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Wut —— Mut

STOP DEPRESSING - START EXPRESSING 

Nach meiner Mail gestern habe ich einige Reaktionen bekommen. Eine davon lautete: Wut rausschreiben, okay, mag sich für den Moment ganz gut anfühlen und auch das Ausagieren mit dem Körper, coole Idee. Aber schmore ich dann letztlich nicht doch im eigenen Saft und alles bleibt gleich? Die Ursache für meinen Ärger verschwindet ja nicht.

Stimmt, tut sie nicht. 

Kann sie oftmals aber auch gar nicht, weil die Ursache viel zu weit zurückliegt und die Verantwortlichen längst tot sind oder dein Einfluss nicht bis dorthin reicht, wo jemand etwas gegen die Ursache tun könnte. 

Da hilft wirklich nur, mit der eigenen Wut umzugehen. 

Und dann gibt's noch die anderen Ursachen, die, bei denen du was tun kannst, und dazu will ich dir von meiner Schlüsselerfahrung mit dem Tirade-Schreiben erzählen.

 

STOP DEPRESSING - START EXPRESSING 

Es war noch ganz am Anfang, als ich bei meinem jetzigen Mann eingezogen bin. Seine Mutter lebt mit im Haus und - das lernte ich ziem­lich schnell - sie war es gewöhnt, alle in ihrer Reichweite für ihre Zwecke einzuspannen. Andrea, tu dies, Andrea, fahr mich dahin, Andrea, tu das. Anfangs war ich noch der Ansicht, ich müsste mich beliebt machen und beweisen, dass ich nützlich bin, und tat ihr all diese Gefallen. Aber irgendwann wurde es mir zu viel. Sie verfügte über meine Zeit als wäre ich ihre Dienstbotin. Okay, in gewisser Weise hatte ich mich selbst dazu ge­macht vor lauter People Pleasing - ich war noch in der Phase kurz nach meinem Burnout und ohne psycho­logische Begleitung. 

Als sie wieder einmal über meinen Kopf hinweg einen Arzttermin jottwedee ausgemacht hatte, was mich einen Dreivierteltag kosten würde, platzte mir der Kragen. Innerlich zumindest. Ich wandte mich dem einzigen Gesprächspartner zu, den ich zu der Zeit tagsüber hatte: meinem Journal. Ich schrieb mir den ganzen Frust von der Seele. Was ihr einfiele, so über meine Zeit zu bestimmen. Wie selbstverständ­lich ging sie davon aus, dass ich halbe bis ganze Tage mit ihr bei ihren Arztbesuchen verbrachte. 

Ich war so wütend! 

Auch auf mich selbst, dass ich das wieder und wieder zuließ und das mit mir machen. 

Noch während ich schrieb und all meinen Arger über das Blatt rotzte - ich spüre noch einiges davon in diesem Moment, da ich das schreibe, obwohl es 10 Jahre her ist -, wurde mir auf einmal bewusst, wie viel Energie in dieser Wut lag. Ich hab sie im ganzen Körper gespürt, von oben bis unten. Ich war wie auf­geladen, wie elektrisiert. Meine Muskeln waren angespannt, mein Puls ging schnell, alles in mir war wachsam. 

Wie kampfbereit. Wie auf dem Sprung. 

Diese Energie, sie gab mir Mut. Ich würde endlich für mich einstehen und klare Kante zeigen, der Frau eine Grenze sehen. 

Genau das tat ich. Ich ging runter zu ihr in ihre Wohnung und machte ihr klar, dass die Antwort auf die Frage nach Gefälligkeiten oder nach Fahrten zu Ärzten von da an immer NEIN lauten würde, wenn sie das nicht vorher mit mir abstimmte. Ich erntete großes Unverständnis und auch einiges an Empörung (was den People Pleaser in mir ganz schön zwickte), aber ich ließ dieses Gefühl bei ihr - und war unbän­dig stolz auf mich, diesen Schritt getan zu haben. 

Mein Dienstbotinnen-Dasein hatte ab diesem Zeitpunkt ein Ende. Ich blieb konsequent bei meinem NEIN, auch wenn sie das noch so sehr aufregte, denn natürlich dachte sie weiterhin nicht daran, Termine mit mir abzustimmen. (Inzwischen entlastet mich in diesem Be­reich der Pflegedienst und übernimmt die meisten Arztfahrten.) Und auch später war es immer wieder notwendig, ihr Grenzen zu setzen. Von diesem ersten Mal an ging das jedoch viel viel leichter und irgendwann wurde es für mich selbstverständlich, Stopp zu sagen, wenn meine Grenzen verletzt wurden - und ich merke es heute viel schneller.


STOP DEPRESSING - START EXPRESSING 

Was ich sagen will: Wut, Trauer, Scham, sie alle haben eine Ursache. An der können wir etwas ändern oder auch nicht, je nach dem, was in unserer Macht liegt. Das Schreiben einer Tirade und das Fühlen und Ausleben der Gefühle in uns, das macht uns stark, wir spüren die Energie dahinter, das schenkt uns Mut, vom „Auskotzen“ in die Handlung zu gehen und wirklich und nachhaltig etwas zu verändern. Und das wird von Mal zu Mal leichter und selbstverständlicher.

Denn wie sie eine Ursache haben, die Gefühle, einen Auslöser, haben die auch ein Ziel. Unser Körper-System strebt nach Sicherheit, nach Balance, nach Gleichgewicht (Homöostase). Und wenn da was kommt, sei es an Erlebnissen von außen oder Erinnerungen/Gedanken von innen, wird das Gleichgewicht gestört. 

Grenzen werden verletzt. 
Werte tangiert. 
Bedürfnisse missachtet. 
Wir erleiden äußerliche Verletzungen (und seelische).
Worte treffen uns. 

Gefühle sind darauf eine ganz normale Reaktion. Sie bringen ins Gleichgewicht, was aus den Fugen geraten ist, aber dazu müssen wir sie zulassen, als valide anerkennen und ihnen den Raum geben, durchagiert zu werden. Das Schreiben und damit Herauslassen der Wut ist ein erster Schritt dahin.d

 

STOP DEPRESSING - START EXPRESSING 

Vielleicht hat meine Mail von gestern etwas in dir bewegt, aber du sagst: nein, auf keinen Fall in einer Gruppe. Das will ich nicht. Dann ist das okay. Du kannst das Tirade-Schreiben ganz allein für dich probieren. Oder du schreibst mir and ich begleite dich da durch. Ich bin weder Therapeutin noch Ärztin noch Heilpraktikerin und kann dir keine Garantien oder Heilversprechen geben. Aber ich bin Coachin und kann bei dir sein.

Für den ersten Gruppentermin sind noch 2 Plätze frei. In der Zukunft möchte ich das gern mit Art Journaling verbinden, aber dazu später mehr.

Und noch etwas: jemand fragte mich, was ich mit „emotional stabil“ meinte. Damit wollte ich sagen, dass du in der Lage sein musst zu beurteilen, ob dich eine starke Gefühlsaufwallung so überfordern würde, dass du Hilfe bräuchtest, oder ob du in der Lage wärst, die zu bewältigen, denn Wut ist ein starkes Gefühl mit einer enormen Energie - und du musst beurteilen, ob du sie aus-halten kannst, aus-agieren kannst, ob du dir das zutraust.

 

In diesem Sinne: Stop depressing, start expressing!

Einen schönen Sonntag wünscht 
Deine Andrea 
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