Moin, da ihr euch ja sehr doll gewünscht habt, auch mal öfter so “zwischendrin” ein paar unkomplizierte Eindrücke in mein Draußen-Herumstapfen zu kriegen, hab ich hier mal ein paar der Vögel für euch, die mir heute beim Zählen für die Stunde der Wintervögel begegnet sind:

Dieses Wochenende war ja die Stunde der Wintervögel, und das lief ja unter schwierigen Voraussetzungen. Hier in Hamburg hat es heute -13 °C gehabt, Freitag war Schneesturm und gestern war es auch kalt, aber die Vögel waren zumindest aktiv … nur hab ich es nicht rausgeschafft.
Ich dachte auch, heute wird das nichts, weil kein Vogel draußen zu sehen war (wobei ich das dann auch gemeldet hätte, auch Nullmeldungen sind wichtig!), doch mittags kam die Sonne raus, und schon entdeckte ich aus dem Fenster ein paar Ringeltauben, die sich aus den Tannen rausgewagt haben:

Also hab ich meine Sachen geschnappt und mich in diesem absoluten BANGER von Dad-Outfit rausgewagt zu der Stelle, an der ich immer Vögel für den NABU zähle, weil ich es gut finde, selber auch einen Vergleich zu haben. Ich hab also erst eine Stunde Wintervögel gezählt, und dann bin ich den Fluss entlang.
Wenn ich mit den Kameras unterwegs bin (ja, da kommt bald ein Beitrag, ich weiß, viele wünschen sich das), werde ich total oft angesprochen, aber heute ist auch für mich Rekord gewesen. Locker 30 Mal wurde ich von Pärchen, Familien und Kindern angesprochen, was ich da mache. Ganze zwanzig Minuten saß ich mit zwei siebenjährigen Mädchen auf einer Treppenstufe und hab mir ihre Haustierwünsche angehört und ihnen meine Kamera erklärt. Manchmal kann das etwas stressig sein, in der Regel finde ich es aber toll zu sehen, wie die Leute sich halt doch für Natur interessieren, und wenn sie weggehen, beobachte ich sie immer noch eine Weile. Sie laufen dann anders den Weg entlang, die Gesichter zu den Bäumen gerichtet, wollen auch entdecken, was ich entdecke. Das finde ich toll.


Heute wurde ich auf Bluesky gefragt: Wie halten Singvögel eigentlich diese Kälte aus? Bei minus dreizehn Grad sitzen die ja einfach draußen auf den Ästen, ohne Heizdecke, ohne dicken Wintermantel und Schal. Das Geheimnis steckt in ihrer Fähigkeit, den Stoffwechsel hochzufahren wie einen kleinen Ofen. Singvögel zittern beispielsweise die ganze Nacht. Die Muskeln kontrahieren dabei so schnell, dass Wärme entsteht, eine Art Dauersport im Schlaf. Gleichzeitig plustern sie ihr Gefieder auf, sodass zwischen den Federn isolierende Luftpolster entstehen. Manche Arten senken zusätzlich ihre Körpertemperatur um ein paar Grad ab, um Energie zu sparen.
Und dann ist da noch die Sache mit den Beinchen: Die meisten Vögel haben ja nackte Füße und Beine, und natürlich fragt man sich da: Warum frieren die nicht ab? Nun, im Vogelkörper arbeitet ein Wärmetauschsystem, bei dem das warme Blut auf dem Weg nach unten seine Wärme an das zurückfließende Blut abgibt. Die Beine kühlen dadurch auf fast null Grad runter, während der Rumpf warm bleibt. So frieren Enten nicht am Eis fest und Meisen nicht am Ast. An sonnigen Wintertagen nutzen Vögel außerdem ihre dunklen Federpartien als Solarpanels. Die absorbieren über achtzig Prozent der Sonnenstrahlen und wärmen den Körper ordentlich auf. Deshalb haben sich heute, als die Sonne rauskam, so viele Vögel aufgeplustert in die Sonne gesetzt.
Das alles kostet aber natürlich trotz allen Kniffen enorm viel Kraft. An besonders kalten Nächten verlieren kleine Singvögel bis zu fünfzehn Prozent (!) ihres Körpergewichts, weil sie ihre Fettreserven verbrennen, um warm zu bleiben. Das erklärt auch, warum sie morgens so hektisch nach Futter suchen: Die verlorene Energie muss vor der nächsten Nacht wieder aufgefüllt werden. Deshalb hilft Winterfütterung gerade an solchen Eistagen wirklich sehr viel. Das Futter sollte fettreich sein (also Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, Fettfutter) und idealerweise schon am frühen Morgen bereitstehen, damit die Vögel direkt nach Sonnenaufgang loslegen können.



Ich habe eine Menge Ringeltaubenfotos geschossen, weil ich die halt wirklich zauberschön finde. Hast du eigentlich meinen Beitrag über Tauben gelesen? Darin siehst du, dass die weder doof noch dreckig sind, im Gegenteil: Sie sind super intelligent und haben viele Fähigkeiten, von denen wir Menschen nur träumen können:
https://steady.page/de/jasminschreiber/posts/69303e3a-2068-4c93-86f2-bda3fac34342 (Öffnet in neuem Fenster)Ich zeige hier jetzt nicht alle Fotos von heute, das kommt ja alles im monatlichen Vogel-Update Ende Januar, aber zwei habe ich noch am Start für dich. Denn als ich gerade fertig mit den Tauben war, fiel mir dieser Kollege auf, und ich ihm auch, wie man sieht:

Das ist ein Kormoran. Aktuell haben wir einige von denen hier am Fluss, die wandern vom Norden herab und verbringen hier manchmal als Wintergäste die besonders kalten Monate, manchmal ziehen sie jedoch auch weiter. Ich bin dann zur Brücke gegangen und hab sie überquert, um mir den Kollegen genauer anzuschauen.


Besonders cool finde ich, wie Kormorane sich einmuckeln: Sie legen den Kopf nach hinten um und stecken ihn DA zwischen die Flügel. Das wirkt so unendlich kompliziert, ich liebe das. Hab ihn sogar dabei fotografiert, wie er seinen eigenen Hals als Schal trägt:


Find ich ziemlich witzig. Dann hat er noch etwas posiert, was ich dann doch nett von ihm fand:


Und immer, wenn ich weitergehen wollte und ihn nur aus dem Augenwinkel gesehen habe, hat er einen Fisch gefangen. Frech, aber gut, vielleicht wollte er nicht beim Essen fotografiert werden.

Und dann ist halt einfach der Kollege hier direkt gegenüber von mir auf einem Ast gelandet:

Von diesem Eisvogel erzähle ich aber im Vogel-Update, und da gibt’s auch dann die Fotos von näher dran, he he.
Bis zum nächsten Mal!
Jasmin

P.S.: Danke an die Mitglieder, die das Naturarium finanziell tragen! Dadurch kann ich mir das notwendige Equipment kaufen, als nächstes spare ich auf den passenden Zwischenring, dann kommen wir im Frühjahr noch näher ran. Freu mich schon! <3
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