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Der harte Kern

Es ist Montagmorgen. Du liest die Blaupause, den Newsletter, mit dem du Communitys besser verstehst und erfolgreich Mitgliedschaften anbietest. Heute: Eine gute Nachricht, versteckt in einer schlechten.

Hallo!

Vor wenigen Tagen ist der Digital News Report 2026 (Abre numa nova janela) rausgekommen, die größte Studie zur weltweiten Nachrichtennutzung; YouGov befragt dafür jährlich knapp 100.000 Menschen in 48 Märkten. Er erscheint inzwischen seit 15 Jahren und ist die beste Datensammlung, um die Veränderung des Journalismus durch die Digitalisierung zu beobachten.

Die neue Ausgabe des Reports kann man als Niedergang klassischer Medien lesen. Es ist alles ein bisschen deprimierend.

  • Das Vertrauen in „News“ ist so niedrig wie nie;

  • das Interesse des Publikums an Nachrichten sinkt ganz generell;

  • Websites von großen Medienmarken verlieren die Aufmerksamkeit der Leute an die großen Plattformen und an KI-Chatbots.

Das galt bisher schon für die jungen Zielgruppen (siehe die Blaupause Welche Medien-Generation bist du? (Abre numa nova janela)), aber zunehmend scrollen auch ältere und sogar ganz alte Leute lieber durch Video-Apps als die Homepage einer Tageszeitung aufzusuchen.

Wer eine Beziehung aufbaut, steht besser da

Als Blaupause-Leser:in kann man im Report aber auch Positives finden. Denn er beschreibt vor allem die Probleme des Geschäftsmodells „Reichweite gegen Werbung“ – also nicht das von unabhängigen Medienmacher:innen. Wer Geld mit Klicks verdienen will, ist übel dran, das weisen die Wissenschaftler:innen anhand vieler Daten nach. Wer aber eine Beziehung aufbaut, für die Menschen zahlen, steht ziemlich stabil. Für mich ist das eine interessante Erkenntnis des neuen Reports: Zwei Kurven laufen auseinander, die der Reichweite und die der Bindung. Das Community-Modell koppelt sich, bisher wenig bemerkt, vom Massenmedien-Modell ab. 

(Abre numa nova janela)
Der engagierte Kern schrumpft, die Gelegenheitsnutzer:innen wachsen: die drei Segmente 2021 und 2026.

Auf den ersten Blick schrumpft der engagierte Kern der sogenannten news lovers, von insgesamt 29 auf 22 Prozent seit 2021. In Europa sogar noch ein bisschen mehr. Aber hier lohnt sich ein genauerer Blick. Gleichzeitig geht nämlich die Reichweite für News insgesamt runter, ganze zwölf Prozentpunkte seit 2021 – und dieser Schwund betrifft vor allem die Gelegenheitsbesucher:innen. Verloren gehen vor allem die, die ohnehin nie gezahlt hätten. 

Bei den news lovers dagegen hat in Nutzung, Engagement und Zahlbereitschaft kaum nachgelassen. Sie sorgen sich mehr um Desinformation, meiden Nachrichten seltener und folgen eher unabhängigen Stimmen und Creators. Der Schluss des Reports: Die news lovers bilden inzwischen den eigentlichen Kern-Markt für journalistische Inhalte, ein „smaller, but durable, target market“.

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Wer zahlt, ist anders: zahlende Leser:innen im Vergleich zum Durchschnitt, am Beispiel Großbritannien.

Der harte Kern zahlt zunehmend für Indie-Medien

Dieser harte Kern der zahlenden news lovers stagniert im Schnitt seit Jahren bei rund 17 Prozent. Aber interessanterweise wandert das Geld weg von den großen Marken.

„A few publishers are succeeding by focusing on scale, others through depth of engagement, and others still through a strong sense of mission or identity.“

In Frankreich geht nur noch gut ein Drittel an klassische Verlage, ein ähnlicher Anteil an Indie-Medien wie Mediapart (fast 250.000 Abos). In Kanada und den USA zahlen 29 und 21 Prozent der Zahler:innen direkt an einzelne Creators. (Die Historikerin Heather Cox Richardson kommt auf über 2,5 Millionen Substack-Abos.) Der Kuchen wird neu verteilt, hin zu denen, die eine Beziehung anbieten.

(Abre numa nova janela)
Das Geld verteilt sich neu: an welche Art von Anbieter zahlende Leser:innen ihr Geld geben (klassische Verlage, digitale Medienhäuser, Aggregatoren, Einzelpersonen).

In Deutschland gibt es viel Potenzial

In Deutschland ist die Lage sogar etwas besser, als der globale Trend vermuten lässt. Das Interesse an Nachrichten ist bei uns stabil geblieben, gut die Hälfte der Onlinenutzer:innen bezeichnet sich als sich sehr interessiert. Der harte Kern ist hier also größer als anderswo. Leider zahlen die deutschen news lovers unterdurchschnittlich häufig, nämlich nur zu rund elf Prozent.

Das könnte mit der guten Versorgung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusammenhängen. Und/oder es gibt schlicht eine Lücke zwischen denen, die zahlungsbereit wären, und denen, die bereits zahlen. Es gibt offenbar viele Leute in Deutschland, die nur auf das richtige Angebot warten – und das hat eher mit Bindung, Identität und Zugehörigkeit zu tun, als mit mehr Inhalten.

„The answer is unlikely to lie in producing more content or in peppering people's lockscreens with yet more notifications."

Diese Lücke ist das Wachstumspotenzial für Community-Medien (und solche die es werden wollen).

Bis nächsten Montag!
👋 Sebastian

PS: Weil ich diese Woche mehreren Leuten geraten habe, doch bitte einfach mal anzufangen, statt sich monatelang totzuplanen, hier eine große Internet-Weisheit. Sorry, cheesy, aber es könnte helfen.

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Vielen Dank für die vielen Reaktionen auf das Interview mit meinen Eltern, hier eine Auswahl:

Tópico Krisen

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