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KW 05 | 2026

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele Einrichtungen der Erwachsenenbildung haben sich in den letzten anderthalb Jahren im Umgang mit KI spürbar professionalisiert. Datenschutzkonforme Large Language Models, klare Nutzungsregeln, interne Leitlinien, ethische Maßstäbe sind heute bewährte Praxis.

KI wird zunehmend seltener heimlich genutzt. Sie wird auch nicht mehr ausschließlich für Social-Media-Texte oder kleine Spielereien eingesetzt. Sie wird kompetent mit Blick auf Chancen und Risiken in der Verwaltung, in der Konzeption, in der fachlichen Arbeit verwendet.

Und genau hier beginnt das große Aber.

Denn Führung heißt nicht nur, den eigenen Laden sauber aufzustellen. Führung heißt auch, wahrzunehmen, was außerhalb des eigenen Hauses passiert. Und dafür reicht es nicht, ausschließlich mit den „braven“, regelkonformen, datenschutzsensiblen KI-Lösungen zu arbeiten. Diese halten sich, bildlich gesprochen, ansTempolimit. Sie sind wichtig, sie sind richtig. Aber sie sind nicht das gesamte Verkehrsgeschehen.

Draußen gibt es Modelle, die überholen. Die Paywalls ignorieren. Die Captchas umgehen. Die menschliches Verhalten inklusive Umfragen, Kursabschlüssen und Zertifikaten simulieren. Agentische KIs, die digitale Lernangebote vollständig „durchlaufen“, Nachweise erzeugen und Systeme täuschen können. KI-Antworten wurden in umfangreichen Tests (Abre numa nova janela) kaum oder gar nicht als automatisiert erkannt, selbst in modernen Detektionsverfahren nicht. Sie bestanden alle gängigen Prüfungen (z. B. „Ich bin ein Mensch“-Captcha, Aufmerksamkeits-Checks, Logikfragen) und konnten sogar unterschiedliche demografische Profile simulieren, also etwa Antworten passend zu „jüngeren“ oder „älteren“ Personen geben. Was bedeutet das für E-Learning-Geschäftsmodelle? Für Teilnahmenachweise? Für rechtlich relevante Zertifikate, etwa im Bereich Arbeitssicherheit?

Wenn ich diese Möglichkeiten nur aus Erzählungen kenne, kann ich ihr Risiko nicht realistisch einschätzen.

Deshalb sagen wir in unseren Workshops manchmal ganz bewusst: Führungskräfte müssen auch mit den Schmuddelkindern spielen. Nicht aus Naivität. Nicht, um Regeln zu brechen. Sondern um zu verstehen, was mittlerweile möglich ist und wo die eigenen Schutzmechanismen greifen müssen.

Man kann sich das vorstellen wie ein ADAC-Sicherheitstraining: Im Alltag fährt man umsichtig und regelkonform. Im Training aber kommt man absichtlich ins Schleudern, bremst auf Eis, überschreitet Grenzen. Nur so lernt man, Gefahrensituationen zu beherrschen. Wenn Sie das im geschützten Raum selber ausprobieren möchten, sprechen Sie uns – David Röthler, Christiane Carstensen, Sonya Dase – gerne für entsprechende Workshops an.

Wer nie erlebt hat, wie leicht sich Assistenten per Prompt Injection manipulieren lassen, wird Risiken in der Kundenkommunikation unterschätzen.
Wer nie gesehen hat, wie KI Kurse auf digitalen Lernplattformen automatisiert „abarbeitet“ und Paywalls umgeht, wird die Sicherheit und Zukunftsfähigkeit seines Geschäftsmodells womöglich überschätzen.
Wer noch nie mit zwei, drei Sätzen per KI eine eigene App gebaut hat, unterschätzt eine weitere reale Gefahr. Nicht, weil bestehende Software „nicht funktioniert“, sondern weil sie nicht genau so funktioniert, wie man sie gerade braucht. Und dann ist es verführerisch einfach, schnell mit einer selbstgebauten App Lücken zu füllen, parallel zu den vereinbarten IT-Systemen. Einfach, weil ich Apps mittlerweile schon aus Prompts mit zwei Halbsätzen generieren kann. Oft ohne klares Bewusstsein dafür, was dabei mit Daten, Schnittstellen und Verantwortung passiert.

Und als hätten wir es geahnt: Kaum war das Editorial geschrieben, ploppte überall Clawdbot/Moltbot (Abre numa nova janela) auf. Ein KI-Open-Source-Star mit beeindruckenden Fähigkeiten, der die Nutzerzahlen in kürzester Zeit in die Höhe schnellen ließ und gleichzeitig ein Alptraum für den Datenschutz.

Ja: Es ist gut, dass sich die Arbeit mit KI in der Erwachsenenbildung professionalisiert hat.
Aber strategische Sicherheit entsteht nicht nur durch Regeln. Sie bleibt aktuell und belastbar durch eigene Erfahrung.

Wer verstehen will, was kommt, muss regelmäßig hinschauen. Wir begleiten Sie mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.

David Röthler, Sonya Dase und Christiane Carstensen
von Milenu (Abre numa nova janela)und Dase & Carstensen (Abre numa nova janela)

Empfehlen (Abre numa nova janela) Sie uns gerne weiter …


Außerdem im Infobrief:

  • Notebook LM in Gemini integriert

  • LLMs: Externe Apps werden zum Standard

  • Claude Cowork als neuer ChatGPT-Moment?

  • Mit KI Open Data und Hidden Data erschließen und nutzen

  • Warum Menschen das Komplexe an KI abgeben und die Routine behalten

  • Translate und Health neu bei ChatGPT und Gemini

  • Termin-Übersicht zu Workshops, Tagungen und Events rund um KI

Notebook LM in Gemini integriert

Google erweitert Gemini (Abre numa nova janela)um eine Integration von NotebookLM (Abre numa nova janela), auffindbar im “Plus”-Menü. Künftig lassen sich Inhalte aus dem KI-Notizbuch deutlich einfacher in Gemini-Prompts einbinden.

LLMs: Externe Apps werden zum Standard

Chat GPT (Abre numa nova janela)setzt schon seit Längerem darauf, externe Apps direkt einzubinden. Nutzerinnen und Nutzer können im Chat auf Dienste von Drittanbietern zugreifen und sich, je nach Anbieter, mit ihrem eigenen Account verbinden. So lassen sich verschiedene Apps direkt im Chat nutzen, ohne ständig zwischen Anwendungen wechseln zu müssen.

Dieser Ansatz wird nun auch von anderen Anbietern wie Claude (Abre numa nova janela)von Anthropic übernommen. Klickt man im Chat auf das Pluszeichen zum Hochladen von Dateien, findet man inzwischen eine wachsende Auswahl an sogenannten Konnektoren. Darüber kann man zum Beispiel seinen Gamma-Account (Abre numa nova janela)(KI für Präsentationen) verknüpfen und sich direkt aus dem Chat heraus Präsentationen erstellen lassen.

Large Language Models entwickeln sich zunehmend zu vernetzten Arbeitsumgebungen, in denen man mit externen Diensten nahtlos zusammenarbeiten kann.

Claude Cowork als neuer ChatGPT-Moment?

Anthropic hat Claude deutlich erweitert und dadurch entsteht ein bisschen dieses bekannte ChatGPT-Moment-Gefühl. Mit Claude Code sorgt Anthropic schon seit einiger Zeit für viel Bewegung in der Welt der Softwareentwicklung und stellt etablierte Arbeitsweisen grundlegend infrage.

Neu hinzugekommen ist nun Claude Cowork. Diese Erweiterung bildet eine Art Zwischenebene, die die leistungsstarken Fähigkeiten von Claude näher an alltägliche Arbeitsprozesse heranführt, also an das, womit viele Menschen im Büroalltag ganz konkret zu tun haben.

Wir von 51° Nord haben Claude Co-Work bereits getestet, unter anderem beim Aufräumen und Strukturieren von Ordnern auf dem Mac: Dateien wurden umbenannt, neu sortiert und logisch organisiert, Fotos und Bilder wurden sinnvoll umbenannt und aufgeräumt, gewachsene Ablagen aufgeräumt und das alles schnell, zuverlässig und erstaunlich fehlerfrei. All die kleinen, oft lästigen Tätigkeiten, die Zeit kosten und Konzentration binden.

Die zentrale Herausforderung bleibt jedoch der Datenschutz. Im Arbeitsalltag gibt es nur wenige Ordner und Inhalte, bei denen sensible Daten keine Rolle spielen. Für Literatur, Studien oder öffentliches Material funktioniert der Einsatz gut, für viele andere Bereiche braucht es dringend DSGVO-konforme, klar eingehegte Lösungen.

Claude Co-Work steht derzeit nur als App auf dem Mac und nur in der Pro-Version zur Verfügung. Golem (Abre numa nova janela)

Mit KI Open Data und Hidden Data erschließen und nutzen

Künstliche Intelligenz entfaltet ihre volle Wirkung vor allem dann, wenn sie mit gutem und vielfältigem Datenmaterial zusammenarbeitet. Dabei geht es längst nicht nur um die eigenen Daten, sondern zunehmend auch um externe Datenquellen, die neue Perspektiven und Analysen ermöglichen. Wir schauen oft zuerst auf unsere internen Datenbestände, übersehen dabei aber, wie wertvoll öffentliche Daten sein können.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Open Data, also frei zugängliche Daten, die von öffentlichen Institutionen, Kommunen oder Verwaltungen bereitgestellt werden und ohne große Hürden weiterverwendet werden können. Sie ermöglichen Transparenz, fundierte Analysen und neue digitale Anwendungen. Immer mehr Kommunen erkennen diesen Nutzen und stellen ihre Daten offen zur Verfügung, etwa die Stadt Bielefeld mit ihrem Open-Data-Angebot (Abre numa nova janela).

Daneben gibt es sogenannte Hidden Data: Daten, die zwar digital vorhanden, aber nicht direkt sichtbar oder leicht auffindbar sind, etwa in Webseitenstrukturen, Datenbanken oder Schnittstellen. Einen anschaulichen Einblick in dieses Thema gibt ein lesenswerter Blogbeitrag (Abre numa nova janela) des Journalisten Henk van Ess, der zeigt, wie KI dabei helfen kann, solche versteckten Daten nutzbar zu machen.

Für kleine Bildungseinrichtungen bedeutet diese Entwicklung einen großen Schritt nach vorn: Sie können heute deutlich stärker mit relevanten Statistiken arbeiten als früher und externe Daten sinnvoll in Lehre und Projektarbeit einbinden.

Warum Menschen das Komplexe an KI abgeben und die Routine behalten

Der KI-Entwickler Anthropic hat untersucht, wie Menschen KI in der Arbeitswelt tatsächlich einsetzen. Dabei zeigt sich ein überraschendes Bild, das den Erwartungen widerspricht, wie sie in wissenschaftlichen Debatten und Prognosen lange formuliert wurden.

Menschen nutzen KI ausgerechnet für komplexe und unsichere Aufgaben (wo KI deutlich eher fehleranfällig ist) und gerade nicht –wie erwartet – für Routinetätigkeiten (wo KI weniger anfällig ist).

Im Reisebüro etwa unterstützt KI bei der Ausarbeitung individueller Reiserouten, während Tätigkeiten wie das Anfordern und Ausdrucken von Fahrkarten oder die Abwicklung von Zahlungen weiterhin beim Menschen verbleiben.

Die Praxis des KI-Einsatzes folgt damit weniger den Prognosen der Zukunftsforschung als dem pragmatischen Arbeitsalltag ganz im Sinne Karl Valentins: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“

heise (Abre numa nova janela)

Translate und Health bei Chat GPT und Gemini

Große Allround-Plattformen wie Chat GPT und Gemini erweitern derzeit ihr Angebot gezielt um weitere Funktionen. In jüngster Zeit sind bei beiden Plattformen mit Chat GPT Translate (Abre numa nova janela)und Gemini Translate (Abre numa nova janela) (für Europa für Frühjahr angekündigt) eigene Übersetzungsbereiche hinzugekommen, die dieses Themenfeld direkt in die jeweilige Plattformlogik integrieren.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Health-Bereich. Auch hier positionieren sich Chat GPT (Abre numa nova janela) und Gemini (Abre numa nova janela) zunehmend mit stärker ausgeprägten fachlichen Angeboten. Insgesamt deutet sich damit eine Phase an, in der sich Plattformen breiter aufstellen und ihre Einsatzfelder konsequent ausweiten.

Diese zusätzlichen Felder und Dynamiken sollten Bildungsanbieter aufmerksam im Blick behalten. Die Entwicklungen verlaufen teils sehr schnell, sodass selbst als stabil wahrgenommene Spezialanbieter, etwa DeepL (Abre numa nova janela)im Sprachenbereich, unter Umständen unter Druck geraten können. Insgesamt erleben wir eine Phase rasanter Bewegung, in der sich Marktpositionen und bisherige Gewissheiten spürbar verschieben.

Terminübersicht zu KI und Erwachsenenbildung

Eine Terminübersicht zu Fortbildungen, Events und Tagungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund um KI, Erwachsenenbildung und Bildungsmanagement finden Sie hier. (Abre numa nova janela)

Folgende Termine sind neu in der Liste:

04.02.26
Futures Lounge der Initiative D2030+
KO-Evolution von Mensch und KI? Uns neu denken!?
Live Talk auf Zoom (Abre numa nova janela) und im Stream auf LinkedIn (Abre numa nova janela)
Online, 18:30 Uhr

18.–20.05.26
re:publica 2026 (Abre numa nova janela)
Berlin

01./02.09.26
Learning AID 2026 (Abre numa nova janela)
Bochum

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51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Milenu (Abre numa nova janela) und Dase & Carstensen (Abre numa nova janela).