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being human

Das seltsame, widersprüchliche Abenteuer, ein Mensch zu sein

Eine Kolumne von Christina Emmer
#14 - Der Weg vom Wissen ins Leben

“Was willst Du heute essen?” fragt mich meine Mama.
“Ich weiß es nicht!” antworte ich.

Auf so ein “Ich weiß es nicht” gab mir meine Mama, als ich ein Teenager, war fast immer die gleiche Antwort:

“Du weißt es ganz genau, Du traust Dich nur nicht, es zu sagen!”

Meine Güte, was war ich jedesmal wütend über diese blöde Antwort. Denn wenn ich sage, ich weiß es nicht, dann weiß ich es eben auch nicht! Woher will sie denn wissen, was ich weiß? Ich weiß es eben nicht und damit basta!

Oder?

Es vergingen viele Jahre bis ich feststellen durfte, dass sie - ich gebe es heute freimütig zu - Recht hatte.

Wir wissen es eigentlich schon.

Wir wissen eigentlich, was wir wollen.
Wie wir leben wollen.
Was wir haben wollen.
Wer wir sein wollen.

Wir trauen uns nur ganz oft nicht an dieses sehr oft tief vergrabene Wissen heran.

Weil es weh tut.

Weil wir gelernt haben, dass “man halt nicht alles haben kann, was man will”. Also will man lieber nichts mehr.

Vielleicht hat mich damals auch genau dieser Widerspruch so geärgert… einerseits wuchs auch ich ja noch in dieser Zeit auf, als Bescheidenheit eine der wichtigsten Tugenden für ein Mädchen war. Selbstlob war verpönt und als Kind einer Arbeiterfamilie lernte ich täglich, dass Wollen nicht so wichtig war wie Müssen. Andererseits sollte ich dann aber einfach aussprechen, was ich will, also dieses gut vergrabene Wollen fühlen können.

Inzwischen kann ich es sehr gut fühlen.

Aber mein Leben erlaubt mir nicht immer, danach zu handeln.

Da ist

Verantwortung,

Loyalität,

Verpflichtung.

Wenn erst diese Verpflichtung weg ist, dann…

Und so kommt ein neuer Schmerz.

Ein quälender.

Nicht der aufheulende, trotzige Schmerz von früher, wenn dem “ich will aber!” ein “es geht aber nicht"!” entgegenschlägt.

Sondern ein tiefer, bohrender Schmerz, als ob die Zeiger einer erbarmunglos tickenden Uhr sich langsam, aber gleichmäßig in Deinen Unterleib drehen.

Was anfangs nur leicht piekst, verursacht Jahre später Krämpfe.
Und ich sitz da, schau mir zu, wie ich Tag für Tag nur kämpfe!

Sorry, der kleine Reim ist mir so rausgerutscht.

Aber all das ist in Wirklichkeit gar nicht zum Lachen.

Es ist todernst.

Denn der Traum vom Leben, das Du eigentlich leben willst, stirbt mit Dir. Vielleicht morgen, vielleicht in 30 Jahren - doch 30 Jahre sind auch nur 30 mal ein Jahr, das Du wieder gewartet hast.

Manche Entscheidungen treffen wir lange, bevor wir sie leben.

Das ist absolut ok.

Nicht immer ist für alles die richtige Zeit.

Aber manchmal weißt Du, jetzt ist es Zeit.

Für mich ist es jetzt Zeit, wieder Menschen mit nach Irland zu nehmen.

Vor 9 Jahren habe ich das schon einmal gemacht. Eine Art Business-Retreat in Irland - langjährige Leser erinnern sich vielleicht.

Doch 9 Jahre sind viel Zeit zum Lernen und ich weiß jetzt, was das eigentliche Thema damals war.

Im Kern ging es immer um Aufbruch.

Früher dachte ich noch, bei Aufbruch geht es darum, etwas Neues zu erschaffen. Loszugehen zu einem Ziel, irgendwo da draußen, wo man vielleicht noch nie vorher war.

Heute weiß ich, dass wir einen ganz anderen Aufbruch brauchen.

Einen Aufbruch von unserem Wollen in unser Leben.

Einen Aufbruch vom Außen ins Innen.

Einen Aufbruch, zurück zu uns selbst.

Zu unserer Menschlichkeit.

Heimwärts.

Alles Liebe
Christina

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