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KW 51 | 2025

Liebe Leserin, lieber Leser,

Künstliche Intelligenz wird häufig als technologische Revolution beschrieben. Doch ihr eigentlicher Hebel liegt nicht im Code, sondern im Menschen. Ein Blick auf aktuelle Arbeitsmarktstudien zeigt sehr deutlich, wie tiefgreifend dieser Wandel inzwischen wirkt.

Erstens: KI verändert Arbeit nicht nur, sie verdichtet sie. Routinetätigkeiten werden automatisiert, scheinbar einfache Aufgaben verschwinden. Doch die freiwerdende Zeit bleibt nicht leer. Sie wird gefüllt mit neuen Anforderungen: mehr Verantwortung für Bewertung, Kontrolle und Entscheidungen, höheres Tempo, komplexere kognitive Arbeit. Arbeit wird also nicht weniger, sondern anders und für viele auch anstrengender.

Zweitens reagiert der Arbeitsmarkt zunehmend auf KI. Gesucht wird allerdings nicht „die KI“, sondern Menschen, die mit KI arbeiten können. Die Nachfrage richtet sich auf Kompetenzkombinationen: auf die Verbindung von fachlichem Domänenwissen, Prozessverständnis, Urteilskraft und der Fähigkeit, KI sinnvoll einzubetten, zu steuern und kritisch zu bewerten. KI-Kompetenzen allein reichen nicht aus; ihren Wert entfalten sie erst im Zusammenspiel mit Erfahrung und Expertise.

Drittens zeigen sich die Spannungen dieses Wandels besonders deutlich im generationellen Vergleich. Ältere Beschäftigte verfügen häufig über gewachsenes Erfahrungs- und Domänenwissen – ein Polster, das Sicherheit gibt. Sie können KI eher als Ergänzung ihrer Expertise nutzen, als unterstützendes Werkzeug. Für jüngere Beschäftigte stellt sich die Situation oft anders dar. Ihnen fehlt dieses Erfahrungspolster noch. Sie befinden sich mitten im Aufbau ihrer beruflichen Identität und erleben gleichzeitig, dass genau in dieser Phase Routinen automatisiert werden und Erwartungen an Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit und Selbstlernen massiv steigen. Für viele junge Erwachsene wird KI - so die F.A.Z. (Opens in a new window) - zum Stressfaktor, im Arbeitsalltag ebenso wie bei der eigenen Weiterbildung. Die Frage „Was macht mich eigentlich beruflich handungsfähig?“, stellt sich neu und häufig verunsichernd. Wo Erfahrungswissen noch nicht gewachsen ist und Orientierung fehlt, besteht die Gefahr, stärker auf Technologie angewiesen zu sein, statt sie souverän zu nutzen.

Der eigentliche Hebel der KI-Transformation liegt deshalb nicht in der Technologie, sondern darin, das Lernen, Arbeiten und Leben mit KI gut und verantwortungsvoll zu gestalten.

Das originäre Feld für Erwachsenenbildung.

Doch Bildungsorganisationen sind selbst Arbeitsorganisationen. Auch hier erleben viele Mitarbeitende keine Entlastung durch KI, sondern eine weitere Verdichtung von Arbeit, steigende Erwartungen und wachsenden Zeitdruck. Und das alles mit knapperen Budgets.

Wenn Weiterbildung eine tragende Rolle im gesellschaftlichen Wandel übernimmt, dann braucht es auch tragfähige Bedingungen für diejenigen, die diesen Wandel begleiten.

Für die kommenden Feiertage wünschen wir Ihnen Zeit zum Innehalten und für das neue Jahr Gesundheit und gute Rahmenbedingungen für alles, was Sie gestalten.

David Röthler, Christiane Carstensen und Sonya Dase

51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Milenu (Opens in a new window) und Dase & Carstensen (Opens in a new window).
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Was Sie im aktuellen Infobrief erwartet:

  • Datenschutzkonforme KI mit eigenen Dokumenten auch für kleinere Organisationen ohne große IT

  • Das neue Manus 1.6: KI-Fingerübung mit Wow-Effekt

  • Das neue Chat GPT Images ist da

  • Lesetipp: Spannendes Essay im Chronicle of Higher Education

  • Termin-Übersicht zu Workshops, Tagungen und Events rund um KI

Datenschutzkonforme KI mit eigenen Dokumenten auch für kleinere Organisationen ohne große IT

Das Handbuch Datenschutzkonform mit den eigenen Dokumenten sprechen – So setzt man ein RAG-System auf (Opens in a new window) wurde vom International Alumni Center (iac) Berlin herausgegeben. Es beschreibt, wie auch kleine und mittlere Organisationen ein KI-gestütztes System aufbauen können, das Fragen in natürlicher Sprache beantwortet und dabei ausschließlich auf die eigenen internen Dokumente zurückgreift. Durch den RAG-Ansatz wird das Risiko von Halluzinationen reduziert, weil die KI ihre Antworten aus einer kuratierten, organisationsinternen Wissensbasis bezieht und diese nachvollziehbar macht. Zugleich zeigt das Handbuch, dass für die Umsetzung keine große IT-Abteilung erforderlich ist; ein überschaubares Maß an technischem Know-how und kleine IT-Strukturen reichen aus.

Das neue Manus 1.6: KI-Fingerübung mit Wow-Effekt

Gestern ist Manus 1.6 (Opens in a new window) erschienen und wir haben es direkt auf die Probe gestellt. Mit einem bewusst unsauber formulierten Prompt, ganz ohne jeden Feinschliff.

Das Ergebnis: Innerhalb kürzester Zeit entstand eine funktionierende App zur Raum- und Einsatzplanung.

Die App übernimmt u.a.

  • automatische Konflikterkennung in der Raumbelegung

  • Hinweise auf Überbelegungen

  • Erkennung von Doppelbuchungen bei Dozenten

Manus agiert nicht lediglich als klassischer „Code-Schreiber“. Das Modell arbeitet agentisch: Es versteht Anforderungen, erkennt Zusammenhänge und setzt Lösungen strukturiert und selbst bei unpräzisen oder unvollständigen Vorgaben eigenständig um.

Schauen Sie gerne selbst rein: Die Anwendung erstellt automatisch filterbare PDF-Übersichten nach Räumen, Kursen und Dozenten. Hier geht es zu (Opens in a new window)r App.

Wenn ein Quick-&-Dirty-Prompt schon zu so einem Ergebnis führt, möchten wir gar nicht wissen, was mit einem durchdachten Prompt möglich ist.

Wer hier weiterdenkt, merkt schnell: Das stellt klassische Programmier- und IT-Kurse ebenso infrage wie viele heutige E-Learning-Konzepte.

Das neue Chat GPT Images ist da

OpenAI hat gestern offiziell die neue Version von ChatGPT Images vorgestellt. Im Vergleich zur vorherigen Version liefert es laut OpenAI:

  • bis zu 4 × schnellere Bildgenerierung, was Iteration und kreative Experimente deutlich beschleunigt,

  • präzisere Ergebnisse, die besser auf die gestellten Anweisungen reagieren,

  • verbesserte Bearbeitung bestehender Bilder, z. B. Elemente hinzufügen, entfernen oder stilistisch transformieren – ohne wichtige Details zu verlieren,

  • stärkere Textdarstellung in Bildern, was besonders für Infografiken, Diagramme und Designs hilfreich ist. 

Ein großer Vorteil der neuen Version sei die deutliche Verbesserung bei Infografiken und visuellen Text-Layouts.

Zudem sind die Bearbeitungsfunktionen stark erweitert worden:
✔ Elemente kombinieren oder ersetzen
✔ Stile und Layouts ändern
✔ neue Ideen direkt aus bestehenden Bildern entwickeln

Mit dem neuen Update will Chat GPT Images wieder näher an andere Top-Modelle wie Google Gemini 3.0 und das Nano Banana Pro-Tool heranrücken. Business Insider (Opens in a new window)

Lesetipp: Chronicle of Higher Education

In seinem Essay Stop Pretending You Know How to Teach AI (Opens in a new window) im renommierten Chronicle of Higher Education trifft Justin Reich vom MIT einen Nerv. Er verwirft den Begriff AI Literacy nicht, im Gegenteil: Die Idee, sich systematisch mit Kompetenzen im Umgang mit KI auseinanderzusetzen, erscheint sinnvoll und notwendig. Doch der Text stellt eine provokante Frage:

Woher nehmen wir eigentlich die Gewissheit, dass wir bereits wissen, was genau diese Kompetenz sein soll?

Schon frühere Versuche, neue Technologien pädagogisch zu normieren, etwa unter dem Label Digital Literacy, haben gezeigt, wie schnell wohlmeinende Begriffe erstarren können, ohne der tatsächlichen Praxis gerecht zu werden. Bei KI verschärft sich dieses Problem, weil die Entwicklung schneller, die Anwendungsformen unübersichtlicher und die gesellschaftlichen Effekte schwerer vorhersehbar sind als je zuvor.

Der Text liest sich deshalb weniger als Absage an AI Literacy denn als Plädoyer für epistemische Bescheidenheit. AI Literacy als Diskussionsraum, als Reflexionsangebot, als offenes Suchfeld – ja. AI Literacy als vorschnell definierte Kompetenz, die sich bereits curricular festzurren lässt? Besser nicht.

Terminübersicht zu KI und Erwachsenenbildung

Eine Terminübersicht zu Fortbildungen, Events und Tagungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund um KI, Erwachsenenbildung und Bildungsmanagement finden Sie hier. (Opens in a new window)

Neu hinzugefügte Termine:

09.01.26
Überraschend einfach - KI-Assistenten für Planung und Entwicklung (Opens in a new window)
Workshop für Führungskräfte in der Erwachsenenbildung
Dase & Carstensen
10-16 Uhr in Bielefeld

05.–07.03.26
KI im Sprachunterricht: (Opens in a new window)
Werkzeuge und Methoden für Trainerinnen und Trainer (Opens in a new window)
Chancen und Grenzen der KI-gestützten Sprachvermittlung
bifeb, Strobl am Wolfgangsee

18.20.05.26
re:publica (Opens in a new window)
Berlin

22.24.06.26
University:Future Festival (Opens in a new window)
Hybrid

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