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Possession (1981)

Der Geheimdienstmitarbeiter Mark kehrt nach einer langen Mission nach West-Berlin zurück, nur um festzustellen, dass seine Ehefrau Anna die Beziehung beenden will. Anna legt ein seltsames und zunehmend aggressives Verhalten an den Tag. Das Paar gerät in eine Abwärtsspirale aus Eifersucht, Wahnsinn, Gewalt und Mord. Anna führt ein bizarres Doppelleben und gönnt sich nicht nur einen Liebhaber, sondern pflegt in einer heruntergekommenen Wohnung eine monströse Tentakelkreatur, die sie aus ihren schmerzhaften Traumata geboren hat. Während Mark zunächst versucht, die Kontrolle über das Eheleben mit dem gemeinsamen Sohn Bob aufrechtzuerhalten, verschmelzen Realität und Albtraum zusehends, und das seltsame Wesen in Annas Wohnung nimmt die Gestalt von Mark an.

Possession aus dem Jahre 1981 ist der vierte Spielfilm des polnischen Ausnahmeregisseurs Andrzej Żuławski. Die Hauptrollen wurden mit Sam Neill und Isabelle Adjani, für die der Film ein Wendepunkt in ihrer Karriere darstellte, besetzt. Weitere Rollen übernahmen Heinz Bennent, Johanna Hofer, Carl Duering und Thomas Frey.

Das französisch-deutsche Psycho-Drama mit Body-Horrorelementen hat eine bewegte Geschichte. In den USA war zunächst nur eine um 45 Minuten gekürzte Fassung erhältlich, das änderte sich erst mit der DVD-Veröffentlichung. In Großbritannien wurde der Film als Video Nasty betrachtet und war verboten. Nur Deutschland fiel diesmal aus der Reihe, da Possession als surrealer Kunstfilm galt und so die Freigabe ab 16 Jahren bekam. Besonders oft aufgeführt wurde der "Skandalfilm" zu seiner Zeit aufgrund des blutigen Inhalts und der berühmten U-Bahn-Szene mit Isabelle Adjani allerdings nicht. Heute gilt das theatralische Werk als Kultfilm und man kann ihn ungekürzt erwerben.

Possession handelt vordergründig von Annas und Marks Ehekrise und gilt aufgrund der Berliner Kulissen für einige als der Berlin-Film schlechthin. Die fragmentarische Handlung und die Aufnahmen der geteilten Stadt sind aber nur die Oberfläche, im Hintergrund lauert eine kafkaeske Dimension, die sich durch groteske Gewaltdarstellungen, bis ins Abjekte reichende Überschreitungen und ein surreales Tentakelmonster auszeichnet.

So ein vieldeutiges Kunstwerks voller Symbole ist nicht nach gängigen Kategorien zu interpretieren. Der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger beschreibt Possession in "Splitter im Gewebe - Filmemacher zwischen Autorenfilm und Mainstreamkino" wie folgt: "Trance und Besessenheit ("Possession"), Mythos und Gegenwartsgeschichte vermischt Zulawski hier, in seinem weltweit populärsten Film, zu einer apokalyptischen Vision des alltäglichen Ehedramas. Das Phänomen der Eifersucht gerät ihm zum alptraumhaften Inferno der delierenden, wild wirbelnden Bilder, verkanteten Einstellungen und dissonanten Klänge." Nach Stiglegger sind die Werke Andrzej Żuławskis mit konventionellen Mitteln nicht zu fassen und müssen erfahren werden. Seine Filme suchen, wie die Protagonisten in Possession, nach einer Essenz des menschlichen Lebens, nach Liebe und Tod, Wahn und Glück. Possession ist ein transgressives Meisterwerk, was die heteronormative Beziehung als hysterische Horror-Groteske zeigt und tief in menschliche Abgründe eintaucht.

https://www.imdb.com/de/title/tt0082933/ (Öffnet in neuem Fenster)
Kategorie Film