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Forum der Astronomie: Bewegung in der Milchstraße

Zimmerer Helmut Rapp nahm den obligatorischen Richtspruch vor. Foto: Schick
So soll es bald aussehen, das um das "Forum der Astronomie" (links) erweiterte Planetarium Laupheim. Visualisierung: Volkssternwarte

(Ein Bericht von Reiner Schick)

Man muss nicht die Sterne fragen, um zu erfahren, wie es mit dem geplanten Forum der Astronomie des Laupheimer Planetariums aussieht. Ein Blick in die Milchstraße 1 hilft, um zu erkennen: Es geht vorwärts. Oder besser: aufwärts. Rohbau und Dachstuhl des Anbaus zum bestehenden Gebäude sind fertig. Beim Richtfest gab es nun ein offizielles Update.

“Staunen. Forschen. Verstehen.” Mit diesen drei Worten ist das 24-seitige Booklet betitelt, mit dem Planetarium und Volkssternwarte über das Millionenprojekt informieren. Ordentlich gestaunt und vermutlich auch verstanden haben beim Richtfest zahlreiche geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen der Gesellschaft. Und ein bisschen forschen durften sie auch beim individuellen Rundgang durch die fast fertige Hülle, die das bisherige Platzangebot des Planetariums fast verdoppelt. CarlL ließ sich von Rolf Stökler, einer von fünf Vorständen der Volkssternwarte Laupheim, begleiten.

“Es wird etwas sein, was nicht jeder in einem Planetarium unbedingt erwartet.” (Rolf Stökler über ein besonderes Exponat im Zentrum der Ausstellung)

Und man spürte förmlich bei jedem Wort, wie vor Stöklers geistigem Auge die Vision eines multifunktionalen Hauses voller spannender Möglichkeiten längst Wirklichkeit geworden ist. Mitten im neuen Eingangsbereich des Planetariums, in dem die Mitglieder der Volkssternwarte an diesem Tag Biertischgarnituren zur Bewirtung der Gäste aufgestellt haben, soll ein “wunderschönes Exponat unterm Marshimmel” einmal die Blicke der Besucher auf sich ziehen. “Es wird etwas sein, was nicht jeder in einem Planetarium unbedingt erwartet”, verriet Stökler. Was genau er damit meint, sei “ein Geheimnis, das wir noch ein bisschen hüten”.

Ein Ausflug ins All

Bestaunen kann man das Exponat vom Kassenbereich und einer kleinen Caféteria-Ecke aus, in der 30 bis 40 Gäste Platz finden - bei schönem Wetter auch auf der Terrasse - und sich bei Kaffee und Gebäck aus dem Selbstbedienungsautomaten stärken können. Im Idealfall für einen längeren Aufenthalt im Forum der Astronomie. “Wir wollen, dass die Leute auch mal einen halben Tag hier verweilen”, sagt Stökler. Möglichkeiten, sich bei einem kleinen Planetariums-Ausflug nach Laupheim die Zeit kurzweilig zu gestalten, gebe es genug. “Man besucht zum Beispiel eine Show und schaut sich in Ruhe die Ausstellung an.”

Schon deren Thema spricht gegen einen Schnelldurchlauf. Mit “Leben und Überleben im Weltraum”, also auch den Herausforderungen für Astronauten bei ihren Missionen, beschäftigt sich die Ausstellung. Die 15 Exponate laden nicht nur zum Informationen konsumieren, sondern auch zum Agieren ein. “Man kann kleine Experimente machen und damit locker eine Stunde verbringen”, verspricht Rolf Stökler.

Schülerlabor mit Graffiti-Marslandschaft

Vorbei an einem kleinen Küchenbereich und einer Garderobe mit Schließfächern - die dem bisher oft wilden Durcheinander von Jacken und Taschen etwa bei Schülerveranstaltungen ein Ende bereiten soll - geht’s gewissermaßen zum Forschungszentrum des Forums der Astronomie: das Kreissparkassen-Schülerlabor für Workshops und Experimente. “Wir haben jetzt schon fast 200 Veranstaltungen im Jahr für Kinder und Jugendliche. Für die bauen wir diesen Raum mit Unterstützung eines großen Sponsors aus der Wirtschaft”, erklärt Stökler. Damit der Saal nicht wie ein typisches Schullabor aussieht, wird der Laupheimer Graffiti-Künstler Philip Walch eine Marslandschaft an die Wände sprühen.

Eine Marslandschaft von Graffiti-Künstler Philip Walch soll dem Kreissparkassen-Schülerlabor ein futuristisches Erscheinungsbild geben. Visualisierung: Volkssternwarte

Im Forums-Gebäude, das sich über eine Gesamtfläche von 480 Quadratmeter erstreckt, gibt es auch einen Treppenaufgang und einen Plattform-Lift, der von Menschen mit Gehbehinderung mitgenutzt werden kann, hinauf zur Sternwarte. Deren bisherige Fläche wird durch den Anbau deutlich erweitert und kann entsprechend mehr Sonnenbeobachter Platz bieten. Selbstverständlich neue Sanitäranlagen runden die Einrichtung des Neubaus ab. Im Zuge der Bauarbeiten wird auch das bestehende Gebäude umgebaut und technisch teilweise modernisiert. So wird aus den bisherigen Toiletten ein Ausstellungsraum zum Thema Raumfahrt.

“Eine ganz eigene Welt.” (Architekt Franz Rief)

Für das Baustetter Architekten-Ehepaar Rief war die vor einem Jahr begonnene Planung im Auftrag des Baltringer Bauunternehmens Matthäus Schmid im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens, das Schmid für sich entschied, “eine schöne Herausforderung”, wie Franz Rief einräumt. Nicht wegen der Größe des Objekts, sondern wegen der spezifischen Anforderungen in Verbindung mit einem “Spezialwissen, das nur die Auftraggeber haben können”. Salopp ausgedrückt: Das Universum ist auch für Architekten “eine ganz eigene Welt”. Logisch, dass das Ausstellungskonzept von einer anderen Firma (ad modum aus Potsdam) erarbeitet wurde. “Wir begleiten die Schnittstellen”, erklärt Franz Rief.

3 Millionen Euro: Politik, Wirtschaft und Verein übernehmen die Kosten

Die Gesamtkosten für das Forum der Astronomie belaufen sich auf rund drei Millionen Euro. Davon übernehmen die Stadt Laupheim 800.000, der Bund 650.000 und der Kreis 350.000 Euro. Der Verein Volkssternwarte steuert Eigenmittel in Höhe von etwa einer Million Euro bei, hinzu kommen “Tausende Stunden Eigenleistungen” (Rolf Stökler) sowie private und gewerbliche Spenden.

“Wow, was für ein Gebäude.” (Laupheims OB Bergmann)

Gut angelegtes Geld - da waren sich die Redner beim Richtfest sicher. “Wow, was für ein Gebäude”, schwärmte Laupheims Oberbürgermeister Ingo Bergmann, “ein Kleinod, ein Schmuckstück unserer Stadt.” Die jüngste Mondumrundung mit vier Astronauten bei der Artemis-Weltraummission habe gezeigt, “wie zukunftsgewandet das Thema Astronomie ist”. Auch Walter Hefner, Direktor der Kreissparkasse Laupheim, bezeichnete das Planetarium als “einen Leuchtturm”, das man sehr gerne unterstütze. Das gelte im Besonderen für das Schülerlabor, das den Jugendlichen noch bessere Voraussetzungen schaffe, sich mit spannenden Themen beschäftigen zu können. Dabei lobte Hefner die Leistung und das Durchhaltevermögen der Planetariums-Verantwortlichen, mit dem man auch schwierigen Phasen getrotzt habe.

Noch dieses Jahr soll’s fertig werden

Diese hat offensichtlich auch Rolf Stökler nicht vergessen, als er davon sprach, dass das Projekt in der langjährigen Planungsphase seit 2017 auch schon mal “mehr tot als lebendig” war. Letztlich hätten es die genannten Finanzierungszusagen ermöglicht, dass nach vier Vergabeverfahren und Förderanträgen mit über 100 Seiten im Oktober 2025 der “Spatenstich”, nach einer kurzen Winterpause Anfang 2026 die ersten Erdarbeiten und im März 2026 die Grundsteinlegung erfolgen konnte. Wenn alles wie bisher weiterhin glatt läuft, soll das Forum der Astronomie noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.

Mit dem letzten Nagelschlag für den Dachstuhl wurde ein weiterer Schritt gemeistert, und beim Richtfest wünschte Zimmerer Helmut Rapp von der Firma Schmid beim traditionellen Richtspruch: “So wachse diese Sternenstadt mit Macht, zum Segen aller bei Tag und Nacht.”

Damit das neue Planetarium auch innen gut “wachsen” kann, muss es aber erstmal geschlossen werden: Von Mitte Juni bis Ende August ruht der gesamte öffentliche Betrieb wegen der Umbauarbeiten.

Viele weitere Infos zum Planetarium und zum Projekt gibt es hier (Abre numa nova janela)

Tópico Laupheim