Skip to main content

“Wie lange muss ich mein Kind noch in den Schlaf tragen?”

Bild: Leni Moretti

Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, empathischen und recherchierten Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.

Liebe Anna,

Mein Sohn ist knapp 12 Monate alt, ist unser erstes Kind, war keine Frühgeburt, hat von Geburt an sehr viel geschrien und wurde von Tag 1 jeden Tag stundenlang getragen, wird nach Bedarf gestillt und schläft in unserem Bett. Er ist insgesamt ein sehr forderndes Kind, braucht tagsüber sehr viel Stimulation, ist schnell unzufrieden und gelangweilt und eigentlich nur gut gelaunt wenn viel “Action” ist.
Seit gut 2 Monaten hat er nun ein eigenes Bett neben unserem Bett stehen und wir versuchen, ihn zumindest bis zum ersten Stillen in der Nacht dort zum Schlafen abzulegen. Das klappt an den meisten Abenden auch ganz gut und er schläft im Schnitt immer 2-3 Stunden am Stück. Tagsüber will er nun schon lange nicht mehr getragen werden. Mein Problem wird allerdings zunehmend das Einschlafen. Bis vor einigen Wochen konnte ich mich eigentlich darauf verlassen, dass er beim Stillen einschläft. Das wird allerdings immer seltener und die einzige Möglichkeit ist es dann, ihn in den Schlaf zu tragen. Manchmal nur 10 Minuten, häufig allerdings auch 45-60 Minuten. Der nicht mehr ganz so kleine Sohnemann wiegt mittlerweile allerdings knapp 11 Kilo und mein Rücken und Nacken machen das immer weniger mit - von meinem Nervenkostüm nach einem langen Tag ganz zu schweigen. Alle Foren und Artikel, die ich dazu finde, sprechen von 4-6 Monate-alten Babies, denen man das “Einschlaf-Tragen” gar nicht erst angewöhnen sollte. Zu spät. Einschlaf-Stillen wird ja vielerorts auch verteufelt, damit würde ich mich allerdings abfinden, funktioniert aber ja leider immer seltener. Die Flasche verweigert er ab dem späten Nachmittag komplett und einen Schnuller hat er nie genommen. Ich bin mit meinem Latein am Ende und meine Nerven und mein Rücken so langsam auch.
Ich könnte immer wieder heulen, wenn ich Artikel und Beiträge von Eltern lese, die schreiben, dass ihr Kind so schwer zum Einschlafen zu bringen sei und nur einschlafe, wenn sie daneben liegen. 🥲🥲🥲 Liegen…Haha. Egal wie müde der Kleine ist - lege ich ihn ohne die Brust im Mund auf das Bett, dreht er sich sofort um und krabbelt los. Drehe ich ihn zurück fängt er an zu weinen. Und mit weinen meine ich nicht leises Weinen und auf dem Rücken liegen bleiben… Er wird regelrecht hysterisch und schreit bis ich ihm die Brust gebe. Dann nimmt er die Brust, trinkt und fängt irgendwann an zu beißen und zu knibbeln, bis ich ihn am Ende doch wieder trage. Ich habe gefühlt alles ausprobiert, was es an Tipps von Verwandten, Onlineartikeln, Mütterforen etc. so gibt (ruhige, liebevolle Abendrituale, Streicheln, Kuscheln, Singen, Vorlesen, später ins Bett bringen,…)  und frage mich langsam, ob ich ihn noch in den Schlaf tragen werde wenn er 20 Kilo wiegt - es ist nämlich keinerlei Tendenz oder “Weiterentwicklung” zu beobachten und hätte man mir vor 10 Monaten gesagt, dass ich heute immer noch so kaputt dastehen würde, wäre ich vermutlich verzweifelt.

Ich hoffe, irgendwo da draußen gibt es einen Tipp oder eine Idee, die mir die Abende ein wenig leichter machen.

Tausend Dank und herzliche Grüße nach Berlin,

Feline*

Topic Elternschaft

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of annarrative and start the conversation.
Become a member