Ein Tag im kafkaesken Zwischenraum

„Deine Abwesenheit ist ein leiser Schatten auf meiner Haut.
Meine Sehnsucht – ein zarter Durst nach deinem Dasein.
Doch in mir blüht die Vorfreude:
Bald bist du wieder nah.
Und alles wird still – außer dem Glück.“
#Serina Grados
Mit diesen Worten beginne ich den Tag – oder besser: ich versuche es.
Denn mein Alltag ist derzeit eine merkwürdige Mischung aus metaphorischem Seiltanz und ganz realen Stolpersteinen. Kafka hätte daran vermutlich seine helle Freude – mein vegetatives Nervensystem offenbar auch.
Mein Körper – ein Wesen eigener Dramaturgie – spielt heute wieder das Stück „Ich mach mal, was ich will – Teil 347“, begleitet von einem Ensemble aus Kribbeln, Schmerzspitzen und sensorischer Improvisation.
Ich bin nicht Zuschauerin, sondern Hauptdarstellerin –
mit der bemerkenswerten Schwierigkeit, das Drehbuch nie vorher zu kennen.
Währenddessen entfaltet sich im Außen eine weitere Parallelhandlung:
Der Wäscheberg hat mittlerweile die Ausmaße eines mittleren Gebirgszugs angenommen.
Der Teenager des Hauses praktiziert textilen Exorzismus –
dreimal täglich das Gewand zu wechseln, scheint eine Art rituelle Selbstfindung zu sein.