Zum Hauptinhalt springen

DER GANZE TATORT IST EIN SPIEL, 2. AKT

TV-KRITIK (Öffnet in neuem Fenster)

Nach München zur “Weihnacht” (Öffnet in neuem Fenster) geht es nun im Tatort aus Köln zum späten Neujahr auf die Bretter, die die Welt (be)deuten. Jedenfalls mehr oder weniger, denn es geht vom Theater zur Oper. Also auf (und unter) lautere Bretter. Und weil Köln nun einmal Köln ist (Öffnet in neuem Fenster), gibt es dort derzeit gar zwei Opernhäuser. Was auch den Freddy Schenk-Darsteller Dietmar Bär begeistert:

Oper! Die Welt der großen Gefühle! Bombastische Musikerlebnisse, Bühnenbilder, Kostüme! Die Stimmen! Ein besseres Dreh-Motiv gibt’s nicht. Und in Köln setzen wir noch einen drauf: Wir haben ja momentan ZWEI Opernhäuser!

Die Mordkommission ermittelt in der Kölner Oper. Die Oberspielleiterin Jenny Ibsen (Mareile Blendl) versucht die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r) so gut wie möglich zu unterstützen // © WDR/Thomas Kost
Die Mordkommission ermittelt in der Kölner Oper. Die Oberspielleiterin Jenny Ibsen (Mareile Blendl) versucht die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r) so gut wie möglich zu unterstützen // © WDR/Thomas Kost

Zur Handlung:

Der Opern-Intendant Darius Henning (Stephan Grossmann) ist außer sich. Mitten in den Endproben für die Premiere von Joseph Haydns Die Schöpfung wird in seinem Haus eine schockierende Entdeckung gemacht: Elli Zander, eine Mitarbeiterin der Requisite, wurde erschossen aufgefunden. Sie trägt ein Kleid aus dem Kostümfundus. Und ihr Körper wurde drapiert – wie für eine Opern-Inszenierung. Als Rüstmeisterin war Elli Zander (Ines Lutz) auch verantwortlich für die Kammer mit Waffenattrappen der Oper. Tatsächlich fehlt dort eine Schusswaffe. Eine erste Spur führt die Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zum Countertenor David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol). Doch er ist unauffindbar. Da geschieht ein zweiter Mord...

Die KTU-Leiterin Natalie Försten (Tinka Fürst) hat den zweiten Leiche untersucht. Und auch hier ist der Fundort nicht Tatort, erklärt sie Kommissar Freddy Scheink (Diermar Bär). Bei dem Toten handelt es sich um den Schuhmacher Willi Köpke (Aljoscha Stadelmann).

© WDR/Thomas Kost
Die KTU-Leiterin Natalie Försten (Tinka Fürst) hat den zweiten Leiche untersucht. Und auch hier ist der Fundort nicht Tatort, erklärt sie Kommissar Freddy Schenk (Diermar Bär). Bei dem Toten handelt es sich um den Schuhmacher Willi Köpke (Aljoscha Stadelmann) // © WDR/Thomas Kost

…das klingt der Münchener Handlung recht ähnlich - was es ist, wie auch in der Rollenaufteilung und Figurenkonstellation (etwas weniger Verbotene Liebe allerdings). Nun gehört Mord zum Geschäft (Öffnet in neuem Fenster) des Tatort (Ausnahmen wie der jüngste Murot bestätigen die Regel (Öffnet in neuem Fenster)), wie der Küngel zu Köln. Ebenfalls ähnlich dem Verlangen aus München ist der Tatort: Die Schöpfung sehr gut besetzt (u. a. noch Katja Bürkle, Hannah Schiller, Mareile Blendl, Dagmar Operskalski, Aljoscha Stadelmann, …) und gespielt sowie bisweilen äußerst stimmungsvoll inszeniert (Regie: Torsten C. Fischer, zuletzt bspw. Tatort: Erika Mustermann (Öffnet in neuem Fenster)) und mit einigem (Meta-)Witz ausgestattet (Drehbuch: Wolfgang Stauch).

Bester Auftritt:  Eva Krüger (Katja Bürkle), das Schweizer Taschenmesser der Oper, auf mobiler Couch // © WDR/Thomas Kost
Bester Auftritt: Eva Krüger (Katja Bürkle), das Schweizer Taschenmesser der Oper, auf mobilder Couch // © WDR/Thomas Kost

Allerdings ist er genauso langatmig und gar noch vorhersehbarer. Euer erster Verdacht, wer hier der*die Täter*in sein könnte, dürfte zutreffen. Falsche Fährten werden so lahm gelegt, dass selbst die betulich-dödeligen Watzmann ermittelt-Leute gähnen dürften. Ein melodramatisches Ende vermittelt zudem eine müde Moral, die keiner guten Oper gerecht wird.

David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol) und Valerie Schmitt (Hannah Schiller) proben gemeinsam für eine Metal-Oper // © WDR/Thomas Kost
David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol) und Valerie Schmitt (Hannah Schiller) proben gemeinsam für eine Metal-Oper // © WDR/Thomas Kost

Dennoch ist der Film keine Qual, er kann so vor sich hin plätschern. Liebevoll scheint das alles, immerhin. Doch gemessen an den bisherigen Tatort- und Polizeiruf 110-Filmen von Fischer und Stauch ist diese Schöpfung wohl eher eine gemütliche Fingerübung in seichter Bequemlichkeit.

AS [mit Pressematerial]

PS: Der Reiz in den Häusern zu drehen (zumal im Umbau- und Probenzeiten) erschließt sich mir hingegen total. Das ist sicherlich eine feine Erfahrung. Zu gern würde ich einmal einen Kammer-Krimi im Literarischen Colloquium Berlin (Öffnet in neuem Fenster) schreiben und inszeniert sehen.

IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (Öffnet in neuem Fenster) oder auf Facebook (Öffnet in neuem Fenster). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (Öffnet in neuem Fenster), durch unseren Merch stöbert (Öffnet in neuem Fenster) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

Das Erste zeigt den Tatort: Die Schöpfung am Sonntag, 11. Januar 2026, um 20:15 Uhr, one um 21:45 Uhr; anschließend ist der Film für zwölf Monate in der ARD-Mediathek verfügbar (Öffnet in neuem Fenster).

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/d5bdfb68-5bc8-4289-ae1d-5db828a73446 (Öffnet in neuem Fenster)

Kategorie Film & Serie

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von the little queer review und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden