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August // Peggy Guggenheim

Ich mag sie, ich mag sie sehr. Viel weniger mag ich die Art und Weise, wie die Geschichte versucht, Frauen wie Peggy Guggenheim - Mäzenin und eine der wichtigsten Sammlerinnen moderner Kunst des 20. Jahrhunderts - zu beschreiben.

Die Geschichte hat ein Problem mit Frauen wie ihr, und ich wiederum habe ein Problem mit den Adjektiven, die die reißerischen Überschriften der Artikel über sie füllen: “Enfant terrible, Nymphomanin, Außenseiterin, Feministin, Skandalnudel, unbequem, umstürzlerisch...eine Frau, die sich zu tausend Liebschaften bekannte …und: “Mäzenin, befreit, aber vielleicht zu sehr? Sammlerin, bekannt für ihr reiches Sexualleben.“ Oder: “Appetit auf Kunst und Männer - das stürmische Leben von Peggy Guggenheim.“ Und noch dazu: “Geht es nach Peggy Guggenheim, ist die Kunstgeschichte immer auch Sexgeschichte. Sie sammelte Gemälde, aber noch besessener sammelte sie Männer, berühmte Männer (…)” - das sind ganz ernsthaft die ersten Absätze meinungsbildender, seriöser Zeitungen, die vermutlich auch ihr lest…

Die Frage, die sich aufdrängt, ist banal und dennoch notwendig: Würde man über einen erfolgreichen männlichen Sammler je in dieser Weise schreiben?

Noch enger wird es, wenn es um Mutterschaft geht, denn zu ihrem eigenen Unglück im Urteil der Welt brachte Peggy auch noch die Erfahrung mit, zwei Kinder zu haben, an deren Erziehung sie nicht teilnahm - was selbstverständlich unter ein besonders präzises Röntgen der gesellschaftlichen Kritik fiel. Und als wäre das nicht genug, gibt es noch das „ästhetische Kapitel“: Man warf ihr offen mangelnde Schönheit vor. Eine Frau, die nicht den klassischen Schönheitskanon erfüllte, dazu reich (wenn auch dank Familienvermögen), weiß und erfolgreich - ein Skandal gleich in mehrfacher Hinsicht! Eine junge Frau aus der wohlhabenden jüdischen Familie Guggenheim, die sich das Leben so kompromisslos aneignete? Von da ist es nicht weit bis zum Etikett „exzentrisch“. Doch das endgültige, scheinbar passende Wort, das über ihr schweben sollte, war: „kontrovers“ - eine kontroverse Frau.

In ihren Biografien und Erinnerungen fällt mir auf, wie eng Bewunderung und Abwertung bei ihr beieinanderliegen: „Sie liebte die Freiheit, sie war unkonventionell, sie liebte das Leben, sie lebte für die Kunst.“ Solche Beschreibungen kippen schnell - von Faszination hin zu moralischem Tadel, manchmal bis zur Verachtung. Und dabei lenken sie ab von dem, was bleibt: von ihren tatsächlichen Leistungen, ihrem unbestreitbaren Beitrag, ihrem Platz in der Kunstgeschichte.

Die Anforderungen, die an Frauen gestellt wurden und werden, scheinen wie losgelöst vom Individuum. Zum Glück jedoch habe ich den Eindruck, dass Peggy mit ihrer ihr eigenen Nonchalance auf Meinungen schlicht gepfiffen hat. Sie schien einfach eine Person zu sein, fasziniert von der Intensität des Lebens - und blieb gleichzeitig seine Königin. Ich lächle beim Gedanken an das berühmte Porträt von Peggy in futuristischer Sonnenbrille, wie sie mit ihrer Gondel durch die Kanäle Venedigs gleitet. In den Gläsern spiegelt sich die Stadt, deren Architektur sie täglich von ihrem Palazzo Venier dei Leoni aus betrachtete - jenem Haus mit Garten, das sie zum Museum machte, einem der wichtigsten Orte moderner Kunst in Europa. Die Legende besagt, dass sie die Renaissance liebte, sie sich aber nicht leisten konnte - und so investierte sie in die Avantgarde. Es war eine glückliche Fügung, für sie wie für die Kunst. Und ich frage mich oft, wo die moderne Kunst heute stünde, hätte es dieses Kapitel „Peggy Guggenheim“ nicht gegeben.

Kurz vor meinem vierzigsten Geburtstag denke ich: Am meisten bewundere ich sie dafür, dass sie mit ihrem Leben genau das tat, was man von ihr nicht erwartete.

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