Skip to main content

Mein Herz-Wauzer – eine kleine Elegie auf vier Pfoten

Diesen Text schrieb ich vergangene Woche, nicht für fremde Augen bestimmt. Aber viele von uns haben Seelentiere zu Hause, verbringen ihr Leben gemeinsam und wenn der Lebensherbst und Winter unserer pelzigen Familienmitglieder kommt, macht das Angst. Und so dachte ich mir, gemeinsam ist diese Angst besser zu bewältigen. Und so möchte ich diesen Text doch mit euch teilen und gleichzeitig meine Ängste.

Ohne Paywall.

Eure Frau Kruemelkuchen

Herbst oder schon Wauzi-Winter?

Es gibt im Leben dieser merkwürdigen, vernunftbegabten Spezies Mensch Wesen, die uns lehren, was Hingabe bedeutet, ohne ein einziges Wort zu verlieren. Wesen, die uns nicht mit Argumenten, sondern mit Blicken erziehen; die uns Geduld beibringen, ohne den erhobenen Zeigefinger; die uns Trost schenken, ohne rhetorische Spiralen, sondern mit einer Schnauze, die sich vorsichtig an unsere Hand lehnt.

Unser Wauzerich – dieses pelzige Kapitel unserer Familienchronik – ist ein solcher Lehrmeister.

Er kam zu uns als übermütiger Welpe, ein kleines Bündel Temperament und Unfug. Ein schelmischer Geist, ein Charmeur vor dem Herrn, der sich nicht durch Schuhe, sondern direkt in unsere Herzen knabberte. Als Teenager verwandelte er das Wohnzimmer in ein Übungsfeld für seine wachsende Persönlichkeit – stürmisch, stur, lebensbejahend. Ein Rüpel? Ja. Aber ein liebenswerter, begnadeter.

Mit den Jahren wurde aus dem Flegel ein kluger, souveräner Hund mit stabilem Charakter – ein Herz-Wauzer. Mein Herz-Wauzer.

Doch nun tritt das Alter, dieses stille, unaufhaltsame Phänomen, in seinen Gang. Nicht einfach „älter“, sondern alt. Sein Blick ist wach, sein Geist klar, sein Wille ungebrochen – aber der Körper folgt diesem Willen nur noch mit Bedacht, vorsichtig, langsam. Jeder Schritt erzählt von den vielen Jahren, in denen er uns begleitet hat.

Und ich sehe es. Ich sehe es jeden Tag ein wenig mehr.

Heute aber war ein solcher Tag, der mir den Boden für einen Moment unter den Füßen entzog:

Ein Schwächeanfall. Apathie. Verwirrung. Beine, die sich nicht koordinieren ließen – als hätte sein Körper plötzlich vergessen, wie das Leben funktioniert.

Ein Anblick, der in mir eine elementare Panik auslöste, jene uralte Angst, jemanden zu verlieren, der längst Teil des eigenen Herzens geworden ist.

Zum Glück war die Tierärztin erreichbar, kompetent, ruhig. Sie untersuchte ihn mit jener Professionalität, die beruhigt, weil sie nichts beschönigt und gleichzeitig alles Menschenmögliche tut. Medikamente, die helfen sollen. Schmerzmittel für die alternde Hüfte. Ein Plan für morgen: Kontrolle, Beobachtung, Umsicht.

Denn er ist alt. Und Alter ist keine Krankheit – aber es verlangt Sorgfalt, Respekt und jenen stillen Beistand, den man nicht erklären muss.

Und so wache ich bei ihm.

Solange er es mag. Solange er mich braucht.

Solange sein Blick sagt: Bleib noch ein bisschen.

Er hat uns so viel gegeben. So selbstverständlich, so abundant, so treu.

Ich hoffe, wir dürfen ihn noch lange begleiten – durch die langsamen Tage, die leisen Abende, die zärtlichen letzten Kapitel eines Lebens, das unseres reicher gemacht hat.

Mein Herz-Wauzerich.

Bleibt's xund und die pelzigen Familienmitglieder auch

Eure Frau Kruemelkuchen

Wer mich und meine Arbeit unterstützen möchte, kann dies hier tun (ich reiche den Hut in die Runde):

Schließt ein Abo ab. Monatlich oder Jahresabo (ist günstiger).

Ich würde mich narrisch freuen, wenn ihr mein Profil teilt, darauf aufmerksam macht, und Teil dieser kleinen elitären Gemeinschaft werdet.

Wer einfach nur informiert sein möchte, kann sich einen Newsletter bestellen.

Heute gibt's nicht eine kleine Überraschung 🫶🏼

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - and start the conversation.
Become a member