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Ankommen (Schreibjahresrückblick 2025)

“Ich kann nicht glauben, dass ich das geschafft habe”, schreibe ich am Abend des ersten Weihnachtstages in mein Notizbuch. Ein Testdurchlauf für die erste Ausgabe “Zeit zum Schreiben”, die mich komplett auseinandergenommen hat - ich würde gern sagen, auf die gute Art, aber puh … was für ein Jahr. Wie schreibe ich dazu einen Rückblick? Wo fange ich an? Am besten im Januar, oder? Ja, starten wir da. Obwohl …

Prolog

Dieses Schreibjahr begann für bereits Ende 2024, nachdem ich eine Zusage vom Goldmann-Verlag erhielt, und nicht wusste: Darf ich mich jetzt freuen? Oder verkrieche ich mich lieber unterm Bett, weil … Was soll das heißen, ich muss das Buch jetzt auch schreiben?

Vor ziemlich genau einem Jahr lag ich mit dem Laptop im Bett und kämpfte mich durch den fürchterlichen Mittelteil eines Manuskripts, von dem ich mir sicher war, es würde nienienie dem Anspruch gerecht werden, den ich seit dieser Zusage an die Geschichte hatte. Ich meine, es war Goldmann. Was zur Hölle machte ich hier überhaupt?

Zum Glück (ja, echt) hatte ich keine Zeit, diese Zweifel auszusitzen, mit der Deadline und allem, und mit allem meine ich die Tatsache, dass das Schreiben der Rohfassung eigentlich nur nebenher lief, denn ich wollte ja auch ein Buch veröffentlichen, und das war noch längst nicht so, wie ich es haben wollte.

Kapitel 1: House on fire

Januar also. Saldo: 45.000 Wörter Ziegen-Murks und eine letzte Lektoratsrunde für “Rebel of the Light”, nebenbei die Suche nach einer Druckerei, dazwischen tausend Fragen. Welchen Vertrieb nehme ich? Warum nochmal will ich dieses Buch unbedingt veröffentlichen? Es sieht bestimmt auch gut in der Schublade aus! Und, ähm, was zur Hölle mache ich hier?

Der Februar kam und ging, meiner Rohfassung fehlten noch zu viele Wörter, bis zur Buchmesse wollte ich fertig sein - keine Ahnung, wie, aber hey, das Arbeiten unter Zeitdruck, das hatte ich ja im Brotjob gelernt. Seit ein paar Jahren war ich nun in Teilzeit, hatte de facto weniger Stunden, weniger Geld, aber gleich viel Verantwortung. Dass das auf Dauer nicht gutgehen kann, drängt sich im Nachhinein auf, aber ich habe ja gern alles im Griff, alles gut, alles kein Problem, darauf war ich immer so stolz, auch wenn es mich jetzt, da ich deutlich mehr Projekte hatte, dreimal pro Woche in die Buchhandlung trieb. Schnelles Dopamin und so.

Wie durch ein Wunder (ich habe geackert und gejammert) hielt ich meine selbstgewählte Deadline, das Manuskript wurde pünktlich zur LBM “fertig”, und es war absolut furchtbar. Also, vielleicht wäre es okay gewesen - beim Lesen kennt man ja immer nur die eine Version. Aber ich hatte ja noch drei Wochen. Das konnte ich besser! Und während im Büro weiter die Hütte brannte, ich aus dem Gefühl heraus, ständig überfüllt zu sein, die Buchmesse von zwei Tagen auf ein paar Stunden einkürzte, und hinterher die obligatorische Erkältung auskurierte, … da dachte ich mir: Warum nicht den Mittelteil komplett neu schreiben?

Es kann schon sein, dass das die schlechteste gute Idee war, die ich in diesem Jahr hatte. Jetzt, da ich das Ergebnis kenne, weiß ich aber auch: Ich würde es wieder tun.

Kapitel 2: Reaper

Ostern stand vor der Tür, der erste Urlaub seit … seit. Das Manuskript war abgegeben (und gut), die Druckdaten für “Rebel of the Light” hochgeladen (letzte Änderungen koordinierte ich aus dem Auto heraus), die Angst vor einem Fehldruck allgegenwärtig, und trotzdem freute ich mich auf eine (sehr nötige) Woche des Nichtstuns.

Ein paar Tage vorher hatte ich endlich den Mut gehabt, im Brotjob um Entlastung zu bitten. Nicht sofort, klar. Und es würde nichts liegen bleiben, versprochen! Aber im August, wenn das Kind in die Schule kam und der Alltag noch mehr werden würde, und nach diesem Riesenberg an Arbeit … Es wäre für alle von Vorteil, wenn ich mal Zeit zum Atmen hätte, richtig?

Denn irgendwie hatte ich das verlernt. Atmen. Und Schlafen. Und es war womöglich auch nicht normal, ständig schreien zu wollen. Wörter zu vergessen. Sätze nur mit Mühe herauszubringen.

Je mehr meine Performance litt, desto mehr strengte ich mich an, denn ich wollte nicht die sein, die ausfiel. Ich wollte die sein, die Termine einhielt, die ihr Projekt über die Ziellinie brachte, und das alles mit einem Lächeln, natürlich, immer. Vielleicht war das mein Fehler. Vielleicht hätte man das alles ernster genommen, wäre ich etwas schlechter darin, trotzdem abzuliefern. Vielleicht.

Ich fiel aus. Und das war gut, denn … ich lebte wieder. Ich hatte endlich wieder Zeit, zu spüren, wer ich bin, was ich will, was mir guttut. Und als ich nach Wochen zurück ins Büro kam, wusste ich: Das ist es nicht.

Kapitel 3: Bird set free

Als ich mit dem Schreiben anfing, ging es mir nicht darum, etwas zu erreichen. Den Beruf “Autorin” hatte ich längst ad acta gelegt, etwas Vernünftiges gelernt, an meinem Roman bastelte ich seit Jahren, ohne wirklich daran zu glauben, dass er jemals fertig würde. Mich 2021 zu einer Schreibwerkstatt anzumelden, war ein Akt der Verzweiflung - ich hatte keine Ahnung, dass es so viel auslösen würde. Ich wollte nur überleben, stattdessen schrieb ich mich frei. Plötzlich waren meine Gedanken nicht mehr lästig, sondern richtig, egal wie roh und ehrlich und unbequem, ich brauchte keine Maske mehr.

2025 fühlte sich das Schreiben zum ersten Mal nach Arbeit an. Die Deadline im Frühling, zwei Manuskripte, die es glattzuziehen galt, die ganze Logistik um “Rebel of the Light”, mehrere Lektorate, neue Ideen, die Exposé und Leseprobe brauchten …

Ich habe alles daran geliebt. Und vielleicht ist es gut, dass ich am Ende doch wählen musste, zwischen dem, was mir Sicherheit gibt, und dem, was mich weitermachen lässt. Das Glas ist fast leer, das Notizbuch randvoll. Egal, wie katastrophal sich das Leben manchmal anfühlt, das Schreiben erdet mich. Immer.

Meinen Brotjob zu kündigen, mag die beste schlechte Idee gewesen sein, die ich in diesem Jahr hatte. Ich weiß nicht, wie diese Geschichte ausgehen wird, weil ich doch so furchtbar schlecht im Plotten bin (wie man an diesem Beitrag mal wieder sieht). Ich weiß aber auch, dass ich sehr viel schaffen kann. Und dass dieser Traum es wenigstens wert ist, über meine Grenzen hinwegzugehen.

Kapitel 4: The Greatest

Es ist Ende Dezember, ich habe Buch Nr. 63 fertig gelesen (interessiert das jemanden?) und mein innerer Monk weigert sich, jetzt noch ein neues anzufangen. Schräg. Na gut. Aber es ist eben alles so schön rund, so aufgeräumt, und ich mag das.

Die letzten Wochen waren intensiv, obwohl die Sache mit den zwei Lektoraten überraschend gut aufging. Es gab ein paar Rückschläge, ausbleibende Rückmeldungen, aber nächstes Jahr erscheinen zwei großartige Bücher von mir, also sollte ich mich einfach freuen, richtig?

Im Büro habe ich mittlerweile den Schrank ausgeräumt, die Projekte sind durch, es bleiben 11 Tage, um meinen Kram zu sortieren, das ist wirklich nicht viel, also wirklich überhaupt nicht viel. Krass. Okay. Kurzer Panikmodus, denn ich habe exakt nichts für danach organisiert. Aber es ist noch Zeit. Ich bekomme das hin.

Und ich sollte mich einfach freuen, ja. Das werde ich auch immer wieder gefragt: Ob ich mich denn freue? Aber Freude ist nicht funktional, und ich bin darin einfach nicht gut. Im Nur-Fühlen. Vielleicht lerne ich das. Vielleicht habe ich jetzt endlich Zeit dafür, für all das, was in meinem Alltag nie richtig Platz hatte, der Termine wegen und so. Vielleicht kann ich nun aufhören zu überleben. Vielleicht muss es auch nicht alles auf einmal sein.

Es ist Ende Dezember, und ich merke wieder einmal: Loslaufen fühlt sich nach Ankommen an.

Epilog

Fun Fact: Eigentlich wollte ich diesen Jahresrückblick gut sortiert und chronologisch schreiben. (Hahaha, ja, ich weiß.)

Ich wollte erzählen, wie ich meinen zweiten Roman “Rebel of the Light” im Selfpublishing veröffentlicht habe, und dass es schöner und anstrengender war, als ich es mir hätte vorstellen können. Wie unglaublich es sich angefühlt hat, die Palette Bücher auszupacken, die noch viel besser geworden sind, als ich es mir erträumt habe. Wie stolz ich auf die 100 Vorbestellungen war, und wie enttäuscht, als danach die Bestellungen über Monate gegen Null gingen. Wie ich mich fragte: Was bringt es mir, dass alle, die es lesen, mein Buch lieben, wenn es so wenige sind? Und wie viel Kraft es mir gab, dass mir das aber niemand nehmen konnte.

Ich wollte davon schwärmen, dass ich im Frühsommer mein erstes Lektorat von der anderen Seite erleben durfte. Wie ich mit Sara an ihrer Geschichte “Keine Klinken im Nimmerland” arbeitete, die so heftig und gut und einfach heftig gut wurde, und wie sehr ich auf das fertige Buch (“Wunden wie Kronen”, BoD) hinfieberte - fast, als ob da auch ein Stück von meinem eigenen Herzen drinhing.

Ich wollte feststellen, wie unfassbar viel ich geschrieben habe! Angefangen mit “Ein Blick von dir”, das schon im März erscheint (what?!), über eine 10k-Leseprobe, mehrere neue Ideen, eine superduper geheime Fanfiction bis hin zu Band 2 von “Jetzt und nie” (wer jetzt “Au ja!” schreit, sollte unbedingt “Staged. Play it off” lesen), der aus verschiedenen Gründen nicht wie geplant fertig wurde und mich im nächsten Jahr noch ein bisschen begleiten darf, wobei ich da diese Idee habe, die ich möglicherweise zuerst …

(Sagte ich schon, dass ich mich definitv nicht langweilen werde?)

Ich wollte mich daran erinnern, wie ich im Mai auf der Lesebühne einen Text las, der das halbe Publikum zum Weinen brachte, und wie kraftvoll dieser Moment war. Wie sehr ich es liebe, meinen Worten eine Stimme zu geben.

Ich wollte gestehen, wie gern ich kreatives Schreiben unterrichte, und dass ich trotzdem nie weiß, ob ich traurig oder erleichtert sein soll, wenn ein Kurs nicht zustande kommt (was mehrmals der Fall war). Wie sehr ich mich darüber freue, dass ein paar wenige Teilnehmerinnen sich immer wieder anmelden. Wie heftig ich bei dieser Sache mit meiner inneren Kritikerin kämpfe, wie ich versucht habe, mein Konzept nahbarer zu machen, verständlicher, und eine Mischung aus Handwerk und purer Freude zu kreieren. Quasi wie Wunderkerzen, die man aneinanderhält. Ist zwar Wissenschaft, fühlt sich aber an wie Magie.

Ich glaube, ich mag Epiloge. Falls du auch Lust hast, dir deinen ganz persönlichen Abspann zu schreiben, kannst du dazu gern mein erstes Aufgaben-Paket “Zwischen den Jahren” nutzen:

(Mit einer Mitgliedschaft unterstützt du meine Arbeit als freiberufliche Autorin. Das monatliche Abo ist jederzeit kündbar.)

Danke, dass du bis hierher gelesen hast. Ich hoffe, ich darf dich auch 2026 wieder mitnehmen, wenn ich mich durch dieses Autorinnenleben wühle. Es wird wild, und ja, vielleicht auch ein bisschen beängstigend. Aber 2025 hat mich stark gemacht. Das muss ja für irgendwas gut sein …

Ich wünsche dir einen wunderbaren Jahresabschluss!

Bis bald,

Deine Karla 🤍

Topic Schreiblebenliebe

1 comment

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