
Die Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen löst sich zum 1. September auf, die Wengerter kooperieren künftig mit dem Teamwerk der Nachbarstadt.
Von Jürgen Brand
Vom 1. September an gibt es in Stuttgart nur noch vier Weingärtnergenossenschaften. Die WG Hedelfingen löst sich 70 Jahre nach ihrer Gründung auf, mitten in der Weindorf-Zeit und mitten im Hedelfinger Herbst. Der Beschluss dafür wurde schon im Frühsommer gefasst, öffentlich informiert haben die Verantwortlichen jetzt erst. Das hat zumindest im Stadtbezirk Hedelfingen für Gerüchte und Diskussionsstoff gesorgt - zumal die Hedelfinger Wengerter künftig mit dem Teamwerk Esslingen zusammenarbeiten wollen.
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Stuttgart ist eine der größten Weinbaugemeinden in Deutschland, in vielen der 23 Stadtbezirke hat der Weinbau eine lange Tradition. Die meisten der Wengerter hegen und pflegen ihre Rebflächen nebenberuflich und sorgen so dafür, dass das unverwechselbare Landschaftsbild mit den Weinbergen in und um die Landeshauptstadt erhalten bleibt. Aber die Branche kriselt. Steigende Kosten egal ob für Energie, Pflanzenschutz oder Düngemittel verteuern die Produktion, Nachfolger für die harte Arbeit gerade in Steillagen sind kaum noch zu finden, der Klimawandel hat Auswirkungen. Gleichzeitig trinken die Deutschen immer weniger Wein und wenn, dann gerne günstigere Importweine. Wer in diesen Tagen seinen Blick über die Rebhänge entlang des Neckartals bei Stuttgart schweifen lässt, wird einige gerade nicht bepflanzte Flächen entdecken.
Immer weniger Genossenschaften
Viele der Stuttgarter Wengerter waren und sind in Genossenschaften organisiert. Heute gibt es noch fünf, früher waren es mehr, aber der Konzentrationsprozess hat hier schon länger eingesetzt. Die Rotenberger sind mit den Uhlbachern zusammengegangen und firmieren als Collegium Wirtemberg. Die Obertürkheimer fusionierten 2005 mit der Weinmanufaktur Untertürkheim. Die Bad Cannstatter Weingärtner gingen 2019 mit der Felsengartenkellerei Besigheim zusammen. Dazu kommt das Stellwerk Rohracker als künftig kleinste Stuttgarter Genossenschaft.
Die WG Hedelfingen hatte zuletzt noch drei hauptberufliche Wengerter, dazu 15 nebenberufliche Weingärtnerinnen und -gärtner. Insgesamt bewirtschaften sie 10 Hektar Fläche. “Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen”, erklären Vorstand und Aufsichtsrat in einer Pressemitteilung zur Auflösung. “Doch die aktuellen strukturellen Herausforderungen erfordern es, sich für die Zukunft und den Erhalt des Weinbaus in Hedelfingen neu aufzustellen.” Gleichzeitig wird eine künftige Kooperation mit dem Teamwerk Esslingen angekündigt.
Die Esslinger Weingärtnergenossenschaft nennt sich seit 2022 Teamwerk, hat rund 100 Mitglieder, die 72 Hektar Rebfläche bewirtschaften und ihre Trauben in der Esslinger Kelter abliefern. Etwa ein Drittel der Fläche besteht aus terrassierten Steillagen. Einige dieser Lagen wie die am Ailenberg sind von Hedelfingen aus besonders gut zu sehen.
https://teamwerk-esslingen.de/ (Öffnet in neuem Fenster)Auf Nachfragen zu Details der künftigen Kooperation gibt es bisher weder aus Esslingen noch aus Hedelfingen konkrete Antworten. Ob alle Hedelfinger Wengerter ihre Trauben künftig nach Esslingen bringen, warum es das Teamwerk wurde, was die genauen Gründe für die Auflösung sind, dazu verweist einer der Liquidatoren auf die per Pressemitteilung verbreitete knappe Erklärung. “Alle weiteren Informationen und Sachverhalte befinden sich aktuell noch in Gesprächen.” Mit der Auflösung “endet ein bedeutender Zeitabschnitt lokaler Weinkultur, der durch ehrenamtliches Engagement und gelebte Gemeinschaft geprägt war”, erklären die Hedelfinger. “Wir sind stolz auf alles, was wir gemeinsam erreicht haben, und dankbar für die jahrzehntelange Treue unserer Mitglieder und Kunden.” Was auch wichtig ist: Der Weinverkauf in der Hedelfinger Kelter bleibt geöffnet. Die traditionellen Feste wie das Hedelfinger Herbstfest jetzt am 31. August und 2. September soll es auch künftig geben.
Pressemitteilung der Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen
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