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#22: (Kein) Bock auf Jahresrückblicke

Bleibt mir weg mit Spotify-, YouTube- oder Duolingo-Wrapped. Auch Posts über das 2025 eurer Instagram-Persönlichkeiten interessieren mich nicht. Denn ich will weder das Geschäftsjahr großer Unternehmen feiern, noch die kuratierten Highlights eines Jahres sehen, das so nur auf Social Media stattgefunden hat.

Und trotzdem verstehe ich, warum man das postet: Jahresrückblicke sind wie abgehakte To-Do-Listen für die Seele. Wir posten sie nur eben ausschließlich für uns selbst anstatt für andere.

Ich habe schon vor Ewigkeiten aufgehört, "Das Jahr 20XX im Rückblick”-Shows im Fernsehen zu schauen, denn irgendwie bringt mir das nichts. Meistens schickt jeder Sender viel zu früh im Jahr die überall gleichen Archivbilder ins Rennen, weil alle die ersten sein wollen, da alle das selbe zeigen. Bilder von Naturkatastrophen oder Wahl-Katastrophen oder Terror-Anschlägen oder Großevents werden mit emotionaler Musik unterlegt und ohne Übergänge hintereinander abgespult. Mit dem Ziel, ein kollektives, sentimentales Erleben in Deutschland zu simulieren, das es so in einer Gesellschaft gar nicht gibt, in der sich die Generationen, die Geschlechter oder die politischen Lager gegenseitig ständig die Schuld für Missstände in die Schuhe schieben.  

Ja, erinnern ist wichtig. Gleichzeitig ist die Entscheidung, was wichtig zu erinnern ist, etwas sehr persönliches. Diese Auswahl TV-Produktionen zu überlassen, schafft bei mir kein Gefühl von Gemeinschaft. Stattdessen macht es den Eindruck, dass wir in Parallelgesellschaften leben, die voneinander nicht viel mitbekommen.

Aber auch individuelle Jahresrückblicke wecken dieses Jahr keine guten Gefühle in mir. Trotzig und desinteressiert scrolle ich durch meinen Insta-Feed und wische alles schnell weg, was auch nur annähernd nach einem “Das war 2025”-Post aussieht. Und so unspannend wie ich die High- und Lowlights des öffentlichen Lebens semi-fremder Menschen (oder schlimmer noch, Unternehmen) finde, so sehr nerven mich auch die Beiträge und Spruchkacheln zum Thema “Vergleiche bauen Druck auf, deshalb poste ich nichts”.

Es stimmt wahrscheinlich. Wenn man den ganzen Tag darüber liest, was andere Leute alles in einem Jahr erreicht haben, setzt man das sicher unweigerlich auch zu den eigenen Vorsätzen und Errungenschaften in Beziehung. Und egal wie wenig man über die tatsächliche Vergleichbarkeit zweier Leben oder Karrieren weiß, das Gefühl, mit manchen Plänen gescheitert zu sein oder nicht genug erreicht zu haben, kann schneller angeflogen kommen als eine Erkältung im nasskalten deutschen Winter.

Spendenaufruf

Anstatt heute um Support für diesen Newsletter zu bitten, möchte ich deine monetäre Aufmerksamkeit auf die folgenden Projekte lenken.

Durch die Initiative “Frauen gegen Merz (Opens in a new window)” wurden drei Organisationen ausgewählt, für die um Weihnachts-Spenden gebeten wird:

🌟 “Frauenhäuser und Beratungsstellen: Zugang für ALLE Frauen (Opens in a new window)“ (ein Projekt von Frauenhauskoordinierung)

🌟 “Femizide verhindern – durch wegweisende Gerichtsverfahren (Opens in a new window)“ (ein Projekt von Jumen)

🌟 “Neuer Truck für Griechenland (Opens in a new window)“ (ein Projekt von ROSA – Rolling Safespace)

Ich danke dir sehr herzlich auch im Namen von “Frauen gegen Merz” für deine Spende!

Aber ist es deshalb hilfreich, von anderen zu lesen, dass sie keinen Rückblick veröffentlichen, um sich nicht zu vergleichen? Naja, geht so. Denn der Diskurs über den Nicht-Vergleich führt auch wieder zum Vergleich. Und zwar, weil man sich als Leser*in auch wieder zum Inhalt solcher Statements in Beziehung setzt.

Vielleicht fühlt man sich dann schlecht, dass man seine 2025-Erfolge öffentlich gefeiert und andere damit womöglich unter Druck gesetzt hat. Vielleicht fühlt man sich gekitzelt, auch zu posten, dass man ja lieber auf die Gefühle anderer achtet aka ein besserer Mensch ist. Und am Ende füttern alle nur ein privates Unternehmen mit ihrer kostenlosen Content Creation

Heißt das also, wir sollten Jahresrückblicke generell deswegen besser sein lassen? Absolutely not.

Die Tatsache, dass die halbe Welt jedes Jahr begeistert ihr Spotify-Wrapped postet, obwohl alles in einer Flut von identisch aussehenden Share Pics untergeht, zeigt, dass Jahresrückblicke sich offenbar für viele ziemlich gut anfühlen. Woran kann das liegen?

Die psychologische Forschung zum Thema “Nostalgie” kennt einige Gründe (Opens in a new window): das Gefühl von Verbindung über gemeinsame Erinnerungen, Stolz auf Errungenschaften oder heilende Verarbeitung negativer Erfahrungen - nicht zuletzt, um positiv und motiviert in die Zukunft schauen zu können.

Und das ist nicht nur, warum Rückblicke sich so befriedigend anfühlen können wie eine abgearbeitete To-Do-Liste. Das ist auch der Unterschied zwischen kuratierten Jahresrückblicken zur Selbstdarstellung auf der einen und Reflektion (Opens in a new window) zur Verbesserung der psychischen Gesundheit auf der anderen Seite.

Das Geheimnis liegt nicht im vermiedenen Vergleich (auch nicht zum Vergangenheits-Ich), sondern in der Wertung(sfreiheit). Wer direkt bewertet, anstatt erstmal nur Revue passieren zu lassen, baut Druck auf. Ganz egal, ob auf sich selbst oder öffentlich auf andere. Druck, der mit Blick auf die Zukunft genauso gut motivieren wie de-motivieren kann. Das kommt, wie so häufig, sehr auf die eigene Persönlichkeit und Situation an.

Zum Jahresabschluss möchte ich also gerne kollektiv daran erinnern, dass Selbstreflektion ohne Wertung und im Stillen auch eine gute Idee sein kann. Ein eigener Jahresrückblick, ganz ohne ihn groß zu veröffentlichen. Weil uns das von dem Gefühl befreit, überperformen oder sich für gescheiterte Pläne schämen zu müssen. Oder eben für die peinliche Wahrheit über das eigene meistgehörte Musik-Genre 😉

Blog

Ganz im Sinne des Jahresrückblicks und des Geistes der vergangenen Weihnacht, verschenke ich heute meinen erfolgreichsten Artikel von 2025:

Das passiert wirklich bei Play Partys: Manche Gäste brauchen vom Smalltalk bis zum Sex nicht länger als eine Viertelstunde

In fast allen deutschen Großstädten treffen sich Leute, um gemeinsam Sex zu haben. Aber wie kommt man da rein? Ist das sicher? Und was zieht man eigentlich an? Unsere Autorin war bei einer dabei.

Etwas zu hastig drücke ich die Klingel einer Friedrichshainer Altbauwohnung und trete einen Schritt von der Tür zurück. Zurück in den Schutz der kleinen Gruppe von Freund*innen, mit denen ich eine sogenannte “Play Party” besuchen will. Wir sind zu viert, zwei Frauen und zwei Männer. Zwei von uns sind ein Liebespaar. Alle von uns sind nervös. 

Ankündigung

Ich gönne mir eine kleine Pause zwischen den Jahren. Deswegen erscheint der nächste Newsletter ausnahmsweise erst in drei Wochen am 11. Januar 2026.

Bis dahin wünsche ich ein erholsames Jahresende und einen guten Rutsch!

Aber was genau ist eigentlich eine sogenannte “Play Party”? Das sind Events, bei denen sich beliebig große Gruppen Erwachsener aller Geschlechter und sexuellen Orientierungen im privaten oder öffentlichen Rahmen treffen, um miteinander intim zu werden. Diese Intimität kann die unterschiedlichsten Formen annehmen: Manche wollen kuscheln, andere wollen sich auspeitschen oder von mehreren Menschen gleichzeitig verwöhnen lassen. Und wieder andere möchten ihnen dabei zusehen. 

Die Vielfalt der Möglichkeiten scheint endlos groß zu sein. Entsprechend schwierig ist es, im Vorhinein einzuschätzen, worauf man sich bei der nächsten Play Party gefasst machen darf. Nervöse Erwartung und schüchterne Vorfreude sind also vorprogrammiert, völlig normal und gehören zum Reiz solcher Veranstaltungen dazu.

Sex der Zukunft

Unterdessen öffnet sich meinen Freund*innen und mir im Friedrichshain mit der Wohnungstür auch die futuristisch gestaltete Welt des Cybrothels (Opens in a new window), Berlins erstem Puppenbordell. Bestückt mit fast lebensechten Sexpuppen, hyperrealistischen Wand-Projektionen und VR-Brillen für den beinahe hautnahen Porno-Genuss soll das Etablissment einen Eindruck vom Sex der Zukunft vermitteln. 

Hinter den Kulissen in der Kaffeeküche hängen die gesäuberten, kopflosen Puppen an Haken von der Decke und verbreiten eher die Atmosphäre einer altmodischen Fleischerei anstatt einer heißen Zukunftsfantasie. Aber wir sind ja heute nicht wegen der Puppen, sondern wegen der Menschen hier.

Die Menschen, unter die wir uns jetzt mischen, sind queer, international und extrem leicht bekleidet. Sie verteilen sich auf die Fläche von drei "Playrooms", die meine Freund*innen und ich als erstes neugierig und ein bisschen ruhelos durchstreifen. Die anderen Gäste lassen gelöst die Korken knallen und unterhalten sich angeregt. Manche Männer stehen unbeholfen daneben. Aber die meisten Leute bewegen sich routiniert durch die Räume, in denen in jeder Ecke Kondome in allen Größen und Farben verteilt liegen. 

Die Souveränsten unter den Gästen braucht es vom Smalltalk bis zum Hook-up oft nicht länger als eine Viertelstunde. Wie Sexparty-Dauercamper, die jedes Wochenende vor den Augen fremder Leute zum Höhepunkt kommen.

Die Regeln der Play-Parties

Ich hingegen bin mir sicher, dass mir die Reizüberflutung ins Gesicht geschrieben steht. Zwar ist das nicht meine erste Sexparty, aber trotzdem kostet es mich viel Überwindung, das Knäuel aus sechs nackten Menschen nicht offen anzustarren, das sich auf einer der extra ausgelegten Matratzen auf dem Boden gebildet hat. Dabei ist uneingeladenes Starren ein klassischer Anfängerfehler. Weswegen ich mich schnell selbst daran erinnere, was ich über die Etiquette auf Sexparties weiß:

Achtsamkeit und Rückversicherung sind immer eine gute Strategie. Sowohl in der zwischenmenschlichen Kontaktaufnahme, als auch im Konsum von Rauschmitteln. Sexclubs und Play-Parties sind Räume, in denen Menschen sich sehr verletzlich zeigen - auch wenn alles erst einmal super abenteuerlich und draufgängerisch aussieht. Deswegen ist der wichtigste Skill auf einer Sexparty nicht, stundenlang Sex haben zu können. Sondern zu erkennen, wo die eigenen und anderer Leute Grenzen liegen. Und sie natürlich zu respektieren.

Denn wenn eines auf Play Parties nicht gut ankommt, dann ist das Übergriffigkeit. Die meisten sexuell offenen Räume dieser Art, egal ob öffentlich oder halbprivat, predigen das Abklären von Einvernehmlichkeit vor jeglicher Handlung als oberstes Gebot. Wer sich nicht daran hält oder andere Gäste diskriminiert, kommt nicht gut an und fliegt raus. Und kommt auch so schnell nicht wieder rein. 

Ein Umstand, der dazu führt, dass ich selten so viele respektvolle Gesprächseinstiege oder rücksichtsvolle One-Night-Stands erlebt habe, wie auf solchen Parties. Offenbar ist die ganze Konsens-Thematik doch nicht zu viel verlangt, wenn die Alternative lautet, dass man sonst nicht an der Party teilnehmen darf.

Deswegen kommt es auch nicht zu dramatischen Szenen, wenn das Angebot zum intimen Kontakt einmal abgelehnt wird. Als ich mich ohne meine Gruppe daran mache, einmal die VR-Brillen auszuprobieren, setzt sich ein Mann neben mich. “Hi”, sagt er, “du bist mir aufgefallen.” Er streckt mir seine Hand entgegen. Nachdem ich mich auch vorgestellt habe, fragt er ohne Umschweife, ob ich Lust habe, ihn zu berühren und deutet zwischen seine Beine. Leicht überrumpelt sage ich: “Nein, danke” und drehe mich weg. Einen Moment später ist er verschwunden. Dass ein Mann einen Korb so nonchalant und ohne Widerrede akzeptiert, habe ich bisher nur auf Sexparties erlebt. Diese Art der lieblosen und beinahe geschäftsmäßigen Anmache gibt’s aber wahrscheinlich auch nur dort.

Talk dirty to them

Dabei gilt auch auf Play Parties, der erste Eindruck zählt - und darf auch gerne charmant sein. Wem der Einstieg ins Gespräch mit fremden Menschen schwer fällt, könnte davon profitieren, die nächste Sexparty in Begleitung zu besuchen. Auf diese Weise kann man sich etwas sicherer fühlen. Außerdem wirkt es einladender für andere, wenn sich zwei Menschen bereits angeregt unterhalten und man locker zum Gespräch dazustoßen kann.

Was ich zudem empfehlen würde, ist Übung beim Sprechen über sexuelle Grenzen und Vorlieben. Wem Begriffe, die Körperteile oder Sexpraktiken beschreiben, schwer über die Lippen gehen, sollte im Vorhinein das laute Aussprechen genau dieser Ausdrücke üben. Denn es gibt wenig Unpraktischeres auf einer Sexparty als plötzliche Sprachlosigkeit, wenn man eigentlich gerade mit dem Spaß loslegen will. Selbst wenn es zu zweit im Schlafzimmer oft auch ohne viele explizite Begrifflichkeiten klappt, auf einer expliziten Party mit fremden Menschen in einvernehmlichen, intimen Kontakt zu kommen, wird noch mehr Kommunikation erfordern, als beim Sex zu zweit schon ratsam ist.

Aber bitte nicht einfach rücksichtsvolle Kommunikation mit schüchterner Zurückhaltung verwechseln! Wer als Frau alleine auf eine Sexparty geht, wird wahrscheinlich wenig Schwierigkeiten haben, mit den anderen Gästen in Kontakt zu kommen - die sprechen eine einsame Dame gerne an. Wer aber als Mann alleine kommt, der muss schon etwas offensiver werden.

Das heißt allerdings nicht, dass man mit der Tür ins Haus fallen und ohne Umschweife Sex anbieten sollte. Sich jedoch offen gegenüber einer angeregten Unterhaltung zu zeigen und zunächst einmal mit interessierten Fragen ein Gespräch auf Smalltalk-Ebene zu eröffnen, ist immer eine gute Idee. Ob die Gesprächspartner*innen an mehr interessiert sind, lässt sich dann durchaus schnell feststellen. Schließlich sind (im Gegensatz zu einem normalen Club) die Gäste einer Play Party alle aus demselben Grund vor Ort: Bock auf Sex. Also keine falsche Scheu! Die Klassiker “über wen bist du auf diese Party eingeladen worden?” oder “hast du sowas schon einmal gemacht?” können schon ein ausreichender Anfang sein.

Sexparty, ja! Nur wie?

Apropos Einladung. Wie kommt man eigentlich auf eine Sexparty? Und was zieht man an? Zweiteres ist wichtiger, wenn man versucht, Zutritt zu einem öffentlichen Sexclub zu bekommen. Straßenkleidung wird einem dort keine Türen öffnen, aber keine Sorge: Berlin hat genug Geschäfte, in denen man Fetish-Kleidung erwerben kann. Gerade für Männer! 

Aber auch auf einer privaten Play Party wirkt es attraktiv, wenn die Gäste aussehen, als hätten sie etwas Mühe in ihr Outfit gesteckt. Man kann zwar in normaler Unterhose und Socken teilnehmen, aber welche Gelegenheit wäre besser, um es vielleicht einmal mit einem feschen Latex- oder Lederhöschen zu probieren? Ein bisschen Glitzer hat auch noch nie geschadet, aber wichtig ist, dass man sich nicht unwohl fühlt. 

Jedenfalls kann besonders sexy-funktionale Kleidung mit Reißverschlüssen oder Löchern an den interessantesten Stellen einen tollen Einstieg in den nächsten Flirt bieten! 

Und hat man erstmal im Sexclub mit den richtigen Partygästen angebandelt, lässt die Einladung zur nächsten Privatveranstaltung meistens nicht mehr lange auf sich warten. Wer allerdings öffentliche Events in Kitty & Co. lieber überspringen möchte und noch nicht von der Kreuzberger Nachbarin in die Swinger-WhatsApp-Gruppe eingeladen wurde, dem empfehle ich auf Webseiten wie z. B. Joyclub nach Play Parties Ausschau zu halten. Das Vorgehen dort ist ähnlich wie beim online Dating: Mit einem ansprechenden Profil, das mit ansehnlichen Bildern ausgestattet ist, klappt es dann auch mit dem Besuch der nächsten privaten Sexparty.

Mir persönlich gefällt die intimere und persönlichere Atmosphäre solcher kleinen Events deutlich besser als die großen Clubs. Die Action wirkt im kleineren Rahmen weniger performativ auf mich und mit einer geringeren Anzahl an Gästen ist auch schnell klar, ob jemand dabei ist, mit dem*der man sich mehr Nähe wünscht. Und auch für alle, denen es schwer fällt, unter Beobachtung eine Erektion zu halten, kann ein privater Kontext mit weniger Gästen angenehmer sein.

Im Friedrichshainer Cybrothel ließ die Reizüberflutung bei mir jedenfalls nach ca. einer Stunde endlich nach und hinterließ stattdessen Lust auf neue Entdeckungen. Praktischerweise setzte ich mich im nächsten Raum zufällig genau neben einen gutaussehenden Mann, der meine neu entfachte Begeisterung für lustvolle Technik teilte. Eine kurze Unterhaltung genügte, um zu festzustellen, dass wir uns sympathisch waren. Und im nächsten Moment stürzten wir uns auch schon gemeinsam ins Getümmel.

WDNJS

Was dir nie jemand sagt…

über Sex ab 50

In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.

Das hier ist schon Interview Nummer 10 in der Reihe und so langsam holen die Berichte aus männlicher Perspektive ein bisschen auf! Egon (50+) war nicht nur so cool, mein Buch “Gleichstellung” zu lesen, er hat mir auch Rede und Antwort zu männlicher Lust über 50 gestanden.

Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir! Los geht’s:

Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?

Egon: “Bedingungslose Liebe, das Leben feiern, Slowsex, Mut und Gnade.”

Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?

Egon: “Viel bewusster. Ich erkenne und erlebe, welch ein großartiges Geschenk es ist, Sexualität mit einem anderen Menschen zu teilen.”

Worauf willst du heute beim Sex (nicht mehr) verzichten?

Egon: “Auf meine Ejakulation und mein Ego möchte ich heute verzichten, um das sinnliche Spiel zu verlängern, den Orgasmus vor oder nach der Ejakulation zu erleben und immer wieder reinspüren zu können: Welche Gefühle durchströmen mich gerade? Wie erlebe ich mein Gegenüber? Auch um das Abschweifen in Kopfkino zu vermeiden oder eben als Kino wahrzunehmen…”

Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?

Egon: “Weniger ist mehr. Sex ist nicht unwichtiger geworden, aber da ist weniger Verlangen. In dem Sinne, dass die Akzeptanz leichter fällt, wenn Sex nicht so häufig stattfindet.

Was heute immer noch wichtig ist, ist mehr Nähe und ein bewusstes Begegnen mit dem Gegenüber.”

Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?

Egon: “Wie schön es sein kann... Tendenz: Es wird immer schöner.”

Danke für diesen ermutigenden und Lust machenden Ausblick auf Sex über 50, lieber Egon! Nach 10 unterschiedlichen Perspektiven überwiegt der Eindruck, dass Genuss und Gelassenheit mit ansteigendem Alter auch beim Sex im Vordergrund stehen - ganz egal, ob die Lust ansteigt oder abnimmt.

Empfehlungen

🎧 Eine Hörempfehlung mit Warnung: Dieser Inhalt macht wirklich schlechte Laune und ist trotzdem extrem wichtig zu wissen.

Die Nachricht und ihre zugrunde liegende Recherche, die mich dieses Jahr am nachhaltigsten schockiert und bewegt hat, ist in der Podcast-Serie “Rape Tapes” bei 11KM Stories (Opens in a new window) in 5 kurzen Folgen festgehalten worden. Die (mittlerweile verdient preisgekrönten) Investigativ-Journalistinnen Isabell Beer und Isabel Ströh dokumentieren seit Jahren deutsche Netzwerke von Vergewaltigern, die ihre Opfer (meistens ihnen nahestehende Frauen aus demselben Haushalt) á la Pelicot regelmäßig betäuben, sexuell missbrauchen und sich darüber im Netz mit anderen Tätern austauschen.

Es ist schrecklich, es ist überhaupt keine Seltenheit und es ist ongoing. Was die deutschen Behörden dagegen tun oder auch nicht tun, wird in der Mini-Serie herausgestellt. Du lebst mit einem Mann in einem Haushalt? Dann nimm dich in Acht. Diese Frauen haben ihren Partnern, Brüdern, Vätern oder Söhnen auch vertraut.

📚 Wer sich diesen Podcast anhört, hat zwischendurch ein wenig Realitätsflucht in gute Literatur nötig. Meine Buchtipps sind tatsächlich nicht die besten Reads aus diesem Jahr - denn ich habe sie alle schon letztes Jahr gelesen. Aber es sind Erzählungen, an die ich das ganze Jahr hindurch immer wieder gedacht habe. Und was könnte eine bessere Referenz für ein Buch sein?

Alle drei machen sich tatsächlich auch wirklich gut unterm Weihnachtsbaum, wobei “Bin nebenan” wirklich jedem geschenkt werden kann und “Auf Allen Vieren” vielleicht nicht unbedingt dem seltsamen Onkel 😉

Mehr von Cleo

Für WELT Lifestyle habe ich meine Eindrücke von einem Besuch bei einer professionellen Dominatrix geschildert und die Sexualmedizinerin Dr. Stephanie Kossow um eine Einordnung der Ereignisse gebeten: “Ab jetzt werdet ihr nicht mehr sprechen, außer die Herrin fordert euch dazu auf!” (Opens in a new window) (Paywall)

Kontakt

Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine Website (Opens in a new window) erreichen oder mir bei Instagram eine DM (Opens in a new window) schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!

Danke für’s Lesen und liebe Grüße von

Cleo

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Topic Cleographie

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