WAS IST NEU?
Zu viel.
War das früher auch schon so? Dass alle zu viel wird? Oder liegt das wieder an diesem Internet? An der stetigen Verfügbarkeit von News und Fake und Friends? Oder ist das auch eine Alterserscheinung? Kann ich nicht mehr so gut filtern wie mit Mitte 20?
Es reicht gerade einfach. Die Liste ist lang und kann ewig weitergeführt werden: Trump, Putin, Epstein, Ukraine, Gaza, Klimakrise, Wirtschaftskrise, AFD, KI, Atombombe für Europa… Jetzt wird ein Social-Media-Verbot für Unter-14jährige diskutiert. Gibt es schon in Australien. Damit die Kids nicht mit so viel Müll zugespamt werden. Aber vielleicht schneidet man sie damit auch von einer Möglichkeit ab, mit anderen in Kontakt zu treten. Ich bin unentschlossen. Vielleicht sollte man erstmal diese riesigen Social-Media-Konzerne verpflichten, den Fake-Content auf ihren Plattformen zu unterdrücken. Und sie wie Medien zu behandeln. Die dürfen nämlich auch nicht einfach Lügen publizieren. Social Media ist inzwischen mehr als nur eine Plattform. Es ist Quelle, Medium und Netzwerk gleichzeitig. Regulieren statt zu Verbieten wäre wahrscheinlich ein guter Anfang. Aber was weiß ich schon? Es ist so viel. Und dann klicke ich doch wieder durch Instagram und vier Stunden sind vorbei, als ich das Handy weglege. Vielleicht wird auch alles besser, wenn der Winter endlich vorbei ist.
DAS TELEFONAT
Ich rufe die Kita meines Sohnes an.
"Herr Lehmann", sagt die Erzieherin, "im Moment habe ich keine Zeit, ein Kind hat gerade Pippi in eine der fünf Teekannen gemacht - und ich muss die anderen Kinder abhalten, nicht geschmacklich zu beurteilen, welche es ist."
"Ich habe Ihre Ausschreibung gesehen", sage ich. "Sie suchen Erzieher. Und da dachte ich, das wäre doch was für mich."
"NEEIIN", schreit die Erzieherin.
"So schlecht bin ich nicht mit Kindern."
"Ich meinte nicht Sie, sondern Kevin, der gerade einen großen Schluck aus einer der Kannen genommen hat."
"Das ist Persischer Granatapfel", sagt Kevin im Hintergrund.
"Stimmt!", ruft ein anderes Kind.
"Vielleicht sollten Sie Kevin zu Wetten, dass... schicken", schlage ich vor. "Jedenfalls interessiere ich mich sehr für die Stelle als Erzieher."
"Haben Sie nicht schon einen Beruf, Herr Lehmann?"
"Ich arbeite Teilzeit. Also, meistens ist der Teil ohne Arbeit sehr viel größer als der andere..."
"Haben Sie überhaupt Erfahrungen mit Erziehung?"
"Hallo! Sie kennen doch meinen Sohn", rufe ich.
"Deswegen frage ich ja."
"Das ist Yogi-Tee Wohlfühl-Entspannug", sagt Kevin im Hintergrund.
"Wieder richtig!", ruft ein Kind.
"Also die Freunde von meinem Sohn mögen mich und kommen gern zu Besuch", sage ich.
"Vielleicht liegt es daran, dass es bei Ihnen immer für alle Vanilla Coke, eine Gummibärchen-Kanone und Bobo-Siebenschläfer-Videos auf Dauerschleife gibt."
"Wir erziehen bedürfnisorientiert. Und mein Sohn und seine Freunde meinten, das seien eben ihre Bedürfnisse."
"Ich kann mich nicht entscheiden, ob das Hormon-Balance oder Frauenpower ist", sagt Kevin.
"Falsch!", sagt die Erzieherin. "Das ist Blasentee."
"Nee", ruft wieder ein anderes Kind, dessen Stimme mir bekannt vorkommt. "Da hab ich reingepinkelt. Und auch ein bisschen Kacka."
"War das meins?", frage ich.
"Was denken Sie?"
"Vielleicht ist der Erzieherberuf doch nichts für mich", sage ich.
Aber die Erzieherin hat schon aufgelegt.
SONGS FOR THE LEFTOVERS -
Lieder, die ich gerade höre.
Britta: Büro Büro (Öffnet in neuem Fenster)
Jeder kennt Tocotronic, aber niemand kennt Britta. Ich weiß auch nicht wieso. Britta sind einfach der Hammer. Deutscher PopRock mit lustigen und melancholischen und wahren Texten . Die Band gründete sich Ende der 90er Jahre um die grandiose Perfomerin Christina Rösinger, die vorher bei der ebenfalls sehr guten Band Lassie Singers dabei war. Vier Alben, dann war 2006 Schluss. Davor war die Namensgeberin der Band, Schlagzeugerin Britta Neander, 2004 gestorben. Als Einstieg sei die Best of, die 2018 rauskam, empfohlen. Alles Hits. Zum Beispiel das Lied “Lichtjahre voraus” (Öffnet in neuem Fenster). Oder eben “Büro Büro”. Mit der tollen Textzeile:
“Und andre spiel'n Büro-Büro
Projekt-Projekte sowieso
Und sie rennen rum
Und raus kommt doch nur
Smoke on the water, Baby.”
WAS STEHT AN?
Ein neues Projekt. Es heißt FUN FACTS (Öffnet in neuem Fenster) und startet im März. Hier mal die Eigenbeschreibung: “Fakten haben es nicht leicht in den sozialen Medien. Da helfen wir nach. Fun Facts ist ein Nachrichtenformat, das Fakten durch Humor und Prominenz zu mehr Reichweite verhilft. Bekannte Faktenfans präsentieren humorvoll und konstruktiv, was wirklich wichtig ist.”
Ich bin auch dabei. Und zwar erzähle ich was zur Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März. Zum Beispiel, warum alle immer schwäbisch reden im Wahlkampf. Da fühle ich mich als Badener nicht abgeholt. Könnte ihr dann ab dem 6. März überall im Internet anschauen.
VIELEN DANK FÜRS LESEN.
Bis in zwei Wochen! Dein Sebastian.