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Wenn Zweifel ein Zeichen guter Hundehaltung sind.

Ich erlebe in meinem Trainerinnenalltag so viele gute Hundehaltende, die denken, sie machen alles falsch. Das sind die Menschen, die sich unglaublich viele Gedanken machen, die beobachten, hinterfragen, nachlesen und reflektieren.

Und dann fallen Sätze sagen wie: „Ich glaube, ich mache alles falsch“ oder „Bei allen anderen klappt das irgendwie besser“. Dabei sind genau diese Menschen oftmals die besten Hundehaltenden.

Wer zweifelt, schaut hin. Wer fragt, übernimmt Verantwortung. Wer unsicher ist, will es richtig machen.

Das Problem ist hier nicht mangelndes Wissen, sondern dass wir durch Social Media und Co. ständig sehen, wie es angeblich aussehen sollte: entspannte Hunde, perfekte Spaziergänge an stets lockerer Leine, ruhige Begegnungen, „funktionierende“ Abläufe.

Wir sehen selten die Arbeit dahinter, die Rückschritte oder die schlechten Tage. (Jetzt mal abgesehen davon, dass auf Social Media nur gezeigt wird, was man zeigen will. Und die wenigsten zeigen die schwierigen, anstrengenden Momente.)

Dein Hund muss nicht „weiter” sein, nur weil es ein anderer vielleicht ist (oder du es zumindest glaubst). Hunde entwickeln sich nicht linear. Es gibt Phasen, in denen Reize schwerer wiegen, Emotionen schneller hochfahren oder Dinge plötzlich wieder schwierig sind. Das ist kein Rückschritt, das ist das Leben mit einem fühlenden Lebewesen. Dein Hund ist nicht „hinterher“, nur weil er etwas noch nicht kann. Und du machst es auch nicht schlechter deswegen.

Vergleich frisst Beziehung. Sobald wir anfangen, unseren Hund mit anderen zu vergleichen, passiert etwas Gefährliches: Wir hören auf, ihn wirklich zu sehen. Dann trainieren wir aus Druck, aus Angst oder aus dem Gefühl, nicht zu genügen.

Und genau das spüren Hunde. Gute Hundehaltende sind nicht die, deren Hunde alles können, sondern die, die hinhören, Signale ernst nehmen, Grenzen respektieren und bereit sind, dazuzulernen - auch wenn es nicht immer elegant aussieht und auch wenn es Tage gibt, an denen man einfach müde ist, an denen vielleicht sogar ein paar Tränen fließen.

Übrigens: Die Hundehaltenden, bei denen ich am liebsten die Hände über den Kopf zusammenschlagen würde, sind in der Regel die, die kaum bis gar keine Zweifel an ihrem Umgang mit dem Hund haben. Das sind auch seltenst Menschen, die sich intensiver mit dem Thema befassen und einen Text wie diesen überhaupt lesen.

Du bist nicht schlecht, weil es schwer ist. Du bist nicht unfähig, weil dein Hund seine Herausforderungen hat. Du bist nicht allein mit diesen Gedanken. Vielleicht bist du einfach jemand, dem dieses Zusammenleben wirklich wichtig ist. Und das ist eine verdammt gute Basis für alles, was noch kommt.