Newsletter #9 / “Ihr seid viel entspannter als in Berlin…”
Zwei Boomer überwintern am anderen Ende der Welt

Hola Amigas und Amigos!
Barbara schickte uns eine mail mit diesem wunderbaren Satz, den wir gleich zur Überschrift für diesen Newsletter erkoren haben. Das Merkwürdige an Zuständen ist ja, dass andere sie meistens besser beurteilen können als die betreffende Person selbst. Und ja, wir sind relativ entspannt. Wir arbeiten genug, sind viel draußen, zeitig im Bett, aber vermissen Deutschland nicht so doll. Dinge werden egaler, auch die Politik. Kein Mensch hier weiß, wer Friedrich Merz ist. Uns wird klar, wie speziell manche Debatte ist, die in Berlin mit Inbrunst geführt wird. Sind wir deswegen ignorant? Nee, wir verorten uns und unsere Heimat im globalen Miteinander. Und stellen fest, dass man sich in Deutschland sehr viel wichtiger fühlt als unser Heimatland wirklich ist. Wie von Barbara gelernt - von außen lassen sich Dinge manchmal klarer beurteilen.
Gefehlt
Unsere FreundInnen fehlen uns natürlich und unsere Söhne erst recht, zumal der Kleine seine theoretische Fahrprüfung bestanden und seine Lehre begonnen hat und obendrein mit einer Party unsere Wohnung nicht verwüstete. Gelassenheit ist eine wichtige Voraussetzung fürs Weitwegsein. Wer sich um seine Immobilie sorgt, wir kaum loslassen mögen. Wir schätzen unsere Altbauwohnung, die aber ohnehin mal durchrenoviert gehört. Insofern: egal. Und da wir das gesamte Sortiment an Berliner Winterdramen bereits ein dutzendmal live miterleben durften, hält sich unser Heimweh in Grenzen. Eine ziemlich lustige Zwischenbilanz gibt´s für unsere steady-Unterstützer. Im Bonus-Podcast berichten wir über unsere biggest fails bisher.
2. Geschifft
Die Fähre ist hier in Patagonien ein ganz normales Verkehrsmittel. Brücken sind teuer, Straßen auch, also werden einige Abschnitte der Panamericana mit dem Schiff absolviert. 100 Kilometer dauern schon mal sechs Stunden, was wir aber sehr zu schätzen gelernt haben. Denn erstens mögen wir Fähre fahren, zweitens sieht die Welt vom Wasser majestätischer aus und drittens, das sagen wir jetzt etwas exklusivitätsarrogant, sorgen Fähren gerade im Zusammenspiel mit Schotterstraßen dafür, dass nicht so viele Menschen rasend schnell unterwegs sind. Fähren sind also Wirtschafts- und Tourismus-Entschleuniger. Wir begrüßen das ausdrücklich.
3. Gewedelt
Hajo ist relativ eisern fast jeden Morgen mit seiner Gymnastik beschäftigt. Er schiebt fürchterliche Panik, dass ihn sein Kickbox-Trainer Bujar nach Rückkehr wegen Formschwäche tadelt. Doch dann kam Robin, kein hübscher, aber ein sehr anhänglicher Hund, der alles unternahm, um den Frühsport zu sabottieren. Suse, die an akuter Sportallergie leidet, hat vom Bett aus gefilmt und sich königinnenlich beömmelt. Das Video ist unseren steady-Freunden vorbehalten.
4. Gegeiert
Chiles Krähen heißen Kondor, Raben- und Truthahngeier und sind mindestens so häufig wie die verschiedenen Caracara-Arten. Meist kreisen sie in Gruppen stundenlang mit der Thermik am Himmel und wecken in uns unschöne Gedanken: Wirken wir von da oben wie verendende Tiere? Geier, die in Chile überall rumflattern, sind in Deutschland rar. Seit 2021 werden Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert. Es handelt sich um ein bösartiges Gerücht, dass sie umgehend der CSU beitreten. Diese beeindruckenden Vögel sind alles andere als grausam und blutrünstig, sie fressen fast ausschließlich Aas und verhindern dadurch die Ausbreitung von Krankheiten.
5. Gesucht
Google Maps ist ja recht zuverlässig. Aber den eingezeichneten Käseladen haben wir trotzdem erst beim dritten Vorbeigehen gefunden. Der Shop bestand aus einem Brett auf einer kleinen Veranda. Auf dem Brett - Käse. Hinter dem Brett - ein junger Mann, der kurz vom Smartphone aufblickte, als wir in fließendem Spanisch “Queso” verlangten. Das Produkt - geschmacksneutral. Halt gut zum Überbacken.
6. Gesponnen?
Natürlich starren wir Landratten unentwegt aufs Meer. Die Wale, diese Schweine, stehen schließlich tief in unserer Schuld. Sie zeigen sich einfach nicht. Uns würde schon eine Delfinflosse genügen. Oder ein Seelöwe. Ist ja schon wieder 24 Stunden her, dass wir die letzten sahen. Nach etwa acht Minuten Aufs-Meer-Starren erleben wir das Phänomen der Maritimen Fata Morgana. Wir sehen Sachen in den Wellen. Hajo hat neulich zum Beispiel einen Hai entdeckt, obwohl es hier gar keine gibt. Suse dagegen ist fest davon überzeugt, dass sie einen Pinguin gesehen hat, der sich ganz dicht neben dem Bug der fahrenden Fähre befand. Hm, is´klar.
Herzlichst, Suse und Hajo
PS. Zum Schluss hammerharte Eigenwerbung: Suse ist mit ihrem Newsletter Eulenpost zu Steady umgezogen. Da geht´s um Psychologie und Naturtherapie, Waldwissen und Coaching sowie die Termine für ihre Waldtage und Waldcoaching-Seminare in der ersten Hälfte des neuen Jahres.