
Liebe Leserin, lieber Leser,
normalerweise blicken wir in diesem Newsletter weder besonders weit in die Zukunft noch allzu weit über den Tellerrand hinaus. Unser Fokus liegt auf dem, was heute für Bildungspraxis und Führung relevant ist. Die CES in Las Vegas ist jedoch jedes Jahr ein guter Anlass, dieses Prinzip bewusst einmal zu durchbrechen. Der prägende Wow-Moment der CES 2026 ist die Robotik. Sie ist seit Jahren ein großes Versprechen, doch erstmals zeigt sich klar, warum dieses Versprechen nun greifbarer wird: Mehrere Schlüsseltechnologien kommen zusammen und verstärken sich gegenseitig.
Eine Schlüsselrolle in dieser Entwicklung spielen die sogenannten Visual Language Action Models/VLAs. Sie bilden gewissermaßen das Gehirn der neuen Roboter. VLAs ermöglichen es Maschinen, visuelle Informationen mit Sprache zu verknüpfen und daraus konkrete Handlungen abzuleiten. Ein Satz wie „Bring mir den roten Apfel vom Tisch“ wird analysiert, das Objekt erkannt, die Handlung geplant und ausgeführt. Was früher mühsam programmiert werden musste, kann heute in natürlicher Sprache vermittelt werden.
Damit Roboter zuverlässig in der Welt agieren können, müssen sie lernen. Das geschieht heute nicht mehr primär durch individuelles Training einzelner Maschinen, sondern über skalierbare Lernsysteme. Simulationen helfen dabei, das Grundverständnis von Bewegung, Raum und Interaktion zu beschleunigen. Doch ein einzelner Roboter sammelt bei weitem nicht genug Daten, um daraus robuste Modelle für alle Szenarien zu entwickeln. Genau deshalb entsteht derzeit eine neue Infrastruktur: Plattformen, auf denen Roboterdaten aus unterschiedlichsten Kontexten gesammelt, standardisiert und ausgewertet werden. Diese Datenplattformen sind das neue Betriebssystem der Robotik und der vielleicht umkämpfteste Markt im Moment. Wer diese Infrastrukturen kontrolliert, bestimmt die Geschwindigkeit des Fortschritts.
Erfolgreiche Anbieter setzen deshalb auf Schwarmlernen: Tausende Roboter sammeln in Fabriken, Lagern, Testhaushalten gemeinsam Erfahrungen. Was ein Roboter lernt, steht allen zur Verfügung. Es geht nicht mehr um die Intelligenz einzelner Geräte, sondern um kollektives maschinelles Lernen in Echtzeit.
Besonders viel Aufmerksamkeit richtet sich derzeit auf den Bereich des taktilen Lernens. Roboter können sehen, aber sie spüren bislang noch nicht zuverlässig genug, wie fest sie greifen dürfen oder wie sich ein Stoff im Vergleich zu Glas oder Kunststoff verhält. Dabei ist genau das entscheidend für sicheres Handeln im Alltag.
Ob Roboter heute schon verlässlich arbeiten können, hängt zudem stark von ihrer Umgebung ab. In klar strukturierten Bereichen, etwa in der Industrie, Logistik oder Medizin, funktioniert Robotik bereits hervorragend. Hier sind Abläufe standardisiert, Lichtverhältnisse konstant, Sicherheitszonen definiert. Genau diese Vorhersehbarkeit macht den Einsatz planbar, sicher und wirtschaftlich sinnvoll.
In unstrukturierten Umgebungen wie Haushalten oder Pflegeeinrichtungen sieht das anders aus. Stühle stehen heute hier, morgen da, Kinder rennen durch den Raum, Licht und Geräusche ändern sich laufend. In solchen Kontexten reichen heutige Systeme noch nicht aus, um zuverlässig zu agieren. Das Risiko, dass etwas Unvorhergesehenes geschieht, ist zu hoch.
Die CES 2026 zeigt keine perfekte Robotik, aber sie zeigt, wie schnell sich das Feld bewegt. Der Haushaltsroboter, der Kaffee bringt und die Spülmaschine ausräumt, bleibt vorerst noch Zukunftsmusik. Doch in strukturierten Arbeitswelten ist die Zukunft längst da. Die Robotik-Revolution beginnt nicht im Wohnzimmer, sondern im Lager (Opens in a new window), in der Fabrik und im OP-Saal (Opens in a new window). Und sie beginnt dort nicht nur mit Maschinen, sondern mit der Infrastruktur, auf der sie lernen.
Für die Erwachsenenbildung bedeutet das nicht, dass Robotik morgen auf den Stundenplänen steht. Aber wir bewegen uns in eine Welt, in der sich Arbeits- und Lebensumgebungen tiefgreifend verändern werden. Genau solche Verschiebungen im Blick zu behalten, einzuordnen und übersetzbar zu machen, gehört zu unseren zentralen Aufgaben. Nicht weil alles sofort relevant ist, sondern weil Orientierung Zeit braucht. Wer verstehen will, was kommt, muss rechtzeitig hinschauen.
Wir begleiten Sie mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.
David Röthler, Sonya Dase und Christiane Carstensen
von Milenu (Opens in a new window)und Dase & Carstensen (Opens in a new window)
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Außerdem im Infobrief:
Harvard Business Review – Wann KI die Kreativität fördert
Die Sehnsucht nach dem endgültigen KI-Framework
Artikel im IDV-Magazin zu KI im Sprachunterricht
Termin-Übersicht zu Workshops, Tagungen und Events rund um KI
Harvard Business Review – Wann KI die Kreativität fördert
Ein Beitrag in der Harvard Business Review (Opens in a new window)beschreibt Forschungsergebnisse, die zeigen, warum KI-Tools in manchen Teams kreative oder auch qualitative Impulse auslösen, während sie in anderen vor allem dazu beitragen, bestehende Aufgaben schneller zu erledigen.
Der entscheidende Unterschied liegt weniger im Tool selbst als in der Art der Nutzung. Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Metakognition, also die Fähigkeit, das eigene Denken bewusst zu beobachten und zu steuern. Menschen, die ihre Annahmen reflektieren, Zwischenergebnisse hinterfragen und KI gezielt in ihre Denkprozesse einbinden, nutzen die Technologie eher als Impulsgeber und Gesprächspartner. In anderen Fällen wird KI vor allem als schnelle Antwortmaschine eingesetzt, was zwar Zeit spart, aber seltener zu neuen Perspektiven führt. Das Potenzial von KI entfaltet sich also dort besonders, wo sie Teil eines bewussten, reflektierten Arbeitsprozesses wird.

Die Sehnsucht nach dem endgültigen KI-Framework
Je komplexer die Debatten um Zukunft, Bildung, Digitalisierung und KI werden, desto größer wird in uns der Wunsch nach Orientierung und nach Kontrolle. Frameworks, Kompetenzmodelle oder Referenzrahmen liefern beides, zumindest auf den ersten Blick. In ihrem aktuellen Blogbeitrag nimmt Stephanie Wössner (Opens in a new window) dieses Gefühl auf und zeigt, warum es sich lohnt, den Fokus zu verschieben.
Artikel im IDV-Magazin zu KI im Sprachunterricht
Sonya Dase und Christiane Carstensen beschreiben in einem aktuellen Artikel (Opens in a new window) im internationalen IDV-Magazin, wie sich der Sprachunterricht drei Jahre nach dem Einzug von Chat GPT & Co. grundlegend verändert hat.
Die zentrale Frage lautet längst nicht mehr, ob oder welche KI-Tools im Unterricht eingesetzt wird, sondern wie erfolgreiches Sprachenlernen in einer von KI geprägten Welt aussehen kann.
Lernende nutzen KI heute selbstverständlich zum Übersetzen, Strukturieren, Recherchieren und Schreiben und bringen diese Routinen ganz natürlich in den Unterricht ein. Sie erwarten Orientierung und Einordnung statt pauschaler Verbote. Parallel dazu verändern sich Lebens- und Arbeitswelten, wodurch auch etablierte Lernziele neu justiert werden müssen.
Der Fokus verschiebt sich entsprechend weg vom einzelnen Tool, hin zum Sprachenlernen als sozialem und kognitivem Prozess unter veränderten Rahmenbedingungen.
Terminübersicht zu KI und Erwachsenenbildung
Eine Terminübersicht zu Fortbildungen, Events und Tagungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund um KI, Erwachsenenbildung und Bildungsmanagement finden Sie hier. (Opens in a new window)
Folgende Termine sind neu in der Liste:
15.01.26
denkbar #24 – Neues Jahr, neue Perspektiven auf KI (Opens in a new window)
Online, kostenfrei, 19.00-20.30 Uhr
26.01.26
Künstliche Intelligenz in der Öffentlichkeitsarbeit (Opens in a new window)
Online, 14.00-17.30 Uhr
31.05.26
Generative KI im Sprachunterricht (Opens in a new window)
Zertifikatslehrgang über 5 Module
Referentinnen: Dr. Sonya Dase und Christiane Carstensen
telc
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51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Milenu (Opens in a new window) und Dase & Carstensen (Opens in a new window).