauses in Pittsburgh. Sagen wir, in der Schwarzwaldklinik ging es beschaulicher zu. Es wirkt recht lebensecht, nach einer Folge braucht man selbst einen Moment im Ruheraum. Aber vor allem ist es gute, inspirierende Unterhaltung, die europäischen Zuschauerinnen und Zuschauern in Erinnerung ruft, wie schön es ist, in einem Land mit real existierendem Gesundheitssystem zu leben. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ufR_08V38sQ">https://www.youtube.com/watch?v=ufR_08V38sQ</a><hr aria-hidden="true"/><p>In diesen bewegten Zeiten freue ich mich über jedes Rezept, das im Airfryer gelingt – unter anderem auch deshalb, weil unser getreuer Ofen nach vielen Jahren den Geist aufgibt, genauer: die Türfedern, aber die Firma ist pleite und es gibt keine Ersatzteile mehr. <a href="https://steady.page/de/nminkmar/posts/2750b38f-999c-4286-836b-437c93ddb13f">Ein Fall für Gabriel Yoran!</a> Jedenfalls ist das Sonntagshuhn auch in dieser Lage nicht verloren, denn Hervé hilft uns aus der Bredouille: </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=e4xYDIZh-5E">https://www.youtube.com/watch?v=e4xYDIZh-5E</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Jeden Sonntag kommt dieser Newsletter, am Freitagnachmittag und Samstagvormittag schreibe ich ihn. Um mir diese Zeit von anderen Aufträgen freihalten zu können, brauche ich finanzielle Unterstützung durch Mitgliedschaften. Die kann man hier abschließen: </p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 15 Feb 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Die Leere in der Stadt]]></title>
      <description><![CDATA[Spaziergang durch den Kapitalismus/Clark:Skandal in Königsberg/Shrinking 3/ Roger Willemsen/Makrele Nicht weit von unserer Wohnung steht das modernste Hochhaus der…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Spaziergang durch den Kapitalismus/Clark:Skandal in Königsberg/Shrinking 3/ Roger Willemsen/Makrele</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9b5993c4-5a9f-43d8-ab24-16025c6a05f5/uploads/images/gwmq4lh7hn/IMG_9406.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Nicht weit von unserer Wohnung steht das modernste Hochhaus der Stadt, ein schicker Neubau auf <strong>20 Stockwerken</strong> für 66 sehr teure Eigentumswohnungen. Der Bau ist seit Jahren fertig, bezogen ist noch keine einzige Wohnung. Es gab 2024 einen mysteriösen Wasserschaden, seitdem tut sich dort nichts mehr. Millionen Euro teure Leere.</p><p>Schlendert man dann die Straße weiter, kommt <strong>das</strong> Fünf-Sterne-Hotel Nassauer Hof, eine Institution im <strong>Rhein-Main-Gebiet</strong>. Das steht seit Dezember leer. Eine Restaurierung ist geplant, viele Jahre soll sie dauern, einstweilen bleibt das Hotel geschlossen. Zwei große Kaufhäuser, das ehemalige Karstadt Sport und der Kaufhof, stehen leer. Im verbliebenen Karstadt sieht man nur noch wenige Kundinnen und Kunden. Das Angebot nimmt ab, und weil schon so viel am Personal gespart wurde, werden die Schlangen vor den Kassen länger, während die sympathischen, ihre Kunden wiedererkennenden <strong>Fachverkäuferinnen und Fachverkäufer</strong> längst woanders arbeiten. Eine Abwärtsspirale.</p><p>Zu Jahresbeginn machte die Aktion des örtlichen Kinobetreibers Schlagzeilen, der die Sitze seiner beiden Kinosäle verschenkte. <strong>Die</strong> Miete <strong>war</strong> zu hoch, <strong>die</strong> Kinos <strong>mussten</strong> schließen.</p><p>Als Freund von Füllern und Notizbüchern beobachte ich den rapiden Rückgang solcher Läden. In wenigen Tagen schließt der letzte liebevoll geführte, kleine <strong>Schreibwaren- und Geschenk</strong>laden Paperbeck. Davor haben schon fünf Papeterien dichtgemacht, diese Flächen stehen heute leer.</p><p>Die Gastronomie führt einen verdächtigen Reigen auf, denn echten Gewinn machen da kaum welche – die Mieten sind einfach zu hoch. Also schließen Lokale monatelang wegen <strong>„Wasserschaden“</strong> – aber es rücken keine Handwerker an, um da was zu reparieren. Leerstand mag sich eher rentieren als Betrieb bei zu wenigen Gästen. Bald kommen neue Inhaber, die Monate später wieder dichtmachen. Am Ende kommt ein Nagelstudio hin oder eben die x-te Immobilienagentur.</p><p>Das ist keine lokale Besonderheit, die Stadt wird durch OB <strong>Gert-Uwe Mende</strong> umsichtig und fair regiert. Es handelt sich um die sichtbare Auswirkung zweier Megatrends: Die Digitalisierung flexibilisiert die Arbeitswelt, aber eben auch die Konsumwelt: Karstadt kommt zu Dir. (Natürlich nicht das real existierende Karstadt, dessen geniale Chefs haben die immensen Vorteile ihrer Standorte in puncto rascher Liefermöglichkeiten <strong>völlig</strong> verpennt!)</p><p>Dass die digitalisierte Stadt eine leere Stadt wird, hat niemand kommen sehen. Wozu noch in die Innenstadt, in der ich an leeren Flächen entlanglaufe?</p><p><strong>Der z</strong>weite Trend, oft beschrieben, ist die Konzentration des Geldes. Immobilien sind eine beliebte Parkmöglichkeit für die immensen Summen, über die die Megareichen weltweit verfügen, also kommt es zu Spekulationsgeschichten wie diesem Luxushochhaus. Und weil im Kapitalismus das Geld seine eigenen Regeln schreibt, können auch die Feinde des Westens wie die Familie des iranischen Revolutionsführers oder des russischen Präsidenten mitten in Deutschland Immobilien besitzen. Niemand hat ein Interesse daran oder traut sich, dagegen etwas zu unternehmen. In allen Städten Europas sieht man die extrem teuren Wohnungen in den Innenstädten pittoresk leer stehen. Dort wohnt nur Geld.</p><p>Am anderen, dem normalen Ende der Skala, kann man die Horrorgeschichten sammeln: Mieterhöhungen, Klagen auf Eigenbedarf, dessen Begründung später niemand mehr kontrolliert und der nicht nachvollziehbare Weiterverkauf von Wohnhäusern setzen die Gesellschaft unter Stress. Familien rackern sich ab, streben nach Wohneigentum, um sicher wohnen zu können – dabei gibt es Modelle, die solche Sicherheit vor Kündigung vermitteln, ohne dass immer weiter neu gebaut und investiert werden muss – Genossenschaften, Werkswohnungen und öffentliche Baugesellschaften beispielsweise.</p><p>Zoran Mamdani verdankt seinen Sieg in New York dem Thema Mieten und Wohnen – damit verbindet er eine umfassendere linke Agenda. Auch hierzulande kann man damit linke Mehrheiten gewinnen. Man muss nicht Marx studieren, um diese Phase des Kapitalismus zu kritisieren, es genügt ein Spaziergang in der Nachbarschaft.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Wir halten Shitstorms, Medienkampagnen und Gerüchteküchen für Phänomene der Gegenwart, aber logischerweise sind sie so alt wie die Mediengeschichte selbst. Vermutlich wurden schon in den Höhlen von Lascaux <strong>Fake News</strong>, Verschwörungstheorien und Rufmordversuche an die Wände gemalt, wir erkennen es bloß nicht. Einer unserer <strong>Was-bisher-geschah-Lieblingshistoriker</strong> hat sich nun einen Fall ausgesucht, der in Königsberg 1835 spielt: Zwei lutherische Prediger stehen im Zentrum eines ordentlichen Skandals, der sich <strong>erwartungsgemäß</strong> dadurch verschärft, dass die <strong>preußischen</strong> Behörden auf den Plan treten. Eine Mikrostudie in Skandaldynamik und Kleinstadtwahnsinn, wie immer bei Clark auch mit leisem Spott und viel Geist beschrieben.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9b5993c4-5a9f-43d8-ab24-16025c6a05f5/uploads/images/6uvh7whegn/IMG_9416.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Nach diesen trüben Tagen kann man sich kaum eine bessere Unterhaltung vorstellen als die dritte Staffel von Shrinking, einer Familiencomedy, die ganz ohne Familie auskommt. Die ganze Geschichte beginnt in Staffel 1 ganz und gar nicht lustig, sondern mit einer totalen Katastrophe, nämlich mit einem dummen Verkehrsunfall, bei dem eine junge Mutter stirbt. Seitdem wird erzählt, wie die überlebende Tochter, die Nachbarschaft, ihr Witwer und die psychologische Praxis, in der er arbeitet, diesen Verlust bewältigen – daran scheitern und doch vorankommen. Dabei geht alles so schnell, dass man oft mit dem Lachen und Nachdenken gar nicht hinterherkommt. Bei all dem Huddel, den uns die amerikanische Regierung derzeit bereitet, darf man eben nicht vergessen, welche treffenden, kritischen und komischen Werke der Kultur beispielsweise aus Kalifornien kommen.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=iGVDwXh3LsY">https://www.youtube.com/watch?v=iGVDwXh3LsY</a><hr aria-hidden="true"/><p>Wer nachvollziehen möchte, weshalb die USA von Anfang an mit Gewalt, Rassismus, Bigotterie und <strong>dem</strong> Ringen um den richtigen Kurs zu tun hatten, dem sei unsere sechsteilige <strong>Was-bisher-geschah-Serie</strong> über die Gründungsgeschichte der Vereinigten Staaten <strong>empfohlen</strong>. Ich habe auch selbst viel gelernt: Die Gründungsväter haben sich dauernd gefragt, wie man mit den vorhandenen, nicht eben idealen Menschen, die aus Europa rübergemacht hatten, so etwas Anspruchsvolles wie eine Republik hinbekommt. Ihre Antwort war klar: Das geht nur durch konsequente, gute und allgemein verfügbare Bildung. Spart man daran, gerät die Republik auch wieder in Gefahr.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=SaIoRoyCUGw">https://www.youtube.com/watch?v=SaIoRoyCUGw</a><hr aria-hidden="true"/><p>Mein erster Job nach der Promotion war etwas völlig anderes als die akademische Welt, da wurde ich Redakteur bei Roger Willemsen in Hamburg. Es war eine völlig neue Welt, und ich kam mir vor wie die Cambridge- und Oxford-Absolventen der dreißiger Jahre, die zum Geheimdienst gingen. Ich wurde von Isabelle Huppert gequält, stapfte mit Jeanne Moreau durch den Regen über den Ohlsdorfer Friedhof und schenkte Michail Gorbatschow Kaffee ein – vor lauter Rührung direkt neben seine Tasse.</p><p>Rogers Bühnentalent war nicht von dieser Welt. Bei einer großen Veranstaltung im Berliner Ensemble warb Roger für die Wahl von Gerhard Schröder, es war ein Fest der europäischen Kultur. Alle waren da, von denen ich je mal ein Buch gelesen hatte. Roger bat mich, mich bereitzuhalten und bei Viviane Forrester, die vielleicht nur Französisch sprach, gegebenenfalls zu dolmetschen. Gleich in der ersten Reihe saßen Schröder, Lafontaine, Rut Brandt, Jack Lang, und so ging es weiter. Ich bin vor Lampenfieber tausend Tode gestorben, Roger bewegte sich auf der Bühne wie ein Waschbär im Apfelbaum. Zum Glück war Forrester mit einem Briten verheiratet gewesen, ich durfte im tröstenden, kühlen Schatten der Kulissen bleiben.</p><p>Gestern war sein zehnter Todestag, und ich hege an diesem Datum komplexe Empfindungen, denn es war wirklich nicht immer einfach mit ihm. Er machte sich gerne mentale Filme über Leute, die ihm nahestanden, behielt die aber für sich oder lästerte woanders. Irgendwas hatte man vielleicht unterlassen oder übertrieben, jemand hatte was erzählt, ein Gerücht auffliegen lassen – es war schwer, sich einen Reim zu machen. Man musste erst vorsichtig checken, wie die eigene Aktie bei ihm bewertet war. Mühsam, am Ende war aber alles wieder gut.</p><p>Auf der anderen Seite waren ich und viele andere, super Kolleginnen und Kollegen so lange und so erfolgreich damit beschäftigt, ihn vorzubereiten, auszustatten, zu briefen, zu hegen und zu pflegen, für sein Wohl und seine gute Laune zu sorgen, dass es – ganz irrationalerweise – lange, leise an mir nagte, dass er am Ende nicht zu retten war.</p><p>Wie spießig die Republik seitdem geworden ist. Hier sein letztes Interview:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=KMSiz4HDLX4&amp;t=519s">https://www.youtube.com/watch?v=KMSiz4HDLX4&amp;t=519s</a><p>Wer  etwas in seinem Sinne machen möchte, darf gern an dem von ihm mitgegründeten <a href="https://www.afghanischer-frauenverein.de/">afghanischen Frauenverein </a>spenden. In Boulevardzeitungen ist “Afghane” fast zu einem Schimpfwort verkommen, aber die Menschen dort brauchen unsere Hilfe dringender denn je. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Auch Fische und andere Wassertiere unterliegen den Gesetzen der Mode und des Marktes.  Aal ist heute kaum noch bezahlbar, es gibt sogar eine Branche der organisierten Kriminalität, die mit Glasaalen handelt. Völlig unterbewertet ist dagegen die gewöhnliche, meist geräucherte Makrele. Beim Einpacken und Wiegen bekommt man mitleidige Blicke der Fachverkäuferin gratis mit. Dabei handelt es sich um eine nicht nur sehr schmackhafte, sondern nachgewiesenermaßen hirnfördernde Sache. Bitcoins kann man bekanntlich vergessen, ich würde bei Makrele all in gehen! Diese Woche auch empfohlen von unserem britischen Freund Nigel Slater: </p><a href="https://observer.co.uk/style/nigel-slater/article/nigel-slaters-kitchen-diary-potato-cakes-smoked-mackerel-and-parsley-sauce">https://observer.co.uk/style/nigel-slater/article/nigel-slaters-kitchen-diary-potato-cakes-smoked-mackerel-and-parsley-sauce</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p></p><p>PS: Innerhalb des letzten Jahres sind es über 3500 Abonnentinnen und Abonnenten mehr geworden, danke dafür. Jede Woche kommen mehr hinzu. Um jeden Sonntag den siebten Tag liefern zu können, brauche ich den finanziellen Support durch Mitgliedschaften. Wenn das für Sie in Frage kommt, hier entlang: </p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 08 Feb 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Dialektik im Winter]]></title>
      <description><![CDATA[Europa ist noch nicht wach, aber gähnt schon/Ford Valentinstag/ Serie “The Danish Woman”/Houellebecq im Interview/Doku “Das Mädchen mit den goldenen Haaren”/ ungesundes…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Europa ist noch nicht wach, aber gähnt schon/Ford Valentinstag/ Serie “The Danish Woman”/Houellebecq im Interview/Doku “Das Mädchen mit den goldenen Haaren”/ ungesundes Rezept, aber lecker</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/938abeb0-3866-493c-bd0d-5bd3c1ebdb22/uploads/images/3w5z7ijmnc/IMG_9370.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Dieser Winter erinnert mich an die Wendezeit 1989, auch an den September 2001. Die Welt ordnet sich neu, jeder Tag bringt neue Überraschungen, neues Entsetzen, aber der Alltag läuft ganz normal weiter. Man muss sich viel notieren. </p><p>Ich finde es spannend, was derzeit aus Paris zu hören ist, nämlich kaum ein Flüstern. Der Präsident spielt seine internationale Rolle besser denn je, aber in der französischen Innenpolitik tut sich auch eine Menge. Und das zeigt sich daran, dass man nichts mehr hört. Die Älteren mögen sich an das Jahr 2025 erinnern, als die Regierungen im drei-Wochen-Takt stürzten.  Nun hält sich der Premierminister Sébastien Lecornu rekordverdächtig lange und das liegt an der gekonnten Anwendung eines im französischen Parlamentarismus recht neuen Instruments: des Kompromisses . Die unpopuläre Rentenreform wurde verschoben, dafür bleibt die Regierung im Amt und man erspart dem Land eine Neuwahl. Wenn Lecornu in der Assemblée nationale spricht, ist das immer sehenswert: er macht Jokes, bildet Vertrauen und verzichtet auf brillante Belehrungen – die sonst dort die Regel. Er geht sogar selber einkaufen, jeden Samstag auf dem Wochenmarkt. Ich würde mich nicht wundern, wenn Lecornu 2027 als Kandidat einer großen Koalition für die Nachfolge Emmanuel Macrons kandidiert und gewinnt.  </p><p>Die Zuspitzung der Angriffe auf die offene Gesellschaft durch Trump und Putin erschwert das Geschäft der rechtsextremen Parteien. Nun sehen alle, was Remigration in der Praxis bedeutet. Europa ist auf einem konsequenten Vereinigungskurs: Manfred Weber spricht von der Notwendigkeit eines europäischen Präsidenten und aus Spanien werden Forderungen nach einer einheitlichen europäischen Armee laut. In dieser Woche ging es auch viel um eine einheitliche europäische Abschreckung. Sogar im digitalen Raum gelingen neuerdings witzige Antworten auf den amerikanischen Wahnsinn. </p><p>Der seit zehn Jahren wütende Populismus von Rechts – eine mit Geld aus fossiler Energie finanzierte Bewegung alter weißer Männer, die die Öffentlichkeit mittels digitaler Kampagnen manipuliert - wird letztlich das genaue Gegenteil erreicht haben. Der kanadische Premier Mark Carney hat in <a href="https://www.youtube.com/watch?v=btqHDhO4h10">einer historischen Rede</a> erklärt, wohin die Reise geht. </p><p>Sowas nennt sich Dialektik, in Deutschland hat mal einer dazu geforscht. Heute ist er mehr oder weniger vergessen. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/938abeb0-3866-493c-bd0d-5bd3c1ebdb22/uploads/images/sl2d6sd6dd/IMG_9393.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr aria-hidden="true"/><p></p><p>In einigen Wochen ist wieder Valentinstag. Viele sehen den Gedenktag der Floristen kritisch – auch die Blumenhändlerin unseres Vertrauens – aber ich finde, gerade in diesen Zeiten muss man die Feste feiern wie sie fallen. Das spätwinterliche Datum bildet auch den Rahmen für den wunderschönen, gleichnamigen Roman von Richard Ford. Er erschien schon vor drei Jahren, aber ich habe ihn gerade wieder gelesen und seine große, tröstliche und unterhaltende Kraft entdeckt.</p><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/richard-ford-valentinstag-9783446277328-t-3973">https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/richard-ford-valentinstag-9783446277328-t-3973</a><p>Frank Bascombe begleitet seinen 47-jährigen, mit der unheilbaren Krankheit ALS diagnostizierten Sohn Paul während einer  experimentellen Therapie an der Mayo-Klinik im seitdem so umkämpften Minnesota. Danach fahren sie in einem nahezu antiken Wohnmobil zum Mount Rushmore. Es ist das Amerika vor Trump, aber alle Probleme zeichnen sich schon ab. Der Roman ist zugleich selbst  ein Rezept, um gut durch diese Zeit zu kommen: Im ganzen Buch dominiert die Heiterkeit. Der Sohn ärgert seinen Vater, indem er ihn dauernd Lawrence nennt, wegen <a href="https://podcasts.apple.com/de/podcast/was-bisher-geschah-geschichtspodcast/id1733559978?i=1000743897863">Florence, also Lawrence Nightingale</a>. Frank selbst hängt noch einer fernen Ex an, versucht eine nette Masseuse zu heiraten und macht sich auch sonst ordentlich zum Narren. Es passiert wenig, geht nicht gut aus, aber man freut sich beim Lesen die ganze Zeit. Der passende Roman für diese trübe Saison.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Vor einigen Jahren bestellte ich mir in einem Online-Shop ein Taschenmesser für die Ferien, geliefert wurde aber eine massive, schwarze Machete. Ich bin nicht so firm im Zurücksenden, also habe ich sie einfach behalten. Ich habe nicht die geringste praktische Verwendung für das Gerät, außer ab und zu im Garten damit Unkraut zu schneiden, aber ich bemerkte doch eine Veränderung in mir: Als Machetenbesitzer schaut man eben anders auf die Welt. Einmal  geriet ich in einen kleinen Verkehrskonflikt und ich dachte, leise lächelnd, an das Gerät, mit dem ich so einen Streit ja auch einfach lösen kann, genau wie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HxlV_hoAnXI">Crocodile Dundee.</a></p><p>Aber in Wahrheit hänge ich am Gewaltmonopol des Staates, obwohl es, ich gestehe, Lebenslagen gibt, in denen man die Alternativen testen möchte. Das kennt eben auch Ditte Jensen und im Unterschied zu mir ist sie in der Praxis der effektiven Gewaltanwendung sehr virtuos. Also wendet sie ihre Erfahrung als Spezialkämpferin im Dienst der dänischen Krone in ihrer Nachbarschaft an, sie ist nach Island gezogen. Sehr schräge Komödie rund um Trine Dyrholm.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/117672-001-A/the-danish-woman-1-6/">https://www.arte.tv/de/videos/117672-001-A/the-danish-woman-1-6/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Seit drei Jahren war es  still um Michel Houellebecq, nun erfreut er uns mit einem neuen Album, tritt bald auch als Chansonnier auf. Haare wieder ordentlich, Jeanshemd gebügelt – und ein längeres Interview hat er auch gegeben. Die Ansichten muss man nicht teilen,  aber der Mann ist wie immer sehr sympathisch. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=J8O-8bHnOKs">https://www.youtube.com/watch?v=J8O-8bHnOKs</a><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Es beginnt mit einem deutschen Fotoalbum: Der Journalist Malte Herwig entdeckt die Bilder seines Großvaters, Aufnahmen, die er im Krieg gemacht hat. Es ist das fotografische Protokoll einer Deportation im Stile eines Touristen, der Sehenswürdigkeiten abbildet.  Herwig macht sich auf die Reise, um den abgebildeten Personen einen Namen zu geben und ihr Schicksal zu rekonstruieren. Herwig zeigt auch, welche Mittel hierfür heute zur Verfügung stehen, unter anderem KI-Anwendungen und internationale Datenbanken. Schließlich gelingt es ihm, die in Australien lebende Tochter eines der Jungen auf den Fotos zu kontaktieren und sie nach Europa, an den Schauplatz des Geschehens zu begleiten. Nur das blonde Mädchen, das dem spannenden Film den Titel gibt, das findet er nicht. Vielleicht finden sich unter den Zuschauerinnen und Zuschauern Personen, die etwas wissen?</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/ndr-story/das-maedchen-mit-den-goldhaaren-eine-spurensuche-im-holocaust/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM2MzM1Ml9nYW56ZVNlbmR1bmc">https://www.ardmediathek.de/video/ndr-story/das-maedchen-mit-den-goldhaaren-eine-spurensuche-im-holocaust/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM2MzM1Ml9nYW56ZVNlbmR1bmc</a><hr aria-hidden="true"/><p>In Frankreich endet die Schule der Kinder seit eh und je am Nachmittag, dann gibt es ein goûter. Längst wird der Nachmittagsimbiss auch von Erwachsenen eingenommen. Dennoch war ich überrascht, in Le Monde solch eine Würdigung meiner klassischen Kinderverköstigung zu lesen: Ärzte schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Zucker, Fett und Kohlenhydrate in hoher Dosierung, es ist der helle Wahnsinn. Damals, als wir Kinder das nahezu täglich bekamen, galt es als Wunderwaffe gegen Krankheiten aller Art. Butter, Schokolade, Baguette - drei Wunderwaffen gegen die Erinnerung an die schlechten Jahre der Nachkriegszeit!</p><a href="https://www.lemonde.fr/le-monde-passe-a-table/article/2026/01/28/le-duo-pain-et-chocolat-prince-du-gouter_6664467_6082232.html">https://www.lemonde.fr/le-monde-passe-a-table/article/2026/01/28/le-duo-pain-et-chocolat-prince-du-gouter_6664467_6082232.html</a><p><strong>Kopf hoch, </strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Einnahmen aus den Mitgliedschaften ermöglichen es mir, die Zeit für diesen Newsletter von anderen Aufträgen frei zu halten. Wenn Sie diesen Newsletter gerne lesen und sich so eine Unterstützung vorstellen können, bitte hier entlang: vielen Dank!</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 01 Feb 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Revolution im Rewe]]></title>
      <description><![CDATA[Freiheit des Caddy/Eigendorf/Führer und Verführer/Serie Mittendrin/ Nigel Slater Als ich unseren Nachbarschaftssupermarkt vor beinahe zwanzig Jahren zum ersten Mal…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Freiheit des Caddy/Eigendorf/Führer und Verführer/Serie Mittendrin/ Nigel Slater</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b012f167-edf1-4435-ad7e-d4ee91360b2f/uploads/images/ifolto73bg/IMG_9330.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Als ich unseren Nachbarschaftssupermarkt vor beinahe zwanzig Jahren zum ersten Mal betreten habe, war er eine Art Museum der deutschen Fresswelle der fünfziger und sechziger Jahre: Eisbein, kaltes Fleisch in Gläsern und überall Wurst. Heute ist dort Fleisch ein Spezialsegment für Minderheiten, dafür gibt es jede Menge gesunde Sachen und Zutaten für Rezepte aus der ganzen Welt. Glutenfreies, veganes, biologisch zertifiziertes Tofu aus Tibet grüßt in hohen Pyramiden! Groß ist der Laden nicht, aber er behauptet sich gut gegen die Mega-Rewes der Umgebung. Das liegt am rein weiblichen Team, das unter allen Umständen gute Laune bewahrt, freundlich und schnell ist.</p><p>Nun haben sie unvermittelt etwas Neues gemacht: Den Chip oder die Münze zum Loslösen des Caddys abgeschafft – ohne Vorwarnung. Für mich war der Moment mit der Münze vor dem Einkauf immer ein minimalistisches Orakel für den Tag: Werde ich das passende Geldstück dabeihaben, gar einen Chip? Ein Moment der analogen Wahrheit, denn deine Karte hilft Dir jetzt nicht! So ging es vielen: Nach Münzen kramen, sie tauschen, die Kassierin nerven, es war oft genug ein einziger Huddel. Ich hielt ihn für so naturgegeben wie die Schwerkraft. Natürlich muss es so sein, die Wagen sollen nicht frei herumrollen, wo kämen wir da hin?</p><p>Die Crew des Rewemarkts unserer Nachbarschaft (mein Codename dafür: le rêve) hat dem Wahnsinn nun ein Ende gesetzt. Alle Wagen stehen allen Kundinnen und Kunden frei. Ende der Ketten, vive la Liberté. Ich habe staunend nachgefragt und nur Schulterzucken geerntet: “Das war doch soo nervig, also Schluss damit!” Ein wenig Klebeband, schon beginnt die neue Zeit. </p><p>Es ist eine Veränderung wie das Ende der Badekappenpflicht, die die Hallenbadbesuche meiner Kindheit verschattet hat. Die war ehernes Gesetz – und eines Tages völlig vergessen. Der legendäre Koch Ferran Adrià beschreibt einen ähnlichen Moment des Risikos, als er in seinem Restaurant “El Bulli” den Käsewagen abgeschaffen wollte. Und dennoch auf drei Sterne im Michelin hoffte. Das galt als unmöglich: So eine Spitzenbewertung habe es immer nur mit Spitzenkäsewagen gegeben, aber niemals ohne. Adrià hielt das für Käse und ersetzte den Gang durch eine seiner molekularen Kreationen, vielleicht explodierenden Rohmilch- Camembert in Kaviarkorngröße, wer weiß? Es war nicht das Ende seiner Legende, sondern ihr Beginn: no risk, no fun.</p><p>So erinnern die Damen des Rewe an einen wichtigen Zauberspruch, mein Mantra: <em>Alles könnte anders sein.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p>Der exzellente Journalismus von Katrin Eigendorf funktioniert in Textform noch besser als im Fernsehen. Hier kann man sich in ihrem ruhigen und doch zutiefst menschlichen Stil die Welt erklären lassen, ohne zu verzweifeln. Es ist persönlich, aber nie aufdringlich, sondern unerschrocken auch da, wo es weh tut, besonders bei den Frauen und Mädchen in Afghanistan. Ihre Texte lassen Raum und Zeit für eigene Gedanken und Schlussfolgerungen. Eigendorf beschallt ihr Publikum nicht mit “sieben Dingen, die die UNO jetzt muss!”</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b012f167-edf1-4435-ad7e-d4ee91360b2f/uploads/images/rj2jrac5aq/IMG_9335.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Titel des Buches ist eine Variation auf das berühmte Rudolf-Augstein-Zitat, seine Definition des Journalismus: <em>Sagen, was ist</em>. Ich habe den Satz – er ist im Foyer des Speigels verewigt, wo ich einmal gearbeitet habe – immer als Zauberspruch gelesen, den der Martin Heidegger-Interviewer Augstein bewusst vieldeutig formuliert hat. Denn man kann ihn umdrehen: Erst wenn etwas gesagt wurde, ist es. Reden und Schreiben formen unsere Welt. Journalisten gestalten die Welt, indem sie über Menschen berichten, deren Schicksal sonst im Dunkel bliebe.</p><p>Die meisten Leute wären im Strom der Nachrichten gar nicht aufgefallen, wenn hier nicht so eindrücklich davon erzählt würde.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Ich habe diesen Film schon x-mal gesehen und werde mich bald wieder davor setzen. Mit unabweisbaren Parallelen zur Gegenwart zeigt Joachim A. Lang, wie Joseph Goebbels die Propaganda genutzt hat, um den Deutschen die mörderischen Pläne Hitlers zu verkaufen. Man sieht die Nazi-Bosse nicht als Dämonen oder Teufel in Menschengestalt, sondern als ganz gewöhnliche Gauner.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyOTQ5Mzc">https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyOTQ5Mzc</a><p>Die Massenmedien ihrer Zeit, die Wochenschauberichte und die Radioansprachen, die Musik und die Filme wirkten wie ein mächtiger Brandbeschleuniger. Viel zu meditieren in diesem Film – der auch sehr respektvoll mit den Überlebenden umgeht und dem Gedenken an all jene, die eben nicht überlebt haben. Der Historiker Thomas Weber war beratend dabei, alle Schauspieler überzeugen – selten, dass mich ein deutscher Film so rundum überzeugt.</p><hr aria-hidden="true"/><p>An verregneten Sonntagen fuhr mein Großvater mit mir zum Flughafen. Der von Bordeaux ist zwar nicht ganz so spannend, aber ihm hat es Spaß gemacht: Die waghalsigen Landungen, die albernen amerikanischen Touristen, Menschen, die im Stehen essen – und eine Zeitung konnte er sich dort auch noch kaufen. Seitdem bin ich auch gern am Flughafen und habe auch nichts gegen etwas Wartezeit. Ich sorge gerne vor: Schneesturm,Tsunami, Extremwetter, kein Taxi, Stau, Panne, etwas vergessen, lange Schlangen , aus Versehen die Katze mit eingepackt – hat es alles schon gegeben und es kann ja auch alles zusammen oder nacheinander passieren. Angesichts all dieser Gefahren bin ich gerne früh, sehr früh am Flughafen. Der Transparenz halber sei angefügt, dass mein Zeitplan vor Flügen in der Familie nicht unumstritten ist. Allerdings haben wir noch keinen Flug verpasst!!!Und ehemalige Kollegen, Nachbarn, einstige Klassenkameraden oder Kindergartenfreunde meiner Frau freuen sich über ihre SMS, denn endlich hat sie mal zuviel Zeit.</p><p>Immer, wenn sich diese rechten Kreise wieder über Zuwanderung aufregen und das kindliche Bild eines Landes zeichnen, das von einer Stadtmauer geschützt ist, mit Wachen davor, muss ich an den Frankfurter Flughafen denken. Wenn man oft dort ist, gibt man die Vorstellung eines irgendwie homogenen Landes auf, denn Menschen aus allen Himmelsrichtungen latschen hier durch die Gänge und es ist ein Segen. Das antike Alexandria muss so gewesen sein – allerdings ist Fraport viel friedlicher. Als Kind kam er mir vor wie die heimliche Hauptstadt der leicht langweiligen Bundesrepublik, so urban und international. Darum bin ich auch ein Fan der ewigen Doku-Soap Mittendrin. Besonders schön ist es, wenn ich zufällig  im Hotel darauf stoße, die Langeweile der Talksendungen wegzappen kann und mich der Zen-Übung des Alltags am Flughafen Frankfurt hingeben kann, der die ganze Welt ist und eben doch immer Hessen bleibt. Staffel 15 schon - es ist die pure Wonne. So richtig viel passiert da nicht. Trotz allen Huddels geht alles immer gut aus. Aus Gründen des Klimaschutzes vermeide ich es zu fliegen – aber dafür gibt es ja dann so eine Serie.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/serie/mittendrin-flughafen-frankfurt/staffel-16/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8zODIyMDAzMw/16">https://www.ardmediathek.de/serie/mittendrin-flughafen-frankfurt/staffel-16/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8zODIyMDAzMw/16</a><hr aria-hidden="true"/><p>Bald ist wieder leichtere Kost angesagt, aber die dauernden Warnungen vor Eis, Schnee und Blizzard regen bei mir einen vermutlich uralten Appetit auf tröstende, altmodische Gerichte an. Gerade diese emotionale Seite des Kochens kann niemand so gut beschreiben wie Nigel Slater.</p><a href="https://www.theguardian.com/food/2023/dec/17/nigel-slater-recipes-for-goose-fat-chicken-and-quince-custart-tarts">https://www.theguardian.com/food/2023/dec/17/nigel-slater-recipes-for-goose-fat-chicken-and-quince-custart-tarts</a><p>Und eine fleischlose Idee:</p><a href="https://www.theguardian.com/food/2025/feb/09/nigel-slaters-recipes-for-aubergines-with-tomato-and-yoghurt-and-rhubarb-honey-and-sweet-crumbs">https://www.theguardian.com/food/2025/feb/09/nigel-slaters-recipes-for-aubergines-with-tomato-and-yoghurt-and-rhubarb-honey-and-sweet-crumbs</a><p></p><p>PS: In der letzten Woche sind noch einmal besonders viele Mitglieder dazugekommen. So kann ich mich am Freitagnachmittag und Samstagvormittag ganz diesem Newsletter widmen. Danke.</p><p>Falls Sie die Arbeit am Siebten Tag auch unterstützen möchten, so geht das hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p><p></p><p></p><p></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 25 Jan 2026 07:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Alles klar.]]></title>
      <description><![CDATA[Was Maga und den Kreml verbindet/Slimani “Trag das Feuer weiter”/ Doktor und das liebe Vieh S6/ Doku Grönland/Gratin Dauphinois Der Tod von Renée Goode, die Schüsse…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was Maga und den Kreml verbindet/Slimani “Trag das Feuer weiter”/ Doktor und das liebe Vieh S6/ Doku Grönland/Gratin Dauphinois</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cd3eaedb-9775-4927-b1da-d3c4af3fd7bc/uploads/images/3reihbbr6y/IMG_9305.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Tod von Renée Good, die Schüsse iranischer Uniformierter – der Ausdruck <em>Sicherheitskräfte</em> verbietet sich - auf demonstrierende Frauen und die Angriffe Russlands auf zivile Wohngebiete mit Frauen und Kindern folgen, bei allen Differenzen, einer tiefen kulturellen Logik. Diese Allianz ist getragen vom Wunsch, Frauen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen und eine angeblich alte und natürliche, patriarchalische Ordnung wieder herzustellen. Maskiert wird das als Versuch, nach angeblichen Exzessen emanzipatorischer Bewegungen wieder zu einer konservativen Mittelposition zurückzukehren, darauf sollte man aber nicht herein fallen. Gewalt gegen Frauen, insbesondere gegen engagierte linke, linksliberale, grüne sowie christdemokratische Frauen, die sich öffentlich äußern, ist das geheime Lebenselixier, die gesellschaftliche Energiequelle im System der alten Männer und ihrer rechtsradikalen Bewegungen.</p><p>Gewalt gegen Frauen und ihre symbolische Abwertung begleitet das Leben Donald Trumps. Er betrieb lange ein Unternehmen, das sogenannte Miss-Wahlen veranstaltet – unter anderem m, wie er sagte, oft und ungehindert durch die Umkleideräume spazieren zu können. Er machte aus der öffentlichen Bewertung des Aussehens, der Hotness von Frauen – inklusive seiner eigenen Tochter - sein Markenzeichen. Er war ein enger Freund von Jeffrey Epstein und stand selbst wegen entsprechender Vorwürfe vor Gericht. In einem Zivilverfahren gegen E. Jean Caroll wurde er wegen seiner Übergriffe zu einer Millionenstrafe verurteilt. Über zwei Dutzend anderer Frauen erhoben Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen Donald Trump. Zweimal wurde er in der Konkurrenz gegen weitaus qualifiziertere, bessere Frauen zum Präsidenten gewählt – seine Leute wissen eben, dass er dann auch abliefern wird.</p><p>Die Schüsse auf Frau Good sind kein Unfall. Sie lag im Sterben, als der Schütze sie als “fucking bitch” beschimpfte. Der Vizepräsident gab der Tat seinen politischen, öffentlichen Segen. Spender aus dem Maga-Lager machten den Täter, der weiter seinem Job nachgeht, zum Millionär. Der Hass gegen das Opfer reicht auch über ihren Tod hinaus. Die Maga-Bewegung, sowohl ihr staatlicher wie ihr digitaler Arm verfolgen ihre Witwe sowie die Schule ihres Sohnes. Wie es die Kolumnistin Michelle Goldberg in der New York Times schreibt: Ein Muster, keine Panne.</p><a href="https://www.nytimes.com/2026/01/16/opinion/republicans-ice-white-women.html">https://www.nytimes.com/2026/01/16/opinion/republicans-ice-white-women.html</a><p></p><p>Wladimir Putin, der Freund und Förderer Trumps, kam öfter lobend auf sexualisierte Gewalt zu sprechen. Putin bezeichnete 2006 den israelischen Präsidenten Mosche Katzav – der wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt war – als „starken Kerl“ und soll gesagt haben: „Zehn Frauen hat er vergewaltigt … Wir beneiden ihn alle.“ So wurde er damals von der Moskauer Tageszeitung <em>Kommersant</em> zitiert.</p><p>Katzav kam dann ins Gefängnis, Putin leider noch nicht. Kurz vor seinem Großangriff auf die Ukraine zitierte er im Februar 2024 mit seinem typischen Lächeln eine Zeile purer rape-culture: „Ob dir das gefällt oder nicht — halte es aus, meine Schöne.“ Damit meinte er die ukrainische Demokratie und Souveränität, der er seinen Willen aufzwingen wollte. Die Einheit, die seine Vorstellungen später in dem Städtchen Butscha in die Tat umsetzte, hat er folgerichtig ausgezeichnet und belobigt.</p><p>Die Innenpolitik der iranischen Führung, die von Putin unterstützt wird, steht ganz im Zeichen des erbitterten Kampfes gegen die Freiheit der Frauen. Es ist ihr wichtigster Programmpunkt. Demonstrierenden Iranerinnen wird gezielt ins Gesicht geschossen, sexualisierte Gewalt und Folter in den Haftanstalten sind weit verbreitet und passen zur Ideologie des Regimes.</p><p>Russland und Iran sind auch Freunde und Sponsoren der Hamas, Berichte israelischer Ermittlungen, Zeugenaussagen und Untersuchungen dokumentieren, dass während des lange geplanten und üppig finanzierten Angriffs am 7. Oktober 2023 sexualisierte Gewalt gegen Frauen ausgeübt und systematisch aufgezeichnet wurde. Es muss ihnen sehr wichtig gewesen sein.</p><p>Die von der rechtsradikalen Ecke ausgehende Eskalation der Gewalt gegen Frauen beginnt schon im Netz – hierzulande muss man sich nur kurz ansehen, wie rechtsradikale Stimmungsmacher gegen Angela Merkel gehetzt haben. Prominente Frauen, die sich gegen die extreme Rechte engagieren und für Menschenrechte und Demokratie einstehen, sind Drohungen und Übergriffen besonders ausgesetzt. Auch hier folgt es rechter politischer Logik, dass Institutionen wie HateAid, die in solchen Fällen helfen, von Trump und Maga bekämpft werden.</p><p>Donald Trump hat eigentlich ein überragendes politisches Interesse an einer effektiven Bekämpfung des iranischen Regimes und der russischen Führung: Er gälte dann als starker Chef der freien Welt, würde den Ruhm und die strategischen Interessen der USA auf vielfältige Weise fördern. Aber er lässt es bleiben. Im letzten Moment siegt die Ideologie, zu der die klare Vorstellung vom Platz und von der Rolle der Frauen gehört und die ihn mit Putin verbindet, über das rationale politische Interesse. Man kann sich die Mutmaßungen über Erpressungsmaterial in Händen der Russen gegen Trump sparen – was soll dem noch peinlich sein ? Kreml und Maga verstehen sich ganz einfach in einem entscheidenden Punkt: Männer wie sie sollen die Welt regieren.</p><p>Die europäische Union, von einer stabilen Frau repräsentiert, steht in Opposition dazu. Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist hier ein verankertes, zentrales Rechtsgut – auch wenn die Praxis hinterher hinkt. Auch darum ist ein geeintes Europa der gemeinsame Angstgegner und Hauptziel der russischen wie der amerikanischen Regierung.</p><p>Feminismus ist eine Präzisierung des Humanismus und der Angriff auf die Frauen ist immer auch das Versprechen auf weiteren Hass, noch mehr Gewalt auch gegen andere Gruppen. Nun ist restlos klar, wohin die Reise mit Trump und Putin geht. Die Schüsse auf Frau Goode und die Demonstrantinnen im Iran bilden, wie Salman Rushdie über die iranische Fatwa gegen ihn schrieb, “einen Moment gleißender moralischer Klarheit und da soll man keinen Schatten suchen.” Angenehm ist der politische Moment nicht, aber immerhin glasklar.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Der dritte Band von Leïla Slimanis großer Familiengeschichte beginnt damit, dass seine Autorin am Ende ist: Nach einer Covid Infektion sitzt sie zuhause vor dem Laptop, aber nichts geht mehr. Kommt nicht mehr aus dem Haus, duscht nicht, hat keinen Appetit. Das Buch changiert immer wieder zwiwschen einem historischen Panorama, einer humorvollen Familienporträt und solchen Passagen des Journalismsu in eigener Sache. Man erfährt natürlich jede Menge über Marokko einst und heute sowie das Frankreich der achtziger Jahre. Aber auch, wer Mallorca und Marokko verwechselt oder Paris nur aus den Nachrichten kennt, liest das Buch mit Vergnügen und Gewinn. Es genügt zu wissen, was eine Familie ist.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cd3eaedb-9775-4927-b1da-d3c4af3fd7bc/uploads/images/43gx2xmoj4/IMG_9312.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Mutter arbeitet als Frauenärztin in Rabat, der Vater wird Banker im staatlichen Auftrag, die Familie navigiert zwischen einer privaten Offenheit und politischen Toleranz und einer Umwelt, in der vieles unausgesprochen bleiben wird. Mia, das alter ego der Autorin, versucht sich einen Reim zu machen. Ihre Entwicklung als lesbische Frau in einer heuchlerischen und ioft genug brutalen Gesellschaft liest sich noch einmal wie ein ganz eigener Bildungsroman. Ein anderes Element ist die Recherche nach den Gründen für den Sturz des Vaters - auch hier wieder eine eher tagebuchartige Passage. So erfreut das lange Buch mit einem stilistischen Mix, der immer wieder für erfreuliche Überraschungen und berührende Momente sorgt. In Frankreich ist Leila Slimani längst eine der ganz großen Figuren des literarischen und geistigen Lebens, eine allgemein beliebte und repektierte Autorität und wenn man diesen gelungenen Roman liest, kann man das nur mit Einverständnis zur Kenntnis nehmen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Alle mögen Meisterwerke, feiern, loben und preisen Produktionen wie The White Lotus, Succession und The Pitt und zwar mit Recht. Aber Meisterwerke sind eben auch eine Challenge, man muss schon alle Sinne beisammen haben, um mit zu kommen. Es gibt in einem trubulenten, erfüllten Leben also immer wieder Zeiten, in denen B- und C-Produktionen ihren berechtigten Auftritt haben. Wenn man mal kurz krank ist, greift man zu Werken, die man dann auch wieder schnell vergessen kann. Nach einer fiesen OP zur Entfernung der Weisheitszähne bekam ich Schmerzmittel und in diesem Zustand habe ich mich sogar über die Lektüre eines Tom-Wolfe-Romans gefreut – bestes Buch der ganzen Welt, fand ich! Ohne die Tabletten konnte ich damit nichts mehr anfangen. Nun ist die Nachrichtenlage wie eine permanente Zahn-Op und dann schlägt die Stunde solcher Serien, die zwar keine Geschichte schreiben werden, aber einfach nice sind. Der Doktor und das liebe Vieh beispielsweise.</p><a href="https://www.ardmediathek.de/serie/der-doktor-und-das-liebe-vieh/staffel-6/Y3JpZDovL3dkci5kZS9vbmUvZGVyZG9rdG9ydW5kZGFzbGllYmV2aWVoc2Vhc29uc2VyaWVz/6">https://www.ardmediathek.de/serie/der-doktor-und-das-liebe-vieh/staffel-6/Y3JpZDovL3dkci5kZS9vbmUvZGVyZG9rdG9ydW5kZGFzbGllYmV2aWVoc2Vhc29uc2VyaWVz/6</a><p>Mittlerweile ist die neue Version schon in Staffel 6 angekommen. Viel passiert nicht. Es ist Zweiter Weltkrieg, aber die Schildkröte hat Läuse. Oder ein Fuchs hat Hunger. Da es eine britische Produktion ist, sind viele bunte Strickwaren zu bewundern. Und selbst die Tiere sind die geborenen Schauspieler: Ein Border Collie gibt den schmachtenden Veteranen der Hütehunde, dem wegen Verletzung die Euthanasie droht – unbeschreiblich wehmütiger Hundeblick. Aber es geht gut aus. Alles kommt hier vor – außer Tod und Sex.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Man muss sich ab und zu kneifen, um die Nachrichten auch wirklich zu glauben. Nun stehen europäische Soldaten in Grönland, um symbolisch gegen die USA aufzutreten. Die in meiner Nachbarschaft, zwanzig Minuten zu Fuß, einen historisch bewährten, riesigen Stützpunkt unterhalten. Man muss sich bilden, um noch mit zu kommen.</p><p>Viel wusste ich aber nicht von Grönland, diese Doku hat das geändert.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/126180-000-A/groenland-der-neue-rohstoffrausch/">https://www.arte.tv/de/videos/126180-000-A/groenland-der-neue-rohstoffrausch/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Bevor unweigerlich der Frühling wieder kommt und es wochenlang nur Spargel gibt, schnell nochmal die guten winterlichen Rezepte kochen. Das Gratin gab es zuhause jedes Mal, wenn Besuch kam. Es ist ein kleines bisschen aufwendig für den wöchentlichen Alltag, aber mit etwas Zeit eine feine Sache.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=S4IFc40-llo">https://www.youtube.com/watch?v=S4IFc40-llo</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: In der letzten Woche sind noch einmal viele Mitglieder dazu gekommen. So kann ich mich am Freitagnachmittag und Samstagvormittag ganz diesem Newsletter widmen. Danke.</p><p>Falls Sie die Arbeit am Siebten Tag auch unterstützen möchten, so geht das hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 18 Jan 2026 07:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Das doppelte Land]]></title>
      <description><![CDATA[Ich war einige Tage in Frankreich, am Atlantik und somit auch am Ende der Welt. Die milde Anarchie des Winters hatte sich ausgebreitet. Straßen und Wohnviertel waren…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0a9ca26e-9bed-4861-9c75-b0df80c0186b/uploads/images/zb2qdxpvuf/IMG_9233.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich war einige Tage in Frankreich, am Atlantik und somit auch am Ende der Welt. Die milde Anarchie des Winters hatte sich ausgebreitet. Straßen und Wohnviertel waren leer - die meiste Hektik wurde von runden Rotkehlchen entfaltet. Der Fischhändler hatte  geöffnet, allerdings war  die Auslage ungewöhnlich spärlich. Er verkaufte alles zum halben Preis, dann schloss er den Laden, gleich nach unserem Einkauf – Wiedereröffnung Ende März. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0a9ca26e-9bed-4861-9c75-b0df80c0186b/uploads/images/gynw2ixtka/IMG_9136.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es war kalt, am Meer gab es ein bisschen Schnee, die Nachbarn baten um Fotos ihrer verschneiten Gärten. Ein einziges Restaurant, direkt auf der Düne, hatte noch geöffnet. Das ist Programm: Le Kayoc ist ein Vorposten der Zivilisation und schließt nie, keinen einzigen Tag. </p><p>Mit dem Frankreich, aus dem die nationalen Fernsehsender berichten, hat die winterliche Strandlandschaft wenig zu tun. Dort herrscht klimatischer Ausnahmezustand, werden <em>meteorologische Bomben</em> erwartet  und Todesgefahr beschworen. In den Nachrichten ging es stundenlang um Glatteis und Auffahrunfälle, um Blizzardgefahren und die korrekte Art, auf Schnee zu gehen. Jeder Blechschaden, jeder vom Weg abgekommene Bus wurde landesweit kommentiert, es war übertrieben. In Fernsehfrankreich tobte auch ein  Aufstand  der ländlichen Welt –Sondersendung auf Sondersendung über die Nöte der Bauern. Dabei waren gerade mal 20 Traktoren bis nach Paris getuckert, um die rituellen Proteste abzuhalten. Es geht um das Mercosur-Abkommen und billige Importe aus Südamerika, also irgendwie gegen Brüssel. Aus der französischen Politik findet sich niemand, der mal darauf hinweist, dass das Leben aus Kompromissen besteht: Ohne die Zuwendungen der Europäischen Union übersteht die französische Landwirtschaft keinen Monat. Die  Sender wechselten sich ab in der Panikmache zwischen Winter und Bauern, in meiner Provinz war nichts davon relevant. Die Rückreise - ich sah uns schon gestrandet auf irgendwelchen Feldbetten - verlief ohne Verspätungen. </p><p>Nun ist es nicht so, dass gar kein Grund zur Panik besteht – nur eben nicht wegen Schnee im Winter oder protestierenden Treckern. Selten war ein Jahresbeginn politisch so dramatisch aufgeladen, die Lage so brenzlig. Vor der amerikanischen Regierung kann man sich nur abwenden und auf die dortige Zivilgesellschaft und die Wahlen im November hoffen. </p><p>Kein grund zur Überheblichkeit: Als Europäer kann man sich wegen der Passivität und peinlichen Einfallslosigkeit  der Europäischen Union  nur schämen: Außer Treffen und Versprechen kommt da nicht viel. Sanktionen gegen Russland bleiben halbherzig und löchrig, die Verteidigung Europas ein Flickenteppich nationaler Ambitionen. Es fehlt der elementare politische Wille oder das Know-how, die europäischen Rechte und Werte auch zu verteidigen. Es scheint, als passten unsere politischen Strukturen nicht mehr in die neue Zeit des unverhohlenen Machtkampfs zwischen den Blöcken. Vielleicht brauchen wir auch neue Parteien, die  international agieren, so wie das Kapital und die Rechtsradikalen es schon ewig praktizieren. Die Lage erfordert längst eine große Rede, die die Öffentlichkeit auf Verzicht einstimmt und zum Widerstand aufruft. Konsequente Taten müssten folgen. Trump und Putin wollen ein Europa der Vasallenstaaten  und das Mindeste wäre, ihnen in diesem Punkt zu widersprechen. </p><p>Grund zur Hoffnung gibt es aber auch: Es sind Menschen im Iran und der Ukraine, die unter Einsatz von Leib und Leben für die Freiheit kämpfen, auch für unsere. Aber wir tun nicht genug. Weder, um ihnen zu helfen, noch, um uns zu wehren. Jene politischen Kräfte, die diese moralische Frustration aufgreifen und ihr überzeugend, transnational entgegen wirken, hätten eine gute Chance, die Zukunft Europas zu gestalten.  </p><hr aria-hidden="true"/><p>Durch Zufall habe ich im Schaufenster einer Buchhandlung diesen Titel  entdeckt – im Netz hätte ich  nie danach gesucht. Es ist der nüchterne Bericht von den sechzehn oder siebzehn Jobs, die der Autor in der chinesischen Hauptstadt und einigen Provinzstädten übersteht. Das Buch steht damit in der Tradition der Arbeiterliteratur, die auch in Europa mal eine große Sache war. Liest sich wie Charles Bukowski, nur ohne Schnaps und Sex. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0a9ca26e-9bed-4861-9c75-b0df80c0186b/uploads/images/hw27z6gf3o/IMG_9086.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Anyan arbeitet nahezu rund um die Uhr, kann sich für den Lohn aber kaum etwas leisten. Gesetzlichen oder gewerkschaftlichen Arbeitsschutz gibt es nicht, allerdings sind Arbeitskräfte knapp – das verleiht ihm und seinen Kollegen doch eine gewisse Verhandlungsposition. Man bekommt einen guten Einblick in moderne chinesische Moralvorstellungen und in die Verfahren, mit denen Konflikte gelöst werden. Und dann hat seine Lebenswelt auch wieder  sehr viel mit unserer zu tun, denn alle großen Marken und Produkte, die unseren Alltag bevölkern, haben ihre physischen Wurzeln in China. Eine weitere Gemeinsamkeit ist Anyans Vertrauen in die Power der Literatur, beschriebene Zustände dann auch zu überwinden. (Es gibt auch eine deutsche Fassung, ich bin wie gesagt eher zufällig an diese hier geraten.)</p><hr aria-hidden="true"/><p>Es sind schon einige Jahre vergangen, seit meine Frau mir von einem bemerkenswerten Serienprojekt erzählt hat: Eine feministische und humorvolle Chronik der bundesdeutschen Gesellschaft, erzählt anhand einer Berliner Tanzschule. Eine Mutter und ihre drei Töchter als Protagonistinnen, geschrieben von Annette Hess. Heute ist aus den Staffeln der Ku’damm-Reihe rund um die Tanzschule Galant der Familie Schöllack längst ein Kult entstanden, sogar ein Musical gibt es. In diesen Tagen startet eine neue Staffel - und bricht schon jetzt Rekorde in der ZDF-Mediathek. Für mich eine der besten deutschen Serien  – aber ich bin zugegebenermaßen auch befangen. </p><a href="https://www.zdf.de/play/serien/kudamm-104/kudamm-77-114?staffel=4">https://www.zdf.de/play/serien/kudamm-104/kudamm-77-114?staffel=4</a><hr aria-hidden="true"/><p>Ich finde die obskure  Zahlenmagie öffentlicher Gedenktage zunehmend  lächerlich, aber manchmal führen sie  zu spannenden Entdeckungen. Aus Anlass des dreißigsten Todestages von François Mitterrand gibt es jedenfalls einen Dokumentarfilm seiner Tochter, der Autorin Mazarine Pingeot über das geheime, das literarische und geistige Leben ihres komplizierten Vaters. Es ist ein diskreter, aber hochpolitischer Film, der die Folgen des Verzichts auf Literatur und Bildung in der Politik anprangert. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Z234R-5f0g8">https://www.youtube.com/watch?v=Z234R-5f0g8</a><hr aria-hidden="true"/><p>Am Kühlschrank hängt ein neuer Jahreskalender, auch das Notizbuch wartet auf Listen, Pläne und Termine – das Jahr kann Fahrt aufnehmen. Für mich gehören dazu auch neue Ideen, was man an kurzen Abenden nach langen Tagen denn so kochen könnte.</p><a href="https://cooking.nytimes.com/article/easy-healthy-recipes">https://cooking.nytimes.com/article/easy-healthy-recipes</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar </strong></p><p>PS: Diesen Newsletter kann ich nur anbieten, weil viele engagierte und neugierige Menschen eine Mitgliedschaft erworben haben und es mir ermöglichen, die Zeit von anderen Aufträgen freizuhalten. Wenn Sie auch dabei sein möchten, so geht das hier: </p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/0a9ca26e-9bed-4861-9c75-b0df80c0186b/uploads/images/zb2qdxpvuf/IMG_9233.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 11 Jan 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hauptstadt der Zukunft]]></title>
      <description><![CDATA[Besuch in Strasbourg/Sentimental Value/Hermann Göring/Claude Sautet/X-mas-Menüs Hier und da entdeckt man noch eine stolze Trikolore, aber ansonsten scheint Straßburg in…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Besuch in Strasbourg/Sentimental Value/Hermann Göring/Claude Sautet/X-mas-Menüs</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5eae8450-fdfd-44e4-af40-0e4c26f6b1a1/uploads/images/ijwtyddijz/IMG_9022.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Hier und da entdeckt man noch eine stolze Trikolore, aber ansonsten scheint Straßburg in diesen Tagen weit weg vom Geschehen in der französischen Hauptstadt, von Frankreich überhaupt. “Strasbourg, Europe” – so schreiben viele hier ihre Adresse, und in dieser Perspektive liegt die schöne Stadt nicht am östlichen Rande der französischen Republik, sondern mittendrin in der europäischen Kernzone, der berühmten Blauen Banane, die sich von London über die Niederlande und Belgien, dem Ruhrgebiet, dem Elsass, dem Rhein-Main-Gebiet, das Ländle und Bayern bis nach Oberitalien krümmt. Ergänzt wird diese supranationale Perspektive durch die Begeisterung für das eigene Elsass – die Kostüme, die Rezepte, die Folklore und die jeden Tag neu erwiesene Relevanz der Geschichte. Der Offizier Alfred Dreyfus war ein Jude aus dem Elsass, die <a href="https://podcasts.apple.com/de/podcast/was-bisher-geschah-geschichtspodcast/id1733559978?i=1000710944205">antisemitische Affäre gegen ihn prägte das 19. Jahrhundert, eine moderne Manifestation des Antisemitismus</a> und in der Folge auch des Zionismus. Nun hat der unselige, einstige Präsident Nicolas Sarkozy die Memoiren seiner kurzen Gefängniszeit veröffentlicht und sich darin mit dem armen Dreyfus verglichen, der jahrelang eingesperrt war. Und zwar als völlig unschuldiger Mann. Ein kleiner, aber feiner Unterschied zu Sarko.</p><p>In der grössten Buchhandlung der Stadt, der Librairie Kléber, wird das Sarko-Buch jedenfalls nicht groß ausgestellt oder beworben – der Pseudo-Dreyfus als peinliche Bückware.</p><p>In dieser Saison nennt sich Straßburg auch die Hauptstadt von Weihnachten. Zwar wurde Jesus Christus bekanntlich woanders geboren und eine Beziehung zum Elsass ist ihm nicht nachzuweisen, aber Weihnachten ist bekanntlich eine Sache der Einstellung. Der Weihnachtsmarkt hier ist nocheinmal eine Stufe wahnsinniger als woanders. Die Sicherheitsmaßnahmen auch. Jahr um Jahr versuchen Dschihadisten, hier einen Anschlag zu verüben, darum wacht die Gendarmerie mit einem beeindruckenden, umfassenden Sicherheitskonzept. Erst nach diversen Kontrollen darf man sich im Wunderland des weißen Glühweins und der mannshohen Choucroute-Portionen auf recycelbarem Geschirr austoben. Die Leute stehen Schlange, pilgern mit einem weißen LED-Leuchten in den Augen aus der ganzen Welt hierhin. Wer Weihnachten aber nicht mag, empfindet hier eine verstärkte Stadtbild-Störung.</p><p>Trotz des Trubels ist es angenehm leise – mit dem Auto kommt man in der verwinkelten, vollen und kontrollierten Stadt nicht weit, Rad und Tram haben Vorrang. Angenehme, coole Ökologie.</p><p>So gut gelaunt und übermütig, so selbstbewusst könnte ganz Europa sein, wenn Politik und Medien statt der anstrengenden und ermüdeten nationalen Bühne konsequenter die regionale und die europäische Perspektive abbilden.</p><p>Auf der Fahrt zurück der übliche Downer: die rituelle Grenzkontrolle durch die Bundespolizei – 20 Minuten Dobrindt-Pause für den schnellen Zug. Es gibt sie nur auf der Fahrt in die deutsche Richtung, Frankreich macht beim Rückfall hinter Schengen nicht mit. Kein Attentat der letzten Jahre hätte so verhindert werden können, es ist ein zeitgenössisches Theater der Sicherheit, in dem die Bundesrepublik ihre Fähigkeit zum europapolitischen Rückwärtsgang demonstriert. Genau in die falsche Richtung, dafür mit Schmackes.</p><p>So ist derzeit auf vielen Feldern: Rückwärts statt vorwärts. In Straßburg, der alten Hauptstadt des Humanismus, kennt man aber die Logik der Dialektik: Kein Zustand währt ewig und mitten im Alten beginnt schon das Neue.</p><p>Ab heute werden die Tage wieder länger.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn Sie in diesen Tagen einen Kinobesuch erwägen, also statt oder nach oder vor Avatar 4 – der bei mir für heute Nachmittag auf dem Programm steht, in Gesellschaft unseres Sohnes, mit dem ich auch schon 1 bis 3 gesehen habe – dann empfehle ich <em>Sentimental Value.</em></p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=q79C2lkG8dk">https://www.youtube.com/watch?v=q79C2lkG8dk</a><p>Wie die allerbesten Filme ist auch dieser hier ein Nachdenken über das Medium selbst, den Wandel der Kunst zur Branche, sowie über Bilder, Familien, Geschlechterrollen, Generationenkonflikte und Erinnerungen. Er tastet sich leicht und klug an sein Thema heran und geht nie auf Nummer sicher. No risk, no fun, das scheint das Motto von Joachim Trier gewesen zu sein. Ich war begeistert von der Schauspielkunst des Protagonisten Stellan Skarsgård, den ich schon in der Serie Tschernobyl genial fand. Völliges Allerweltsgesicht, das mit geringen Mitteln die verblüffendsten Empfindungen auszudrücken versteht.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Schon nach wenigen Seiten dieser spannenden, modernen Biografie wünscht man sich, dass der beschriebene Mann niemals irgendwo Macht über Menschen bekommt, dass seine Schwächen erkannt und die ihm innewohnende Gefahr gebannt werden – aber alle wissen, dass es anders kam. Genau wie Hitler ist Göring nach dem Ersten Weltkrieg ganz unten. Ein Loser, dessen einzige besondere Eigenschaft seine Neigung oder Liebe zur Gewalt ist. Er begeht schwere Straftaten, macht aus seinen Absichten nicht den geringsten Hehl. Er versteckt sich nicht, verstellt sich nicht, sondern gibt landauf landab den Entertainer. Warum wurde er nicht gestoppt?</p><a href="https://www.chbeck.de/molitor-hermann-goering/product/38770029">https://www.chbeck.de/molitor-hermann-goering/product/38770029</a><p>Andreas Molitor nähert sich dem Leben des Hermann Göring mit beeindruckendem Elan, ohne Routine und sucht zu allen Spezialfragen ausgewiesene Experten auf. Zur Nummer 2 der Nazis hat jede und jeder ein passendes Klischee im Kopf – die hier dargestellte Geschichte ist noch weit schlimmer. Aktuelle Bezüge sind leider nicht zu vermeiden.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In diesen Tagen ist es Zeit für Klassiker. Man ist schon dermaßen an durchgestylte, getestete und KI-unterstützte Serienware gewöhnt, dass man so einen Film anschaut wie das achte Weltwunder: Unverständlich gemurmelte Dialoge. Sätze, die nicht vollendet werden. Autofahrten hin und her, plötzlich und ohne Gurt.Aber wohin? Liebesbeziehungen, die ohne Grund beginnen oder schiefgehen. Das Leben in Cliquen von Freunden, die sich untereinander, in Zweierkonstellation gar nicht mal sehr mögen. Männer tragen noch einen dicken Pulli unter dem Sakko, weil der Klimawandel noch nicht so richtig begonnen hat. Einer der schönsten Filme der Welt vom Meister aller Klassen, Claude Sautet, dem auch der ganze Respekt und die Liebe meines unvergessenen Kollegen Michael Althen galten:</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/039135-000-A/vincent-francois-paul-und-die-anderen/">https://www.arte.tv/de/videos/039135-000-A/vincent-francois-paul-und-die-anderen/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Langsam macht sich der Weihnachtswahnsinn breit und löst den üblichen, anderen Wahnsinn ab – eine wohltuende Pause. Um gut durch diese Zeit zu kommen, die ja für viele nicht ganz einfach ist, wurde die Kochkunst erfunden.</p><p>Schlusswort in dieser Hinsicht soll der große Yoram Ottolenghi haben, dessen Geist der kulinarischen Versöhnung sich ruhig noch weiter entfalten darf im kommenden Jahr. Bei ihm findet man eigentlich immer eine schräge, großartige Idee:</p><a href="https://ottolenghi.co.uk/blogs/stories/christmas-recipes">https://ottolenghi.co.uk/blogs/stories/christmas-recipes</a><p>Wie jedes Jahr hat auch der hanseatische Saarländer Herr Grün ein vegetarisches Weihnachtsmenü konzipiert:</p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/das-3-gaenge-weihnachtsmenue-2025-von-herrn-gruen/">https://www.herrgruenkocht.de/das-3-gaenge-weihnachtsmenue-2025-von-herrn-gruen/</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Seit der Weihnachtsausgabe dieses Newsletters vor einem Jahr sind weit über 3000 Abonnentinnen und Abonnenten dazugekommen: jeden Tag zehn! Vielen, vielen Dank.</p><p>Falls Sie meine Arbeit daran auch finanziell unterstützen möchten und können, so geht das hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p>Bonus: Sie erhalten Zugang zu meiner aktuellen Geschenkideenliste, gerade auch für Last-Minute-Schenker geeignet.</p><p>PPS: Ich mache Winterpause, die nächste Ausgabe dieses Newsletters ist am 11. Januar 2026 in ihrem Postfach.</p><p>Bonne année.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 21 Dec 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Dodo Days]]></title>
      <description><![CDATA[Nur weiter so/ Miniserie Prince Andrew/Binet Perspektiven/Wellington Noch kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges waren Charles de Gaulle, Winston Churchill und Konrad…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Nur weiter so/ Miniserie Prince Andrew/Binet Perspektiven/Wellington</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c5867e33-6599-43bc-8165-48979f40ab81/uploads/images/4ozgvjyy4t/IMG_8960.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Noch kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges waren Charles de Gaulle, Winston Churchill und Konrad Adenauer hoffnungslose Randfiguren der europäischen Politik. Willy Brandt hieß noch nicht so und musste um sein Leben fürchten. Historische Umwälzungen bringen neue Leute hervor, und in unserer Zeit käme hoffentlich kein rein männlicher Club an die Macht in Europa.</p><p>Aber weiter geht es so nicht: Europa wackelt über die Weltbühne wie ein Dodo, der große Vogel, der weder fliegen noch rennen noch zubeißen konnte. Heute ist er ausgestorben. Oder wie Kaiserpinguine, die von den frühen Antarktisstationen als Heizmaterial genutzt wurden, weil sie praktischerweise weder protestierten noch flohen: einfach der Länge nach rein in den Kamin, ihr Fett sorgte für helle Flammen, wie man sie zur Gewinnung von Tran aus dem Fleisch erlegter Wale brauchte.</p><p>Täglich gibt es neue Beispiele für diesen Mangel an europäischer Selbstbehauptung. In der vergangenen Woche war es der Bericht über sieben junge Journalistenkolleginnen und Kollegen, die den Zusammenhang zwischen Drohnenflügen und russischen Schiffen aufgedeckt haben. Hier entlang:</p><a href="https://www.digitaldigging.org/p/they-droned-back">https://www.digitaldigging.org/p/they-droned-back</a><p>Wozu zahlen wir all die teuren Dienste ? Immerhin wurde nun der russische Botschafter einbestellt. Das russische Haus in der Berliner Friedrichstraße bleibt allerdings weiter offen, die politische Propaganda findet weiter statt –  <a href="https://www.zdf.de/play/shows/zdf-magazin-royale-102/zdf-magazin-royale-vom-5-dezember-2025-100">Jan Böhmermann </a>ist der Sache nachgegangen.</p><p>Insgesamt verhält sich Europa so, als gälte es, Russland, die USA und China ja nicht zu verärgern. Auch das von der Union wieder aufgeschobene Verbrenner-Aus ist ein immenses Geschenk an die chinesische Automobilindustrie.</p><p>Es finden sich natürlich Spuren von Widerstand und koordinierter Aktion der europäschen Regierungen, so wie sich Spuren von Nüssen in Schokolade finden – es hätte ja alles noch schlimmer können. Der Brexit gilt keinem Land als Modell, die Koalition der Willigen steht der Ukraine weiterhin bei. Die USA sind ein nie zu unterschätzendes Land – mit etwas Glück ist der orangene Spuk im Weißen Haus schon in einem Jahr wieder vorbei und auf den angemessenen Status grotesker Folklore zurück gestuft, wenn die Demokraten eine parlamentarische Mehrheit erringen. Aber mich besorgt, wie wenig die europäischen Spitzenpolikerinnen und Politiker sich auf der Höhe unserer Zeit bewegen und äußern.</p><p>Wo sind die entschiedenen Gegenreden zu Putins Drohungen? Wann kommen die deutlichen Symbole, in denen für alle sichtbar wird, dass man hier am Modell einer offenen Gesellschaft auch hängt? Aus den Hauptstädten Europas hört man entweder lange Listen von Details oder ein wenig überzeugendes Anything goes, als könne man bald wieder zu normalem Business mit Russland übergehen. Die Signale wirken umso schwächer, als Sanktionen, Gegenspionage und Reisekontrollen nur halbherzig durchgesetzt werden. In München hät sich hartnäckig das Gerücht vom Immobilienbesitz des russischen Präsidenten in der Innenstadt - auch hier wären klare Verhältnisse nötig. Aber Union und SPD agieren, als habe man Angst vor Dieter Bohlen und Justus Frantz oder wem auch immer, der sich noch zu einem milden Kurs gegenüber dem Kreml bekennt. Dabei geht es ja: Gegen die Aktivisten der letzten Generation, die Klimakleber, wurde der Repressionsapparat des Staates in Windeseile hochgefahren. Warum geschieht das nicht gegen jene Kräfte, die hier Freiheit, Demokratie und die offene Gesellschaft abschaffen wollen?</p><p>Es geht mir nicht um Scharfmacherei oder die Zuspitzung des Konflikts, sondern um das wichtige Signal: Wir leben eigentlich ganz gerne so, wie wir hier leben, und wenn es sein muss, wehren wir uns.</p><p>Politik muss sich, wie Willy Brandt  es in seiner letzten Rede formulierte, auf der Höhe ihrer Zeit bewegen. Die Leute sind längst weiter, warten nur auf Reden und Zeichen, die auch bestätigen, dass die europäische Exekutive nun tut, was nötig ist. Darum ist der deutsche Verteidigungsminister der beliebteste Politiker: Pistorius hat das Ausmaß der Gefahr erkannt und sagt, was alles nicht in die Tüte kommt.  Man möchte einfach hören, dass auch Kanzler, Präsident und Premierminister die gleichen Nachrichten schauen, wie alle anderen. </p><p>Aus dem einstigen Ostblock kamen keine tollen Industrieprodukte, aber immer wieder super Bücher und noch etwas war Spitze, der Geheimdienst. Putin hat es geschafft, die gesamte alte Garde der europäischen und internationalen Politik aufs Kreuz zu legen, nutzte die Abhängigkeit von fossiler Energie ebenso aus wie die Möglichkeiten der Korruption und die Verwundbarkeit durch Migrationsbewegungen, die er selbst induziert hat. Sein bester Trick ist die Manipulation der Medien: Zwei Themen, die die Zukunft Europas sichern, nämlich eine Abkehr von fossiler Energie und eine kluge, großzügige Migrationspolitik, sind mittlerweile verhetzt und diskreditiert. Das eigentliche Ziel von Trump und Putin ist die regierungserfahrene Sozialdemokratie überall auf der Welt. Um sich zu wehren, müssten sich die nationalen Parteien zusammenschließen - aber davon ist derzeit nichts zu merken. Total Dodo. </p><p>Aber womöglich ist eine neue Generation europäischer Politikerinnen und Politiker längst unterwegs. Noch erkennt sie niemand in Bus und Bahn.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Leider ist für dieses Jahr keine neue Staffel von <em>The Crown </em>angekündigt, auch <em>Downton Abbey</em> ist auserzählt, aber immerhin gibt es eine britische Miniserie, die die Fans beider Formate erfreuen wird. Es ist die zweite Verfilmung der Geschichte des katastrophalen Prince Andrew- Interviews für die BBC-Sendung Newsnight, in dieser hier gibt Martin Sheen den Prinzen. Diese Titelformate sind ein ganz eigener very british Spleen, eine meiner Lieblingsminiserien nennt sich ja <a href="https://www.amazon.de/gp/video/detail/amzn1.dv.gti.6eb6a323-38ea-6944-ee70-05d9015700cf?autoplay=0&amp;ref_=atv_cf_strg_wb">A Very English Scandal</a>. Nicht zu verwechseln oder auch egal, beide sind super. Alles ist auch in diesem Dreiteiler ganz toll, super gespielt, schwarzer Humor, zugleich empfindet man mit Andrew, Fergie und den Töchter hier und da auch Mitleid.</p><a href="https://www.zdf.de/serien/a-very-royal-scandal-100">https://www.zdf.de/serien/a-very-royal-scandal-100</a><p>Ich finde es noch aus einem weiteren Grund spannend: Das Newsnight-Interview ist ein gutes Beispiel für eine ganz und gar selbstgemachte Katastrophe. Man kann zusehen, wie und warum sich der damalige Prinz nach Kräften ins ohnehin schon beträchtliche Malheur immer weiter hineinschraubte, wie er mit einem Gerüst einkracht, das er selbst gezimmert hat. Immer wieder lohnend, solche Geschichten zu studieren – auch wenn man in keinem Palast wohnt. Michel de Montaigne hätte die Serie geliebt.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Kaum eine Lüge hat den Antisemitismus weltweit so befeuert wie die Protokolle der Weisen von Zion. Noch heute nutzen viele Propagandisten im Netz und außerhalb deren Motive und Inhalte, die Sache ist einfach nicht totzukriegen. Über die Herkunft und Geschichte dieses Schauermärchens ist nicht viel bekannt. Nun widmet sich ein anspruchsvoller, aufklärerischer Dokumentarfilm dem Phänomen, das immer noch das zeitgenössische Denken heimsucht. Wer das Glück hat, ein Kino in der Nähe zu finden, in dem der wichtige Film programmiert ist – unbedingt ansehen:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Gd-bCkAmQBc&amp;t=17s">https://www.youtube.com/watch?v=Gd-bCkAmQBc&amp;t=17s</a><hr aria-hidden="true"/><p>Geheimnisvolle Briefe aus dem Florenz des 16. Jahrhunderts, ein Mordfall im Bildhauermilieu, Intrigen und geheime Korrespondenzen – das ist der Stoff, aus dem Laurent Binet seine Perspektiven geschrieben hat. Katharina von Medici kommt vor, Michelangelo, aber auch Vasari und viele andere Zeitgenossen, es wird mit viel Tempo und Witz erzählt. Es ist ein Briefroman, wie die Gefährlichen liebschaften oder der Werther, und sorgt schon dadurch für ein gewisses Tempo. Es tut immer wieder gut, über das 16.Jahrhundert zu lesen, diese Umbruchs- und Möglichkeitszeit, die der unseren so ähnlich ist.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c5867e33-6599-43bc-8165-48979f40ab81/uploads/images/f4q356mfnu/IMG_8968.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Binet hat schon ein Buch über Reinhard Heydrich geschrieben, eines über Roland Barthes,und François Hollande hat er auch im Wahlkampf begleitet – das war übrigens die Inspiration zu meinem Buch <em>Der Zirkus</em>, als ich mich an die Fersen von Peer Steinbrück heften durfte.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Es gibt Gerichte, die man nur mit viel Zeit, sogar einem Anflug von <em>ennui</em> zubereiten möchte, dazu zählt das heute leider nahezu vergessene Boeuf Wellington. So läuft das eben manchmal mit der Erinnerung: Während über Napoléon jedes Jahr zig Bücher erscheinen, seine Biobibliografie unübersehbar ist, politische und philosophische Debatten befeuert, moderne <a href="https://open.spotify.com/episode/4gkGMsE0RjrWUtXSYr6tR1">Geschichtspodcasts ihm Mehrteiler</a> widmen – blieb von seinem britischen Gegner und sogenannten “Sieger” in der sehr knapp ausgegangenen Schlacht zu Waterloo hauptsächlich der Name dieses Hauptgerichts im Gedächtnis. Naja, immerhin lecker.</p><p>Hier mal eine handgemachte Anleitung aus dem schönen, kalten Québec:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=DJXrlG9moug">https://www.youtube.com/watch?v=DJXrlG9moug</a><p>Und eine aktuelle fleischlose Version:</p><a href="https://www.zuckerjagdwurst.com/de/rezepte/veganes-beef-wellington">https://www.zuckerjagdwurst.com/de/rezepte/veganes-beef-wellington</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils</strong></p><p><strong>Minkmar</strong></p><p>PS: Als kleinen Dank für die vielen, vielen Mitgliedschaften bekommen die treuen Mitglieder des <em>Siebten Tag</em>s heute eine Liste mit meinen Geschenktipps für Weihnachten 2025. Falls Sie die auch gebrauchen können, hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 14 Dec 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Fenster der anderen]]></title>
      <description><![CDATA[Tunnelzeit / Sußebach “Anna” / Dark Hearts 2 / Doku Hannah Arendt / Nigel Slater Jede Saison hat ihre Vorzüge. In der dunklen Tunnelzeit zwischen Mitte November und der…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tunnelzeit / Sußebach “Anna” / Dark Hearts 2 / Doku Hannah Arendt / Nigel Slater</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a8a93bc2-20dc-43be-9c67-6e943f331170/uploads/images/cn3so3zolv/IMG_8876.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Jede Saison hat ihre Vorzüge. In der dunklen Tunnelzeit zwischen Mitte November und der Wintersonnenwende gehört dazu die Möglichkeit, sich erleuchtete fremde Fenster anzuschauen.</p><p>Einen großen Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich mit dem Versuch, nachzuempfinden, wie das Land so tickt und wohin die Reise geht, aber auf abendlichen Spaziergängen durch eine Stadt kommt diese besondere Form der Anschauung hinzu. Während die digitale Welt immerzu mit der Zukunft beschäftigt ist, Politik und Medien ja auch, fällt mir dann etwas ganz anderes auf: Viele wohnen nicht in der Zukunft, nicht einmal in der Gegenwart, sondern in ihrer ganz eigenen Zeit. Manche Fenster sehen immer noch aus wie zu Zeiten meiner Jugend, mit beeindruckenden Zimmerpflanzen, Reispapierlampen, Postern und hellen Bücherregalen. Würden die bei der Sonntagsfrage eher Hans-Jochen Vogel oder Helmut Kohl wählen? Andere könnten die Wohnzimmer der Eltern von Schulfreunden sein: originalgetreu mit Wohnschrankwand, Sternen am Fenster und Kakteen auf der Fensterbank. Bücher, vermute ich, von Willy Brandt, Marcel Reich-Ranicki und womöglich auch Angela Merkel. Wenn dort viel Fernsehen geschaut wird, wäre RTL eine gute Wahl, wo seit Jahrzehnten allabendlich die Show mit Jauch, Gottschalk und Schöneberger läuft, nur die Titel changieren behutsam. Auch die freche Nachwuchskraft Stefan Raab ist hinlänglich vertraut.</p><p>Sich in seiner Wunschzeit einzurichten ist sogar gut für die mentale Gesundheit: Eine Studie hat belegt, dass es mental und körperlich frisch hält, sich ganz in der Umgebung seiner jungen Jahre zu bewegen. Probanden bleiben auch im hohen Alter wacher und fitter, wenn sie die Musik ihrer Jugend hören und unter Gleichaltrigen wohnen können.</p><p>Manchmal bewundere ich vom Bürgersteig aus regelrechte Bühnenbilder, wenn ein kleines Wohnzimmer ochsenblutrot leuchtet, mit einem Bildschirm so groß wie eine Kinoleinwand. Oder Räume, die ganz in tiefes Blau getaucht sind, in denen hohe Kerzen brennen, als würde dort allabendlich irgendein Kostümfilm gedreht, hoffentlich nicht <em>Dracula</em>.</p><p>Andere Interieurs geben mir unlösbare Rätsel auf: Warum lebt man unter einem harten, weißen Licht, das von der Decke knallt? Weißes Licht ist nach meiner Empfindung für die ganz ernsten Momente im Leben reserviert: In einer Notaufnahme, auf der Polizeiwache oder während der Mathearbeit sitzt man unter solch gnadenlosem Licht und freut sich, wenn man heil wieder wegkommt. Auch Zeugen von Nahtoderfahrungen berichten beseelt vom weißen Licht, das sie im Jenseits empfangen hat. Vielleicht haben sie auch deshalb den Rückweg angetreten? In diesem Leben jedenfalls scheint es mir eine Beleuchtung für ganz harte Fälle.</p><p>Nicht zu übersehen ist der Einfluss von Serien, Reality-TV und Instagram, denn in allen Quartieren, gerade auch dort, wo weniger begüterte Menschen wohnen, äußert sich ein wilder Wille zur Gestaltung, ja Inszenierung des Lebens. Die Wohnung wird zum Dreamhome mit Sofalandschaften, Animal-Print-Tapeten und weißem Laminat. Dubai für Normalverdiener, allerdings mit mehr Freiheit. Oder zu einer Höhle, die man sich mit der guten Gesellschaft großer Plüschtiere teilt. Als Katzenfreund bewundere ich es, wenn jemand den vierbeinigen Mitbewohnern bei engem eigenen Platz ganze Catscapes aus Holz, Sisal und Kunstfell zur Verfügung stellt, den Balkon mit Netzen absichert – die Katzen selbst halten das ja für normal, das Mindeste.</p><p>Logischerweise weiß man nicht, was die Leute hinter ihren Fenstern so veranstalten. Mein stets superhöflicher, alleinstehender Nachbar nutzt seine freien Abende für blitzableitermäßige Wutreden, meist gegen den Fernseher und Fußballspieler: <em>Scheiße!</em> brüllt er dann, und wenn es arg kommt: <em>Doppel-Scheiße</em>. Neulich hatte er technischen Huddel, da wetterte er gegen Digital-Scheiße. Es wirkt. Minuten später, im Aufzug, lächelt er wieder milde und geht, wohl parfümiert, in Anzug und Schlips zum Abendessen. <em>Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, Herr Doktor Minkmar.</em></p><p>In der dunklen Jahreszeit kommt der ganze Eigensinn und Spleen im Lande erst so richtig zum Vorschein, es naht ja auch der Weihnachtsmann-Wahnsinn. Dann sehe ich das heutige Deutschland so, wie es im Vergleich mit früheren Jahrhunderten dasteht: ein Paradies mit Postleitzahl. Und in diesen privaten Traumlandschaften die beste Antwort auf die Machtphantasien und Untergangsprophezeiungen der extremen Rechten. Alice Weidel wohnt hier nicht.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In jeder Familiengeschichte gibt es eine unsichtbare Grenze. Irgendwann endet die Periode, aus der noch persönliche Zeugnisse überliefert sind. Ich weiß noch ein bisschen etwas über meine französischen Urgroßeltern, habe sogar noch eine spezifische Erinnerung daran, wie ich meinem Urgroßvater eine halbe Grapefruit an sein Bett bringe. Er war nicht krank, blieb nur gern im Bett. Aber darüber hinaus müsste man Nachforschungen anstellen, denn dann ist man schon in der tiefen Geschichte. So, wie man irgendwann vom Nichtschwimmerbecken ins tiefe Becken gleitet. Der Autor Henning Sußebach hat sich hinausbegeben, um das Leben seiner Urgroßmutter Anna zu rekonstruieren. Sie wurde 1867 geboren und starb 1932. Sie arbeitete als Lehrerin und lebte nach dem Tod ihres ersten Mannes in einer Patchworkfamilie, die damals noch nicht so hieß. Das Buch verfolgt kein kriminalistisches Interesse, es geht nicht um Enthüllungen, sondern um die Spurensuche selbst: Was wissen wir von denen, die vor uns dieses Land bewohnten?</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a8a93bc2-20dc-43be-9c67-6e943f331170/uploads/images/rlb6x22p2s/IMG_8928.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Sußebach bringt dazu sehr viele spannende Anregungen, etwa die Frage, was die Vorfahren so von uns halten würden, die wir gerade durch die zwanziger Jahre des neuen Jahrhunderts schlingern. Auch der historische Kontext ist interessant: In der Jugend Annas hat das Deutsche Reich nur 48 Millionen Einwohner, und nur fünf Prozent der Bevölkerung sind älter als sechzig. So gelingt ihm ein ansprechendes, inspirierendes und ganz und gar singuläres Buch, das sich übrigens auch sehr gut verschenken lässt. Anna ist eine Pionierin, denn auch uns geht es einmal so wie ihr heute.</p><p>Eines Tages werden neue Menschen unsere Wohnungen, Straßen und Städte bewohnen, vielleicht nachforschen, was wir in all den Mails eigentlich sagen wollten, und sich wundern, wie merkwürdig wir waren. So mit der Zukunft beschäftigt, dass wir gar nicht auf den Gedanken kamen, dass wir auch ferne Vergangenheit sein werden.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Eine solche Serie wäre aus Deutschland nicht vorstellbar. In <em>Dark Hearts</em> geht es um französische Spezialkräfte im Daesh-Gebiet. Jede Menge Action-Szenen, Explosionen und Schusswechsel, aber auch ihre privaten Sorgen und politischen Probleme kommen zur Sprache. Es ist keine Serie der allerersten Güte, manchmal zieht sich die Sache, dann folgt man sehr lange einer Autofahrt oder schaut einem Einsatzhund beim Einsatz zu. Das ist besonders lustig, wenn man das Programm mit Katzen schaut: Sie scheinen heimlich zu lachen über so einen Hund in Stiefeln, der sich für Menschen abrackert. </p><a href="https://www.amazon.de/gp/video/detail/B0B6H2H6MG/ref=atv_dp_season_select_s2">https://www.amazon.de/gp/video/detail/B0B6H2H6MG/ref=atv_dp_season_select_s2</a><p>Kein Vergleich mit <em>Le Bureau des Légendes</em> oder <em>Fauda</em>, obwohl hier von beiden Meisterserien freimütig, sagen wir: zitiert wird. Dennoch gelingt es der ganzen Sache irgendwann, Fahrt aufzunehmen, und dann fällt es schwer, die Episoden zu beenden, obwohl es schon so spät ist. Andererseits ist es draußen ja eh dunkel.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Dafür, dass sie ein so bewegtes Leben hatte, so oft angefeindet wurde, erfreut sich Hannah Arendt eines erstaunlich versöhnten, universellen Nachruhms. Den einen war sie nicht links genug, den anderen zu kritisch gegenüber Israel – aus meiner Jugend kenne ich eigentlich nur die Kritik oder sagen wir ruhig das Gemecker an Arendt. Heute hat es sich geändert: Wenn sie zitiert wird, fällt die Klappe. Aber ihre Bücher werden nicht mehr so richtig studiert, allenfalls das Gespräch mit Günter Gaus ist noch leicht auf YouTube verfügbar. Wer also mehr von ihr wissen möchte, als auf den Zitatkacheln so steht, kann sich nun den langen und gründlichen Dokumentarfilm von Chana Gazit und Jeff Bieber ansehen:</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/dokumentation-und-reportage/hannah-arendt-denken-ist-gefaehrlich/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyODM0NzI">https://www.ardmediathek.de/video/dokumentation-und-reportage/hannah-arendt-denken-ist-gefaehrlich/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyODM0NzI</a><hr aria-hidden="true"/><p>Bekanntlich ist die Welt verrückt geworden, aber es gibt auch noch gute Nachrichten: In der französischen Gastronomie geht der Trend zurück zu langen Spießen, auf denen Hühner und andere Tiere gegart werden. Sehr festlich.</p><a href="https://www.lemonde.fr/m-styles/article/2025/12/04/rotir-a-la-broche-une-cuisson-a-la-mode_6656016_4497319.html">https://www.lemonde.fr/m-styles/article/2025/12/04/rotir-a-la-broche-une-cuisson-a-la-mode_6656016_4497319.html</a><p>Wer fleischlos glücklich wird, kann sich folgenden Vorschlag widmen, eine sonnige Sache mitten in der Tunnelzeit.</p><a href="https://www.theguardian.com/food/2023/feb/12/nigel-slaters-recipes-for-aubergine-lemon-and-parsley-couscous-and-for-pear-walnuts-and-gorgonzola">https://www.theguardian.com/food/2023/feb/12/nigel-slaters-recipes-for-aubergine-lemon-and-parsley-couscous-and-for-pear-walnuts-and-gorgonzola</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p>ihr<br/><strong>Nils Minkmar</strong></p><p><strong>PS:</strong> Nach langer Zeit habe ich den Tarif der Mitgliedschaften, die mir helfen, die Arbeit an diesem Newsletter zu finanzieren, leicht angehoben. Wer dennoch gerne dabei sein möchte, hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 07 Dec 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die große Entschuldigung]]></title>
      <description><![CDATA[Der Preisträger der Académie de Berlin wird am Vorabend der Preisverleihung zum Abendessen in die französische Botschaft eingeladen, das ist die Tradition. Am…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b0e5ff64-fd3c-46a6-bb6b-a41e45ebda04/uploads/images/dvt6nd37hv/IMG_8838.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Preisträger der <a href="https://www.academie-de-berlin.de/">Académie de Berlin</a> wird am Vorabend der Preisverleihung zum Abendessen in die französische Botschaft eingeladen, das ist die Tradition. Am Montagabend war also Daniel Cohn-Bendit der Ehrengast am Tisch von François Delattre. Gleich zu Beginn erklärte Dany, er sei ja 1968 von Charles de Gaulle aus Frankreich ausgewiesen worden, und nun sehe er in dieser Essenseinladung die offizielle Entschuldigung der Republik. Die nahm er gerne an, das Diner war wie immer hervorragend.</p><p>Die politischen Gespräche eher ernst. In der Momentaufnahme dieses Winters tun sich Europa und die offene Gesellschaft schwer. Dany suchte und fand Gründe, nicht zu verzagen: Trump werde die Midterms verlieren. Europa schafft es immer wieder, die Pläne Putins zu durchkreuzen. Und selbst ein Sieg von <em>Rassemblement National</em>-Kandidat Jordan Bardella in Frankreich sei kein Weltuntergang. Der Euro, aus dem auch Bardella nicht aussteigen möchte, bilde einen stabilen politischen Rahmen, der vor den schlimmsten Auswüchsen schützt.</p><p>Gesine Schwan improvisierte eine Rede auf den Mann, den sie seit 1969 kennt, und entwickelte einen spannenden Gedanken. Sie fragte, warum sie sich bei den politischen Urteilen und Äußerungen Cohn-Bendits immer sicher fühlt. Nie befürchtet, dass er abdriftet, extrem wird oder sonstwie durchdreht. Diese, ihre Sicherheit, basiere auf seiner immensen Freiheit. <em>Meine Sicherheit gründet auf der Freiheit des anderen.</em> Faszinierendes Konzept.</p><p>Cohn-Bendits Humor und Charisma entfalten sich auch nach der Preisverleihung. Während die meisten der letzten französischen Premierminister völlig unbehelligt durch Berlin laufen könnten, wurde Dany gleich von Autogrammjägern, alten Weggenossen und französischen Touristen angesprochen, posierte geduldig und fröhlich.</p><p>In meiner Laudatio hatte ich die Episode erzählt, als er 1968, nach der Ausweisung, in Saarbrücken über die grüne Grenze wieder zurück nach Frankreich wollte und viele Studierende, darunter meine Eltern, ihm zurückhalfen. Beziehung&gt;sweise mein Vater, meine Mutter musste zu ihrem Bedauern irgendwann retour, um mich abzuholen.</p><p><em>Bigger picture:</em> Unweit vom Ort der Preisverleihung standen einmal die Schreibtische der mächtigsten Männer Europas, die alle Juden, auch Cohn-Bendits Eltern, zum Tode verurteilt haben. Heute sitzt der zweite Sohn von Herta und Erich Cohn-Bendit hochgeehrt in der Akademie der Künste, flaniert durch Berlin, während „Nazi“ auf der ganzen Welt als Beleidigung gilt.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Am vergangenen Donnerstag hätte er seinen hundertsten Geburtstag gefeiert, viel fehlte nicht. Er war bis zuletzt sehr fit und fest entschlossen, nicht zu früh zu sterben. Der Sohn, den er im fortgeschrittenen Alter bekommen hatte, starb schon vor ihm an Krebs. Lanzmann hatte ein intimes, wenn auch feindseliges Verhältnis zum Tod. Er war beim Einmarsch der Deutschen und in der Zeit Pétains ein jüdischer Junge, übte schon in früher Kindheit, in Windeseile aus dem Tiefschlaf von seinem Bett in das Versteck zu gelangen, das sein Vater am Ende des Gartens ausgehoben hatte – wenn sie kommen, um die Familie zu ermorden. Ein Leben lang kämpfte er gegen die Todesstrafe, bedrängte zusammen mit Simone de Beauvoir jeden französischen Präsidenten, im entscheidenden Augenblick eine Begnadigung zu erlassen – oft genug vergeblich.</p><p>Seine Autobiografie <em>Der patagonische Hase</em> ist unbedingt zu empfehlen, ein unglaubliches Buch. Ich habe es rezensieren dürfen, hymnisch besprochen und als zentrales Buch über das zwanzigste Jahrhundert bezeichnet. Lanzmann verdrehte mein Zitat nur ein wenig und erklärte: „Die <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em> hält mein Buch für das wichtigste Buch des zwanzigsten Jahrhunderts.“</p><p>Im Jüdischen Museum Berlin eröffnet dieser Tage eine wichtige Ausstellung:</p><a href="https://www.jmberlin.de/ausstellung-claude-lanzmann-die-aufzeichnungen">https://www.jmberlin.de/ausstellung-claude-lanzmann-die-aufzeichnungen</a><p>Die Treffen mit ihm waren beides: Höhepunkte und Tiefpunkte in der Geschichte meiner Arbeit. Manchmal reiste man mit ihm durch die Zeiten, dann wieder saß man auf der Bühne neben ihm und nichts ging. Jede Frage und sogar den Whisky – nur schottischen, keinen amerikanischen oder umgekehrt – ließ er dann zurückgehen wie ein Kind im Wutanfall die Pfannkuchen. Später, als der Saal sich schon leerte, schaute er zu Boden und entschuldigte sich leise: „Ich weiß wieder nicht, was in mich gefahren ist.“</p><p>Irgendwann hatte er sich in den Kopf gesetzt, dass ich Jude sei. Ausreden ließ er sich das nicht: „Ich spüre so etwas ganz genau und irre mich nie!“ Je ne me trompe jamais!</p><p>Sein Freund Bernard-Henri Lévy verdrehte nach solchen Sprüchen spöttisch die Augen. Er sponserte Lanzmann eine Weile lang, half ihm auch immer wieder mit gutem Rat aus heiklen Situationen. Einmal war Claude Lanzmann, schon betagt, am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv in Schwierigkeiten geraten, hatte sich dem weiblichen Personal gegenüber respektlos verhalten. BHL rief ihn an und beschwor ihn, ja keinen Aufstand zu machen, sich nicht aufzuregen, sondern zu entschuldigen und seine dumme Lage nicht durch Sprüche zu verschärfen.</p><p>BHL zuckte mit den Schultern: „Il se prend pour le roi.“ Er hält sich für den König.</p><p>War er auch.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/117204-000-A/ich-hatte-nur-das-nichts/">https://www.arte.tv/de/videos/117204-000-A/ich-hatte-nur-das-nichts/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Die Äußerungen der Präsidentin des Lobbyvereins Die Familienunternehmer, Marie-Christine Ostermann, zum Ende der Brandmauer gegen die AfD machen ein Buch wieder aktuell, das sich mit den Verstrickungen deutscher Unternehmerdynastien in der NS-Zeit beschäftigt. Allein die schräge Geschichte von Magda Quandt und Joseph Goebbels lohnt immer wieder die Lektüre, aber es steckt ohnehin voller staunenswerter Einblicke. Bemerkenswert ist auch, wie lange die Familie Quandt es erfolgreich vermieden hat, sich der Geschichte zu stellen und eine wissenschaftliche Aufarbeitung zuzulassen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b0e5ff64-fd3c-46a6-bb6b-a41e45ebda04/uploads/images/kv7wgursln/IMG_8882.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Denn es ist ja so, dass der Erfolg der deutschen Wirtschaft nach 1945 auch auf dem demokratischen Versprechen <em>Nie wieder!</em> beruhte. Deutschland wurde Exportweltmeister, ist weltweit gut angesehen – aber eben unter dem Vorbehalt, dass Faschismus und Nationalsozialismus hier keine Chance mehr haben. Die AfD relativiert und verharmlost diese Episode und plant Remigrationen. Darum ist eine Distanz zu dieser rechtsextremen Partei gerade für deutsche Wirtschaft essentiell.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Wer die britischen Medien verfolgt, hat die große Erschütterung und Trauer nach der Nachricht vom viel zu frühen Tod der visionären Slow-Food-Köchin Skye Gyngell mitbekommen. Ein besonderes Anliegen war es ihr, Küchenkompetenz bei normalen Menschen zu stärken, den Nachwuchs zu fördern und zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung beizutragen. Ziele, die nichts von ihrer Relevanz eingebüßt haben. Als kleine Hommage hier ein geniales, saisonales Rezept, das ich heute auch zuzubereiten plane.</p><a href="https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2016/sep/16/pot-roasted-chicken-with-butternut-squash-and-sage-skye-gyngell-a-taste-of-home">https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2016/sep/16/pot-roasted-chicken-with-butternut-squash-and-sage-skye-gyngell-a-taste-of-home</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Noch fünfhundert Anmeldungen mehr, dann lesen Woche für Woche zehntausend Menschen diesen Newsletter. Wahnsinn. Danke. Auch für die vielen Mitgliedschaften. Wenn Sie auch Mitglied werden möchten und mir helfen, die Arbeit am <em>Siebten Tag</em> fortzusetzen, dann können Sie das hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 30 Nov 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Frust mit der Frist]]></title>
      <description><![CDATA[Jahresendpanik/Petra Kelly Doku/Jodie en français/Siepmann Sprachbuch/ Carrère und Beigbeder/Exil-Bresse Gestern fielen mir an unterschiedlichen Orten Fahrzeuge auf, die…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Jahresendpanik/Petra Kelly Doku/Jodie en français/Siepmann Sprachbuch/ Carrère und Beigbeder/Exil-Bresse</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/26e5b9db-7629-41b2-8122-32e0427a4ef2/uploads/images/c7qccyi6ag/IMG_1749.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Gestern fielen mir an unterschiedlichen Orten Fahrzeuge auf, die mit einem wirklich verrückten Tempo durch die Stadt fuhren, als wäre Godzilla hinter ihnen her. Am Steuer saßen Rentner, junge Frauen oder Männer, es war der Ausdruck des seltsamen Gefühls von auslaufender Sanduhr, wie es sich ja gerne mal zum Jahresende einstellt.</p><p>Nichts als Countdowns: Der Adventskalender ist ein Abzählspiel, jede zweite Website zählt die Sekunden bis Black Friday und bald beginnt der Zeitdruck mit den Paketen, die noch bis zum 24.12. beim Beschenkten ankommen sollen ( Servicehinweis: Eine Mitgliedschaft beim Siebten Tag oder ein Ticket für die Deutschlandreise von Was bisher geschah lassen sich auch digital verschenken)</p><p>An unserem Kühlschrank hängt der SZ-Jahreskalender, vom laufenden Jahr sind nur noch wenige Zentimeter übrig und der neue Kalender liegt schon im Regal. Alle wollen sich noch mal treffen, etwas abschließen oder vorbereiten – bevor, so scheint, mit dem Kalenderjahr auch die Zeit an sich endet.</p><p>Politisch kann man diese Empfindung gut nachempfinden, denn der Jahreswechsel illustriert gnadenlos, dass die Zeit schneller vergeht als Lösungen nachwachsen. Auch Trump, mit allen Tricks des Verkaufens vertraut, setzt die Ukraine mit sachfremden Deadlines unter Zugzwang. So führt uns der Krieg in der Ukraine die Abhängigkeit Europas vor Augen. Bald beginnt das vierte Kriegsjahr und trotz aller Sonntagsreden hat es viel zu lange gedauert, bis Russland energisch entgegen getreten wurde. Macron verspricht der Ukraine nun Kampfflugzeuge, aber gleich zu Beginn des Überfalls oder besser noch vorher, zur Abschreckung, wäre der bessere Zeitpunkt gewesen. Deutschland hat sich in der ganzen Zeit auch nicht mit Ruhm bekleckert. Viel zu lange dauerte es, bis jemand aus der Bundesregierung nach Kyiv reiste, bis die Schattenflotte Russlands gestoppt wurde. Das deutsche Haus und die russische Botschaft in Berlin sind weiterhin im Sinne Putins aktiv. In Krisenzeiten wie in diesen Tagen werden supranationale Institutionen gebraucht und gehört, der Nato-Generalsekretär und die EU-Kommission sind deutlicher und entschiedener als die nationalen Regierungschefs.</p><p>Die Zeit ist weder der deutschen Regierungskoalition gewogen noch dem fragilen französischen Exekutivexperiment. Man wird ganz schwindelig bei dem Gedanken, dass diese kurzatmigen, von Pleiten Pech und Pannen geplagten Amtszeiten sich noch jahrelang hinziehen sollen. Deren mangelnde politische Basis, die fehlende Begeisterung und nur lauwarme Zustimmung erklärt sich für mich aus fehlenden Zukunftsentwürfen oder Plänen.</p><p>Die Parolen der extremen Rechten finden auch deshalb so ein Echo, weil es in den anderen Lagern so still ist. Luisa Neubauer hat zurecht in Frage gestellt, ob es besonders weise ist, mit hohen Schulden fossile Industrien zu finanzieren, statt konsequent auf nachhaltige Produktion zu setzen. Aber die Bundesregierung agiert getrieben, nicht gestaltend. Der Herbst der Reformen kam und ging - warum hat man den überhaupt angekündigt, wenn dann doch nichts vorbereitet war?</p><p>Vielleicht stehen hinter dem großen Zaudern, der unsicheren Beobachtung der verrinnenden Zeit auch ungelöste Machtfragen: Es gibt einfach viel mehr Rentnerinnen und Rentner unter den Wählern als junge Leute. Zumutungen sind da nicht mehr so gerne gesehen. Mein Wohnort hatte vor einigen Jahren über den Bau einer dringend benötigten Straßenbahn abzustimmen - hier stehen eigentlich dauernd alle im Stau, denn es fahren zu viele Autos für die alte Stadt. Busse stehen auch im Stau, Fahrrad ist sehr gefährlich.</p><p>Eine Tram wäre also die beste Lösung, aber die Baustelle würde sich natürlich lange hinziehen,Lärm und Sperrungen verursachen. Also ging der Bürgerentscheid im Sinne des ewigen status quo aus, des morgendlichen Staus und des Parkplatzsuchverkehrs.</p><p>Ich muss manchmal an den COP15 Gipfel in Kopenhagen denken, als man dringlich über Erderwärmung diskutierte. Von den Zusagen der westlichen Länder, damals mit viel Drama und Theatralik inszeniert, ist nicht genug übrig geblieben. China hatte einen bescheidenen Stand. Der oberste Unterhändler lief mehr oder weniger ohne Begleitung durch die Hallen. Wenn er etwas verkünden wollte, gab es keine aufwändige Pressekonferenz, er verteilte DIN A 4-Zettel mit schlichtem Briefkopf. Damals glaubte kaum jemand daran, dass ausgerechnet dort der Pfad in Richtung nachhaltiger Energie eingeschlagen und gehalten würde, aber so kam es. Der Spiegel schreibt: “Im ersten Halbjahr 2025 wurden in der Volksrepublik laut einem Bericht des Analysehauses Wood Mackenzie neue Solarkraftwerke mit einer Spitzenleistung von insgesamt gut 212 Gigawatt (GW) in Betrieb genommen – also ungefähr der doppelten Kapazität der in Deutschland nach und nach über die vergangenen 25 Jahre hinweg installierten.”</p><p>Die Lösung kann nicht darin bestehen, die Marktwirtschaft und die Demokratie aufzugeben, um Klimaziele, innovative Wirtschaftsbranchen und Zukunftspolitik zu fördern, aber über die Ursache der Dauerkrisen, die ganz Europa erleidet und bestaunt, reden - das müsste man schon: Die Regierungen europäischer Nationalstaaten rutschen von einer Krise in die andere, reden sich selbst schlecht und geben mangels politischen Kapitals jeden Plan für die Zukunft auf. Vielleicht probiert man es mal umgekehrt. Zeit für große Vorhaben ist jedenfalls da, nach wie vor. Das ist ja der Witz mit der Zeit: Nach diesem Jahr kommt ein frisches neues, nach dem siebten Tag der achte. Zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens haben wir alle Zeit der Welt.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Durch völligen Zufall bin ich beim Zappen in diese Doku von Doris Metz über das Leben von Petra Kelly, der Mitgründerin der Grünen, geraten. Ich hatte zwar noch präzise, eher gemischte Erinnerungen an Kelly, aber ewig nicht mehr an sie gedacht. Damals war ich im Fanclub Peter Glotz und leicht genervt vom Pathos, mit dem Kelly nach meiner Erinnerung arbeitete.</p><p>Erst als ich den immer interessanten Lukas Beckmann hörte, auch Otto Schily und Joseph Beuys, ließ ich mich auf die Sache ein – es war eine faszinierende Reise in eine offenere politische Landschaft, mit neuen Methoden und neuen Gesichtern. Ich hatte auch die Umstände ihrer Ermordung vergessen, dass ihr Mörder und Lebensgefährte Gerd Bastian vielleicht eine Stasi-Enthüllung zu befürchten hatte. Es ist keine Dokumentation, die man leichten Herzens oder mit einem klaren Urteil beendet, zu viele Wege führen von den hier behandelten Themen und Lebensläufen in unsere heutige Gegenwart, jede Menge verpasster Abzweigungen leider auch.</p><p>So ermüdend einfallslos, wie unsere Politik derzeit erscheint, hätte es nicht sein müssen.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/101372-000-A/petra-kelly-act-now/">https://www.arte.tv/de/videos/101372-000-A/petra-kelly-act-now/</a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/26e5b9db-7629-41b2-8122-32e0427a4ef2/uploads/images/ebeqxdpp35/IMG_8801.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Spracherwerb ist nach wie vor ein großes Thema in der schwierigen Gestaltung der deutsch-französischen Partnerschaft. Die üblichen Lehrbücher habe ich jedenfalls nicht in besonders gter Erinnerung. Einmal kaufte Maman Dupont für einen Kindergeburtstag mit zehn Kindern eine Flasche Orangensaft, eine einzige. Solche Szenen warfen Fragen auf, die den Lernstoff überschatteten.</p><p>Der Osnabrücker Romanist Dirk Siepmann hat nun ein zeitgemäßes und sehr unterhaltsames Buch über die gesprochene, gesungene und regional so unterschiedliche französische Sprache geschrieben. Es geht um den Wandel der Sprache, um Redewendungen, Manierismen und Zitate – ein guter Stadtplan, um sich in der manchmal komplizierten und dynamischen französischen Sprachpraxis nicht zu verlaufen. Darin findet sich auch eine witzige Darstellung der Fähigkeiten und Grenzen von Chat GPT - einer Anwendung, der ich neulich entnahm, dass zu den großen innenpolitischen Rivalen von Otto von Bismarck ein gewisser Willy Brandt zählte.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In der vorvergangenen Woche war mein Geburtstag - auch auf diesem Weg herzlichen Dank für all die guten Wünsche - und vor wenigen Tagen hatte auch Jodie Foster Geburtstag. Sie macht ja immer mal etwas Neues. In diesem Jahr hat sie ihre erste Rolle in einem rein französischen Film – Vorfreude ist gestattet!</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=KpzA_iXOsSI&amp;t=449s">https://www.youtube.com/watch?v=KpzA_iXOsSI&amp;t=449s</a><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Nun hat es mit dem Prix Goncourt für Emmanuel Carrère doch nicht geklappt. Mich hat das nicht erstaunt, denn sein Buch ist eher eine Familienchronik als ein Roman, die der Goncourt nun mal auszeichnet- und ich finde, Carrère ist ein besserer Journalist als ein Romancier, aber dennoch lese ich <em>Kolkhose</em> mit Vergnügen. Die unablässige Werbetour Carrères war allerdings schwer auszuhalten - er war einfach überall, in jedem französischen Medium und jeder Buchhandlung. Manchmal wirkt die französische Öffentlichkeit, als gäbe es nur ein Thema, nur einen Menschen.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Jswou6es9JQ">https://www.youtube.com/watch?v=Jswou6es9JQ</a><hr aria-hidden="true"/><p>In der vorigen Woche hatte <a href="https://feeds.acast.com/public/shows/68935df5eef665d629ba5e4c">Was bisher geschah</a> einen Auftritt im Podcastfestival im Bremer Universum, es war sehr schön. Da ein Teil meiner Familie aus Bremen stammt, hatte ich das Glück, meinen munteren Onkel Ingo zu begrüßen und später auch meine Cousine Lisa und ihren Partner. Sie arbeitet in einer spannenden Tierzuchtsinitative die sich um die Aufzucht von Bressehühnern am Niederrhein verdient macht. Das sind dann keine Bressehühner mehr, denn die Vögel dürfen sich nur in der Bresse so nennen, aber lecker sind die Exil-Bresse dennoch. Und das beste, die Website hat auch Rezepte:</p><a href="https://brudertier.bio/bruderhahn/rezepte/coq-au-vin">https://brudertier.bio/bruderhahn/rezepte/coq-au-vin</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Noch einige  Anmeldungen mehr, dann lesen Woche für Woche zehntausend Menschen diesen Newsletter. Wahnsinn.Danke. Auch für die vielen Mitgliedschaften. Wenn Sie auch Mitglied werden möchten und mir helfen, die Arbeit am siebten Tag fortsetzen zu können, dann können Sie das hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 23 Nov 2025 07:00:02 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zwei Ponies]]></title>
      <description><![CDATA[Steinmeiers Rede/Wickert Politthriller/In the Dark/Scorsese/Ottolenghi Beans Die Älteren mögen sich noch an den vergangenen Sonntag erinnern. Es war der neunte November…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Steinmeiers Rede/Wickert Politthriller/In the Dark/Scorsese/Ottolenghi Beans</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b220c262-6048-49e4-b860-488a654cb243/uploads/images/22nglqpoem/IMG_8741.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Älteren mögen sich noch an den vergangenen Sonntag erinnern. Es war der neunte November und der Bundespräsident hielt eine <a href="https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2025/11/251109-9-November-Matinee.html">Rede.</a></p><p>Frank-Walter Steinmeier hatte sich etwas besonderes vorgenommen, nämlich über die Bedrohung durch die extreme Rechte zu sprechen. Damit drang er auch durch, aber nur zu einem Spektrum der Öffentlichkeit: rechtsdrehende Medien, die AfD und die Berliner Zeitung regen sich seitdem auf. Der Rest der Republik zuckt mit den Schultern. Jeder hat so seine Meinung zu Steinmeier und die überlagert leider alles, was der Mann sagt.</p><p>Aber sogar diese Warnung? Das Amt ist so kompliziert, äußert sich aus den bekannten historischen Gründen so gefiltert, katalysiert und schallgeschützt. Jedes Wort jeder Rede wird gewogen, geprüft und begutachtet – ein politischer TÜV verhindert, dass der erste Mann im Staat auf dumme Gedanken kommt und - frei nach Charles de Gaulle - im fortgeschrittenen Alter noch eine Karriere als Diktator beginnt. Manchmal frage ich mich, wie ein Bundespräsident es anstellen müsste, um aufgrund horrender Erkenntnisse einen wirklichen Alarmruf abzusetzen. Vermutlich klänge das genau so:</p><p><em>“Nie in der Geschichte unseres wiedervereinten Landes waren Demokratie und Freiheit so angegriffen. Bedroht durch einen russischen Aggressor, der unsere Friedensordnung zertrümmert hat, und gegen den wir uns schützen müssen. Und aktuell bedroht durch rechtsextreme Kräfte, die unsere Demokratie angreifen und an Zustimmung in der Bevölkerung gewinnen. Einfach abzuwarten, dass der Sturm vorbeizieht und solange in sichere Deckung zu gehen, das reicht nach meiner Überzeugung nicht. Zeit zu verlieren haben wir nicht. Wir müssen handeln.”</em></p><p>Die Nachrichten geben ihm recht, allein in der letzten Zeit: Die GSG9 stoppte jetzt einen potenziellen Täter, der im Darknet Mordaufträge gegen Politiker ausschrieb. Im Zuge der geplanten Entführung von Karl Lauterbach wurde das Büro eines AfD-Stadtrats in Ilmenau in Thüringen durchsucht.</p><p>Oft sind es ganze Gruppen, die Entführungen, Attentate und Morde planen. Viele Prominente, die sich gegen Rechtsradikalismus engagieren und alle jüdischen Gemeinden berichten von einer dramatisch verschärften Bedrohungslage. Sie schmieden Pläne, um Deutschland zu verlassen. Oft steht nur noch die Polizei zwischen rechtsradikalen Plänen und Todesopfern, aber so ein Erfolg ist ja immer auch Glückssache. Oft genug ging es schief. Man berichtet darüber, als würde es sich um eine Serie von Einzelfällen handeln, dabei ist das Muster erkennbar und bedrohlich. Davon sprach Steinmeier. Aber die Berichterstattung über Schloss Bellevue bleibt ganz auf den Sprecher, auf innerpolitikbetriebliche Aspekte fixiert. Man wartete darauf, dass der Bundespräsident das AfD-Verbot verlangt oder am besten gleich verhängt. Das war allerdings eine falsche Erwartung. Steinmeier ist ein vorsichtiger Mann und mit so einer Forderung würde der Bundespräsident den Vorgarten sowohl der Gerichte als auch des Parlaments umgraben, so etwas ist von ihm nicht zu erwarten. Was er stattdessen gemacht hat und weswegen sich die Rede nach zu hören lohnt, ist viel umfassender und wirksamer, nämlich eine Entfaltung des Bürgerbegriffs.</p><p><em>“Extremisten tragen Feindschaft in das soziale Leben und zerstören das Vertrauen in der Gesellschaft – bürgerliche Politik baut Vertrauen auf und stiftet Zusammenhalt. Extremisten setzen auf Spaltung – bürgerliche Politik arbeitet an demokratischen Bündnissen. Extremisten weichen aus, wenn es um machbare Lösungen geht – bürgerliche Politik ist darauf gerichtet, das Leben der Menschen zu verbessern. Extremisten hetzen gegen Europa – bürgerliche Politik bemüht sich, Europa zusammenzuhalten. Rechtsextremisten hängen einer völkisch-autoritären, im Kern menschenfeindlichen Ideologie an – bürgerliche Politik achtet das Individuum, seine Würde und Freiheit. Extremistisch und bürgerlich: Das geht nicht zusammen, das sind elementare Gegensätze.”</em></p><p>Er formuliert also Kriterien, mit denen sich bürgerliche Parteien abgrenzen können von der AfD - sie funktionieren übrigens auch bei der Beurteilung der Frage, ob man Vertreter dieser Truppe in eine Sendung einladen soll. Ob man sich solch einen Auftritt ansieht, oder eben umschaltet. </p><p>Die Frage, was diese Leute als nächstes vorhaben und wie man sie stoppen könnte, ist schwierig und Steinmeier hat sie uns nicht leichter gemacht. Unser Gehirn ersetzt solche schwierigen Fragen trickreich - Daniel Kahneman hat das beschrieben - durch Fragen, die wir leichter finden und darum lieber beantworten, zum Beispiel: Was halte ich so von Frank Walter Steinmeier. Leider geht es darum nicht.</p><p>Man kann sich den Bundespräsidenten anders wünschen, als Kennedy oder Obama, aber diese Auswahlmöglichkeit gibt es nun mal nicht. Mich erinnert das an eine Stelle in den Peanuts. Das kleine rothaarige Mädchen schwärmt Charlie Brown davon vor, wie schön es wäre, zusammen auszureiten. Charlie kommt also frustriert nach Hause, stellt sich vor die Hundehütte und macht Snoopy Vorwürfe: Warum bist du nicht zwei Ponies?</p><p>Wenn es schief läuft, (die einzig gute Nachricht für die SPD derzeit ist, dass Demoskopen keine Minuswerte messen, tiefer als einstellig geht’s also nicht ) ist Frank-Walter Steinmeier der letzte sozialdemokratische Bundespräsident dieser Republik. Man sollte hinhören.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Es sind keine Zeiten, in denen man gerne im Netz unterwegs ist, weder auf den Nachrichtenseiten noch in sozialen Netzwerken. Es ist zugleich verwirrend und repetitiv, dazu die billig gemachten, nervtötenden Anzeigen von Outbrain – eine lange, tägliche Pause vom digitalen Zirkus ist unbedingt angeraten – natürlich erst nach der Lektüre dieses Newsletters! Aber digital detox ist nicht gleichbedeutend mit der Tyrannei der Innerlichkeit, Schweigegelübde und Kräutertee. Gerade für die langen Nachmittage und Abende im Winter wurden ja Bücher erfunden – benötigen keinen Strom und erfreuen den Geist. Ich erfreue mich derzeit am neuen Politthriller von Ulrich Wickert.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b220c262-6048-49e4-b860-488a654cb243/uploads/images/5cajrvuul4/IMG_8746.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Untersuchungsrichter Jacques Ricou und seine Freundin Margaux haben es mit einem komplexen Fall aus Korruption, Krypto-Geschäften und internationalen Dunkelmännern und -frauen zu tun. Wie immer basiert die unglaubliche Story auf echten französischen Skandalen, daneben gibt es stimmungsvolle Ausflüge ins Viertel Belleville, in die Normandie und diverse Bistros, Restaurants und Cafés. Besser kann man seine Lesezeit nicht verbringen, bis die Reisesaison wieder beginnt und man dem Richter nachreisen kann, ins Café de la Mairie an der Place Saint-Sulpice in Paris beispielsweise.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Zu meinen Lieblingspodcasts zählt die Serie <em>In the Dark</em> des New Yorkers – bei den Texten des Magazins habe ich derzeit ehrlich gesagt eine sentimentale Flaute, nichts begeistert mich mehr so richtig. Aber In the Dark ist etwas anderes, eine Ermittlung in hoffnungslosen, vergessenen und korrumpierten Kriminalfällen. In der aktuellen Staffel geht es um einen Fall aus dem Jahr 1986. Damals wurden die Leichen einer ganzen Familie in einem verschlossenen Herrenhaus entdeckt. Verurteilt wurde der Bruder, der, so legt es die Ermittlung nahe, seit vierzig Jahren unschuldig im Gefängnis sitzt.</p><a href="https://www.newyorker.com/podcast/in-the-dark/trailer-blood-relatives">https://www.newyorker.com/podcast/in-the-dark/trailer-blood-relatives</a><p>Wurde er Opfer des <a href="https://open.spotify.com/episode/62XMdbphpEkSOOGLSGZIjK?si=ttD1zZ3lSGGZX73VTLYMkg">“Agatha Christie-Syndroms”</a>, das Ermittler dazu verleitet, besonders originellen Täter-Hypothesen Vorrang zu geben, naheliegenden Erklärungen aber zu misstrauen? Dieses Syndrom wird hier jedenfalls diskutiert. Juristisch gelöst wird der Fall nicht, man darf und soll selbst weiter denken.</p><p></p><hr aria-hidden="true"/><p>Ist der Mensch gut oder böse? Bist Du, bin ich gut oder böse? Bei Martin Scorsese gibt es keine sanfte Einleitung, kein Abholen des Publikums und keinen Schonwaschgang, es geht voll auf die Zwölf.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=lAK0e5wsa64">https://www.youtube.com/watch?v=lAK0e5wsa64</a><p>In einer tollen, vierteiligen Dokumentation derzeit zu sehen auf Apple TV kann man sich zu den Ursprüngen und Motiven seines einzigartigen Werks vorarbeiten. Schade, dass es keinen Nobelpreis für Filme gibt, Scorsese hätte ihn gleich mehrfach verdient. Ziemlich lustig ist es auch. Einmal geht es um die neue Angewohnheit von Robert de Niro, seinen Freund Martin grundlos anzurufen, abends, und ihm eine gute Nacht zu wünschen. Sie sehen sich allerdings nach wie vor jeden Tag und Scorsese fragt sich, was der Unsinn der abendlichen Anrufe plötzlich soll.</p><p><a href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/kino/jodie-foster-film-kino-hollywood-titanic-minkmar-92025?reduced=true">Jodie</a> kommt natürlich auch vor, Ehrensache.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Zu meinen frühesten und eindrücklichsten Kindheitserinnerungen zählt eine Verwechslung: ich wollte in der Küche Tomatenmark essen, eine süße Sache, erwischte aber die bunte Tube mit Harissa. Echtes Erweckungserlebnis. Den guten, roten Stoff gibt es auch im Winter, daher könnte man mal dieses Rezept versuchen:</p><a href="https://www.theguardian.com/food/2025/nov/03/harissa-recipes-stewy-chickpeas-squash-braised-chicken-apricots-samin-nosrat">https://www.theguardian.com/food/2025/nov/03/harissa-recipes-stewy-chickpeas-squash-braised-chicken-apricots-samin-nosrat</a><p>Die fleischlose Variante kommt heute als Teil der nationalen Kampagne, um den Verzehr von Bohnen in UK bis 2028 zu verdoppeln. Warum auch nicht.</p><a href="https://www.theguardian.com/food/2025/nov/05/magic-beans-the-protein-rich-superfood-in-a-potful-of-top-chefs-recipes">https://www.theguardian.com/food/2025/nov/05/magic-beans-the-protein-rich-superfood-in-a-potful-of-top-chefs-recipes</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: In der letzten Ausgabe habe ich den Namen des ohnehin schon komplett vergessenen Ophelia-Malers noch mal weiter verkehrt, falsch geschrieben und verwüstet, désolé. Also: Karl Friedrich Wilhelm Theodor Heyser hieß der Mann.</p><p>PPS: Noch einige wenige Anmeldungen mehr, dann lesen Woche für Woche zehntausend Menschen diesen Newsletter. Wahnsinn.Danke. Auch für die vielen Mitgliedschaften. Wenn Sie auch Mitglied werden möchten und mir helfen, die Arbeit am siebten Tag fortsetzen zu können, dann können Sie das hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 16 Nov 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die amerikanische Freundin]]></title>
      <description><![CDATA[Wilhelm Theodor Heyer und Taylor Swift/Serie The Set/Beigbeder&Nothomb/Roger Willemsen/Estragon Die entscheidende Frage stellt sich beim Betrachten der rechten Hand: Man…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wilhelm Theodor Heyer und Taylor Swift/Serie The Set/Beigbeder&amp;Nothomb/Roger Willemsen/Estragon</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b510bb54-f23f-4d6f-8d1f-444cf588514c/uploads/images/t3yrcbumpl/IMG_8601.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die entscheidende Frage stellt sich beim Betrachten der rechten Hand: Man kann nicht genau erkennen, ob sie leicht über oder schon unter der Wasseroberfläche schwimmt. Lebt die Frau noch und wartet auf ihren Untergang oder schwimmt sie tot im Wasser?</p><p>Der Maler Wilhelm Theodor Heyer, heute völlig vergessen, hat beim Malen nachgedacht.</p><p>In der Geschichte Ophelias, wie Shakespeare sie in seinem Drama Hamlet in Form eines Monologs der Königin Gertrude wiedergibt, ist die Ambivalenz der Handlung spannend. Die junge Frau ist bekannt für ihre eigenwilligen Blumenkränze - “fantastic garlands”. Beim Pflücken der dazu nötigen Blüten bricht ein Ast, sie stürzt  in voller Kleidung ins Wasser, es ist ein Blumenpflückunfall. Aber was dann? Verzichtet sie aus Kummer und Melancholie darauf, sich zu retten? Hätte sie eine andere Methode des Suizids gewählt, wenn sie nicht verunfallt wäre? War sie doch noch willig, sich zu retten, aber wurde das nasse Kleid zu schwer? Oder war ihr irgendwann alles egal? </p><p>Heyer bringt diese Unentschiedenheit der Situation und Anleitung zum Selberdenken in ihrer rechten Hand zum Ausdruck.</p><p>Heyers <em>Ophelia</em> gehört eigentlich in eine Trilogie, aber der Kölner Sammler, der das Bild in den dreißiger Jahren erwarb,  wollte nur dieses, weil die Frauen auf den anderen beiden Werken ihm zu nackt waren. Zum weiteren Verkauf durch die Erben des Sammlers kam Heyers Werk im Juli 2017, damals gab es ganze 12 700 Euro für das Jugendstilwerk.</p><p>Ich finde solche Verkäufeaus Familienbesitz immer auch etwas traurig, darum kann ich kein Freund von Formaten wie <em>Bares für Rares</em> werden. Aber in diesem Fall gab es eine unerwartete Wendung. Jahrelang hing es  zwischen vielen anderen nackten, toten Frauen in der Jugendstilabteilung des Museums Wiesbadens, aber nun kommt man kaum durch zum Bild im Museum Wiesbaden - einst ein Ort, an dem ein Yeti unbemerkt herum turnen konnte, so wenig war da los - weil so viele Menschen sich vor Ophelia filmen, tanzend. Schuld ist Taylor Swift, die Heyers Bild in ihrem Clip <em>Fate of Ophelia</em> kurz zeigt und zitiert. Seitdem strömen Fans hin und es ist wieder Leben vor dem Bild der Toten. Swift hat das große Bild selbst vor dem Untergang, dem Fate of Ophelia und einer Existenz am Boden der Kunstgeschichte bewahrt.</p><p>Diese kleine Geschichte, es tut ja in diesen Zeiten gut, mal abgelenkt zu werden, erinnert an die kulturelle Power der USA und die Stärke des Westens, wenn alte und neue Welt zusammenhalten. Politisch sind die Verhältnisse bestürzend. Der Musiker Moby erklärte es in einem bewegenden Insta-Post. Moby selbst war in seiner Kindheit auf Lebensmittelmarken angewiesen. Nun bekommen Menschen, die solche Hilfe brauchen, wegen des Shutdowns nichts mehr, während Trump, seine Familie und reichen Unterstützer immer mehr Geld verdienen und der Aktienmarrkt prosperiert. <a href="https://www.instagram.com/p/DQcJBTCiaxC/?hl=de">Mobys Analyse</a> ist kurz: <em>pure evil</em>.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In dieser Seriensaison ist mir noch nicht sehr viel aufgefallen. Immerhin gibt es eine spannende nordische Ermittlerserie rund um eine Polizeischülerin, die als verdeckte Ermittlerin auf die Freundin eines Gangsters angesetzt wird. Im Zentrum der Geschichte steht die komplizierte Freundschaft der beiden Frauen, die zunächst auf einer Lüge basiert, nach und nach aber mehr Wahrheit zulässt. Ich freue mich immer, wenn solche Serien es schaffen, dass man irgendwann auch für die größten Fieslinge die Daumen drückt.</p><p>Es handelt sich um eine série noire moderner und feministsich informierter Machart, die alles richtig macht. Und daran erinnert, was für ein Problem aus der Hölle die organisierte Kriminalität ist, die derzeit, man ahnt es ja schon, vorwiegend national bekämpft wird. Die Methoden des Geheimdienstes kommen hier allerdings auch nicht gerade gut weg. Angemessen novemberig.</p><a href="https://www.netflix.com/de/title/81683146">https://www.netflix.com/de/title/81683146</a><hr aria-hidden="true"/><p>Die diesjährige Saison für Literaturpreise in Frankreich ist weitgehend überraschungsfrei verlaufen. Das ist auch gut so, die Politik dort ist spannend genug. Das literarische Leben ist aber auch deswegen so lustig, weil sich Verrückte wie Beigbeder und Nothomb so viel Mühe geben, ihr Publikum nicht nur aufzuklären, sondern schlicht zu amüsieren. Nothomb schreibt jedes Jahr ein Buch, seit über dreißig Jahren schon, und Beigbeder ist auch nicht mehr das ganz neu, nicht mehr das <em>Rebhuhn dieses Jahres</em> wie man im Südwesten sagt. Er hat vor einigen Jahren Rundfunkgeschichte geschrieben, als er erneut völlig unvorbereitet zu seiner Frühsendung erschien und seine Rubrik freestylen wollte, dabei erklärte, er habe sein Manuskript in der Bar Medellin verloren. Danach labert er noch weiter, Léa Salamé bemerkt “Halten Sie wirklich drei Minuten so durch?” Er wurde direkt danach gekündigt, aber es lohnt sich immer wieder:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Sj76bK0jUXY">https://www.youtube.com/watch?v=Sj76bK0jUXY</a><p>In ihrer aktuellen Begegnung empört sich Amélie Nothomb darüber, dass die Frauen ihrer Familie als <em>unbedingt durchgeknallt</em> diskriminiert wurden und Beigbeder sagt, da könne aber was dran sein. Der Titel ihre Buches lautet <em>Tant mieux</em>, umso besser – das war das Mantra ihrer Mutter: Mit diesem Spruch kommentierte sie jede der vielen Katastrophen in ihrem Leben.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=88YorbYaAuY">https://www.youtube.com/watch?v=88YorbYaAuY</a><hr aria-hidden="true"/><p>Unter den ehemaligen KollegInnen und Freunden von Roger Willemsen wird mit einer gewissen Belustigung verfolgt, wie er in den sozialen Medien zu einer Art Gandhi unserer Zeit verklärt wird. Zwei, drei Zitate zirkulieren von ihm, oft dann mit dem Seufzer <em>Er fehlt</em> gepostet. Er wäre der erste, dem das peinlich wäre, denn er wusste ja, was für eine Nervensäge er sein konnte. Manchmal schoben wir ihn aus der Redaktion in Richtung Taxi, einfach, um weiter arbeiten zu können, in Ruhe, während er zum Abgang seine langen Beine emporschwang, Küsschen verteilte, Karnevalslieder anstimmte und das ewige Funkenmariechen gab. Der weitaus größte Teil seiner Arbeit, die Dokumentarfilme und die vielen Fernsehsendungen, sind leider nicht online verfügbar. Man kann sich also heute kein umfassendes Bild machen. Nochmal ganz anders waren seine Qualitäten, wenn er live auftrat. Dann wollten 90% der Menschen im Saal sein wie er, jedenfalls wie der Roger auf der Bühne. Viele Menschen halfen dabei, ihn zu dieser Bühnenfigur zu machen, obwohl sein Talent und sein Fleiß schon außergewöhnlich waren.</p><p>Nun gibt es ein Buch, das einen guten Einblick in seine Arbeitsweise und Denkungsart vermittelt. Man sieht, wo er sich heimisch fühlte, wo er improvisierte und lernt völlig obskure Autoren kennen. Denn bevor er ein solcher Promi wurde und nun eben posthum zum digitalen Propheten, hat er als kritischer Intellektueller begonnen, vergisst man heute leicht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b510bb54-f23f-4d6f-8d1f-444cf588514c/uploads/images/cmzm35zwku/IMG_8696.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>In diesem Rezept wird in angemessener Ausführlichkeit meinem liebsten Zauberkraut gehuldigt. Mit Thymian und Rosmarin kann man leicht jedes gute Gericht ruinieren, dann schmeckt alles nach den Schaumbadzusätzen meiner Kindheit. Estragon hingegen zieht alles empor, unbedingte Geheimwaffe!</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=6zuEK3N5MIc&amp;t=28s">https://www.youtube.com/watch?v=6zuEK3N5MIc&amp;t=28s</a><p>Und für herbstliche Rezepte ohne Fleisch, im Akzent des Béarn vorgetragen, hier entlang:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=GHLHuTv3o0c">https://www.youtube.com/watch?v=GHLHuTv3o0c</a><p></p><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Noch einige wenige Anmeldungen mehr, dann lesen Woche für Woche zehntausend Menschen diesen Newsletter. Wahnsinn.Danke. Auch für die vielen Mitgliedschaften. Wenn Sie auch Mitglied werden möchten und mir helfen, die Arbeit am siebten Tag fortsetzen zu können, dann können Sie das hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 09 Nov 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Herbst der schlechten Laune]]></title>
      <description><![CDATA[Manchmal geht einfach nichts voran. Das ist im privaten und im beruflichen Leben so, aber auch in der Gegenwart von Staaten. Man wartet, macht so vor sich hin und dann,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41a0fb7a-ab34-45ed-b848-10516a73e711/uploads/images/hiwcmhbln7/IMG_8651.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Manchmal geht einfach nichts voran. Das ist im privaten und im beruflichen Leben so, aber auch in der Gegenwart  von Staaten. Man wartet, macht so vor sich hin und dann, Ketchupflaschen Prinzip, kommt alles in Bewegung und man weiß gar nicht mehr, wie der Teller vorher ausgesehen hat.  </p><p>Derzeit sind Deutschland und Frankreich allerdings entschieden in der ersten Phase einer ermüdenden und ermüdeten  politischen Routine gefangen, jeden Tag grüßt das Murmeltier mit Zank, Warnungen und schlechter Laune. Wenn ich Nachrichten schaue, fühle ich mich ähnlich beklommen wie zu gewissen Uni-Zeiten, als ich einen Job an einem Lehrstuhl hatte. Es gab zähe Routinen, immer dieselben Gesichter, feste Essenszeiten und am Nachmittag sehnten sich die Kollegen einem Feierabend entgegen, der ewig nicht kam. Das Schlimmste aber war eine hartnäckige Melancholie, eine narzisstische Obsession mit der eigenen Irrelevanz, die genau genommen nur behauptet war. Oft genug handelt es sich bei schlechter Stimmung um eine recht bequeme Position, die dazu berechtigt, am deprimierten, aber gemütlichen Alltag nichts ändern zu müssen. Damals herrschte das Gefühl vor, früher sei alles besser gewesen, jede Hoffnung vergebens und bald werde es ohnehin aus sein mit den Geisteswissenschaften in Deutschland. Was quatsch war. </p><p>So eine selbstgewählte, geistige Lähmung liegt heute über der ganzen Republik. Wenn man die Bundesregierung sieht, oder auch das Kabinett von Lecornu in Frankreich, meint man, raue, weiße Knöchel zu erkennen, weil sie die Schultern so hängen lassen, dass die Hände auf dem Bürgersteig schleifen. Der Ton ist jedenfalls ganz ähnlich wie in den frühen neunziger Jahren: die Klage. Nichts ist verheißungsvoll, alles Gefahr und Bedrohung, wenn man geistig in der alten Zeit wohnen blieben möchte, die besser gewesen sein soll. Photovoltaik ist billiger geworden und populär, sehr viele Hausbesitzer nutzen sie schon, die Elektromobilität verändert den Verkehr - aber beide Entwicklungen müssen in Deutschland wie eine Gefahr diskutiert werden, weil deutsche Industrie und Industriepolitik zu lange vergangenen fossilen Zeiten nachhängen. Weil das Eigenheim allzu lange als alternativlos, als Wohnform der Seligen verkauft wurde,  leben heute, etwa in unserer Nachbarschaft, viele alleinstehende Rentnerinnen und Rentner in Häusern, die viel zu groß sind. Eine moderne Heizungsform wird so zum nationalen Drama. </p><p>Jeder weiß um die Gefahren der künstlichen Intelligenz, aber ab und zu darf man schon daran erinnern, dass diese Anwendungen das Leben für viele Menschen auch leichter machen. Die Angst, ein amtliches Schreiben auch wirklich ohne Rechtschreibfehler hinzubekommen, ist Geschichte. Gleiches gilt für Sprachbarrieren und Spracherwerb: Es ist nicht lange hin, dann trägt jeder seinen kleinen Dolmetscher in der Brille oder der Uhr und die transnationale Kommunikation erreicht ein völlig neues Level. Man muss die Ergebnisse immer prüfen - aber auch auf dem Feld der Bildung, des Lernens, des Wissenstransfers eröffnen sich hier ganz neue Perspektiven. Wer wie ich zwei linke Hände hat, lernt in wenigen Videos, wie man die Feder einer Ofentür wechselt. </p><p>Natürlich kann das Smartphone süchtig machen – ich bin das beste Beispiel dafür –und die Einsamkeit ist auch ein Problem , aber man sieht eben auch viele Menschen, die sich vor einem Video totlachen, Wartezeit verkürzen oder bei anderen Tätigkeiten <a href="https://feeds.acast.com/public/shows/was-bisher-geschah">einen guten Podcast</a> hören! </p><p>Die Freude über digitale Möglichkeiten entbindet nicht von der Notwendigkeit einer Regulierung der Besitzverhältnisse, der Verfahren und vieler Vorsichtsmaßnahmen, so wie wir sie im Verkehr auch haben, aber der permanente Warnton alles und jeden betreffend macht irgendwann nur noch taub. </p><p>Man verliert den Sinn für die realen Machtverhältnisse, für das, was erreicht wurde und zu verteidigen ist: Europa ist in der supranationalen Integration so weit wie noch nie, der Sozialstaat und die kostenlosen Bildungseinrichtungen sind weltweit einzigartig, die Power des europäischen Marktes ist mit keiner anderen Weltregion vergleichbar – in 27 Ländern warten Bürgerinnen und Bürger darauf, dass das europäische Modell der offenen Gesellschaft endlich auch politisch behauptet, verkündet und verteidigt wird. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Woche für Woche habe ich an dieser Stelle und außerdem in sehr vielen diskreten Gesprächen für eine verstärkte deutsch-französische Zusammenarbeit plädiert, vor allem auch gemeinsame Auftritte von deutschen und französischen Politikern in nationalen Medien empfohlen, gefordert und ersehnt. Es ist so einfach, hätte sooo eine Wirkung, aber lange tat sich da nix. Und dann, neulich morgen, saßen  in meiner Lieblingsradiosendung die beiden Europaminister aus Paris und Berlin, Haddad und Krichbaum, als Stargäste und es war lustig, informativ, schräg und ingesamt so heiter – ich konnte es gar nicht fassen.</p><a href="https://www.dailymotion.com/video/x9swxco">https://www.dailymotion.com/video/x9swxco</a><hr aria-hidden="true"/><p>Ein kleiner Junge hat Liebeskummer, seine Eltern möchten vorankommen, die ältere Schwester hat einen Freund – alle kleinen und großen Sorgen des Lebens werden dramatisch, wenn sie im Palermo der achtziger Jahre erlebt werden, wo die Cosa Nostra regiert. Die Geschichte des organisierten Verbrechens und des Kampfes dagegen sind in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund gerückt. Alles, was nicht muslimischer Terrorismus oder russischer Cyberkrieg ist, fand in politischen Serien kaum noch statt. Neue Gefahren haben alle Aufmerksamkeit beansprucht, dabei ist dieses Problem aktueller denn je: Das organisierte Verbrechen blüht im Zeitalter des globalisierten Drogenhandels auf, Europa hat dem nur wenig entgegen zu setzen. In dieser Serie wird mit großer historischer Exaktheit nachgezeichnet, wie sich die Mafia organisierte, welche Konflikte es unter den Fraktionen gab und wie sich auch Widerstand dagegen formierte. Dabei gelingt es den Machern und vor allem den Darstellern, zwischen Drama, Komik und Romantik traumwandlerisch sicher zu wechseln.</p><p>Die nun veröffentlichte zweite Staffel ist düsterer als die erste, aber genau so großartig.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/126990-001-A/die-mafia-mordet-nur-im-sommer-staffel-2-1-12/">https://www.arte.tv/de/videos/126990-001-A/die-mafia-mordet-nur-im-sommer-staffel-2-1-12/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn es um die Beschreibung rechtsradikaler Ideologen und ihrer Wählerschaft geht, macht man es sich meistens zu einfach. Abgehängte Männer auf dem Lande lautet dann gerne eine der Diagnosen, schnell ist auch von den schlechten Busverbindungen in der Fläche die Rede. Aber man unterschätzt die Gefahr der extremen Rechten, wenn man deren Protagonisten und Anhänger nur unter  minderbemittelten Provinzlern sucht.  Wenn man genau hinsieht, finden sich gerade in den ersten Reihen jede Menge promovierter Menschen, einflussreiche Journalisten, Sachbuchautoren und Intellektuelle. Und wenn ich, selten genug, im alten Sozialmedium Facebook nach früheren Schulkameraden schaue, entdecke ich viel zu oft gutsituierte, gebildeten Männer meines Alters, die für Doktor Weidel schwärmen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/41a0fb7a-ab34-45ed-b848-10516a73e711/uploads/images/mkjl55zrzn/IMG_8664.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Für solche  ist es nicht so der populistische Ton, der die Rechtsradikalen anziehend macht, sondern oft genug das akademisch schneidende, im Gewand der Rationalität daher kommende Ressentiment, was eine bildungsbürgerliche Gruppe anzieht. Alle anderen Parteien haben für diese Gruppe, denen Bildung, ein akademischer Grad und die Hochkultur Mittel der Distinktion und der symbolischen Überhöhung sind, nichts im Angebot. Intellektuelle tummeln sich derzeit nur auf der Rechten, woanders sind sie nicht mehr erwünscht. Ähnliches gilt für Journalisten: Auf der rechten Seite des Spektrums glänzt der Beruf noch in seiner einstigen Aura des Weltdeuters. Ich kenne jede Menge solcher Kollegen, die heute auf der extremen Rechten ihre Überzeugung verkünden.</p><p>Der israelische Schriftsteller Yshai Sarid, den ich <a href="https://www.spiegel.de/kultur/yishai-sarid-ueber-die-erinnerung-an-den-holocaust-es-ist-nicht-vorbei-a-00000000-0002-0001-0000-000162163007">einmal in Tel Aviv </a>besuchen durfte, erzählt dieses Phänomen anhand eines phänotypischen Journalisten. Leider ist es sehr treffend.  Roman der Stunde, sehr cool aufgeschrieben, wie ein Krimi.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Heute tauche ich wieder in die Geschichte des späten sechzehnten Jahrhunderts ein, denn ich beginne die Übersetzung meines Romans “Montaignes Katze” ins Französische. Was passt besser zum Kontext als das historische poule au pot Rezept? Auch sehr wirksam gegen Erkältungen. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=gfbd4QUbA-Q">https://www.youtube.com/watch?v=gfbd4QUbA-Q</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Noch einige wenige Anmeldungen mehr, dann lesen Woche für Woche zehntausend Menschen diesen Newsletter. Wahnsinn.Danke. Auch für die vielen Mitgliedschaften. Wenn Sie auch Mitglied werden möchten und mir helfen, die Arbeit am siebten Tag fortsetzen zu können, dann können Sie das hier: </p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 02 Nov 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die neue Zeit]]></title>
      <description><![CDATA[Der 25-Stunden -Sonntag/Hachmeister und Schomerus über Calmeyer/ Gloger und Mascolo Das Versagen/ Ottolenghi und Nigella Die heutige Ausgabe des siebten Tages kommt zur…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der 25-Stunden -Sonntag/Hachmeister und Schomerus über Calmeyer/ Gloger und Mascolo Das Versagen/ Ottolenghi und Nigella</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b88e7720-5377-44b6-b8ee-5de1a304e218/uploads/images/57f76wews2/IMG_8597.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die heutige Ausgabe des siebten Tages kommt zur gewohnten Zeit und doch eine Stunde später. Jedes Mal fasziniert mich die Plastizität, mit der Zeit sich formen und umdeuten lässt. Im Herbst gibt es diesen extralangen Sonntag: Man schaut auf die Uhr und ist völlig verblüfft, dass es viel früher ist als erwartet. Bonuszeit. Eines der ersten Bücher, das ich im Januar 1997 für die Süddeutsche Zeitung besprochen habe, war ein Werk namens Das erfundene Mittelalter von Heribert Illig. Darin behauptet er, dass die Jahrhunderte der Karolinger und insbesondere Karl selbst eine pure Erfindung seien, Ergebnis einer komplizierte Verschwörung. Wie eine historische Marie Kondo ging er inventarisierend durch die fraglichen Jahrhunderte und fand alles zu wenig, zu leicht, zu unglaubwürdig. Sein Vorschlag war, drei Jahrhunderte komplett zu streichen – wir wären damals nicht auf das beunruhigende Jahr 2000 zugeeilt, sondern auf das wesentlich gemütlichere 1700.</p><p>Man machte sich damals große Sorgen, ob die Computer und ihre beginnenden Netzwerke es hinbekommen, von einer Jahreszahl mit einer 19 davor zu einem Jahr das mit 2 beginnt, zu wechseln – und befürchtete, dass Fahrstühle stecken bleiben oder die Bahn nicht mehr pünktlich ist. Das waren damals so die großen Sorgen, leider hat sich das folgende Jahrtausendjahrhundert in dieser Kategorie als überfordernder Lehrmeister erwiesen: Der Anschlag vom 11. September 2001, die Kriege in Afghanistan und Iran, der Immobiliencrash und die Staatsschuldenkrise, die Pandemie und neue Schulden, der Überfall Russlands auf die Ukraine und die Wiederwahl von Trump – positiv betrachtet könnte man sagen, dass wenigstens kein Illig auf die Idee kommen dürfte, diese 25 Jahre wegen historischer Minderleistung zu streichen. An manchen Abenden muss ich an den alten Cartoon des legendären Gerhard Seyfried denken, der einen Nachrichtensprecher des Zynischen Deutschen Fernsehens zeigt, mit verrutschter Krawatte und der Ansage: “Raten Sie mal, was heute passiert ist…”</p><p>Dabei lehrt die Zeitumstellung, dass selbst so eine sachzwangmäßig anmutende Existentialkategorie im Wesentlichen eine soziale und kulturelle Konvention ist. Wenn man will, hat der Tag eben 24 Stunden.</p><p>Manchmal geht es etwas durcheinander. Neulich hatte ich eine schwierige Unterhaltung mit einem beseelten Taxifahrer aus Afghanistan, heute in Frankfurt unterwegs, der mich mit der Info verblüffen wollte, dass der Prophet Mohammed den Vulkanausbruch von Pompeii vorausgesagt habe. Gerne habe ich versucht, sein Geschichtspuzzle zu sortieren, aber leicht war es nicht.</p><p>Nicht nur die Zeit verflüssigt sich heute wie auf dem Dalì-Bild, auch die Ordnung des Westens.</p><p>Die Zerstörung des Ostflügels des Weißen Hauses ist ein weiteres Symbol für die Veränderbarkeit der Gegenwart. So oft habe ich gehört, dass das White House das unantastbare Heim der amerikanischen Republik ist, nahezu heilig. Es gab einen Aufschrei, als Barack Obama es umdekoriert hat und schon vorher, als Jimmy Carter Photovoltaik anbringen ließ. Nun ist alles anders. Von einer besenreinen Rückübertragung der Mietsache durch die Republikaner sollte man nicht ausgehen, sie machen es gerade platt. Von den beiden Parteien, die die amerikanische Republik tragen, hat sich eine einfach einen Bulldozer besorgt. 1776 wurde die amerikanische Republik gegründet, 2026 wird sie eher dem East Wing ähneln. Was tun?</p><p>Günter Gaus fragte mal sinngemäß, ob die Sozialdemokratie das Richtige tut, wenn sie die Arbeiterinnen und Arbeiter davon überzeugt, den Klassenkampf aufzugeben, um sich der parlamentarischen Demokratie und der sozialen Marktwirtschaft zuzuwenden. Ihre wohlbekannten Spielregeln, sie erschienen als so unwandelbar wie Jahreszeiten und Gezeiten, wurden jetzt einseitig aufgekündigt. Werden sich kommende Protagonisten der Linken ähnlich sorgfältig um die Interessen der Reichen kümmern wie Bill Clinton, Tony Blair und Gehard Schröder? Und wie besprechen wir all diese Themen, wenn nicht mal der Bundeskanzler ausdrücken kann, was er meint?</p><p>Die zusätzliche Stunde des heutigen Sonntags fühlt sich an wie all die anderen Sonntagsstunden zuvor, in Wahrheit entfaltet sie sich in einer neuen Zeit.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Der im August 2024 verstorbene Lutz Hachmeister hinterlässt ein wichtiges dokumentarisches Werk, leider kann man die meisten seiner Filme derzeit nicht sehen.</p><p>Nun gibt es eine gute Nachricht: Sein Kollege Hajo Schomerus, der bei vielen Projekten Hachmeisters die Kamera führte, hat eines ihrer gemeinsamen Projekte beenden können, nun zu sehen in der ARD–Mediathek. Es geht darin um den Fall des Osnabrückers Rechtsanwalt Hans Calmeyer. Eine spannende, ambivalente Geschichte: Calmeyer rettete als Referent in der deutschen Verwaltung der besetzten Niederlande Tausenden von Juden das Leben, andere aber – die rettete Calmeyer eben nicht, obwohl er es gekonnt hätte. Täter und Retter zugleich, eine bedrückende Geschichte, die hier in vielen bewegenden Zeitzeugeninterviews aufbereitet wird. Der wichtigste Moment für mich: Eine Zeitzeugin referiert die ewige Frage, was man selbst getan hätte, wie man sich selbst verhalten hätte in der Lage von Hans Calmeyer – und wischt sie beiseite. Wichtiger sei zu fragen: Was tust Du heute?</p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/ard-history/calmeyers-dilemma/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS82NTkwY2MyMS1lZDRhLTQxNTktOGM4MS04M2I3MGY0YjBjZTQ">https://www.ardmediathek.de/video/ard-history/calmeyers-dilemma/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS82NTkwY2MyMS1lZDRhLTQxNTktOGM4MS04M2I3MGY0YjBjZTQ</a><hr aria-hidden="true"/><p>Es gibt in diesem Buch, das man nur noch schwer aus der Hand legen kann, wenn man einmal damit begonnen hat, viele Erkenntnisse, die nachwirken. Da ist die berühmte Rede Putins im Bundestag - die hat sich der Mann aus Moskau von zwei Deutschen schreiben lassen, sicher ist sicher.</p><p>Großartig auch die Nebenfiguren:”Ein unter anderem wegen Diebstahls, Falschaussage und Bankraub vielfach vorbestrafter Saarländer tritt als mysteriöse Quelle auf und erklärt Putin zum Verbindungsmann für die RAF.”</p><p>Mich beschäftigt eine Aussage von Angela Merkel, in der sie angibt, das billige russische Gas habe sie eben zum Wohle der deutschen Industrie besorgt, ohne sich Illusionen über Putin zu machen. Wie ist das bei uns mit dem Primat der Politik?</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b88e7720-5377-44b6-b8ee-5de1a304e218/uploads/images/diwksydmzz/IMG_8615.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es gibt noch andere Stellen, in denen man nur schwer beurteilen kann, was Wunschdenken war, was hingegen Nachlässigkeit und was womöglich auf Korruption beruht. Fest steht, dass Putin und seine Leute die politische und wirtschaftliche Elite der Bundesrepublik sauber aufs Kreuz gelegt haben - während unsere Leute dachten, dass sie es mit ihm tun.</p><p>Und es ist eine Lektüre, die schmerzt. Henning Voscherau, Gerhard Schröder, Angela Merkel hätte man gerne anders in Erinnerung behalten, als so, wie sie hier auftauchen: Naiv, kurzsichtig manchmal gierig und dabei bis heute davon überzeugt, alles richtig gemacht zu haben.</p><p>Aber darin waren sie eben die Repräsentanten des Volkes: eine immense Mehrheit wollte es so. Hätte man, was mit heutigem Wissen besser gewesen wäre, nach dem Abschuss der Malaysia Airlines Flugzeugs MH-17 durch die von den Russen unterstützten Truppen am 17. Juli 2014 alle Verbindungen zu Russland beendet, auf das Gas verzichtet, wäre ein Aufstand ausgebrochen.</p><p>Darum ist es nur fair, wenn man sich heute die Mühe macht, diese Zeit in diesem Buch nachzuarbeiten.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Zufällig habe ich dieses Video entdeckt, in dem gleich zwei meiner Lieblingsküchenstars glänzen. Wegen erhöhten Reiseaufkommens habe ich länger nichts mehr gekocht, aber das wird sich nun hoffentlich wieder ändern.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=NRsHJ1hbf3A">https://www.youtube.com/watch?v=NRsHJ1hbf3A</a><p>Es ist immer wieder nützlich, Schulstoff aufzufrischen und sich einige Basics der Küchenchemie anzueignen, danach kann man umso besser improvisieren – und wer könnte es besser erklären als Mai Thi Nguyen-Kim?</p><a href="https://www.zdf.de/reportagen/terra-x-chemie-des-kochens-mit-mai-thi-nguyen-kim-dokureihe-100">https://www.zdf.de/reportagen/terra-x-chemie-des-kochens-mit-mai-thi-nguyen-kim-dokureihe-100</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Freitag und Samstag schreibe ich diesen Newsletter. Ihre finanzielle Unterstützung in Form der Mitgliedschaft ermöglicht es mir, andere Aufträge abzusagen und den <em>siebten Tag</em> zu schreiben. Mitglied werden können Sie hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 26 Oct 2025 07:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[All is not lost]]></title>
      <description><![CDATA[Eine deutsch-ungarische Geschichte/One Battle after another/Collin Barmann/ Vorfreuden Ein Mann hat Besuch von einem Kollegen, mit dem er seit langer Zeit zu tun hat.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine deutsch-ungarische Geschichte/One Battle after another/Collin Barmann/ Vorfreuden</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0706cf84-8b1c-4a1c-b38a-ecda7ebfd9be/uploads/images/7yg6x7d7bo/IMG_8525.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ein Mann hat Besuch von einem Kollegen, mit dem er seit langer Zeit zu tun hat. Darüber ist eine Freundschaft entstanden. Einmal im Jahr treffen sie sich, um über das Leben und die Kinder zu sprechen. So auch in diesem Oktober. Sie fahren an einem Donnerstagvormittag gemeinsam einkaufen, parken vor dem Haus des Mannes im hessischen Friedrichsdorf, als das Smartphone des Freundes klingelt. Der Anrufer ist ein höflicher Mann aus Stockholm namens Mats Malm. Während sein Gastgeber die Körbe und Tüten ins Haus trägt, wird der Freund gefragt, ob er den Nobelpreis für Literatur 2025 annimmt.</p><p>Die Uhr im Wagen zeigt 12:33.</p><p>Der Freund, der den Einkauf getragen und mir diese Geschichte erzählt hat, ist Hans Balmes, der bei <em>Montaignes Katze</em> auch mein Lektor im S Fischer Verlag war, außerdem Autor eines Standardwerks über den Rhein. Seit vielen Jahrzehnten kümmert er sich um das Werk von László Krasznahorkai, ohne dass je mit solch einer Auszeichnung zu rechnen gewesen wäre.</p><p>Der große V.S. Naipaul, ein wundervoller Schriftsteller und fieser Typ, träumte seit seiner Jugend vom Nobelpreis. Er unterschied zwischen den ernsthaften, großen, Literaten und dem ganzen Rest. In die erste Kategorie ordnete er im Wesentlichen sich selbst ein. Als der Anruf aus Stockholm am 11. Oktober 2001 endlich kam, nahm seine Frau Pat ihn entgegen. Naipaul war noch beim Zähneputzen: <em>Sag, ich ruf zurück.</em></p><p>Krasznahorkai sagt höflich zu, aber die beiden Freunde möchten doch noch einmal im Netz checken, ob sie da nicht einem Prankster mit Stockholmer Vorwahl aufgesessen sind. Wie man früher sagte: Einem Telefonstreich. Dann kommt die offizielle Verkündung um 13 Uhr, aber der Preisträger ist im Nebenzimmer, denn erneut wurde er aus Schweden angerufen. Dieses Mal, um Datum und Modalitäten der Preisverleihung zu besprechen. Den großen Livemoment hat er verpasst. Aber das Beste kommt ja noch.</p><p>Wegen solcher Geschichten ist mir die Frankfurter Buchmesse so wichtig. Man liest solche Stories nicht im Netz und die beiden Freunde werden in keiner Talkshow sitzen.</p><p>Derzeit geht medial alles unter, was nicht Krise und Katastrophe ist. Der Westen versinkt in Krisen, der Osten erst recht, auch im hohen Norden ist Krise und im tiefen Süden schon immer. Die Gefahr ist groß, vor lauter Panik das klare Denken und den kühlen Kopf zu verlieren und zu vernachlässigen oder gering zu schätzen, was es noch gibt, was sich bewährt hat und weiter gut entwickelt. Es liegt eine Widerstandskraft darin, die Pläne und Prophezeiungen der Feinde der offenen Gesellschaft nicht mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Es stimmt, die Tech-bros spinnen, die künstliche Intelligenz und der digitale Zirkus könnten dringend Regulierung vertragen – aber diese Notstandsgebiete des guten Benehmens sind nicht die ganze Welt.</p><p>Auf Geschichten vom Gelingen gibt es nur geringen medialen Kredit. Die Freiheit und die Sicherheit im europäischen Alltag erscheinen uns selbstverständlich. 99,9% der Menschen mögen einen netten, normalen Tag verlebt haben – sollten sie den Fernseher anschalten oder im Netz etwas lesen, werden sie davon nichts wiederfinden.</p><p>In diesen Wochen beginnen über 400.000 junge Leute ihr Studium, andere schreiben Examen oder gehen jeden Tag in ihre Ausbildungsbetriebe – ihr Mut, ihre Zuversicht und gute Laune kommen in der medialen Abbildung der Gegenwart gar nicht vor.</p><p>Schade, dass auch der Bundeskanzler da mitmacht. Mit Freude und Genugtuung könnte der Kanzler von Deutschland erzählen: Wir sind ein alterndes Land mit ungewisser ökonomischer Prognose und einer belasteten Vergangenheit – trotzdem möchten junge Menschen aus der ganzen Welt hier her kommen und eine Zukunft aufbauen. Eine tolle Sache. Aber ihn stört das migrantische Stadtbild, er empfiehlt <em>Rückführungen</em> – während die von ihm geführte Bundesregierung auf der ganzen Welt Menschen anwirbt, um hierher zu ziehen und zu arbeiten.</p><p>Es gibt keine Stadt, die nicht durch Migration groß wurde. Diversität ist das Merkmal von Städten, an den damit verbundenen Problemen muss man eben politisch arbeiten. Vielleicht, wer weiß, hat der Kanzler von offenen Drogenszenen sprechen wollen, wie sie in Berlin im Görlitzer Park oder rund um den Frankfurter Hauptbahnhof existieren. Eine ernste Sache: Viele europäische Städte leiden unter der organisierten Kriminalität des globalisierten Drogenhandels – in Frankreich oder den Benelux-Staaten gibt es regelrechte Bandenkriege mit Todesfällen . Aber mit Rückführungen ist dieses komplexe Problem nicht zu lösen, denn die Kundschaft, das Geld, bleiben ja in Europa.</p><p>Was uns wieder, nur einmal vom Hauptbahnhof die Straße runter, zum Frankfurter Messegelände und zur Buchmesse führt. Niemand wohnt dort, auf der Messe sind alle Migranten für einen Tag. Es ist eine ganz und gar künstliche und flüchtige Veranstaltung, nicht natürlicher oder authentischer als Venedig. Ab heute Nachmittag werden die Hallen schon wieder umgewidmet, dann kommt die Hochzeitsmesse oder die für Kochtöpfe, auch gut. Aber in den zufälligen und analogen Begegnungen der Frankfurter Buchmesse entstehen Momente der Wahrheit und flüstern: Keine Angst</p><hr aria-hidden="true"/><p>Erst dachte ich, ich gehe jetzt. Ich war mit Sohn in <em>One battle after another</em> von Paul Thomas Anderson. In den ersten Minuten geht es um eine Art Prolog, dessen Protagonistin und semipornographische Memes mich genervt haben, aber bald verzieht sich der Spuk und die Reise kann beginnen. Als 1990 der Roman Vineland von Thomas Pynchon erschien, waren seine Themen noch apokryphe Zukunftsvisionen: Die amerikanische Armee, die willkürlich Zivilisten und Teenager in eigenen Städten jagt und einfängt, Migranten auf der Flucht vor Soldaten, eine rassistische Verschwörung reicher Christen – ziemlich crazy.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=LvoA5yEsUu8">https://www.youtube.com/watch?v=LvoA5yEsUu8</a><p>Heute schaut man sich diesen Film an wie eine Verlängerung des heute-journals. Besonders gut gefiel mir Leonardo diCaprio in der Rolle des Revolutionärs außer Diensten, der in dieser verrückten Gegenwart nochmal zum subversiven Dienst eintreten muss. In einer präzisen Satire unserer Verhältnisse ist er im Wesentlichen damit beschäftigt, vergessene Passwörter wieder herzustellen und Ladegeräte zu suchen. Genau das haben wir auch alle gemacht in den letzen Jahren, ohne mitzubekommen, was sich zusammenbraut oder ohne ein Rezept dagegen zu entwickeln.</p><p>Hoffnung macht der Film dann aber auch, man muss lachen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In Frankreich ist Philippe Collin vor allem als Produzent historischer Podcasts für France Inter bekannt, zuletzt kam von ihm eine Miniserie über das Exil des Maréchal Pétain in Sigmaringen – jedes mal feiert er damit Publikumserfolge.</p><p>Auch in seinem ersten Roman geht es um einen historischen Stoff, die Geschichte des Barmanns im Pariser Hotel Ritz, Frank Meier. Obwohl ein Großteil der Handlung nur an einem Ort spielt, entwickelt sich eine dramatische, globale und spannende Geschichte.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0706cf84-8b1c-4a1c-b38a-ecda7ebfd9be/uploads/images/ufamgzi2tv/IMG_8532.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Meier ist Jude, hält es geheim und kommt immer wieder in Gefahr. Er lernt die ganzen berühmten Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts kennen, denn die Bar des Ritz ist so etwas wie der Salon der ganzen Welt. Er gerät in Liebeswirren, Drogen spielen eine Rolle und dann hat sich auch noch Hermann Göring angekündigt. Die Geschichte der Getränke spielt auch eine Rolle – kurz, der Barmann des Ritz ist die perfekte Herbstlektüre und auch im Winter das ideale Buchgeschenk.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Ich bin in diesen Wochen viel unterwegs, sogar das Sonntagshuhn fällt aus wegen Abwesenheit. Aber man darf sich ja vorfreuen:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ULEn7rTN4pY">https://www.youtube.com/watch?v=ULEn7rTN4pY</a><p>Vorfreude kommt auch ohne Fleisch auf bei dieser nostalgischen Kreation des Herrn Grün, eine Hommage an seine saarländische Großmutter:</p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/kartoffel-moehren-stampf-mit-ackerbohnen-buschbohnen-und-geschmorten-pilzen-und-einer-portweinsauce/">https://www.herrgruenkocht.de/kartoffel-moehren-stampf-mit-ackerbohnen-buschbohnen-und-geschmorten-pilzen-und-einer-portweinsauce/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Der aufmerksame und gewitzte Ulrich Wickert schrieb mir zur vorigen Ausgabe dieses Newsletters einen korrigierenden Hinweis: Die Sozialisten haben beim Treffen im Élysée nicht nichts erreicht, sondern immerhin den Verzicht auf das Verordnungsverfahren nach 49.3 und eine Aussetzung der Rentenreform. Stimmt! Und nun, am Donnerstag, folgte ein parlamentarischer Moment und ein Kompromiss. Es bewegt sich etwas in Frankreich.</p><p>PPS: Freitag und Samstag schreibe ich diesen Newsletter. Ihre finanzielle Unterstützung in Form der Mitgliedschaft ermöglicht es mir, andere Aufträge abzusagen und den <em>siebten Tag</em> zu schreiben. Mitglied werden können Sie hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 19 Oct 2025 06:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Die Email aus dem Élysée]]></title>
      <description><![CDATA[Chaostage in Paris/Dope Thief/Brinkbäumer Abschiede/Was bisher geschah: Titanic/ Kürbisrezepte In der Nacht zum Freitag um 2.53h bekam eine Handvoll französischer…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Chaostage in Paris/Dope Thief/Brinkbäumer Abschiede/Was bisher geschah: Titanic/ Kürbisrezepte </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/766fa526-e46e-4a1f-b9d0-66f56a1c097d/uploads/images/xhuwjujfzd/IMG_1300.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>In der Nacht zum Freitag um 2.53h bekam eine Handvoll französischer SpitzenpolitikerInnen eine kurze Email: Der Präsident wünscht Sie zu sprechen, morgen 14.30h im Élyséepalast.</p><p>Wen hat Macron dann ankommen sehen, über den Hof seines Amtssitzes spazieren? Aus seiner Sicht sind die Freitagsgäste vor allem eines: Loser. Die Parteien in Frankreich schwächeln. Immer weniger Menschen wählen sie, denn die Uneinigkeit der Spitzenleute frustriert. Kaum Mitglieder, schlimme innere Kämpfe und dafür eine manische Dauerquasselei in allen verfügbaren Medien. Es gibt Tage, da ist die Grünen-Chefin Marine Tondelier in allen Frühsendungen und sitzt spätabends in den letzten Talkrunden des Tages. Vergangene Woche hatte sie fünf solcher Tage. </p><p>Die Sozialisten können sich nicht auf einen Chef einigen und auf einen Weg auch nicht. Als Fraktionschef Boris Vallaud am Freitag erklären sollte, was sie denn politisch so vorhaben, trug er mit stolzgeschwellter Brust vor, es gehe darum “das Leben der Franzosen zu ändern!” Warum auch nicht? Der Beatles-Klassiker Revolution kommt in den Sinn, wo Lennon einem eifrigen Revolutionär die Luft aus den Segeln nimmt: <em>Well you know.. we’re all doing what we can.</em> In eine Koalition einzutreten, ein Ressort zu verbessern, einen Haushalt zu verabschieden – das wäre für so einen Freitagnachmittag auch schon nicht schlecht. Aber ihm eben nicht genug. Vallaud rekurriert auf einen Mitterrand-Slogan: Changer la vie. Mit gerade mal 60 Abgeordneten von 577 ist das eine große Herausforderung, aber man soll sich ja Ziele setzen.</p><p>Der Rest der Gäste war in ähnlicher Verfassung: Für die Républicains, eine sehr kleine Partei, kamen zwei Männer, Wauquiez und Retailleau, die einander spinnefeind sind. Es kamen zwei Ex-Premierminister von Macron, Attal und Philippe, die mit ihm gebrochen haben und auch einander nicht grün sind. So kann man alle durchgehen.</p><p>Macron wird sich die Parade der ambitionierten Minderleister angeschaut haben und ihre mit seiner Bilanz verglichen haben: Zweimal Wahlsieger in der Präsidentschaftswahl, Wiederaufbau von Notre Dame in fünf Jahren, die Olympischen Spiele, jederzeit Trump am Mobiltelefon und und und.</p><p>Nichts, auch das weiß Macron, fürchten seine Freitagsgäste mehr als vorzeitige Neuwahlen, denn dann werden ihre Kleinparteien noch mal extra geschrumpft. Er kann machen, was er möchte und die anderen geben dann Interviews dazu, beginnen schon beim Rausgehen damit.</p><p>Aber seine Sicht wird in Frankreich nur noch von wenigen Getreuen geteilt. Allen anderen gilt er als einer, dem passiert ist, was jedem passiert, wenn der zu lange im Élysée wohnst: Du drehst durch. Der französische Althistoriker Paul Veyne hat sich mit der Frage beschäftigt, warum so viele römische Kaiser verückt geworden sind: Diese Männer verloren ihren Verstand, weil das Amt sie in ein Spannungsverhältnis beförderte, das nicht auszuhalten ist: Herren über Leben und Tod, Krieg und Frieden – und zugleich nur erste unter gleichen in einem Staatswesen, das immer noch republikanischen Geist atmet.</p><p>Funktioniert eben auch in Paris: Ein Mann, der seit Jahren Tag und Nacht von Dienern umsorgt wird und stets in Begleitung seines pesönlichen Atomkoffers ist, tut sich schwer mit Verhandlungen im Stile der Lokalpolitik. </p><p>Ja, man muss zusammenarbeiten, das ist in Paris zunehmend allen klar – aber wie geht das? Der alte und neue Premier Lecornu bezog sich explizit auf das deutsche Modell, die große Koalition. Aber um so etwas hinzubekommen, seufzte er“da müssten wir uns ja erstmal drei Monate auf s Land verziehen!” Er meinte: Mal runterkommen, weg von Paris, ohne Geräte, ohne Schlafmittel abends und Wachmacher morgens, ohne Stau, Lärm und tausend termine am Tag, einfach mal barfuß im Gras den Ziegen lauschen – für Pariser Politiker also eine Horrorvorstellung.</p><p>Wie geht’s weiter? Macron muss nur erreichen, dass in der Mitte genug Abgeordnete aus Angst vor Neuwahlen stillhalten, damit Lecornu den Haushalt über den Weg des Sondergesetzes verabschieden kann.</p><p>Stabil wirkte am Freitag außer ihm nur Marine Le Pen, sie besuchte einen Kongress der Feuerwehr. Macht ihr eigenes Ding. Aber ihre politische Zukunft ist ungewißss, die Justiz in Frankreich macht eben ihren Job. </p><p>Den Verrat von Attal und Philippe wird Macron nicht vergessen. Er selbst kann nicht nochmal antreten, also soll Sebastien Lecornu sein Nachfolger werden. Kommt aus kleinen Verhältnissen, hat keine Grande École absolviert – ein fleißiger, sympathischer Mann. Bis auch er im Élyséepalast den Verstand verliert.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Zu den bemerkenswerten Serien des Herbstes gehört Dope Thief, zu sehen auf Apple TV. Sie erinnert daran, weshalb Michael Althen die Gattung der Serie mal den Roman unserer Zeit genannt hat. Erzählt wird die Freundschaft zweier Männer, die sich im Knast kennengelernt haben. Sie wollen schon das Geld des Drogenhandels, aber auch nicht direkt mitmachen. Für eine andere Karriere fehlt ihnen nahezu alles. Sie verfallen also auf den Plan, Drogenhändler auszunehmen, indem sie sich als falsche Polizisten tarnen. Das geht ziemlich schief und sie müssen unter dramatischen Umständen immerzu improvisieren.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=RePjWY4ESyQ">https://www.youtube.com/watch?v=RePjWY4ESyQ</a><p>Die Serie basiert auf einem gleichnamigen Roman von Dennis Tafoya, geschrieben und produziert von Peter Craig und Ridley Scott. </p><p>Wir sind nicht unter Superhirnen oder raffinierten Schurken, viele der Charaktere fallen durch ihre gnadenlose Dummheit auf. Es geht permanent um alles. Geld ist da, Waffen sind da, Drogen auch – aber nichts davon hilft, alles wird immer nur noch verworrener. Niemand versteht mehr so richtig, was gerade geschieht. Beste Beschreibung der Gegenwart Ende 2025. Achtung, kein Familienprogramm!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn Freunde von mir sich nach einer Scheidung irgendwann wieder verlieben und in einer neuen Beziehung glücklich werden, rechne ich nach: Es braucht zehn Jahre, bis wieder etwas Neues beginnen kann. Solche zeitlichen Dimensionen mögen wir natürlich nicht. Probleme und Sorgen sollen viel schneller gelöst sein, drei Monate max. Aber so läuft das nicht. Die Bibel kennt die sieben guten und die sieben mageren Jahre, wo heute schon helle Panik herrscht, wenn ein Quartal abzuschreiben ist.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/766fa526-e46e-4a1f-b9d0-66f56a1c097d/uploads/images/vzfisf3juj/IMG_8450.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>In diesem Buch von Klaus Brinkbäumer geht es genau um diese oft verkannte Dimension der Dauer, der Langsamkeit der Seele, in der Trauer, im Abschied und im Neubeginn. Er erzählt vom Verlust seiner Eltern, auch von seinem Abschied vom Spiegel, wo er Chefredakteur war. Damals hat er mich dorthin geholt. Danach ging es, was mich betrifft, abwärts. Er selbst hat die ganzen Intrigen gegen ihn übrigens schlicht übersehen. Und wie alle Habermas-Schüler im Geiste rechnet er schlicht nicht damit, dass man ihn  anlügt“Ich habe vier Wochen gebraucht, um zu begreifen, dass sie mich weghaben wollten, obwohl sie etwas anderes sagten”.</p><p>Er wird wieder Vater, zieht nach Leipzig und die neue Zukunft macht es ihm möglich, sich wieder mit der Vergangenheit zu beschäftigen. So gelingt eine Studie über jene Zeitempfindung, die Günter Grass mit (wie er gewohnt bescheiden bemerkte) seiner persönlichen Worterfindung als <em>Vergegenkunft </em>bezeichnet: Das Ineinanderfließen der zeitlichen Ebenen in einem einzigen Moment der Erinnerung, während man die Zukunft oder das Abendessen vorbereitet.</p><p>Trauer und Tod erleiden wir alleine, aber diese Erfahrung ist unsere Gemeinsamkeit im Leben.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Unser Podcast <em>Was bisher geschah</em> startet ja mit einer neuen Saison, dank zahlreicher Abonnements und Werbekunden. Für das kommende Jahr sind wieder tolle, neue Sachen geplant. Aktuell haben wir uns mit der Geschichte dieses berühmten Schiffes beschäftigt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/766fa526-e46e-4a1f-b9d0-66f56a1c097d/uploads/images/qk6rxwvdsj/IMG_8449.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Zum Podcast geht es hier entlang:</p><a href="https://feeds.acast.com/public/shows/was-bisher-geschah">https://feeds.acast.com/public/shows/was-bisher-geschah</a><hr aria-hidden="true"/><p>Die unendlich faszinierenden Facetten des Herbstes äußern sich natürlich auch in der Küche. Nach einem langen Tag draußen gibt es kaum etwas besseres, als so eine Kürbiskombination à la Slater.</p><a href="https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2014/nov/09/nigel-slater-squash-recipes">https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2014/nov/09/nigel-slater-squash-recipes</a><p>Die fleischlose Variante kommt heute von meinem saarländischen Landsmann Herr Grün:</p><a href="https://www.herrgruenkocht.de/kaese-kuerbistarte-mit-spekulatiusbroeseln-und-einem-krossen-dinkel-muerbeteig/">https://www.herrgruenkocht.de/kaese-kuerbistarte-mit-spekulatiusbroeseln-und-einem-krossen-dinkel-muerbeteig/</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Die Zeit für diesen Newsletter kann ich mir von anderen Aufträgen frei halten, weil mich Leserinnen und Leser durch Mitgliedschaften finanziell unterstützen, sonst könnte ich ihn nicht jede Woche schreiben. Wenn Sie den <em>Siebten Tag</em> auch fördern möchten - hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/766fa526-e46e-4a1f-b9d0-66f56a1c097d/uploads/images/xhuwjujfzd/IMG_1300.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 12 Oct 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der kommende Wandel]]></title>
      <description><![CDATA[Jugendbewegungen/Harris 107 Days/Reykjavik 112/Cookyourlife-Challenge/Veggie Blieskastel Ich habe die Einheitsfeiern des 3. Oktober in Saarbrücken nur – siehe Foto- aus…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4be7c547-053c-4700-b583-5d048c9dee30/uploads/images/ln43ohoyiy/5634DD69-2D48-41C4-A626-8F39DBBA0BEF.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Jugendbewegungen/Harris 107 Days/Reykjavik 112/Cookyourlife-Challenge/Veggie Blieskastel</p><p>Ich habe die Einheitsfeiern des 3. Oktober in Saarbrücken nur – siehe Foto- aus der Ferne verfolgt, aber ein Misston hat mich geärgert. Es geht um Angela Merkels Bemerkung, man hätte  statt Emmanuel Macron auch einen osteuropäischen Staatsmann einladen können. Es geht dabei nicht um die Anregung selbst, niemand wird etwas dagegen haben. Aber sie erinnert mich an die vertane Chance in der Außenpolitik, als Merkel am Ruder war. Macron, damals noch mit eigener Mehrheit im Parlament, ging auf die Bundesregierung zu, machte in seinen Reden von Athen und der Sorbonne eine ganze Reihe von Anregungen, die, hätte man etwas draus gemacht, heute für ganz Europa eine ganz andere Lage ergeben hätten. Merkel ignorierte das. </p><p>Sie hatte ihr politisches Kapital schon durch die Aufnahme der geflüchteten Menschen aus Syrien verbraucht und wollte ihrem Lager keine weiteren Experimente zumuten.  Sie hat auch Jahre danach, nach dem Überfall auf die Krim und der Unterstützung für Assad, wegen dem all diese Menschen ja geflohen sind, weiterhin auf Putin gesetzt. Putin durfte einerseits Europa destabilisieren, andererseits wurde er als Partner hofiert. Europa verbrachte viele Jahre in einer Stabilität, die, wir wissen es heute, reine Illusion war. Die Folgen sind bitter: Nicht mal gegen einige Drohnen steht Verteidigungstechnologie zur Verfügung. Der Vorsprung bei den Erneuerbaren wurde aufgegeben, mögliche deutsch-französische Infrastruktur- und Industrieprojekte vernachlässigt. Das europäische Projekt ist, Mario Draghi erinnert immer wieder daran, unsere beste Chance auf unabhängiges Wachstum, gemeinsame Sicherheit und Frieden - aber weil das nicht genügend vorbereitet wurde, diskutieren wir über die Streichung der Pflegestufe1. </p><p>Andererseits  ist mir gut in Erinnerung, wie die Zeit damals war. Sommermärchen forever. Hätte Merkel in einer Fernsehansprache vor Putin gewarnt, Gas und Öl aus Russland verboten und Schulden gemacht, um Aufrüstung zu finanzieren – ihre eigene Partei hätte ihre Zurechnungsfähigkeit bezweifelt.  Aber sie sollte dazu lernen.  Ihre Äußerung jedenfalls ist ein klarer Fall für den Standardkommentar unseres Sohnes: <em>Sagt die richtige!</em></p><p>Was wirklich schmerzt, ist die verlorene Zeit. 2017, als Macron seine Vorschläge machte, also vor der Pandemie, war Frankreich wirtschaftlich und parlamentarisch viel stabiler. Nun schleppen sich die Parteien kläglich über die Runden. Alle sind voneinander genervt. Der einzige Grund, aus dem Premierminister Lecornu nicht schon längst per Misstrauensvotum aus dem Amt gekegelt wurde, ist, dass er seine Regierung noch nicht berufen hat.  Man kann die Regierung nur als Ganzes abwählen und seine derzeit  geschäftsführenden Ministerinnen und Minister – die sind ja schon abgewählt. Zombies kann man nicht erschießen. </p><p>Gemeinsam wäre es leichter gewesen und die Gegenwart nicht so verdammt gefährlich. </p><p>In Frankreich schaut man viel nach Marokko. Hoffnungsvoll, dass sich dort nun ein Jugendprotest erhebt, auch in Sri Lanka und Nepal tut sich etwas. An den Rändern also, wo besonders wenig Geld für junge Leute da ist. Ich vermute, dass sich auch in Europa bald wieder eine politische Jugendbewegung artikuliert. Denn derzeit spielt die  Jugend in ihrer Diversität, es ist natürlich kein einheitlicher Block, politisch nicht die geringste Rolle. Wenn ich irgendwo bin, wo sich Macht und Geld versammeln, oder wenigstens Einfluß, bin ich oft einer der Jüngsten im Zimmer. </p><p>Jüngere PolitikerInnen geben wegen der fehlenden Regulierung der Plattformen frustriert auf. Alte und sehr alte Männer vereinen mehr politische und finanzielle Macht als ihnen zusteht. Geld ist bergeweise da, für jeden Unsinn, aber gerade die brauchen es, die ins Leben starten - schreibt schon Montaigne. </p><p>Ich habe nicht den Eindruck, dass Trump oder Putin und das, was sie so vorzuschlagen haben,  bei der Mehrheit der Menschen unter 30 gut ankommen. Unser Sohn beschwert sich oft über die hohen Preise für Döner und vor einigen Monaten  erzählte ich ihm, dass ein neuer Politiker in New York sich in seinem ersten Bewerbungsclip genau darum kümmert, die irre hohen Preise für fast food. Tik Tok ist die bevorzugte Infoquelle des Sohnemanns, er hob nicht mal den Kopf, als er mir zustimmte: “Klar, der Mamdani.” Ich kam mir vor, als hätte ich ihm offenbaren wollen,  dass es in Kalifornien eine nach einem Apfel benannte Firma gibt und die machen Computer. (Ist nur ein thematisches Beispiel, ich weiß auch um die diskussionsbedürftigen Aspekte von Mamdanis Programm). </p><p>In diesen Tagen scheint die Politik fest zu stecken, aber das wird nicht so bleiben. Neue Leute bringen neue Themen und neuen Schwung – aber  wir kennen sie nicht. </p><p>Noch gehen sie morgen früh zur Schule. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Wegen meiner grundsätzlichen Vorliebe für das Genre konnte ich auch an den Memoiren von Kamala Harris nicht vorbei lesen. Zumal ich mich seinerzeit ja auch geirrt hatte und wissen wollte, was eigentlich die Kandidatin selbst über diesen Verlust sagt? Ganz offensichtlich hat Harris schon die nächste Wahl fest im Blick und äußert sich nur sehr vorsichtig, was zu einer gewissen Langeweile im Text beiträgt. Aber hin und wieder blitzen doch Momente der Wahrheit auf.</p><a href="https://107daysbook.com/">https://107daysbook.com</a><p> Am Erhellendsten fand ich die Beschreibung des höfischen Protokolls und der machtbeschwerten Institution, zu dem Politik in den USA verkommen sind. Die quasi imperiale Macht ist derart weit weg vom Alltag, dass auch Besuche draußen, bei den Wählerinnen und Wählern aufwendig inszeniert werden müssen. Als ihr während der Vorbereitungen für das TV Duell nach einem Spaziergang an der frischen Luft in Begleitung ihres Mannes ist, muss die Polizei ein Stadion finden und absichern, zu dem sie dann in großer Kolonne gefahren werden. In Gegenwart von Dutzenden von Personenschützern absolvieren sie dann den Abendspaziergang. </p><p>Sehr interessant liest sich ihre Darstellung der privaten Seite von Trump. Im Fernsehen gibt er ja den Oberfiesling, zu ihr war er aber immer voll des Lobes, zugewandt und schwärmte auch von ihrem Ehemann. Ich habe mich immer gefragt, wie Merz und Macron es schaffen, ein persönliches Verhältnis zu Trump aufzubauen, offenbar geht das ganz leicht.</p><p>Harris bewahrt Humor und gibt sich im Übrigen angenehm bescheiden. Sie hat viel gelernt, ihr Bestes gegeben, aber die Faktoren für einen Sieg waren nun mal nicht beieinander. Ihr Verhältnis zu Biden bleibt ambivalent: Einerseits mag sie ihn, respektiert seine Erfolge, andererseits hat er sie jahrelang nicht vorkommen lassen und sie startete ihre Kandidatur schwächer, als es nötig gewesen wäre. Wieder einmal ein Lehrstück: Wann immer linke, liberale und ökologische Kräfte einen Sieg erreichen, treten sie mit einem vielfältigen und charismatischen Team an. Wenn aber Pelosi, Newsom und wie sie alle heißen, ihre eigene Agenda verfolgen, geht man eben gemeinsam unter. Und wir gehen mit.  </p><p>Aber trotz allem: Wenn man diese Kandidatin mit dem derzeitigen Amtsinhaber vergleicht, kommt man schon ins Zweifeln: Warum sind auf der demokratischen die Standards der Amtsführung und Kommunikation  so extrem hoch, auf der anderen Seite des politischen Spektrums aber kaum noch existent?</p><hr aria-hidden="true"/><p>Das Genre des nordischen Krimis ist ein Opfer des eigenen Erfolgs. Manchmal glaubt man, eine entfesselte KI-Anwendung schmeißt irgendwelche Figuren, Städte und extreme Grausamkeiten in einen Becher und würfelt zusammen, was Plattformen dann ausspielen. Ermittler mit eigenem Knacks kommen vor, wilde Tiere, magische Nebel und internationale Serientäter. Oft gebe ich schon nach Minuten auf. Aber im Fall dieser isländischen Serie ist es anders. Die Grundidee erinnert an den Peter Weir Klassiker Der einzige Zeuge und die Ausgangssituation ähnelt einem Fall, der gerade in Frankreich diskutiert und verhandelt wird. Die Eingangsszene ist nichts für schwache Nerven, aber leider weder übertrieben noch erfunden: Feminizide sind krimineller Alltag.</p><a href="https://www.arte.tv/de/videos/120833-001-A/reykjavik-112-1-6/">https://www.arte.tv/de/videos/120833-001-A/reykjavik-112-1-6/</a><p>Essen und Rezepte sind ein tolles Medium für biografisches Erzählen. In diesem neuen Format des stets einfallsreichen New York Times Cooking  nennt sich das die Cook my Life Challenge. Ich überlege seitdem, welche drei Sachen ich kochen würde. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=G_0DyDpurtM&amp;list=PLYG6O_GQCZwjK7GurWsWWAKlOhN-9KM9Z">https://www.youtube.com/watch?v=G_0DyDpurtM&amp;list=PLYG6O_GQCZwjK7GurWsWWAKlOhN-9KM9Z</a><p>Das Saarland war ja ganz im Rausch der großen Einheitsfeier. Ich konnte leider nicht dabei sein, als kleiner Gruß kommt dafür das vegetarische Gericht aus dem schönen Blieskastel.</p><p></p><p></p><p></p><p></p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/linsenbaellchen-mit-pikantem-kuerbis/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzc1MzYx">https://www.ardmediathek.de/video/mit-herz-am-herd/linsenbaellchen-mit-pikantem-kuerbis/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9NSEFIXzc1MzYx</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Freitag und Samstag schreibe ich diesen Newsletter. Ihre finanzielle Unterstützung in Form der Mitgliedschaft ermöglicht es mir, das auch weiterhin tun zu können, denn so kann ich andere Aufträge absagen. Mitglied werden können Sie hier:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 05 Oct 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Im Dachgeschoss des Jahrhunderts]]></title>
      <description><![CDATA[Besuch bei Troller/Hacke Gefühle/Mediapart Sarkozy/Hergé bei Wbg/ Ottolenghi Es ist noch Zeit für einen Café, ziemlich viel sogar, aber ich möchte auf keinen Fall zu…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Besuch bei Troller/Hacke Gefühle/Mediapart Sarkozy/Hergé bei Wbg/ Ottolenghi</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cee53b38-a79b-4f3f-895d-6b9b7359ea12/uploads/images/nsdzg6kbxk/IMG_1324.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es ist noch Zeit für einen Café, ziemlich viel sogar, aber ich möchte auf keinen Fall zu früh kommen. Zweieinhalb Jahre ist es her:  Besuch bei Georg Stefan Troller. Ich möchte pünktlich sein, denn im Gespräch mit ihm verschieben sich die Epochen und Generationen dann ja doch. Er wohnt ganz oben, weit über Paris und schwebt hoch oben, auch über unserer Gegenwart, um immer wieder abzutauchen in die Geschichte.</p><p>Eine freundliche Haushälterin öffnet. Die Wohnung ist groß, voller Erinnerungsstücke und angenehm warm. Troller kommt etwas später in einem gemütlichen Bademantel. Die Haare lang und kunstvoll um den markanten Kopf drapiert. Er ist guter Laune und kichert viel. Zwischendurch ruft eine Freundin aus Zürich an und er regelt ein bisschen was, sein Netzwerk funktioniert noch. Seine ungezogene Katze nutzt die Telefonpause um über den Tisch zu spazieren und er weiss auch, warum: “Sie möchte geliebt werden.” Ich vermute eher, dass sie zur Milch neben der Kaffeetasse möchte.</p><p>Troller gehört nicht zu den Leuten, die die vielen Anekdoten ihres Lebens ungefragt abspulen. Er sagt nichts von seinem Nachmittag mit Muhammad Ali oder den Gesprächen mit Orson Welles. Das kommt daher, weil er nicht fertig ist, sondern immer weiter nachdenkt. Allein der Fall Charles de Gaulle: Der war so groß, dass er sich selbst im Weg stand und alle anderen Menschen so herumschieben wollte, wie ein Puppenspieler. “Außerdem” - empört er sich, als wäre es gerade eben passiert - “durfte ich im Hof des Élyséepalasts nicht parken. Dabei hatte ich das schwere Tonband dabei. Ja, deGaulle mochte eben keine Journalisten!”</p><p>Er erinnert sich an die Nazis, als seien sie eben zur Tür hinaus. Die hätten ihn locker und reuelos umgebracht, weil er Jude ist. Die Abwertung seines Äußeren, die Diskriminierung und Demütigung, diese Vorzeichen kommender und geplanter Morde sind ihm noch glasklar im Bewusstsein. Und dann der Tag, an dem er in amerikanischer Uniform das KZ Dachau befreite.  Antisemitismus gibt es aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in seiner Heimat Wien und in Frankreich eben auch. Illusionen macht er sich diesbezüglich keine. </p><p>Für Georg Stefan Troller ist die deutsch-französische Freundschaft kein Selbstzweck. Sie ist nur dann etwas wert, wenn sie dem Faschismus und dem Antisemitismus entgegen tritt. Aktueller geht es nicht. Was für ein Auftrag.</p><p>Nun ist er dann doch noch gestorben. Aber das sind nur Äußerlichkeiten. Wenn man in Paris hoch schaut, schaut er runter – ein Batman im Bademantel. Schaut, ob wir die extreme Rechte, die Antisemiten weiterhin bekämpfen oder wieder an die Macht lassen.</p><p>Dann, kein Zweifel, wären wir die dümmste Generation, die je in Europa gelebt hat.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Weil sie sich so gut lesen und in diesem einzigartigen, persönlichen Ton geschrieben sind, unterschätzt man leicht, wie viel Recherche in den Büchern von Axel Hacke steckt. In seinem neuen Buch geht es um das ganze Gewühle der Gefühle in einer komplizierten Gegenwart. Er verarbeitet dazu einen beachtlichen Turm neuerer Literatur und macht daraus eine anregende Konversation in eigenem Rhythmus. Man kommt auf die Höhe der Forschung, ohne sich durch Jargon wühlen zu müssen und wird auch nicht mit ungebetenen Ratschlägen behelligt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cee53b38-a79b-4f3f-895d-6b9b7359ea12/uploads/images/hebqimqyfr/IMG_8300.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es geht dabei um die Aktualität der Emotionen – ein Thema, das es nie in eine Zeitung und kaum je in die Zeitung schafft und doch usnere Welt und unser Leben ganz und gar bestimmt. “in einer Welt, in der jede und jeder Einzelne umschwellt und umschwallt ist von realen und manipulierten, geschwächten und verstärkten, eigenen und fremden Gefühlen, ist es eine anspruchsvolle Aufgabe, sich darüber klar zu werden: Was ist eigentlich mein Gefühl? Und was kommt von ganz woanders?”</p><p>Weil die demokratischen Parteien diese Dimension völlig ausklammern, reüssieren die Parteien, die sich ganz und gar der Stimmungsmache verschrieben haben. Übrigens: Dieser Newsletter kommt auch vor.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Am Donnerstag früh hörte ich zerstreut wie immer die französischen Nachrichten. Ein Experte kommentierte das Urteil gegen den einstigen Präsidenten Sarkozy, das im Laufe des Vormittags verkündet werden sollte. Eine Gefängnisstrafe, sagte der Auskenner, sei nicht zu erwarten, allenfalls irgendwann mal. Nach dem Berufungsverfahren. Tja.</p><p>Wenige Stunden später war Frankreich ein anderes Land. Der Ex-Präsident, der in seiner Amtszeit der Garant für das Funktionieren der Justiz war, muss ins Gefängnis.</p><p>Der Fall hat eine lange, komplizierte Vorgeschichte, nahm viele Wendungen und jede Menge komische Momente hat er auch. Die Verurteilung ist aber gerechtfertigt. Sarkozy hat nie erklären können, was seine engsten Vertrauten bei den Männern von Khadafi wollten, die sie unter großer Geheimhaltung in Tripolis aufsuchten. Ihr Gesprächspartner war ein libyscher Agent, ein in Frankreich verurteilter und gesuchter Terrorist – was wollten die beiden Emissäre des Law and Order Politikers Sarkozy von dem?</p><p>Es gibt zig andere Indizien - unter anderem diese Einbauküche, die sich Sarkozys Büroleiter und späterer Innenminister Claude Guéant gekauft und in bar bezahlt hat - in 50 Euro Scheinen. Der Chef des Küchenstudios sagte aus, dass das noch nie vorgekommen war. Zeugen aus Libyen gaben an, dass die Schmiergelder in solchen Scheinen ausgezahlt wurden. Guéant konnte nie erklären, woher das Geld stammt.</p><p>Dieses historische Urteil ist ganz und gar auf die Arbeit eines Mediums zurückzuführen, die durch Abonnements finanzierte, investigative Plattform Mediapart. Andere Medien haben kaum recherchiert. Die Kollegen haben ihr umfangreiches Wissen in einem Dokumentarfilm aufgearbeitet, der sich wirklich lohnt.</p><a href="https://www.mediapart.fr/vod/personne-n-y-comprend-rien">https://www.mediapart.fr/vod/personne-n-y-comprend-rien</a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cee53b38-a79b-4f3f-895d-6b9b7359ea12/uploads/images/tmpbt4g2vb/PHOTO-2025-09-23-15-54-29.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am vergangenen Freitag saßen Joachim Telgenbüscher und ich unter Dinos. Es war wieder Zeit für das tolle Beats and Bones Festival im Berliner Naturkundemuseum und wir sprachen über die größten Hypes der Geschichte in einer Live Performance unseres Podcasts “Was bisher geschah”. Anlass genug für ein kleines Update in dieser Sache: Es haben sich sehr viele Menschen eingefunden und auch Mitgliedschaften abgeschlossen, so dass wir jetzt erst einmal weiter machen können – weitere Mitglieder sind allerdings nach wie vor sehr willkommen.</p><p>Nach vielen Wochen der intensiven Arbeit an der Gründung einer Gmbh, der Akquise von zahlenden AbonnentInnen und Werbekunden, gibt es nun eine ganz neue Folge. Es geht um einen Mann, der rein äußerlich eines der langweiligsten Leben des 20.Jahrhunderts geführt hat. Aber dennoch, welcher Stoff!</p><a href="https://podcasts.apple.com/de/podcast/was-bisher-geschah-geschichtspodcast/id1733559978?i=1000727956837">https://podcasts.apple.com/de/podcast/was-bisher-geschah-geschichtspodcast/id1733559978?i=1000727956837</a><hr aria-hidden="true"/><p>Der Herbst ist meine unangefochtene Lieblingssaison: Neue Bücher, neue Pullover, Schreibwaren und Serien, Städtereisen, die Frankfurter Buchmesse und Geburtstag habe ich auch noch. Einfach perfekt. Wobei ich nur bedauere, dass die schöne Jahreszeit viel zu kurz ist. Ich nehme mir alljährlich zu viel vor und ehe ich mich sortiert und nach Herzenslust eingeherbstet habe, tobt schon wieder der Weihnachtswahnsinn. Also nichts wie ran an die Schmorgerichte, langen Spaziergänge, Leseabende, Kino- und Konzertbesuche und Trinkgelage – schneller, als man denkt werden die Tage schon wieder länger. Man muss wieder raus, Sachen machen und das Leben zieht weiter.</p><a href="https://ottolenghi.co.uk/pages/recipes/one-pot-chicken-orzo-porcini-cinnamon">https://ottolenghi.co.uk/pages/recipes/one-pot-chicken-orzo-porcini-cinnamon</a><p><strong>Kopf hoch,</strong></p><p><strong>ihr</strong></p><p><strong>Nils Minkmar</strong></p><p>PS: Am Freitag und Samstag schreibe ich diesen Newsletter. Um mir diese Zeit von anderen Aufträgen freihalten zu können, brauche ich ihre finanzielle Unterstützung. Wenn Sie können und möchten, hier entlang:</p><p><a href="https://steady.page/de/nminkmar/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 28 Sep 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Auf der Suche nach der neuen Zeit]]></title>
      <description><![CDATA[Demokratie muss Spaß Machen/Michael Roth Angst/Kimmel und Redford/Aline, Jacques und Julia An solchen Ecken der Republik kommt Nostalgie nach der Zukunft auf. Visionen…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 21 Sep 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wer hat an der Uhr gedreht?]]></title>
      <description><![CDATA[Zeitenwende ohne Ende/Nigel Slater /Serie Cum Ex/ Stand bei Wbg/Darroze und Pépin Ich habe zum Glück einen guten Schlaf, den hatte schon mein französischer Großvater,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 14 Sep 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Was im Sommer geschah…]]></title>
      <description><![CDATA[Geschichte eines Geschichtspodcasts/Adenauer und De Gaulle im Film/Alltag in der Wolfsschanze/Pizza in Parma Seit über hundert Folgen darf ich zusammen mit Joachim…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 07 Sep 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Der Krampf mit dem Kulturkampf]]></title>
      <description><![CDATA[Das Rätsel der Milchflasche/Marcel Ophüls/Annie Ernaux/Nigel Slater In der Klasse 5 des Gymnasiums hatte unser Klassenlehrer Hans Eckert eine Frage. Ich weiß gar nicht…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 31 Aug 2025 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[La Grande Illusion]]></title>
      <description><![CDATA[In diesem Sommer wurde in Bordeaux, einer Stadt, die ohnehin oft wirkt wie eine Filmkulisse, eine weitere Verfilmung von Les Misérables produziert. An vielen Stellen sah…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 24 Aug 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Der Stress mit dem Spaß]]></title>
      <description><![CDATA[Wolf Hall 2te Staffel/Da Empoli Raubtiere/Mit Herz am Herd Zuerst fiel es mir auf dem Bürgersteig auf: Gruppen von Freunden, Familien oder Weggenossen gehen nicht mehr…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 17 Aug 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die große Pause]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn ich im Sommer nach Frankreich reise, dann handelt es sich nicht um Ferien im klassischen Sinne. In den Augen der Freunde und Verwandten kehre ich dann in mein…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 06 Jul 2025 06:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der deutsche, deutsche Sommer]]></title>
      <description><![CDATA[Das ewige 1977/Götter und Menschen/The Waterfront/Was bisher geschah Nahost/Rezepte Am Taxistand der Nachbarschaft sehe ich fast jeden Tag einen Fahrer, mit dem ich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 29 Jun 2025 06:00:01 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Im Vaterland]]></title>
      <description><![CDATA[Der große Wandel/Michael Wolff/Nadia Pantel/Serie Stick/Brandade de Merlu Wenn der französische Soziologe Jean Viard im Radio zu Wort kommt, drehe ich den Ton auf und…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 22 Jun 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wald und Welt]]></title>
      <description><![CDATA[Wahnsinn mit Methode/Peter Thiel/Christian Bau/Film Die alte Welt /Kochen - einmal asiatisch, einmal Bordeaux …]]></description>
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      <pubDate>Sun, 15 Jun 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die große Illusion]]></title>
      <description><![CDATA[Sommer des Bullshits/Mobland/Ginsterburg/Blanquette mit Gemüse Die Entzweiung von Musk und Trump war zu erwarten wie der Schnupfen nach der Buchmesse. Nun zieht dieser…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 Jun 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Zeus are us]]></title>
      <description><![CDATA[Begegnung in Strasbourg/Original Sin/Wohnen in Paris/Michel Bras Es ist allen vertraut, und doch nähern sich die Leute mit Ehrfurcht – wie immer, wenn jemand aus dem…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 01 Jun 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Rückfahrt nach Bonn]]></title>
      <description><![CDATA[Hits der Achtziger/Chaja Polak/Beigbeder und Tesson/Dark Hearts/Ottolenghi Die Themen und der Sound der neuen Regierung wirken erschreckend veraltet, man könnte von…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 25 May 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Ein Abend im Sélect]]></title>
      <description><![CDATA[Das doppelte Frankreich/Doku über Selenskyj/Yoran Krempel/Slater-Klassiker Es gibt angesagtere, schickere Adressen in Paris als diese alte Brasserie am Boulevard…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 18 May 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nervöse Zone]]></title>
      <description><![CDATA[Drama-Dienstag/Filme zum 8.Mai/Magro Radatouille/Pépin und Picknick Die Älteren erinnern sich womöglich noch an letzten Dienstag. Ich stieg in Frankfurt auf den Zug nach…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 11 May 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Das süße Leben]]></title>
      <description><![CDATA[Die Rechten und die Medien/Inside CDU/Jan Böhermann/Uwe Wittstock/Maité und Nisha Vora Die Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem …]]></description>
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      <pubDate>Sun, 04 May 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Was der Kanzler kann]]></title>
      <description><![CDATA[Die resiliente Gesellschaft/Ungerers Memoiren/Serie East Side/ Gysi und Rach/Kochen und Erinnerung Nur noch zwei Wochen, dann endet die im November begonnene…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 27 Apr 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein zweites Leben]]></title>
      <description><![CDATA[Zehn Tage mit Lada/Serie Bates gegen die Post/Handke interviewen/Beyer Kornblumenblau/Rezepte für die Feiertage Anfang Februar holte ich ein überfälliges Check-up bei…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 20 Apr 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Fluch der letzten Meter]]></title>
      <description><![CDATA[Stillstand/Brief an Macron/Buch Großvater und Täter/ Serie 37 Sekunden /Maria Nicolau Wenige Minuten vor der Einfahrt des ICE in den Frankfurter Hauptbahnhof bleibt der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 13 Apr 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Drei Sprünge]]></title>
      <description><![CDATA[Marine Le Pen family values / DeGaulle am Strand/Doku zum Fall Cantat/ Etchebest  5 Kilometer sind es von der Maison du Surf, wo ich mein Fahrrad abstelle, zu den Resten…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 06 Apr 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der große Zaubertrick]]></title>
      <description><![CDATA[Kanzlerlos glücklich/Georg Diez Kippunkte/Cohn-Bendit/Serie Cum Ex/Ottolenghi Seit die Ampel-Koalition Anfang November vergangenen Jahres ihr Ende fand, hat die…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 30 Mar 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Alles wie immer]]></title>
      <description><![CDATA[Neues Deutschland/White Lotus Staffel3/Yasmina Reza/Guide Michelin ]]></description>
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      <pubDate>Sun, 23 Mar 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Reise nach Hanau]]></title>
      <description><![CDATA[Umberto Eco/Patrick Modiano/Leib und Seele Einer der vielen Vorteile, im Saarland aufzuwachsen, liegt darin, dass einen selbst die brutale Hässlichkeit einer Stadt nicht…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 16 Mar 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Fünf Jahre]]></title>
      <description><![CDATA[In Pandemie-Zeiten habe ich mir bestimmte Waldrunden angewöhnt, die ich immer noch gehe. Zu Beginn der Seuche, als der erste teilweise Lockdown kam, begleitete mich das…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 09 Mar 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Du côté de chez Charles]]></title>
      <description><![CDATA[Aktualität der Vergangenheit/Serie Douglas is cancelled/The Brutalist/Einaudi Summer Portraits/Nigel Slaters Alltagsbraten Vor einiger Zeit besuchte ich Georg Stefan…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 02 Mar 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Pardon…]]></title>
      <description><![CDATA[der Newsletter wurde aus Versehen schon heute Nachmittag versendet, vor lauter Huddel. Aber morgen früh kommt er gleich nochmal. A demain Nils Minkmar]]></description>
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      <pubDate>Sat, 01 Mar 2025 16:43:42 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Du côté de chez Charles]]></title>
      <description><![CDATA[Aktualität der Vergangenheit/Serie Douglas is cancelled/The Brutalist/Einaudi Summer Portraits/Nigel Slaters Alltagsbraten Vor einiger Zeit besuchte ich Georg Stefan…]]></description>
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      <pubDate>Sat, 01 Mar 2025 16:34:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Zauber des Anfangs]]></title>
      <description><![CDATA[Der letzte Wahlkampf alten Typs/Paddington 3/Pörksen “Zuhören”/Pot au Feu Der Bundestagswahlkampf 2025 ist, dank Trump, der letzte seiner Art. Noch ist alles wie früher.…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 23 Feb 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Valentinstag-Massaker]]></title>
      <description><![CDATA[Vance in München/Kapitelmans neuer Roman/Von Umzügen/Serie Papa Der vergangene Freitag ist jetzt schon ein Datum für die Geschichtsbücher. Die Regierung der USA wechselt…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 16 Feb 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Nostalgie nach der Zukunft]]></title>
      <description><![CDATA[Nachmittage mit Otto/En Fanfare/ Doku Vertrauensfrage/Andrea Maurers Buch über den BSW/Gemüse ist das neue Fleisch/ Emmanuel Renaut Manchmal hänge ich im Park in der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 09 Feb 2025 07:00:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das Glück der Krise]]></title>
      <description><![CDATA[Kaninchenbaue der Irrelevanz/Haruki Murakami/Komische Männer/Silke Maier-Witt/Küchentricks, vegan und anders Wenn man mit einem Erkältungsvirus zuhause vor sich hin…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 02 Feb 2025 07:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Früher hell]]></title>
      <description><![CDATA[Ich hatte mich fast damit abgefunden, in Friedrich Merz den nächsten Bundeskanzler zu sehen. Immerhin ist er ein bürgerlicher Mensch, der stabile Mehrheiten organisieren…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 26 Jan 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[2025 - Erste Bilanz]]></title>
      <description><![CDATA[Mein erster Termin im neuen Jahr führte mich ins Polizeipräsidium. Ich begleitete unseren Sohn, der sich dort Fotos verdächtiger Personen anschauen sollte. Einige Wochen…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 Jan 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Neues Jahr, alte Gespenster]]></title>
      <description><![CDATA[Als vor einigen Tagen der alte Le Pen starb, kam mir angesichts der vielen gemäßigten und irritierend ratlosen Würdigungen ein unangenehmer Gedanke. Man rief ihm im…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 12 Jan 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das Fest und die Geister]]></title>
      <description><![CDATA[Viel zu tun/Büscher “Der Weg”/Serie “Die Mafia mordet nur im Sommer”/Weihnachtsmenüs Die Mehrheit der Französinnen und Franzosen glaubt nicht an Gott, das ist ein…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 22 Dec 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Eine Reise]]></title>
      <description><![CDATA[Was Europa sein könnte/Doku über Putins Pläne/Wer ist Bayrou?/Poule au Pot Meiner vermutlich letzte Dienstreise in diesem bewegten Jahr führte mich nach Dijon. Dort las…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 15 Dec 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Gorillas im Nebel]]></title>
      <description><![CDATA[Schrumpfende Relevanz/Hochzeit in Notre-Dame/Jana Kreisl/ Bresse Als wir noch in Köln wohnten und unsere Tochter ein Kleinkind war, gingen wir jeden Montag in den Zoo.…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 Dec 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Vive la France]]></title>
      <description><![CDATA[Am Montagabend fand in der französischen Botschaft zu Berlin ein denkwürdiges Dîner statt. Der Botschafter François Delattre, rechts im Bild, hatte unter anderem den…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 01 Dec 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Im Landeanflug]]></title>
      <description><![CDATA[Ende des Sommermärchens/Kérangal fährt Zug/ Serie Stay Silent/ Total Turkey Von oben sehen Deutschland und sein geschäftiges Herz, der Frankfurter Flughafen, aus wie…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 24 Nov 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Heute ist der siebte Tag!]]></title>
      <description><![CDATA[Feiertag für eine Person/Serie über Mani Pulite/Kazim fährt durch Deutschland/Linsengericht Mein Vater hatte einen Studienfreund, dessen Geburtsort die alte Stadt Bagdad…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 17 Nov 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Welt seit Mittwoch]]></title>
      <description><![CDATA[Bis es soweit war, habe ich mir nicht vorstellen können, dass Kamala Harris verliert. In den Tagen davor folgte ich einem Demoskopen aus Florida, Christopher Bouzy, der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 10 Nov 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Die andere Seite des Horizonts]]></title>
      <description><![CDATA[Western bei Regen/Hachmeisters “Hitlers Interviews”/Nothomb&Beigbeider Seit ich ein Kind bin, schaue ich westwärts. Von dort kommt das Wetter für die französische…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 03 Nov 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Pizza Famiglia]]></title>
      <description><![CDATA[Jugend von heute/The Apprentice/ Sanfte Radikalität/ Huhn an Riesling Neulich klingelt es beherzt an unserer Tür, gleich drei Mal und ich schlurfe zur Sprechanlage. Es…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 27 Oct 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das beste Deutschland]]></title>
      <description><![CDATA[Buchmesse 2024/Shrinking2/Zeiten ohne Wende/ Klink und das Schnitzel Der erste Tag der Buchmesse ist - von den Feiern in der Familie abgesehen- mein liebstes Datum im…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 20 Oct 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Vierundzwanzig Tage]]></title>
      <description><![CDATA[Ampel auf Standby /Caroline Peters/Levit und Thielemann/Marengo Die Zeit der Ampel neigt sich ihrem Ende zu. Im kommenden Jahr wird jede Partei für sich alleine…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 13 Oct 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Ausgang]]></title>
      <description><![CDATA[Kant und die Wahlen/Kati Witt/Unselds Chroniken/Bocuse Im Jahr 1962 veröffentlichte Luis Buñuel seinen Film “Der Würgeengel”. Er erzählt die Geschichte einer Party,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 06 Oct 2024 06:01:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Bin grad im Zug, verstehen Sie mich?]]></title>
      <description><![CDATA[Geheimnisschutz im ICE/Buch Grand-Papa/Film La Vérité/ Rezepte Sein Laptopbildschirm zeigt das Anmeldefenster einer Bundesbehörde. Sein Name steht dort zu lesen. Ich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 29 Sep 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Route neu berechnen]]></title>
      <description><![CDATA[Tabuthema Steuererhöhung/Film Kaizen von Inès Inoxtag Benazzouz/Michael Mann Über Kriege/ Memoir von Nigel Slater Ich kenne viele, die vom Bundeskanzler enttäuscht sind,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 22 Sep 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Rätsel der Routine]]></title>
      <description><![CDATA[In den letzten, so bewegten Wochen habe ich mir eine Routine zugelegt, zunächst ganz ohne Absicht, aber nun hat sie mich fest im Griff: Ich gehe jeden Tag zur selben…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 15 Sep 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[No News]]></title>
      <description><![CDATA[Aus Gründen, die nicht hierher gehören, habe ich in den letzten Wochen viel Zeit als Besucher in einer Berliner Klinik verbracht. Diese Welt war mir neu, ich kam nur mit…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 Sep 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Auf dem Weg]]></title>
      <description><![CDATA[Migration und Utopie/La Rentrée/Was bisher geschah/Nigel Slater Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit wurden jedem einzelnen Menschen derart umfassende Grundrechte…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 01 Sep 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Sommer der Anarchie]]></title>
      <description><![CDATA[An unserem südwestfranzösischen Ferienort gab es in diesem Sommer eine sichere Methode, um in verdutzte Gesichter zu schauen: Ich musste einfach nur fragen, wer der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 25 Aug 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Vergangene Sorgen]]></title>
      <description><![CDATA[Im Rewe stand vorgestern ein Mann neben mir und betrachtete konzentriert das Tierfutterregal. Er war weder alt noch jung, weder reich noch arm. Einfach ein Mann aus der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 14 Jul 2024 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Das Wunder von Paris]]></title>
      <description><![CDATA[In den letzten Wochen hat sich Frankreich verändert. Man hat noch mal genauer hingesehen, wer sich unter dem Logo des Rassemblement National so versammelt: Da war ein…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 07 Jul 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Douçe France]]></title>
      <description><![CDATA[Die Terrasse des Cafés ist fast leer. Eine der Kellnerinnen plaudert mit der Dame neben mir, die wohl jeden Tag kommt. Ihr Hund jedenfalls fühlt sich wie zu Hause und…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 30 Jun 2024 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Stille Tage im Élysée]]></title>
      <description><![CDATA[In einer Woche findet in Frankreich der erste Wahlgang der Parlamentswahlen statt. Aber schon heute hat sich das Land verändert: Das politische System hat den Geist…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 23 Jun 2024 06:01:01 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Ein historischer Sommer]]></title>
      <description><![CDATA[Die Älteren mögen sich noch an die Europawahl 2024 erinnern. Das war erst vor einer Woche, aber noch die gute alte Zeit. Heute ist die Lage ungleich dramatischer. Ich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 16 Jun 2024 06:01:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Termin]]></title>
      <description><![CDATA[Wahltag in Europa/Peter Lorre/Montaignes Katze als Taschenbuch/Spanisches Huhn in London Kein anderes Gebäude symbolisiert europäischen Geist so beeindruckend wie das…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 09 Jun 2024 06:01:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Abend in Bellevue]]></title>
      <description><![CDATA[Als der Komponist und Virtuose Felix Mendelssohn ein Kind war, mag er in diesem Park am Ufer der Spree gespielt haben. Dann betrachtete er vielleicht das schöne, nicht…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 02 Jun 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Staatsbesuch]]></title>
      <description><![CDATA[Während Sie diesen Newsletter lesen, sitze ich im Zug nach Berlin, um abends im Schloss Bellevue am Empfang für Emmanuel Macron teilzunehmen. Und weiß immer noch nicht,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 26 May 2024 06:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Wege der Freiheit]]></title>
      <description><![CDATA[Die Frage von La Boëtie/Hollywood Con Queen/Savianos Falcone/Huhn Budapest Im Sommer 1548 stellt ein achtzehnjähriger französischer Student eine simple Frage: Wie kommt…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 May 2024 06:01:01 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Place du 11 Novembre 1918]]></title>
      <description><![CDATA[In der letzten Woche war ich zur Recherche für ein neues Buch in Bordeaux und nutzte die Gelegenheit, mir die Gedenkveranstaltung zum 8.Mai anzusehen. In Frankreich ist…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 12 May 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das geheime Deutschland]]></title>
      <description><![CDATA[Am vergangenen Montag reiste ich nach Neuss zur Verleihung des Goldenen Bloggers 2024. Treffpunkt war ein Hotel in Düsseldorf, das tolle 25hrs La Tour, dann fuhren alle…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 05 May 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Ein Tag in Europa]]></title>
      <description><![CDATA[Der vergangene Donnerstag war nichts für schwache Nerven. Am Nachmittag wurden im Bundestag in einer ungewohnt deutlichen und heftigen Debatte die verräterischen…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 28 Apr 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Pfannkuchentorte]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Rätsel namens News/Schäubles Memoiren/Ripley Netflix/ Mobiles Huhn Nachrichten, früher die Basiseinheit des Journalismus, sind zur Denksportaufgabe geworden. Iran…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 21 Apr 2024 06:01:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Helden des Alltags]]></title>
      <description><![CDATA[Incel im Zug/Rushdies “Messer”/Scheerer-Verfilmung/Blumenkohl von der Wielandshöhe Für die Rückreise aus Frankreich hatte ich per Sparpreis ein Erster Klasse Ticket…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 14 Apr 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Bofrost-Falle]]></title>
      <description><![CDATA[Eine Partei versteckt sich in der Tiefkühltruhe/Anacharsis Cloots/BHL on Tour/Ostermenü mit und ohne Der Wunsch des SPD Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich nach einem…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 31 Mar 2024 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Stresstest]]></title>
      <description><![CDATA[Götter, Pandas und die Prinzessin von Wales/Miniserie Kafka/ Gefühlskino/ Rezepte zu Newroz Kriege, Attentate, Katastrophen – in diesen Tagen erfüllt die britische…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 24 Mar 2024 07:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Neuer Versuch]]></title>
      <description><![CDATA[Macron und Scholz/Was bisher geschah/ Troisgros Die Politiker unserer Zeit werden später an nur einem Kriterium gemessen werden: Wie effektiv sie der Ukraine halfen.…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 17 Mar 2024 07:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Ort auf Erden]]></title>
      <description><![CDATA[Der Stress mit dem Wohnen/Didier Eribon/Wirecard/ Guy de Malherbe Es begann mit dem Besuch freundlicher Installateure, einer Ingenieurin und der Hausbesitzerin. Der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 10 Mar 2024 07:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Sieger]]></title>
      <description><![CDATA[Lançon in Saarbrücken/Rebecca Solnit/Hafen ohne Gnade/ Otto Lenghi Ich vermeide es, am Sonntag zu reisen oder zu arbeiten, aber heute vor einer Woche habe ich eine…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 03 Mar 2024 07:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Chefless]]></title>
      <description><![CDATA[Der Chef stirbt aus / Markus Preiß Angezählt/ TrueDetective/ Kochen im Februar Seit dem 1. Mai 2021 habe ich keinen Chef mehr. Doch in all den Arbeitsjahren zuvor, da…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 25 Feb 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Im Bonusmonat]]></title>
      <description><![CDATA[Der Fall Grumbach/Epidemie der Einsamkeit/Serie Stonehouse/Slater tröstet Am 11. Oktober 1980 fand in Pont-l’Évêque in der Normandie die Traumhochzeit des Jahres statt:…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 18 Feb 2024 07:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Tiefe des Raums]]></title>
      <description><![CDATA[Das große Misstrauen/ Sylvain Tesson/ Marseille 1940/ Klassiker Selten zweifle ich so an der Überlebensfähigkeit der Menschheit wie beim Einstieg in einen ICE. Alle…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 11 Feb 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Eine Übung in Zuversicht]]></title>
      <description><![CDATA[Kultureller Optimismus/ Larry David/ Jackson über Pétain/ Canard à l’Orange In der letzten Woche besuchte ich wieder einmal das mythische Marl. Für unseren Podcast…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 04 Feb 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Aufgewacht!]]></title>
      <description><![CDATA[Die Demonstration/ Marcel Reich-Ranicki/Streit um Butterchicken Ich war etwas zu spät am Marktplatz angekommen. Der Zug war schon eine gute Stunde unterwegs und ich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 28 Jan 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Dry January]]></title>
      <description><![CDATA[Gegen die Rechten/True Detective S4/ Freud in Italien/ Bestes Huhnrezept Die großen Demonstrationen gegen die AfD sind lang ersehnte Lebenszeichen aus der Mitte der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 21 Jan 2024 07:01:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Alles neu macht der Januar]]></title>
      <description><![CDATA[Magie der Personalie/ Der Junge und der Reiher/Lolita-Doku /Pâté en croute Die Regierungsumbildung durch Macron hat in Deutschland manche manchmal, in Frankreich aber…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 14 Jan 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Another Year]]></title>
      <description><![CDATA[KI und wir/Rebekka Habermas/ Madoff Serie/ Herr Grün und Nigel Slater Zwischen den Jahren öffnet sich ein kalendarisches Bermuda-Dreieck, in dem schon mal etwas…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 07 Jan 2024 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Im Weihnachtswahnsinn]]></title>
      <description><![CDATA[Vor dem Rathaus und der Kathedrale der schönen Stadt Bordeaux steht in diesem Jahr erstmalig eine Weihnachtsbaumskulptur, ganz aus Glas und Metall. Sie ist ein…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 17 Dec 2023 07:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Saison der Symbole]]></title>
      <description><![CDATA[Die Lage/Das Buch Endzeit/ Jodie Foster in Nyad/Veganes Foie gras Einer der schönen Termine kurz vor Jahresende ist für mich die Herbstsitzung der Académie de Berlin in…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 10 Dec 2023 07:01:01 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Komm in den totgesagten Park]]></title>
      <description><![CDATA[Cliffhanger in Europa/Ach, Napoléon/Werner Herzog/ Elsässisches Huhn Ich nenne diese Wochen der extrem kurzen Tage bis Weihnachten den Tunnel. Es ist eine gute Zeit für…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 03 Dec 2023 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Problem mit Problemen]]></title>
      <description><![CDATA[Problem Nummer Eins und seine Feinde/Cas Mudde/Dr Ballouz/Libanon-Huhn In Meinungsumfragen, der französische Soziologe Pierre Bourdieu erinnerte gern daran stellt man…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 26 Nov 2023 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Im Tempel]]></title>
      <description><![CDATA[Löschung und Neustart/Napoléon/Thomas Schmid/ Das Schwein von Gaza/ Stressfrei Thanksgiving Ein Apfel weist den Weg, aber Obst gibt es hier nicht. Nur von der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 Nov 2023 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ein anderer Weg]]></title>
      <description><![CDATA[Linke Selbstblockaden/ Wenders & Kiefer/Margot Friedländer/Geburtstagsessen Still und heimlich wird in Hessen eine neue Regierung gebildet. Und weil das Land, das einst…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 12 Nov 2023 07:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Geburtstag eines Freundes]]></title>
      <description><![CDATA[BHL 75/Serie über den Mord an Palme/Parlement Staffel 3/ Geschmortes Huhn Es war so ein seltsames Privatkino im achten Arrondissement von Paris. Dort hatte er mich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 05 Nov 2023 07:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Eine Folge von Regentagen...]]></title>
      <description><![CDATA[Heute haben Sie eine Stunde länger Sonntag – man muss dieser Tage für jede gute Nachricht dankbar sein. So nah kommt man in unserer entzauberten Welt sonst nie an…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 29 Oct 2023 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Utopie mit U-Bahnanschluss]]></title>
      <description><![CDATA[Auf dem Sofa mit Salman/ Die Rechten und die Umwelt/Eduard Zimmermann/ Statt Winterschlaf Seit ich zur Buchmesse fahre – als Student ging das los – ist mein Leben immer…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 22 Oct 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Tag nach dem anderen]]></title>
      <description><![CDATA[Als ich vor sieben Tagen diesen Newsletter schrieb, kam mit die Welt schon ziemlich düster und kompliziert vor. Und doch war das die gute alte Zeit. Unnötig, alles an…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 15 Oct 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Rede]]></title>
      <description><![CDATA[Sagen, was ist/ Stehen Anpalagan/Parlament Staffel 3/Ottolenghi again Der Angriff der Hamas auf Zivilisten in Israel hat mich nicht überrascht. Das Land leidet unter…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 Oct 2023 07:12:09 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Rede]]></title>
      <description><![CDATA[Sagen, was ist/ Stehen Anpalagan/Parlament Staffel 3/Ottolenghi again Der Angriff der Hamas auf Zivilisten in Israel hat mich nicht sonderlich überrascht. Das Land…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 Oct 2023 06:01:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Strategischer Wahnsinn]]></title>
      <description><![CDATA[Goethe in Bordeaux/ Tapie auf Netflix/Leonardo auf Ebay/Petitrenaud in Marseille In direkter Nachbarschaft des hier abgebildeten Jardin Public in Bordeaux -dem…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 01 Oct 2023 06:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die schöne Gegenwart]]></title>
      <description><![CDATA[Deutsche Gründerzeit/Stefan Lambys "Ernstfall"/ Wladimir Horowitz/Alessandra Montagne Hähnchenkroketten Auf einem Empfang klagte mir neulich ein Universitätsdozent sein…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 24 Sep 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Wiedergänger]]></title>
      <description><![CDATA[Erfurt/Show the stakes, not the odds/Tulsa King/Hachis Parmentier Gegenüber des Hauptbahnhofs in Erfurt begrüßt dieser Schriftzug die Touristen: In jenem Gebäude befand…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 17 Sep 2023 06:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Knick in der Logik]]></title>
      <description><![CDATA[Das Kreuz mit dem X/Philip Blom/Yishai Sarids "Schwachstelle"/Le Fooding Ich bin seit vielen Jahren auf Twitter aktiv und habe dort intensiv gelernt, tolle Menschen und…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 10 Sep 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die große Pause]]></title>
      <description><![CDATA[In Frankreich begrüßte ich alle mit derselben Frage: Hast du auch an den Aufständen teilgenommen? Einige hatten ganz vergessen, dass es die émeutes, wegen denen der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 03 Sep 2023 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Endspurt]]></title>
      <description><![CDATA[Rückkehr der Leichtigkeit/Hanif Kureishi/OSS117/Korrekturen/Fabien Vallos Dies ist der letzte Newsletter vor der Sommerpause, der nächste landet am 3. September wieder…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 23 Jul 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Drei schwarze Steine]]></title>
      <description><![CDATA[14.Juli 1789/Hilary Mantel/Milan Kundera/Spaß und Gesundheit Michel de Montaigne hat einmal einen Tag in der Bastille, dem legendären königlichen Gefängnis in der Mitte…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 16 Jul 2023 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[So weit so gut]]></title>
      <description><![CDATA[Ich finde die Aufregung wegen einer einstweiligen Verfügung aus Karlsruhe völlig überzogen. Gut, dass dieses Gesetz dann irgendwann kommt. Die Modernisierung der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 09 Jul 2023 06:00:01 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Der Zufall]]></title>
      <description><![CDATA[Freitag traf ich mich mit einem Freund in einem Café und plötzlich nähert sich eine Gestalt, die mir vertraut ist. Der Mann mit dem Watschelgang fällt nicht auf in…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 02 Jul 2023 06:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Mediale Monokultur]]></title>
      <description><![CDATA[Mediale Monokultur Am vergangenen Donnerstag verdüsterte sich das Wetter plötzlich, auf allen Kanälen wurde vor Sturm und sogar Tornado gewarnt. Ich hatte Seminar an der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 25 Jun 2023 11:46:58 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der längste Tag]]></title>
      <description><![CDATA[Der Sommerputsch/Arnold/ Tintenfisch vom Berg Athos ]]></description>
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      <pubDate>Sun, 25 Jun 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Name der Reise]]></title>
      <description><![CDATA[Wo das deutsche Herz schlägt/ Doku Immer zu Diensten/ Johannes Willms über Louis 14/Das Sonntagshuhn der Fontaine de Mars in Paris Nach der Lesung in der Stadtbücherei…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 18 Jun 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Abflug zur Sonne]]></title>
      <description><![CDATA[Universitäten/Françoise Gilot und ihr Ex/Elton John/Maïté In der letzten Woche besuchte ich nach langer Zeit wieder die Universität des Saarlandes in Saarbrücken, wo ich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 11 Jun 2023 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Treppe]]></title>
      <description><![CDATA[Neben unserem Wohnhaus verbindet eine Treppe die Innenstadt mit den oberen Wohngebieten. Sie ist recht steil und lang, exakt 104 Stufen aus altertümlichen Granit sind…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 04 Jun 2023 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Und nun?]]></title>
      <description><![CDATA[Teheran 1943/Doku über Juan Carlos/Türkische und saarländische Rezepte Sie schlafen im Sand der Atlantikküste, wie die Pyramiden einer vergessenen Zeit. Jede Saison…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 28 May 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Die Saison für politische Phantasie]]></title>
      <description><![CDATA[Selenskyj/Stuckrad/Obama/Japan-Huhn In den letzten Tagen flog der ukrainische Präsident durch die Welt, wie ein Superstar der internationalen Politik. Der Krieg ist noch…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 21 May 2023 06:31:01 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Dieses schnelle Jahr]]></title>
      <description><![CDATA[Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs/Bruno Le Maire/ Black Earth Rising / Artischockenhuhn und Gewissenskonflikt Ich kann den Kalender nur schwer begreifen:…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 14 May 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[In der langen Zeit]]></title>
      <description><![CDATA[Die Krise des Konservativismus/Christopher Clark/ Marseille/Fabien Valos Vor einer Lesung in Wolfenbüttel durfte ich am Donnerstag einen Blick in die Herzog August…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 07 May 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Negativ]]></title>
      <description><![CDATA[Corona/Hitler-Tagebücher/Serie Rough Diamonds/Weltmeisterschaft im Bresse-Huhn Noch auf der Rückreise aus den Ferien fühlte ich wie einen heftigen Muskelkater und…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 30 Apr 2023 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der Recyclinghof am Ende der Welt]]></title>
      <description><![CDATA[Frankreich im Frühjahr/Raue der Restaurantretter/Salman Rushdie/ Coronation Quiche In Deutschland fahre ich nie zum Recyclinghof. Ich weiß noch nicht mal, wo der bei uns…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 23 Apr 2023 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Zeitschleifen]]></title>
      <description><![CDATA[Nahostkonflikt/Reza Aslan Zelot/John Le Carré/Serie Transatlantik/Huhn mit Cognac In der letzten Woche ging es erst um Donald Trump und dann, sich allmählich steigernd, …]]></description>
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      <pubDate>Sun, 09 Apr 2023 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Heute ist der siebte Tag!]]></title>
      <description><![CDATA[PS: Damit es mit diesem Newsletter weiter gehen kann, werden bis zum 1.Mai 300 Mitglieder benötigt. Wenn sie ihn also gerne lesen und das Geld dafür investieren können,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 02 Apr 2023 06:31:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die  Zeit der Welt]]></title>
      <description><![CDATA[Stunde vor oder nach?/Zwanzig Jahre Irakkrieg/Valentin Groebner/Alexandre Marchon Letzte Woche besuchte ich wieder mal die Völklinger Hütte, ein…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 26 Mar 2023 05:31:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Neunundvierzigdrei]]></title>
      <description><![CDATA[Macrons Wette/Salman Rushdie/Gerd Dudenhöffer/Boeuf Bourguignon Seit Donnerstag ist es völlig unmöglich, französische Talkshows oder Radiosendungen zu verfolgen, alle…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 Mar 2023 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sehen, was ist]]></title>
      <description><![CDATA[Die Bombe/Aldo Moro/Alexandre Couillon/In eigener Sache Zu den Ritualen des modernen Familienlebens zählt der Elternabend. Mein Vater sorgte an meiner saarländischen…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 12 Mar 2023 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Erste Signale]]></title>
      <description><![CDATA[Verfallsdaten/Edition Paulskirche/Nigel Slater Es gibt eine Person, die einmal dieses Land regieren wird. Sie weiß heute nichts davon, geht vielleicht noch zur Schule…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 05 Mar 2023 07:23:12 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Volle Konzentration]]></title>
      <description><![CDATA[Route neu berechnen/Doku über Gazprom/Therapie für Superreiche/Hymne auf das Huhn Als ich meinen Roman Montaignes Katze recherchierte und schrieb, kam mir dieses Jahr…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 26 Feb 2023 07:31:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Der ratlose Präsident]]></title>
      <description><![CDATA[Macron und der Stresstest/ Die Stellenanzeige auf der Pizza/Der Magier im Kreml/Das Mittel gegen fast alles Eine Freundin, die den französischen Präsidenten Emmanuel…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 Feb 2023 07:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die gewendete Zeit]]></title>
      <description><![CDATA[Überraschung am Mittwoch/De Gaulle wieder gefunden/Montaigne in Marbach Ich konnte es kaum glauben, als sich am Mittwochabend die Nachricht vom Besuch Zelenskyis in…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 12 Feb 2023 07:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Recht auf Faulheit]]></title>
      <description><![CDATA[Frankreich debattiert/ Der siebte Tag von ChatGPT/Serie Shrinking/Vorspeisen von Vincent Klink Die Proteste gegen die Rentenreform von Emmanuel Macron haben längst die…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 05 Feb 2023 06:59:53 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Im Nebel der Gegenwart]]></title>
      <description><![CDATA[In der Nähe meiner Heimatstadt Saarbrücken liegt ein beschaulicher Hügel, die Spicherer Höhe. Es ist der Schauplatz einer der ersten blutigen Massenschlachten der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 29 Jan 2023 07:16:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Der Reset]]></title>
      <description><![CDATA[Reise nach Paris/Serie Der Wahlkämpfer/Polentalasagne nach Ariane Delmas In der vergangenen Woche war ich für die Süddeutsche in Paris, um über die Stimmung vor dem…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 22 Jan 2023 06:36:23 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Menschen haben keine Wurzeln]]></title>
      <description><![CDATA[Der Januarvorschlag/Dror Mishani/arte-Doku zum deutsch-französischen Beziehungsstatus/Simples Huhn für Winterschlaf In unserer Familie wurde schon immer über Politik…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 15 Jan 2023 06:31:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Imagine]]></title>
      <description><![CDATA[Politische Fantasie/The White Lotus/ Paul Bocuse/Johanna Adorjàn In einem neuen Jahr mit noch ziemlich leeren Kalender scheint, wenn die Tage morgens früher beginnen,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 Jan 2023 06:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Auf gutem Weg]]></title>
      <description><![CDATA[Letterman in Kiew/Reemtsma-Film/ Das Lachen meiner Großmutter Es war noch richtig warm, als mein Roman Montaignes Katze im September erschien. Anschliessend durfte ich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 18 Dec 2022 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die kurzen Tage im längsten Jahr]]></title>
      <description><![CDATA[Dialektik des Zeitempfindens/Annie Ernaux/ Festmenü nach Ottolenghi In diesem Dezember unterliegt die Zeit einer eigenartigen Dialektik: Einerseits verliert sich das…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 11 Dec 2022 06:30:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wer ist Nummer Eins?]]></title>
      <description><![CDATA[Yasmina Reza/ Serie Life/ Die lange Lammkeule Am Donnerstag war ich in Berlin zur Herbstsitzung der Académie de Berlin und zur Preisverleihung des Prix de l' Académie an…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 04 Dec 2022 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg]]></title>
      <description><![CDATA[Die Aktualität der Romantik/ No Fear/ HME/Imagine/ Maités Coq au Vin Mitten in Frankfurt wartet dieser verborgene Garten, der vor der grauen Kulisse des hessischen…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 27 Nov 2022 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der ratlose Chef]]></title>
      <description><![CDATA[Twitter nach Musk /Machen Meetings unglücklich?/La Vie varda/Tajine de Poulet Noch in Jahren wird man die Geschichter der paar Wochen studieren, in denen es Elon Musk…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 20 Nov 2022 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Vergangene Zukunft]]></title>
      <description><![CDATA[Fehlende Erfinder/Französische Werte/Schwein im Topf,teilweise Wenn ich in Berlin bin, kurz mal lachen möchte, fahre ich am Humboldtforum oder "Stadtschloss" vorbei.…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 13 Nov 2022 06:30:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Unter der Sonne der Freiheit]]></title>
      <description><![CDATA[Die Welt vor den Midterms/ Der Prix Goncourt/Gans nach Vinzent Klink/ Das Wahlergebnis in Brasilien ist nur an der Oberfläche beruhigend. Fast die Hälfte haben für einen…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 06 Nov 2022 06:30:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Was liegt da in der Luft?]]></title>
      <description><![CDATA[Abenteuer im Bahnhof / Die große Traurigkeit/Serie Marriage/ Persiana In der letzten Woche war ich nicht viel unterwegs, reiste nur einmal nach Köln und einmal nach…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 30 Oct 2022 06:31:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die große Freude]]></title>
      <description><![CDATA[Was uns eint/Die deutsch-französische Krise/ Teresa Bückers neues Buch Gehen und gehen und gehen. Gehen durch die Universitäten der amerikanischen Ostküste, durch Paris,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 23 Oct 2022 05:30:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Flamme der Freiheit]]></title>
      <description><![CDATA[(Foto:Tobias Bütow) Am Donnerstag durfte ich in der französischen Botschaft in Berlin die diesjährige Lecture de l Academie de Berlin moderieren, deren Mitglied ich bin.…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 16 Oct 2022 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Dieser goldene Oktober]]></title>
      <description><![CDATA[Annie Ernaux/Niedersachsen/ Parlament Staffel 2/ Huhn statt Taube Kurz nachdem ich dieses stimmungsvolle Bild auf einer Zugfahrt nach Berlin gemacht habe, verfolgte ich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 09 Oct 2022 05:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Glück des Sisyphos]]></title>
      <description><![CDATA[Theater des Schreckens/Albert Camus/Johannes Willms Es ist in diesen Wochen nicht ganz leicht, einen gelassenen, sogar zuversichtlichen Newsletter zu schreiben. Wer die…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 02 Oct 2022 05:31:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Olymp der Gauner]]></title>
      <description><![CDATA[Das Russland-Tribunal/ Arbeit und Struktur/Hilary Mantel/Coronation Chicken Jeden Freitag höre ich auf dem öffentlich-rechtlichen französischen Radiosender France inter…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 25 Sep 2022 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Herbst der dummen Fragen]]></title>
      <description><![CDATA[Der Mann hatte große Angst. Unsere morgendliche Sportstunde war vorüber, er zog sich seine in der Umkleide die dünnen Socken an und war  den Tränen nahe. Durch unsere…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 18 Sep 2022 05:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der schwarze Notenschlüssel]]></title>
      <description><![CDATA[Vor vielen Jahren besuchte ich das wunderbare Bücherfestival in Hay on Wye in Wales. Es war Mai, regnete ohne Ende und alle Veranstaltungen rochen nach nassem Zelt, aber…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 11 Sep 2022 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[La Rentrée]]></title>
      <description><![CDATA[Nach den großen Ferien startete ich mit meinem habituellen Optimismus, aber ich kam nicht besonders weit. Schon der Versuch einer Bahnfahrt drohte zu scheitern. Die…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 04 Sep 2022 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[C'est la France]]></title>
      <description><![CDATA[In unser Familienferienhaus am Ende der Welt sollte das Internet einziehen. Die Gegend war unlängst mit Glasfaser ausgestattet worden, die Zukunft konnte kommen. Eine…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 28 Aug 2022 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Dieses starke Land]]></title>
      <description><![CDATA[Eine alte Geschichte/Sokolow/Heston Blumenthal Kurz bevor ich dieses Bild auf der Rheinbrücke zwischen Mainz und Mainz-Kastel machte, fiel mir eine Radfahrerin auf. Sie…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 24 Jul 2022 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Denk nicht an Winter]]></title>
      <description><![CDATA[Wie wär's mit Leadership?/Philip Short:"Putin"/Mehr Melone wagen Die Bundesrepublik steckt in einer dummen Lage, nun werden Verantwortliche oder sogar Schuldige gesucht.…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 17 Jul 2022 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Identifiziert euch!]]></title>
      <description><![CDATA[Hegel und Paypal/"Wie im echten Leben"/Sonntagsbraten im Sommer Ich war wach und er war weg: Der Code, mit dem ich mein iPhone entsperre. Ich riet, besann mich und…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 10 Jul 2022 05:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Reise nach Kassel]]></title>
      <description><![CDATA[Flop mit Ansage/ Cassidy Hutchinson/AA GILL Die Dienstreise dieser Woche führte nach Kassel. Auf dem Weg in die Innenstadt fiel mir die Werbung eines…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 03 Jul 2022 07:02:43 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wie weiter?]]></title>
      <description><![CDATA[Alles anders/Le Grand Clusterfuck/ Vincent Klink Neulich hatte mein Fahrrad einen Platten am Vorderreifen. Ich bin handwerklich sehr ungeschickt und rollte es zur…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 26 Jun 2022 05:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die längsten Tage]]></title>
      <description><![CDATA[Was macht Macron jetzt?/ Ein Held namens Mike Pence/ Sommerhuhn Heute ist erneut ein Wahltag in Frankreich: die zweite Runde der Parlamentswahlen. Auf den letzten Metern…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 Jun 2022 05:53:03 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die längsten Tage]]></title>
      <description><![CDATA[Was macht Macron jetzt?/Mike Pence/Sommerhuhn Heute ist erneut ein Wahltag in Frankreich: die zweite Runde der Parlamentswahlen. Auf den letzten Metern scheint dem…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 Jun 2022 05:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die große Simulation]]></title>
      <description><![CDATA[Mehr Piketty wagen /The Card Counter/Avocado mal anders Die Ostseite des Humboldt-Forums sieht aus wie die neue Messehalle von Wiesbaden. In Richtung von…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 12 Jun 2022 05:00:02 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Themawechsel und Pause]]></title>
      <description><![CDATA[Smart ist das neue Doof/Die besten Lifehacks und Infos an mein früheres ich/Bill Buford gibt nicht auf In den hundert Tagen, die der russische Überfall auf die Ukraine…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 05 Jun 2022 05:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Höhe der Zeit]]></title>
      <description><![CDATA[Trügerischer Sommer/Memo Parkland Hospital/Ben Rhodes Buch "After the Fall"/ Rezept für eine Eierspeise In den legendären Cartoons des amerikanischen Zeichners Tex Avery…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 29 May 2022 05:16:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Unsere kühlsten Jahre]]></title>
      <description><![CDATA[Heiß und kalt/ Zweite Staffel "Teheran"/ Annie Ernaux Tornado in Paderborn. Laute, grüne Halsbandsittiche in Hessen. Spitzentemperaturen, die nur mit Ventilatoren…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 22 May 2022 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Paris im Mai]]></title>
      <description><![CDATA[Schule und Leben/Dokudrama aus dem Élyseepalast/Le Select Wird ein neues Mitglied in die Académie Française aufgenommen, die ich am Freitag besuchen durfte, erheben sich…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 15 May 2022 05:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Tag der Tasche]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt sie noch, die guten Menschen/ Die dritte Republik/Serie: Wohnwagenbrigade/Etchebest und ein Huhn Vorgestern war ich mit einem Freund zu einem Spaziergang…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 May 2022 05:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Jahr und ein Monat]]></title>
      <description><![CDATA[Vor einem Jahr und einem Monat begann dieser Newsletter. Nach dem Frust bei  meiner früheren Arbeit, wo jeder text zig Mal redigiert und umstrukturiert wurde, war mir…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 01 May 2022 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Le Jour J]]></title>
      <description><![CDATA[Wahltag in Frankreich/Peter Richters Roman "August"/Hans Janke Neben der Stelle, an der ich dieses Bild aufgenommen habe, führt ein kleiner Weg an einigen Vorgärten…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 24 Apr 2022 05:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Auf dem Weg]]></title>
      <description><![CDATA[Spannung in Frankreich/ Rätsel der Gegenwart/ Mel Brooks Booster/ Rezept Camille Goutal Ich weiß gar nicht, wann genau mir bewusst wurde, dass diese französischen…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 10 Apr 2022 05:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Tage wie im Traum]]></title>
      <description><![CDATA[Ferien in Putins Lodge/ Ideen statt Erdöl/ Neuer Podcast "Quoted"/ Der Doktor und das liebe Vieh S2/ Nigel Slater besinnt sich Das Foto zeigt die Wartehalle des alten…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 03 Apr 2022 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Geld der Deutschen]]></title>
      <description><![CDATA[Geld statt Worte/Wahl im Saarland/ Die Serie L'agence "Ich kann kein Brot wegwerfen!" "Ich ertrage das Feuerwerk an Silvester nicht." "Ich muss jeden Teller leer essen,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 27 Mar 2022 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Tage in der Zeitenwende]]></title>
      <description><![CDATA[Die Mahnung von Helmut Kohl/Manfred Krug/En Thérapie/ Ukrainische Rezepte Wer es erlebt hat, wird es nicht vergessen: Am 17.5. 2011 wurde dem ehemaligen Bundeskanzler…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 20 Mar 2022 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der andere Name]]></title>
      <description><![CDATA[Geschichten vom Krieg/ Zuviel Zeug/Keine Angst vor Pasta Die Zeiten wenden sich, aber wohin wenden wir uns?  Oft zu besonderen Geschichten in der eigenen Familie.  Mein…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 13 Mar 2022 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Carpe Diem]]></title>
      <description><![CDATA[Zeitenwende/Diener des Volkes/Ab ins Beet/ Rezepte für ein gutes Ende langer Tage]]></description>
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      <pubDate>Sun, 06 Mar 2022 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Licht der Moral]]></title>
      <description><![CDATA[Berlin am 22.2.2022 Als im Frühjahr 1989 die iranische Führung eine Todesurteil gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie verkündete, wurde dessen gesamtes…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 27 Feb 2022 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Zauber des Spaziergangs]]></title>
      <description><![CDATA["Der Spaziergang hat seine Unschuld verloren" – mit dieser berechtigten Kritik an den Umzügen der  Impfgegner und Seuchenleugner schoss der Bundespräsident in guter…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 20 Feb 2022 06:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Traum von der  Freiheit]]></title>
      <description><![CDATA[Deutschland ruft 112 - Feuerball am Himmel Im Januar des Jahres 1583 zog sich der französische König Henri III in ein Kloster zurück. Er war ein kluger, aber auch…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 13 Feb 2022 06:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zeichen der Hoffnung]]></title>
      <description><![CDATA[Russland und wir/Post vom Gesundheitsamt/Schottisches Penizilin Wer genau hinsieht, entdeckt schon die ersten Anzeichen für ein Ende dieses langen Winters. Er war…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 06 Feb 2022 06:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ratlos am Sonntag]]></title>
      <description><![CDATA[Unter der Omicron-Welle/Die Serie "Vigil"/ Ist das Steak rechts? Vor einer Woche irrten mein Sohn und ich in frühabendlicher Dunkelheit von Teststation zu Teststation.…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 30 Jan 2022 06:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Sherlock-Strategie]]></title>
      <description><![CDATA[Eine ernste Jahreszeit/ Daniel Mendelsohn/Smartphone und "Jungle Monkey"/ Chorba für die Seele Man kann reisen, aber Züge und Bahnhöfe sind leerer als einst und so…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 23 Jan 2022 06:16:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Die Saison für Neues]]></title>
      <description><![CDATA[Beim Rückflug aus den Ferien fiel mir am Flughafen Bordeaux-Mérignac ein neues rotes Schild an den Scheiben der Schalter auf: Es war der Hinweis, dass Drohungen und…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 16 Jan 2022 06:16:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ein frisches neues Jahr]]></title>
      <description><![CDATA[Die Älteren mögen sich noch an die Tage vor Weihnachten 2021 erinnern, als besorgt und eingekauft wurde, als gäbe es kein Morgen, d.h. Heute. Auch ich sauste tapfer…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 09 Jan 2022 06:16:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Wende]]></title>
      <description><![CDATA[Back to the future mit Friedrich Merz/ Der neue Houellebecq/ Dystopische Serie The Split/Post aus Paris Lange Zeit wurde es immer dunkler, aber das ist in wenigen Tagen…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 Dec 2021 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Die Welt  im Winter]]></title>
      <description><![CDATA[Stillstand trotz Ampel/Frankreich verläuft sich/Trost der Musik/ Rezept für kalte Tage Der erste Schnee sorgt zuverlässig für Überraschung: Man hatte ganz vergessen,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 12 Dec 2021 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Eine Begegnung in Paris]]></title>
      <description><![CDATA[Modiano/Pécresse/de Pomiane Paris, 29.11.2021 Anfang der Woche hatte ich in Paris zu tun. Vormittags spazierte ich an der Place Saint-Sulpice herum und bemerkte einen …]]></description>
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      <pubDate>Sun, 05 Dec 2021 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Reise des Tischs]]></title>
      <description><![CDATA[Der Trost, der in einem Möbeltransport gefunden werden kann/ #metoo in der französischen Politik/ Ein französisches Staatsgeheimnis in New York verraten (Fun aber mit…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 28 Nov 2021 06:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nachtrag: la blanquette]]></title>
      <description><![CDATA[Im September entdeckte ich die blanquette de veau   auf der Tageskarte dieses ansonsten nicht weiter bemerkenswerten Bistro in Paris und erinnerte mich wieder. Hier ein…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 21 Nov 2021 09:19:21 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Feier des Tages]]></title>
      <description><![CDATA[Die deutsche Zugreise in die Nacht/ Wie wird die Welt danach?/ Lob eines Gerichts für Frühaufsteher Geburtstag im November ist eine gute Sache. In einem der ersten der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 21 Nov 2021 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wann kommt der Booster für Europa?]]></title>
      <description><![CDATA[Politische Enttäuschungen/ Die Welt des Larry David/ Restlos Huhn Himmelstreppe im neu eröffneten Frankfurter Romantikmuseum Es war wieder wie früher, in den ersten…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 14 Nov 2021 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Was bleibt?]]></title>
      <description><![CDATA[Merkel und Macron/ Modiano oder Zémmour?/Neues von Ludovico Einaudi Am Donnerstag der vergangenen Woche standen Emmanuel Macron und Angela Merkel vor dem Flügelaltar im…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 07 Nov 2021 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Eine neue Zeit beginnt]]></title>
      <description><![CDATA[Das war die CDU/Steuer statt Spacecowboys/Diana Ross Corona ist wieder da, eigentlich war es nie weg. Als ich jetzt eine wärmere Jacke aus dem Schrank hervorholte,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 31 Oct 2021 06:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Bonjour Heute ist noch nicht der siebte Tag - nun wurde die erste…]]></title>
      <description><![CDATA[Bonjour Heute ist noch nicht der siebte Tag - nun wurde die erste Fassung des Newsletters aber schon verschickt, habe mich schlicht verklickt.  Morgen kommt die richtige…]]></description>
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      <pubDate>Sat, 30 Oct 2021 10:33:07 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Tage der Wahrheit]]></title>
      <description><![CDATA[Ist die Buchmesse tot?/ Wahrheit und Journalismus/ Gibt es Vorahnungen? Frische Luft wird überschätzt – Buchmesse am Mittwoch Kurz nach dem Ende der Buchmesse beginnt…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 24 Oct 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zeitreisen]]></title>
      <description><![CDATA[Vergangene Woche war ich in München, um über die Restaurierung der Synagoge in der Reichenbachstraße zu berichten. Rachel Salamander, die Autorin, Buchhändlerin und…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 10 Oct 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Saison der Anfänge]]></title>
      <description><![CDATA[Erinnern Sie sich noch an den 26. September?/ Die ungewöhnlichen Einsichten der Modeschöpferin Isabel Marant/ Lebenskunst von Luis Buñuel Die erste Kastanie ist eine…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 03 Oct 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Tag der Anarchie]]></title>
      <description><![CDATA[Chemtrails flüstern: Mach dein Kreuz. Heute ist ein besonderer Tag. In unserem nach Planung und Ordnung so süchtigen Land hängt, noch für einige Stunden, womöglich viel…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 26 Sep 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Vom Wert des Nutzlosen]]></title>
      <description><![CDATA[Fassadenkletterer der Firma Jade auf dem Arc de Triomphe 16.September 2021 In den letzten Tagen war ich in Paris unterwegs, um über das Christo-Projekt der Verhüllung…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 19 Sep 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Konzentriert euch!]]></title>
      <description><![CDATA[Fördert die deutsche Industrie ein Leben im Zen?/Sind die Konservativen eine aussterbende Spezies?/Der mediale Sterbeschatten "Wenn sie bei solchen Wolken nicht…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 12 Sep 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[C'est la rentrée]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn das französische Fernsehen live zwischen diversen Schulen hin und her schaltet, wenn es zuvor Nachrichtenfilme aus den Gängen mit Schulbedarfsregalen der…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 05 Sep 2021 05:30:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Lob der Langeweile]]></title>
      <description><![CDATA[Der Moment der Wahrheit von Spike Lee in Cannes/ Wer traut sich, nichts zu tun?/Gedanken über einen Füller/ Hühnerrezept von einem Freund Die Passage, die zum…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 11 Jul 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Independence Day]]></title>
      <description><![CDATA[Von Flügeln und Wurzeln/Afghanistan/Sonntags bei den Varda in Paris Neulich bekam ich Post von meiner Lieblingsfirma Vodafone. Sie betreiben hier auch die…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 04 Jul 2021 05:01:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Einstürzende Altbauten]]></title>
      <description><![CDATA[Schwarzgrüner Stillstand/Sorgen um Montaignes Jugendhaus/Warum die Union gewinnen könnte Symbolbild Salzbachtalbrücke Der Roman "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 27 Jun 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Revolution später]]></title>
      <description><![CDATA[Mit dem Elektroauto in Lothringen/ Wie ich zum Ladezeitenclochard wurde/Pietät  von "Bauknecht" Etang de Hanau Die elektrische Mobilität ist eine hehre Idee, deren…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 20 Jun 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Sommer der Freiheit]]></title>
      <description><![CDATA[Gibt es wieder eine GroKo? Ist es mit der Marke Bauknecht wie mit CDU und SPD? Das Sonntagshuhn des Henri Quatre]]></description>
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      <pubDate>Sun, 13 Jun 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Feier des Augenblicks]]></title>
      <description><![CDATA[Eine sensationelle Nachricht, aber niemand schaut mehr Nachrichten/ Stefan Aust, der letzte Achtundsechziger/ Lob des Sonntagshuhns In diesen verrückten beiden Jahren…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 06 Jun 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[President Days]]></title>
      <description><![CDATA[Donald Trump rief Macron an, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren, allerdings zwei Tage zu früh. Wahr oder erfunden?]]></description>
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      <pubDate>Sun, 30 May 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das neue Leben]]></title>
      <description><![CDATA[Jean Viard über die postpandemische Zeit als lang ersehnte Revolution /Das zweite Leben der Zeichnerin Coco/ Das perfekte Rezept für alle Lebenslagen]]></description>
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      <pubDate>Sun, 23 May 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Pancake Days]]></title>
      <description><![CDATA[Der Roman, der Israel erklärt/Abenteuer mit der Telekom/Lachen mit "New York Times Cooking" Strand von Tel Aviv, Februar 2019 Am 5. Mai schaltete ich mich per zoom zu…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 16 May 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Tag des guten Tags]]></title>
      <description><![CDATA[Wie soll es in Europa weitergehen ?/ Die Rückkehr der UFOs/ Lachen mit britischer Küche und Nigel Slater  Der Rhein vom Schloss des Fürsten Metternichs aus gesehen (Foto…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 09 May 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Sound of Silence]]></title>
      <description><![CDATA[Modellschiff auf dem Teich des Jardin du Luxembourg, Februar 2020 Müssen Politiker auch Promis sein?/Kann man das mit dem Wohnen besser lösen?/ Ulrich Wickert erinnert…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 02 May 2021 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Frühlingswind über dem Meer]]></title>
      <description><![CDATA[Spürst Du eine Wechselstimmung?/Yolo-Economy/Wie klang die Stimme von Proust? Seit die wichtigen Parteien ihre Kandidatin und die Kandidaten nominiert haben, liegt…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 25 Apr 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Danke!]]></title>
      <description><![CDATA[Mein Großvater hat mir immer von den anarcho-syndikalistischen Plänen seiner Jugend vorgeschwärmt: Lebensmittel direkt vom Bauern, Mützen vom Schneider und so fort -…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 19 Apr 2021 14:41:45 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Decision Days - Wer Macron gefährlich wird...]]></title>
      <description><![CDATA[Bundesbremsegesetz/Duette und Duelle/Was ist los in Frankreich?/Was ist Weisheit? In der kommenden Woche soll das Notbremsegesetz kommen, ein historisches Datum: Die…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 18 Apr 2021 06:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Duke Days]]></title>
      <description><![CDATA[Getty Images Gestern wartete ich mit meinem Sohn vor unserem Lieblingsburgerladen, um unsere Bestellung nach Hause zu tragen. Mit uns wartete ein älteres Paar in den…]]></description>
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      <pubDate>Sat, 10 Apr 2021 15:50:31 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Dübel Days]]></title>
      <description><![CDATA[An Karfreitag bin ich auf eine Leiter gestiegen. Wie schon einige Male zuvor, bemühte ich mich um  drei Bohrlöcher einer Gardinenhalterung, die einfach ihren Dienst…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 04 Apr 2021 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Duplo Days]]></title>
      <description><![CDATA[In unserem Haus wohnt ein sehr netter, alleinstehender Mann. Wenn ich mit ihm plaudere, ist er von ausgesuchter Höflichkeit, seine Kleidung ist elegant und Humor hat er…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 26 Mar 2021 13:16:13 +0000</pubDate>
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