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Alles für den Rotmilan: Ein Vogelexperte im frühsommerlichen Dauereinsatz

Was brauchen RotmilanforscherInnen im Frühsommer? Gute Schuhe, keine Höhenangst und ein geringes Schlafbedürfnis.

Wenn Rotmilane brüten, kann das für Forschende wie Martin Kolbe durchaus stressig sein. Doch wie sieht ein typischer Tag in Feld, Wald und Flur für ihn aus? Mit dieser Frage beginnt die Reihe TiVi! Aktiv – Menschen, die sich engagieren. Außerdem geht es in dieser Ausgabe um Windkraftanlagen, GPS-Sender und ein Dreigenerationen-Treffen.

Bannerbild mit dunkelgrünem Hintergrund. Links eine hellgrüne Eulen-Grafik mit dem Text: Biodiversität im Fokus. Rechts steht in Weiß: Tierisch Vielfältig! Der Newsletter.

Ab April beginnt für Martin Kolbe die Feldarbeit. So beschreibt der Leiter des Rotmilanzentrums (Öffnet in neuem Fenster) am Museum Heineanum in Halberstadt jenen Teil seiner Forschung, der in der freien Natur stattfindet. Wenn die Rotmilane brüten, sind er und seine KollegInnen meist per pedes unterwegs. Sie suchen die Nester und dokumentieren über Wochen den Brutverlauf.

Jeden Tag auf den Beinen, ohne diese Fußarbeit geht es nicht. Rotmilane brüten vor allem in hohen Bäumen, die im Offenland oder in der Nähe von Feldern stehen. Kaum erreichbar für ein Auto – und auch nicht vom Boden aus. Bisweilen vollbringen die ForscherInnen daher einen Kletterakt, erklimmen die Nestbäume wie Bergsteiger mit Gurt, Helm und Seil.

Ein Mann klettert am Stamm einen Baum hoch. Im Hintergrund grüne Blätter und Geäst. Er hat dabei: Sicherungsseil, einen Helm, Handschuhe und Rucksack.
Forscher Martin Kolbe gut gesichert auf dem Weg zur Beringungsaktion (Bildausschnitt: E. Steinborn, Rotmilanzentrum am Museum Heineanum, Abdruck mit freundlicher Genehmigung).

Ab Mitte Juni seien die Jungtiere groß genug, um beringt zu werden, erklärt Martin Kolbe. Dann gibt es im Feld viel zu tun und alles muss erledigt sein, bevor der Nachwuchs flügge wird und endgültig das Nest verlässt. „Was man in dieser Zeit nicht schafft, kann man das ganze Jahr nicht wieder reinholen.“ Bedeutet: Das Team ist von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang unterwegs.

Reisepass mit GPS

Wenn alles gut geht, hat jeder beringte Jungvogel seinen eigenen Personalausweis in Form einer Nummer, die weltweit nur einmal vergeben gibt. Diese wird mit Geburtsdatum und Ort in einer Datenbank hinterlegt. Ornithologen auf der ganzen Welt können so nachvollziehen, woher ein Vogel kommt und wie alt er ist.

In einer Astgabel zwischen 3 Stämmen, im Nest sind von oben zu sehen: Zwei junge Rotmilane mit mittelbraun-schwarzem Federkleid und weißen Flaumfedern. Ein Vogeljunges trägt ein rotumrandetes Solarpanel, das wie eine Mini-Schiefertafel aussieht.
Zwei junge Rotmilane im Nest, ein Tier mit Sender und Solarpanel (Bildausschnitt: E. Steinborn, Rotmilanzentrum am Museum Heineanum, Abdruck mit freundlicher Genehmigung).

Außerdem stattet das Team um Kolbe die „Vögel noch mit Sendern aus“: Ein kleiner Rucksack mit Solarpanel, auf dem Rücken der Tiere angebracht – und die jungen Rotmilane fliegen mit GPS (GPS: Global Positioning System). Damit ließen sich Flugroute und Flughöhe jahrelang nachvollziehen.

An ein Weibchen kann sich der Forscher besonders gut erinnern, er hatte es im Jahr 2018 selbst besendert. Das Tier blieb seinem Nest jahrelang treu und bekam ebenfalls Jungtiere, von denen eines im Jahr 2023 wiederum ganz in der Nähe Nachwuchs bekam. Großeltern, Eltern und Kind sozusagen: „Das war schon ein schönes Erlebnis.“ Und ein seltenes dazu.

Gefahrenquelle Mensch?

Rucksack und Ring helfen auch an anderer Stelle – und zwar bei der Ursachenforschung. Diese ist manchmal nötig, wenn es um die Einordnung von Gefahrenquellen geht, von denen es im Leben eines Rotmilans durchaus viele gibt (siehe Artikel Auf Beutejagd am Stadtrand: Der Rotmilan (Öffnet in neuem Fenster)). Allerdings werden die Todesursachen oft mithilfe von Zufallsfunden erwachsener Tiere erforscht. Doch nicht jedes tote Tier wird gemeldet oder gefunden. Ein Problem für die Datenerhebung.

Kategorie TiVi! Aktiv

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