Irgendwo in Amerika gibt es eine mysteriöse Kleinstadt, die man von allen Orten in den USA aus in zwei Stunden erreichen kann. Ist man erstmal durch einen umgefallenen Baum von der Straße abgekommen, gelangt man nicht mehr hinaus aus dem Dorf und dem umliegenden Zauberwald. Die Bewohner dort sind nachts mit irrgrinsenden Leuten konfrontiert, die sich in albtraumhafte Kreaturen verwandeln und ihre Opfer gnadenlos abschlachten. Als eine vierköpfige Familie auf ihrem Weg in den Camping-Urlaub in dieser Stadt landet, ändert sich im Dorf einiges, denn zum ersten Mal versuchen die Menschen nun mit allen Mitteln herauszufinden, was hier vor sich geht. Und das ist so einiges: Strom ohne Quelle und Kabel, Träume, die Realität werden, Teleporterbäume, seltsame Zufälle, Wunden, die schneller heilen als normal, und das ständige Gefühl, beobachtet zu werden. Sind die Einwohner des Dorfes Teil eines wahnwitzigen Escape-Room-Spiels, eines perfiden Experiments, einer Massenpsychose oder einer göttlichen Prüfung?
From von John Griffin aus dem Jahr 2022 ist u.a. mit Harold Perrineau Jr., Catalina Sandino Moreno, Eion Bailey, Shaun Majumder und Robert Joy besetzt und ein Paradebeispiel für zeitgenössische Serien. Die erste Staffel ist spannend erzählt und weiß durch die vielen Seltsamkeiten zu fesseln. Dabei sind die Charaktere straff gebaut, die Splatterszenen blutig und die Handlung noch einigermaßen auf den Punkt.
In der zweiten Staffel aus dem Jahr 2023 beginnt die Story dann auszufransen, und statt Antworten erhält der Zuschauer nur noch mehr Fragen und Geheimnisse. Jetzt wird geheiratet, sich fortgepflanzt und es werden pathetische Sprüche geklopft. Das zerstört die Dramaturgie nachhaltig. Alle scheinen plötzlich komplett durchzudrehen, sprechen mit Gott, sehen Dinge und hören Stimmen. Charaktere, die in der ersten Staffel noch auszuhalten waren, beginnen zu nerven. Jeder taumelt jetzt durch die Gegend und versucht, auf eigene Faust die Rätsel zu lösen, anstatt sich mit den anderen abzusprechen.
Staffel drei, die 2024 lief, verwirrt die Zuschauer dann vollends mit LSD-Trips, Visionen, Dimensionstheorien und Halluzinationen. Jetzt rufen Tote per Telefon an, die Leute leiden vermehrt unter Psychosen, Nervenzusammenbrüchen und Schwangerschaften und man findet heraus, dass nur bestimmte Hauptdarsteller die Teleporterbäume unbeschadet benutzen können.
Nach fast 30 Stunden From geschieht das, was bei jeder zeitgenössischen Serie passiert, die zu lange läuft: Es setzt Ermüdung und Langeweile ein. Zu einer guten Geschichte gehört ein Ende. Dieses künstliche Hinauszögern der Auflösung und das Anhäufen unzähliger kleiner, immer dämlicher werdender Nebenplots erinnert an die Urmutter solcher Quatschserien - Lost (2004) - und an die nervtötende Ewigserie The Walking Dead (2010). Letztendlich gibt es für diese Verzögerungstaktiken nur einen Grund, und zwar die Zuschauer bei der Stange zu halten.
Nach drei Staffeln sind wir dem eigentlichen Geheimnis der seltsamen Dimension kein Stück näher gekommen, stattdessen werden immer neue Seltsamkeiten und Geheimnisse aufgetischt. Jetzt liegt der Fokus nicht mehr auf einer spannenden Geschichte, sondern auf den obligatorischen Standardfamilienproblemen und zwischenmenschlichen Beziehungen, die nur dazu dienen, Identifikationsfläche beim Durchschnittskonsumenten zu schaffen, damit weitergeglotzt wird. Mittlerweile haben viele Charaktere in der Serie eine unsichtbare oder sichtbare Dialoghalluzination, die ihre Gefühlswelt erklärt, damit auch der letzte Second-Screen-Zoomer folgen kann. Hinzu kommt ein schrecklicher Schnitt. Ist es ausnahmsweise einmal spannend, wird sofort weggeschnitten - fast hätte ich "gewischt" gesagt, denn dieser ständige, fast zwanghafte Wechsel zwischen Plots, Charakteren und Szenen erinnert doch sehr an Sehgewohnheiten, die durch TikTok und Co. beeinflusst sind.
Hier hat sich eindeutig der "Lost-Effekt" eingeschlichen; man blickt nicht mehr durch, sondern wird nur noch von Szene zu Szene getrieben, was den Wust an hanebüchenen Geschichten und Geheimnissen immer weiter vergrößert. Das hat alles nichts mehr mit der Kunstform Film zu tun, sondern soll nur noch möglichst viele Kunden binden. From ist der Inbegriff des hässlichen Streaming-Produkts, das mit Cliffhangern, Erklärungen, Rückblenden, ständigen Schnitten und viel Langeweile die zeitgenössischen Sehgewohnheiten und ökonomischen Interessen der Unterhaltungsindustrie illustriert.
https://www.imdb.com/title/tt9813792/ (Opens in a new window)