Virginia Satir
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Liebe Kunstfreundin, lieber Kunstfreund,
zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert, der Zeit der Vernunft, des Fortschritts und der Aufklärung, hielt man es für ausgeschlossen, dass Frauen professionelle Malerinnen sein könnten. Die Akademien ließen sie nicht zu, die Ateliers waren Männern vorbehalten und aus „moralischen” Gründen durften sie keine Aktbilder malen.
Trotzdem gab es immer Frauen, die sich über die Regeln hinwegsetzten und sich als erfolgreiche Profis durchsetzten. Sie lebten von ihrer Kunst, verkehrten mit Adligen und Königen und hinterließen genügend Werke, um ihr Talent unter Beweis zu stellen. In der Kunst gibt es keine Geschlechter, in der Anerkennung aber sehr wohl.
Unter ihren vielen Werken zeige ich dir, wie sie sich selbst gemalt haben: mit Autorität und neben ihren Arbeitsgeräten, sich ihrer Stellung in der Geschichte bewusst. Ich stelle dir vier Frauen vor, die zwischen zwei Jahrhunderten lebten: einem, das an alten Hierarchien festhielt, und einem, das eine Gleichberechtigung versprach, die es nicht einhielt.
Die Werke dieser Malerinnen waren für Historiker jahrhundertelang ein unangenehmes Erbe, doch nun können sie ans Licht kommen. Traust du dich, sie kennenzulernen?
Verfechterin der Werte von Frauen
(Opens in a new window)Anne Dorothea Therbusch (1721–1782) hat sich in ihrem letzten Selbstporträt so gemalt. Sie war 61 Jahre alt und schreckte nicht davor zurück, diese Glasbrille zu zeigen, die sie tragen musste, da sie die Details nicht mehr gut sehen konnte.
Sie erlernte das Handwerk zu Hause, da ihr Vater, Georg Lisiewski, als Maler am preußischen Hof in Berlin tätig war. Sie heiratete, bekam fünf Kinder und griff mit 40 Jahren mit großer Entschlossenheit wieder zu den Pinseln.
Bemerkenswert an der Laufbahn dieser deutschen Künstlerin ist ihr Kampf um institutionelle Anerkennung in ihrem reifen Alter, der ihr von der Akademie in Wien und der in Paris zuteil wurde. Dies brachte ihr jedoch kein Geld ein, sodass sie weiterhin in verschiedenen Städten leben musste, um Kunden zu finden.
In den vielen Porträts, die sie gemalt hat, hat sie die Psychologie der Figuren eingefangen und damit das spätere bürgerliche Porträt vorweggenommen. Interessant sind auch ihre Selbstporträts. Auf einem davon zeigt sie sich als Gelehrte mit einem Buch in der Hand und einer Lupe, einem in Porträts sonst nicht verwendeten Objekt. Sie schaut den Betrachter des Bildes an, als wäre er ihr Modell, ohne zu erröten.
Durch die bewusste Verwendung der Lupe präsentiert sich die Künstlerin als Intellektuelle und Beobachterin und definiert die Rolle einer Künstlerin ihrer Zeit neu.
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