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Schreiben zwischen Chronik und Chaos

„Schreibst du eigentlich jeden Tag neu?“ werde ich öfter gefragt.

Die Antwort lautet: Ja und nein.

Ja, weil ich im Grunde permanent schreibe. Ich notiere, sobald ein Gedanke aufflackert wie ein unstetes Irrlicht – sei es ein Satz, eine Metapher oder eine kleine Pointe, die sich in meinem Kopf breitmacht und sofort aufs Papier (oder wahlweise ins Smartphone) gezwungen werden will. Notizbücher, Apps und lose Zettel sind Zeugen dieses unaufhörlichen Stroms, den man mit etwas gutem Willen „kreativen Prozess“ nennen könnte.

Und nein, weil die meisten Texte, die später im Blog erscheinen, nicht in einer einzigen Nacht geboren werden. Sie entstehen zwischendurch, in Intervallen, im Auf und Ab zwischen Alltagshektik, Kaffeeduft und Migränepausen. Beim Geschirrspüler einräumen oder Unterlagen sortieren, oder unterwegs. Groteske Situationen die uns allen passieren möchten festgehalten werden. Und schon entstehen die Geschichten, die Beiträge.

Sobald sie halbwegs in Form gebracht sind, werden sie hochgeladen, dort auf digitalem Parkett zwischengelagert und – ganz professionell – auf „geplante Veröffentlichung“ gestellt. Ein Klick, und der Beitrag wartet artig auf seinen Einsatz.

Zwischen Planung und Spontaneität liegt dabei ein feines Gleichgewicht. Viele glauben, Schreiben sei ein Luxus, der nur denen vergönnt ist, die über zu viel Zeit verfügen – als hätte ich stundenlange Vormittage zum gedankenverlorenen Tippen auf Balkonien. Oder ganz nach Woolf, in meinem eigenen schön eingerichteten Zimmer, wo die Kreativität sprudeln und mir der Zen aus den Ohren fließen kann. Weit gefehlt.

In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Ich habe nicht mehr Zeit als andere – ich entscheide nur anders, wie ich sie nutze.

Statt eine weitere Staffel auf Netflix zu schauen, notiere ich Gedanken zu Ende. Statt mich um fünf Uhr morgens durch die algorithmische Endlosschleife von Facebook zu scrollen, feile ich an einem Absatz, suche nach der treffendsten Wendung, entwerfe Themenpläne. Schreiben ist für mich kein Lückenfüller, kein Zeitvertreib – es ist eine Form des Atmens, ein geordnetes Chaos, das mir Struktur schenkt, während draußen die Welt bereits Kaffee kocht. Gut, OK. Dieser kocht auch bei mir, nur lese ich morgens nicht die neuesten Aussagen Trumps, und welche Namen er gestern vergessen hat, während ich den Kaffee schlürfe. Ich schreibe. (Gerade eben auch. Es ist halb sechs, dieser Text ist

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