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StreetLetter #18: Instagram – und seine Alternativen

Ich trink mein Bier nicht gerne in Nazikneipen. Deshalb habe ich vor einiger Zeit das Netzwerk verlassen, das einmal Twitter hieß, es war nicht mehr auszuhalten. Ich treibe mich nun meist auf Bluesky herum, wo eine sehr angenehme Atmosphäre herrscht und sich auch immer mehr Fotografen einfinden. Zur Orientierung empfehlen sich dort die “Starterpacks”, mit denen man Accounts zu bestimmten Themen findet. Und ab und zu bin ich auch auf Mastodon unterwegs.

Mir gefällt der Gedanke eines Netzwerks, dessen Algorithmen nicht von der Tageslaune ketaminsüchtiger Milliardäre mit der sittlichen Reife von Elfjährigen abhängen. Ihr ahnt, worauf ich hinauswill: Meta ist keine zuverlässige Plattformbetreiberin, und Instagram, wo die meisten von uns sich vernetzen, gehört nun einmal zu Mark Zuckerbergs Unternehmen.

Ich würde lieber heute als Morgen meine Zelte dort abbrechen. Ich habe schon oft mit Insta gehadert (Öffnet in neuem Fenster), aber noch verbindet uns eine intensive Hassliebe. Dinge wurden getestet, Dinge wurden umgesetzt oder nicht, und immer habe ich das Gefühl, so wie ich die App nutze, ist es Meta gar nicht recht, weshalb ich dauernd zu irgendwas umerzogen werden soll.

Na, das sieht ja richtig super aus. Nicht.

Nun wurde auch noch die Quadratkachel, das “Grid”, auf hochformatige Rechtecke umgestellt. Am Sonntag begrüßte mich bei einem Termin ein mir bekannter Pressefotograf mit den Worten: “Sach ma, Instagram, haben die Fensterkitt geraucht?” Von anderen bekam ich Nachrichten, die zwischen Haß und Leid schwankten. Einige haben ihre Seite dort “wie ein Bonsaibäumchen gepflegt”, wie es Thomas Jones gerade in einem Video ausdrückte (Öffnet in neuem Fenster), und sind verständlicherweise sauer.

Das einzige, was hilft, ist, jedes einzelne Bild anzuklicken, auf die drei Pünktchen oben rechts zu gehen, “Einpassen” auszuwählen, zu bestätigen und wieder zurück zum Grid zu gehen, was für jedes einzelne fucking Bild fünf Klicks bedeutet. Danke für nichts, ey.

Das, was Bluesky für Twitter ist, nämlich der bessere, angenehmere, aber trotzdem absolut nicht langweiligere Ort zu sein, genau das bräuchten wir auch für Insta. Die gute Nachricht ist: Man arbeitet daran. Weil das aber keine milliardärsbefeuerten Entwicklungsteams sind, sondern kleine Unternehmen oder gar Einzelkämpfer, dauert das seine Weile.

Ein Projekt ist "Pixelfed” (Öffnet in neuem Fenster), das aus dem Mastodon-Umfeld stammt. Bisher nutzte man es mit der App “Impressia”, seit einer Woche etwa gibt es eine App für iOS. Sagen wir so: Wenn es nicht so langsam wäre, wäre es eigentlich sehr brauchbar. Aber es ist noch fürchterlich buggy. Geben wir der Sache noch etwas Zeit.

Dann gibt es das Projekt “Flashes” (Öffnet in neuem Fenster). Der Bluesky-Nutzer Sebastian Vogelsang, der die App “Skeets” programmiert hat, hatte die Idee zu einer Art ausgegliedertem Bluesky-Fotostream, und sagen wir so: Das Interesse explodierte ihm förmlich ins Gesicht.

Die nächste Alternative klingt sehr vielversprechend, nämlich die App “Foto” (Öffnet in neuem Fenster). Sie scheint diejenige zu sein, die sich am ehesten an fotografisch interessierte Menschen wie uns richtet. Es wird einige Pro-Features geben, die dann auch Geld kosten, etwa eine Portfolio-Funktion, Cloud-Speicherplatz und die implementierte Möglichkeit, Posts zu terminieren. Sagen wir so: Wenn ich ein gutes Produkt bekomme, bin ich sehr bereit, auch Geld dafür zu bezahlen.

Sobald die Portfolio-Option implementiert ist, soll die App öffentlich launchen – momentan ist sie noch in der Beta-Testphase, und wer ein Android-Handy hat (ich leider nicht), kann sich auch noch dafür anmelden. Es wird Tags geben, diverse Feeds und Features, und ich bin sehr gespannt. In ein bis zwei Wochen, so steht es auf Instagram, soll die App in die App-Stores kommen.

thefotoapp (Öffnet in neuem Fenster)

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Und dann, ich sag es immer wieder gern, haben wir noch Flickr. Eigentlich bietet Flickr so viel, die Bilder sehen top aus, aber wir undankbares Volk haben es nie wirklich geschätzt und sind weitergezogen zum next shiny thing. Ich zahle für Flickr, ich nutze den Cloud-Speicherplatz (Öffnet in neuem Fenster)und finde es wahnsinnig praktisch, meine Bilder immer dabeizuhaben und jederzeit auch aufs Handy herunterladen zu können. Man müßte die Foren halt wiederbeleben, Gruppen gründen, die Plattform nutzen. Bis dahin freue ich mich über jeden, der Formate wie Newsletter oder Podcasts füllt, die nicht auf irgendwelchen Höllenplattformen stattfinden. Man ist dort einfach zu ausgeliefert.

Links

  • Teju Cole schreibt “In Praise of the Photobook” (Öffnet in neuem Fenster) auf dem Mack-Verlagsblog: “I take a photobook off the shelf and spend twenty or thirty minutes with it, and this relatively brief immersion provisionally repairs the world.”

  • In Barcelona findet gerade eine große Ausstellung mit Fotos von Sebastião Salgado statt. Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan, und in einem Guardian-Artikel steht warum (Öffnet in neuem Fenster): “Personally, I just can’t understand why a person in the 21st century would want to take photos as if they were in the 19th century … other than some kind of fetish for colonialism.”

Terminkalender

Die guten Bilder

oliverjockers (Öffnet in neuem Fenster)

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(Es heißt Schneidhain. Sonst aber Spitzenbild!)

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karl_baden (Öffnet in neuem Fenster)

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begoama (Öffnet in neuem Fenster)

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