Liebe Leserinnen und Leser,
hallo und herzlich Willkommen! Heute ist der erste Tag beim Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten. Ich hoffe, dass diese kleine 24-Tage-Challenge ein wenig dabei unterstützt, die eigene Resilienz nicht aus dem Blick zu verlieren.
Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen auch Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.
Deswegen ist es so wichtig, auf sich und die eigenen Ressourcen zu achten. Der Adventskalender soll Dir eine kleine Hilfe sein, diese Zeiten ein bisschen besser zu durchstehen. Jeden Tag gibt es ein anderes Thema, immer mit einer Mini-Übung dazu.
Heute geht es um das Thema Hoffnung.
Warum Hoffnung kein Luxus ist
Der Psychiater Viktor Frankl überlebte mehrere Konzentrationslager und schrieb darüber das Buch «Trotzdem Ja zum Leben sagen», das über neun Millionen Mal gedruckt wurde. Von ihm stammt der Satz «Die Welt ist nicht heil, aber heilbar». Es gibt keine perfekte Welt, aber wir sollten alles daran setzen, dass sie zumindest besser wird.
Hoffnung geht allerdings schnell verloren, wenn Dinge nicht gut laufen. Hoffnung ist aber wichtig, damit wir weitermachen und nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Wenn wir nicht mehr daran glauben, dass es etwas gibt, für das wir uns gesellschaftlich einsetzen können, verfallen wir schnell in Resignation.
Hoffnung bedeutet dabei nicht, die Realität zu leugnen. Sie meint, auszuhalten, was ist – und trotzdem nach Wegen zu suchen, wie es weitergehen kann. Menschen, die auch in schwierigen Phasen Hoffnung bewahren, sind eher bereit, Verantwortung zu übernehmen und solidarisch zu handeln (Opens in a new window).
Psychologische Studien (Opens in a new window) zeigen auch, dass wir Krisen besser überstehen, wenn wir uns bewusst machen, dass es Hoffnung auf Besserung gibt. Sie wirkt sich positiv auf unsere mentale Gesundheit aus. Hoffnung kann manchmal sogar mehr helfen als Achtsamkeit: “Eine Studie (Opens in a new window)an Mitarbeitenden in der Musikindustrie während der Covid-19-Pandemie ergab jedoch: Ein hoffnungsvoller Blick nach vorn kann manchmal besser für das Wohlbefinden und die psychische Widerstandskraft sein als Achtsamkeit.”
Eine übertriebene Hoffnung kann allerdings auch dazu führen, dass man untätig bleibt und sich zu sehr darauf verlässt, dass alles schon gut gehen wird - anstatt aktiv zu werden.
🦖 Deine Übung für Heute
Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und schreibe auf:
🖊️ Was gibt dir Hoffnung?
Notiere drei Dinge, die dich – im Kleinen oder Großen – zuversichtlich stimmen. Sind es vielleicht Menschen, Orte oder Dinge, die du erlebt hast? Ein neues Projekt? Der wissenschaftliche Fortschritt?
Diese Übung hilft, das eigene Blickfeld zu weiten. Wenn wir belastet sind, neigen wir nämlich dazu, vor allem auf das Negative zu achten.
Berichte mir gerne, was Dir Hoffnung macht oder wie es sich für Dich anfühlt, dich mit deiner Hoffnung zu beschäftigen.
Weiterführende Informationen
Wer Lust hat, tiefer in das Thema Resilienz einzusteigen, kann bei der virtuellen Hochschule Bayern kostenlos einen Online-Kurs (Opens in a new window) zum Thema “Stark in Alltag und Arbeit – Resilienz auf individueller und kollektiver Ebene” belegen.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,
Deine
Pia Lamberty
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?
Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.
Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.
Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?
Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.
Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch.
Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.
Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.
Was ist Resilienz?
In der Psychologie beschreibt Resilienz die Fähigkeit von Menschen, sich von mentalen oder physischen Belastungen, Stress und Schwierigkeiten zu erholen, die psychische Gesundheit zu erhalten und aus den Herausforderungen gestärkt hervorzugehen.
Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?
Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig.
Mein Fokus liegt auf einer solidarischen Resilienz: Du stärkst dich selbst und kannst so auch weiterhin im sozialen und gesellschaftlichen Kontext aktiv bleiben.
Falls Du mich noch nicht kennst:
Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Opens in a new window) vorbei schauen.
Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Opens in a new window)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.
Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Opens in a new window)weiterbilden lassen.