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Nevio Wendt über Begegnung, Erfüllung und das Tagebuch aus Gran Canaria

Den heutigen Weg kennen wir noch gut. Es geht zu Nevio. Zweieinhalb Jahre ist es nun her, als wir ihn für die Ausgabe #2 (Öffnet in neuem Fenster) besucht hatten und damals im Gespräch kurz vor dem Filmstart von Die Drei ??? – Erbe des Drachen aber gar nicht über den Film und die Dreherfahrung gesprochen haben. Dafür umso mehr über Nevios Gedanken, was eine glückliche und erfüllte Lebensreise ausmacht, die uns sehr beeindruckt haben. Und dann passierte etwas, das wir bis dahin gar nicht für möglich gehalten haben: Mehr als 250 Menschen nehmen sich die Zeit, um ihm auf MENTLING.de (Öffnet in neuem Fenster) wertschätzende Worte und Komplimente zu schreiben und mit Sicherheit hat Nevio selbst unzählige weitere über Instagram bekommen. Seine Bekanntheit ist in Dimensionen gestiegen, die er sich vermutlich nie erträumt hat. Denn das war auch gar nicht der Grund, warum er mit dem Schauspielen angefangen und immer weitergemacht hat. Heute fragen wir ihn, wie es ihm geht und es fühlt sich fast so an, als wäre seit dem ersten Treffen gar keine Zeit vergangen.

Interview Florian Saeling Fotos & Videos Marcel Ristau Edit Max Saeling

Wir haben uns vor zweieinhalb Jahren hier getroffen. Seitdem ist ja echt viel passiert. Wenn du jetzt daran denkst, wie viele Leute dich inzwischen kennen, was geht dir durch den Kopf?
Keiner konnte ahnen, was da auf uns zu kommt. Ich durfte so viele positive Erfahrungen machen seit dem ersten Film und mein Leben hat sich auf jeden Fall verändert, klar. Ich erfahre ganz viel Zuspruch und manchmal ist das auch immer noch surreal – auch, wenn ich mal länger darüber nachdenke, wie viele Menschen das sind, die unsere Filme im Kino gesehen haben, dann bleibt mir immer so ein bisschen die Luft weg.

Gab es einen Moment, in dem du besonders gemerkt hast: Jetzt hat sich etwas verändert?
Ja, als der erste Film herausgekommen ist und die Aufmerksamkeit über Instagram losging und ich plötzlich TikTok Videos über mich gesehen habe. Da war ich total überrascht. Also, es gab nicht den einen Moment. Es war eine Phase. Da habe ich dann schon angefangen, mich auch mal zwischendurch hinzusetzen und mir bewusst zu machen, was gerade passiert.

Musstest du dazu auch mal ganz raus, zum Beispiel in den Urlaub fliegen, um von weiter weg auf dein Leben zu schauen?
Nein, nicht wirklich. Mir hat es eigentlich immer gut getan, einfach hier zu Hause meinen Raum zu haben, mein Zuhause, wo sich auch viel verändert hat, aber gleichzeitig auch wenig. Manche Sachen sind eben auch gleich geblieben. Darüber bin ich auch sehr froh.

Ich habe immer noch die gleichen Menschen um mich, die mir wichtig sind. Das ist nach wie vor einfach dieser Safespace, den ich brauche – wo ich immer wieder runterkommen kann und einfach Nevio bin.

Was macht die schwankende Aufmerksamkeit mit dir? Also, ich nehme das so wahr, dass beim Kinostart eurer Filme plötzlich super viel Aufmerksamkeit da ist, die in den Wochen und Monaten danach wieder abflacht. Damit musst du dann ja auch erstmal klarkommen, um dich nicht plötzlich uninteressant zu fühlen.
Ich weiß, was du meinst und du hast auch recht. In gewisser Weise ist das eben so, dass es nach den Film-Releases diese Hochphasen gibt und Termine sehr konzentriert sind. Und klar, flacht das dann auch wieder ab. Aber das hat mich überhaupt nicht gestört. Ich hatte nie das Gefühl, da geht jetzt irgendwas verloren, sondern ich habe das so genommen, wie es kam. Ich habe diese Phasen genossen und genieße aber gleichermaßen auch die Zeit, in der es wieder ruhiger ist. Ich mache das Ganze auch nicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern in erster Linie aus Liebe zur Sache, weil ich das Medium Film liebe.

Ich liebe es, daran zu arbeiten und ich liebe die Kunst, Geschichten zu erzählen. Das nimmt überhaupt nicht ab in diesen Zeiten. Ich habe die immer genutzt, um an neuen Dingen und an mir selbst zu arbeiten.

Wenn du Menschen begegnest, weil du zum Beispiel mit ihnen zusammenarbeitest, sind sie meistens anschließend in anderen Projekten und dann ist es schwierig, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Wünschst du dir manchmal mehr Zeit, um sie besser kennenzulernen und ihre Wege zu verfolgen?
Du hast total recht. Der Beruf bringt das mit sich, dass ich phasenweise mit bestimmten Menschen total intensiv und eng zusammenarbeite und die Chance habe, sie gut kennenzulernen und dann aber eben der Kontakt schnell wieder abflaut, weil jeder wieder seines Weges geht und mit anderen Sachen beschäftigt ist, an unterschiedlichen Orten. Das nimmt einem oft die Möglichkeit, den Kontakt gut zu halten. Wege verfolgen ist aber ein schönes Stichwort.

Ich finde es total spannend zu verfolgen, wie Menschen sich weiterentwickeln.

In der Branche habe ich die Gelegenheit, mit ganz vielen tollen, großartigen Schauspielern zu sprechen und mich auszutauschen, ihnen von meinem Weg zu erzählen, vor allem aber von ihnen zu hören, wie ihr Weg verlaufen ist. Wir sprechen auch über Ziele, wo man hin möchte und dann ist es natürlich spannend zu verfolgen, was die Menschen zwei Jahre später oder auch nur ein paar Monate später machen.

Aber wie du sagst: Es ist schwer bis unmöglich, mit jedem den Kontakt zu halten. Weil ich lerne so viele Menschen aus so vielen Orten kennen, was total toll ist. Das ist eines der Dinge, warum ich meinen Job so liebe. Mit einigen Leuten den Kontakt zumindest über soziale Netzwerke, Nachrichten und Telefonieren zu halten, ist etwas sehr Schönes und ist mir auch wichtig.

Schaust du anders auf neue Begegnungen, seitdem der erste Film die hohe Aufmerksamkeit mit sich gebracht hat?
Der Wert solcher Begegnungen war mir vorher auch bewusst, aber mir ist jetzt noch klarer geworden, was das für ein Privileg ist, dass ich mit erfolgreichen Schauspielern zusammenarbeiten darf, die schon so viel Erfahrung haben und von denen ich so wahnsinnig viel lernen kann. Der Kreis der Menschen, die ich über den Beruf kennengelernt habe, hat sich exponentiell erweitert und ich bin total dankbar dafür.

Auf der anderen Seite gibt es ja die immer größer werdende Anzahl an Fans, die vermutlich auch gerne mit dir in Kontakt sein würden, aber deren Erwartungen du einfach nicht erfüllen kannst. Macht das etwas mit dir?
Ja, es ist natürlich ein Gedanke, den ich habe, und es ist auch ein überwältigendes Gefühl zu wissen, dass so viele Menschen gerne mit mir reden oder schreiben wollen. Ich bekomme so liebe Nachrichten auf Instagram und ich kann aber, wenn überhaupt, nur kurz darauf antworten. Es bewegt mich zwar immer total, wenn sich Leute die Zeit nehmen, mir so liebe Worte zu schreiben, aber ich muss da auch auf mich selbst achten, dass ich das nicht zu sehr an mich heran lasse, da ich all diesen Menschen nie angemessen antworten kann, auch wenn ich mir Mühe gebe.

So gerne ich das auch würde, kann ich leider nicht jedem die Dankbarkeit und Aufmerksamkeit zurückgeben, die diese Person verdient.

Deshalb habe ich mit der Zeit gelernt, mich davon zu distanzieren, weil es mich sonst belasten würde. Davor versuche ich mich einfach selbst zu schützen.

Wie gut und wie wichtig aber, dass du das für dich erkannt hast, um nicht irgendwann daran kaputt zu gehen. Und ich denke, es ist auch gut, dass du das kommunizierst, weil es dann die Chance gibt, dass Fans das besser verstehen können.

Hast du einen Ort oder einen Moment im Kopf, in dem du gespürt hast: Hier bin ich genau richtig, mit genau den richtigen Menschen um mich?
Ich habe tatsächlich immer wieder solche Momente, auch in verschiedenen Umfeldern. Auf der einen Seite habe ich solche Momente, wenn ich mit tollen Menschen an Projekten arbeite und dabei merke: Das ist genau das Richtige für mich. Ich bin da, wo ich sein will – allein schon, weil ich das mache, was ich liebe und auf dem Weg so viele tolle Menschen treffe, die mich begleiten.

Ich habe aber auch oft solche Momente im privaten Umfeld, wenn ich zum Beispiel aus einer stressigen Phase, sei es in der Schule oder beim Drehen, anschließend mit meinen Freunden zusammensitze, die ich schon viele Jahre kenne und die ich dann schon länger nicht gesehen habe. Wenn wir dann zusammenkommen und uns austauschen und es immer einfach noch so wie früher ist, dann sind das Momente, in denen ich denke: Ja, hier bin ich genau richtig.

Richtig schön, dass du in beiden Umfeldern, in deinem beruflichen und privaten, solche Momente hast!
Ja, total! Ich hatte gerade in letzter Zeit an einem Projekt gearbeitet und musste natürlich parallel alles für die Schule nachholen. Das war eine sehr intensive Zeit, was ich aber gerne in Kauf nehme, weil ich habe das Ganze ja auch selbst gewählt und finde das auch in Ordnung, dass es dann mal stressig ist, weil ich sehr ehrgeizig und immer sehr fokussiert bin auf das, wo ich hin will. Das kommt mir oft zugute und das will ich auch beibehalten.

Ich habe jetzt mal besonders darauf geachtet, Momente zu haben, in denen ich symbolisch gesagt mal stehen bleibe, durchatme, mich umschaue und sehe, wie toll das eigentlich alles ist, was ich machen darf.

Wie toll, dass ich so viele Menschen um mich habe, die mich so mögen, wie ich bin und bei denen ich so sein kann, wie ich bin. Wie toll, dass ich so spannende Menschen kennenlernen darf und von ihnen lernen darf. Wie toll, dass ich gesund bin.

Das ist dann auch eine gewisse Form der Rückkopplung, weil ich diese Dankbarkeit verspüre und die wiederum mir ganz viel Kraft gibt. Das gibt mir einen richtigen Push für meine Arbeit und diese Glückseligkeit, mit der ich dann dabei bin. Die wiederum hat natürlich auch super viel positiven Impact auf das, was ich mache, auf meine Performance, egal in welchem Lebensbereich auch immer und dann auch auf den Erfolg, den ich in jedem möglichen Lebensbereich haben kann.

Das gibt mir einfach total viel Energie für das, was kommt.

Wow, das freut mich echt richtig, dass es dir so gut geht und ich finde das super wertvoll, dass du nicht nur von einem Projekt ins nächste gehst, sondern dir diese Momente nimmst, um dein Leben wertzuschätzen. Ich glaube, ganz viele Menschen, die auch ein spannendes Leben haben, verpassen genau das. Und bevor wir es jetzt wieder verpassen, lass uns diesmal gerne über die Dreherfahrung für Die Drei ??? sprechen. Ihr wart letztes Jahr monatelang auf Gran Canaria und habt dort gleich zwei Filme gedreht. Wie hast du die Zeit erlebt?
Das war definitiv die beste Zeit meines Lebens. Es war einfach grandios!

Ich habe mir ein Vorbild an meinem Großvater genommen und auf Gran Canaria ein Tagebuch geschrieben.

Ich habe relativ pragmatisch alles aufgeschrieben, was wir gemacht haben an dem Tag, was ich erlebt habe, was besondere Begegnungen waren und das hat mir viel gegeben, weil ich so das Gefühl hatte, dass ich nichts vergesse und auch nicht alles aufsaugen muss, was ich erlebe.

Das Schreiben hat mir einen klaren Kopf gegeben für die Dreharbeiten.

Ich habe jeden Tag eine Seite geschrieben, an besonderen Tagen ein bisschen mehr und dann saß ich am Ende der Drehzeit auch mit Julius und Levi zusammen und habe ihnen die Einträge vorgelesen, die ich am Anfang der Drehzeit gemacht habe. Da war das schon krass, weil eben so viel passiert ist in der Zwischenzeit. Es war eine großartige Zeit, die auch unserer Freundschaft natürlich noch mal so viel gegeben hat.

Welchen Tag aus der Zeit würdest du gerne nochmal erleben?
In der Mitte der Drehzeit waren wir mit dem ganzen Team auf einem Boot und sind an der Küste entlang gefahren. Es gab Snacks und Getränke, wir konnten zwischendurch ins Wasser springen und schnorcheln. An dem Tag habe ich so tolle Gespräche geführt und hatte so viel Spaß mit all diesen Menschen zusammen. Alle hatten irgendwie eine total gute Zeit und das war auch einer dieser Momente, über die wir eben schon gesprochen haben, in dem ich dachte: Ja, ich bin genau richtig hier und das ist genau das, was ich machen will. Auch dafür mache ich diesen Job. Das war ein ganz, ganz besonderer Tag, an den ich mich immer wieder gerne zurückerinnern werde.

Eine Frage möchte ich dir noch stellen, die ich in dieser Runde jedem gestellt habe: Welches Wort beschreibt dein Leben am besten?
Unerwartet. Weil in meinem Leben schon so viele Sachen passiert sind, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie passieren. Und das ist auch das Schöne. Ich finde das toll, dass es unerwartet ist und ich möchte auch, dass es so weitergeht.

// Ein Gesprächsthema, das ich für Nevio mitgebracht hatte, hat es nun gar nicht in den Text geschafft: Das Erwachsenwerden. Nevio ist inzwischen 18 geworden und ich wollte gerne von ihm wissen, ob er sich erwachsen fühlt. „Nicht so richtig“,sagt er, „mein Leben hat sich dadurch nicht wirklich verändert, aber das bedeutet schon in gewisser Weise, meine Jugend ist vorbei und das hat mir noch mal vor Augen geführt, wie schnell die Zeit vergeht. Das bestärkt mich einfach nochmal in meinem Mindset, dass ich alles, was passiert in meinem Leben, alle Eindrücke, alle Einflüsse, alles Erlebte genießen will, weil ich weiß, wie schnell das rückblickend alles zu Ende geht.“ – Ein Satz, der uns sehr an unser Gespräch vor zweieinhalb Jahren erinnert. Heute schreibe ich in mein Notizbuch:

Wenn du auf dem richtigen Weg bist, dann merkst du das – in allem, was dein Leben mit sich bringt.

Ab und zu stehen bleiben, umschauen und die Aussicht genießen.

– Nevio

Kategorie Interview

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