Endzwanziger Niko Fischer weiß nicht wirklich, was er mit seinem Leben anfangen soll. Sein Jura-Studium brach er ab. Er lebt nun vom Geld seines Vaters in den Tag hinein und gibt sich ganz dem Berliner Lebensgefühl hin: treiben lassen und einen trinken gehen. Der Film spielt an einem einzigen Tag in Nikos Leben und zeigt episodenhaft wie der junge Mann ziellos durch die Hauptstadt streift und dabei teils seltsamen Menschen begegnet. Er muss sich z.B. mit einem übergriffigen Psychologen, einem aufdringlichen Nachbarn, einer schwäbischen Kaffeeverkäuferin, einigen besoffenen Halbstarken, mit seinem Vater und vor allem mit sich selbst auseinandersetzen.
Oh Boy ist ein deutscher Spielfilm von Jan-Ole Gerster aus dem Jahr 2012. Die schwarz-weiß gefilmte und mit Jazzmusik unterlegte Tragikomödie ist Gersters Abschlussarbeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet und gewann 2013 den Deutschen Filmpreis. Tom Schilling spielt die Hauptrolle, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Ulrich Noethen, Justus von Dohnányi, Michael Gwisdek, Katharina Schüttler, RP Kahl, Steffen Jürgens und Frederick Lau sind in weiteren Rollen zu sehen.
Oh Boy ist ein durch und durch schöner Film. Damit ist nicht nur die Optik in ästhetischem Schwarz-Weiß gemeint, auch der Charme des Hauptdarstellers, der tiefgründige Humor, die melancholischen Momente und die kleinen menschlichen Gesten machen ihn zu einem gelungenen Werk. Nebenbei weiß Oh Boy die deutsche Mentalität hervorragend zu beschreiben und spielt mit den Negativattributen des Berlin-Mythos. Drogenkonsum und Stagnation sind jene Attribute, die nicht nur in Filmen immer wieder genannt werden, wenn die Hauptstadt charakterisiert wird, nachdem die Party vorüber ist und der erste kreative Elan verebbt. Oh Boy ist ein nachdenklicher Berlin-Film mit großartigen Schauspielern.
https://www.imdb.com/de/title/tt1954701/ (Öffnet in neuem Fenster)