Drei Arbeitslose gründen 1994 die VICE. Mit abseitigen Storys wird das Magazin schnell zum Kult. VICE ist neuer, junger Journalismus und Party-Szene zugleich. Hedonismus, Jugendkulturen, Drogen, Musik und menschliche Abgründe werden mit DIY-Ästhetik, Heroin-Chic und Exzessfotografie zumeist jungen Menschen verkauft - eine Art grenzüberschreitender Journalismus, der überzeugt und erfolgreich ist. Die VICE-Redaktionen breiten sich über die ganze Welt aus, aus einem Print-Magazin wird später eine digitale Plattform, die vor allem mit Videos weiterhin Aufmerksamkeit und Erfolg generiert. Das einstige Punk-Heft wächst zu einem gigantischen Medienunternehmen heran.
VICE schlug kurz, bevor die Menschen zu Smartphone-Zombies wurden, ein wie eine Bombe und brachte den Gonzo-Journalismus - die Auflösung der Grenze zwischen Subjektivität und Objektivität - in den Mainstream. Die gelungene Verknüpfung von Popkultur mit den grausamen Realitäten der Welt war der Wegbereiter für heute bekannte Formate wie das Y-Kollektiv.
Es verwundert nicht, dass in moralinen und politisch polarisierten Zeiten wie den heutigen ein ungeschönter Journalismus, der die Dinge schmerzhaft beim Namen nennt und die Kamera draufhält, kaum noch Platz hat. VICE passte sich also an. Darüber hinaus radikalisierte sich der VICE-Mitgründer Gavin McInnes und wandelte sich vom Hipster-Punk zum rechtsextremen Trump-Unterstützer und Proud-Boys-Chef. Nach der Insolvenz im Jahr 2023 verkündete das Magazin jedoch schon 2024 ein Comeback, woraufhin 2025 das erste neue Heft herauskam.
Die dreiteilige ARD-Dokuserie fasst ein Stück zeitgenössische Mediengeschichte zusammen und weiß mit packenden Interviews sowie Originalaufnahmen bestens zu unterhalten.
https://www.imdb.com/de/title/tt34494005/ (Öffnet in neuem Fenster)