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Zwischen Feder und Gefühl – Von Virginia Woolf zu Marshall B. Rosenberg

Ich bin noch in Prag, lasse mich von Eindrücken dieser flirrenden Stadt berieseln.

Zeit für Notizen habe ich natürlich immer, ich notiere, ich speichere. Aber Vollenden ließ sich nix. Daher heute was Eingewecktes. Nein keine Kirschen von Omas.

Sondern eine Bücherempfehlung:

Eine Einladung, die Welt sanfter zu machen

Ich lese bekanntermaßen viel – Literatur verschiedenster Couleur, von essayistischer Tiefgründigkeit bis zu stiller Poesie.

Derzeit, zum wiederholten Male, begleitet mich Virginia Woolf mit „Ein Zimmer für sich allein“.

Dieses Buch, diese Rede, dieses Manifest weiblichen Denkens hat an Brisanz und Aktualität nichts verloren.

Liest man die Kapitel zwei, drei, vier, fünf – und eigentlich jedes einzelne – mit wachem Geist, hat man unweigerlich das Gefühl, Woolf habe sie erst gestern verfasst, im Angesicht unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskurse.

Sie verliert niemals die Contenance.

Sie erhebt die Stimme, ohne laut zu werden.

Ihre Sprache bleibt souverän, niemals verletzend, getragen von jener Grandezza, die aus innerer Klarheit und aufrechter Haltung erwächst.

Woolf vergreift sich nicht in der Tonalität – sie verwandelt Empörung in Eleganz, Missstände in feinsinnige Analyse.

Ihre Worte sind scharf wie Glas und zugleich von jener Zärtlichkeit, die nur entsteht, wenn man das Leben in seiner ganzen Ambivalenz liebt.

Sie schreibt mit gebührender Wertschätzung – selbst dort, wo sie Strukturen offenlegt, die Frauen über Jahrhunderte in die Enge gedrängt haben.

Und sie kommuniziert, was heute so vielen abhandengekommen ist: gewaltfrei.

Nicht im Sinne der Schweigsamkeit, sondern als bewusste, achtsame, respektvolle Form des Ausdrucks.

Was mich unweigerlich zu einem anderen Werk führt, das mich seit Jahren begleitet – und, man darf sagen, geprägt hat:

„Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg.

Ein Buch, das weit über die Grenzen eines Kommunikationsmodells hinausgeht.

Es ist eine Lebenshaltung. Eine Ethik des Herzens.

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