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100 Schlösser vs. 100 nette Menschen

Rückblick: Kettenschaltung

Wie bereits geahnt, hat das Video für ordentlich Diskussionen gesorgt. Einige Kommentare waren sachlich und haben interessante Gegenargumente geliefert. Andere waren dagegen eher... unfreundlich formuliert.

"Am Sonntag hätte ich ein längeres Tourvideo erwartet. Bei deinem neuen Format lohnt sich nicht einmal mehr eine Tasse Kaffee zu kochen."

"Dummes Werbegeschwätz, um Pinion und Rohloff Verkäufe zu pushen."

"Du solltest besser über Eierkocher referieren."

Ja, ich weiß, dass sich viele von euch vor allem Tourenvideos wünschen. Und das freut mich doch total, weil es zeigt, dass die Touren gerne geschaut werden.

Trotzdem bin ich keine Maschine. Und der Umgangston ist wild.

Und nur weil etwas viele Jahre lang auf eine bestimmte Art gelaufen ist, muss es nicht für immer exakt so bleiben.

Ich probiere Dinge aus. Manche funktionieren. Manche funktionieren nicht.

Und manchmal entstehen genau daraus die spannendsten Videos.

Zum heutigen Video:

Auf knapp 1.000 Kilometern erstreckt sich ein Fernradweg mit einem ziemlich spektakulären Namen: die 100-Schlösser-Route.

Rechnerisch müsste also ungefähr alle 10 Kilometer ein Schloss auftauchen. Klingt doch eigentlich ganz einfach, oder?

Dumm nur, wenn man voller Vorfreude losfährt und dabei übersieht, dass man lediglich auf dem Westkurs unterwegs ist. Etwas mehr als 300 Kilometer, aber eben nur ein Teil der gesamten Route.

Den Ost-, Nord- und Südkurs hatte ich anfangs komplett ausgeblendet. Entsprechend groß war meine Enttäuschung, als die versprochene Schlossdichte irgendwie ausblieb. 😄

Der Westkurs ist zwar der längste Abschnitt, lebt aber nicht von spektakulären Höhenmetern oder dramatischen Landschaften.

Er lebt von etwas ganz anderem: den Menschen, die ich getroffen habe.

Gestartet bin ich in Haltern am See, wo jemand meinte, dass er dort wohnt, wo andere Urlaub machen. Und ey, die Kulisse dort ist wirklich großartig.

Man könnte ja ganz grundsätzlich meinen, ich wäre ständig im Urlaub, weil ich auf so vielen tollen Radwegen unterwegs sein darf.

Nicht falsch verstehen: Das ist ein großes Privileg. Mit Urlaub hat das Ganze trotzdem nur bedingt zu tun.

Planung, Anreise, Dreharbeiten, Schnitt und Nachbearbeitung verschlingen jede Menge Zeit. Im Fall der 100-Schlösser-Route war ich drei Tage unterwegs und anschließend noch einmal zwei Tage mit dem Schnitt beschäftigt.

Über die Stunden denke ich lieber gar nicht nach.

Trotzdem hat sich diese Tour für mich besonders gelohnt. Nicht wegen der Schlösser.

Sondern wegen der Menschen.

Ich durfte unterwegs so viele freundliche, hilfsbereite und positive Begegnungen erleben wie selten zuvor.

Manchmal waren es nur kurze Gespräche über Gott und die Welt. Manchmal kleine Tipps für die Strecke. Manchmal einfach nur ein freundliches Lächeln.

Aber genau solche Begegnungen sind für mich Balsam für die Seele. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus all meinen Touren lautet mittlerweile:

Da draußen sind unglaublich viele nette Menschen unterwegs.

Auf Radwegen, an Quellen, vor Cafés oder irgendwo mitten im Nirgendwo.

Und manchmal steht das in einem erstaunlichen Kontrast zu dem, was man im Internet erlebt.

Während unter Videos diskutiert, gemeckert und gestritten wird, treffe ich draußen fast ausschließlich Menschen, die freundlich, hilfsbereit und offen sind.

Und wisst ihr, was das Verrückte ist?

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einer echten Meckerliese auf einem Radweg begegnet zu sein 😄

Dafür durfte ich auf dieser Tour Begegnungen sammeln wie nie zuvor. Und ganz nebenbei noch gegen einige der heftigsten Unwetter ankämpfen, die ich jemals im Zelt erlebt habe.

In einer Nacht war das Gewitter so nah, dass ich kurz dachte, der nächste Blitz schlägt direkt neben mir ein.

Ob ich am Ende mehr Schlösser oder mehr nette Menschen getroffen habe?

https://www.youtube.com/watch?v=onMr-dlNX5c (Öffnet in neuem Fenster)