Es ist Montagmorgen. Du liest die Blaupause, den Newsletter, mit dem du Communitys besser verstehst und erfolgreich Mitgliedschaften anbietest. Heute: Mein Spickzettel-Service für alle, die bei Medien und künstlicher Intelligenz mitreden wollen.

Hallo!
Ich beschäftige mich (wie so viele) viel mit künstlicher Intelligenz. Mein Kopf steckt meistens tief in einer Suppenschüssel voller Prompts, Skills und Vibe-Coding-Projekten. Ich unterhalte mich über so nerdiges Zeug, dass mir manchmal selbst langweilig wird beim mir zuhören.
Trotz alldem fällt es mir schwer, den Überblick zu behalten, was die neuen Entwicklungen, Trends und Diskussionen angeht. Deswegen heute eine Service-Blaupause, ein kleiner Spickzettel, damit du mitreden kannst beim Thema Medien und künstliche Intelligenz. Drei Buzz-Begriffe, die dich cool aussehen lassen, wenn du sie erstens verstehst und zweitens korrekt benutzen kannst.
„Liquid Content“
Was zur Hölle bedeutet das?
Bisher hast du an einem Format gearbeitet, also einen Text, eine Podcast-Episode, ein Video et cetera. Zukünftig – so die These – wird aus dem Rohstoff einer Recherche potenziell alles Mögliche. Eine AI macht aus deinem Ausgangsmaterial unterschiedliche Formate, je nach Bedürfnis deiner Nutzer:innen. Ein Audio-Briefing als Podcast für die U-Bahn, eine Lesefassung für den Abend auf dem Sofa, ein vertikales Video für Social Media. Der Rohstoff (deine Recherche, deine Stimme, deine Analyse) bleibt gleich, aber die Verpackung fließt in jede gewünschte Form. Der Begriff „Liquid Content“ trended erst seit Januar, als der Reuters Institute Digital News Report ihn aufgriff und zum Buzz-Bingo-Repertoire machte.
Ist das wirklich wichtig?
Ja, als strategische Erkenntnis für die Medien der kommenden Jahre: Ein „Artikel“ ist nicht mehr das Standard-Ergebnis journalistischer Arbeit, sondern nur noch eine von vielen möglichen Ausspielarten. Wer keine große Redaktion (mit den entsprechenden Kosten) hat und auf Mitgliedschaften setzt, könnte profitieren: Ein Interview wird ohne großen Aufwand zum Newsletter, zum Podcast-Snippet und zum Zitat in einer KI-Suche. Die Produktionskosten pro Format sinken. Mehr Stuff produzieren, das ist dann, anders als bisher, kein Vorteil mehr.
Sagt das in zwei Jahren noch jemand?
Den Begriff „Liquid Content“ selbst wahrscheinlich nicht, denn die Idee dahinter wird einfach normal sein. Vor ein paar Jahren haben alle von „Responsive“ gesprochen, dass also Webseiten auch auf Handys gut aussehen. Heute ist das einfach selbstverständlich.
Schlauberger-Synonyme
Headless Content, modularer Journalismus, COPE (Create Once, Publish Everywhere), Adaptive Content, Atomic Content, Composable Content, Fluid Storytelling.
„Agentic AI“
Was zur Hölle bedeutet das?
Bisher ist KI faul: Sie antwortet, wenn du sie etwas fragst, dann legt sie sich wieder hin. Agentic AI soll eigenständig handeln, wenn du ihr ein Ziel gibst. „Finde mir drei Coworking-Spaces in Köln unter 200 Euro, vergleiche die Bewertungen und trag mir für den Favoriten einen Probetermin in den Kalender ein.“ Das KI-Dingsbums köchelt sich daraus einen virtuellen Diener, der bricht das Ziel in Teilschritte herunter, ruft selbstständig Websites auf, extrahiert Daten, vergleicht sie und führt Transaktionen aus. Wie du wahrscheinlich schon erlebt hast, klappt das heute eher so lala. In der Theorie ist das der nächste große Sprung von Künstlicher Intelligenz.
Ist das wirklich wichtig?
Für Medien gleich doppelt. Erstens verändern Agenten die Inhalte-Produktion: Medienmacher:innen können zum Beispiel digitale Zwillinge ihrer Leser:innen nutzen, um Ideen und Inhalte in Sekundenbruchteilen zu testen.
Zweitens ändert sich die Distribution: Wenn dein Publikum nicht mehr selbst durchs Netz surft, sondern einen persönlichen KI-Agenten recherchieren lässt, steht plötzlich eine Maschine als Türsteher zwischen dir und deiner Leserschaft.
Sagt das in zwei Jahren noch jemand?
Das Wort Agent bleibt uns erstmal erhalten. Genau wie der Begriff „Cloud“ wird es nach einer Weile verblassen, weil die Technik nach und nach in unseren Alltag integriert ist.
Schlauberger-Synonyme
Autonome KI, KI-Agenten, agentenbasierte KI, Action Models, Synthetische Audiences, Autonomous Teammates, Goal-Oriented AI, Multi-Agent-Systeme.
„Answer Engine Optimization“
Was zur Hölle bedeutet das?
AEO ist das neue SEO. Wenn Suchmaschinen zu Antwortmaschinen werden, ist die Frage „Mit welchen Keywords lande ich bei Google auf Platz eins?“ ziemlich egal. Die neue Frage: „Wie muss mein Content aussehen, damit ChatGPT, Claude oder die Google AI Overviews ihn zitieren?“ So wie wir bisher Suchmaschinenoptimierung betrieben haben, setzen dann die LLMs ihre Vorgaben durch und machen menschliche Arbeit zum Teil ihrer Systeme.
Ist das wirklich wichtig?
Oh yeah. Wer von einer KI zitiert wird, gewinnt. Und bei KI-Antworten gilt noch viel extremer das Prinzip „Winner takes it all“: Statt zehn Links auf Seite eins gibt es bei Perplexity oft nur noch zwei oder drei Quellenverweise. Wer nicht zum Kreis der Zitierten gehört, existiert im KI-Zeitalter einfach nicht mehr. Heißt natürlich noch lange nicht, dass jemand deine Website besuchen wird, nur weil du in einer KI-Suche vorkommst. Aber das ist das nächste Problem.
Sagt das in zwei Jahren noch jemand?
Das Akronym wird sich einbürgern wie SEO. Die Disziplin, für LLMs statt für Suchalgorithmen zu optimieren, wird jede Menge LinkedIn-Posts und Pseudo-Experten hervorbringen.
Schlauberger-Synonyme
GEO (Generative Engine Optimization), LLMO (Large Language Model Optimization), AIO (AI Optimization), GSO (Generative Search Optimization), SGE-Optimierung (für Googles Search Generative Experience), RAG-SEO (Optimierung für die Retrieval-Augmented-Generation-Schicht).
An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen treuen Redaktions-Agenten Notion AI und Claude Opus 4.7 bedanken, die beim Finden der Synonyme geholfen haben.
Bis nächsten Montag!
👋 Sebastian
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Puh! Die Wahl in Ungarn ist gut ausgegangen, ganz Europa atmet auf. Gunter Becker vom Medium-Magazin hat aus der vergangenen Blaupause-Ausgabe zu diesem Thema einen Artikel gemacht (Abre numa nova janela). Jetzt auch ohne Paywall zugänglich.
https://mediummagazin.de/news/beitrag/1245-sicheres-ufer-ungarische-investigativplattform-zieht-nach-berlin.html (Abre numa nova janela)