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Nailart als Erziehungs-Hack

Hallo,

als ich diesen Newsletter gestartet habe, bezeichnete ich ihn spaßeshalber als Leitmedium für Gin&Nails. Ich hoffe, ihr habt euch nicht wirklich Beauty- und Getränketipps erhofft?

Auf Insta hat mein Nagel-Content bei Weitem mehr Reichweite als all das Persönliche, Politische und Psychische, was ich von mir gebe (ich gebe Meta die Schuld und schreibe diesen Newsletter, um an euren Algorithmen vorbei zu kommen - danke fürs Abonnieren!). Heute gibt es aber auch hier Beautycontent, und zwar meine persönliche Antwort auf die Frage:

Wie bekommt man eine schöne Maniküre hin, die nicht zu viel kostet, lange hält und sich entfernen lässt, ohne die Nägel zu ruinieren?

Wer sich für die feinen Unterschiede zwischen Gel, Acryl und Folie nicht interessiert, der kann fix zur nächsten Linie scrollen. Da steht, was Nagellack für die Beziehung zwischen mir und meiner Tochter bedeutet.

1. Normaler Nagellack

Habe ich jahrzehntelang verwendet und mein Rezept für ein optimales Ergebnis lautet: Vier Schichten (Unterlack, Lack, Lack, Überlack) und mindestens zwei Stunden Netflix zum Trocknen.

Pro: Kostet wenig, lässt sich leicht entfernen, sieht schön aus

Contra: zeitaufwändig, splittert beim ersten Abspülen

2. Press-Ons

Meine Kunstnägel liebende Tochter hat mich damit ge-influenced, also habe ich mir am Abend vor Rosenmontag diese Nägel aufgeklebt. Der erste Nagel lag morgens auf dem Kopfkissen, bei den anderen neun muss ich Kleber auf die Haut bekommen haben, so sehr hat es gezwickt und gebrannt. Nach einem einstündigen Bad in Aceton war alles Matsch und nichts ab.

Pro: keine

Contra: alles

3. UV-Gel-Lacke

Damit ist alles möglich (zumindest, wenn eine feinmotorisch begabte Teenagerin die Arbeit macht). Meine Tochter malte mir Blümchen auf die Nägel und Leo-French, es sah super aus und hielt bombe. Entfernen ließen sich die Kunstwerke allerdings nur, indem man sie mittels Aceton in Matsch verwandelte und danach abschabte. Was vom Naturnagel noch übrig war, war dann ebenfalls: Matsch.

Pro: schön, haltbar, günstig

Contra: Entfernung schwierig, Nägel danach hinüber

4. Acrylmaniküre aus dem Studio

Mal in ein professionelles Nagelstudio gehen zu dürfen, wünscht sich meine Tochter, seit sie elf ist, und damals sagte ich naiv: Mit 14 darfst du. Ich konnte ja nicht damit rechnen, dass sie einen Wimpernschlag später tatsächlich 14 Jahre alt sein würde!

Aus Neugier ging ich mit und ließ mir Pastel-Rainbow-French oder sowas machen. Das laut Recherche meiner Tochter beste Studio Münchens wirkte auf mich wie eine Sklavengaleere. Die ältere Vietnamesin, die uns begrüßte, konnte als einzige Person in dem Laden mehr deutsche Wörter als “links, rechts, Lampe, gut, ja”. Ihr musste man sagen, was man wünschte, sie schrie darauf ihre Mitarbeiter auf Vietnamesisch an. Der/die setzte das Design dann um (oder auch nicht). Zahlen konnte man nur bar.

Um die 70 Euro für den Aufbau nicht zum Fenster rausgeschmissen zu haben, ging ich danach noch dreimal zum Auffüllen in ein winziges Studio im Viertel, in dem die Inhaberin selbst feilte und ich daher ein etwas besseres Gefühl hatte. Danach ließ ich mir das Acryl entfernen, ebenfalls im Studio, weil “das Internet” riet, da auf keinen Fall selbst herumzufuhrwerken. Wobei ich sagen muss: Mir derart den Nagel kaputt zu fräsen und an anderen Stellen Lackbatzen stehen zu lassen - das hätte ich auch gekonnt. Und meine Tochter hätte es besser gemacht.

Pro: sieht toll aus

Contra: sehr teuer, sehr zeitaufwändig, sehr schlechtes Gewissen wegen Ausbeutung und danach sind die Naturnägel endgültig ruiniert

5. Nagelfolien

Zurück zur Natur kann ich nun nicht mehr, schon weil die Post-Acryl-Ruine noch bis 2026 brauchen wird, um herauszuwachsen. Zudem habe ich mich auch in den Zustand stabiler, schöner Nägel verliebt. Mein Kompromiss: Nagelfolien. Ich habe zuerst die von Manifix ausprobiert, weil mich Maniko mit Werbung derart zugeballert hat, dass ich bockig wurde. Die von Maniko sind aber besser (ich werde hier nicht gesponsert, diese Wertung ist meine und unbezahlt).

Damit die Folien nicht sofort wieder abfallen, Haare im Kleber hängen bleiben oder das Entfernen die Nägel genauso kaputt macht wie Gel und Acryl, hier meine Nagelfolien-Anleitung:

Ankleben: Nägel vorher unbedingt entfetten, danach Folie draufkleben, und - wichtig - an den Rändern mit einem Silikonstäbchen richtig fest andrücken. Wenn man diesen Schritt vergisst, verfangen sich später ständig Haare und anderer Dreck zwischen Folie und Nagel. Verlängern kann man mit Aufklebern nicht, kürzt also die Folie auf die Länge der Naturnägel. Ich selbst mache das lieber vor dem Aushärten, Magdalena, die Nageldesignerin meines Vertrauens, kürzt erst danach. Wahrscheinlich ist es egal. Danach UV-Topcoat drauf, nochmal Lampe, fertig. Hält zwei Wochen oder länger.

Entfernen: Damit die Naturnägel von den Folien nicht genauso kaputt gehen wie von Acryl und Gel, ist die wichtigste Regel: Geduld statt Gewalt! Niemals die Folie einfach abreißen, auch nicht, wenn sie sich schon von selbst zu lösen beginnt. Wenn der Kram runter soll, Fernseher an, alte Zeitung als Unterlage auf den Tisch, ein Fläschchen Öl und ein Silikonstäbchen daneben. Dann das Öl auf die Nägel tropfen und vorsichtig (!!!) mit dem Stäbchen unter die Folie arbeiten. Einwirken lassen, Serie glotzen, immer wieder nachölen, nach und nach die Folie immer weiter anheben. Niemals rupfen, sondern warten, bis sich der Kleber löst und die Folie von selbst vom Nagel rutscht. Kleberreste gehen mit normalem Nagellackentferner weg. Danach sind die Nägel weich, aber nicht kaputt. Nach einem Tag an der Luft sind sie wieder wie gewohnt.

Fazit: Für mich haben die Folien das beste Verhältnis zwischen Preis, Optik, Haltbarkeit und Aufwand.

Teurer als Nagellack - aber deutlich billiger als Nagelstudio.

Haltbarer als Nagellack, wenn die Folien auch nicht ganz so lange draufbleiben können wie Acryl- oder Gelnägel.

Dafür ruinieren sie die Nägel nicht.

Maniküre als Beziehungspflege: Lackieren ist das neue Lausen

Das Schönste ist jedoch, dass die Nägel mich mit meiner Tochter verbinden. Es ist nicht so einfach, mit Teenagern ein gutes Gespräch zu führen. Im besten Fall haben sie keine Zeit und kein Interesse, öfter knallen sie Türen und fühlen sich unverstanden. Die eineinhalb Stunden, die Magdalena benötigt, um mir die Nägel zu machen, sind daher sehr wertvoll für uns. Ich sitze in ihrem Zimmer, sage nichts zu Unordnung und Hausaufgaben, sie ist der Profi, ich habe keine Ahnung. Und während sie mich großzügig an ihrer Nailart-Kompetenz teilhaben lässt und versucht, mich zu einem “ganz kleinen Designchen auf dem Ringfinger” zu überreden, ensteht Raum, um bei Bedarf auch über wichtige Dinge zu sprechen.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende. Macht euch die Nägel, wenn ihr Lust habt.

Liebe Grüße

Barbara

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Geschrieben

Gloria Marks (Öffnet in neuem Fenster) Thesen zur Aufmerksamkeit faszinieren mich schon lange, ich empfehle ihr Buch und ihr Substack (Öffnet in neuem Fenster)sehr. Für den Spiegel konnte ich nun endlich mit ihr sprechen:

So schaffen Sie es, sich länger als 47 Sekunden zu konzentrieren. Am Bildschirm bleiben Menschen im Schnitt weniger als eine Minute bei der Sache. Die Psychologin Gloria Mark sagt: Da ist mehr drin. (Spiegel Plus) (Öffnet in neuem Fenster)

Auch Daniela Dröscher finde ich schon länger toll, ihr Buch “Lügen über meine Mutter” hat mich damals umgehauen. Lest es unbedingt, wenn ihr noch nicht habt. Zum Erscheinen ihres neuen Buches konnte ich Daniela zum Gespräch in Berlin treffen, hier das Ergebnis:

“Ich will meinen Körper nicht mehr über Grenzen treiben”: Die Schriftstellerin Daniela Dröscher zeigt in ihren Büchern brutal, was Erwartungsdruck mit Frauen anrichtet. Ein Gespräch über das allgegenwärtige Leistungsmärchen. (Spiegel Plus (Öffnet in neuem Fenster))

Gelesen

Lara Fritzsche ist eine der besten Autorinnen Deutschlands und sie schreibt für das SZ-Magazin einmal im Monat eine Kolumne über Getränke. Der Titel ist eine glatte Lüge, Lara schreibt, worüber sie will, und macht durch einen Nebensatz über Bier eine Getränkekolumne draus. Die aktuelle Folge (Öffnet in neuem Fenster) liebe ich sehr, für diesen Absatz:

“Diese Art der Weltbetrachtung ist in den vergangenen Jahren ohne mein Einverständnis über mich hereingebrochen. Wenn jemand mir etwas vorschlägt: Sei es nun ein personalisierter Trank unterm Bett, eine Anreise mit der Fähre, Sex nach Mitternacht oder den Kauf einer Seidenbluse, denke ich sofort an die möglichen Probleme: Wie lange dauert das? Wie teuer ist das? Wie spät wird das? Muss ich das bügeln? Macht das Dreck?”

Zum Tod von Charlie Kirk habe ich unter anderem diesen (Öffnet in neuem Fenster)(Socialmediawatchblog) und diesen (Öffnet in neuem Fenster)(Berit Glanz) Text gelesen. Ich habe nur wenig verstanden und damit die These der Texte - dass die meisten von uns viel zu wenig Ahnung von Internetkultur haben - bestätigt. Guter Vorsatz: Mehr lesen, mehr lernen. Ging diese Woche aber schlecht, wegen Migräne.

Gelitten

Diese Woche war eine komplette Katastrophe, ich habe sie fast vollständig im Bett verbracht und nicht nur im übertragenen Sinne Gift und Galle gespuckt. Warum nur?

Gelacht
(Öffnet in neuem Fenster)

Ich finde solche Sprüche (Öffnet in neuem Fenster) nach wie vor lustig, kann sie aber nicht mehr nachfühlen. Das Wi-Fi in unserer Familie ist mein Mann. Er hat diese Woche drölfzig Schnellhefter in mittelgrün, dunkelgrün und hellgrün besorgt, karierte und linierte Hefte mit einfachem und doppeltem Rand auseinandersortiert und dafür gesorgt, dass am Dienstag jedes Kind den richtigen Kram in seiner Schultasche hatte. Dieser Newsletter wurde - wie alles, was ich schreibe - ermöglicht von einem Mann, der das Konzept Mental Load kapiert hat.

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