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Hochbegabung, ADHS und Autismus –

(M)eine resonanzdynamische Klärung mit Blick auf Kalibrierungsfehler und Grundbedürfnisse

Warum die Erzählung „eigentlich nur hochbegabt“ diagnostisch irreführt – und psychodynamisch verständlich ist

1. Einleitung: Der neue Lieblingsmythos der Neurodivergenz-Szene

In Coaching-, Hochbegabten- und Selbstoptimierungskreisen hat sich in den letzten Jahren ein Narrativ etabliert, das auf den ersten Blick entlastend, auf den zweiten jedoch aus meiner Sicht hochproblematisch ist:

„ADHS wird viel zu häufig diagnostiziert.
In Wahrheit sind diese Menschen einfach hochbegabt und unterfordert.“

In diesem Beitrag geht es (noch) nicht um die Kombination von ADHS / Autismus plus Hochbegabung. Sondern um die Diskussion / real talk der angeblichen Verwechselungsgefahr und damit Fehlbehandlung von angeblich hochbegabten Kids bei nicht erkannter und geförderter Hochbegabung.

Mich regt das (adhs-bedingt) regelmässig tierisch auf. Daher schreibe ich es mir von der Seele.

Viele Coaches, LerntherapeutInnen oder Psychologen haben implizit dieses Modell:

Hochbegabung erklärt:
– Schulversagen

– Langeweile
– Erschöpfung
– Chaos
– Beziehungsschwierigkeiten
– Jobprobleme
– Sinnkrisen
– Selbstzweifel

Diese Erzählung wirkt attraktiv, weil sie mehrere Dinge gleichzeitig leistet:

Sie entpathologisiert, wertet auf, erklärt Leid mit „zu viel Potenzial“ und fügt sich nahtlos in ein leistungs- und wachstumsorientiertes Selbstbild ein. Auf den ersten Blick könnte man das für neuroaffirmativ günstig halten.
Resonanzdynamisch und klinisch betrachtet ist sie jedoch aus meiner Sicht in weiten Teilen falsch – und für viele Betroffene sogar schädlich.

Der Kernfehler besteht darin, dass Hochbegabung, ADHS und Autismus nicht primär über Intelligenz, Motivation oder Leistungsfähigkeit zu unterscheiden sind, sondern über die Art, wie ein Nervensystem Resonanz organisiert, filtert, stabilisiert und reguliert.

Und wie ich in vorherigen Beiträgen dargestellt habe, zweifel ich die Ergebnisse von sogenannten Intelligenztests bei Vorliegen von ADHS und / oder Autismus auch erstmal an. Was auch immer als Intelligenz gesehen oder gemessen wird, erfasst nicht die innere Kalibrierung bzw. Regulationsfähigkeit und Kontextabhängigkeit. Also der eigenen Fähigkeit und Bereitschaft, überhaupt diese Tests mitzumachen bzw. sie nicht als das zu entlarven was sie für diese Klientel sind :

Unbrauchbar wie der Versuch Persönlichkeitsstörungen mit dem Quecksilberfieberthermometer meiner Großmutter zu bestimmen. Und immer dann, wenn die Quecksilbersäule 38,5 Grad anzeigt eine Persönlichkeitsstörung zu vergeben.

Einen angeblich “normierten” Test da anzuwenden wo eben die innere Kalibrierung nicht einer wie auch immer aufgestellten Normalverteilungs-Stichprobe entspricht zeugt aus meiner Sicht nicht von viel Intelligenz beim Tester.

Und in der Hinsicht finde ich einige Bücher bzw. Coaches zu Hochbegabung schlicht unsagbar dumm - zumindest aber total platt und undifferenziert. Trotz oder gerade bei eigener postulierter Hochbegabung der Autorinnen.



Ich habe da ein ganz anderes Bild von “Hochbegabung”. Meinetwegen auch aus dem Blickwinkel eines Menschen, der mit seiner eigenen Hochbegabtenförderung in der Schule nicht so richtig glücklich wurde. Ich habe auch nicht die “Wahrheit” gepachtet.

Aber die reine Formel : Ich habe einmalig einen IQ-Test “bestanden”, erfüllt mich wirklich nicht mit Wertschätzung für Diagnostikern.


Ich kenne es aber nur zu gut, mit anderen Beschreibungsebenen und Assoziationen eben anzuecken bzw. einen wunden Punkt zu treffen, den nicht alle Beteiligten gut abkönnen. Sorry dafür (nicht).

Aber ich möchte einige relevante Unterschiede aufzeigen, die für eine fundierte Auseinandersetzung von ADHS plus Hochbegabung für mich relevant erscheinen.

Was sollte man zu Hochbegabung wissen?



Hochbegabung wird im öffentlichen wie auch im fachlichen Diskurs bis heute überwiegend mit einem hohen IQ gleichgesetzt. Diese Reduktion ist nicht nur unvollständig, sondern verfehlt den eigentlichen Kern dessen, was Hochbegabung neurobiologisch und resonanzdynamisch für mich auszeichnet.

Intelligenztests erfassen vor allem Verarbeitungsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnis, logisches Schließen und formale Problemlösefähigkeit. Sie messen jedoch nicht jene Qualitäten, die Hochbegabung im Alltag, in kreativen Prozessen, in ethischen Fragen und in komplexen Entscheidungssituationen tatsächlich wirksam machen.

Resonanzdynamisch betrachtet ist Hochbegabung keine isolierte Eigenschaft einzelner kognitiver Module, sondern eine globale Organisationsform von Bedeutung, Sinnverarbeitung und Modellbildung.


Hochbegabte Menschen verfügen nach meiner subjektiven Erfahrung über eine außergewöhnlich hohe Fähigkeit, in komplexen, mehrdeutigen oder widersprüchlichen Situationen schnell Sinnzusammenhänge zu erkennen, implizite Annahmen zu durchschauen und strukturelle Muster zu erfassen, noch bevor diese explizit benannt werden können. Sie denken nicht nur schnell oder korrekt, sondern tief:



Eine platte Aussage wie : ADHS wird durch Hochbegabung erklärt, wäre das genaue Gegenteil von Hochbegabung. Es wäre schlicht töricht und unreflektiert. Also nicht aus dem Spektrum Hochbegabung. Sorry…

Sie operieren auf Metaebenen, erkennen Denkfehler in Systemen, spüren Inkohärenzen früh und haben eine ausgeprägte epistemische Sensibilität für das, was „nicht stimmt“, auch wenn sie es noch nicht in Worte fassen können. Vielleicht sogar gerade dann. Denn dann sind sie ihren lieben Mitmenschen im Denken und der Entwicklung voraus, was aber zu Unverständnis und Ablehnungserfahrungen beiträgt.

Eine weitere zentrale, in Tests nicht messbare Stärke ist ihre Fähigkeit zum Ebenenwechsel. Hochbegabte können flexibel zwischen Detail- und Abstraktionsebene oszillieren, konkrete Probleme in allgemeine Prinzipien übersetzen und abstrakte Modelle wieder in praktische Handlungslogik zurückführen. Damit einher geht eine ungewöhnliche Assoziationsfähigkeit, die es ihnen erlaubt, Konzepte aus scheinbar unverbundenen Bereichen miteinander zu verknüpfen und dadurch neue, oft elegante Lösungswege zu generieren. Diese Form konzeptueller Kreativität ist nicht identisch mit divergentem Denken im Testformat, sondern Ausdruck einer hohen Bedeutungsdichte und Modellplastizität.

Hinzu kommt eine bemerkenswerte Ambiguitätstoleranz. Viele Hochbegabte können lange mit offenen Fragen, ungelösten Widersprüchen und paradoxen Befunden leben, ohne vorschnell zu vereinfachen oder sich an scheinbare Gewissheiten zu klammern. Sie halten kognitive Spannung aus, bis ein innerlich wirklich stimmiges Modell entsteht. Eng damit verbunden ist eine selbstkalibrierende Kritikfähigkeit: Hochbegabte hinterfragen nicht nur externe Annahmen, sondern auch ihre eigenen Denkmodelle, bemerken früh, wenn eine Erklärung nicht mehr trägt, und sind in der Lage, ihr mentales Modell bei neuen Informationen tiefgreifend umzubauen. Diese Lernplastizität unterscheidet sie fundamental von rein leistungsstarken, aber rigiden Denkstilen.

Motivational sind Hochbegabte zudem selten primär durch Status, Noten oder äußere Belohnungen getrieben, sondern durch Stimmigkeit, Eleganz und Wahrheit.
Das kann extrem wertvoll und produktiv sein, aber auch wirtschaftlich desaströs, wenn diese Grundbedingungen im Kontext nicht gegeben sind.

Sie arbeiten dann am besten, wenn ein inneres Resonanzgefühl entsteht – ein „Ja, genau so ist es richtig“ – und verlieren rapide Motivation, wenn Aufgaben als sinnlos, inkohärent oder ethisch fragwürdig erlebt werden. Diese ausgeprägte Sinnmotivation erklärt, warum Hochbegabte in hochstrukturierten, aber inhaltlich leeren Kontexten häufig als unzuverlässig, sprunghaft oder „nicht ausgeschöpft“ wahrgenommen werden, obwohl ihr eigentliches Potenzial dort schlicht nicht andocken kann.

Hier gibt es sicher Überschneidungen zu ADHS. Ich warne nur davor, ohne genauerer Problemanalyse der “Sinnlosigkeit” vorschnell auf Hochbegabung zu schliessen.

Schließlich zeigt sich Hochbegabung häufig auch in einer frühen ethischen und existenziellen Sensibilität. Viele hochbegabte Menschen entwickeln früh komplexe moralische Intuitionen, ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und eine tiefe Irritation gegenüber unfairen, ineffizienten oder destruktiven Systemen. Sie spüren früh, wenn etwas „nicht richtig“ läuft, auch wenn sie es noch nicht argumentativ belegen können. Diese normative Intelligenz ist eine weitere Dimension von Hochbegabung, die in klassischen Testverfahren keinerlei Entsprechung findet.

All diese Qualitäten – Tiefenresonanz, Bedeutungsintelligenz, Ebenenwechselkompetenz, Ambiguitätstoleranz, Modellplastizität, Sinnmotivation und ethische “Frühreife” – sind zentrale Stärken von Hochbegabung, werden aber von klassischen Intelligenztests systematisch nicht erfasst. Hochbegabung ist daher weniger eine Frage von „mehr Denken“ als von „stimmigerem Denken“: ein Nervensystem, das Sinn schneller findet, Modelle tiefer baut und Inkohärenz früher spürt als andere.

Genau diese Qualitäten machen Hochbegabung im Alltag paradoxerweise oft unsichtbar, in Schule und Beruf nicht selten sogar hinderlich – und erklären zugleich, warum Hochbegabung weder ADHS erklärt noch Neurodivergenz ersetzt, sondern im Gegenteil häufig deren Camouflage verstärkt. Wer Hochbegabung allein über Testwerte definiert, verkennt damit nicht nur ihre eigentlichen Stärken, sondern trägt auch dazu bei, neurodivergente Profile weiter zu maskieren und diagnostisch zu verfehlen.

Für mich “leidet” man nicht unter / an / wegen Hochbegabung. Sondern diese andere Art bzw. Konstitution der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung erfordert eine lebenslange (Fehl-)Anpassung an die Umwelt bzw. an Menschen mit einem neurotypischen Denk- und Wahrnehmungsstil, was dann ggf. zur Infragestellung bzw. Invalidisierung der eigenen Empfindungen und Erkenntnisse führt. Oder eben auch zum Zwang, gegen das eigene Empfinden von Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit oder Stimmigkeit handeln zu müssen, weil es in der Schule zum Erreichen einer “guten Note” oder eines wie auch immer definierten Abschluss “erwartet wird”. Das kann sich dann natürlich im Studium oder Job fortsetzen.

Typisch in den mir bekannten Lebensgeschichten von Menschen aus dem Hochbegabungs-Spektrum sind dann tiefe Sinnkrisen bzw. auch Abbrüche, weil es nicht mehr aushaltbar wäre, diese inneren Doppelbilder zwischen eigenen Erkenntnissen und gefordertem “Normal-Verhalten” zu leisten.

2. Resonanzdynamik statt IQ-Romantik

Resonanzdynamisch unterscheiden sich Hochbegabung, ADHS und Autismus also nicht dadurch, wie stark ein Mensch denkt, fühlt oder wahrnimmt, sondern dadurch, wie regulierbar diese Prozesse sind.

Oder einfacher gesagt:

Nicht wie klug jemand ist, entscheidet über ADHS oder Autismus,
sondern wie stabil, filternd und steuerbar sein Resonanzsystem arbeitet.

Noten oder IQ-Tests sagen nichts über gute Schulleistungen oder späteren Erfolg aus. Das wissen wir alle.


Und doch iegt der fundamentale Denkfehler vieler Coach-Narrative hier:
Sie verwechseln kognitive Intensität mit neurobiologischer Regulation.

3. Hochbegabung resonanzdynamisch

Hochbegabung ist also kein Störungsbild, sondern eine Variante kognitiver Verarbeitung.

Resonanzdynamisch zeigt sie sich durch hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit, hohe Assoziationsdichte, tiefe semantische Resonanz und vor allem durch gute inhibitorische Kontrolle sowie flexible Aufmerksamkeitssteuerung.

Das entscheidende Merkmal ist dabei nicht die Intensität der Resonanz, sondern ihre Regulierbarkeit.
Hochbegabte können sich bei Interesse tief fokussieren – aber sie können Resonanz auch wieder abschalten, umschalten oder dämpfen.

Unterforderung erzeugt Langeweile.
Überforderung erzeugt Stress.
Aber: die Selbstregulation bleibt grundsätzlich intakt.

Resonanzformel Hochbegabung:
Hohe Resonanz + hohe Regulation + hohe Flexibilität.

4. ADHS resonanzdynamisch

ADHS ist keine Frage von Intelligenz, Motivation oder Willenskraft.
Es ist eine Störung der Resonanzfilterung und -stabilisierung.

Typisch sind ungefilterte Reizkopplung, instabile Aufmerksamkeit, schwache inhibitorische Kontrolle, dopaminerge Untersteuerung und extreme Kontextabhängigkeit.

Resonanzformel ADHS:
Hohe Resonanz + niedrige Regulation + geringe Stabilität.

ADHS bedeutet nicht „zu viele Gedanken“.
Es bedeutet: zu wenig Filter und zu wenig Haltekraft.

Betroffene können Resonanz weder zuverlässig halten noch zuverlässig stoppen.
Genau daraus entstehen Prokrastination, Impulsdurchschläge, DESR, RSD, Chaos-Produktivität und Erschöpfung durch Dauersteuerung.

5. Autismus resonanzdynamisch

Autismus ist keine Intelligenzstörung.
Er ist eine Variante hochsensitiver, stark gefilterter Resonanzverarbeitung.

Typisch sind hohe sensorische Sensitivität, selektive Resonanz, geringe Generalisierung, rigide Filtermechanismen und ein hohes Bedürfnis nach Vorhersagbarkeit.

Resonanzformel Autismus:
Niedrige Resonanz + hohe Schutzfilter + hohe Rigidität.

Autistische Nervensysteme koppeln nicht „zu wenig“,
sondern zu gezielt und zu geschützt.

6. Der erste große Irrtum: Hochbegabung erklärt ADHS nicht

Hochbegabung und ADHS werden häufig verwechselt, weil sich ihr phänomenologisches Oberflächenbild überschneidet:
schnelle Gedanken, viele Interessen, Langeweile bei Unterforderung, Sprunghaftigkeit, Nonkonformität.

Der resonanzdynamische Unterschied ist jedoch fundamental:

Hochbegabung kann Resonanz regulieren.
ADHS kann Resonanz nicht zuverlässig stoppen oder halten.

Oder zugespitzt:

Hochbegabung kann abschalten.
ADHS kann nicht aufhören.

7. Der zweite große Irrtum: Hochbegabung ersetzt keine Neurodivergenz-Diagnose

Was in der klinischen Realität häufig vorliegt, ist nicht „entweder hochbegabt oder ADHS“, sondern:

– Hochbegabung + ADHS
– Hochbegabung + Autismus
– Hochbegabung + AuDHS

Gerade Hochbegabung maskiert Neurodivergenz besonders effektiv.
Sie ermöglicht exekutive Kompensation, soziale Camouflage, intellektuelle Rationalisierung und Overperformance.

Das Ergebnis sind späte Diagnosen, extreme Erschöpfung, massive Selbstzweifel und Burnout trotz objektiver Leistungsfähigkeit.

8. Kalibrierungsfehler: Wenn das Nervensystem falsch eingemessen wird

Ein zentraler, bisher kaum beachteter Mechanismus in dieser Debatte sind Kalibrierungsfehler.

Kalibrierung meint:
Woran messe ich, was „normal“, „angemessen“, „belastbar“ oder „zu viel“ ist?

Neurodivergente Menschen wachsen fast immer in Kontexten auf, die nicht neurodivergenzfreundlich sind.
Ihr Nervensystem wird an falschen Normen kalibriert.

Typische innere Glaubenssätze lauten dann:

– „Alle anderen schaffen das doch auch.“
– „Ich bin einfach zu empfindlich.“
– „Ich bin faul, undiszipliniert oder unzuverlässig.“
– „Ich darf mich nicht so anstellen.“

Resonanzdynamisch bedeutet das:
Das eigene Belastungslimit, die eigene Reizschwelle und der eigene Regulationsbedarf werden systematisch unterschätzt.

Hochbegabung verstärkt diesen Kalibrierungsfehler zusätzlich, weil sie reale Leistungsfähigkeit erzeugt.
Das Umfeld sagt: „Du kannst das doch. Also stimmt etwas anderes nicht.“

So entsteht ein doppelter Irrtum:

  1. Das Umfeld unterschätzt die neurobiologische Belastung.

  2. Die betroffene Person übernimmt diese Fehleinschätzung.

9. Grundbedürfnisse als diagnostischer Schlüssel

Ein zweiter zentraler blinder Fleck der Coach-Narrative sind die neurobiologischen Grundbedürfnisse.

Resonanzdynamisch lassen sich drei Kernbedürfnisse unterscheiden:

– Sicherheit (Vorhersagbarkeit, emotionale Attunement)
– Autonomie (Selbststeuerung, Reizkontrolle, Pausen)
– Stimmigkeit (Übereinstimmung von Innen- und Außenresonanz)

Bei ADHS und Autismus sind diese Grundbedürfnisse chronisch bedroht.

ADHS-Nervensysteme leiden primär unter mangelnder Autonomie und mangelnder Stimmigkeit.
Sie wollen steuern, können es aber nicht zuverlässig.

Autistische Nervensysteme leiden primär unter mangelnder Sicherheit und mangelnder Vorhersagbarkeit.

Hochbegabung allein bedroht diese Grundbedürfnisse nicht.
Neurodivergenz tut es.

Wenn jemand chronisch dysreguliert, erschöpft, überreizt oder identitätsunsicher ist,
spricht das nicht für Hochbegabung –
sondern für eine strukturelle Grundbedürfnisverletzung.

10. Wird ADHS wirklich überdiagnostiziert?

Ja, es gibt Fehl- und Überdiagnosen –
vor allem bei Schlafmangel, Depression, Traumafolgen oder rein situativer Überforderung.

Aber: Hochbegabung erklärt diese Fälle nicht.

Die meisten falsch-positiven ADHS-Diagnosen entstehen durch:

– Checklisten-Medizin
– fehlende Entwicklungsanamnese
– fehlende Kontextanalyse
– fehlende Resonanzperspektive
– fehlende Kalibrierungsdiagnostik

Und noch wichtiger:

In der klinischen Realität wird ADHS deutlich häufiger übersehen als überdiagnostiziert –
insbesondere bei Frauen, Hochbegabten (sic!) und AuDHS-Profilen.

11. Klinische Marker gegen reine Hochbegabung

Spricht gegen reine Hochbegabung und für ADHS oder Autismus:

– massive Kontextabhängigkeit
– DESR / RSD
– exekutive Einbrüche im Alltag
– sensorische Überlastung
– Shutdowns
– chronische Dysregulation
– Camouflage-Erschöpfung
– Identitätsdiffusion

12. Fazit: Was ist wirklich dran an der Coach-These?

Kurzfassung:

Hochbegabung erklärt ADHS nicht.
Hochbegabung ersetzt keine Neurodivergenz-Diagnose.
Hochbegabung schützt nicht vor Neurodivergenz.

Aber:

Hochbegabung maskiert ADHS und Autismus.
Hochbegabung verzögert Diagnosen.
Hochbegabung erhöht Camouflage- und Burnout-Risiko.

13. Schlussgedanke

Die Vorstellung, man müsse sich nur zwischen
„hochbegabt“ oder „ADHS“ entscheiden,
ist selbst Ausdruck einer kategorialen Denkfalle.

Resonanzdynamisch gilt:

Neurodivergenz ist keine Alternative zu Hochbegabung.
Sie ist oft ihr unsichtbarer Resonanzpartner.

Viel interesssanter ist doch dann die Frage :

Wie zeigt sich ADHS bei gleichzeitiger Hochbegabung (was immer das auch ist) ?

Dazu in einem weiteren Beitrag mehr…

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