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Bis zum Mond

I’ve not got the stomach for space travel
I don’t want millionaires to colonise Mars
It’d be nice to address
The mess we made here
Before jetting off to ruin the stars
(Kae Tempest)

180/∞

Is this thing on?

Ich bin eigentlich gar nicht hier, ich muss mich doch auf den ESC vorbereiten! In drei Wochen bin ich schon in Wien und ich bin (wie eigentlich immer und in allen Lebenslangen) direkt aus der „Ich hab ja noch reichlich Zeit“-Phase in die „Argh! Stress!“-Phase übergegangen.

Andererseits ist die letzte Ausgabe (Opens in a new window) dieses Newsletters auch schon wieder drei Wochen her und es erscheint angesichts der nächsten drei Wochen unrealistisch, dass ich da noch mal zum Schreiben komme, also: Bitte!

Es gibt diesmal gar nicht die ein, zwei großen Themen, sondern eher eine wüste Sammlung all dessen, worüber ich in den letzten Wochen so nachgedacht habe. Also endlich mal wieder classic Post vom Einheinser!

Zum letzten Newsletter, in dem ich mich zu einem erheblichen Teil am Fall Ulmen und dem Patriarchat abgearbeitet habe, haben mich viele Rückmeldungen erreicht — überwiegend von Männern, die ebenfalls das Bedürfnis hatten, sich vom eigenen biologischen Geschlecht zu distanzieren, und mir teilweise schrieben, ich hätte sie zum Nachdenken und Handeln angeregt.

Ich kann mich da jetzt natürlich drüber freuen und sagen, dass sich die 14.793 Zeichen allein zu dem Thema gelohnt haben, aber das erscheint mir auch schon wieder zu eitel: Jetzt bitte nicht gegenseitig auf die Schulter hauen, sondern auf den Tisch, wenn mal wieder irgendein Typ Mist redet (gerne verbunden mit der semantischen Unterscheidung zwischen „Meinungsfreiheit“ und „Recht auf Widerspruchslosigkeit“), und vor die eigene Stirn, wenn man den eigenen Ansprüchen mal wieder nicht genügen konnte.

Quasi zeitgleich hatte CNN enthüllt (Opens in a new window),1 dass es Online-Gruppen gibt, in denen Männer Tipps austauschen, wie sie ihre Partnerinnen betäuben und sexuell missbrauchen können — Millionen Männer haben dort reingeschaut und Hunderttausende kommuniziert und ich hab einfach keinen Bock mehr, meine Atemluft, einen Planeten und Öffentliche Toiletten mit solchen [hier Lieblingsschimpfwort einsetzen] zu teilen.

Unterdessen hat das „ZEIT Magazin“ (Opens in a new window) (ZEIT+) mehrere Drehbücher zu Christian Ulmens (vorerst — wir wissen doch alle, wie das System funktioniert) letzter Serie einsehen können, in der ein Handlungsstrang vorsah, dass ein 18-Jähriger Fotos seiner Freundin in Sex-Chatforen postet, weil ihn das anmacht. Personen, die an der Produktion der Serie beteiligt waren und mit denen die Kolleginnen gesprochen haben, zeigten sich schockiert über einige Parallelen zwischen der Serie und den Vorwürfen gegen Ulmen.

Als studierter Literaturwissenschaftler muss ich davor warnen, Autor und Werk gleichzusetzen, und als Freund von Menschen, die im psychosozialen Bereich arbeiten, möchte ich vor Ferndiagnosen warnen, aber: Äh, ja. Da muss man schon ein bisschen länger nachdenken, wann zuletzt jemand so sehr mit seinem Schaffen verschmolzen ist.2

Ich verstehe jede Frau, die mit Männern nichts mehr zu tun haben möchte. Ich möchte mit solchen Typen auch nichts zu tun haben — und da sind die Sozialen Medien dann vielleicht insofern sogar ein Vorteil, weil man zumindest sehen kann, wer dort welchen Unfug schreibt.

Auch gab es einige ungläubige Rückfragen zum vorletzten Newsletter (Opens in a new window): Ja, ich mag wirklich keine gefüllten Nudeln mit egal welcher Füllung, von Ravioli und Tortellini über Maultaschen bis zu Pierogi. Gyoza gehen. Aber ich habe kein Problem damit, wenn andere Menschen das gerne essen.

Noch mehr Rückmeldungen haben mich zu meinem neuen Buch (Opens in a new window) erreicht, was mich ganz besonders freut.

Plötzlich lese ich von Menschen, die über unsere Videoblogs (Opens in a new window) zum ESC gefunden haben und heute riesige Fans sind, und sogar von Menschen, die unseretwegen mit eigenen Blogs angefangen haben. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben noch mal die Gelegenheit haben werde, mich wie The Velvet Underground (Opens in a new window) zu fühlen, insofern nehme ich dieses Gefühl jetzt gerne mit!

Vergangene Woche war ich aus ganz anderen Gründen bei Thalia in der Bochumer Innenstadt. Auf meinen Kopfhörern lief zufälligerweise „I Don’t Want To Wait“ (Opens in a new window) von Paula Cole, als ich die Rolltreppe herunterfuhr und sofort in der hinteren Ecke des Kellers einen Tisch entdeckte, auf dem - neben anderen ESC-Büchern - auch mein Buch in mehrfacher Ausfertigung lag.

Der Song war die Titelmusik von „Dawson’s Creek“ gewesen, meiner Lieblingsserie als Teenager, und plötzlich prasselten alle möglichen Gefühle und Gedanken gleichzeitig auf mich ein: Anders als die Hauptfigur Dawson Leery (gespielt vom kürzlich verstorbenen (Opens in a new window) James Van Der Beek), der immer davon träumte, Regisseur zu werden, war ich nicht so ambitioniert — oder zumindest anders: Ich wollte Regisseur werden wie Billy Wilder, Cameron Crowe und David Fincher und Musiker wie Ben Folds, Fran Healy und die Gallagher-Brüder und Schriftsteller wie Benjamin von Stuckrad-Barre und Douglas Adams, aber mir fehlten die konkreten Ideen (und vielleicht auch ein bisschen die Motivation), um das alles anzugehen. Also hab ich Anglistik und Germanistik studiert, fürs Campusradio (Opens in a new window) gearbeitet, ein Popkulturblog (Opens in a new window) gestartet, hab darüber Stefan Niggemeier kennengelernt, der mich zum ESC (Opens in a new window) und zum BILDblog (Opens in a new window) geholt hat — der Rest ist Geschichte.

Umso erhabener (und - seien wir ehrlich - natürlich auch privilegierter, denn als Frau und/oder person of color wäre der Weg wahrscheinlich bedeutend schwieriger gewesen) fühlte es sich an, dass sich jetzt hier ein Kreis schloss und sich die Teenager-Träumereien und die Fortysomething-Realität die Hand gaben, sich einmal tief in die Augen schauten und dann ihrer Wege zogen.3

Zu Beginn der Osterferien war ich mit dem Kind in Hamburg. Wir sind an der Elbe spazieren gegangen, Hafenfähre gefahren, waren auf dem Frühlingsdom und im Alten Elbtunnel, haben Franzbrötchen und Schmalzkuchen gegessen und viele Freund*innen getroffen.

Danach haben wir, wie so viele andere, ganz gebannt die Artemis-2-Mission der NASA verfolgt: Wie ganz viele Menschen unterschiedlichster Herkunft gemeinsam wissenschaftliche Erkenntnisse genutzt haben, um ein Projekt bisher unbekannten Ausmaßes zu stemmen; wie in alledem immer wieder Menschlichkeit, Ehrfurcht und Schönheit aufflackerten — das wirkte schon fast wie ein absichtlicher, etwas holzschnittartiger Gegenentwurf zu all dem Wahnsinn, den verbitterte alte Männer wie Donald Trump, Benjamin Netanjahu oder Viktor Orbán zeitgleich veranstalteten. Und gleichzeitig ließ die Mission diese Männer und ihre Programme noch lächerlicher und kleiner aussehen, als sie es ohnehin schon sind.

Zwar drohte der amtierende US-Präsident in dieser Zeit beinahe nebensächlich mit dem Tod einer „ganzen Zivilisation“ und checkte damit in einer Liga ein, in der man keine Amtsbezeichnungen oder Kategorien wie „Despot“ oder „Tyrann“ mehr verwendet, sondern nur noch den Namen: Hitler, Stalin, Saddam, Trump, aber wie üblich ruderte er nach den markigen Worten zurück und verhedderte sich nicht nur in einem ausweglosen Krieg, sondern legte (Opens in a new window) sich darüber hinaus auch noch mit dem Papst und echten Christen an.

Viktor Orbán hatte das Wahlrecht in Ungarn so weit zu seinen Gunsten verändert, dass es ihm nun krachend auf die eigenen Füße fiel (Opens in a new window). Und es hat ja nicht nur Orbán verloren, sondern mit ihm gleich noch Wladimir Putin (Opens in a new window), die AfD (Opens in a new window), JD Vance (Opens in a new window) und - was mich persönlich am meisten freut - der Axel Springer Verlag (Opens in a new window). (Wenn Ihr nur einen einzigen Kommentar zu Ungarn lesen wollt, nehmt gerne den von Nikolaus Blome bei „Spiegel Online“ (Opens in a new window), der die Ereignisse angenehm unaufgeregt und optimistisch einordnet.)

Mit ein bisschen Optimismus könnte man also fast davon sprechen, dass die autoritären und reaktionären Kräfte gerade ein wenig ins Stolpern kommen — wenn die Meldungen der letzten Tage nicht Grund zur Besorgnis gäben, dass ausgerechnet in Deutschland die Uhren in die 1980er (Opens in a new window), die 1960er (Opens in a new window) oder in die Steinkohlezeit (Opens in a new window) zurückgestellt werden könnten.

Fortschritt gibt es dafür an einem Ort, an dem man ihn nun wirklich nicht erwarten würde: in Berlin. Beim dortigen Fußballverein Union hat das Herren-Profiteam seit dem letzten Wochenende eine weibliche Cheftrainerin (Opens in a new window): Marie-Louise Eta.

Angesichts der Tradition, dass Frauen in diesem Land eigentlich immer erst verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen dürfen, wenn die Männer es so richtig vergeigt haben (vgl. Angela Merkel als CDU-Chefin oder Marie Jaroni bei Thyssenkrupp Steel), ist es fast überraschend, dass es erst jetzt soweit ist: Sie ist die erste Cheftrainerin bei einem Bundesligisten der Männer.

In die Berichterstattung mischt sich oft gleich die Kolportage dessen, was denn die Menschen diesbezüglich so ins Internet kommentiert haben. Ich bin unsicher, ob es das braucht. Klar: Einerseits ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein nicht unbedingt großer, aber definitiv lauter Teil der Bevölkerung geistig immer noch in den 1950er Jahren festbetoniert ist, andererseits wissen oder ahnen wir das alle.

Bei meiner Buchrecherche habe ich festgestellt, dass eigentlich alles, was in den letzten 70 Jahren irgendwo für Schlagzeilen gesorgt hat, gleichzeitig auch „Kritik“ nach sich gezogen hat. Die Frage ist halt, wie fundiert die ist, wenn auf der einen Seite irgendwelche Typen hocken, die über ein paar Oberliga-Einsätze nie hinausgekommen sind, und auf der anderen steht eine dreifache Deutsche Meisterin, U20-Weltmeisterin und Champions-League-Siegerin.

Was macht der Garten?

Er sieht aus wie das Gesicht 16-jähriger Jungen: Es wächst was, aber man ignoriert es höflich, bis es ordentlich aussieht. (Mein 42-jähriges Gesicht wartet immer noch auf diesen Moment, beim Garten bin ich optimistischer.)

Was hast Du veröffentlicht?

Der Kollege (und VfL-Bochum-Fan) Dirk von Gehlen hatte mich vor Wochen um einen Beitrag zu seinem Newsletter „Kopieren kapieren“ (der wie dieser Newsletter hier bei Steady erscheint) gebeten: Ich solle doch bitte eine Coverversion meiner Wahl empfehlen, ESC-Bezug sei aber hilfreich. Ich musste nur ein bisschen nachdenken und landete (wieder mal) bei Maro, die 2022 für Portugal angetreten war, und ihrer Interpretation von Harry Styles’ „As It Was“. Nachzulesen in der Newsletter-Ausgabe (Opens in a new window) vom 25. März.

Und dann war der März zu Ende und ich habe im Blog (Opens in a new window), bei Apple Music (Opens in a new window) und Spotify (Opens in a new window) das Monats-Mixtape gedroppt.

Was hast Du gehört?

Bochum’s finest hat endlich ihr Debütalbum veröffentlicht: Vor zwei Wochen erschien „Virgin Lake“ von Philine Sonny (Nettwerk; Apple Music (Opens in a new window), Spotify (Opens in a new window), Amazon Music (Opens in a new window), Tidal (Opens in a new window), YouTube Music (Opens in a new window), Deezer (Opens in a new window), Bandcamp (Opens in a new window)). Das Album schließt an die großartigen ersten EPs und Singles an, entwickelt den Sound, den man inzwischen sicherlich als „den typischen Philine-Sonny-Sound“ bezeichnen kann, aber weiter: Die 58 Minuten klingen definitiv mehr nach ihr selbst als nach den Vorbildern The War On Drugs, Sam Fender oder Bruce Springsteen und ich bin bei jedem Hören erstaunt, wie traurig und zugleich rockig dieses Album ist.

Auch Melanie Baker aus Newcastle hat ihr erstes Album rausgebracht: „Somebody Help Me, I'm Being Spontaneous!“ (Tambourhinoceros; Apple Music (Opens in a new window), Spotify (Opens in a new window), Amazon Music (Opens in a new window), Tidal (Opens in a new window), YouTube Music (Opens in a new window), Deezer (Opens in a new window), Bandcamp (Opens in a new window)) ist schon im Namen witzig; Songtitel wie „ААААААААННННHННН!!!!“, „НАНА!“, „My Head Fell Off Last Night“ oder „Bye Bye, Loser Blues“ deuten auf einen Humor hin, der - wie die Musik - von der Slacker- und Grungekultur der 1990er Jahre inspiriert ist. Wenn Ihr Bully, Brockhoff oder Courtney Barnett mögt, solltet Ihr auch bei Melanie Baker reinhören!

Arlo Parks hat ihr inzwischen drittes Album „Ambiguous Desire“ (Transgressive Records; Apple Music (Opens in a new window), Spotify (Opens in a new window), Amazon Music (Opens in a new window), Tidal (Opens in a new window), YouTube Music (Opens in a new window), Deezer (Opens in a new window), Bandcamp (Opens in a new window)) veröffentlicht. Es ist „vom Dancefloor inspiriert“ und klingt deshalb vielleicht ein bisschen elektronischer und poppiger als die vorherigen Alben, ich finde es aber wieder sehr gelungen.

Ebenfalls das dritte Album hat Juni Habel aus Norwegen herausgebracht. Ich kenne die Vorgänger nicht, aber „Evergreen In Your Mind“ (Koke Plate; Apple Music (Opens in a new window), Spotify (Opens in a new window), Amazon Music (Opens in a new window), Tidal (Opens in a new window), YouTube Music (Opens in a new window), Deezer (Opens in a new window), Bandcamp (Opens in a new window)) ist sehr reduzierter, introspektiver Folk, wie geschaffen für einen Sonntagmorgen mit Kaffee im Bett. Wer die Frühwerke von Laura Marling oder Emmy The Great liebt, wird auch dieses Album mögen.

Und wenn Ihr jetzt lieber noch laute Gitarren, ordentliches Schlagzeuggeknüppel und schreiende Männer hören wollt: Mein Kumpel Benni und seine Band City Light Thief haben schon Anfang Februar ihre EP „Greetings From Fevers Key“ (Grand Hotel van Cleef; Apple Music (Opens in a new window), Spotify (Opens in a new window), Amazon Music (Opens in a new window), YouTube Music (Opens in a new window), Deezer (Opens in a new window)) herausgebracht, die genau diese mächtige Mischung aus Wut, Trauer, Aggression und Verletztlichkeit ausstrahlt, die wir alle vor 20, 25 Jahren schon so geliebt haben.

Was hast Du gesehen?

Ich war zum ersten Mal seit fast einem Jahr im Kino. Für 14 Euro bekam ich zwei Dudes, die minutenlang quasselten und erst still waren, als eine Frau und ich sie gleichzeitig, aber unabhängig voneinander darauf hinwiesen, dass wir den Film gerne ohne ihren Kommentar sehen würden, und mindestens acht Personen, die erst in den Saal kamen, während die ersten 15 Minuten schon liefen. Ich hab mich also durchaus gefragt, warum ich mir das alles antue, aber „Project Hail Mary“ mit Ryan Gosling und Sandra Hüller war dann doch so gut, dass ich das Kino nach zweieinhalb Stunden durchaus gut gelaunt und bewegt verließ. Der Film nach dem Buch von Andy Weir, in dem sich Gosling als einsamer Astronaut auf einer ziemlich ausweglosen Mission mit einem Steinbeißer-ähnlichen Alien anfreundet, drückt einfach zu viele Knöpfe in Sachen Pathos, Niedlichkeit und Opulenz. Es ist einer dieser Filme, über die man dann sagt, man müsse sie im Kino sehen, aber meint, man müsse sie mit sehr guter Technik auf sehr großer Leinwand sehen. Bei aller Liebe für den kulturellen Ort des Lichtspielhauses: Die meisten anderen Menschen dort im Saal haben ja eigentlich immer schon genervt.

Die Alternative heißt u.a. Netflix, das aus ganz anderen Gründen problematisch ist. Auch hier gibt es allerdings ein „trotzdem“, denn „Wake Up Dead Man“ (Opens in a new window), der dritte Teil von Rian Johnsons „Knives Out“-Trilogie ist wie auch Teil 1 (s.a. Newsletter #80 (Opens in a new window)) und Teil 2 (s.a. Newsletter #112 (Opens in a new window)) wieder richtig gut — nur irgendwie ganz anders als die ersten beiden Teile. Es ist immer noch ein murder mistery rund um Daniel Craig als Detektiv Benoit Blanc, aber der Film ist mindestens auch ein Film über Glauben, Gemeinschaft, Traditionen und Verlogenheit

Außerdem haben wir das „Wer wird Millionär?“-Osterspecial gesehen. Das hilft Euch nicht viel, weil die Sendung nicht mehr bei RTL+ verfügbar ist, aber der Auftritt der 86-jährigen Elisabeth Jakubowski (Opens in a new window) aus Duisburg war sensationell.

Was hast Du gelesen?

Bei Longreads (Opens in a new window) kann man einen Auszug aus dem neuen Buch von Kory Stamper lesen. Es geht darin um die Definition von Farben und ist für einen Linguistik-Ultra wie mich ein großes Fest.

Ebenfalls um Sprache, aber auch um Gesellschaft, Rassismus und das Ruhrgebiet geht es in dem Text, den Carolin Würfel für den „Guardian“ (Opens in a new window) aufgeschrieben hat: Sie hat auf einem Flohmarkt in Istanbul das Wörterbuch „Türkler için Almanca – Deutsch für Türken“ von 1965 entdeckt, mit dem die sog. Gastarbeiter lernen sollten, ihrer Industriearbeit nachzugehen — viel mehr dann aber auch nicht. Würfel schreibt, das Buch lese sich „wie eine Sammlung von Lektionen von jemandem, der weniger an Austausch als an Zurschaustellung interessiert ist“.

Ich war immer ein großer Fan der kanadischen Band The Weakerthans. Ihr Sänger John Samson Fellows hatte mit Angststörungen und Depressionen zu kämpfen und hat sich aus der Rockmusik und dem Tourleben völlig zurückgezogen. Luke Ottenhoff hat ihn jetzt für die Website Hazlitt (Opens in a new window) besucht: Für Weakerthans-Fans gibt es wenig Anlass zur Hoffnung auf eine musikalische Rückkehr, aber als Mensch scheint es ihm wieder gut zu gehen.

Die großartige Ann Powers hat im Newsletter (Opens in a new window) von NPR Music darüber geschrieben, ob es bei Popkultur nicht auch zu viel Hermeneutik geben kann. Es geht um „Project Hail Mary“, die Sängerinnen Raye und Olivia Dean und um Bruce Springsteen, dessen aktuelle Tour darauf abzielt, jede politische Uneindeutigkeit oder Fehlinterpretation seines Werks hinter sich zu lassen. Wie immer bei Ann Powers hat alles mit allem zu tun und sie teilt viele kluge Gedanken.

Die von mir hochverehrten Pet Shop Boys haben ein 600-Seiten-Buch veröffentlicht, das ihre visuellen Arbeiten (Album- und Singlecover, Fotos, Bühnenbilder, Kostüme, Musikvideos) dokumentiert. Aus diesem Anlass haben sie mit Alex Needham vom „Guardian“ (Opens in a new window) gesprochen und dabei, wie so oft, sehr kluge und lustige Sachen gesagt. (Unter anderem erklärt Sänger Neil Tennant, warum geheftete Print-Magazine seines Erachtens einladender und damit erfolgreicher sind als solche mit einem geklebten Rücken.)

Was hast Du zum ersten Mal gemacht?

Nach einem kleineren Zwischenfall zwischen einem Möbel und einem meiner Zehennägel habe ich in der Drogerie ein Produkt namens Nagelhärter erworben und aufgetragen, um das Schlimmste zu verhindern. Anschließend habe ich zum ersten Mal meine Nägel „gemacht“ und habe jetzt auch mutmaßlich diamantharte Fingernägel.

Was hast Du gelernt?

1856 hat die Amerikanerin Eunice Newton Foote durch eine Reihe von Experimenten herausgefunden, dass zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre zu einem schnellen Anstieg der globalen Temperaturen führen könnte. Doch ihre Forschungen gerieten schnell in Vergessenheit; stattdessen gilt der irische Physiker John Tyndall, der drei Jahre später durch komplexere Experimente zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangte, weithin als Entdecker des Treibhauseffekts und als Vater der Klimawissenschaft. (Quelle: Advancing Physics (Opens in a new window))

Was hat Dir Freude bereitet?

Ich hab eine perfekte Micky Maus auf meinen Herd gekleckert:

Und jetzt: Musik!

https://www.youtube.com/watch?v=dLxpNiF0YKs (Opens in a new window)

Wenn Dir mein Schaffen (Buch (Opens in a new window), Newsletter (Opens in a new window), Blog (Opens in a new window), Musik (Opens in a new window)) Freude bereitet, teile es doch gerne mit Personen in Deinem Umfeld, denen es auch gefallen könnte!

Und wenn Du meine Arbeit auch finanziell unterstützen magst und kannst: Das geht per PayPal (Opens in a new window) oder als Bezahl-Abo.

Habt ein schönes Wochenende!

Always love, Luki

  1. Eine Enthüllung, die erst diese Woche so richtig auf Social Media verbreitet wurde.

  2. Ein Kollege schlug „Woody Allen“ vor, was sicherlich nicht falsch, aber auch auf eine ganz eigene Art (Opens in a new window) beunruhigend ist.

  3. Kauft Eure Bücher trotzdem lieber in der kleinen Buchhandlung um die Ecke als bei Thalia oder gar Amazon!

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