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Ich habe so ein bisschen den VfL in der Heimat vermisst.

Es ist Montag, der 1. Juni 2026, und die liest die STOFFKUNDE, meinen wöchentlichen Trikot-Newsletter. Heute mit einem ausführlichen Sammlerportrait des STOFFKUNDE-Unterstützers und Fans des VfL Osnabrück, Daniel Kraemer.

Im Alter von 32 Jahren verlässt der gebürtige Osnabrücker Daniel Kraemer der Liebe wegen seine Heimatstadt und den heiß geliebten VfL Osnabrück, um sich mit seiner Frau im Rhein-Main-Gebiet niederzulassen. Doch weil er seinen Klub weit entfernt von daheim ein wenig vermisst, fängt er 2016 mit dem Trikotsammeln an und baut sich über die letzten zehn Jahre ein kleines eigenes Trikotmuseum auf. Die STOFFKUNDE hat ihn darin besucht.  

Trikotzimmer von Sammlern befinden sich entweder im Keller oder im Obergeschoss. Bei Daniel ist das Letztere der Fall. Und dafür, dass er erst vor zehn Jahren mit dem Sammeln von Trikots angefangen hat, sind in den Schränken und Regalen sehr viele Trikots verstaut. Zum Zeitpunkt meines Besuchs Anfang März sind es an die 600 Stück. Doch statt sich nur auf Trikots des VfL zu konzentrieren, hat er parallel auch eine Sammlung angefangen, Trikots von Spielern zu sammeln, die mal für den VfL Osnabrück gespielt haben. Die machen mittlerweile fast ein Drittel der Sammlung aus.

Doch wie hat das mit dem Trikotsammeln überhaupt begonnen?

„Ich bin in Osnabrück geboren und habe dort 32 Jahre gelebt und bin vor elf Jahren für meine Frau, die von hier kommt, nach Bad Nauheim gezogen. Da ich aber immer so ein bisschen den VfL in der Heimat vermisst habe oder die Heimat hier im Exil, habe ich dann irgendwann im Jahr 2016 angefangen, Trikots des VfL zu sammeln.“

Die ersten sechs Trikots kauft er einem ehemaligen Puma-Mitarbeiter ab. Darunter waren auch ein Trikot, das so nie rausgekommen ist, und zwei Matchworn-Trikots. Das Mustertrikot in dem Paket weckte seine Neugier und er begann zu recherchieren:

„Ich habe dazu mit dem Verein Kontakt aufgenommen und wollte wissen, worum es sich bei dem Trikot handelt. Das wäre eigentlich mal ein Torwarttrikot geworden, sollte aber ein Auswärtstrikot sein, aber es ist nie genommen worden. Da hatte ich mich dann das erste Mal so ein bisschen mit dem Thema Trikot beschäftigt. Und dann hat mich die Leidenschaft gepackt und die Sammlung ist gewachsen. Ich glaube, im ersten Jahr habe ich 60 Trikots dazubekommen und im zweiten Jahr 100.“

Das ist eines der Trikots, mit dem einst alles angefangen hat. Ein Mustertrikot, das allerdings nie umgesetzt wurde. Foto: Daniel Kraemer.

Eine richtige Sammlerstrategie hat Daniel am Anfang nicht:

„Erstmal habe ich so ein bisschen drauflos gesammelt. Mir kommt es nicht auf die Quantität an, sondern auf die Qualität. Ich möchte nicht unbedingt einen kompletten Mannschaftssatz zusammen haben, das brauche ich nicht. Mir reicht eins von jeder Art.“

Trotzdem sammeln sich mit der Zeit natürlich sehr viele Trikots aus der gleichen Spielzeit an. Die sind trotzdem jeweils unterschiedlich. Zum Beispiel Langarm- oder Kurzarmversionen oder Trikots mit Sonderpatches oder gar Trikots der Jugendmannschaft des VfL. Oder Trikots, die Daniel direkt von Spielern bekommen hat. Die kommen natürlich in die Sammlung und werden auch nicht abgegeben.

Und dann gibt es wie bereits angesprochen noch die zweite Linie der Sammlung  mit Trikots von ehemaligen VfL-Spielern. Und darunter finden sich mittlerweile Trikots von Spielern, die es in die USA oder nach Australien verschlagen hat. Es sind aber auch viele Trikots von Viertligisten dabei.  

„Das ist auch so eine Leidenschaft von mir, einfach mal zu gucken, wo gehen die hin, was ist interessant, wo habe ich eventuell Chancen, an ein Trikot zu kommen? Das ist genauso das, was mich am Sammeln fasziniert, diese Jagd nach den Trikots.“

Daniel hat engen Kontakt zu einigen aktuellen und ehemaligen Spielern vom VfL und er bekommt auf diese Weise immer wieder neue Trikots für seine Sammlung. Es ist ihm besonders wichtig, die Trikots, die er erhält, nicht einfach so anzunehmen.

„Mir ist es wichtig, dass ich was zurückgebe, wenn ich etwas bekomme, weil das ihre Trikots und ihr Eigentum sind. Ich möchte es nicht einfach geschenkt haben, sondern gerne etwas dazu beitragen oder mich revanchieren. Warum soll jemand was verschenken?“

In seiner Sammlung befinden sich auch einige besondere Einzelstücke, wie zum Beispiel das, was Sven Köhler im Spiel beim 1. FC Saarbrücken getragen hat.

„Der ist in der 20. Minute mit einem Gegenspieler zusammengerasselt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Da sind noch Blutspuren am Trikot und es wurde fachmännisch komplett aufgeschnitten, damit sie es ihm nicht über den Kopf ziehen mussten. So ein Trikot interessiert keinen normalen Fan, denn man kann es halt nicht mehr anziehen. Aber für mich als Sammler ist das natürlich ein einmaliges Sammlerstück, zu der es eine besondere Geschichte zu erzählen gibt.“

Das Spielertrikot von Sven Köhler aus dem Spiel beim 1. FC Saarbrücken, in dem er mit einem Gegenspieler zusammengerasselt ist und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Dort hat man das Trikot dann fachmännisch aufgeschnitten.

In seinem Trikotzimmer finden sich mittlerweile nicht nur Trikots, sondern natürlich auch viele andere VfL-Memorabilien. Alte Spielankündigungsplakate, die sehr schwer zu finden sind. Dazu hat er noch weitere Sammelfelder aufgemacht. Denn an der Wand hängen eingerahmte Torwandhandschuhe, selbstverständlich von Torhütern, die für den VfL gespielt haben. Und auch viele Spielbälle aus verschiedenen Saisons liegen in Vitrinen oder auf entsprechenden Ballständern im Trikotzimmer verteilt. Originalsitze oder die Querstrebe vom einsturzgefährdeten Dach im Stadion an der Bremer Brücke finden sich hier.

Daniel Kraemer vor einem Teil seiner Trikotsammlung. Und darüber eingerahmt eine Vielzahl von Torwarthandschuhen, die mittlerweile ebenfalls einen wichtigen Teil seiner Sammlung ausmachen.
Alte Spielankündigungsplakate von Spielen des VfL Osnabrück sind schwer aufzutreiben. Ein paar hat Daniel dann doch gefunden und in seinem Trikotzimmer im Obergeschoss seines Hauses in der Nähe von Bad Nauheim aufgehängt.

Fußball geschaut wird, trotz des vorhandenen Fernsehers im Trikotzimmer jedoch eher nicht. Entweder schaut er die VfL-Spiele zusammen mit seiner Frau im Wohnzimmer oder am liebsten im Stadion.

„Die Stimmung an der Bremer Brücke ist so gut, da macht es einfach Spaß, hinzufahren. Deswegen habe ich jetzt seit drei Jahren auch wieder eine Dauerkarte. Zudem versuche ich, hier im Süden alle Spiele mitzunehmen.“

Außer dem VfL schaut er aber fast gar keinen anderen Fußball mehr.

„Ich habe so ein bisschen den Zugang zum Fußball verloren, also zu allem anderen als dem VfL. Ich gucke kaum noch National-mannschaft oder die Bundesliga, weil es mich nicht interessiert. Weil meine Frau der Eintracht zugeneigt ist, bin ich ab und zu mal da im Stadion, aber ansonsten ist für mich dieser Kommerz im Fußball schon schwierig.“

Angefangen hat seine Liebe für den VfL Osnabrück Mitte der 90er Jahre.

Meine erste Saison, in der ich auch alleine ins Stadion gegangen bin, war die Saison 1995/96, da war ich 14, 15 Jahre alt. Ich war zwischendurch auch Mitglied in einem Fanclub und stand aushilfsweise mal an der Trommel. Um das Jahr 2003 habe ich mich, aufgrund mehrerer Faktoren, etwas vom VfL zurückgezogen und bin dann für drei, vier Jahre stattdessen nach Bremen gefahren.“

Eine große Rivalität gibt es zu Werder nicht. Für viele Osnabrücker ist Bremen neben Dortmund der nächstliegende Standort, um Bundesliga-Fußball zu sehen. Nicht so friedlich geht es allerdings zwischen Osnabrück und Preußen Münster zu. Für Daniel nimmt diese Rivalität zueinander mittlerweile Formen an, die einfach nicht mehr in Ordnung sind. Weshalb es vielleicht ganz gut ist, wenn beide Mannschaften nach dem Aufstieg des VfL in die 2. Liga und dem Abstieg der Preußen in die 3. Liga auch zukünftig weiter in getrennten Ligen unterwegs sind.

Die Antwort auf die Frage, welcher der Trikotsponsoren des VfL sein liebster ist, hat für Daniel ebenfalls einen sehr persönlichen Bezug:

„Herforder Pils! Die waren lange Jahre da und ich verbinde wirklich viel meine Jugend mit dieser Zeit und dem Sponsor.“

Da die Warsteiner Brauerei, der die Marke Herforder seit vielen Jahren gehört, die Marke nun Medienberichten nach aufgeben will, werden Trikots mit diesem Sponsor in Zukunft sicher eher an Wert zunehmen. Aber abgeben wird Daniel davon wahrscheinlich ohnehin keins, egal, was sie einmal wert sein könnten.

Diverse Originalspielbälle aus unterschiedlichen Spielzeiten gehören ebenfalls zur Sammlung von Daniel. Im Hintergrund ein VfL-Trikot mit seinem Lieblingssponsor "Herforder Pils".

Ihr könnt Daniels Trikotsammlung auf seiner Website vfl1899.de (Öffnet in neuem Fenster) bewundern. Oder folgt ihm auf Instagram unter @vfl1899.de_trikotsammlung (Öffnet in neuem Fenster).

Daniel ist Unterstützer der STOFFKUNDE und hat mein Ultra-Paket (Öffnet in neuem Fenster) gebucht, in dem neben der Auswahl von einem meiner Bücher auch ein Sammlerportrait wie dieses enthalten ist. Dieses Unterstützer-Angebot wird es auch nach der Sommerpause weitergeben. Ab Anfang Oktober dann auch mit der Neuauflage von „Das Gladbach-Trikot von 1900 bis heute”.

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Letzten Mittwoch ist meine aktuelle Podcastfolge mit Gunnar und Chris von der Trikot-Community-Plattform Hyfe (Öffnet in neuem Fenster) erschienen.

Auf Hyfe (Öffnet in neuem Fenster) könnt ihr eure Sammlung in digitalisierter Form hochladen und präsentieren. So findet ihr dort zum Beispiel auch weitere Trikots des VfL Osnabrück. Wie zum Beispiel das Trikot von Dennis Schmidt aus der Sammlung von Ex-Profi Julian Schauerte, der zusammen mit Schmidt in der Jugend von Bayer 04 Leverkusen spielte, wie er im Beitrag zum Trikot erzählt.

https://app.hyfe.digital/item/vf_l_osnabruck_trikot_von_dennis_schmidt (Öffnet in neuem Fenster)

Registriert euch noch heute und erstellt euer Sammlerprofil und tauscht euch mit anderen Sammlern aus. Habt ihr noch Fragen zu Hyfe, dann hört euch die besagte Podcastfolge an oder lest meinen entsprechenden Sonder-Newsletter (Öffnet in neuem Fenster) dazu. Danach wisst ihr alles, was ihr zu Hyfe wissen müsst, und ob ihr euch genug angezogen fühlt, eure Trikots und Sammlungen dort zu präsentieren.

Speziell für Sammler, die den Aufwand der Erstellung einer eigenen Website scheuen oder sich auf Social Media nicht wohlfühlen, ist Hyfe eine spannende Alternative. Und für alle anderen, die überall präsent sein wollen, sowieso.

Nächste Woche Montag erscheint die letzte reguläre wöchentliche STOFFKUNDE-Newsletter-Ausgabe vor der Sommerpause und am kommenden Mittwoch die letzte Interviewfolge der ersten STOFFKUNDE-Trikot-Podcast-Staffel mit dem Afrika-Trikotexperten Daniel Haas.

Bis dahin
Herzlichst, euer Steve



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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