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Kreativität steckt in deinen Füßen

Eine kleine Liebeserklärung an den täglichen Spaziergang

Der Autor Austin Kleon beschreibt in seinem Buch “Gib nicht auf!”, was Kreative tun können, um Durststrecken zu überwinden. Insbesondere Routinen sind etwas, das ihm in komplizierten Zeiten geholfen hat, einen kühlen Kopf zu behalten.

Unter anderem beschreibt Austin Kleon, die tägliche Runde um den Block. Direkt morgens geht er raus und schnappt erstmal frische Luft für den Tag, bevor er an seinen Schreibtisch geht, um Comics zu zeichnen und Kolumnen zu schreiben.

Dass unser Gehirn Sauerstoff braucht, um gut denken zu können, ist bekannt. Dass ein kleiner Perspektivwechsel am Morgen einen großen Unterschied für einen ganzen Tag machen kann, nicht so sehr.

Aber auch, wenn wir keine Morgenmenschen sind, ist ein kleiner (oder auch ausgedehnter) Spaziergang immer ein Gewinn.

Silent Walking

Während wir als Teenager Spaziergänge oft eher langeweilig fanden, zeigt sich, dass die neuen Generationen wie GenZ und GenAlpha analoge Tätigkeiten, die ohne digitale Hilfsmittel auskommen, völlig neu entdecken. Silent Walking, also "“Stilles Gehen” bedeutet ohne Kopfhörer-Ablenkung spazieren zu gehen und ganz bewusst aufzunehmen, was um uns herum passiert. Was uns selbstverständlich vorkommt, ist aber für einen Digital Native, also einen jungen Menschen, der nahezu 100 % seiner bisherigen Lebenszeit in irgendeiner Weise von digitalen Geräten umgeben war, eine völlig neue Erfahrung. Was als Trend erscheint, ist dann aber eine durchaus gesunde und kluge Erkenntnis und ein Werkzeug, einem überreizten Gehirn eine Auszeit zu gönnen.

Warum Spaziergänge so gut tun

Es ist nicht nur die frische Luft. Es ist die monotone Bewegung, die Gleichmäßigkeit, die Langsamkeit im Entdecken. Die Gedanken beruhigen sich und scheinen den Rhythmus der Schritte anzunehmen. Wer spazieren geht, stellt fest, dass Wut und andere größere Emotionen hier langsam “ausrollen”. Hier schaffen wir Platz für neue Ideen. Während wir daheim oft unsere Gedanken wie einen Tiger im Käfig kreisen lassen, fließen sie beim Spazierengehen scheinbar mühelos - auch, wenn es manchmal eine Weile dauert.

Wir verändern den Blick auf Themen, die daheim irgendwie festgefahren schienen. Ein Blatt, ein Ast, ein Tier, das wir bemerken, bringt uns plötzlich auf eine völlig neue Idee, auf die wir in unseren eigenen vier Wänden niemals gekommen wären. Die Natur spricht viel öfter zu uns, als wir es wahrnehmen.

Unsere Aufmerksamkeit pegelt sich auf eine ganz besondere Art neu ein. Wir bemerken plötzlich kleinste Details, wenn wir den Blick dafür öffnen, was uns wiederum zuhause und bei der Arbeit auch nützlich sein kann.

Fuß-Pausen für bessere Ideen

Wenn ich eine kreative Blockade habe, ist das Beste was ich tun kann, eine Pause einzulegen. Und zwar eine aktive. Mit meinen Füßen. Dann gehe ich in den Wald oder in Auen und akzeptiere meine Situation, indem ich erstmal das Gegenteil von dem tue, was ich glaube machen zu müssen - dagegen anzudenken.

Die gleichmäßigen Bewegungen meiner Schritte, pusten die Wolken weg, die meinen Denkfluss behindern. Die frische Luft hilft mir, wieder mehr Energie zu fühlen.

Nicht selten kommt dann plötzlich ein ganzer Schwung Ideen auf, die wie eine Welle über mich hereinbrechen, sodass ich kaum hinterherkomme, sie zu notieren. Ein Learning aus vielen Spaziergängen ist, immer ein kleines Notizbuch und einen Stift dabei zu haben.

Nicht alle Ideen machen Sinn, aber genau das ist ja der Clou bei Ideen: Nicht alle müssen gut sein, aber indem ein Gedanke zum anderen führt, habe ich eine große Auswahl an Möglichkeiten und vielleicht ergibt sich irgendwann anders mal eine Verwendung für einen Einfall, der jetzt gerade noch nicht passt. Aufschreiben hilft in jedem Fall!

Kraft der Kraftorte

Beim Spazierengehen passiert aber noch etwas anders. Je nachdem, wann wir losgehen, entdecken wir die Schönheit der Welt auf eine ganz andere Weise. Abends wirkt die Natur anders als morgens, am Mittag begegnen wir Menschen, die wie wir ihre Mittagspause draußen verbringen wollen. Während wir ständig umgeben sind von schlechten Nachrichten, flüstert uns die Natur zu, worauf es ankommt. Zumindest, wenn wir ihr zuhören können.

Auf meiner Runde gibt es spezielle Stellen, die ich besonders mag. Sogenannte Kraftorte. Hier kann ich etwas auftanken. Auch Du wirst sicher den einen oder anderen Ort kennen, an dem Du gerne mal stehen bleibst, innehältst und kurz durchatmest. Diese Orte haben eine ganz besondere Energie, besonders dann, wenn wir alleine dort verweilen.

Kraftort in den Emsauen

Co-Walking: Gemeinsam füßeln

Doch manchmal braucht man auch Gesellschaft. Vor ein paar Tagen habe ich mit drei anderen selbstständigen Frauen eine Whats-App-Gruppe aufgemacht, in der wir uns spontan zum gemeinsamen Spaziergang verabreden können. Wir alle sitzen viel am Schreibtisch und während in Co-Working-Büros Menschen in der Mittagspause gemeinsam rausgehen, haben wir nun eine Co-Walking-Gruppe, die uns aktiviert loszugehen. Denn, auch wenn man sich vornimmt, heute auf jedenfall rauszugehen, kommt einem manchmal der Terminkalender oder der Gedanke “Ich muss das jetzt noch fertig machen” dazwischen. Da hilft es zu wissen, dass jemand auf einen wartet, wenn man sich zuvor verabredet hat. Immer wenn nun eine von uns Lust auf ein paar Schritte hat, findet sich so in der Gruppe eine Begleitung. Kein Muss, nur eine Option. Wer einfach nur alleine laufen mag, geht einfach für sich alleine los, denn manchmal ist auch ein Gespräch unter Menschen, die man gerne hat, eine Anstrengung für den Kopf. Auch darauf darf man achten und schauen, was einem gerade gut tut.

Doch zwischendurch mal gemeinsam eine Runde zu machen, fördert nicht nur die Motivation und Kommunikation, sondern auch hier kommt man auf kreative Gedanken.

Energie tanken, wenn´s drauf ankommt

Wenn eine große Aufgabe bevorsteht, nutze ich oft die Gelegenheit nochmal kurz vor die Tür zu gehen. Andere meditieren, ich versuche ein paar Schritte zu gehen. Man kann übrigens auch im Gehen meditieren.

Vor Graphic Recordings, Vorträgen oder auch Workshops, schaue ich, dass ich noch eine kurze Runde um den Block laufen kann, um mich zu sammeln und einen klaren Kopf zu haben. Wir rennen oft viel zu schnell durchs Leben und haben selten Zeit uns kurz einen Moment zu schenken, in dem wir einfach durchatmen können. Dabei ist der Spaziergang eine so einfache Möglichkeit das Gute und Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden. Niemand stellt Spaziergänge in Frage. Wir tun damit niemandem weh, sondern uns und auch der Welt etwas Gutes. Denn, wenn wir entspannt sind, dann sind wir auch gut für andere.

Eiskalter Morgenspaziergang am Ammersee kurz vor einem großen Workshop

Wenn Du also das nächste Mal eine große Aufgabe bewältigen musst oder Du eine Denkblockade hast, einen guten Einfall oder neue Inspiration brauchst, rate ich Dir, zunächst spazieren zu gehen.

Denn Folgendes wird passieren: Entweder die Aufgabe hat sich erledigt, sie ist grad nicht mehr so wichtig oder erst später wieder relevant - oder Du hast wieder Kraft gesammelt, um sie anzugehen. Du wirst unterwegs neue Gedanken finden, Deine Denkblockade wird sehr wahrscheinlich ein Loch bekommen haben, durch das mindestens ein guter Gedanke geschlüpft ist oder Du hast irgendwas entdeckt, das Dich auf jedenfall die Perspektive hat wechseln lassen. Bei einem Spaziergang kannst Du nie wirklich verlieren. Nur gewinnen. Und wer hätte gedacht, dass die Ideen in den Füßen stecken?

Viel Spaß beim Gehen!

Herzlich,

Deine Joana

Kategorie Anleitungen & Tipps

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