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Verlag oder Selfpublishing?

Heute kommt ein kleiner Einblick hinter die Kulissen der Verlagswelt. Dabei geht es um die ewige Frage nach Verlag oder Selfpublishing und meine persönlichen Erfahrungen dazu.

Veröffentlichen: Wie?

1773 war Selfpublishing noch ne andere Nummer. Goethe hat es getan: Seinen “Götz von Berlichingen” hat er selbst drucken lassen. Dieses Buch hat ihn bekannt gemacht und ihm spätere Verlagsverträge verschafft.

Heute ist Selfpublishing mit einem Minimum an Organisationskompetenz recht einfach: Es existiert eine komplette Infrastruktur für Selfpublisher. Frei arbeitende Lektor:innen, Coverdesigner:innen, Korrektor:innen, Grafiker:innen helfen, ein Buch auf den Weg zu bringen. Mit Dienstleistern wie BoD, Tolino Media oder tredition gibt es erfahrene Partner, die einem helfen, das eigene Buch zu veröffentlichen.

Dennoch gilt ein Verlagsvertrag immer noch als Ritterschlag. Beim Selfpublishing wird immer noch vermutet, dass das die Notlösung ist, weil man keinen Verlag gefunden hat. Dass ein Verlagsvertrag mitunter aber auch nicht die Tinte wert ist, mit der er unterschrieben wurde, zeigen einige Beispiele aus der Buchwelt - meine eigenen Erfahrungen findest du am Ende dieses Beitrags hinter der Paywall.

Kleinverlage als Einstieg?

Gerade Kleinverlage, bei denen man als Neuling im Grunde ganz gute Chancen hat, einen Vertrag zu bekommen, stehen unter Druck. Sie werden oft als Liebhaberprojekte neben einem Hauptjob gestartet und müssen aber auch früher oder später Gewinn erzielen.

Der Dark Empire Verlag hat nun aufgeben (Opens in a new window) müssen. In seinem Statement heißt es:

Der Verlag ist mit viel Idealismus, ohne Startkapital und mitten in der Coronazeit entstanden. Seitdem haben sich die Rahmenbedingungen stark verändert. Die Produktionskosten sind erheblich gestiegen, während die Erlöse im aktuellen Markt kaum noch ausreichen, um kostendeckend zu arbeiten. Über mehrere Jahre hinweg hat niemand im Verlag etwas verdient; der Betrieb war nur durch unbezahlte Mehrarbeit möglich und durch weitere Eigeninvestitionen, die keine:r von uns zurückbekommt.

Quelle (Opens in a new window)

Der Verlag hat seine Autor:innen wohl noch an andere Verlage vermitteln können. Das klappt nicht immer. Autor Marco Theiss hatte mit seinem insolventen Verlag nicht so viel Glück. Auf Instagram dokumentierte er seine Frustration über nicht erbrachte Dienstleistungen und Ghosting seitens seines Verlages. (Opens in a new window)

Auch renommierte Medien berichten seit Jahren über das Verlags- und Buchhandlungssterben in Deutschland (Opens in a new window).

Ist Selfpublishing besser?

Trotz dieser Beispiele (es sind nicht die einzigen) kommt die Frage auf, ob Selfpublishing denn nun wirklich besser ist. Denn man ist allein und ja genau denselben Problemen ausgesetzt. Für viele Selfpublisher ist das Veröffentlichen von Büchern ein Verlustgeschäft.

Wenn ich alles zusammenrechne, was meine Veröffentlichung im Herbst kosten wird, komme ich auf über 3.000€, und das ist wenig im Vergleich, was andere so ausgeben. Nicht eingerechnet sind Stand- und Fahrtkosten für Buchmessen zum Beispiel.

Aber bevor ich vom Thema abkomme: Mir geht es gar nicht darum, diese Entweder-oder-Frage zu beantworten - schon gar nicht, bevor ich selbst mein erstes Buch veröffentlicht habe!

Ich bin selbst “Hybridautorin”: Ich veröffentliche im Selfpublishing, habe aber auch einen Verlagsvertrag. Ich rede viel mit anderen, tausche mich aus und bekomme natürlich auch Geschichten erzählt - Dinge, die gut laufen und Dinge, die leider nicht gut laufen.

Ich kenne Selfpublisher, bei denen die Druckerei eine halbe Auflage versaut hat. Schaden im hohen dreistelligen Bereich! Auflagendruck ist ein finanzielles Risiko. Mein Druck allein wird mich locker 1.600€ kosten. Ich kann es mir nicht leisten, auch nur ein Buch an einen Fehler oder Unfall zu verlieren.

Was ist denn dann der beste Weg, ein Buch zu veröffentlichen?

Grundsätzlich finde ich persönlich die Idee, Verlagsautorin UND Selfpublisherin zu sein, sehr attraktiv. Als Selfpublisherin habe ich alle Freiheiten, aber auch das volle Risiko. Als Verlagsautorin trage ich keine Kosten, muss aber Geduld mitbringen und womöglich Kompromisse eingehen, z.B. beim Cover oder Zeitplan. Bei Kleinverlagen ist der finanzielle Spielraum auch nicht größer als beim Selfpublishing: Es wird viel Eigenleistung von Autor:innen erwartet, z.B. in Form von Marketing und Social Media Aktivität. (Das ist so, das soll keine Beschwerde sein.)

Ich rate dazu, sich nicht gleich bei jedem Verlag zu bewerben, denn am Ende muss man zueinander passen. Der Verlag sollte in meinen Augen auch schon eine Weile am Markt sein. Idealerweise erkundige dich bei anderen Autor:innen des Verlages, wie die Zusammenarbeit läuft.

Die eingangs genannten Beispiele insolventer Kleinverlage habe ich bewusst gewählt, denn so selten ist es leider nicht, dass ein Verlag pleite geht. Eine gute Freundin von mir hat es erlebt, dass ihr Verlag insolvent wurde. Ihr Manuskript wurde dann zwar an einen anderen Verlag vermittelt, aber die neue Zusammenarbeit entpuppte sich als schwierig, der neue Vertrag war nicht gut - und so hat sie dann ihr Manuskript zurückgezogen und muss nun überlegen, was sie macht.

Viele Selfpublisher wählen ihren Weg ganz bewusst. Ich habe mich selbst auch ganz bewusst für Selfpublishing entschieden, obwohl ich die Chance hatte, meine Bücher in einem Verlag unterzubringen. Im Folgenden schildere ich meine persönlichen Erfahrungen.

Ab hier beginnt dann auch Teil 2 meiner “Wendepunkte im Leben einer Autorin” - zugänglich für alle Fantasy-Mäzen:innen.

Mein Weg: Verlag und Selfpublishing

Als ich mein Buchprojekt “Darkadian Gods” aka “George und Deborah” begann, hatte ich noch diese negative Sicht auf das Selfpublishing, das sich inzwischen enorm gewandelt hat. Ich wollte gern einen Verlagsvertrag und habe mich unendlich gefreut, als im Mai 2024 die Zusage kam.

Diese Freude ist inzwischen Ernüchterung gewichen:

Heute haben wir März 2026 und mein Buch ist immer noch nicht da. Ich habe noch nicht einmal einen Lektoratstermin, und ich werde geghostet.

Das schreibe ich ganz bewusst nicht im öffentlichen Raum, aber du liest eine große Portion Frust mit heraus. Der ist sehr real. Dabei habe ich sehr viel Verständnis für den Verlag und nicht alles liegt am Verlag. Aber von vorn:

Im Mai 2024 erhalte ich den Verlagsvertrag und freue mich wie verrückt. Ich überarbeite das Manuskript noch einmal und gebe es im Oktober 2024 ab.

Dann: Nichts.

Januar 2025 übernimmt eine Cheflektorin, zuständig für alle Fragen. Ich frage höflich nach. Sie sichert mir zu, das Manuskript an eine Lektorin zu übergeben. Bis Mai 2025 soll das Lektorat inklusive meiner Überarbeitung fertig sein. Wow, denk ich, sportliches Ziel, aber okay. Tschakka!

Es passiert: Nichts.

Nach der Leipziger Buchmesse 2025 und nach Ostern, April 2025, frage ich erneut nach. Nach einer Woche heißt es: Es gab ein Missverständnis, die Lektorin dachte, sie soll erst im Mai anfangen (alles studierte und zum Teil promovierte Germanisten!).

Parallel kommt die Nachfrage nach weiteren Manuskripten. Ich reiche das Exposé für “Tango und Tod” ein.

Dann: Nichts.

Nach acht Wochen frage ich nach und bekomme eine Absage, obwohl mir von Verlegerseite zuvor suggeriert worden war, als Bestandsautorin würde meine Einreichung auf jeden Fall genommen.

Ich habe dann mein eingereichtes Manuskript zurückgepfiffen, um es erneut zu überarbeiten. (Mittlerweile hatte ich Band 2 in der Rohfassung fertig sowie weitere Bücher, sodass ich es inhaltlich vor dem Lektorat anpassen wollte.)

Über den Sommer arbeite ich mit Testlesern und reiche das Manuskript im September 2025 erneut ein. Es heißt direkt, vor Januar passiert nichts.

Im Oktober 2025 treffe ich das Verlagsteam persönlich in Köln. Sie sind begeistert über meine Ideen und das Darkadium (Opens in a new window) und fragen nach weiteren Büchern.

Ich so: “Aber ihr habt doch ‘Tango und Tod’ abgelehnt.”

Staunen. Keiner weiß was.

Dann haben sie Interesse an allen weiteren Büchern - locker 10 Stück. Ich werde skeptisch und rede mit anderen Autor:innen.

Truth is: Zum Teil werden Ebooks nicht rechtzeitig veröffentlicht, oft läuft alles irgendwie chaotisch und die Kommunikation hapert an allen Ecken. Ich bekomme das direkt mit und höre ähnliche Geschichten von anderen Kleinverlagen.

Im Endeffekt blieb ich bei meinem Plan, die Buchreihe “Darkadian Nights”, für die ich schon eine Designerin beauftragt hatte, und auch “Tango und Tod” im Selfpublishing zu veröffentlichen. Für beide sollte das Lektorat im Januar 2026 starten - ich hatte meinen Zeitplan seit einigen Monaten vorbereitet. Ich erteile dem Verlag eine Absage über Prequel und Spin-Offs und würde dennoch gern die Trilogie im Verlag belassen. Hauptsächlich aus finanziellen Gründen, um mein eigenes Risiko zu streuen. Außerdem habe ich noch Hoffnung, dass es nun endlich losgeht.

Die anderen Bücher habe ich auch deshalb nicht im Verlag untergebracht, weil die VÖ frühestens 2028, eher 2029 gewesen wäre.

Anfang Januar 2026 verlässt die Cheflektorin den Verlag. Ich frage, wie es um den Zeitplan für mein Manuskript steht. Antwort: Man müsse sich neu sortieren. Ende Januar bekäme ich eine Antwort.

Anfang Februar 2026 frage ich nach. Antwort: “Wir sehen uns ja auf der Buchmesse in Stuttgart. Dann können wir was sagen.”

Ende Februar auf der Buchmesse: Wegen Krankheit ist man zu nichts gekommen, die LBM steht vor der Tür und … ich soll mich die Tage nochmal melden.

Ich melde mich die Tage per Telefon: Keine konkrete Antwort.

Aktueller Stand: Ich schreibe alle zwei Tage eine Whatsapp, bekomme keine Antwort. Ich habe eine Mail an die andere Ansprechpartnerin geschrieben, die wohl krank ist, aber ihr eigenes Buch, das im Herbst erscheinen soll, breit auf Instagram präsentiert. Vorbestellungen sind auch schon möglich, super. Toll, dass sie das trotz Krankheit auf der Website einbauen konnte, nachdem die Verlagsseite zwischendurch ein halbes Jahr offline war.

Ich habe noch nicht einmal einen Lektoratstermin. Ja, die Verlagsleute hatten privat extrem viel um die Ohren und machen das quasi ehrenamtlich. Ich verstehe, wenn man überfordert ist und nicht hinterherkommt. Ich habe über Jahre ein kleines Nähbusiness neben vier Kindern aufgebaut und weiß ziemlich gut, wie das ist.

Stand heute bin ich ziemlich frustriert. Du hast mitbekommen, was gerade in meinem Job los ist (Opens in a new window) - ich stehe nun also kurz davor, mich sowohl von meinem Job als auch von dem Verlag zu trennen.

Einerseits finanziell unklug, andererseits: Who knows? Meine Vorbilder sind ja Frauen wie Kate Bush und Ani DiFranco, die einfach ihr eigenes Ding gemacht haben. Ich weiß, dass meine Geschichten gut sind. Ob sie von der breiten Masse angenommen werden? Keine Ahnung! Klar wünsche ich es mir, aber Wunschdenken ist nur ein Teil des Traums.

Aber der Punkt ist: Meine Selfpublishing-Projekte stehen. Ich habe meinen VÖ-Plan für die nächsten 3 Jahre fertig. Die einzige Unbekannte in der Rechnung ist das Verlagsprojekt! Ich weiß, wann welches Projekt testgelesen wird, wann ich einen Designer und eine Lektorin brauche. Ich habe meine Budgets geplant (danke an dieser Stelle für die Unterstützung!), und meine Marketingkampagnen drumherum. (Hier mein Blogbeitrag zum Thema “Schreibplan” (Opens in a new window).)

Und ein Verlag, der ja doch noch viel mehr zu koordinieren hat und dringend eine gute Planung braucht, hat das nicht?

Das Einzige, was mich aktuell eigentlich noch abhält, die Trennung zu vollziehen, ist der Kapitalbedarf. Tja.

Auch diese Geschichte ist noch nicht vorbei - ich werde berichten, wie es ausgeht.

Was würdest du an meiner Stelle tun?

Liebe Grüße,

Sonja

PS: Soeben telefoniert. Aussage: “Nach der LBM.” Tja. Irgendwas ist ja immer.

Topic Autorenleben

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