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Erst wenn wir aufstehen, erkennen wir unsere wahre Größe

Emily Dickinson

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Liebe Kunstfreundin, lieber Kunstfreund,

wenn du an Kunst aus dem 16. Jahrhundert denkst, fallen dir wahrscheinlich Künstler wie Raffael, Dürer, Michelangelo oder Tizian ein. Es gab aber auch Künstlerinnen, die sich in dieser Männerwelt durchgesetzt haben. Sie lernten in der Werkstatt ihrer Väter oder konnten ihre Kunst in Klöstern entwickeln, weit weg von gesellschaftlichen Zwängen.

Sie haben Konventionen herausgefordert, an öffentlichen Aufträgen mitgewirkt und es geschafft, ihre Werke zu signieren. Ihre Wiederentdeckung ist nicht nur historisch gerecht, sondern hilft auch, die Kunst ihrer Zeit besser zu verstehen. Auch wenn diese Frauen in den meisten Geschichtsbüchern immer noch unsichtbar sind, hatten sie den Mut, ihren Platz in einer Welt einzunehmen, die sie nicht erwartet hatte.

In dieser Ausgabe reisen wir ins 16. Jahrhundert, um vier faszinierende, aber wenig bekannte Künstlerinnen kennenzulernen: Plautilla Nelli, Catharina van Hamessen, Marietta Robusti und Bárbara Longhi. Ihre Lebenswege sprechen auch heute noch laut aus der Vergangenheit zu dir.

Die erste Künstlerin, die ihre Werke signierte

Plautilla Nelli. Die Heilige Katharina von Siena. Um 1550, Uffizien, Florenz. Florenz.

Der richtige Name von Plautilla Nelli (1524–1588) war Pulisena Margherita Nelli. Sie nahm den Namen Sor Plautilla an, als sie Nonne wurde. Sie wurde als Tochter eines reichen Kaufmanns in Florenz geboren, was ihr eine privilegierte Stellung als Ordensfrau sicherte.

Sie verbrachte ihr ganzes Leben im Kloster Santa Caterina in Florenz und brachte sich das Malen selbst bei, indem sie Bilder eines Schülers Raffaels kopierte. Sie war die erste Künstlerin, von der bekannt ist, dass sie ihre Bilder signierte. Trotz ihrer Klausur verwandelte sie ihre Zelle in ein Atelier und schuf großformatige, ausschließlich religiöse Werke. Ihr wichtigstes Werk war ein fast sieben Meter großes Gemälde „Das letzte Abendmahl“ (Opens in a new window), das im Kloster aufgehängt werden sollte. Es war das erste Bild dieses Motivs, das von einer Frau gemalt wurde. In diesem Fall gab es keine männlichen Vorbilder.

Ihre Figuren entsprechen nicht den akademischen Regeln, sind aber emotional und voller Gefühle, Leid und Mitgefühl. Plautilla gab sich nicht mit dem Malen zufrieden. Sie bildete auch andere Nonnen aus, die Aufträge für externe Kunden ausführten.

Nach Plautilla Nellis Tod geriet ihr Werk für Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst dank der Organisation „Advancing Women Artists”, die sich bis 2021 der Restaurierung von mehr als 50 Werken florentinischer Malerinnen widmete, wurde ihr Werk wiederentdeckt und findet heute die Anerkennung, die es verdient.

Das erste Porträt vor der Staffelei

Catharina van Hemessen. Selbstporträt, 1548. Öffentliche Kunstsammlung Basel.

Im 16. Jahrhundert war die junge Catharina van Hemessen (1528–1587) die Erste, die sich selbst bei der Arbeit mit Pinsel und Palette vor ihrer Staffelei porträtierte. Mit diesem Porträt wollte sie klarmachen, dass sie die Schöpferin ihrer Werke war, auch wenn sie eine Frau war.

Topic Künstlerinnen / Künstler

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