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Exklusiv: Prolog des Debütromans “George und Deborah”

Der folgende Textauszug ist aus meinem Debütroman “George und Deborah”. Das ist noch nicht die finale Version, sondern die, die aktuell dem Lektorat beim Hybrid Verlag vorliegt. Für meine Steady-Unterstützer gibt es hier einen exklusiven Einblick: Der Prolog.

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The cumbrous elements, earth, flood, air, fire,

And this ethereal quintessence of heaven

Flew upward, spirited with various forms,

That rolled orbicular, and turned stars

Numberless, as thou seest, and how they move;

Each had his place appointed, each his course,

The rest in circuit walls this universe.

aus "Paradise Lost", John Milton, Buch 3, Vers. 715-722


Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heißt ›der Tod‹, und die Unterwelt zog hinter ihm her.

Aus der Offenbarung des Johannes


Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Friedrich Nietzsche


Es gibt keine Zufälle, nur Zusammenhänge, die sich noch nicht offenbart haben.

Darkadisches Sprichwort

Prolog

Der Gefangene stand in seiner Zelle, bekleidet nur mit einer zerrissenen Hose. Seine Arme und Beine waren mit brennenden Ketten an die Wände geschmiedet, sein Kopf hing herunter. Unentwegt erschienen blutige Wunden auf seinem nackten Oberkörper, herbeigeführt von einer unsichtbaren Peitsche, die tief in das Fleisch des Gefangenen biss. Blut tropfte herunter, doch die Wunde schloss sich von selbst, ehe der Tropfen den Boden erreichte. Zurück blieben Narben.

Reglos stand der Engel des Todes vor dem Gefangenen und versuchte, herauszufinden, was sich verändert hatte. Es war sein Wille, der die unsichtbare Peitsche führte, und es war sein Wille, der die Ketten brennen ließ. Er war ein Azharim, ein Wächter und Vollstrecker von Nar’Korath.

Jedes Mal, wenn er seinen Gefangenen traf, stöhnte dieser auf. Er schrie nicht mehr, das hatte er früher getan. Jetzt hing er kraftlos an glühenden Ketten und ließ die Strafe über sich ergehen. Azhariel sah nach oben. Die Zelle hatte keine Decke, genauso wenig wie sie Türen hatte. Er breitete seine schwarzen Schwingen aus, flog hinauf auf den obersten Rand der Mauer, und schaute in die Tiefe. Von hier war nur noch das Glimmen der Ketten zu sehen.

Nichts hatte sich verändert, und doch war etwas anders als sonst. Er sah sich um. Vor und hinter ihm und um ihn befanden sich weitere Zellen, so weit sein Auge reichte. Aus manchen hörte er das Stöhnen der Gefangenen, aus anderen Schreie. Jenseits des Gefängnisses begann die Ebene der Ashkareth. Über ihm wölbte sich der Nachthimmel, der für fortwährende Dunkelheit sorgte. Blitze entluden sich darin.

Azhariel schwang sich noch weiter hinauf und zog einen Kreis über mehrere Zellen. Es tat gut, die Flügel auszubreiten. Für einen Moment schloss er die Augen, nur eine Sekunde, bevor er sich seiner Aufgabe entsann. Er war ein Azharim, und er befolgte den Kodex. In einem Sturzflug kehrte er zurück zu seinem Gefangenen, der den Kopf anhob und Azhariel mit einem schiefen Grinsen begrüßte. Er kicherte heiser.

»Kleiner Ausflug, hm?«, brummte er, wofür Azhariel ihn mit einem Schlag quer über den Rücken bestrafte. Der Gefangene lachte ein heiseres Lachen, das in einem Husten endete.

Die Flammen der Ketten loderten auf. Seit Jahrhunderten hatte der Gefangene nicht mehr gesprochen. Oder gelacht. Warum tat er es jetzt? Was gab ihm Hoffnung? Azhariel runzelte die Stirn und lief in gebotenem Abstand um den Gefangenen herum, der ihm mit seinem Blick folgte. Ein düsteres Lächeln lag auf seinen Lippen, aber er sagte nichts. Es war ihm nicht erlaubt, zu sprechen, und er wusste, dass er Schmerz bekommen würde, wenn er sich über das Verbot hinwegsetzte. Sein Oberkörper war übersät mit Bannmalen und Spuren der Behandlung, die Azhariel ihm hatte zuteilwerden lassen.

Der Todesengel beendete seine Runde und setzte seine Bestrafung fort. Azhariel war gebunden an seinen Gefangenen, und er nahm seine Aufgabe ernst. In letzter Zeit hatte er Gerüchte gehört, die ihm nun wieder in den Sinn kamen. Wieder sah er nach oben, wo einer der anderen Azharim über ihnen hinwegflog. Der Gefangene schien gute Laune zu haben, sein Grinsen wurde breiter. Azhariel ließ seine Fesseln enger werden. Er musste nur daran denken, und es geschah.

Der Gefangene stöhnte auf, dann lachte er heiser. Langsam bewegte er sich in seinen Ketten, erst wog er sich seitlich, dann vor und zurück, und sein Blick nahm einen irren Ausdruck dabei an. Er gab ein obszönes Stöhnen von sich, das Wut in Azhariel weckte. Machte er sich über ihn lustig? Er trat näher an ihn heran. Unter seinem Helm sah er nicht alles. Er begutachtete erneut die Fesseln, als ihm dämmerte, was der Gefangene tat, der sich schneller bewegte und dabei animalische Laute von sich stieß. Schweiß lief ihm über die graue Haut, und er keuchte stöhnend, während er seinen Rhythmus beschleunigte.

»Aufhören!«, schrie Azhariel und erkannte zugleich, dass er zu spät gemerkt hatte, was hier passierte.

Nein, durchfuhr es ihn. Er musste es irgendwie aufhalten, doch im selben Augenblick war es zu spät.

Ein Schatten flog auf ihn nieder und riss ihn zu Boden. Zwei Azharim, die Gesichter hinter ihren Helmen verborgen, drückten ihn zu Boden und lösten seinen Brustpanzer. Azhariel wehrte sich und versuchte, sich zu befreien, doch es gelang ihm nicht. Sie zerrissen sein Hemd und schlugen und traten auf ihn ein, bis er ganz benommen war und Schmerz ihn erfüllte. Zwei knieten jeweils auf seinen Armen und Flügeln, zwei weitere hielten seine Beine fest.

Sie waren Azharim! Sie hatten denselben Eid geschworen, die Urteile zu vollstrecken. Sie waren demselben Kodex verpflichtet! Sie waren Brüder!

»Verräter«, rief er aus. »Dafür werdet ihr euch verantworten!«

Er bekam einen Tritt in die Seite, der ihn aufkeuchen ließ. Dann nahmen sie ihm den Helm ab und schlugen ihm ins Gesicht. Niemand sagte etwas. Sein Blick traf den des Gefangenen, der die Szene mit gierigem Blick beobachtete. Er lehnte sich in seinen Ketten so weit nach vorn, wie es möglich war, um besser sehen zu können. Azhariel stieß einen Fluch aus und bäumte sich erneut gegen den Angriff auf, ohne Erfolg.

Einer der Azharim beugte sich über ihn, zog einen Dolch und begann, Zeichen in seinen Brustkorb zu ritzen. Die Schnitte gingen tief ins Fleisch. Azhariel schrie hinter zusammengebissenen Zähnen auf und bäumte sich dagegen auf, doch er hatte keine Chance, zu entkommen. Er schaute sich um, zählte sie und versuchte, zu erraten, wer sie waren. Sie alle trugen Helme, unter denen er ihre Gesichter nicht erkennen konnte.

Seine Sicht verschwamm mit jedem Tropfen Blut, der aus seiner Brust quoll, ein Stück mehr, und er tauchte in Nebel ein. Nie zuvor hatte er Nar’korath verlassen, aber er wusste, dass er sich in Veldimur befand. Keuchend hielt er sich die blutende Brust und sah sich um. Gedämpfte Schreie drangen zu ihm. Waren es seine Schreie? Nein, sie kamen von einer Frau. Stirnrunzelnd watete er durch den Nebel, bis er an einen Brunnen gelangte und hineinblickte. Das Gesicht einer Frau erschien auf der Wasseroberfläche. Es war blass und schmerzverzerrt, und sie schrie. Ihre grünen Augen, deren Iris von einem goldenen Kranz umrahmt wurden, richteten sich auf ihn, doch bevor er reagieren konnte, kräuselte sich die Wasseroberfläche in einen Strudel und ihr Bild verschwand. Azhariel kehrte zurück in seinen Körper. Noch immer lag er auf dem Rücken. Keuchend stemmte er sich gegen die Hände, die ihn hielten, doch er kam noch immer nicht frei.

Er erinnerte sich an geflüsterte Gerüchte und Satzfetzen, die von einem neuen Zeitalter sprachen. Er hatte ihnen keine Beachtung geschenkt, sondern auf den Kodex vertraut, auf den heiligen Schwur, den er geleistet hatte. Die Asterionklinge glühte in seiner blutverschmierten Brust. Azhariel keuchte schwer. Er ahnte, was das bedeutete, und obwohl es in diesem Moment geschah, glaubte er es nicht.

Der, der ihn geschnitten hatte, erhob sich mit dem Dolch und ging auf den Gefangenen zu, der sich aufrichtete und geduldig abwartete, bis der Azharim auch ihm die Zeichen in die Brust geritzt hatte. Azhariel versuchte erneut, aufzuspringen, doch sie hielten ihn am Boden. Erst, nachdem das Werk vollendet war, schwangen sich die Azharim wie schwarze Schatten hinauf und verschwanden in der Dunkelheit.

Azhariel blieb blutend und wütend zurück, kaum fähig, sich zu bewegen, während sein Gefangener ihn mit leuchtenden Augen und einem breiten Grinsen ansah. Blut tropfte ihm von der Brust, aber er wirkte gut gelaunt. Azhariel sah an sich selbst herunter. Sie hatten darkadische Runen und Symbole in seine Haut geritzt. Fluchend sah den Verdammten an.

»Bald«, versprach dieser.

Azhariel richtete sich unter Schmerzen auf und erhob sich langsam. Dann ließ er die Ketten erneut auflodern, sodass der Gefangene schrie.

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Der Roman wird im Hybrid Verlag erscheinen. Mehr über Hintergründe, Figuren, Mythologie und Entstehungsgeschichte erfährst du auf meinem Blog phantastopia.de (Opens in a new window) und über meinen Newsletter, den ich immer sonntags zum Frühstück versende :).

Topic Exklusiv

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