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Cape Cod Kwassa Kwassa (4/50)

Herzlich willkommen, liebe Koapiererin und Koapierer!

Bist du schon mal kopiert worden?

In der heutigen Folge geht es um die Frage, wie du damit umgehst, wenn dich jemand so interessant findet, dass sie oder er dich imitiert.

Melanie Gollin (Opens in a new window) vom Musik-Newsletter “Zwischen zwei und vier” (Opens in a new window) hat zum Thema “passive Kopierkompetenz” ein wunderbares musikalisches Beispiel, das sie weiter unten vorstellt.

Mir persönlich fällt dazu lediglich eine musikalisch sehr viel bodenständigere Variante ein, die aber nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert: In seinem Song “Was wird aus Hannover (Opens in a new window)” singt Thees Uhlmann: “Du hattest einen Plan vom Leben, ich hatte Fury in the Slaughterhouse”. Diese Zeile sorgte dafür, dass die genannte Band aus Hannover ihn 2021 in die historische Stadthalle nach Wuppertal einlud (Opens in a new window) (Corona!) - um gemeinsam eine Cover-Version des Songs einzuspielen. Allerdings singen die Musiker aus Hannover die Strophe über sich nicht selbst, weshalb der von Melanie vorgeschlagene Song ohnehin viel besser (und eine sehr gute Einstimmung zum Thema “Kopieren als Hommage”) ist.

In diesem Sinne: ein Sunny-Woche (bis zum Ende lesen, dort gibt es Sunny-Laune)

Dirk

Cape Cod Kwassa

Vorgeschlagen und beschrieben von Melanie Gollin (Opens in a new window), die gemeinsam mit Rosalie Ernst, den Newsletter “Zwischen zwei und vier (Opens in a new window)” schreibt. Am 20. März treten sie im Coloseum in Berlin (Opens in a new window) auf:

Der heutige Coversong ist ein Meisterstück der Metaebene. “Cape Cod Kwassa Kwassa (Opens in a new window)” befindet sich im Original auf dem ersten Vampire Weekend-Album von 2008. Gott weiß, was dieser Songtitel bedeuten soll. Naja, Gott und Wikipedia (Opens in a new window), es geht um Kolonialisierung, aber für uns hier ist das jetzt nicht wichtig.

Hot Chip sind 2008 schon zwei Alben deep in ihrer Karriere, auch das: gar nicht so wichtig. Die untersetzen Engländer kopieren im gleichen Jahr preppy New Yorker, beide Bands sind zu ihren Hochzeiten zwei der wichtigsten Bands der Indie- und Nu Rave-Szene. So weit, so schon sehr aufregend, ABER. 

Wichtig ist eigentlich nur dieser Fakt: Im Song “Cape Cod Kwassa Kwassa” gibt es folgende Textzeile: 

But this feels so unnatural, Peter Gabriel, too

This feels so unnatural, Peter Gabriel, too

Auch hier: Was soll es bedeuten? Egal. Denn jetzt kommt’s doch. Die Coverversion wird nicht etwa von den Hot Chip-Sängern Alexis Taylor oder Joe Goddard gesungen, sondern…

Sagen wir so: die oben genannte Textzeile lautet in der Coverversion (ca 1,20 min) (Opens in a new window):

It feels so unnatural / Peter Gabriel too 

and it feels so unnatural / to sing your own name.

Und alles andere hört ihr selbst. WER etwas kopiert, ist manchmal genauso wichtig wie WIE etwas kopiert wird. Nur dadurch entsteht hier ein Mindfuckmoment.

(Na, der Song ist auch catchy, so is’ ja nich.)

Eine Ehre

(D2) Mit der Frage, woher das folgende Zitat stammt, kannst du recht viel Zeit im Internet (Opens in a new window) verbringen: “Nachahmung ist die aufrichtigste aller Schmeicheleien.” Ob es tatsächlich von Oscar Wilde stammt, ist unklar. Wilde hat der Welt allerdings recht sicher den Satz geschenkt: “Talent borrows, genius steals.”

Wie aber fühlt es sich an, wenn du nicht selbst kopierst, sondern kopiert wirst? Fühlst du dich tatsächlich geschmeichelt?

Wenn wir hier über Kopierkompetenz sprechen, muss genau diesem Aspekt des passiven Kopierens ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Denn obwohl “genius steals”, sollte das Kopiertwerden sich nicht wie ein Raub anfühlen. Denn: “Man muss feststellen, dass derjenige, der kopiert wird, häufig profitiert, weil der Grad seiner Bekanntheit enorm steigt,” sagte mir Michael Welsch im Jahr 2008 als ich ihn interviewte (Opens in a new window), weil er damals Bekanntheit als YouTube-Professor erlangte. Die Plattform war unschuldige drei Jahre alt und Welsch hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die eigene Dynamik in diesem noch jungen Ökosysteme zu erforschen.

Viel hat sich seitdem geändert, sein Urteil trifft aber weiterhin zu (nicht nur auf Youtube): Kopierer (die nach den Kriterien der lobenswerten Kopie arbeiten (Opens in a new window)) rauben nicht, sie verschenken etwas - und es sei es nur Aufmerksamkeit. Sie werfen einen neuen Blick auf das Original, stellen es in ein anderes Licht und machen es vielleicht auch erst bekannt (genau das ist mir vergangene Woche passiert (Opens in a new window)).

Im Lob der Kopie (Opens in a new window) komme ich deshalb in Bezug auf die passive Kopierkompetenz zu dem Urteil: “Das Original profitiert von der Kopie.”

Hast du schon ein Muster in den bisherigen Folgen erkannt? Ich habe sie (etwas geheim) nummeriert - und das bezieht sich nicht auf Schiffe-Versenken-Muster.

01/50 - B1 (Opens in a new window)

02/50 - E2 (Opens in a new window)

03/50 - B3 (Opens in a new window)

04/50 (diese hier) D2

Mehr dazu dann in den nächsten Wochen ;-)

Außerdem: Unser Newsletter wird von Theresa Bäuerlein und ihrem Newsletter “Wie du nicht den Verstand verlierst” (Opens in a new window) empfohlen. Vielen Dank!

Nach dem aktuellen Einschub zum Release einer Notwist-Coverversion (Opens in a new window) bin ich offenbar besonders aufmerksam, was aktuelle Cover-Themen angeht: Xiu Xiu haben ein sehr tolles Cover-Album in der vergangenen Woche veröffentlicht (Opens in a new window), Cat Power hat eine EP mit drei Cover-Versionen rausgebracht (Opens in a new window), Green Day Frontman Billie Joe Armstrong hat gemeinsam mit seinem Sohn Jakob ein David Bowie Cover (Opens in a new window) gemacht - und wer meine Begeisterung für Referenzen und Anspielungen teilt, wird sicher große Freude am Video zur aktuellen Harry Styles Single haben: “Aperture” weist erstaunliche Parallelen zu David Bowies “I’m afraid of the Americans”-Video aus dem Jahr 1997 auf (Opens in a new window).

(Opens in a new window)
Harry Styles kopiert David Bowie

Weil es mir richtig viel Freude macht: bitte nicht aufhören, mir Cover-Versionen vorzuschlagen! Am Sonntag (danke, Manni! (Opens in a new window)) wurde ich beispielsweise auf diese Spotify-Playlist hingewiesen (Opens in a new window), die 31 Versionen von Sunny bündelt.

Viel Spaß damit: möge deine Woche ebenso sein: Sunny!