Der alkoholabhängige und mit seinem Leben unzufriedene Möbelhändler Clark entdeckt im Keller seines maroden Geschäfts ein Portal in die Backrooms. Das ist eine unendliche Albtraumdimension aus gelben Räumen und surrealer Architektur, als hätte eine KI halluziniert. Als er und einige seiner Angestellten versuchen, die Existenz dieser Welt zu beweisen und die Backrooms auf Video festzuhalten, werden sie von seltsam verzerrten Wesen angegriffen. Aus Sorge um ihren verschwundenen Patienten begibt sich daraufhin Clarks Therapeutin Dr. Mary Kline ebenso in das endlose Labyrinth. Dort stößt sie auf den wahnsinnig gewordenen Clark sowie auf das mysteriöse Async-Institut, das versucht, diese bizarre Anomalie der Raumzeit zu erforschen und zu kartografieren.
Backrooms ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Horrorfilm aus dem Jahr 2026 und das Regiedebüt von Kane Parsons. Das Drehbuch schrieben Roberto Patino und Will Soodik. Die Filmmusik stammt von Edo van Breemen und Kane Parsons. Der Film basiert auf einer urbanen Legende und den Creepypastas, die Parsons in seiner gleichnamigen YouTube-Serie seit 2022 verarbeitete. In den Hauptrollen sind Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell und Avan Jogia zu sehen.
Der Hinterzimmer-Horror wird zumeist mit dem so genannten "Liminal Space" erklärt. Mit diesem aus der ethnologischen Übergangsritenforschung stammenden Konzept werden physische oder psychische Übergangsorte und Zwischenstadien bezeichnet. In der Psychologie und der heutigen Netzkultur beschreibt es Orte oder Zeiten, in denen man sich zwischen zwei Zuständen befindet. Bei diesen Schwellenräumen handelt es sich physisch oft um leere, einstmals belebte Orte wie verlassene Flure, Lagerhallen und Einkaufszentren, die einsam, unheimlich und surreal wirken.
Backrooms wurde als Offenbarung und Zukunft des Horror-Genres bezeichnet; so weit würde ich nicht gehen. Wir scheinen heute so dermaßen gelangweilt von der Einfallslosigkeit des Genres - ja des Filmemachens generell - zu sein, dass wir einen originellen Horrorfilm als Heureka-Moment feiern. Und auch wenn Kane Parsons´ Werk eine innovative Produktion ist, so neu ist das alles auch wieder nicht. Bizarre Albtraumdimensionen, Zwischenwelten und fremdartige Architektur finden wir seit H. P. Lovecraft und seinen Epigonen als festen Bestandteil des Genres. Und auch der Schrecken der "Liminal Spaces" entpuppt sich in Backrooms im Grunde als eine Spielart der Angst vor dem Unbegreiflichen, wie wir sie bereits innerhalb des kosmischen Horrors finden. Schließlich erinnerte selbst der entstellte Monsterpirat an eine bereits bestehende Figur: und zwar an den “Crooked Man” aus James Wans Conjuring 2 (2016) - Wan tritt bei Backrooms übrigens als Produzent auf.
Man verstehe mich nicht falsch: Backrooms ist ein gelungener Horrorfilm, der zu gruseln weiß und eine fantastische Atmosphäre aufbaut. Das schafft er vor allem auch durch seine Ästhetik. Die Geschichte ist 1990 angesiedelt und die reale Welt erscheint genauso hässlich wie die Hinterzimmer. Es gibt zwei Blöcke im Film, die im Found-Footage-Stil gedreht sind. Mit dem körnigen VHS-Bild schafft es Parsons, eine Echtheit und Lebendigkeit zu vermitteln, die vielen zeitgenössischen Filmen mit ihrer 4K- oder Mehr-K-Qualität komplett abhandengekommen ist. Dachte man früher noch, je schärfer das Bild sei, desto realistischer wirke das Gezeigte, so weiß man heute, dass all die kristallklaren Bilder uns vom Gezeigten eher trennen, weil sie seelenlos und künstlich wirken. Der Film benötigt diese Echtheit, um den Bruch mit der absolut fremden Dimension zu verstärken.
Backrooms zeigt uns auf diese Weise vielleicht wirklich, wie die Zukunft des Horrorfilms aussehen könnte: weg von ultrascharfen, seelenlosen Bildern und künstlichen Digitalwelten ohne Herz, zurück zum Charme der nicht ganz klaren Aufnahmen, der von Menschenhänden gebauten Kulissen und des analogen Looks. Zurück zum Horror, der im Menschen selbst lauert. Hin zu Filmen, die uns verunsichern, erschrecken und berühren, so wie es Backrooms tut.
https://www.imdb.com/de/title/tt26657236/ (Opens in a new window)