Nachdenken über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der amerikanischen Demokratie und ihrer Gegner
Von Thomas Zimmer, 13. Juni 2026

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Seit einigen Jahren schreibe ich Democracy Americana (Opens in a new window), meinen Newsletter zur Politik und Geschichte der USA. Seit heute gibt es ihn auch in deutscher Sprache, unter dem Titel:
Demokratie Americana
Das ist nun kein besonders kreativer Name – aber passend. Denn es handelt sich nicht um einen neuen Newsletter, sondern um genau das, was der Titel suggeriert. Die deutsche Version von Democracy Americana. Dieselben Inhalte, dieselbe Analyse, eben nur auf Deutsch.
Wo kommt der Trumpismus her – und was ist das überhaupt für eine Bewegung, eine Ideologie, ein politisches Projekt? Wie lässt sich der Trumpismus in die längeren Linien der amerikanischen Geschichte einordnen? Wo stehen wir heute in dem langewährenden Kampf um die Frage, wie viel Demokratie – und für wen? – es in Amerika geben soll, ja wer überhaupt darüber bestimmen darf, was „Amerika“ sein soll, und wer dazugehören darf? Und welche Rolle spielt die Situation in den USA in dem inter- und transnationalen Kampf zwischen demokratischem Pluralismus und autoritärem Ethno-Nationalismus?
Um diese Fragen kreisen die Essays, die ich seit November 2022 auf Democracy Americana veröffentliche. Seit ich im Sommer 2025 die USA verlassen und damit auch meine akademische Laufbahn beendet habe, steht Democracy Americana als unabhängige Publikation im Mittelpunkt meiner Arbeit als freier Autor und Publizist. (Eine ausführliche Entstehungsgeschichte und Reflexion über meine Entscheidung, die Uni zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren, findet ihr hier (Opens in a new window)).
Und nun möchte ich diese Arbeit auch auf Deutsch anbieten und zugänglich machen.
(Und falls das gesagt werden muss, will ich es so deutlich wie möglich zu Protokoll geben: Was ich euch hier anbiete, werden niemals KI-generierte Übersetzungen meiner englischen Texte sein. Das mache ich alles selbst und präsentiere dann eine von mir erarbeitete deutsche Version. Recherche, Struktur, Schreiben, Redaktion… Meine Newsletter sind einhundert Prozent KI-frei. Das jedenfalls verspreche ich euch.)
Deshalb also: Demokratie Americana – mit exakt derselben Mission, die ich für wichtiger denn je halte. Ich versuche, zwei Schritte aus dem ständigen Lärm zurückzutreten, um eine Perspektive anzubieten, die Orientierung schaffen kann. Big picture. Demokratie Amerikana kombiniert historische Einordnung und politische Analyse – mit einem Fokus auf die Vereinigten Staaten und einem Verständnis für die transnationale Dimension dieses welthistorischen Kampfes um das Schicksal der Demokratie.
Für alle, die Democracy Americana noch nicht kennen, habe ich unten nochmal ein ausführliches „Mission Statement“ formuliert.
Aber bevor ich dazu komme, will ich so knapp und konkret wie möglich zwei Fragen klären, die sich vielleicht aufdrängen:
Warum nun auch auf Deutsch?
Democracy Americana gab es bislang ausschließlich auf Englisch. Um ehrlich zu sein, habe ich lange gezögert, diesen Schritt zu gehen und auch eine deutsche Fassung anzubieten. Das bedeutet einen erheblichen Mehraufwand, und vor dieser Aufgabe habe ich ziemlichen Respekt / Bammel.
Seit ich wieder in Deutschland lebe, werde ich allerdings auch viel direkter mit dem großen Interesse an der Situation in den USA konfrontiert. Dabei gibt es ja hierzulande sehr viele Stimmen, die sich zu Amerika äußern. Es gibt eher ein Überangebot an atemloser Berichterstattung scheint mir – aber gleichzeitig nicht genug Einordnung, Kontext und Tiefenschärfe. Ich glaube, dass ich deshalb mit Democracy Americana einen echten Beitrag zur deutschen Amerika-Diskussion – und hoffentlich auch zum breiteren Nachdenken über die Demokratie und ihre Gegner beiderseits des Atlantiks – leisten kann. Zwar schreibe ich sowieso auch regelmäßig für deutsche Medien. Aber nur meine eigene Publikation bietet mir den Raum und die Möglichkeit, die Themen und Fragen, die ich für wichtig halte, in der Tiefe, die ich für angemessen halte, auszuleuchten.
Bislang war die Zahl meiner deutschsprachigen Leserinnen und Leser allerdings überschaubar (weniger als 5 Prozent meiner Abonnenten, um genau zu sein). Das hat sicher unterschiedliche Gründe. Aber ich vermute, dass es auch daran liegt, dass Democracy Americana bis jetzt nur in englischer Sprache vorlag. Natürlich verstehen die allermeisten Menschen, die sich für die USA und die Welt interessieren, Englisch. Aber die Hürde, sich mit so langen und komplexen Texten zu befassen, ist in einer Fremdsprache eben doch höher, keine Frage. Und grundsätzlich ist mir sehr daran gelegen, meine Arbeit so leicht zugänglich wie möglich zu machen. Wenn deshalb nach Veranstaltungen, Vorträgen oder Medienauftritten hier in Deutschland Menschen auf mich zukommen, die mir sagen, sie würden sich über eine deutsche Fassung freuen, dann nehme ich das sehr ernst.
Schließlich, das will ich nicht verheimlichen, hoffe ich auch, fortan stärker in den deutschen Amerika-Diskurs eingreifen zu können. Ich vermute, dass auch in dieser Hinsicht die Tatsache, dass meine Analysen nur auf Englisch vorlagen, bislang eher hindernd gewirkt hat.
Und wenn man schon eine Mitgliedschaft bei Democracy Americana hat?
Ich will es ganz deutlich sagen: Ich versuche hier nicht, irgendwem Sachen doppelt zu verkaufen. Alle, die schon eine Mitgliedschaft bei Democracy Americana besitzen und nun die deutsche Version lesen und anhören möchten, können hier kostenlos auf alle exklusiven Inhalte zugreifen. Ihr müsst mir dafür nur Bescheid geben, damit ich euch eine freie Mitgliedschaft für Demokratie Americana zukommen lassen kann. Wenn euch das interessiert, tragt einfach euren Namen und die Email, mit der ihr für die Membership registriert sein, in das Formular unten ein und klickt auf „Abschicken“
(alternativ könnt ihr euch auch einfach per Email direkt bei mir melden)
https://tally.so/embed/pbZVXb?hideTitle=1&dynamicHeight=1 (Opens in a new window)Nur mit eurer Unterstützung kann ich diese Arbeit fortsetzen – und dafür bin ich euch sehr dankbar!
Die Mission von Demokratie Americana
Zum Abschluss nochmal zurück zum Inhaltlichen – und der Frage, worum es hier eigentlich geht?
„We the People“ heißt es in der Präambel der amerikanischen Verfassung von 1787 – aber wer soll eigentlich zu „the people“ dazugehören dürfen? Und wenn die Vereinigten Staaten eine Demokratie sein sollen, wer soll dann tatsächlich daran teilnehmen dürfen?
Im Kern hat der Konflikt um diese Fragen das US-amerikanische Experiment zu allen Zeiten bestimmt: Der Konflikt zwischen der Vorstellung von Amerika als einer pluralen Nation und der Vision eines weißen, christlichen Ethno-Staates; zwischen dem Versprechen einer egalitären Demokratie und einer Gesellschaft, die sich durch eine vermeintlich „natürliche“ oder gottgegebene Ordnung strikter Hierarchien von race, Gender, Religion und Besitz auszeichnen müsse.
Darum geht es im Kern in Demokratie Americana: Um den andauernden Kampf darüber, was „Amerika“ überhaupt sein soll und wer darüber bestimmen darf; um die Frage, wie viel Demokratie und für wen es in Amerika eigentlich geben soll – in Politik, Gesellschaft und Kultur, in den Hallen der politischen Macht genauso wie am Arbeitsplatz, in der Familie oder im öffentlichen Raum.
Die Konflikte um Demokratie und nationale Identität waren dabei immer ganz eng aufeinander bezogen. „All men are created equal” heißt es in der Unabhängigkeitserklärung. Und dieses Gleichheitsversprechen spielte als politische und intellektuelle Tradition in der Tat eine große Rolle: Die Vision von einem Land, in dem der Status des Individuums nicht mehr wesentlich von Race, Abstammung, Gender, Religion oder Besitz bestimmt sein würde. Aber genau darüber bestand in den USA niemals Konsens. Von Beginn an war das Land gespalten zwischen denen, die ein egalitäres, plurales Amerika realisieren wollten – und jenen, die um jeden Preis an der Vorstellung von Amerika als einem Land von und für weiße Christen festzuhalten suchten. In der Praxis waren sie es, die die Geschicke der Vereinigten Staaten über weite Strecken der US-Geschichte bestimmten.
Nationale Identität und Demokratie waren also zu jedem Zeitpunkt umkämpft. Ein historisch gesprochen recht neues Phänomen ist es allerdings, dass sich die Gräben im Kampf um die Frage, ob die USA überhaupt eine plurale Demokratie sein sollen, nun weitgehend mit denen der Auseinandersetzung zwischen den beiden großen Parteien decken. Das ist die fundamentale politische Realität der amerikanischen Gegenwart. Oft neigen wir dazu uns einzureden, wir steckten in einer Auseinandersetzung um sachpolitische Themen und Programme, um die Frage des Spitzensteuersatzes vielleicht oder die genaue Ausgestaltung des Sozialstaates. Aber in den USA werden beinahe alle politischen Felder von dem viel grundsätzlicheren Konflikt um die Frage überlagert, wie Status und Macht verteilt sein sollen, wer überhaupt gleichberechtigt am politischen Prozess soll teilnehmen dürfen, wer definieren darf, was als „Amerika“ gilt und wo die Grenzen dessen liegen, was als „American“ akzeptiert wird.
In diesem Newsletter nähere ich mich den politischen, sozialen und kulturellen Konflikten der Gegenwart aus der Perspektive dieses übergeordneten, langewährenden Kampfes um Demokratie und nationale Identität. Als Historiker versuche ich, die gegenwärtigen Entwicklungen in diese längeren Linien der amerikanischen Geschichte einzuordnen – und frage danach, was wir aus dieser Geschichte für die Zukunft lernen können (vielleicht auch: was das überhaupt bedeuten kann, aus der Geschichte „zu lernen“). Und ich will das Geschehen im Kontext einer trans- und internationalen Auseinandersetzung zwischen den Kräften des demokratischen Pluralismus und der reaktionären Gegenmobilisierung verorten.
Ich bin davon überzeugt, dass wir die Zuspitzung eines Konflikts von welthistorischer Bedeutung erleben: Schaffen wir es, eine stabile, egalitäre Demokratie unter den Bedingungen einer ethnisch, kulturell und religiös pluralen Gesellschaft zu errichten? Eine solche Demokratie hat es eigentlich noch nie gegeben. Nirgendwo. Es ist eine Vision, die reaktionären, ethno-nationalistischen Kräften Angst macht: Sie sehen darin den Untergang des „wahren Amerika“ oder gar, wie es auf beiden Seiten des Atlantiks heißt, der „westlichen Zivilisation.“ Und sie sind deshalb entschlossen, die Durchsetzung der pluralen Demokratie mit allen Mitteln zu verhindern. Im Namen dessen, was sie die „natürliche Ordnung“ oder „real America“ nennen haben sie sich die Erlaubnis erteilt, immer radikalere Schritte zu gehen, sich hinter immer extremeren Figuren und Programmen zu vereinen. Die Frage lautet nun, ob sich genug Menschen finden, die bereit sind, diesen Kräften gegenüber die Vision einer pluralen, egalitären Demokratie mit der erforderlichen Entschlossenheit zu vertreten und zu verteidigen?
Herzlichen Dank für eure Zeit und eure Aufmerksamkeit!
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