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Kraftfahrzeug - eine deutsche Liebe?!

"Wir haben vergessen, irgendwann das Gehirn einzuschalten. Macht es Sinn, so zu eskalieren?"
Katja Diehl, Mobilitätsexpertin
Dokumentarfilm „Kraftfahrzeug - Eine deutsche Liebe" (Öffnet in neuem Fenster)

Liebe Flauschis!

Ich hoffe, es geht euch gut. Meine angespannte persönliche Situation nähert sich einem gewissen Etappenziel. Am Montag zieht bei meinen Eltern und meinem Bruder eine Hilfe ein - und ich krabble dann ziemlich erschöpft zurück in den Alltag. Es gibt so viele Baustellen in diesem Land, alt werden im Ländlichen gehört definitiv dazu. Auf vielerlei Weise. Aber es ist auch eine sehr kostbare Zeit für uns als Familie.

Am Dienstag halte ich eine Keynote und bin auf dem Podium beim Sicherheitskongress NRW 2025: 360° Sicherheit im Blick

Subjektives Empfinden, objektive Verantwortung – Sicherheit als Baustein der Mobilitätswende

https://www.kcsicherheit.de/sicherheitskongress-2025.html (Öffnet in neuem Fenster)

Und am Mittwoch gibt es die erste Lesung von

“Picknick auf der Autobahn” (Öffnet in neuem Fenster)

obwohl das Buch erst am 24. September erscheint. Ja ich nerve, aber: Vorbestellungen helfen uns sehr!

Eine Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche in Kooperation mit der Stabsstelle Klima der Landeshauptstadt Magdeburg (Öffnet in neuem Fenster)

18:00 bis 20:00 Uhr an einem SEHR spannenden Ort: Tangente (B71) / Auffahrt "Am Fuchsberg"

Und am Sonntag bin ich beim fünfjährigen Jubiläum der Kidical Mass in Köln. (Öffnet in neuem Fenster) Falls ihr dort unterstützen wollt: Helfende Hände sind hier gern genommen!

Cover der Dokumentation aus der Mediathek der ARD, ein Auto ist halb verhüllt von einer weißen Decke. (Öffnet in neuem Fenster)https://youtu.be/aAIPQpKWSJ4?si=cCc77EjVBd6-ZDMr (Öffnet in neuem Fenster)

Dann ist ein ziemlich großes Projekt veröffentlicht worden, das sich bewusst nicht an die Gruppe der Bekehrten wendet, sondern an Jene, für die das Auto sehr viel mehr ist als nur von A nach B zu kommen. Viele haben mir schon geschrieben, dass es in Teilen unerträglich ist, mitzubekommen, WIE irrational das ganze System ist. Aber ich glaube dennoch, dass es genau diese Herangehensweisen benötigt, um vielleicht auch Menschen, denen das Auto sehr wichtig ist, die Absurdität der gesamten Maschinerie vor Augen zu halten.

https://www.youtube.com/watch?v=voSgrTl-kTY (Öffnet in neuem Fenster)

Und ich gebe zu: Es gibt Jobs in der Autoindustrie, diese mal zu sehen, ist schon ECHT schräg.

Um was geht es? Der Pressetext:

Der Dokumentarfilm geht der deutschen Liebe zum Automobil auf den Grund: Zwischen Auto-Fetisch und Verkehrswende begegnen die Zuschauer:innen Enthusiast:innenen wie Ulf Poschardt sowie Kritiker:innen wie Katja Diehl. Autohersteller gestatten seltene Einblick in ihre Tricks der emotionalen Verführung. Ein Roadmovie, das zeigt, wie tief das Auto in der deutschen Gesellschaft verankert ist. Das Auto fasziniert, fast 150 Jahre nach seiner Entstehungsgeschichte, noch immer. Die Zahl der Fahrzeuge in Deutschland stieg 2024 auf ein Rekordhoch. Manche verehren es gar als Kultobjekt oder sehen in ihm ein Familienmitglied. Doch das Auto polarisiert auch wie kaum ein anderer Gegenstand. KRAFTFAHRZEUG erkundet das emotionale Verhältnis der Deutschen zum Auto. Dabei trifft Dokumentarfilmer Jan Tenhaven auf leidenschaftliche Autoliebhaber und scharfe Kritiker: Journalist Ulf Poschardt schwärmt vom Sportwagen als Teil der Hochkultur, Mobilitätsexpertin Katja Diehl hinterfragt den Statusfetisch, Auto-Designer Adrian van Hooydonk erklärt das aggressive Frontdesign, und VDA-Präsidentin Hildegard Müller verteidigt das Auto als Rückgrat der Wirtschaft. Autohersteller geben seltene Einblicke in ihre Tricks der emotionalen Verführung. Große Bilder, schrille Szenen und überraschende Einsichten verdichten sich zu einem unterhaltsamen Roadmovie durch das Autoland Deutschland.

Bin auf eure Reaktionen gespannt!

Es gibt wieder zwei tolle Interviews für euch exklusiv als Abonnent*innen - zwei spannende Themen

https://katja-diehl.de/interviews/katja-diehl-im-gespraech-mit-bjorn-bender/?utm_source=steady&utm_medium=newsletter&utm_campaign=flauschis&utm_content=interview (Öffnet in neuem Fenster)

Grenzenlos Bahnen buchen – Warum Europa ein neues Ticketing braucht

Seit über 20 Jahren arbeitet Björn Bender an einer Mission: Bahnfahren einfacher machen. Von der Deutschen Bahn über die SBB bis zu seiner heutigen Rolle als Präsident und CEO von Rail Europe treibt ihn eine zentrale Frage an: Wie schaffen wir es, dass mehr Menschen die Bahn nutzen – auch grenzüberschreitend?

Seine Antwort ist klar: Nicht über Belehrungen, sondern über Convenience. Einfachheit muss der Schlüssel sein, damit Nachhaltigkeit im Alltag ankommt.

Der größte Schmerz: Ticketing in Europa

Kein Mensch wird den ÖPNV massiv mehr nutzen, wenn es nicht enorm einfacher wird.“ – Björn Bender

Europa hat über 100 unterschiedliche Ticketing-Systeme, die oft inkompatibel nebeneinanderstehen. Wer heute eine internationale Bahnreise bucht, braucht meist mehrere Apps, mehrere Accounts – und oft Nerven aus Stahl. Rail Europe bündelt diese Vielfalt in einer Plattform und macht sie für globale Reiseveranstalter zugänglich. So wird die Bahn im Paket mit Flug und Hotel buchbar – und sichtbar.

Ohne Dritte geht es nicht

Wenn du die Anzahl der Reisenden verdoppeln willst, dann wirst du das über die Vertriebssysteme der Bahnen nicht schaffen.“ – Björn Bender

Früher sahen viele Bahnen Drittanbieter als Konkurrenz. Heute wächst das Verständnis, dass externe Plattformen Partner sind, die mehr Menschen in die Züge bringen. Denn: nationale Bahnen haben naturgemäß einen nationalen Fokus. Wer Europa als Ganzes vernetzen will, braucht neutrale Brückenbauer.

Bahnfahren so leicht wie Autofahren

Unsere Mission ist, dass Bahnfahren so leicht wird wie Automobilität. Anders wird es nicht funktionieren.“ – Björn Bender

In der Hotellerie oder der Luftfahrt ist Direktbuchung längst die Ausnahme. Im Bahnsektor hinkt diese Entwicklung hinterher. Rail Europe will genau hier ansetzen – mit einer Oberfläche, die den günstigsten Preis, die richtige Verbindung und die passende Zusatzleistung in wenigen Klicks verfügbar macht.

Barrierefreiheit heißt mehr als Rampen

Der Hauptpunkt ist nicht, dass die Bahn zu langsam ist, sondern dass sie zu schwer zugänglich ist.“ – Björn Bender

Barrierefreiheit betrifft nicht nur Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, sondern auch Sprache, Preistransparenz und einfache Zahlungsmethoden. Ein Ticket, das nur auf Deutsch ausgestellt wird, schreckt internationale Reisende ab. Rail Europe setzt auf Mehrsprachigkeit, 24/7-Service und flexible Bezahlmöglichkeiten.

Ein persönlicher Schritt: Autofrei leben

Wir haben seit fünf Jahren kein Auto mehr – und es keine Sekunde bereut.“ – Björn Bender

Für Bender und seine Familie war der Abschied vom Auto ein bewusster Schritt, der ihr Leben erleichtert hat. Statt Stress mit Stellplatz, Kosten und Reparaturen: Zug, E-Bike, Cargo-Bike. Das Ergebnis: mehr Leichtigkeit, weniger Aggression im Alltag und ein Lebensstil, der andere inspiriert.

Fazit

Bahnfahren in Europa wird nur dann zum echten Gegengewicht zu Auto und Flugzeug, wenn es so einfach wird wie ein Hotelzimmer zu buchen. Björn Bender zeigt, wie das gehen kann: durch digitale Plattformen, partnerschaftliche Ökosysteme und die radikale Orientierung an Kundenerlebnissen.

Wenn mehr Menschen diesem Lebensstil nacheifern würden, wären wir eine liebenswertere Gesellschaft.“ – Björn Bender

Das zweite Interview

führte ich mit einem Freund, mit dem ich auch grad ein Buch über die Transformation von Volkswagen schreibe, zusammen mit einem VW-Arbeiter und einer weiteren Aktivistin.

🚆 Verkehrswende statt Autostadt: Tobi Rosswog über Wolfsburg, VW und eine andere Zukunft

https://katja-diehl.de/interviews/katja-diehl-im-gespraech-mit-tobi-rosswog/?utm_source=steady&utm_medium=newsletter&utm_campaign=flauschis&utm_content=interview (Öffnet in neuem Fenster)

„VW steht nicht mehr für Volkswagen, sondern für Verkehrswende.“

Mit dieser Vision startete Tobi Rosswog 2022 die Kampagne in Wolfsburg – der Stadt, die wie keine andere für das Auto steht. Was viele für unrealistisch hielten, wächst: ein Netzwerk aus Aktivistinnen, Gewerkschaften, Wissenschaft und sogar VW-Mitarbeiterinnen, die gemeinsam für eine andere Mobilität kämpfen.

Für Tobi ist Mobilität seit seiner Geburt ein zentrales Thema. Mit einem kiloschweren Tumor geboren, lernte er früh, wie kostbar Beweglichkeit ist – und wie wichtig öffentlicher Verkehr. Der kostenlose Zugang zum ÖPNV aufgrund seiner Behinderung wurde für ihn zum Motor einer politischen Forderung: Mobilität muss für alle zugänglich sein.

Seine Arbeit ist geprägt von kreativen Aktionen, strategischen Bündnissen und klaren Forderungen: weniger Autos, mehr Straßenbahnen, faire Arbeitsbedingungen, eine echte Verkehrswende.

Fünf Zitate, die hängenbleiben:

  1. „Kein Mensch sollte von Mobilität ausgeschlossen sein, nur weil er kein Geld hat.“

  2. „VW muss nicht eine Million Autos im Jahr bauen – wir brauchen Straßenbahnen, Busse und Beatmungsgeräte.“

  3. „Es ist unrealistisch, so weiterzumachen wie bisher.“

  4. „Wir brauchen Imaginationsfähigkeit – heute ist es einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus.“

  5. „Wolfsburg wird eine Verkehrswendestadt – die Straßen gehören uns allen, nicht den Stehzeugen.“

🌍 Tobis Botschaft ist klar: Transformation ist keine technische Frage, sondern eine politische. Geschichte zeigt: Umbau ist möglich, wenn wir es wollen. Von Rüstungsgütern bis Beatmungsgeräten – Werke haben schon oft ihr Produkt geändert. Warum also nicht von Autos zu Straßenbahnen?

👉 Wolfsburg könnte Vorbild werden. Nicht Autostadt, sondern Verkehrswendestadt

Es gibt zwei neue Blogartikel:

Zeit, mal wieder etwas zu ent-södern (Öffnet in neuem Fenster)

Wer privilegiert ist, kann sich „Neutralität“ leisten. Wer marginalisiert ist, erlebt die Konsequenzen sofort. (Öffnet in neuem Fenster)

Schlagzeile heute in der bILd:
Merz muss endlich Auto-Kanzler werden!

Das ist lustig, weil es noch keine*n deutsche*n Kanzler*in gab, die Mobilitätskanzler*in war. Also keine Angst, lieber Axel-Springer-Verlag.

Und damit zu den Links der Woche!

In deutschen Städten gibt es immer mehr illegale Straßenrennen. Die Polizei Berlin erklärte auf Nachfrage des rbb, dass es allein in der Haupstadt im letzten Jahr fast 600 solcher Rennen gab. Verkehrsforscher Andreas Knie fordert daher den Einstieg in den Führerschein für Männer ab 26.

https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/fuehrerschein-maenner-26-jahre-forderung-100.html (Öffnet in neuem Fenster)

Carbon dioxide emissions from plug-in hybrid (PHEV) cars are almost five times higher, on average, than official tests suggest, according to new data (Öffnet in neuem Fenster) published by the EU. The gap between PHEVs’ CO2 pollution in the real world and tests continues to grow despite carmakers’ claims that the technology has become cleaner. Earlier this month the European carmakers lobby demanded the EU cancel its efforts to better reflect hybrid emissions when calculating their progress towards climate targets.

https://www.transportenvironment.org/articles/plug-in-hybrids-now-emit-five-times-on-average-what-official-tests-claim-eu-data (Öffnet in neuem Fenster)

Die kostenlose hvv Custom App ist eine innovative Assistenz-App, die speziell für seh- und hörbehinderte Fahrgäste im hvv entwickelt wurde.

Ich habe sie bald im Podcast - in der Hoffnung, dass Hörende diese an ihre Verkehrsunternehmen weiter tragen!

https://vhh-mobility.de/custom-app/ (Öffnet in neuem Fenster)

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Gewerkschaft IG Metall drängen gemeinsam zu einer Abkehr vom hundertprozentigen Umstieg auf neue Elektroautos ab 2035. Weil die Rahmenbedingungen für den Umstieg noch ungenügend sind, halten die Verbände die von der Europäischen Union (EU) angestrebte Beschränkung auf CO2-emissionsfreie Autos ab 2035 nicht für erreichbar.

https://www.n-tv.de/ticker/VDA-und-IG-Metall-fordern-Abkehr-von-EU-Verbrennerverbot-article26026347.html (Öffnet in neuem Fenster)

Dazu erinnere ich gern an eine Podcastepisode aus 2022:

Christian Endt: Warum müssen wir 2025 aufhören, Verbrennerautos zu bauen?

https://katja-diehl.de/christian-endt-warum-muessen-wir-2025-aufhoeren-verbrennerautos-zu-bauen/?utm_source=steady&utm_medium=newsletter&utm_campaign=flauschis&utm_content=podcast (Öffnet in neuem Fenster)

"Die Pendlerpauschale soll auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer erhöht werden."

Bullshitbingo again. 40 % gehen an die 30 % mit den höchsten Einkommen. 60 % profitieren gar nicht von der Entfernungspauschale, da sie unter dem Werbungskostenpauschbetrag bleiben.

https://www.klima-allianz.de/presse/meldung/studie-entfernungspauschale-ungerecht-und-klimaschaedlich-breites-buendnis-fordert-abschaffung (Öffnet in neuem Fenster)

Grad beim Spaziergang "im Land" wieder gesehen. Ich sah ein pfiffiges Elektroauto! "Die Fahrzeuge sind im Kreisgebiet verteilt und festen Stationen zugeordnet, so dass Fahrten im Voraus geplant und reserviert werden können."

https://www.mobileeee.de/de/emsland (Öffnet in neuem Fenster)

Was alles so möglich wäre, Part XXVII.


Pressemitteilungen des VDV
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Allgemein,  10.09.2025
Zitat von Berends: „Aufnahme des Schienenbahnstroms logischer nächster Schritt“
Thema: Gefälschte Nachhaltigkeitsnachweise bei Biokraftstoffen/THG-Quoten

„Während gefälschte Nachhaltigkeitsnachweise bei Biokraftstoffen gravierende Lücken im Anrechnungssystem der THG-Quoten aufzeigen, ist der Bahnstrom aus dem deutschen Netz ein überprüfbarer, transparenter und fälschungssicherer Beitrag zum Klimaschutz. Die Aufnahme des Schienenbahnstroms in die THG-Quote wäre deshalb ein logischer Schritt – nicht nur zur Förderung sauberer Mobilität, sondern auch zur Vermeidung von Strafzahlungen auf EU-Ebene. Es gibt keine systematischen Betrugsrisiken beim Bahnstrom – dafür aber großes Potenzial für eine ehrliche CO₂-Einsparung.“

Und dann bin ich auf der Suche nach etwas ganz anderem auf dieses zwei Jahre alte Gruselstück gestoßen, das aus der Zeit stammt, wo Morddrohungen zu meiner Lebensrealität wurden. Ihr ahnt nicht, wer da mit eine Rolle spielte :D

https://youtu.be/kDmMOxC3xFk?si=ay3IgBqHMlza81NX (Öffnet in neuem Fenster)

Bleibt gesund und zuversichtlich!

Eure

Katja

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